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DIE
PSEÜDOKLEMENTINEN
IIOMILIEN UND REKOGNITIONEN
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VON"
Lic. HANS WAITZ
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LEIPZIG
J. C. HlNRirHS*si:nF. lirCHliAXDl.UNiT
1904
Für die rtyvhnaHSVfen Ahfwhwer der „7V?.Wi' u/id !'ntcrsii*.'hnntjai" UojKit
THi'l und hdftilf %u KF X diesnn Jk/fc hfi.
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Vcrlug der J. C. HINRICHSWicn BuchbnndlunR in Leipzig.
TEXTE ÜHD ÜSTERSCCHÜKGEN ZUR GESCHICHTE DER
ALTCHRISTLICHEN LITERATUR
Hcraiisgegebeu von 0. von GEBHARDT und Λ. HARNACK.
Inhalt der Neuen Fulitv Band I^Xl, l :
Neueste Hefte:
Bonwettch, Θ. N., Drrii {ζιΐυΓμΙβ^Ιι urlialtcuc
Si'liriftrn vou Hir'l'olvtus. XVl, J'n S. ι {»»4.
<NK. XI, in) M. n.5i>
LeJpoldUoh•., Suid.AuHXüge a.d.i^.nucL•«' d. aiiost.
Konstitut. II,«52S. UHU. (NF.XI,lh) M. i —
WaltitH., ]). PseiidoKIt.-iiK'ntiiii'n, H<)iiiilieu ii. U*y-
kognitiuuuii. l!«nj. VIII, ritM! S. (NF. X.4)
M. 13 —
Soden, H. von, Di»* ('ypriaiiist-hi? BriofsRuiinliiiipr.
(loKtli. ilirtjr Kuisti'liuiii; ii. rhcrlii-tViuuf:.
VIIT. 2»is S. u. 2 Tali. Ιίκΐ4. (NF. X, :r» M. m..w
Die •νΗ•οΗοΟΙα••λΒΠ8ίΠ)!ΐ.η crk1.\.l1.ArHi:Li»ii.
.1. Kl.K.MMlXtt.VIIT,3«.-<S. inn4. 'NF.X.äJ M. Ιί.Γκ)
Leipoidt, JOh•., Sch<'iiiito vou .Mripi: ii. Λ. Knt-
stvIiiiiiR d. n:itiniia1 :i}:y|>t. CliristtiituDid.
X, 2U S. ilMij. (NF. X, 1} M. 7 —
Aohelit, H., Hippolytstudien. VIII, 2:n S. i897.
(NF. I, 4) M. 7.50
Bonwettoh, Θ. N., Studien z. d. Κ (»mm. Ilippülyts
zum Hucho Danit'l u. lluhenliedo. I\, }<6 S.
(NF. I. Ä) M. Λ-
— llipIiolytsKoiiniU'ntarz.llolii^iiIi'-diiiif (iruud
V. N. Maru's Αιΐίμ. d. ^rimiii. T«'Xli.'s Imiaiiag.
108 S. Γ.Ί 2. (s. II. Harnack)
Bratke, E., Das soRpiiaiintü Iteliponüf^PHpräch
am Hof der Sa8a»idi.'n. IV. 305 S. 1H*M». (Mit
HarnaokfCypiiau. Schriften NF.IY. 3) M. ΐο.,ν)
DobtchUtz, Ε. von, chriHtusbildür. t'ntortiucbini-
ueu zur cbrisTllcbeu Loff^ndu. XI I, '*\*i, '.VAG
und :«»7 S. I8i»5». (NF. III j M. :Vj —
Erbe•, C, Dio Todestage der .Apusti'l raiilns
lind Petrus und ibrt^ rümischon Dt'nkmälr-r.
IV, ISH S. iSi".». (Mit Harnaok, Kutzcrkatalog
und Qoetz, t;yi)rian NF. IV, i.) M. .'i.so
FlemmlngJ., baslUicIilU-nocb.Athiop.Texr.KInl.
Korain.XVI, 172 S. llHia. iNF. VII, \) M. ll —
Qebherdt, .p. v., Passin S. Tlh'^lau. viv^iiuiM. l.»ie
latitin. riier&itz^'n. dor A<ta Pauli i-t Tlieilao
nfiiät Fra^m., Aiiszii}:>;n u.lieilap'U ln-raus^.
rXVllI.iMhS. l!ii''J. iNF. Yll. 2> M. ίί.ΓΜϊ
BefTcken, J., KompOHitiou u. Kntriti^iinngszfit d.
Oia«. Sibyll. 1V,7HS. ii»02.(NF.YlIl,i) M.-J.ÖO
Goltz, E. V. d., Kino, textkrit. Arbeit d. lo. bez.
e..ni..br8};. nacb r. codox d. Atboskl- l.avira.
Mit 1 Tafel. Vl.linS. is•.»•». (NF. II. 1 1 Μ 4.50
Qoetz, Κ. Q., D. alte Anfang u. d. ursi-riingl. Form
v.Cypr. Schrift ad Donatutn. u'».•^ is!••'. is.Erbe•)
Oretunenn, H., Studien xu l-Ji^eb's Τ1ιι•<ι| bunie.
XI, i:»4 ll. r.!»S. Ιί'οΛ. (NF. VIII, :i» M. K —
Heller, W.,.Iov{uianus.diirFiagm. B.Schrift enitt'.
VIII. 15i» S. IM»7. ι NF. II, 2) M. r».50
Herneok, Α., D. pseudiu-ypr. Trakt, d•• sIuku-
laritJite clerii•. *\ \\'>vk d. dDuatint. iJisib.
Macrobiiie in Hom. (72S.) — 1). Hyi-otyiiosi-u
d. ThPtiBnost. CJmS.) — I). ffffälsi-lit«• Hriirf d.
Hi.Hcb.Tbeniia!« an d.Obt'.rkammcrherru Lurian.
(2r».s.) 117 S. liUi.'t. (NF. IX, 3) M. 3..•ϋ»
— i'biir v<*rUirenr Kriefi» und A«'ti'nstück•;,
djp Sieb a.d.fyprian. liricfsainuilK. rrmittcln
lassen. 40 S. i!Ki2. (Mit Kloitermonn, u. Bon-
wettcb, NF. VIII, 2.) M. Γι.αο
Harnock, Α., Der Ketzer-Katalog des Bischof;«
Maruta von Matpherkat. 17S. ih'.M» (s. Erbet)
— Die PfaflT'acben Ircnäus- Fragment•' als
Fälschgn. Pfafl''H nacbgewicHcu. — Patrist.
Ml&cellen. III, Hfl S. i!«00. (NF. V, 3^ M. 5 —
— Diüdorv.TareuH.IV,25lS.iitoi.(NF.VI.4) M.H—
— Drei wenig beachtete «'ypriani-HcheScbriftf η
und die „.Acta Pauli". 'M S. IHW. (». o. Brotko)
Holl, K., Fragmente vornlcän Kirchenvän-r
aus d. Sacra iiarallela. XXXIX, ΐ4ΐ S. is«i«i.
iNF. V, 2) M. !• -
— Die Sacra parallela des .Tobannes Damas-
cenus XVI, :m*2 S. 1807. (NF. 1, 1) M. 12 —
jBn8ien,R.,D..Tobunn»'9-Kv.n.d.Parapb.d.Nnnnus
Pau"piilit. ly, Hi) S. liiOM. (NF. VIII. \) M. 2J>'t
Jeep, L, Zur i'bi^rllefernng des PhiloMorgioH.
'Δ'Λ S. im:••), (s. u. Wobberniln; .ViVA/ rinx'in
Klottermonn,E., D. (herlief, d. Jeiimia-Homilim
d.Origiines. Vl,lUJS. ih97. (NF. I, 3),M. :t..')0
— I'jUSijbills' .'Schrift λ*Ρ« t-'r το.ίιχμ'ι' i'i._«.tr":»•
i,:r if tf: Λ*.^ rvf!.. 2HS. ifM«2. (M. ii. Harnack)
Knopf, R., Der erste »'lemenshiiof. l'ntcisucht
u. herausg. IV, liM S IRW». iNF. V, η Μ. β —
Neitie, Ε., Kin-h»'ngt'bchichted. Kusfbius a.d.Sv-
riscbi;n. X, 2!•β s. immi. (NF. Vi, 2) M. 9. ho
Preuiohen, E. , Kiisi-biiis' Kinbcn^i Si-hiclitK
Hiicli VI u. VII aüs d. .\imi'niscli«'n iiln-rsetzt.
XXII. lOH S. liMi2. (NF. Vll. Λ) M. Λ -
Schmidt, C, Die altf π IV-ti'usakt.oni.Ziisaininonh.
d. apiikr. Apnstcllit. mitersiu-ht. Ni-bst e. n«'ii-
entii"fk.Frat:in.VIII.i7i'.S.l!»o:i.iNF.lX.l)M.i;—
— Plotin's« Stellung /.'.im linosticiMmiis und
kircbl. f'hristi'nium. X, !"•» S. — Fragm. einer
SebriiT d. Märt. -Bisch. Petrus v. .Mexandiien.
.•io S. i!ir.o. (Mit StÄhlin NF. V, 4.1 M. 5 —
Schubert. H.V., D. s••:;. I'ia^'di-stinatns. Mfitra;;/.
lii-.svli. d. Pflayiunihmus IV, 117 S. !!•().*.
iNF. IX, 4; M. 4.?*n
Sickenberger, J., D. Luknäkatem• d. Niki:ta!4 v.
lleiakbiia nntiMS. liM 2 (NF. Vll. l) M. l —
— TilUH von Bostra. Studien zu <le.ssrn Lukas-
homili.;n. VIlI,2«).sS. iii(ii.(NF.VI,l) M. Η .'lO
StHhlln, 0., Zur bandschiiftl. Überlief, d. (lern.
Alexandrinns. 8 S. i'mo. (s. (•. Schmidt)
StelndorfT, Θ., Die A]iokal>pfle d. F.lins, e. unbck.
Apok.u. Mruchst.d.Sopbonias-.Vi nk. X, i'.»0S.
Mit 1 Licbtdr.-Taf. 1«!•ι•. (NF. II, :*.» M. 6..-.•»
StUIcken, Α., Athanasiana. I.itti-iar- u. ilogiut.n-
gesch.l.'nlfrs.VIII.l5nS. isji:•. NF.IV,! ■ M. ,Ί —
Urbein, Α., Kin Maityrologinm il. oliii^tl. «ie-
meindc zu Rom am Anfang des V. .lahrb.
(^it-llenstudien z. liesch. d. lijm Martvrer.
VI, 2ß6 S. liKii. iNF. VI, 3) M. i*.:^n
Weltt.B., D.Codt-xD i.d.Aitostflgiscb.Tixikrit.
L'ntor«. IV, 112 S. ΐ8ί•7. (NF. II, l.• Μ 3.:•ο
— Textkritik der vier Kvaugelien. VI, 2iii S.
IK•..«». (NF. IV, 2) M. 8 -
Wobbermln. 8., Altcbristl. liturg. Stücke aus der
Kirche Aegyptens nebst einem dngmat. Brief
d. Bischofs Serapion v. Thmuis. :!(.; s. i8!ni.
(Mit Jeep NF. II, .Si.M. 2-) einz.ln M. 1..V1
Wrede, W., DifKebtheit d^s 2. Tbess.-I^rirfs uiit-r-
eucht. VllI, Uli S. ΐί•υ:••. (NF. IX, 2.. M. 1 -
Die Erste Reihe (Band I—XV) der Texte und Untersuchungen etr. M. as(i_
Zweite Reihe (10 Bände bis Jetzt vollständig), M. li7ü.8Ü
Auch in gut« Halbfranz-Bibliotheksbände (I. Heibe in 17 Bde.) 2U Je N. 9.50 gebunden vorrätig
Ausführliches Inhaltsverzeichnis steht zu Diensten.
DIE
PSEÜDOKLEMENTINEN
HOMILIEN UND REKOGNITIONEN
EINE
QUELLENKRITISCHE UNTERSUCHUNG
VON
Lic. HANS WAITZ
PFARRER IN DARMSTADT
LEIPZIG
J. C. HINRICHS'scuE BUCHHANDLUNG
1904
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TEXTE UND UNTERSUCHUNGEN
ZUR GESCHICHTE DER ALTCHRISTLICHEN LITERATUR
ARCHIV FÜR DIE VON DER KIRCHENVÄTER- COMMISSION
DER KGL. PREÜSSISCHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN UNTERNOMMENE
AUSGABE DER ÄLTEREN CHRISTLICHEN SCHRIFTSTELLER
HERAÜ80EGEBEN VON
OSCAR V. QEBHARDT und ADOLF HARNACK
NEUE POLOE. X. BAND, 4. HEFT.
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DEN HERREN
GEB. KIRCHENRAT PROF. D. DR. J. G. DIE6EL IN PRIEDBERG
GEH. KIRCHENRAT PROF. D. DR. F. KATTENBUSCH IN ÖIESSEN
GEH. KIRCHENRAT PROF. D. DR. H. Ä. KÖSTLIN IN DARMSTADT
GEH. KIRCHENRAT PROF. D. DR. B. STADE IN GIESSEN
DIREKTOR PROF. D, DR. W. WEIFFENBACH IN FRIEDBERG
IN DANKBARKEIT UND VEREHRUNG GEWIDMET
VOM VERFASSER
Vorwort.
Die pseudoklementinischen Homilien und Rekognitionen sind
häufiger als viele andere Werke der altehristlichen Literatur
wissenschaftlicli behandelt worden, und das mit Rechte da sie in
ganz besonderem Maße unser Interesse erwecken und auch bean-
spruchen dürfen. Ihr gegenseitiges Verhältnis, ihr Inhalt und
Charakter, ihr LehrbegriflF und Schriftgebrauch, ihr geschicht-
licher Standort und Wert — das waren vor allem die Punkte,
auf welche sich die Untersuchung richtete. Das Ergebnis aber
war schließlich — eine Verschiedenheit der Auffassungen, welche
je länger je mehr die Pseudoklementinen zu einem noli me tan-
gere für die wissenschaftliche Bearbeitung des Christentums der
älteren Zeit zu machen drohte. Mehr als alle früheren Arbeiten
zeigt dies die jüngste monographische Abhandlung über unsem
Gegenstand, De Clemens-Roman von H. U. Meyboom, 2 Bände,
Groningen 1903/04. Geschrieben nach denselben Gesichtspunkten,
wie die früheren, macht sie es aber auch klar, daß auf dem alten
Wege nicht weiter zu kommen ist.
Wenn man — trotz vieler Fortschritte in der Erkenntnis
des Einzelnen — zu keinem andern Gesamtergebnis gelangte, so
lag dies hauptsächlich darin, daß man den Weg nicht beharrlich
weitergegangen war, welchen einst Hilgeufeld mit seiner bahn-
brechenden Arbeit über die klementinischen Rekognitionen und
Homilien (Jena 1848) betreten hatte, den Weg der Quellenkritik.
Wohl versagte sich keiner, der sich mit unsem Schriften be-
schäftigte, einen kleinen Ausflug nach dem unbekannten Gebiet
ihrer Quellen, so auch nicht Schliemann, Uhlhorn, Lehmann,
Hort und Meyboom in ihren umfangreichen Werken. Sie kamen
aber dabei nicht viel weiter als zu \'^ermutungen , die alsdann
nur variiert wurden. Der einzige aber, welcher nach Hilgenfeld
sich auf eine wirkliche Forschungsreise begab, Langen, schlug
VI Waitz, Die Pseudoklementinen.
leider von vornherein einen völlig verkehrten Weg ein, auf dem
ihm niemand folgen wollte und konnte.
Die vorliegende Untersuchung will ausschließlich eine quellen-
kritische sein. Ob sie näher zum Ziel fiihrt, darüber steht der
Kritik das Wort zu. Das nur möchte der Verfasser hier voraus-
bemerken, daß seine Arbeit, wie sie dankbar alle V^orarbeiten
benutzt hat, doch in keiner Weise den Anspruch erheben will,
eine umfassende und allseitige Untersuchung, wie z. B. die von
Schliemann, Uhlhorn, Lehmann oder Meyboom, zu sein. In dieser
Beschränkung, die sich der Verfasser glaubte auferlegen zu
müssen, liegt es begründet, daß viele Fragen, welche uns das
pseudoklementinische Problem stellt, nur gestreift, manche über-
haupt nicht berührt wurden. £ben deshalb glaubt er auch nicht
befürchten zu müssen, daß seine Arbeit neben so vielen andern
und so auch neben der jüngst-en gründlichen Behandlung durch
Meyboom überflüssig sein möchte.
Weil diese neueste \^eröft'entlichung über unsern Gegenstand
erst während des Druckes dieses Buches erschien, konnte sie
nur am Schluß und in Nachträgen berücksichtigt werden. Wenn
der \^erfa8ser aus diesem Anlaß auch noch anderes nachtrug, was
er sonst als minder wichtig Λveggelassen hätte, so bittet er des-
halb um gütige Nachsieht.
Zum Schluß sei noch den Herren Prof. D. Dr. Bousset in
Göttingen, Prof. D. Dr. von Dobschütz in Jena, Prof. D. Dr. Grütz-
macher in Heidelberg und Prof. D. Dr. Krüger in Gießen für
freundliche Handreichung, die sie gewährten, bestens Dank gesagt.
Darmstadt, im März 1904.
Der Verfasser.
Inhaltsyerzeichnie.
Seite
Vorwort V
Einleitung 1
Erstes Kapitel. Die Grundsehrift der sogenannten Klementinea . . 2—77
1. Der Brief des Elemens an Jakobus in seinem Yerbältnis zu den
übrigen klementiniscben Schriften 2
1. Die sogenannte Epitome und die klementiniscbe Grundsehrift . 7
3. Die Rekonstruktion der Grundsehrift nach den Homilien und Re-
kognitionen 10
* 4. Der literarische Nachweis der Grundsehrift aus patristischen Zeug-
nissen 39
'). Der Inhalt und Zweck der Grundschrift 48
♦». Der Charakter der Grundsehrift Γ)1
7. Die Heimat und Entstehungzeit der Grundschrift V){)
s. Der historische Wert der Grundschrifb 75
Zweites Kapitei. Die Quellen der Kiementinen bezw. ihrer Grundschrift 77— 25!^
Einleitung: Das Problem 77
i. Die Κηρύγματα Πέτρο ν 78 — 100
1. Der Brief des Petrus an Jakobus und die dazu gehörige sogen.
διαμαρτυρία als Ausgangspunkt der Untersuchung 78
2. Der Nachweis der Kerygmen in den übrigen klementiniechen
Schriften 84
3. Die Rekonstruktion der petrinischen Kerygmen bezw. ilirer anti•
marcionitischen Überarbeitung nach dem Inhaltsverzeichnis R 375
auf Grund der Rekognitionen und Homilien SS
4. Der Inhalt und Gedankengang der ursprünglichen Kerygmen . 113
δ. Der Charakter der Kerygmen 12")
0. Die Heimat und Entstehungszeit der Kerygmen ΙΠΙ
7. Die Bedeutung der Kerygmen 1(>2
s. Die in den Kerygmen verarbeiteten Quellenschriften, Justins
Antimarcion u. a ]()3
II. Die ΠρύξΕίς Πέτρου l()9-25(i
1. Der Ausgangspunkt der Untersuchung UW)
2. Der Inhalt 170
:). Der Charakter IS«'.
VlII Waitz, Die Pseudoklementinen.
Seite
4. Das antipauliniscbe Simonbild in den Πράξεις Πέτρου and in
der altkirchlichen Liteiatur 202
5. Die Πράξεις Πέτρου und die Überlieferung von dem römischen
Aufenthalt und dem Lebensende des Petrus und Paulus . . 214
0. AbfasBungsort und -zeit der Πράξεις Πέτρου 243
7. Der geschichtliche Wert 248
III. Sonstige Quellenschriften 250—259
1. Der Dialog des Klemens mit Appion über die heidnische My-
thologie 251
2. Die Schrift des Bardesanes περί ειμαρμένης 25<>
Drittes Kapitel. Die alt- und neuteetamentliohen Zitate der Homllien
und Rekognitlonen in ihrem Verhältnis zu den Quellenschriften 259—366
1. Die alttestamentlichen Zitate in den Homilien ....... 259
2. Die alttestamentlichen Zitate in den Rekognitionen 266
3. Die neutestamentlichen Zitate in den Homilien samt deren Paral-
lelen in den Rekognitionen 271
4. Die neutestamentlichen Zitate in den Rekognitionen 329,
5. Ergebnisse 361
Viertes Kapitel. Die Entstehung der pseudoklementlnischen Schriften 366—375
Literatur 376
Nachträge 379
Namen• und Sachregister 391
Einleitung.
Wohl wenige Schriften der altchristlichen Literatur sind so
verschieden beurteilt worden, wie die sogenannten Kiemen tinen.
Einst derart fiberschätzt, daß sie von der Tübinger Schule ge-
radezu als das wichtigste Dokument für ihre Auffassung des
nachapostolischen Zeitalters behandelt wurden \ sollen sie heute,
wie A« Harnack meint ^, „für die Erkenntnis des Ursprungs
der katholischen Kirche und Lehre nichts austra^en^. Aber wie
man auch darüber urteilen möge, keinesfalls darf man ihre Be-
deutung zu niedrig anschlagen. Nicht nur in älterer ^ sondern
auch noch in neuerer Zeit^ sind sie als Urkunden für die Ent-
stehung und Ausbildung der katholischen Kirche und ihrer Ver-
fassung herangezogen worden. Für das Verständnis des Juden-
christentums, seiner äußeren und inneren Entwicklung in den
ersten Jahrhunderten, sind sie um so unentbehrlicher, je dürftiger
hierfür die QueUen fließen. Als altchristliche Apologien gegen
Heidentum und Häresie sind sie überhaupt noch nicht genügend
ge- und verwertet worden. Von größter Wichtigkeit aber sind
sie wegen ihrer zahlreichen und meist eigenartigen biblischen,
besonders neutestamentlichen Zitate für die Geschichte und Kritik
des biblischen Textes und Kanons.
Um so bedauerlicher ist es, daß trotz vielseitiger und gründ-
licher Bearbeitungen^ das literarische Problem, das uns durch
1) So besonders von Seh wegler, das nachapostolische Zeitalter, T.
Tübingen 1846. 3G3 iF.
2) Dogmengeechichte I». Freibarg 188G. 239.
3) Vgl. R. Reihe, Die AnHlnge der christlichen Kirche I. Witten-
berg 1S37. 489 iF.; Baur, Über den Ursprung des Episkopats in der
Tübinger Zeitschrift 1838. H. 3. 122 ff.
4) Vgl. J. Langen, Die Klemensromane. Gotha 1S90. 25. 66 f. 112.
5i Über die Literatur vgl. G. Krüger, Geschichte der altchristlichen
Literatur. Freiburg 1898. 232; G. Uhlhoni in Herzogs KE. IV^. 171.
Texte u. CntersuchungoD. N. F. X, 4. 1
2 Waitz, Die Pseudoklementinen.
die klementinischen Schriften, d. i. die sogenannten Homilien
(H), die Rekognitionen (R), die in doppelter Gestalt vorliegende
Epitome (E I u. U), die Briefe des Klemens und des Petrus
an Jakobus, gestellt istS nach keiner Richtung hin als gelöst
angesehen werden kann. Nicht einmal darüber ist man sich
einig, welche von diesen Schriften man als Grundschrift an-
nehmen soll, um das vorhandene Verwandtschafts Verhältnis zu
erklaren. Noch viel weniger herrscht über die ebenso wichtige
Frage Übereinstimmung, welche Quellenschriften wiederum in
der Grundschrift vorliegen.
Die Schwierigkeiten sind ja auch ausserordentlich. Sie
gleichen denjenigen, welche das synoptische Problem bietet; sie
sind nur erheblich größer, weil die Klementinen weit umfang-
reicher als die synoptischen Evangelien sind und zudem in einer
kritischen Gesamtausgabe noch nicht vorliegen. Wenn ich es
trotzdem wage, die Ergebnisse meiner Untersuchungen über die
Klementinen zu veröflFentlichen, so hoflFe ich wenigstens etwas
dazu beizutragen, daß dieses so wichtige literarische Problem
über den toten Punkt hinwegkomme, auf dem es seit lange steht.
Erstes Kapitel.
Die Grnndschrift der sogenannten Klementinen.
1. Der Brief des Klemens an Jakobus in seinem Verhältnis zu
den Übrigen klementinischen Schritten.
Zum Ausgangspunkt unsrer Untersuchung über die Grund-
schrift der Klementinen nehmen wir den Brief des Klemens an
Jakobus (Ep. Clem.), weil ohne ihn weder H, noch R, noch auch
E'^ verständlich sind. Beruhen nämlich diese Schriften sämtlich
auf der Fiktion, daß sie von dem Nachfolger des Apostels Petrus
auf dem römischen Bischofsstuhl, Klemens, verfaßt und an den
Jerusalemer Bischof, den Bruder des Herrn, Jakobus adressiert
1) Ober die Ausgaben vgl. G. Krüger u. G. ühlhorn a. a. 0.
2) Doch siehe dazu unten S. 3.
Ι, 1. Der Brief des Klemens an Jakobus. 3
sind \ so hat unser Brief die Aufgabe, diese Fiktion annehmbar
zu machen. Zu dem Zweck wird darin berichtet, wie Petrus,
der Äpostelfürst, nachdem er in vielen Ländern gepredigt und
gewirkt und so vor allem den dunkeln Occident erleuchtet habe,
kurz vor seinem Tod seinen Schüler und Reisebegleiter Rie-
mens zum römischen Bischof eingesetzt \ma zugleich beauftragt
habe, die Geschichte seiner Bekehrung sowie die Reden und
Taten des Petrus, deren Zeuge er war, niederzuschreiben und
dem Jakobus als Κλήμεντος των Πέτρου ίπιδημίων χηρνγ-
μίτων ίχιτομη'^ zu übersenden. Beides aber, jene Lebensge-
schichte und dieser Reisebericht, bildet den wesentlichen Inhalt
von H, R und E. Da nun der Brief hierzu die Einleitung
bildet, ohne welche H, R und Ε in der Luft schweben würden,
so muß der Verfasser des Briefes derselbe sein, wie der des
Klemensromanes bezw. des Reiseberichts; dann aber ist auch
diejenige Redaktion als die ursprünglichste anzusehen, welcher
der Brief zugewiesen werden kann.
Mit Ε I und II ist nun der Brief handschriftlich nie ver-
bunden gewesen. Trotzdem hat nach dem Vorgang Dodwells
Dissertai in Iren., Oxon. 1689, p. 443 sq. noch Hilgenfeld be-
hauptet, der Brief gehöre dazu^ Damit stellt er sich aber nicht
nur mit dem handschriftlichen Befund, sondern mit dem ganzen
Sachverhalt, wie er bei Ε vorliegt, in Widerspruch. Denn der
Brief kann überhaupt nicht als Einleitung zu Έ gedient haben,
da er vielmehr in Ε selbst benutzt und in Ε II wörtlich^, in Ε I
auszugsweise aufgenommen ist. EI u. II deuten das selber an,
indem sie mit denselben Worten γνώριμον Ιύτω ooi, χνριε μου,
mi, mit denen der Brief beginnt, die Darstellung einleiten, um
alsdann wie Η und R fortzufahren, und zum Schluß den Brief
selber bringen, Ε II (145-160) fast vollständig, EI (145—147)
nur auszugsweise.
Das Verfahren von Ε ist durchsichtig: Der Bearbeiter des
1) Vgl. die Übergchriften zu H, R und E, außerdem Η I20. R li7.
374 El, sowie überhaupt die zahlreichen Stellen, wo Klemens von sich in
der 1. Person redet
2) Vgl. Ep. Clem. 1. 2. 10. 20.
3j Jedoch nur in seiner griechischen Rezension. Vgl. A. llilgenfeld,
Die Klementinischen Rekognitionen und Homilien, Jena 1848. 34.
4) Es sind nur c. 11 — 15 ausgelassen.
1*
4 Waitz, Die Pseudoklernentinen.
Klemensromanes (E) hatte den Brief vor sich, den er mit seiner
Erzählung zu einem einheitlichen Ganzen verschmelzen wollte.
Um jedoch der ihr zugrunde liegenden Fiktion zu entsprechen,
gab er ihr durch Voranstellung der einleitenden Worte die
Briefform. Der Inhalt des Briefes wurde an passender Stelle.
hier am SchluB, angereiht.
Diesen klaren Sachverhalt hat auch Langen nicht in Ab-
rede stellen können und daher zugegeben, daß der Brief in seiner
jetzigen Gestalt nicht zu Ε (sondern zu H) gehören Trotzdem
stellt er die Behauptung auf: der Brief des Klemens, der im
Original verloren gegangen sei, liege in Ε 1 145 — 147 in einer
ursprünglicheren Gestalt, als in dem zu Η gehörigen Briefe vor,
welch letzterer, besonders in dem späteren Einschub Kapitel 5 — 16,
eine Überarbeitung des Originals darstelle.
Ist nun aber, wie unten S. 13 f. gezeigt werden wird, Ε I
überhaupt durchgängig abhängig von Ε II, dann muß auch der
Auszug aus dem Brief am Schluß 145 — 147 abhängig sein von
dem Brief, wie er am Schluß von Ε II 145 — 160 steht, und
kann daher nicht das Original zu dem Briefe selber sein. Sehen
wir aber auch mit Langen von Ε II völlig ab und halten wir
uns nur an Ε I, so finden wir zunächst in Ε I 145 — 147 auf-
falligerweise Ausführungen, welche auch — und hier in extenso
— in den nach Langen erst nachträglich eingeschobenen Ka-
piteln 5 — 16 wiederkehren, wie die Mahnungen zu christlichen
Tugenden Ε I 146 und Ep. Clem. 7 — 10 und das Verbot der Be-
rufung auf weltliche Gerichte Ε I 146 und Ep.CL 10. Dieser Sach-
verhalt erschüttert schon an und für sich stark das Vertrauen auf
Langens Hypothese. Es wird völlig untergraben, wenn man die
Stellen ins Auge faßt, wo EI 145flF. von Ep. Cl. abweicht:
Nur ein späterer Zusatz kann der Hinweis auf den Kreuzestod
des Petrus Ε I 145 sein, Λνο Ep. Cl. 1 nur einen Hinweis auf
dessen Lebensende bringt. Spätere Erweiterungen sind die Prä-
dikate prophetischen Vorauswissens (E I 145) und göttlicher
Apostolizität (Έ I 146), die in Ep. Cl. fehlen. Absichtliche Ver-
änderungen liegen bei Ε I 145 und 146 vor, wenn hier die
Gemeindeglieder als τέκνα xal αδελφοί oder αγαπητοί αδελ-
φοί von Petrus angeredet werden, während sie in den Parallel-
1) a. a. O. 11 if. 17. Es ist bei Langen Ε I (nach Dressel) gemeint.
li 1. Der Brief des Klemcns an Jakobus. 5
stelleD, Ep. CL 2 u. 17 αδελφοί xal οννδονλοί heisseii. Sehr
aaftallig sind auch Ε I 146 die in Ep. Cl. fehlenden Zitate
aus pauhnisehen Briefen (Eph. 4 26, 1 Kor. 63), um so auf-
falliger, als die Klementinen sonst paulinische Briefe nicht zi-
tieren. Keinesfalls kann der Brief des Klemens in Ε I 145 ff.
in ursprünglicherer Gestalt vorliegen. Dann aber gehört
er überhaupt nicht zu E, und Ε kann nicht die Grund-
sclirifb sein.
Gehört er vielleicht zu H, womit er auch handschrift-
lich überliefert ist? Vieles spricht daför: Die Schlußworte des
Briefes bezeichnen das nachfolgende Werk genau ebenso wie
die Überschrift von Η lautet'. Jakobus erscheint hier wie dort
als der Oberbischof der Kirche, dem auch Petrus unterstellt ist
(Ep. Cl. 20. Η 1 20, vgl. R 1 17). Petrus ist beidemal der Heiden-
apostel (Ep. Cl. 1. Η 359, vgl. R 365) und Klemens sein Begleiter.
Der Brief (c. 20) wie Η (l2o, vgl. RI17) gehen von derselben
Voraussetzung aus, daß es im besonderen Auftrag des Petrus
geschieht, wenn Klemens über die Reden und Thaten des Petrus
berichtet. Auch in dem Vorstellungskreis berühren sich beide
vielfach, so in der Lehre von dem wahren Propheten (Ep. Cl. 11.
Η li9 u. 0., vgl. R lie u. ö.), in der Entgegensetzung Christi als
des guten Königs des künftigen Reiches und des Teufels als des
bösen Herrschers dieser Welt (Ep. Cl. 4. 7. 17. Η 3i9. 821. 15?,
vgl. RI24. 434), in der Anscliauung von Lohn und Strafe in der
Ewigkeit (Ep. Cl. 4. 10. 16. Η 228. 33i u. ö., vgl. R 220 u. ö.), in der
Betonung der οωφροούνη und der φιλανθ^ρωπία als der christ-
lichen Kardinaltugenden (Ep. Cl. 8. Η 1315-21, vgl. R 7i5.38, Ep. Cl.
2.8.9. Η 1225-33, vgl. R 24. 9?), in der Auffassung der Ehe als
Gegenmittel gegen die πορνεία (Ep. Cl. 7. Η Sgö. 525, vgl.
Rtuo.12). Aber dieselben Übereinstimmungen finden sich auch
zwischen Ep. Cl. und R, wie die Zitate aus R zeigen, die zu den
aus Ep. Cl. und Η angeführten Stellen hinzugefügt wurden, und
beweisen daher für die Zusammengehörigkeit von Ep. CL und Η
nicht mehr als für die von Ep. Cl. und R. Andrerseits sind auch
Punkte hervorzuheben, welche eine Inkongruenz von Ep. Cl. und
Η Jindeuten. Kein Gewicht sei darauf gelegt, wie es von einigen
Ij Rafins Übersetzung bietet dafür Clementis itinerarium und beweist,
daß das Buch am Schluß des Briefes verschieden bezeichnet war.
() Waitz, Die PBeudoklcmentiDen.
geschieht*, daß in Ep. Cl. die für Η (und R) wichtigen BegriflFe
μοναρχία und πολιτεία, sowie andere für Η oder R eigentüm-
liche BegriflFe und Lehren, so z. B. die von den falschen Peri-
kopen, den Syzygien u. s. f. fehlen. Bedeutsamer erscheint es,
daß in Ep. Cl. 3 — 16 ein Abschnitt vorliegt, der sich deut-
lich als eine Überarbeitung von Η 360-72 u. zw., wie besonders
die Bestimmungen der kirchlichen Verfassung zeigen, als eine
Überarbeitung durch eine spätere Hand ausweist^. Aber dies
scheint doch nur so und beweist noch nichts gegen die Zu-
sammengehörigkeit von Ep. Cl. und H, wenn, wie möglich ist,
nachgewiesen werden kann, daß in Η 360-72 eine ältere, von Η
überarbeitete Quelle vorliegt ^ Sehr aufföUig weichen aber Ep. Cl.
und Η darin von einander ab, daß der Brief als Inhalt des nach-
folgenden Werkes eine Beschreibung der Petrus-Klemensgeschichte
bis zum Lebensende des Petrus und der Ordination des Elemens
(μέχρι τον pvp) in Aussicht stellt, daß aber Η und so auch R,
trotz anfanglicher Hinweise auf einen derartigen Abschluß der
Geschichte unter deutlicher Rtickbeziehung auf jene Stelle des
Briefes (H 1 le μέχρι ^Ρώμης αυτής, R 1 is usque ad ipsam nobis per-
veniendum sit urbem Romam, vgl. I74. 363 f.) die Geschichte nicht
in Rom, sondern in Antiochien (H 20 23, R 1θ6θ) endigen lassen.
Daher werden wir, da sonst keine Gründe vorliegen, Ep. Cl. und
Η literarisch zu verbinden, behaupten können, daß der Brief
des Elemens ursprünglich nicht zu H, sondern zu einer Grund-
schrift von Η gehört und erst nachträglich zu Η hinzugefügt
worden ist.
Aus demselben Grunde werden wir auch davon absehen
müssen, den Brief mit R zu verbinden. Dazu sprechen, abge-
sehen von der Frage, ob er, wie Rufin und Photius zu be-
zeugen scheinen, jemals handschriftlich zu R gehörte^, auch hier
wie bei Η ebenso viele Übereinstimmungen in den theologischen
und kirchlichen Vorstellungen für die Zusammengehörigkeit, wie
1) Vgl. Langen a. a. 0. 17,
2) Vgl. üblhom, Die Homilien und Rekognitionen, Göttingen 1854,
81fiP. J. Lehmann, Die Klementinischen Schriften, Gotha 1869, 36 ff.
3) Vgl. Kap. I § 7.
4] Rufinus,' Praefatio ad Gaudentiuin. Photius, Bibliotheca cod. 112.
113. Berolini 1824, 1 p. 90. Hilgenfeld a. a. O. 26 f. ühlhom a. a. O. 106.
Lehmann a• a. 0. i]4 f.
1, 2. Die sog. £pitome und die klementinische Grundschrift. 7
bedentsame Abweichungen dagegen. Es bleibt daher nur der
Schluß übrig, daß der Brief des Klemens ursprünglich weder
zu Ε noch zu R, sondern zu einer beiden gemeinsamen Grund-
Schrift gehört, welche, mit Η und R nahe verwandt, den Kle-
mensroman bis zu dem Lebensende des Petrus in Rom weiter-
gefthrt hat^
2. Die sogenannte Epitome und die Idementinische Grundschrift.
Vor dem Nachweis dieser Grundschrift von Η und R haben
wir uns zunächst mit der Hypothese Langens ^ zu befassen, wo-
nach Ε zwar nicht die Grundschrift selbst sei, >vohl aber sie
— und zwar am vollständigsten — enthalte, während Η und R
spätere Überarbeitungen dieser Grundschrift seien. Denn handele
es sich in den Klementinen, wie vor allem aus dem Brief des
Klemens an Jakobus hervorgehe, um die Frage, welche Kirche
nach dem Untergang Jerusalems (135) den Primat der Gesamt-
kirche haben solle, so liege in E, bezw. in der darin verarbeiteten
Grundschrift die Tendenz vor, ihn von Jerusalem nach Rom, in
Η und R dagegen ihn von Rom nach Cäsarea bezw. Antiochien
zu verlegen. Daher sei Ε die eigentliche Urschrift der Klemen-
tinen, wie denn auch Ε vielfach einen originaleren Text als Η
und R darbiete.
Nun ist allerdings auffallig, daß Ε 143 ff. mit der Reise des
Klemens nach Rom und seiner Einsetzung auf die Kathedra des
Petrus den nach Ep. Cl. zu erwartenden Abschluß des Romanes
bringt, während Η und R ihn der ursprünglichen Disposition
entgegen in Antiochien endigen lassen und von der Errichtung
der Kathedra des Petrus in Rom schweigen, dagegen um so mehr
die Errichtung der Kathedra des Petrus in Cäsarea (so Η 36oif.)
bezw. in Antiochien (so R 10 71) hervorheben. Aber die von Langen
selber erwähnten Hindeutungen auf die Romreise des Petrus in
Hl 16 und R 1 13.74 lassen doch von einer antirömischen Tendenz
w Η und R nichts merken, da sie sonst ebenso wie der Schluß,
^^ Erzählung von der Romreise, hätten ausgemerzt werden
1) Die Annahme, daß Η und R nur deshalb den Klemensroman nicht
bis zu J^fiQ erzählen, weil sie unvollständig seien, kann für Η nicht mit
dem handschrifblichen Befunde, wonach Η in der Dresseischen Ausgabe
nut αμήν schließt, für R nicht mit der Bemerkung Rufins, wonach R sich
über das Lebensende des Petrus ausschweigt, in Einklang gebracht werden.
2) a. a. 0. 18 ff. 27. 37 ff. 89 ff. 105 ff.
8 Waitz, Die Pseudoklementinen.
müssen. Ebensowenig findet sich in Ε eine ausgesprochen römi-
sche Tendenz; denn davon zu schweigen, daß eine solche schärfer
hervortreten müßte, als es in den gelegentlichen Erwähnungen
Boms Ε 15. 143flF. der Fall ist, so beweist die auch Ε 43
erzählte Ordination des Zacchäus in Cäsarea, der ausdrücklich
ein Amtsnaclifolger des Petrus genannt wird, daß von einer
römischen Tendenz in Ε nicht die R^de sein kann^ Wäre
demnach auch anzunehmen, daß die Erzählung der Grundschrift,
wie es der Brief des Kleraens voraussetzt und Ε darstellt, in
Born geendet hätte, so könnte daraus noch nicht auf eine römi-
sche Tendenz derselben, noch auf eine antirömische ihrer Über-
arbeitungen (H und B) geschlossen werden. Ist daher die Be-
hauptung Langens von einer hierarchischen Tendenz in E., Η und
Ε unerweislich, so ist auch die daraus gefolgerte Hypothese hin-
föllig, daß Ε die Grundschrift darstelle bezw. am ursprünglichsten
bewahre.
Aber auch der textkritische Beweis, den er dafür durch
Vergleichung von Ε mit Η und Κ gewinnen will, ist ihm nicht
gelungen. Denn überall zeigt sich E, u. zw. EI und II, gegenüber
Η und R sowenig original, daß sich Ε vielmehr als eine Über-
arbeitung von Η bezw. R deutlich nachweisen läßt.
Den sekundären Charakter von Ε zeigt unwiderleglich schon
der Anhang Ε 145flF., der Auszüge enthält nicht nur, wie oben
gezeigt wurde, aus dem Briefe des Klemens, sondern auch aus
einem Martyrium des Klemens von Simeon Metaphrastes und
(jedoch nur Ε 1) aus einer dem Bischof von Cherson, Ephraim,
beigelegten Schrift jcsqi τον ϋ^ανματος κτλ. Stammen aber diese
beiden letzten Schriften aus der Zeit nach dem Nicaenum, so
führen uns die Eigentümlichkeiten dogmatischen Charakters, die
Ε gegenüber Η und R aufweist, in dieselbe Zeit, wenn Ε 7 (vgl.
Η l7. R 1?) und Ε 42 (vgl. Η Βδο), Ε 67 (vgl. Η lOie, R 522) zu
Gott das Attribut h τριαϊρ νποοτάοίύΐν, Ε 19 (vgl. Η I21, R 1«)
die drei göttlichen Personen namentlich hinzugesetzt, Ε 66 (je-
doch nur EI; Ell hat wie Η den Ausdruck τριομαχαρια Ijto-
1) Wenn Langen a. a. 0. 23 darauf Gewicht legt, daß nach Η 360
Petrus den Zacchäus „an seiner Statt'' (von Langen gesperrt gedruckt)
auf die Kathedra Christi einsetzt, so übersieht er den gleichen Sachver-
halt bei Ε 43, wo Petrus ausdrücklich sagt: Δη ovv arr' ^μον τίνα τον
/•μον άναπληρωααι τότιον.
Ι, 2. Die sog. Epiiome and die klementinische Grundschrift. 9
νομαοία^ vgl. Η 9 19. ß 432) die τριάς geradezu genannt, oder
Christus Ε 13 (vgl. Η lu. R In) als ^toc, Ε 14 (vgl. Η lis. R I12)
als ϋ/ος Q^iov statt avr'jQ bezeichnet, Ε 101 (vgl. Η liho. R 735,
jedoch auch nur Ε 1) die Taufe mit dem Attribut „heiligt belegt
wird. Infolgedessen kann Ε an diesen Stellen nicht Η (und R)
gegenüber primär sein. Das beweist ferner nicht nur das pauli-
nische Zitat, das sich Ε 96 (vgl. Η Γ2 32 und Rom. 26, jedoch
auch nur Ε 1} findet, wie solche auch Ε 146 nachgewiesen
worden sind, sondern auch der Stil von E, der vom Anfang bis
zum Ende eine durch rhetorische Wendungen und Übertreibungen
ausgezeichnete Paraphrase des Paralleltextes in Η (und R)
bezw. der Ep. CL ist ».
1) Man vergleiche z. B. ( — es ist dabei in erster Linie Ε I heriinge-
20tren, weil Langen seine Beweisführung auf Ε I stützt):
Η
12• Ιταλάγι'ζ,ην (R: lugerem).
l3. βονλόμΒνος.
l^. hcavi^v άηύφαοιν (R: senten-
tiani; ίχω.
lö. h\ τΓ^ς Tißtntov Καίααρος (iaai-
X(i)ifni\; άκονειν.
w λαλώΐ' inotei θ^ανμααίων.
»>,
Λάζαρος, οϊ Ιερείς.
Q. 8. f., außerdem
Ep. Clem.
2. ^ihnay.
2 mlov πά^*των (so auch Ε II).
2. fiiiw^.
3. πιιοαηεαων (so auch Ε Ilj.
Ε
c. 2. ταλ«ν/ζί ίΐ• ονκ ί^αναάμην Cnur
Ε Γ).
8. σφόδρα βονλΰμενος (nur Ε Ι).
5. ϊχαν^ι ν Βξω πληρ ο φορίαν (nur
ΕΙ).
6. Τιβερίον Καίσαρος τα '^Ρω-
μαϊκα διέποννος σχΓ^ητρα
(nur Ε Ι).
(). ρήματι μ άνω (Ε II μόν^) κω-
φονς (heovttv.
8. Βν&νς ωρμησα (nur Ε 1)
ψιλώ τω φ ή ματ ι Θαιμααίων
(nur Ε Ι).
15. λίαν μΒγαλοφρόνν)ς.
17. έκ βάί^ονς ψιχΰς ^κκαλισασΙ>αι
(nur Ε Ι).
20. 6 ϊερενς^ ^ν ανάστησαν ίκ vt-
κρων (βο schon Ε 11} τετρα-
ήμεροι' ό κίριος.
Ε
145. τον βίον άηολιηεΐν καΐ προς
τον διδάακαλον ^κδημήααι Χρι-
στον (so nur Ε 1 1.
145. ακριβέστατα ηάντνη• (so nur Ε Ι .
145. καλώς είδώς.
14Ü. πεσών ini γης (so nur EL.
iO Waitz, Die Fseudoklementineii.
Auch Langen muss daher den sekundären Charakter von
Ε vielfach zugestehend Will er sich aher darüber durch die
Annahme hinweghelfen, daß diese und andre Zusätze erst von
einem späteren Redaktor zu der Grundschrift hinzugefügt sind,
so meint er andrerseits an den vielen Stellen, wo Ε kürzer als
Η ist, spätere Zusätze in Η nachweisen zu können. Das gerade
Gegenteil läßt sich jedoch dartun, sowohl daß, als auch warum
Ε am Texte von Η gekürzt hat.
So heißt es z. B. Ε 36 (I u. II): xal του Πέτρου ταϋτα
ίΐΛΟρτος (1) xal jcsqI των έργων του ϋ^εοϋ διδάξαντος (2) καΐ
ΜΟα πάρα του ϋ-εοΰ τω άνϋ^ρώπω τα άγα&ά έδωρη&η (Ε II
liest nur έδόΟ^η) (3) xal παραινεΰαντος πολλά περί μοναρχίας ο
ΣΙμων εξω του όχλου βο^ μεγάλΐβ εφη. Von diesen drei Punkten
aber hat Petrus nach Ε nicht geredet. Vergleichen wir jedoch
damit Η 332-37, so finden wir sie hier in derselben Reihenfolge
nicht nur angeführt, sondern auch abgehandelt, so daß selbst
Langen zugeben muß ^: ,,dies(E36) könnte freilich eine Zusammen-
ziehung jener längeren Exposition (H 332-33) sein". Ebenso ver-
räterisch ist der Übergang EI u. U 67 ταΰτα εΙπών xal πολλά
περί ΰ^εοοεβεΐας διδάξας Ιχέλευύε τους δαιμονώντας . . .
προοφέρεοθ^αι. Von diesen vielen Lehren περί &εοθεβεΙας steht
in Ε Ι u. Π nichts. Vergleicht man aber Η 10i9-26, so erkennt man,
wie Ε zu dieser Wendung kommt. In Η 10 19 beginnt eine der-
artige Belehrung über die rechte Gottes Verehrung, die sich bis
Η 1026 fortzieht, wo es heißt ταϋτα εΙπών εχέλευαε τους δαι-
μονώντας , . . προύφέρεοθ^αι. Übrigens zeigt der trinitarische
Zusatz Έ 67 (vgl. Η 10 19) die Hand des späteren Redaktors.
Die Gründe aber für die Kürzungen und Streichungen, die
sich bei Ε finden, sind ebenso durchsichtig. Sie sind meist dog-
matischer Art. So sind bei Ε alle Ausführungen über ,,den
wahren Propheten" geändert oder gestrichen, offenbar weil sie
heterodox-ebionitisch erschienen. Fordert z. B. Η 1 19-20 auf, vor
allem den wahren Propheten zu suchen und ihm zu glauben, so
3. βτίίδεόμην (βο auch Ε II). 146. πολίς ην τον όιόασκάλον δεό-
μένος (βο nur Ε Ι).
3. παραιτούμενος (so auch £ II). 14G. ως μάλιστα παραιτούμενος (βο
Ι nur Ε Ι).
ό ό* άπεxρlvaτo(BOBXίc)lEll)\l9w. | 146. ο ^εΐος απόστολος (so nur Έ 1),
1) a. a. Ο. 158. 2) a. a. Ο. 41. Anm. 1.
Ι, 2. Die 80g. Epiiome und die klementinische Grundschrift. 1 1
bringt EI u. II 17 stattdessen mit einer ähnlichen Mahnung ein
laogatmiges Glaubensbekenntnis in waschecht orthodoxer Fär-
bung; dabei fehlt es nicht an direkter Polemik bei Έ: wenn Η li9
gesagt war διο προ πάντων τον άληϋ^ή προφήτην ζητεΐν
dii, so heißt es nun Έ Ι u. II 18: δώ προ παντός ζητήματος
χαι αυτός, ω Κλήμη, ίτοίμως ώς νΙος πατρί πρόύελϋ^ε* Ahn-
lich liegen die Dinge EI u. II 22 (vgl. Η 23-ii), wo der Ausdruck
αλη^ια sinngemäß allein auf den προφήτης της άληβ-είας
(H29U. ö.) paßt und beweist, daß Ε die Stelle Η 2s-ii gelesen
haben muß. Ebenso zeigen viele andere Stellen, daß Ε die Aus-
iÄhrungen von Η über den wahren Propheten geändert hat.
Vgl. Ε 35 mit Η 3so; Ε 56 mit Η Τβ-β; Ε 58 mit Η 7ii; Ε 64 mit
Η 8io-23. Für Langen sind natürlich alle diese Stellen Einschal-
tungen, die Η in Ε eingefügt hat. Aber beachten wir, daß Ε
neben der Lehre von dem wahren Propheten auch die Vorstel-
lung von den beiden Reichen und ihren Herrschern nicht
kennen will*, so finden wir doch auffölligerweise an einer
Stelle, EIu. II64, einen Hinweis auf die Freuden της έοο-
μίνης άϊδίον βαοιλεΐας. Hierin können wir nichts anders als
^ine Reminiszenz an Η 822/. erkennen, die mit einer leisen Um-
biegung des Gedankens von Ε beibehalten wurde, wie auch Ε 126
(vgl. Η 156-8) dieselbe eigenartige Vorstellung nur bildlich ver-
wendet ist Den Nachweis für die Identität von Christentum und
Judentum Η 84-7 konnte der Verfasser von Ε aus demselben
Grunde auch nicht beibehalten. Trotzdem konnte er es sich nicht
versagen, aus Η 84 die Einleitung zu diesem Nachweis mit dem
Schriftzitat Mt 8 11 bezw. 20 16 herüberzunehmen (vgl. Ε 62).
Ebensowenig paßten ihm die Ausführungen über die jüdischen
Beinigungsvorschriften Η Il30-S4; daß er sie aber las, verrät er
EIu. II 69 durch die Worte, die Η Ilse fehlen: ταύτα εΙπών
*ßi ?τ€ρα πλείονα περί άγνιομου χτλ. Aus άνήρ^ΕβραΙος
ονόματι Βαρνάβας (Η 19, vgl. Rl?) muß er EIu. II 9 άνήρ
τίμιος ονόματι Βαρνάβας machen. Ebenso läßt er (Ε Ι u. Π)
^asWort. Ιουδαίος aus (Ε Ι u. Π 50, vgl. Η 4ΐ3; Ε 51, vgl. Η 422-,
Ε54, vgl. Η74) oder ersetzt es AxxYoh Χριοτιανος (Ε 46, vgl.
Β 4?; Ε 53, vgl. Η 424), welche Bezeichnung in Η überhaupt
fehlt Auch das Wort Ό^ρηΰχεΙα (bei R: religio) vermeidet er
1) Vgl. Ε 64 und Ή 822; Ε 126 und Η 3i9, 159.
\'2 Waitz, Die Pseudoklementinen.
durchgängig, indem er es ausläßt (E 12, vgl. Η 1 la, R 1 lo; Ε 6S, vgl.
Η 11 lö. R532) oder durch jtiaTig, χάρις, εύθίϊ3εια ersetzt (EIu.
II 58, vgl. Η 7i2; Ε 66, vgl. Η 9i9 [E 1 hat χάρις, Ε II έντολη,
Ά^ΐ9&ρηοχεία\\; Ε92, vgl.Hl224; R724; ElOl [Ε Ι u.ll], vgl.Hl34,
R 729; Ε I u. II 123, vgl. Η 152; Ε 1 u. 11 12S, vgl. Η 15 ii). Das
ist aber bei Langeus Annahme um so aufialliger, als Η die Worte
χίβτις (vgl. Η 77, llie) und χάρις (vgl. Η 5 11) auch kennt.
Wie diese judaisierenden Ausdrücke und Ausführungen,
80 ist überhaupt alles Häretische in Ε sorgfältig ausgemerzt oder
umgeändert, so die Lehre von den Syzygien (H 2u-28, vgl. EI
α. II 23; Η 233, vgl. Ε I u. II 33) und die Lehre von den falschen
Perikopen(H235— 328, vgl.Elu.U33; H342-ä9,vgl. Elu.ll39.40.41;
Η 17 1 — 20 ο). Daß aber Ε auch hier Η als Vorlage benutzte,
das zeigen Stellen wie EI u. 11 40 (vgl. Η 342), wo auf frühere
Ausführungen über die Präscienz Adams augespielt wird, die
jedoch nicht in E, wohl aber Η 3 18. 21 zu finden sind, oder Ε 1 u.
II 41 (vgl. Η 343), wo Gen. 15 13, jedoch unvollständiger als Η 343
augeführt wird.
Wenn weiter die Betrachtungen über die heidnische Mytho-
logie (H 4 12-22, 5, 6) im ganzen in EIu. II fehlen, so sind
diese nicht, wie Langen (a. a. 0. 45) meint, Abschweifungen, die
sich Η erlaubt hat. Sie sind vielmehr Auslassungen, die der
Verfasser von Ε vorgenommen hat, und zwar deshalb, weil sie den
veränderten Zeit Verhältnissen, der seitdem fortgeschrittenen Christia-
nisierung des Volkes, nicht mehr angemessen waren. Das Über-
bleibsel dieser Ausführungen, die eine für einen Epitomator er-
staunliche Kenntnis der heidnischen Mythologie voraussetzen, in
£51.52 (vgl. Η 4 15-23) verrät deutlich diesen Zusammenhang
zwischen Ε und H, indem es einige charakteristische Zusätze zu
dem H-Text zeigt: Schrieb Η 4 10 nur εχάοτον των λεγομένων
^εών. so schob Ε 51 (jedoch nur El) hinter των die Worte
^ταρ' νμίν ein, um der Meinung zu begegnen, als ob auch Christen
die Götter als solche bezeichnen könnten; hatte Η 4i6 dem Zeus
das Attribut βαοιλιχώτατος gegeben, so konnte Ε 51 dies nicht
gelten lassen und fügte (jedoch nur EI) deshalb ει δοχεί hinzu.
Aus demselben Grunde sind in Ε die Abhandlungen über
den Dämonen- und Götzenkult Η 9 1-18, 102-25, lli-28 gestrichen,
jedoch auch hier nicht so gründlich, daß man sie nicht da und
dort (vgl. Ε 66 und Η 92o; Ε 6S und Η 11 ΐό) wiedererkennt.
Ι, 2. Die BOg. Epitome ncd die klementinische Grundschrift. ^ ] 3
Wenn El u. II 69 (vgL Η Ilse) das Gemeindeamt der Witwen
nicht erwähnt, so zeigt auch dies den Umschwung der Zeiten
sowie die Weiterentwicklung der kirchlichen Verfassung in Ε und
damit den sekundären Charakter von Ε gegenüber Η deutlich an.
Kürzungen, wie sie sonst noch in Ε zahlreich vorliegen ^ lassen
nicht minder deutlich die Hand desEpitomators erkennen, der gern
den Stil glättet, indem er die breitere Darstellung zusammenfaßt
Sie insgesamt beweisen ebenso wie die Zusätze in E, daß
Ε überall den Text von Η als Vorlage benutzt hat.
Dazu kommt weiter, daß E, obwohl viel dürftiger als H,
nirgends — ausgenommen eine kleine Umstellung am Schluß, die
zugleich eine Kürzung ist Ε 134. 135, vgl. Η 20i3-i7 — von der
Reihenfolge abweicht, die sich bei Η findet, ja daß Ε sogar ihr
folgt, wo, wie aus Η selbst, sowie aus dem Vergleich mit R
vollkommen sicher geschlossen werden kann, Η von der ur-
sprünglichen Reihenfolge der Erzählung abgewichen ist. Es
trifft dies besonders auf Ε 46— -53 und Ε 129—133 zu, deren
Parallelabschnitte Η 46-24 (genauer Η 4 — 6) und Η 16i-5 (genauer
Η 16— 20 10) gegenüber R voran- bezw. nachgestellt sind^.
So werden wir zu dem Schluß genötigt: Auch unter der
Voraussetzung Langens, daß Ε nur in überarbeiteter Gestalt
vorliege, kann Ε so wenig als Grundschrift für Η angesehen
werden, daß Ε vielmehr durchweg als ein dürftiger Auszug aus
Η zn charakterisieren ist^.
Ist nun aber der textkritische Beweis Langens für seine An-
nahme allein auf Ε I aufgebaut, so stürzt er völlig in sich zu-
sammen, wenn überzeugend dargelegt werden kann, daß Ε I nicht,
^e er a. a. 0. 157 meint, älter, sondern vielmehr jünger als Ell,
Jft abhängig von Ell ist. Wenn nämlich Dressel zu seiner
Ausgabe der Epitome* sagt-: utraque ex Homiliis prodiit, so
1) Vgl. Ε 3 mit Η la; Ε 10 mit Η 1 10; Ε 11 mit Η In; Ε 11/12 mit
Η 1»; Ε 16 mit Η 1 17; Ε 24 mit Η 2i9-2i; Ε 24f. mit Η 224; Ε 46 mit
Η 46; Ε 49 mit Η 4ιΐ; Ε 55 mit Η 75; Ε 06 mit Η Οι; Ε 08 mit Η 11 1;
Ε 89 mit Η 12«ΐ; Ε 97 mit Η 1238; Ε 113 f. mit Η 144; Ε 124 mit Η 153;
Ε ^27 mit Η 15 ιο; ausserdem Η 1229-83, die in Ε Ι (jedoch nicht Ε II, vgl.
f^ Π c. 96. 97), und Η 13i3-2i, die in Ε I und II ganz ohne Parallele sind.
2) Vgl. unten Kapitel I § 3 26 ff. 31 f.
3) So auch hinsichtlich des Textes Lagarde, Clementina, Leipzig 1868, 0.
4) Vgl. Dressel, Clementinorum Epitomae duae., Lips. 1859, p. V.
χ 4 Waitz, Die Pseudoklementinen.
druckt er damit den Sachverhalt nicht klar aus. Vielmehr be-
ruht die eine Epitome auf der andern. Beide haben fast ganz
denselben Inhalt, indem beide ganz dieselben Abschnitte der
Homilien weglassen (so, um nur die größeren anzuführen:
Η 2 83 — 328, 425—626, 92-23, 1θ2-2δ, 112-27, 16 5—20 lo). Dabei weichcu
beide einmal zusammen in der Reihenfolge von Η ab, indem sie
das, was Η 20i3-i7 steht (vgl. Ε 134. 135) vor Η 20 12 stellen (vgL
Ε 136); an derselben StelleElu. II 139 weichen sie auch überein-
stimmend in dem Inhalt von Η ab, indem sie das, was nach
Η 20 19 Petrus dem Faustus sagt, damit er es später wiederhole,
gleich den Faustus selber sagen lassen. An einer Stelle EI u. I1 127
bringen beide als Zitat aus dem Matthäusevangelium, was Η 15io
nur Anspielung auf ein Herrenwort ist. Daraus ergiebt sich, daß
die eine Epitome von der andern abhängig ist. Haben nun aber
nicht beide aus Η geschöpft, so muß diejenige die Vorlage für
die andere gewesen sein, welche den ausfuhrlicheren Text ent-
hält. Das ist aber Ε II, die nicht nur an vielen einzeloen Stellen
wie c.22, vgl. Η 2?; c. 35, vgl. Η 382f.; c. 41, vgl. Η 34s; c. 51, vgl.
4 17-22; c. 57, VgL 79; c. 68, vgl. Η ll2«; c. 96, vgl. Η 1229-33;
c. 134. 135, vgl. Η 20i8-i7, über EI hinaus auf Η zurückgeht,
sondern auch den Brief des Klemens c. 145 — 160 viel ausführ-
licher als EI, 145 — 147 bringt. Auch hat sie noch nicht den
Anhang aus der Schrift des Bischofs Ephraim von Cherson.
Außerdem schließt sich Ε II auch im Wortlaut durchgängig viel
mehr an Η an als Ε I, wie schon die obigen Ausführungen an
einzelnen Stellen andeuteten, vgl. besonders S. 9, Anm. 1. Es
leuchtet ein: EI ist so wenig original, daß es weiter nichts
wie eine mit einem neuen Anhang versehene, sonst unwesent-
lich verkürzte und stilistisch im einzelnen veränderte Abschrift
von Ε II ist.
Ist dies richtig, so muß es als ein von vornherein verfehltes
Unternehmen bezeichnet werden, aus Ε I die klementinische
Grundschrift gewinnen zu wollen, und es kann weder in Ε 145 fiP.
die originalere Gestalt des klementinischen Briefes, noch auch
sonst in Ε der originalere Text gegenüber Η gefunden werden
(s.u. zu Ε II, S. 15).
Ist aber weder EI, noch auch Ell, bezw. die von Langen
angenommene Grundschrift von Ε die Grundlage für H, dann
auch nicht R. Denn abgesehen davon, daß, wie oben ge-
Ι, 2. Die sog. Epitome und die klementinische Grundschrift. 15
zeigt ist, auch R nicht in seiner Tendenz von Ε abhängig ist,
so ist im Gegenteil R in der Anordnung des ErzählungsstoiSes
zweifellos £ wie auch Η gegenüber original (s. o. S. 13 und
Anm. 2). Aber auch ein Vergleich der Texte fallt zu Ungunsten
Ton Ε aus. Was Langen (a. a. 0. 131) als Gegenbeweis anffthrt,
ist nicht stichhaltig; denn daraus, daß R Is gerade wie Έ 3 einen
Satz ausläßt, der Η 1 s — u. zwar, wie Langen richtig sagt —
recht weitschweifig dasteht, kann doch nur gefolgert werden,
daß R und Έ, diese Weitschweifigkeit bemerkend, sie vermieden,
aber noch nicht, daß R und Έ zusammen hier die Grundschrift
darstellten. Auch die Auslassung der Vorschrift, keinen Lehrer
anzunehmen, der nicht von Jakobus approbiert sei (H 11 35, vgl.
R 6 15 und Ε I u. II 69), beweist nur, daß diese Vorschrift R und
Ein gleicher Weise unzeitgemäß erschien, vgl. jedoch R 435. Die
Worte Rufins rerum exitus docuit (R 1 2), die bei Η 1 2 ry πείρα
Ιχίγνων, bei Ε 2 εγνων άπο τον τέλους (jedoch nur bei ΕΙ, bei
£11 stimmen sie mit Η I2 überein) lauten, sind ebensowenig ein
Beleg dafür, daß R den Text von Ε vor sich gehabt habe, da
auch hier Ε I viel mehr mit Η als mit R, und R viel mehr mit Η
als mit £ übereinstimmt ^ Andere Gründe aber kann Langen
nicht ins Feld fuhren, muß vielmehr (a. a. 0. 132) wiederholt zu-
geben, daß R und Η miteinander von Ε abweichen. Sonach
kann Ε weder für R noch für Η als Grundschrift nach-
gewiesen werden, sondern muß als ein Auszog aus Η gelten.
Der Erklärungsversuch Langens, Ε bezw. eine mit Ε wesentlich
übereinstimmende Schrift sei die Grundschrift der klementini-
schen Literatur, entbehrt daher jeder zuverlässigen Grundlage.
Damit stürzt aber auch seine auch sonst völlig unhaltbare An-
schauung in sich zusammen, wonach die Frage des Primats in
der Kirche ein Gegenstand, ja der Kardinalpunkt der Klementinen
sein soll.
1) Man vergleiche
R I2 Η I2 I Ε 2
*-t enim post rerum exi- ' ώς vaxtQOv xtj ηείρα^ ώς υατερον eyvwv anb
tue docuit et gratia dei i έπέγνϋ}ν xal ^εώ τω ' τον τ^λονς [Ε Π τ§ πεί-
omnipotentie osten- πάντων δεαπυτί^ ; (>« Ιπ^γνων] χαΐ Θ^εφ
^'^ : ηνχαρίατηαα.
τώ πάντων ηνχαριστηαα
ποιητή [fehlt Ε II].
16 Waitz, Die Peeudoklementinon.
3. Die Rekonstruktion der Grundschrift nach den Homilien und
Rekognitionen.
Wenn nicht E, so können nur Η oder R oder beide die
Grundschrift enthalten. Und es fragt sich zunächst, ob sie, wie
Neander^, Baur^, Schliemann ^, Schwegler^ u. Α. annehmen, in H,
oder nach Hilgenfeld^ und Ritschi ^ in R zu finden ist. Doch
geben die sich gegenseitig ausschließenden Ergebnisse dieser
Lösungsversuche Uhlhorn Recht, wenn er sagt^: „Weder die
einfache Priorität der Homilien noch die der Rekognitionen ist
haltbar", und die nachfolgende Untersuchung wird dafQr den
Beweis liefern, den wir deshalb för jetzt zurückstellen. Wenn
aber ühlhom meint, daß beiden eine ältere Schrift zu Grunde
liege, so fragt es sich, welches diese Grundschrift ist Hat
Uhlhorn recht, wenn er sie in den Kerygmen des Petrus ge-
funden zu haben glaubt, deren dogmatischer Inhalt in H, deren
Geschichtserzählung dagegen in R treuer bewahrt sein soll? ^ Oder
hat sie Lehmann richtig erkannt, wenn er annahm, daß sie in
den drei ersten Büchern von R vorliege, während im übrigen
Η gegenüber R ursprünglicher seiV^ Oder aber hat Lipsius das
literarische Verhältnis von Η und R richtig bestimmt, wenn
er — freilich ohne weitere Beweisführung — die Behauptung
hinstellte, daß Η und R eine gemeinsame Grundlage selbständig
überarbeitet hätten ^^?
1) Neander, Genetische Entwickelung, Berlin 1818, .'>i)l ff.
*J) F. C. Baur, Die Chrifetuapartei, in Tübinger Zeitschrift 1831
H. 4, lliiff. Tbeol. Jahrbücher 1844. 562.
:{ I A. Schliemann, Die Clementinen, Hamburg 1844, 202 f. 2i)6. 297 ff.
HUiff. 4) a. a. 0. -mS. u. 481 fi.
r>) a. a. 0. li) ff. 1S8 ff. 308 ff*, und derselbe, Der Ursprung der pseu-
doclementinischen Recognitionen und Homilien in Theol. Jahrbücher 1854
ΧΠ 48:J ff.
0) A. Ritschi, Die Bedeutung der pseudoklomentinischen Literatur,
in Allgemeine Monatsschr. f. Wissensch. u. Literatur, Halle u. Braun-
schweig 18Γ)2, 64. 7) In Herzog R. E.3 a. a. 0. 178.
8) Ebendaselbst, außerdem Die Homilien u. Recognitionen 343 ff. 351.
!).) a. a. 0. 21. 1 12 ff.
lOj Vgl. seine Besprechung des Lehmannschen Buches in der Prote-
stant. Kirchenzeitung 1809, 477—482; derselbe, Die Quellen der rOmischen
Petrussage, Kiel 1872, 14 f.; derselbe, Die apokryphen Aj>ost«lgeschichten
Tl., Braunschweig lsS7, 37 f.
Ι, 3. Die Rekonstruktiou der ürundsclirift nach den Ilomilien usw. \ 7
Indem wir diese Fragen fürs erste ofiFen lassen \ vergleichen
wir zunächst soweit, als es möglich ist, Η und R und versuchen
aaf diese Weise ein Bild von der Grundschritt zu gewinnen 2.
Die ersten Kapitel des Klemensromans, welche die inneren
Kämpfe des philosophisch gebildeten jungen Kömers um seine
Weltanschauung und die Anfänge seiner Bekehrung zu den Lehren
Christi durch einen Apostel desselben schildern, sind in Η 1 ι-?
and R 1 1-7 durchweg parallel, bei R allerdings öfters gekürzt
(vergL R 1 3. 4. 7). Alsdann findet sich schon die erste Ab-
weichung in der Erzählung, wenn Η 17-» den Klemens nach
Alexandrien reisen und hier mit Barnabas zusammentreffen läßt,
während R 1 7 sie schon in Rom zusammenführt und von einer
alexandrinischen Reise nichts zu wissen den Anschein hat. Da-
bei hat aber offenbar R wieder gekürzt ''\ Das Zusammentreffen
des Klemens und Petrus in Cäsarea und die Belehrung des Petrus
über den wahren Propheten berichten dann Η 1 12-22 und R 1 o-io
im wesentlichen übereinstimmend. Tags darauf erscheint nach
Η 2i Petrus mit 16 Begleitern, um seine Belehrung fortzusetzen.
Ij Die Uhlhornsche Hypothese von der Entstehung der Klementinen
bat sich im wesentlichen auch Bigg, The Clementine Homilies iu Studia
bibL et eccl. II. Oxford, 157 fif., vgl. lS(j Anm. 1, angeeignet. Er nimmt für Η
ttnd R eine gemeinsame Grundschrift an, die er jedoch — im Unterschied
von Uhlhorn — als ein orthodoxes Werk ansieht, das nach 2iM) ent-
itanden ist. In Η sieht er eine Bearbeitung dieser Grundschrift durch
einen arianischen Christen syrischer Nationalität, der am Anfang des
■i. Jahrhunderte lebte. Der Verfasser von R dagegen habe sowohl die
Gnmdechrift als auch Η vor sich gehabt. Hat Bigg auch die Entstehung
?on Η und R aus einer gemeinsamen kath. Grundschrift im ganzen richtig
»Wirt, 80 hat er es doch unterlassen, für die heterodoxen Bestandteile
dieser Grundschrift eine ausreichende Erklärung zu geben. Dalier ist
R. Seeberg, Dogmen geschichte, 180Γ), 52 wieder zu der Auffassung zu-
rückgekehrt, daß Η und R nach einer Grundschrift gnostizierend-juden-
cbristlichen Charakters, die ca. 150 entstanden sei, in katholischem Geist
bearbeitet worden seien. Beide Hypothesen bedürfen wohl keiner besonderen
Aueeinandersetzung, da sie nichts anderes als Variationen der Uhlhorn-
ecben Hypothese sind.
2) Dabei haben wir damit zu rechnen, daß R nur in der lateinischen
Übersetzung Rufins vorhanden sind. Daß diese aber, abgesehen von einigen
*biichtlich von Rnfin vorgenommenen Änderungen, im ganzen treu ist, haben
Scbliemann a. a. 0. 2(5(3 ff. und Uhlhorn a, a. 0. H2 ff. dargetan.
81 Vgl. den Nachweis hierfür bei Uhlhorn a. a. ü. IJlOf.
Texte α. CDtersuchnngen. N. F. X, 4. 2
Ig Waitz, Die Pseudoklemeatinen.
Dieses Auftreten des Petrus erzählt jedoch R erst nach einem
Einschub von 53 Kapiteln (R 1 21-74) in R 2 1, dabei auch im ein-
zelnen von Η abweichend. Denn es werden hier nur 12 Begleiter
des Petrus angeführt, diese außerdem ohne die charakteristischen
Beifügungen in Η ^ liier ist R sekundär. Das beweist die
Zwölfzahl der Begleiter, die um so sicherer als eine absichtliche
Nachahmung der Jüngerzahl JeiSu anzusehen ist, als R nach
R 3 68 wenigstens noch drei Begleiter kennt, die Η 2 1 genannt
und R 2 1 ausgelassen sind. Zudem läßt sieb, wie Uhlhom
(a. a. 0. 307) gezeigt hat, noch deutlich nachweisen, wie R bei der
Reduktion der Jtingerzahl verfuhr: Er strich einfach die in Η 2 1
zuletzt genannten, soweit sie ihm entbehrlich waren, dazu den
früher genannten Thomas, weil dieser nach R 1 53-72 nicht in
Cäsarea sein konnte. Diese Streichung aber beweist zugleich,
daß die Reihenfolge der Erzählung, wie sie bei R vorliegt, erst
nachträglich so hergestellt ist, während sie bei Η durchaus sach-
gemäß ist. Wenn endlich in R bereits 1 20 Zacchäus, der uns
doch erst 54 Kapitel später, R 2 1, als Begleiter des Petrus vor-
gestellt wird, erscheint, um in denselben Worten wie Η 2 35
seine Meldung von einem Aufschub der Disputation mit Simon
Magus zu bringen, so verrät diese Inkongruenz denselben Sach-
verhalt. Wenn andrerseits in Η Zacchäus erst Η 2 35 in dieser
Weise eingeführt wird, nachdem er bereits Η 2 1 als Begleiter
des Petrus vorgestellt ist, so entspricht dies den Gesetzen der
Logik und beweist die Priorität von H. In der Grundschrift
wird also auf Η 1 1-22 bezw. R 1 1-19 der Bericht Η 2 1 bezw. R 2i
gefolgt sein.
Suchen wir nun aber weiter die Grundschrift aus Η bezw.
R herauszuschälen, so müssen wir uns diesmal an R halten und
den Bericht über Simon (R 23-19 und ähnlich Η 2i8-a4) als die
Fortsetzung betrachten. Denn abgesehen davon, daß es in der
Natur der Sache liegt, zuerst etwas von Simon, seinem Leben
und seiner Lehre zu erzählen und danach die Disputation mit
ihm zu bringen, die unvermittelte Beziehung auf Lehren Simons,
1) Vgl. II 'Ji ΖακχαΤος ό ποτέ τελώνη ς^ Σοφονία^ ο αδελφός
ί.ντον, ό τούτον (8C. ^Ιωσήφον) σύντροφος Μιχαίας^ Θωμάς χαΐ
^Ελιέζερος οι δίδυμοι, Λίντας χαΐ Λάζαρος οϊ ιερείς^ '^Ρονβιλος χαΐ
Ζαχαρίας οϊ οΙκοδόμοι κτλ. Diese Zusätze sehen nicht wie das Werk
«•ines Kpitomators aus.
Ι, 3. Die Rekonstruküon der Grundschrifb nach den Homilien usw. X9
wie sie in der Rede des Petrus Η 2 u vorliegt, beweist, daß in
der Vorlage von Η diese Lehren schon vorher, also vor Η 22-i7,
dargestellt gewesen sein müssen. Diese An- und Umordnung in
Η zeigt auch der Widerspruch in der Erzählung, indem nach
Η 221 Aqnila und Nicetas erst herbeigeholt werden, um über
Simon Bericht zu erstatten, während sie nach Η 2 1 schon längst
zugegen sind. In diesen Fehler verfallt R 2 1 ff. nicht, sondern
laßt beide gleich (R 26. ?) über Simon berichten. Die Worte aber,
mit denen sie Η 2 21 eingeführt werden: ot oe τον d-eov μαρτν-
αίμΒνοί μηδέν φενύαοθ^αί έξετί^εντο, kürzen nur das, was
R27 den Aquila in seiner Rede ausdrucklich sagen läBt: Testem
vero invoco deum, und verraten so wieder den sekundären Cha-
rakter von H. Eine weitere Inkongruenz liegt bei Η auch dann,
daß nach Η 22«.». 3o mit der Wendung xai Νιχητης εφ?] dieser
Nicetas zweimal so eingeführt wird, als ob ein dritter von ihm
spräche, während nach dem Kontext (vgl. Η 227.31) es Nicetas
selber ist, der so von sich spricht. Es darf demnach als sicher
angenommen werden, daß in der Grundschrift auf Η 2i
bezw. R 2i der Bericht des Aquila und Nicetas über Simon
(H 2 18-3* bezw. R 2 s-u») folgte. Beide Relationen selber weichen
wieder in manchen Einzelheiten von einander ab^ Die Ein-
leitung zu dem Berichte über Simon R23-6 ist in Η 2i8 zum
größten Teil ausgelassen, offenbar deshalb, weil Η 22-17 statt
dessen eingeschoben wurde. Die Erzählung von der gemeinsamen
Pflegemutter Simons und der Brüder Aquila und Nicetas, der ver-
witweten Syrophönizierin Justa, H2ii»-2i (vgl. Mt 15 22 ff.) fehlt bei
ß. Da jedoch R (732) sie nicht nur mit Namen und als Witwe,
sondern auch als die Pflegemutter der beiden Bruder, die sie
Graecis literis et liberalibus adtentissime erzogen hat, ausdrück-
lich nennt, Simon dagegen (R 2?) ebenfalls als Uraecis literis et
liberalibus adprime erzogen bezeichnet, so wird R wohl eine
Oberlieferung wie Η 2 iu-2i gekannt haben. Wie sollten auch
sonst nach Β Aquila und Nicetas zu ihrer Kenntnis der Lehre
Simons und zu dem Geständnis gekommen sein, sie seien adjutores
«jus et errornm socii (R 2 δ) und familiäres ejus (R 26) gewesen?!
1) Vgl. dazu Hilgenfeld lOoff. 100 fF.; ühlhorn 2S2fF.; Hilgenfeld,
TheoL Jahrb. 1854, 507 ff., auch Meyboom, Marcion en Paulus in Theo-
logisch Tijdschrift 2Γ), Leyden ISÜl, 18 ff.
20 Waitz, Die Pseudoklementinen.
Weil R daran Anstoß nahm, daß ein Weib, dessen Glauben Jesus
gepriesen hatte, die Pflegemutter eines Pseudochristus gewesen sein
soll, ließ R diese Überlieferung weg. — R27 und Η 222 ent-
sprechen sich dann im ganzen. Nur schweigt Η hier (vgl.
R 2?) von der hellenischen Bildung Simons, weil sie schon Η 2 19-21
erwähnt war. Während dann R 2 7 Simon einfach als Magier
bezeichnet, weiß Η 223, daß er diese Kunst in Alexandrien ge-
lernt hat. Da R schon im 1. Buch (vergl. Η 1 t-s) jede Beziehung
auf Alexandrien zu tilgen suchte, wird R auch hier dieser lite-
rarischen Amputation für schuldig befunden werden. Auch in
der Lehrdarstellung finden sich zwischen R und Η Diflferenzeu.
Nach R 2? erscheint Simon als der Pseudomessias, der sich als
summa virtus erklärt; nach Η 222 auch so, zugleich jedoch als
Repräsentant samaritanischer Häresie, wohl im Mißverständnis
von R 154.57. Ist dann nach Η 223 Johannes der Täufer als
Sektenstifter, der 30 Schäler, darunter auch Simon und Helena,
hat, ein Vorläufer zuerst des Dositheus und dann des Simon, so
wird er R 28 als solcher nicht genannt, sondern nur Dositheus
als Vorläufer des Simon bezeichnet, indem von ihm dasselbe wie
Η 228 von Johannes erzählt wird. Übrigens bringt auch R 28
den Johannes in Beziehung zu Dositheus, wenn es hier heißt:
Interfecto enim, sicut scis et ipse, baptista Johanne, cum Dosi-
theus haereseos suae inisset exordium, während diese Stelle bei
Η 224 lautet: τον 'Ιωάννου άναιρεϋ-έντος /ίοοίϋ^εός τις της αρχής
ορεγόμενος . . . διαδεχεταί την αϊρεύΐν. Hier ist nun bei R der
Zusatz sicut scis et ipse verräterisch: R gefiel es nicht, daß Jo-
hannes, was auch Justin und Hegesipp bezeugen, ein Sekten-
haupt gewesen sei. Daher strich er, was die Grundschrift darüber
gesagt hatte, bezw. schrieb es dem Dositheus zu. Daß er jedoch
hier etwas ähnliches gelesen hat, zeigt R 435, wo gerade wie Η 223
die Zahl der Apostel mit der Zahl der Monate verglichen wird.
Hat aber dieser Vergleich der Grimdschrift angehört^ dann auch
die Erzählung von dem Hemerobaptisten Johannes. Auch im
folgenden scheint Η ursprünglicher zu sein, als R. Denn während
Η zuerst das Verhältnis zwischen Simon und Dositheus sowie
Helena darlegt (H 224.25), um dann auf Simons Nekromantie
(H 226-31) und Magie (H 232) einzugehen, zerstört R diese sach-
gemäße Darstellung, erzählt zuerst (R 2^ cf. Η 225) von Simons
Verhältnis zu Helena, um dann nach einer Auseinandersetzung
Ι, 8. Die Rekonstruktion der Grundscbrift nach den Homilien usw. 21
ober seine magischen Künste (R 29f. cf. Ή 232) nochmals auf
sein Verhältnis zu Dositheus (R 2ii vgl. Η 22*) und zu Helena
(K2i3 Tgl. Η 22δ) zurückzukehren, und geht erst jetzt (R 2ΐ8-ΐδ
vgl Η 226-3i) auf seine Nekromantie ein. Trotzdem ist im ein-
zelnen Η sekundär, so wenn Η 227.32 das, was R 29 von Simons
Zauberkünsten berichtet, auseinanderreißt und kürzt, oder wenn
H2j4 früheres (vgl. Η 23i) rekapituliert. Umgekehrt sind die
Expektorationen des Petrus R 2i6-i7 ein Einschub, während R2i8
einer späteren Darlegung (vgl. Η 18 22) vorgreift. So zeigt
dieser ganze Bericht über Simon (H 2i8-34 bezw. R 23-19), daß
weder R Grundlage für H, noch umgekehrt Η für R sein kann,
sondern beide selbständig eine gemeinsame Grundschrift benutzt
haben.
Mit der Meldung des Zacchaeus von dem Aufschub der
Disputation (H 2 35-37 vgl. R 1 20. 21) treffen beide Relationen
zusammen, um freilich gleich wieder auseinander zu gehen.
Trotzdem ist es auch hier möglich, den Faden der Grundschrift
wieder aufzufinden. War nämlich R I17 (vgl. Η l2o) eine Ab-
handlung über den wahren Propheten mit der Teilung 1) quis
esset propheta, 2) quomodo inveniretur angekündigt, so findet sich
diese in Η 24-i2 wieder, wo ebenso die Frage abgehandelt wird
1) quis esset propheta, vgl. Η 26, und 2) quomodo inveniretur,
▼gl Η 27-12. Folgt aber Η der von R gegebenen Disposition
derart, daß Η sie selbständig ausführt, so muß Η hier entweder
die Grundschrift selbst darstellen oder ihr gefolgt sein. Nun
aber sind Η 24-i2 und R 1 21-26 nicht nur im allgemeinen inhalt-
lich verwandt, sondern stehen auch an einer Stelle (vgl. Η 2 12
lind Κ I25) in einem unmittelbaren literarischen Abhängigkeits-
verhältnis '. Folglich muß die ganze Abhandlung über den
li Man vergleiche
Η 2i2
*^i ik &Βος oi κόσμος ^ργον^ ί)ς
αχαιός wv ηάντως ^κάατω ηρυς τάς
^^itq άποόώσεΐτ ηοτέ.
R125
UDus est deus, cujus opus mundus
est^quique, quia justus est omniiuodis,
unicuique pro actibus suis reddet.
l^abei ist za bemerken, daß Klemens R I25 diesen Satz als ein Zitat aus
^aner früheren Rede dei Petrus anfuhrt, die jedoch nicht in R, sondern
oben in Η 2 19 zu finden ist, und daß er unmittelbar ein anderes Zitat aus
^er früheren Rede des Petrus bringt, die weder in R noch in Η gefun-
den werden kann.
22 Waitz, Die Pseadoklcmeutinen. ,
wahren Propheten (H 2 4-12 vgl. R 1 21-26) die Fortsetzung der
Grundschrift gebildet haben. Wenn jedoch Η 24. 5 es Petrus
abweist, auf τον jcsql τιροφητεΐας λόγον näher einzugehen, weil
nämlich Bamabas diesen dem Klemens bereits in Alexandrien
τελείως auseinandergesetzt habe, so deutet dies an, daß hier
in Η eine längere Abhandlung über dieses Thema ausgefallen
ist, als deren Ersatz auch Η 26-i2 nicht angesehen werden kann,
da ja Petrus ausdrücklich erklärt (H 24), sich darauf nicht weiter
einlassen zu wollen.
Nun legt aber R 1 27-42 ausführlich dar, wie der wahre Pro-
phet dem Adam (R 1 28, vgl. R 1 47), Abraham (R 1 33), Moses
(R 1 34) und Christus (R 1 se. 39), bezw. in ihnen erschien. Sollte
nicht diese Abhandlung im Anschluß an U 2 6-12 in der Grund-
schrift gefolgt sein? Literarische Beziehungen bis zu wörtlichen
Übereinstimmungen lassen sich zwischen R und Η mehrfach
nachweisen, wenn beide in derselben Reihenfolge und in den-
selben Wendungen die Heilsgeschichte von der Schöpfung bis
zur Gesetzgebung durchgehen. Man vergleiche die Notizen über
Adam R 1 28 (vgl. 1 47) und Η S 10 ; über das sündlose Men-
schengeschlecht bis zur S. Generation R 1 29 und Η 8 11 f.; über
die Giganten R 1 29 und Η 8 is, über Noah R 1 29 und Η 8 π,
über das vorsintflutliche Gesetz R 1 30 und Η 8 i5^ Dabei zeigen
die Zusätze in R, wie die Bemerkung über die vorsintflutlichen
Knochen, und in H, wie über die Gigantomachie (vgl. Anm. 1),
daß weder R aus H, noch Η aus R, sondern beide aus einer
gemeinsamen Quelle geschöpft haben, üa nun aber Η 8 lo-i?
inhaltlich eine weitere Parallele in R 4 ihis hat, so ist nicht an-
zunehmen, daß diese Ausführungen der gemeinsamen Grund-
1) Vgl. z. B. RI29 Η 815
Ex nona generatione nascuntur gi- ^Ex oh της νυΘ•ον μίξεως αντών (Ir-
gantes illi, qui a saeculo nominantur, Ωρωποί ίγίνοντο νόΟ^οι πολλω γε των
ηοη όρακοντόηοΛεςι ut Graecorum , άνϋ^ρώηων κατά κοριφί^ν μείζονς,
fabulae ferunt, sed immensis cor- 1 οΐς ol μετά ταντα γίγαντας ώνό-
poribus editi, quoram adhuc ad in- 1 μαααν, ου όραχοντόποδες ίντες χαΐ
dicium in nonnuUis locis ossa im- ' πρ^ς Θ-εόν πόλεμον άράμενοι, ως
luensae magnitudinis ostenduntnr ' </i βλάσφημοι των ^Ελλήνων αόοναι
etc. μνθ-οί^ άλλα θηριώδεις τον τρόπον
καΐ μείζονς μ^ν άνθ-ρώπων τα
μεγέ^^ έπείπερ έξ αγγέλων ^γέ-
νοντο κτλ.
Ι, 3. Die Rekonetruktion der Grundschrift nach den Homilien usw. 2'ό
Schrift (R l27ff.) in einem Zusammenhang wie in Η oder unter
den Beden des Petrus in Tripolis, sondern wie in R, also unter
den Reden des Petrus in Cäsarea gestanden haben , bei Η je-
doch ausgelassen sind, weil Η sie nochmals unter den Reden iu
Tripolis vorfand und sie hier verwertete.
Ob und inwieweit auch die folgenden Kapitel R 1 43-71 zur
Grundschrift gehört haben, läßt sich so, wie für die voran-
gehenden Kapitel, nicht feststellen. Doch besteht auch hier ein
eigenartiger Zusammenhang zwischen R und H. Nämlich R 1 47
behauptet Klemens, aus dem Munde des Petrus die Äußerung
gehört zu haben, daß Adam ein Prophet war. Nun aber steht
hiervon nichts bei R, auch nicht R 1 28, wo von Adam die Rede
ist Η 3 17. 20 f. jedoch wird unter ausdrücklicher Beziehung auf
den λόγος της άληϋ'βίας Adam als μόνος άληθ-ης προφήτης
nachgewiesen, indem er den Tieren ihre Namen gegeben habe.
Der Sachverhalt ist klar: In der Grundschrift stand eine der-
artige Ausführung über Adam als Propheten; R 1 28 hätte sie
stehensollen, wurde aber von R übersehen, wie sich überhaupt
ßlnir. nur wie ein Auszug aus einer ausführlicheren Abhand-
lung giebt
Ob und inwieweit die Ausführungen Η 2 38-53, 3i-28 zur Grund-
schrift gehören, läßt sich ebenfalls nicht sicher feststellen. Die
AogflXhrungen über die falschen Perikopen Η 228-53, 3i-io sind
ohne inhaltliche Parallele in R, wenn auch auf legis capitula
wiederholt hingewiesen wird, die gerade wie die falschen Peri-
kopen (vgl. Η 23«; 34?) nach der Geheimtradition ausgelegt wer-
ben müssen (vgl. R 1 22. 74; 2 45; 330.34.75). Die Ausfuhrungen
ober den wahren Propheten Η 3 uff. dagegen sind bereits in
ihrem Verhältnis zu R bezw. Grundschrift beleuchtet worden ^.
Auf die Bearbeitung einer solchen Grundschrift in Η deutet es
übrigens jedenfalls hin, wenn Petrus Η 3ιβ ein Privatissimum
ober τον της ονζυγίας λόγον als ein künftiges Ereignis an-
kündigt: ov διανύομαι έχτι&έμενος, während er es doch schon
lange vorher (H2i6ff. c£ R36i) gehalten hat. Ursprünglich
muß Η 3ie vor H2i6ff. gestanden haben. — Erst in Η 329-30
und R 2 19-80 treffen beide Relationen wieder zusammen, in-
1) Ober die Wanderangen und Wandlungen des wahren Propheten
zeigen auch Η 3ao und R 222 eine aufföllige Übereinstimmung.
24 Waitz, Die Pseudoklementinen.
dem sie den Zacchäus zurückkehren und die Meldung bringen
lassen, daß nun die Disputation mit Simon beginnen könne.
Wenn R 2 19 hinzufügt, was Η 3 29 fehlt, daß Zacchäus kurz vor-
her (paulo ante) hinausgegangen sei, so verrät R damit, daß es den
Bericht von dem 1. Auftreten des Zacchäus (R I20. 21 vgl. Η 235j
an unrichtige Stelle gerückt hat. Η 3 29 braucht natürlich einen
derartigen Zusatz nicht, da dies bereits Η 235 erzählt war. — In
der darauf folgenden Rede des Petrus an das Volk, die mit dem
Friedensgruß beginnt, gehen Η und R anfangs nebeneinander
her, um sodann ihre eignen Wege einzuschlagen (vgl. Η Ssi-a?
und R 223-36). Indem sie aber dann auf die Behauptung Simons
zu sprechen kommen, daß es nach der Schrift der Juden viele
Götter gebe, reichen sie sich wieder die Hände (vgl. R 238 und
Η 338») zur Bekräftigung, daß es nur einen Gott gebe. Sofort
verläßt Η 338 diese These, um auf den marcionitischen Dualis-
mus einzugehen (H 338-5?). Umso bemerkenswerter aber erscheint
es, daß in Η 16 5 nicht nur dieselbe Fragestellung wie R238f.
bezw. Η 338 gegeben ist, sondern auch Η IGa-u weiter fortge-
führt wird. Dabei fehlt es nicht an Übereinstimmungen im
Wortlaut (vergl. Η I65 und R238)^. Wenn sodann Simon
R 2 38 ff. eine Anzahl Schriftstellen zum Beweis für seine These
anfährt, so trifft er hier auffallig mit Η IGeff. zusammen. Es
werden angeführt: Gen. 35. 322 Ex. 2228 (vgl. R 239 und Η Ιββ);
Deut. 10 17 (R 241 und Η IGe); Ex. 2228 (wiederholt in R 2*2 und
HlGs); Deut. 3239; 439; lOu; IO17; 613 cf. Mt. 4io; 64 (R 243.44)
und Deut. 10 u; 439; 3289; 10 17; 613; 64 (H I67); Ps. 35 10; Sös;
Jos. 237 (R 244) und Jos. 237; Ps. 35 10. 868 (H Ιββ.β); Deut 135
(R 244; Η 166); Deut. 13iff. (R 245; Η 16 13); Gen. 2 le. 17 (R 253;
Η 166); Jes. 446 (R 36; Η I67). Öfters folgen diese Schriftstellen
bei R und Η in derselben Weise; manchmal auch in verschiedenen
Kapiteln. Überall aber werden sie zu demselben Zweck ange-
führt. Dazu ist folgendes zu beachten: R 239 zitiert Gen. 3 5. 22.
I26. 11 7; Exod. 228; Deut. 32 12; man erkennt den Gang, der
hier durch die Bücher Moses' gemacht wird. Η 166 f. zitieren
1) R 288. 39 j Η 105
Simon: Ego dico multos esse deos. ΣΙμων ^γω όέ φημι τας nenunev-
... Ex lege ludaeonim sola adser- μένας γραφάς παρά *ΙονΟαίοις πολ-
tiones adhibebo. Ι λονς λέγειν ^εονς.
Ι. Η. Die Rekonstruktion der Grundschrifb nach den Homilien usw. 25
Gen. 35.22; £x. 22ä8; Deut. 434 (Jer. lOn); Deut. 13 e; Jos. 23?;
Deut. IÖ17; Ps. 35 10. 868. 50i. 82 1. Diese Zitate sehen wie eine
Fortsetzung des Ganges durch die Schrift aus. Nun hebt R 239
am Schluß der Zitierungen ausdrücklich hervor: et alia plurima,
quae proferri possunt ex lege testimonia, non solum obscuriora
sed et manifesta, quibus multi esse doceantur dei, und deutet da-
njit auf einen Sachverhalt hin, wie er in den über R 239 hinaus-
gehenden Schriftzitaten in Η 166 vorliegt. Erscheint hier Η
ursprünglich gegenüber R, so im folgenden umgekehrt R gegen-
über H. Indem nämlich R 2 41 mit den Worten ausculta ergo
fortfährt, gibt dies Η 16? mit den Worten ύνντομωτερορ
αχονε, JtQog α είρηχας wieder. Das hinzugefügte Wort ουντο-
μωτερον deutet an, daß Η hier kürzt, wie denn auch in der
Tat das bei R vorher stehende Kapitel R 24o bei Η fehlt.
Β und H, beide abwechselnd primär, gehen also auch hier auf
«ine gemeinsame Grundschrift zurück. Diese tritt wieder R 24i
nnd Η 16? zu Tage, wenn beidemal Deut. 10 17 angeführt und
daraus dieselbe Folgerung gezogen wird.
R 241 Η 167
ojujtBQ οτι ei xai eiot d-eoL
vjto τον Ιουδαίων ϋ-εόν είοιρ.
Ita, etiam si multi sunt, qui
dieuntur dei, unus est tamen
major omnimn, Judaeorum deus.
Übereinstimmungen bei manchen Abweichungen finden sich
dann wieder zwischen R 242 und Η 16 14, wo beidemal darauf
hingewiesen wird, daß die Engel „Götter" genannt werden.
Engere Berührungen bestehen zwischen R 243.44 und Η 166.7,
^o von beiden Deut. 439 (u. zw. in R und Η je zweimal), Deut.
1^14.17.613.4. Ps. 35io. 868. Jos. 237, wenn auch im Wortlaut
öfters diflFerierend zitiert werden; ebenso zwischen R 245 und
fll6i3 (vgl. Deui 13 1-3), R 246 und Η 16 15 (vgl. die Rückbezie-
i»og auf Deut. 13 1-3).
Es ist unverkennbar, daß R 2 38-46 und Η 3 38. 16 5-15 eine
^'^Udschrift gemeinsam haben, die teils in R, teils in Η in ur-
^PHUiglicher Gestalt vorliegt.
Weitere Spuren dieser Grundschrift finden sich bei R und Η
^^^^inzelt in den folgenden Kapiteln. R 24? und Η 174 (vgl.
^ 18 13) erwähnen in derselben Weise die Erzväter Adam, Enoch,
^^^h, Abraham, Isaak, Jakob und Moses unter derselben Be-
26 Waitz, Die Pseudoklementinen.
Ziehung auf Mt 11 27. — R 26i und Η 17? begegnen sich nahe i:
eigentümlichen Gedanken und Bildern:
R261 Η 17?
Nam si Universum hunc mun- ' λαμτιροτερος ων το οώμ
dum solis hujus replet lux, , xal παντός, φωτός οτιλπνότι
qaantum aestimas esse illud 1 ρος, ως προς ονγχριοιν αντο
incorporeum lumen et infini- j το ηλίου φως λογιοϋ-ηναι oxc
tum? tantum sine dubio, ut istud ι τος,
solis lumen ad illud tenebrae
et non lux esse videatur. <
R 261-69 und Η 17i3-i9 beröhren sich im Thema. Überdie
bezieht sich Η 17 is Simon auf frühere Äußerungen seines Gegnei
zurück, die sich aber nicht in Η vorfinden, und Η I813 zitiei
einen Ausspruch des Petrus, in Η I820 verstärkt, der aber nicl:
in H, sondern in R 246 steht
Nun ist bereits von andern der Nachvv^eis erbracht wordei
daß überhaupt der ganze Abschnitt Η 16 — 19, die Disputatio
zwischen Simon und Petrus, die in Laodicea stattgefunden habe
soll, nicht hier, sondern in Cäsarea stattgefunden und sich dem
nach an Η 36? angereiht haben muß^ Schon an und für sie
ist es ja sehr auffallig, daß Η 3 58 über den 2. und 3. Tag de
Disputation in Cäsarea nur kurz ohne jede sachliche Angab
hinweggeht Noch mehr überrascht es, wenn nach Η HsPetru
in einer „gestrigen" Rede (έχϋ'ές) eine Versicherung abgegebe
hat, die sich aber nicht in H, sondern in R 2δΐ, vgl. R 344 voi
findet, oder wenn er Η 192a auf eine spätere ίξήγηας hinweis
die aber in Η nicht mehr folgt, sondern bereits in Η 158 yoi
hergegangen ist Geradezu ein Widerspruch ist es aber, wen
Zacchäus, der nach Η 372 schon längst von Petrus zum Bischo
von Cäsarea geweiht und daselbst zurückgelassen worden is
nach Η 17 1 auf einmal wieder zu Laodicea im Gefolge des Petru
erscheint. Daraus ergibt sich unzweifelhaft, daß die von I
nach Laodicea verlegte Disputation aus ihrem ursprünglichen Zu
sammenhang herausgerissen und an unrichtiger Stelle nachge
bracht ist Die literarischen Beziehungen aber, die hier an viele:
Stellen zwjschen Η und R oben nachgewiesen worden sind, zeiger
1) Vgl. zu dem folgenden Hilgenfeld a. a. 0. iMSft*., Uhlhorn a. a. C
344 ff., Lehmann a. a. 0. 3L>i)ff.
Ι, 3. Die Rekonstruktion der Grundechrift nach den Homilien usw. 27
daß diese Dispatation in demselben Zusammenhang wie bei R
gestanden haben muß. Damit stimmt, daß Η 17 1 fast wörtlich
bei R 3 12 wiederkehrt. Wie nämlich in Η Zacchäus, so tritt in
R ein Quidam auf, um dieselbe Meldung wie Η 17i zu bringen,
daß die Menge mit Simon auf Petrus warte. Dieses Zusammen-
treffen zwischen Η und R markiert wieder deutlich die Grund-
schrift. Nun bezieht sich Simon R3u auf eine Behauptung.
die Petrus tags zuvor getan habe: Repeto abs te, quae hesterno
promiseras: dicebas enim ostendere te posse, quia lex doceat de
immensitate lucis aetemae; über dieses Thema hatten aber
Simon und Petrus schon nach R 2 49 ff. verhandelt (2*9 festino
eoim de immensitate summae lucis exponere, vgl. 2 50-67). Daraus
ergibt sich, daß sich an R 238-46 (vgl. Η 16δ•ΐ5) die Kapitel
R 247-70 (vgl. Η 17) angeschlossen haben müssen, ohne dal.>
zanachst auszumachen wäre, welche von beiden sonst sehr ver-
schiedenartigen Redaktionen der Grundschrift am meisten ent-
sprochen haben wird.
Ebenso muß flirs erste unentschieden bleiben, ob und inwie-
weit R 32-12, 12-87, 61-69. Η 17 12-20 zur Grundschrift gehörend
Ihre Spur zeigt sich erst R 337f. und Η 18 1-2 wieder, wo
beidemal unter Berufung auf Mt 545 über die marcionitische
Antithese des guten und gerechten Gottes verhandelt wird.
Die exegetischen Ausführungen über Mt 11 27, die Η 18 4-23
stehen, berühren sich leise mit R 247-52, sind aber sonst R gegen-
über original.
Η 193 hat mit R 3ie die Fragestellung gemeinsam:
R 3 16. 17
1) si est malum, 2) quid sit
mdum (bezw. quid vel quo-
ll 193.4
1) το πώς γέγονεν (sc. ό Jto-
νηρός), 2) eljtsQ γέγορερ^ 3) χάϊ
modo) 3) cui sit et unde(utrum- ■ νπο τίνος χάί δια τΐ {οϋ•εν γί-
fiama deo anexnihilo,8emperne γονεν // δι αντον ϋ^εον η αφ
fuerit an ex tempore coeperit,
utile sit an inutile).
εαντου η και έξ ονχ όντων βε-
βηχεν, των stgog τι έατιν //
ι αεί ην).
Eine gegenseitige Beziehung zwischen R und Η ist also
aoch hier nicht abzuweisen, jedoch auch der vorhandene unter-
schied nicht zu übersehen, wenn R sächlich von malum, Η per-
1) R 329 und Η 17 16 zitieren in gleicher Weise Ex. 3320.
28 Waitz, Die Pseudoklementinen.
sönlich von malus, R ausdröcklich die Beantwortung dieser phi-
losophischen Fragen ablehnt, Η aufs genaueste auf sie eingeht.
Auch Η 19 15 und R 3-26 berühren sich in der Lehre von der
Willensfreiheit.
Die Ausführungen (R 838-42) über den Zusammenhang zwischen
der Gerechtigkeit Gottes und der Unsterblichkeit der Seele haben
ihre Parallele in Η 2i3f. Dort wie hier findet sich als Gegen-
grund gegen Gottes Gerechtigkeit der Gedanke, daß die Frommen
bisweilen eines gewaltsamen, die Schlechten oft eines natürlichen
Todes gestorben sind. Während er aber Η 2 13 zusammenhangs-
los dasteht, wird er R 338-42 weiter ausgeführt. Beidemal bildet
er den Übergang zu einer Ausführung über Simons Zauber-
künste und Lehre (H2i4f. nf. und R 342-50). Daher wird er der
Grundschrift zuzuweisen sein, aus der beide in verschiedener Ab-
sicht schöpften. Was jedoch R 342-00 über Simon gesagt wird,
ist weiter nichts als eine breit ausgesponnene Wiederholung von
R 2 13, vgl. Η 232, und daher in Η weggelassen. — R 351-62 hat in der
äußeren Anlage große Ähnlichkeit mit Η 20 i-io, insofern beidemal
ein Privatgespräch des Petrus und seiner Begleiter folgt; doch
tritt R351 Nicetas, Η 20i Sophonias auf. Beidemal wird auch
in ähnlicher Weise auf die zwei Reiche des oberen und unteren
Äon und deren Könige angespielt (R 852 und Η 202). Sonst diffe-
rieren beide Berichte wesentlich.
Der Bericht über die Ordination des Zacchäus in Cäsarea
in R 363-66 hat seine Parallele in Η 358-73, womit also R und
Η in das alte Bett der Grundschrift zurückkehren Κ Dabei hat R
wesentlich gekürzt gegenüber H, zweifellos deshalb, weil die
kirchenrechtlichen Bestimmungen, die hier in der Grundschrift
standen (H 36o-7i), bereits von dem Verfasser der Ep. Clem.
aufgenommen Avorden waren. Um diese Wiederholung zu ver-
meiden, wird R 366 nichts weiter als die Ordination des Zacchäus
berichtet. Daß aber R 366 Ausführungen wie H36of. in seiner
Vorlage gelesen haben muß, das beweisen nicht nur Wendungen,
wie haec autem et bis similia cum dixisset, Petrus manibos
superpositis Zacchaeo oravit, die den epitomatorischen Charakter
von R verraten, sondern auch einzelne Ausführungen, wie über
1) Vgl. bes. R365 und Η 359. es. RS 66 und Η 366, dazu Uhlhoni
a. a. 0. 81 ff.
Ι, 3. Die Rekonstruktion der Grundschrift nach den Homilien usw. 29
die Pflichten der Gemeinde gegenüber ihrem Bischof, ihren Pres-
bjtern und Diakonen, die weiter nichts als die Ausführungen
Η 366-70 kurz registrieren. Wenn jedoch R ί^ββ die Witwen als
GemeiDdeangestellte erwähnt, die Η Seoff. fehlen, so Aveist dies
darauf hin, daß R 366 nicht direkt aus Η 36o geschöpft haben
kann. Ist Η in anderen Ausführungen, so ist R in dieser Be-
merkang original. Beide gehen auch hier auf eine gemeinsame
Grundschrift zurück. Die Erzählung über die weitere Wirksam-
keit des Petrus in Cäsarea (R 3 67-74) fehlt in H, ist jedoch
wohl der Grundschrift entnommen (vgL S. 34 Z. 16 v, u.).
Überblicken wir diese unsere Untersuchung über die um-
fangreichen Abschnitte R 24? — 3 75 und Η 16— 19, so werden
wir nicht verkennen, daß sie bei aller Selbständigkeit doch
von einander literarisch abhängig sind. Da weder R noch Η als
durchweg primär oder sekundär nachgewiesen werden können,
müssen beide auf eine gemeinsame Grundschrift zurückgeführt
werden. Beachten wir weiter, daß die aufgezeigten literarischen
Beziehungen sich in beiden Relationen nicht an verschiedenen
Orten zerstreut, sondern in derselben Aufeinanderfolge vorfinden,
80 werden wir in ihnen Spuren erblicken, welche auf den Ge-
dankengang der Grundschrift führen. So fügen sich auch diese
Abschnitte R 247— 375 und Η 16—19 bezw. Η 35«-73 trotz ihrer
Verschiedenheit nach Inhalt und Stellung sehr wohl in die
Grundschrift ein.
In R 4 1 beginnt ein Reisebericht, in dem kurz erzählt wird,
^e Petrus über Dora, Ptolemais, Tyrus, Sidon und Berytus nach
Tripolis reist. Auch in Η 4i beginnt ein Reisebericht, aber es
ist hier zunächst nicht von Petrus, sondern von dessen Begleitern
Klemens, Nicetas und Aquila die Rede, welche sich auf Befehl des
Petrus auf die Reise machen, während Petrus noch in Cäsarea
Weiht (H373). Zunächst reisen sie nach Tyrus, wo sie bei
Berenice, ihrer Pflegemutter, zu Gast bleiben. Hier hören sie
aus dem Munde der Berenice von den Zaubereien, durch die
Simon die Stadt in Verwirrung setze; am andern Morgen von
einem Bekannten der Berenice, daß Simon sich nach Sidon ein-
geschiift habe, während er von seinen Schülern den alexandrini-
ächen Grammatiker Appion, den diospolitanischen Astrologen
Annubion und den athenischen Epikuräer Athenodorus zurück-
gelassen habe (H 4 i-e). Es erfolgt nun zwischen Klemens einer-
30 Waitz, Die Pseadoklemeniinen.
Seite und Appion andererseits, in dessen Begleitung aber hier
noch weitere 30 Genossen erscheinen, eine Disputation über
mythologische und philosophische Gegenstände, welche außei^e-
wöhnliche Kenntnisse darin voraussetzt (H 47-625). Alsdann er-
scheint Petrus, woraufhin Appion mit seinen Begleitern ver-
schwindet. Klemens erzählt ihm das, was er von Berenice über
Simon gehört hat, und berichtet ihm über seine Disputationen
mit Appion (H 620). Petrus bleibt einige Tage in Tyrus (H 7 1-5)
und zieht dann, indem Simon stets ihm entweicht, über Sidon
(H 76-8), Berytus (H 7 9-11) und Byblus (H7i2) nach Tripolis
(H 81), überall sein Bischofsamt ausübend. — Λ"ergleichen wir
zunächst die beiden Reiseberichte als solche, so ist derjenige in
Η (4 1-6 626 — 8i) nicht nur ausführlicher, sondern erwähnt auch
eine Reisestation, die in R fehlt, Byblus, und ist hierin R gegen-
über original; der kürzere in R dagegen bietet in der Erwähnung
der Reisestationen Dora und Ptolemais eine über Η hinausgehende
Notiz, die nicht als Zusatz eines Überarbeiters erklärt werden
kann. Umgekehrt nimmt es gegen Η ein, daß hier auf einmal
Petrus und Simon für eine Zeitlang verschwinden und an ihre
Stelle Klemens, der doch noch nicht einmal getauft ist, bezw. die
15 Genossen des Simon treten, die dann wieder für lange Zeit
verschwinden, um erst später — Annubion Η 14 ii, Athenodor
Η 16 1, Appion Η 20 u (hier auch die übrigen) — wieder zu
erscheinen. Bei R treten sie erst wie Η 20 1 1 am Ende auf
(R 10 52). Sehr auffällig ist es auch, daß sofort, nachdem sie zum
erstenmal genannt worden sind (H 4g), sie nicht mehr allein er-
scheinen, sondern, wie sonst Simon, in Begleitung von 30 Genossen
(H 4?), von denen man aber dann wieder nichts mehr hört (außer
aligemein Η 6i vgl. Η 620). Gegen R nimmt es ein, daß unter
Weglassung des Berichtes über Simon (H 44 vgl. Η 626. 73}
der Reisebericht so summarisch gehalten ist. Es leuchtet ein,
daß auch hier derselbe Sachverhalt vorliegt: Η und R gehen
i^emeinsam auf eine Grundschrift zurück. Sie ist in R inso-
fern ursprünglicher wie in H, als hier nur von Petrus bezw.
Simon die Rede ist. Sie hat sich jedoch auch in Η noch er-
halten, insofern hier ausführlicher von Petrus (vgl. Η 626 — 8i)
und Simon (vgl. Η 4^-6) die Rede ist. Denn daß der Bericht
über die AVirksamkeit des Petrus in den phönizischen Städten
Η 626 — 8i) der Grundscbrift zuzuweisen ist, zeigt ein Vergleich
Ι, 3. Die Rekonstruktion der Grundscbrift nach den Homilien usw. 3*1
mit dem Bericht über seine Wirksamkeit in Cäsarea (H 358-73
vgl R 363-75), wo dasselbe erzählt wird. Daß aber auch der
Bericht über Simon (H 42-?) der Grundschrift angehört haben
maß, jedoch nur so, daß hier für Appion Simon und für Klemens
Petrus einzusetzen ist, verrät nicht nur der Inhalt, der mit früherem
(vgl. Η 2 26 u. R2i3) wohl in Einklang steht, sondern auch unser
gegenwärtiger Text. Oder wie sollte Η darauf gekommen sein,
dem Appion 30 Gefährten beizugesellen (H 4?), die wir sonst nur
bei Simon finden (H2 28. 16 1. 17 1), wenn sie nicht in seiner
Grundlage und hier bei Simon erwähnt waren?
Wie aber steht es mit der Disputation des Klemens und
Appion (H 47—625)? Es ist klar: Haben Klemens und Appion
hier nicht zur Grundschrift gehört, dann auch nicht die Dispu-
tation. Aber vielleicht so, daß es ursprünglich eine Disputation
zwischen Petrus und Simon war? Betrachten wir uns den Kon-
text, in dem sie steht, so fällt in die Augen, daß in Η wiederholt,
einmal unmittelbar vorher (H 44) und zweimal unmittelbar da-
nach (H 626; 73) von einem Stieropfer die Rede ist, durch das
i^imon seine dämonische Wirksamkeit vermittele. Diese Stellen
^hen so aus, als ob sie ursprünglich ein zusammenhängendes
Gewebe gebildet hätten, das durch die dazwischen gerückte Dis-
putation zerrissen worden ist, und erwecken den Anschein, als
ob diese nicht in die Grundschrift hineingehört. Nun finden vnr
auch in R Ausführungen ähnlichen, ja z. T. völlig übereinstim-
menden Inhalts wie Η 47—625, jedoch nicht in einem Dialog des
Klemens und Appion, sondern in einem Gespräch des Petrus mit
Klemens, Nicetas und Aquila. Sie stehen außerdem in einem
ganz andersartigen Zusammenhang und an einer ganz anderen
stelle, erst nach der Taufe des Klemens am Ende des Klemens-
romanes (R 10 17-51), kurz vor dem Auftreten des Appion und
•^iner Genossen (R 10 52). Sie sind ferner anders angeordnet und
wesentlich kürzer als in H. Es fragt sich, welche von beiden
Delationen den Anspruch auf Originalität erheben kann. Hil-
irenfeld (a. a. 0. 223 f.) hat sich im großen und ganzen für
^ erklärt, indem er Η 4 16 (vgl. R 10 20-24); Η 5 i8. u (vgl.
'^ IO22), Η 024 (vgl. R 814) für durchaus sekundär ansah. Trotz-
flem hat auch er zugegeben, daß Η 63ff. ivgl. R lOnir. 30.32flF.)
Η 023 (vgl. R 10 28. 24) Η 62 (vgl. R lOai) Η 65-10 (vgl. R lOsi-a*)
ausführlicher als die Parallelen bei Η und deshalb primär
32 Waitz, Die Pseudoklementinen.
seien, und vermutet, daß Η 621 und R 10 24 von einander unab-
hängig seien, ühlhorn dagegen (a. a. 0. 320 flF.) erkennt die
Ursprünglichkeit allein Η zu und behauptet, daß R IO20 aus
Η 5 12 und 62; R IO22 aus Η ois; R IO24 aus Η 528 und 621 zu-
sammengearbeitet bezw. -gezogen sei. Ebenso findet Lehmann
(a. a. 0. 142flF., 154 flF., 150), daß R „handgreiflich die Signatur
der epitomatorischen Überarbeitung an sich trage". Aber so
richtig dies ist, so ist doch auch die Beobachtung Hilgenfelds
zutreflfend, und durchaus primär sind z. B. die Notiz über das
Grab des Herkules (R 1024), ebenso die über die Metamorphose
der Andromeda u. s. f. (R 10 26), die an den Parallelstellen in Η
fehlen. Daher müssen wir auch hier eine gemeinsame Quelle an-
nehmen, die im allgemeinen bei Η reichlicher und reiner fließt,
als in R, aber auch hier ursprünglicher zu Tage tritt als in
H. Daß sie dagegen in der Einfassung, in der sie in R er-
scheint, an der rechten und ursprünglichen Stelle sich befindet,
wird nach unsrer obigen Untersuchung als sicher angenommen
werden dürfen.
Den Aufenthalt in Tripolis schildert Η 8 — 9 und R 4 2-32.
Sicher ist die Einleitung dazu Η 8i-8 im ganzen angemessener
als R 4 2-7. Beide erzählen zunächst von einem Auflauf des
Volkes; bei Η ist er jedoch begründet durch das Entweichen
Simons, bei R völlig unmotiviert. Auf die Rede, die in-
folgedessen Petrus vor dem Volk halten will, weist bei Η ein
umlaufendes Gerücht, bei R Petrus hin. Die Rede selbst wird
jedoch bei R passender durch die Worte Jesu Mt 987-38 einge-
leitet, als bei Η durch Mt 20i6. Dabei fuhrt R — allerdings
zusammenhangslos — Gedanken aus, die an Mt 20 le anknüpfen.
So zeigt sich auch hier derselbe Sachverhalt: Weder Η noch
R sind ursprünglich.
In den folgenden Reden des Petrus R 48-37 und Η 89-23;
9 1-21 bestehen zwischen beiden Rezensionen große Verschieden-
heiten. Nach Η finden die Reden in 4 Tagen, nach R in 3 Tagen
statt. Während der Abschnitt R 4 13-20 dem 1. Tag zugewiesen
wird, kommt der Parallelabschnitt Η 9 7-iü erst auf den 2. Tag.
Auch inhaltlich weichen beide von einander ab. Wenn nach Η 8 10
Adam der wahre Prophet ist, so nach R 49 der unigenitus (der
hl. Geist bezw. Christus). Hilgenfeld, Theol. Jahrb. a. a. 0.
520 ff. hat behauptet, daß R 48-87 einen „stetigen Fortschritt
Ι, 3. Die RekonstniktioQ der Grundschnfb nach den Homilien usw. 33
und abgeschlossenen Zusammenhang" verrate und Η gegenüber
original sei. Vergleicht man jedoch die Ausführungen von
Chlhorn (a. a. 0. 325—328) und Lehmann (a. a. 0. 183—211),
so gewinnt man den Eindruck, daß H, was sowohl die Reihen-
folge als auch den Inhalt anlangt, primär ist. Immerhin hat auch
Κ Originales, so z. B. die Kapitel Κ 48i-26, die, da sie sich mit
Η 3 13 berühren, nicht als Arbeit des Redaktors zu betrachten
sind, oder die Bemerkung über Nemroth als Erbauer Niniyes
(R 429), die an R Iso erinnert, die eigentümliche Motivierung
Κ 433, welche die johanneische Überlieferung einer 3jährigen
Wirksamkeit Jesu ausschließt, Jesus sei das angenehme Jahr
des Herrn, die 12 Apostel die 12 Monate (vgl. Η 17 is). So
gehen auch hier Η und R auf eine gemeinsame Grund-
scbriit zurück, die Η im ganzen, R im einzelnen genauer wie-
dergibt
Auch bei den weiteren Reden in Tripolis (H 10 und 11;
fi 5 und 6) finden sich neben wörtlicher Übereinstimmung (vgl.
z. fi. H10 7-20 und R 5 14-22) Abweichungen in bezug auf die
Anordnung des Stoffes wie den Inhalt selbst So entsprechen sich
R 5 13-22 und Η 10δ-2ο
R 528-36 und Η Il4-18
R62-3 und Η 112-3
R 64-u und Η 11 19-82.
Dabei ist die Umstellung von Η II4-18 in die zweite Rede R 523-30
als ein Werk des Redaktors zu charakterisieren, wie andererseits
U IO21-25 ohne Parallele bei R ist Auch sonst ist R öfters
sekundär, wenn z. B. R5i7 den im Menschen befindlichen
feuerdämon und dessen Feuersubstanz (vgl. Η 10 u) auf die
Paradiesesschlange und das Fegfeuer umdeutet, wenn R 526 von
Gifhnischem, Η 11 9 nur von untüchtigen Ärzten, R 534 von
Öottesverehrern, Η llie von Juden redet Doch hat auch R
eigentümliche Gedanken, wie den £xkurs R 04-12, der mit seinem
Hinweis auf den wahren Propheten 115 5. 0.10. 11 (vgl. R Ιδο)
Powie mit seinen Zitaten (R5ii), darunter einem von Job. 834
abweichenden Herrenwort (R512), nicht als Zusatz des Überar-
beiters erklärt werden kann, sondern der Grundschrift zuzuwei-
sen ist. Die sowohl für R (vgl. R2i; 36h; 43) als auch für
Η (vgl. S. 32) in gleicher Weise eigentümliche Bemerkung, wie sie
sich in auffölliger Übereinstimmung R ose und Η 10 2g findet,
Texte n. UnteranchQDgeii. N. F. X, 4. 3
34 Waitz, Die Pseudoklementineo.
daß die Begleiter des Petrus zwanzig gewesen seien, weist auf
denselben Sachverhalt.
In dem Bericht über die Reise von Tripolis nach Lao-
dicea, der zugleich die erste Wiedererkennung (der Matthidia
als der Mutter des Elemens) schildert, gehen R 7 1-24 und
Η 12 1-24 parallel. Nur das Gespräch über die φιλανθ^ρω-
πια Η 12 25-33 fehlt in R. Nach Hilgenfeld a. a. 0. 181,
Ann). 1 stammt es aus einer alten Quelle, da seine Anschauungen,
wie über die alttestamentlichen Propheten (H 12 32) u. Α., mit
denen der Η in Widerspruch stünden. Aber das Verhältnis kann
auch das umgekehrte sein, derart, daß die diesem Abschnitt
widersprechenden Anschauungen in Η auf ältere Quellen zurück-
gehen. Nun ist es sicher, daß die Abhandlung über die οωφρο-
οννη Η 13 13-21, vgl. R 737.38 in der Grundschrift gestanden hat.
Da nun die Abhandlung über die φιλανΟ^ρωπία ihrem Inhalt
wie ihrer Art nach mit der über die οωφροοννη aufs nächste
verwandt ist, so wird auch sie der Grundschrift zuzuweisen
sein, zumal in der dazu gehörigen Ep. Cl. 8, gerade wie Η 1225-33
und 13 18-21, die φιλανθ^ρωπία neben der οωφροοννη als μέγιοτον
άγαϋ^όν gepriesen wird.
Ein verräterischer Hinweis auf die Grundschrift findet sich
Η 126 (vgl. R 75), wo eine Äußerung des Petrus angeführt wird,
die er in Gäsarea getan haben soll. Diese steht aber nicht in
H, sondern nur R 372. Kann nun R, wie oft dargelegt, nicht
unmittelbar Quelle für Η gewesen sein, so muß hier eine ge-
meinsame Grundschrift angenommen werden, auf die sich Η 12 5
in der unrichtigen Voraussetzung, sie aufgenommen zu haben,
zurückbezieht•
Die 2. Wiedererkennung (des Nicetas und Aquila als
Brüder des Klemens) wird Η 13i-8 und R 725-33 ziemlich über-
einstimmend erzählt, bei Η jedoch in einer ursprünglicheren
Form als bei R: R 726.27 ist nur eine breite Wiederholung des-
selben, was R 78-10.16.17 bereits erzählt w^ar; R 730 erscheint als
eitle Prahlerei der Mattidia, w^as Η 135 als rührende Klage der-
selben dargestellt wird; R 737.38 gibt nur fragmentarisch wieder,
was Η 1 3 13-21 begeistert als das Lob des keuschen Weibes preist.
In der folgenden Erzählung von der 3. Wiedererkennung
(des Faustus als des Vaters des Klemens) finden sich zwischen
Η 14 1 ff. und llSiff. bedeutsame Differenzen. Während beide
Ι, 3. Die Rekonstruktion der Grundschrifl nach den Homilien usw. 35
gleichmäßig die Taufe der Mattidia (H 14 1. R Tae) berichten,
gehen sie von da ab auseinander, um erst am Schluß (H 20 uff.
und Rl052ir.) wieder zusammenzutreflFen. „Der wesentlichste DiflFe-
reDzpunkt ist der, daß Η in dem Zwischenabschnitt eine Dispu-
tation des Petrus mit Simon (H 16 — 19), R dagegen ein Gespräch
zwischen Petrua sowie Faustus und seinen Söhnen über die Ge-
nesis haben (R 8 1 — 9 32) " . Infolgedessen erscheint auch die Wieder-
erkennung des Vaters bei R erst ziemlich am Ende (R 933-88),
während sie bei Η schon am Anfang vor der Disputation (vgl.
Η 148-1«) stattfindet Nun bringt H, wie oben S. 26f. gezeigt,
die Disputation mit Simon (H 16 — 19), indem Η sie nach Lao-
dicea verlegt, an unrichtiger Stelle, da sie zur Disputation in
Cäsarea gehört. Dann aber wird es von vornherein wahrschein-
lich sein, daß R 81 — 932 in dem richtigen und ursprünglichen Zu-
sammenhang steht. Darauf weist aber auch Folgendes hin:
Η 14-2-4, ein Abschnitt, welcher der Wiedererkennung des Vaters
vH 148-12) vorangeht, enthält schon ein Gespräch des Vaters über
die Genesis. Dasselbe wird Η 14β nochmals kurz aufgenommen.
Nach der Wiedererkennungsszene weist Petrus (H 14 12) wiederum
aof eine Disputation über die Genesis hin, die Klemens mit
Annubion in Antiochia veranstalten soll. Aber Η selbst bringt
Disputation nicht. Statt dessen steht Η 15 ein Gespräch
Petrus mit Faustus über das Verhältnis von Schuld und
Schicksal, worauf Η 16 — 19 die bekannte Disputation mit Simon
Wgt. Noch an einer Stelle Η 20 2i spricht Petrus seine Freude
darüber aus, den Annubion bei sich zu haben, der in Antiochien
öher die Genesis sprechen werde. Aber auch auf diese Ankündi-
gung folgt das Gespräch über die Genesis nicht, vielmehr eilt
die Geschichte ihrem Ende zu. Wie sind diese zwecklosen An-
^digungen zu verstehen? Ein Blick auf R gibt die Antwort,
lii derselben Weise, z. T. wörtlich übereinstimmend mit Η 14i-3,
^ird hier (R 81.2) zunächst erzählt, wie Petrus nach einem Bad
im Meer mit einem Greis zusammentrifft. Alsdann entspinnt sich
zwischen diesem einerseits und Petrus und seinen Begleitern
andrerseits eine scharf durchgeführte Disputation über genesis
und Providentia, eine Disputation, die eine außerordentliche
Kenntnis der verschiedenen philosophischen Systeme bekundet
(R 83-36), wobei es anfönglich nicht an Berührungspunkten zwi-
schen R und Η fehlt (vgl. R 84 u. Η 143). Diese Disputation
3*
36 Waitz, Die Pseudoklementineo.
setzt sich am folgenden. Tage in gleicher Weise fort (R*8 37-57)
und schließt mit einer Aufforderung des Petrus, dem wahren
Propheten zu glauben (R 857-62). Am 3. Tage wird sie mit dem-
selben Thema (vgl. Κ 8 57.9 1) nochmals gründlich aufgenommen
und durchgeführt (R 91-33). Offenbar bildet dieser Abschnitt ein zu-
sammenhängendes Ganzes. Das beweist nicht nur der künstliche
Aufbau (zuerst redet Nicetas RSs-se; dann Aquila R 8 37-57; schließ-
lich Klemens R 9 1-33 cf. 85»), sondern auch die durchgängig
gleichartige Behandlung des Stoffes, die Beweisführung, sowie
die Übereinstimmung in den Ideen. Ist es nun sicher, daß auch
nach Η 14 ein derartiges Gespräch über genesis und Provi-
dentia der Wiedererkennung des Faustus vorangegangen ist,
so wird es in R8 — 983 wiederzufinden sein, wohin es aus der
Grundschrift aufgenommen worden ist. Η hat es sehr gekürzt,
Λνβϋ Η statt dessen die Disputation Η 16 — 19 brachte, die ihm
wichtiger erschien, R dagegen ziemlich vollständig und an rich-
tiger Stelle erhalten.
Auf dieses Gespräch folgte dann, ihm die praktische Spitze
gebend, die Geschichte von der Wiedererkennung des Faustus
als des Vaters des Klemens, wie sie R 933-38 wesentlich ori-
ginal gegenüber Η 148-i2 dargestellt wird.
Wenn dann Η 15i-:i ein Gespräch des Petrus mit dem Vater
über das künftige Gericht und die göttliche Vorsehung bringt,
so paßt dies inhaltlich zu der Disputation, die R 81 — 933 berichtet
ist, sehr wohl. Ja, sie setzt eine derartige Ausführung geradezu
voraus, wenn R 839 den Inhalt der am vorhergehenden Tag statt-
gehabten Disputation mit folgenden Worten rekapituliert: Hie
ergo fuit hesternae disputationis sensu s consequitur autem
ut, si Creator omnium deus est ac mens, sit etiam justus; quod
si justus est, necessario judicat; si judicat, necesse est, ut homines
de suis actibus judicentur .... Haec fuit, ut opinor, totius verbi
continentia. £ine derartige Ausführung fehlt bei R, findet sich
aber z. T. wenigstens Η 15 1. 2 vor, wo von den ewigen Strafen die
Rede ist, und wird daher der Grundschrift zuzuweisen sein.
Was dann Η 15 ο ff. über die φιλανθ-ρωηία ausführt, scheint
nichts als eine Weiterführung früher ausgesprochener Gedanken
zu sein (H 12 25). Daß aber auch nach der Wiedererkennung
irgend eine Fortsetzung des Gesprächs gefolgt sein muß, zeigt
nicht nur Η 15, sondern auch R lOiff. Wenn hier R IO1-12 die
Ι, 3. Die Rekonstruktion der Grundschrift nach den Homilien usw. 37
Frage de bono et malo behandelt wird, so zeigt schon Κ 854-57,
dali sie im Plane des Ganzen lag. Aber auch Η greift sie nach
dem Exkurs Η 16— 19, in Η 20 1-10 auf. Sie wird daher hier
irgendwie in der Grundschrift behandelt gewesen sein, dies um
so gewisser, als sie sachlich den Abschluß und Höhepunkt der
Abhandlung über genesis und Providentia bedeutet.
Daran hat sich, wie oben gezeigt, eine Ausführung ange-
schlossen, wie sie R 10 17-51 bezw. Η 4 — 6 vorliegt.
Η 20 11 und R 10 52 treffen beide Berichte wieder zu-
sammen, um ziemlich übereinstimmend zu erzählen, wie schließ-
lich Petrus den Simon überwindet und auch in Laodicea, wie
vorher in den andern Städten, die Kirche organisiert (H 20 11-23,
Β 10 32-72). Wenn jedoch Η 2033 eine Reise des Petrus nach
Antiochia zur weiteren Verfolgung des Simon in Aussicht stellt,
Mrt R 1066-72 die Erzählung selber weiter und berichtet außer
ilieser Reise nach Antiochia und der Ordnung der kirchlichen
Verhältnisse daselbst auch noch die Taufe des Vaters durch Petrus.
Jener Hinweis auf die antiochenische Reise, wie er sich schon
Η lls6. 12 1.24 und dann Η 2023 findet, deutet daraufhin, daß der
Schluß der Geschichte, wie er in R 10 66-72 vorliegt, dem Verfasser
von Η bekannt war und demnach zur Gnindschrift gehört. Aber
läßt sich auch darüber nichts sicheres feststellen — keinesfalls ist
ein Grund dafür ausfindig zu machen, daß Η den ursprünglichen
f'chluß, R dagegen eine Fortsetzung der Geschichte darstelle,
^e sie sich leicht ein jeder hätte machen können.
Versuchen wir nunmehr uns ein übersichtliches Bild von
^er Grundschrift auf Grund der nachfolgenden Tabelle zu
Die Seelenkämpfe des Klemens und die Predigt
eines Unbekannten, bezw. nach R des Barnabas
in Rom.
Die Reise des Klemens nach Alexandrien.
Die Disputation des Barnabas und Klemens
mit den Philosoj)hen in Alexandrien (bezw. in
Rom nach R).
1 15-22 1 12-19 Das Zusammentreffen des Klemens mit Petrus
in Cäsarea und die Belehrung des Petrus über
den wahren Propheten.
Η
R
1 1-7»
I1-7*
17^.8
l9-U
17^-11
38 Waitz, Die Pseudoklementinen.
Η R
2 1 2 1 Das Auftreten des Petrus mit seinen 1 6 (bezw.
nach R 12) Begleitern.
2 18 2 3-6 Der Bericht des Aquila und Nicetas über Simon,
Einleitung dazu.
2 19-21 — Die Erzählung von der Syrophönizierin Justa,
der Pflegemutter des Simon, Aquila und Nicetas.
222 2? Über Simons Abkunft und Lehre.
223.24 28.11 Über die Vorläufer Simons, Johannes und Do-
sitheus.
223.25 29.12 Über Helena.
226-31 2 13-15 über Simons nekromantische Künste.
232..14 29.10 Über Simons magische Künste.
235-37 1 20-21 Die Meldung des Zacchäus vom Aufschub der
Disputation.
24-12 121-26 Die Unterweisung des Petrus über den wahren
[3ii-i6] Propheten, sein Wesen und seine Erkenntnis.
[2 15-18] 127-42 Das Buch von den Erscheinungen des wahren
[3 17-28] Propheten.
— 143.53-71 Die Disputation der Apostel mit den Juden
über den wahren Christus.
[238— 3 lo] — Das Gespräch über die falschen Perikopen.
329-30 2 19-20 Die Aufforderung des Zacchäus zum Beginn
der Disputation mit Simon.
331-37 233-36 Die Disputation über den FriedensgruB.
388.165-15 238-46 Dic Disputation über die Lehre der Schrift von
Gott und Göttern.
Widerlegung der marcionitischen Antithesen.
Die Meldung des Zacchäus über Simon.
Über Gottes Offenbarung (Mt 11 27).
Fortsetzung (über das unendliche Licht). (VgL
Η 1821 u. R245).
Fortsetzung.
Fortsetzung (über die Entstehung Gottes).
Über die Güte und Gerechtigkeit Gottes.
Fortsetzung.
Über das Böse.
Fortsetzung.
Fortsetzung.
3 38-57
—
17 1-3
3 12
174[184.
•23] 2 47
175-12
248-60
17 13-19
261-69
I616
33-12
18 1.2
337.38
2 13. 14
3 38-42
19.3.4
3 15-17
[229]
342-.'i0
[233
351-62
1, 4. X>er literar. Nachweis der Grundechnft aus patristischen Zeugnissen. 39
Η
R
3 AM- 73
3 68-66
3 67-74
4l
4l
42—7
62β — 8i
ß
8-^8
4 2-7 ]
3o— 23
48-37
9 1—^1
J
10 2- 20
52-22
IO21-23
lU-18
523-36
lU-3
61-3
11 1ϊ>-32
6 4-15
12 1-21 7 1-24
1^ *iS-33
13 1-12
7 25-36
1•^ 13-21
737.38
14 1
73«
142.3
8 1.2
143-7
8 3-36
1δι•5
S 37-57
857-62
9 1-32
148-12
933-38
15 1 20 1-10
10 1-12
Die Ordination des Zacchäus in Gäsarea.
Weitere Wirksamkeit des Petrus in Cäsarea.
Die Reise des Petrus von Cäsarea nach Tri-
polis und seine Wirksamkeit auf den ver-
schiedenen Reisestationen.
Reden des Petrus in Tripolis über den Dä-
monenglauben.
Reden des Petrus in Tripolis wider die heidni-
sche Götterverehrung.
Reise des Petrus von Tripolis nach Laodicea.
Unterwegs die 1. Wieder erkennung (der Mat-
tidia als der Mutter des Klemens).
Rede des Petrus über die Menschenliebe.
Die 2. Wiedererkennung (des Aquila und
Nicetas als Brüder des Klemens).
Rede des Petrus über die Keuschheit.
Die Taufe der Mattidia.
Das Zusammentreffen des Petrus mit dem Greis
am Meer.
Disputation über Astrologie und Gottesglaube.
Die 3. Wiedererkennung (desFaustus als Vaters
des Klemens).
Gespräch über das Übel.
4? — 625 10 17-51 Gespräch über die heidnische Mythologie.
20 11-23 1053-65 Das Ende des Simonsromans.
— 10 66-72 Die Wirksamkeit des Petrus in Antiochien.
4. Der literarische Nachweis der Grundschrift aus patristischen
Zeugnissen.
Haben wir also durch komparative Methode ein Bild der
Grundschrift gewonnen, so müssen wir noch, damit unser R^
40 Waitz, Die Pseudoklementinen.
konstruktionsversuch nicht in der Luft schwebt, den literarischen
Nachweis führen, daß in der Tat eine derartige Grundschrift
existiert hat^
Von Wichtigkeit ist hierf&r vor allem ein Zitat, das nach
-Philocalia c. 23 aus dem Kommentar des Origenes zur Genesis
geschöpft sein solP. Hier wird aus einer Schrift περίοδοι, worin
sich Elemens in einer Disputation mit seinem Vater in Laodicea
über die Genesis auslasse, eine Stelle zitiert, in der wir mit
wenigen Abweichungen R lOioff. wiederfinden; dabei ist aber aus-
drücklich bemerkt, daß sie aus dem 14. Buch {λόγω τεοΰαραχαι-
δεχάτω) stamme. Nun stimmt diese Zählung nicht zu R, wäh-
rend der Text nicht in Η wiederzufinden ist. Vergleichen wir
jedoch die oben gegebene Übersicht über den Inhalt der Grund-
schrift, so erkennen wir, indem wir die Bücher wie bei Η zählen,
daß jene Stelle in der Tat in der Grundschrift an einer Stelle
gestanden haben muß, die sich an die Erzählung von der Wieder-
erkennung des Faustus (H 14 8-12. Κ Qss-se) angeschlossen hat,
also in einem 14. Buch^. Sollte nicht dies Zitat aus der
Grundschrifb geschöpft sein? Man könnte denken, daß es aus
R entnommen sei, indem R nur anders eingeteilt gewesen sei,
als in der Übersetzung Rufins. Nun aber kann bewiesen werden,
daß in der Tat eine andere Redaktion der Klementinen als R
existiert hat. An einer Stelle bei Origenes, Comm. in Mt.
ser. 77 wird nämlich als ein Wort des Petrus apud demen-
tem eine Auslegung zu Mt. 10 41 angeführt^, welche ähnlich
1) Dabei müssen wir, wie Schliemano a. a. 0. 8;>Sff. und ühlhora
a. a. 0. 52 ff. ()()ff., Lehmann a. a. 0. 405 f. gezeigt haben, von den
Zitaten der Klementinen bei Niceph. Callisti, Georgine Cedrenus, Michael
Glycas, Job. Damascenue, Maximus Gonf. und Nicon Monachus u. a. absehen,
da diese auf eine spätere, unter Ausscheidung des häretischen Stoffes ent-
standene orthodoxe Bearbeitung von Η zurückgehen.
2) Vgl. dazu Kap. I § 7.
'S) Allerdings stehen bei Η die Bücher 4 — an früherer Stelle, indem
sie in der Grundschrifb erst auf R 10 1-12 folgten; dafür ist aber in Η
Buch 16 — 10 bezw. der Inhalt dieses Abschnitts, der in der Grundschrift
an Η 888 (vgl. R 288-4β) sich anschloß, an spätere Stelle gerückt worden,
so daß die Differenz bei der Zählung sich ausgleicht.
4) Quoniam opera bona, quae fiunt ab infidelibus in hoc saeculo eis
prosunt, non et in illo ad consequendam vitam aetemam. £t convenienter,
quia nee illi propter deum faciunt, sed propter ipsam naturam humanam.
1 4. Der literar. Nachweis der Grundgchrift aus patrietischen Zeugnissen. 4 {
imd etwas ausführlicher das Opus imperfect. ad Mt. 10 41 als
ein Wort des Petrus apud dementem bringt — ein Anzeichen
daiilr, daß sie gerade so in einer klementinischen Schrift ge-
standen haben muß und ein Unterschied zwischen diesen Redak-
tionen einerseits und der unserer Kiemen tinen andrerseits nicht auf
einer ungenauen Zitierung beruht. Aber so wie sie an den ge-
nannten Stellen zitiert wird, findet sie sich weder bei Κ noch
bei H, obwohl sie hier mannigfache Berührungspunkte hat^
Dann aber weist sie auf eine klementinische Schrift hin, die
schon zur Zeit der Philocalia vorhanden gewesen sein muß,
also auf eine ältere Bearbeitung, wie wir eine solche als
Grundlage fär Η und R nachgewiesen haben ; auf sie geht auch
zurück, was — als aus dem 14. Buch entnommen — jetzt
R 10 10 steht.
Ein ähnliches Verhältnis liegt auch, wie schon angedeutet,
bei den Zitaten des Opus imperf. vor^. Das Zitat ad Mt. 2442
stimmt fast völlig mit R Sei überein, obwohl auch hier Einiges
von R abweicht, was jedoch auf ungenauer Zitierung oder ver-
schiedenartiger Übersetzung beruhen kann^. Anders steht es mit
<leffl Zitat ad Mt. 2424:
Qoi autem propter denm faciunt, id est fideles, non solum in hoc sae-
<:q1o proficit iis, sed et in illo, magis autem in illo. Orig. Comm. in
^it. ser. 77.
1) Denn die Stellen R 7 38 und Η 13 13, auf die man verweist, können
oicht als Parallelen zu dem Zitat bei Origenes (bezw. im Opus imperf.)
^gesehen werden, da sie den Gedanken des Zitats nur unvollkommen
zQm Aosdruck bringen: Bei Η und R ist von der οωφροαννη, bei Orig.
ond im Op. imperf. von opera bona die Rede. Dort wird die Behauptung von
dem Wert der σωφροσύνη für Gläubige und Ungläubige nur ausgesprochen,
^6r auch begründet Mit demselben Recht kann man auf Stellen wie
Η Uli und R 587 oder Η 11 le und R 534; oder Η 7? hinweisen.
2) VgL Preuflchen bei Hamack, Geschichte der altchristlichen Lite-
ratur I. 224.
ij) Opus imperf. R 33i
^de et sapienter Petrus dicit apud ! necessarium namque est doctrinae
^lementem, qnomodo debet quis i η
^^essanter, quaedeisunt, cogitare
^tloqai. Quoniam si mens fnerit
10 Ms occupata, malus non invenit
locuin ad mentem.
studiis intente et indesinenter
operam dare, ut mens nostra dei
solius memoria repleatur, quia men-
tem, quam repleverit memoria dei,
maligno in ea non dabitur locus.
42
Waitz, Die Pseudoklementinen.
Opus imperf.
Et erat inter mini-
stros Christi et
ministros diaboli
ex hoc judicare, qui
inutilia et qui uti-
lia facereut signa.
> »
aJto
R360 ; Η 233
Ista ergo signa, quae δώ xal νμας
ad salutem hominum , των γινομένων τε-
prosunt et aliquid ι ράτων τους jiolovv-
boni hominibus con- τας votlv oet, τ/,*
ferunt, malignus fa- j τίνος ίοτίν εργάτης.
cere non potest nisiiiav ανωφελή Jtoi^
In fine autem tem-|in fine mundi tan- τέρατα, κακίας
poris concedenda tum. Tunc enim ad-, ^ατίΐ' υπουργός'
est potestas dia- miscere ei conce- kav oh επω(ρ(:λή
bolo, sicutinhistorial ditur aliqua etiam πράττγι, τον α/α-
Clementis Petrus ex- de dextris signis..; θ^οί; έύτιν ψ/^'
ponit, ut faciant si- Etpropterea dominus jt/ ω j^.
gna utilia et ex ea praedixit, in novissi-
parte, qua prius fa- mis temporibus ten-
cere consueverant tationem futuram ta-
sancti, ut jam mini-
stros Christi non per
lern, in qua decipian- j
tur, si fieri potest,
hoc cognoscamus, ' etiam electi ; confusis
quia utilia faciunt scilicet indieiis signo-
signa, sed quia omni-
no non
rum perturbari
Signa.
ne-
haec faciunt cesse est, etiam eos
qui . . . videntur eru-
diti.
Zwischen Κ und Η besteht zweifellos ein literarisches Ver-
\vandtschaftsverhältnis, indem beide in gleicherweise (vgl. R 35»
und Η 234) und in demselben Zusammenhang auf Simon exem-
plifizieren. Zwischen dem Zitat im Opus imperfect. und R besteht
eine z. T. wörtliche Beziehung nur im Anfang, d. h. in dem Ge-
danken, daß dem Teufel nur am Ende dieses Aons die Gewalt
gegeben ist, auch solche Wunder zu tun, welche dem Menschen
heilsam sind. Daß aber diese Wunder auch — ausgenommen
am Ende der Welt — Erkennungszeichen für die ministri Christi
und die ministri diaboli sind, dieser Gedanke des Zitats im Op.
imperf findet sich wohl am Ende von R Sco angedeutet, aber so
unklar, daß er kaum daraus geschöpft sein kann. Dagegen steht
er Η 233 klipp und klar da, hier außerdem der Ausdruck κακίας
υπουργός (malitiae minister), den wir bei R durchaus vermissen^
im Opus imperf. in minister diaboli wiederfinden; ebenso die
1. 4. Der literar. Nachweis der Grund schrifl aas patristischen Zeugnissen. 43
Ausdrücke ανωφελής und Ιπωφελης^ die Op. imperf. mit inutilis
nnd utilis wiedergibt, R nur umschreibt Umgekehrt fehlt bei
Η der Gedanke, der im Opus imperf. am Anfang des Zitats aus-
geführt ist und sich bei R findet — Wie soll dies merkwürdige
Verhältnis unsres Zitats zu R und Η erklärt werden? Offenbar
ist es weder aus R noch aus Η geschöpft, sondern aus einer
Relation, aus der auch R und Η schöpften. Das Opus imperf.
hatte die Grundschrift vor sich, wie auch R und H, und gibt sie
im ganzen genauer wieder als R und H, die nur im einzelnen
das Original bewahrt haben.
Eine Zurückbeziehung auf dieselbe Stelle (R 36o) ist das
weitere Zitat des Opus imperf. ad Mt 16 le: Sicut autem Petrus
apud dementem exponit, Antichristo etiam plenorum signorum
faciendorum est danda potestas. Jedoch liegt auch hier keine wört-
liche Übereinstimmung vor*. Ähnlich liegen die Dinge bei dem _
folgenden Zitat ad Mt 24 lo: Fuit enim exercitus alienigenarum
et Romani imperatoris stans circa Hierusalem, quae usque tunc
fuerat sancta. Hoc et Petrus apud dementem exponit. Preuschen
a.a.O. weist dabei auf R Iso.es und Η 3 15 hin. Aber nur Η 3 15
wird unter Zitierung von Mt 24 1. 34. Lc. 19 43 auf die Belagenmg
Jerusalems hingedeutet und nur R 1 04 wird der Tempel als locus
sanctus bezeichnet Also kann auch hier Aveder Η noch R der
Fundort für das Opus imperf. gewesen sein, sondern nur eine
gemeinsame Grundschrift
Dasselbe Verhältnis findet bei den Zitaten des Chrou.
pasch, statt 2.
Chron. pasch., ed. R 4 12. 13 | Η 817
Bonn. p. 40.
ohv xa\ Πέτρος 6
(ίχούτολος άφηγεΐ-
ταιΚ},ημΙω{Ιβζ. Κλψ
μιντίοις) λέγων, Ιι^/ Invenittamenet inter ίνί τινι διχαίω
^ivt διχαίω μετά ipsos unum quen- μετά των ίξ αν-
1) Bemerkenswert ist der Gebrauch des Wortes Antichristus , das
*Qch R 361 — und hier zuerst — vorkommt. Hat Opus imperf. aus der
Grundechrift geschöpft, dann gehört ihr auch R 36i, d. h. die Syzygien-
lehre an.
2) Vgl. Preuschen bei Harnack a. a. 0. 227. ühlhom a. a. 0. ()4. Hil-
genfeld a. a. 0. 245 Anm. 1.
44 Waitz, Die Pseudoklementinen.
Chron. pasch., ed. ι
Bonn. p. 40. R 4 12. 13 Η 817
των ίξ αύτον asLm Gum domo ^usL τον τριών ύυ ρ τ al;;
Νώε ύνν τοΙς ig justum, quem re- αυτών γνναιξίν αμα
αυτόν ίν λάρναχι seiwskTet, Tpr£iece}^to τ οίς Xoutolg i ν λα ρ-
δ ιαοώζεοΰ'αι JtρO'\ei dato, ut fabricaret ναχι διαύώζεύϋ-αι
αγγείλας νόωρ εΙςίΛΤΟοχα, et in ea, cum προαγγείλαςυδωρ
χαταχλνύμονίπψ diluvio cuncta ne- εΙς χαταχλυύμον
γαγεν,ΐνατεάντων csLYeniur\\^ae cum ίJtέxλυύεv, ΐνα
τών άχα&άρτων hi3fq{xihu8 praecep- χάντων άναλω-
ολοϋ-ρευΟ^έντων 6 ixxm, fuerat, γο^^^ί Θ-έντων ο χούμος
χόομοςχα&αριο^^ΐβγο,άβτβ; quo im•^ χατεχχαΰ'αριο^εις
έν αύτ{] τ^ λάρ- piis inundatione atJroS τφ έν λάρ-
ναχι (ίίαοω^είς aquarum peremp- ί^ακ^ δΰαύωΟ-έντι
εΙς δεντέραν περί' iia, purificatio- εΙς δεντέραν βίου
ονοίαν πατρός άχο- nem mundus ulcci^ άρχην χαθ^αρος απ ο-
δοϋ-ψ όμως xai peret; et is qui ad do^^. Kai δη ούτως
τούτων /evo^e-iprosperitatem ge- έγένετο.
νων οί αν^ροΛτοί neris fuerat reser-|
ηρξαντο άοεβεΙν.γο,ίνί8 per aquam
ρ. 49. τοίννν rjvl• mundus effectus,
ξατο Πέτρος f/^ö5i^,imundum denuo repa-
οτιμετα τον xara-raret. Sed his omni-
χλνομον πάλιν oi|bus gestis rursus
ανϋ-ρωποιάύεβείν homines ad impie-
ηρξαντο, ,tatem vertuntur. •
Das literarische Verhältnis ist hier sehr auffallig. Anfang-
lich stimmt das Zitat fast vollständig mit Η zusammen, und es
ist nicht richtig, wenn Preuschen (a. a. 0. 227) sagt: „Die
Worte entsprechen einigermaßen genau R 4 13 (nicht , wie Uhl-
hom a. a. 0. 64 will, Η 8 π), wobei man für Textverderbnisse im
Chron. pasch. Raum lassen muß'^. Die Abweichungen τοη R
sind zu groß und die Libereinstimraungen mit Η zu wörtlich,
als daß man das Zitat auf R 4i3 zurückführen konnte. Nur in
der Erwähnung der Weiber Noahs weicht Η von dem Zitat
und R in gleicher Weise ab, die demnach hier original zu
sein scheinen. Sonst bieten sich nur kleine Textvarian-
ten, die als Textverderbnisse dem Chronisten zu Last fiedlen
1, 4. Der literax. Nachweis der Grundschrift aus patrietischen Zeugnissen. 45
mögen Κ Der Schlußsatz jedoch, von dem Chronisten (p. 49 s. o.)
wiederholt, fehlt bei Η völlig, findet sich dagegen wörtlich R 4 13,
wobei auch das rursus in R 4 is durch die Wiederholung im
ChroD. pasch, seine Erklärung findet. Will man nicht annehmen,
daß das Chron. pasch, sowohl aus Η als auch aus R geschöpft
habe, so wird man auch hier auf eine allen gemeinsame Grund-
Schrift geführt
Dasselbe gilt von folgendem Zitat.
Chron. pasch. p. 50 R 427.29 ι Η 93
liyH δε jtsQL τον- Ex quibus unuso^j^ εΙς τις απο
του Πέτρος 6 άπο- Cham nomine ο,χχϊ-γένονς Χαμ . τον
οτοίος εΙς τα Κλψ'άΛΐη ex filiis sui8,'Jroίί5σαrτoς Μεο-
^iWm,jrcög7}pgei'£i^|qui Mesraim appel- ρ^^, έξ ονπερ τα
Βφλώρα iv .4i/t5jr- labatur;a quoAegy- ΑΙγνπτΙων xal
τω χληρωϋ-είς. φί^αΓ ρ tior um e tBaby Ιο- 1 βα/9υ>1 cor /ω r xal
yoQ Πέτρος' oύτoςjniorum et Persa- Γίεροών έπλήϋ-ν••
ο Νίβρώδ μετοιχη- rum ducitur genus.. νε φνλα.
θα; άχο -^ί/υΛ:- huncgentes,quaetunc c. 4. έχ τον γένονς
χον βίς ^ίοουρ/ους ! erant, Zoroastrem τουΓου /^^^τα/τ^ς...
ζώ οΐχηαας εΙς iV/- appellaverunt c. 29. ονόματι Νεβρώδ, ον
νου πολιν, ην ?κτί- Rex appellatur ί.\μ\'θΐΈλλ7]νεςΖωροάθ'
div Άύοονρ, xaljdamNemroth, q\\em\τρηvJcρoöηγ6ρεV'
χχίοας την jtoXtv et ipsnmGrAecil^'i'öav. οντος μετά
τον χαταχλνβμον
ί^αοιλεΐας ορεχ-
ΰ-είς .... Jcρ6ς την
fjTtg ην Βαβνλώ- num vocaverunt,
iOtj, Λρός το ovo- ex cujus nomine
na της Λ6λεωςϊmniye civitas vo-
ixiltosv «υτόι; cabulum sumpsit. ig αντον βαύιλεΐας
Slvov τον Νεβ-\ Rlao ΐδόοιν . . . ηνάγχαζε.
ρώί οί !<4θ(Τυρ£θ£ Sextadecima genera- c 6. Πέροαι πρώ-
:ιροοηγ6ρενθαν, .tione moverunt se τοι ... ο5ς ϋ^εον ον-
οντος διδάοχειΑύ' ab Oriente filii homi- ράνιον JtρoτLμηöaV'
ονρίονς οέβειν το | num et venientes ad τ ες το ^ινρ . , , vjc
^VQ' ενϋ^εν xal ^τρίδ- 1 terras patrum suorum
χοναντον βαΟίλέα unusquisque sortis
/iera τον χατα- suae locum, propra
^Ιυομον Ιπο /iy- vocabuli appellatione
1) Z. B. πατρός für χα^α{ώς\ περιοναίαν für βίον αρχήν. Dagegen
Kbeint πάντων άναλω&έντων bei Η eine A^erkürzung gegenüber πάντων
tw άχα^ρτων όλο^ρεν&έντων bei dem Chronisten zu sein.
46 Waitz, Die Pseudoklementinen.
Chron. pasch, p. 50 1 El so | Η 93
aap Ol *AaövQioi τον- \ signavit. Septima αντσυ του JtvQog
τον,ον μετωνόμαοαν aecima. generatione πρώτοι βαοιλείας τί-
Dilpov. τανταΠέτρος apud Babyloniamr/^^i^Tat.
Jteρl τούτον, Nemroth primus.
iregnavit urbemque
construxit et inde'
imigravit ad Persas
leosque ignem co-
ilere docuit.
Aus den Worten, mit denen im Chron. pasch, das Zitat
eingeleitet und abgeschlossen wird, ergibt sich, daß hier keine
bloße Anspielung, sondern ein direktes Zitat vorliegt. In Η und
R findet sich aber nirgends eine derartige Stelle. Mit Β Iso
stimmt die Bemerkung, daß Nemroth König von Babylon war
und die Stadt erbaute und die Assyrier (ß die Perser) das Feuer
verehren lehrte. An R 429 erinnert die Bemerkung, daß die
Assyrier (R 429: die Griechen) den Nemroth Ninus nannten, veo-
her Ninive seinen Namen hat. Mit Η 94 ist die Bemerkung
gemeinsam, die in R fehlt, daß Nebrod (so heißt er hier wie im
Chron. pasch, im unterschied von Nemroth bei R) nach der
Sintflut König wurde. Im übrigen weiß das Chron. pasch, nichts
von der merkwürdigen Identifizierung des Nebrod mit Zoroaster,
die sich in Η findet, während R 428 den Mesraim, den Sohn des
Cham, mit Zoroaster gleichsetzt. Offenbar ist der Bericht des
Chron. pasch, der durchsichtigste und darum originalste. Neb-
rod kommt von Ägypten nach Assur — eine solche Wanderung
deutet auch R Iso an — wird hier König, von den Assyriern
Ninus genannt, gibt der Stadt Babylon den Namen Ninive
und lehrt die Assyrier die Feueranbetung. R 1 so gibt im gan-
zen richtig diese Geschichte wieder und in der Notiz von der
Weiterwanderung des Nemroth zu den Persern auch genauer.
Was R429 von der Umnennung des Nemroth erzählt, ist eben-
falls nach Chron. pasch, im allgemeinen richtig, sinnlos aber,
daß die Griechen ihn Ninus nannten. Nach Η 93 nannten die
Griechen ihn Zoroaster. Nach R 42? wurde Mesraim Zoroaster
genannt, während nach Epiphanius, haer. 1 c von den Griechen
Assur für Zoroaster gehalten wurde. Aber wie dem auch sei,
jedenfalls hat in der Grundschrift etwas von den Griechen und
^
Ι, ι Der literar. Nachweis der Grundechrift aus patristischen Zeugnissen. 47
Zoroaster gestandeD, was im Chron. pasch, fehlt, wohl deshalb, weil
es in der Grundschrift vorher von Mesraim erzählt war (R 427 Η 93).
Zeigen sich hierin R und Η original, so doch im übrigen Chron.
pasch. Und es bleibt nur der Schluß übrig, daß alle drei eine
gemeinsame Grundschrift benutzt haben.
Noch einen Hinweis darauf scheint Hieronymus zu geben;
T^l. IIb. I adv. Jovinianum c. 14: Possumus autem de Petro di-
cere, quod habuerit socrum eo tempore, quo credidit et uxorem
jam non habuerit, quamquam legatur in περιοδοις et uxor ejus
et filia, und Comment. in ep. ad Gal. 1 le: Non ut oculos, genas
vultumque ejus (Petri, Paulus) aspiceret: utrum macilentus an pin-
guis, adunco naso esset an recto, et utrum frontem vestiret coma,
aDjUt Clemens inPeriodis ejus refert, calviciem haberet in capite.
Konnte nämlich die Angabe über die Frau und Tochter des
Pefcras auf Περίοδοι ΙΙέτρον d. i. Petrusakten zurückgehen, so
beweist die Stelle aus dem Galai^rkommentar, daß an unsre
Elementinen zu denken ist, die hier, wie auch sonst, als περίοδοι
zitiert sind (Ephiph. haer. 30 15 Περίοδοι Πέτρου δια Κλημεντος).
Nun findet sich in unsren Klementinen allerdings ein Hinweis
auf eine Frau des Petrus R 725.36, 938; Η 13 1, jedoch kein ein-
iger auf eine Tochter oder wie im Comm. in ep. ad Gal. auf
eine Glatze desselben. Da aber die περίοδοι ausdrücklich als
klementinische Schrift bezeichnet sind, so kann nur eine solche
gemeint sein, welche von R und Η verschieden ist, bezw. die
Grundschrift von R und H.
Somit ist aus den Zitaten der Philocalia, im Opus imperf. und
Chron. pasch., sowie aus der Notiz des Hieronymus der litera-
rieche Nachweis geliefert, daß eine klementinische Schrift existiert
hat, welche vielfach von R und Η abweicht, und zwar so, daß
sie zumeist original erscheint. Gewinnt durch diese Tatsache der
Versuch, aus Η und R die Grundschrift zu rekonstruieren, ein
sicheres Fundament, so erhält er dadurch eine neue Stütze, daß
sich die angeführten Zitate ausnahmslos auf Stellen in Η bezw.
ß beziehen, welche nach unsrer Untersuchung in dieser Grund-
schrift gestanden haben müssen. Überdies wird eine Stelle (in
ier Philocalia) abweichend von R (und H), wo sie im 10. Buch
steht, aus dem 14. Buch der Klementinen zitiert, wie sie auch
nach unserer Rekonstruktion einem 14. Buch der Grundschrift
zugewiesen werden mußte. Folglich wird in der klementinischen
i^
4S Waitz, Die PseadoklemeniineD.
Schrift, d^r die angegebenen Zitate entnommen sind, die Grund-
schrift von Η und R zu erkennen sein. Und es ist demnach
weder in H, noch in R, noch teils in Η und teils in R, noch
auch in einer andersartigen Schrift, wie in den Kerygmen des
Petrus, sondern in einer älteren, literarisch noch nachweisbaren
Redaktion der Klementinen die Grundlage zu erkennen, auf der
Η und R selbständig entstanden sind^
5. Der Inhalt und Zweck der Grundschrift.
Halten wir zunächst dieses Ergebnis unsrer Untersuchung
fest^, so gewinnen wir folgendes Bild der urklementiuischen
Schrift: Die Voraussetzung, auf der sie beruht ist eine Zeit,
die sich mit den Rätseln des Welt- und Menschenlebens be-
schäftigt, ohne ihre Lösung zu finden, und der Zweck, den sie
verfolgt, ist, solche Zeitgenossen zur Erkenntnis der Wahrheit
zu führen, welche danach verlangen. Dieser praktisch-erbauliche
Zweck wird in das Oewand eines Romans eingekleidet, dessen
Held gleich in den ersten Kapiteln als ein derartiger Wahrheits-
sucher vorgestellt wird, der sich mit religiös-philosophischen
Zweifeln abquält, ότι αρα ϋ^ανών ovx εΙμΙ xal ονδε μνήμην
τις ποιηΟΗ μου ποτέ . . . χαί αρά ποτέ γέ/ονεν 6 χόομος ,.,εΐ
γαρ ην άεΐ, χαΐ εοταΐ' εΐ δΐ γέγονε, χώ λνθ"ηοεταί(Ά\\\ Rli,
vgl. Η lie; R 1 u). Wie aber alsdann Klemens durch den Apostel
Petrus nach langjähriger Trennung wunderbar mit den Seinen
zusammen- und mit ihnen zum christlichen GJauben geführt wird,
so will das Buch ein Wegweiser zur Erkenntnis der Wahrheit
sein. Da weder die Philosophie (H I3; R I3) noch die Magie
1) RuHn hat nach seiner praefatio ad Gaudentium zwei Aasgaben
der „Rekognitionen", wie er sie beide nennt, gekannt. In vielen Teilen
der Erzählung stimmten sie überein, in einigen nicht; in einer Ausgabe
fehlte der letzte Teil der Erzählung, die Geschichte von der Verwandlung
des Simon; in beiden stünden Abhandlungen de ingenito deo genitoque.
Uhlhom (a. a. O. ()i3) glaubte in der andern Ausgabe neben R die Grund-
/Schrift zu erkennen; aber es ist ebensogut möglich, in ihr Η wiederzu-
I finden , wie sie im cod. Paris, vorliegen. Hier — allerdings nicht im cod.
Ottobon., den Dressel edierte — fehlt die Verwandlungsgeschicbte; hier
finden sich auch die Ausführungen de ingenito deo genitoque, die auch
in R 81-12 standen, aber stark interpoliert wurden. Vgl. Η 16 ιβ. —
Ί) Inwieweit ältere Bestandteile in der Grundschrifb enthalten sind,
ist einer späteren Untersuchung über die Quellen der Grundschrifl zu Über-
lassen. Vgl. Kap. JI.
Ι, 5. Der Inhalt und Zweck der Grundschrift. 49
(HhjRla) zu diesem Ziele führen, so zeigt der Verfasser
einen neuen Weg, der nicht in die Irre führt. Es ist das Wort der
Wahrheit (o άλη&ης λόγος Η lis; R lio) oder der wahre Prophet
(0 αΐη&ης :ιροφητης Η li9; ß 1 ig; ο της άλη&είας προφηττις
Hlw; R Ι17; η προφητική επαγγελία Η ΐ2ΐ; R Ιιβ). Ohne ihn
kann man die Wahrheit nicht finden (H lio, 24-n; R 222); er
allein weiß, was war, ist und sein wird (H 26.12; R lic); er allein
kann von Allen, auch den Ungebildeten, verstanden werden (H lo);
ihm muß man glauben (H I19; R 1 le), da er der Träger der
Offenbarung Gottes ist (R 49, I33, 24ö, Igo; H 320.21, 238; R 222).
Er lehrt allein die wahre Religion, die ϋ^ρηοχεία μοναρχιχη
(H7i2), den Glauben an einen Gott (R236.4o.6o; Η 2 12, 12 23),
und es ist eine Hauptaufgabe des Petrus, den Klemens durch
Privatgespräche in die Lehre von dem wahren Propheten und
zur Erkenntnis der Wahrheit hinzuführen. Da aber die Wahr-
heit auch angezweifelt und angegrififen wird, sieht es der Ver-
fasser als eine seiner wichtigsten Aufgaben an, sie zu vertei-
iligen. Das geschieht, indem er die gegnerischen Einwürfe dem
Simon Magus in den Mund legt und ihn durch Petrus bekämpft
werden läßt (vgl. Η 2 und R 2). So finden sich neben den Reden
des Petrus und seinen Gesprächen mit seinen Begleitern auch
Disputationen mit Simon. Dabei handelt es sich zunächst
(H 3. 16—19. R 2. 3) um die Widerlegung gnostischer, be-
sonders marcionitischer Gedanken, als deren Vertreter Simon
erseheint. In den Reden des Petrus auf der Reise von Cä-
sarea nach Tripolis wendet sich dann der Verfasser gegen den
volkstümlichen Glauben des Heidentums, den Dämonen- und
Gotterglauben, von dem er auf den Glauben an einen Gott und
auf die Taufe hinweist (H 7—11; R 4— 6), ganz in der Weise,
wie etwa ein Katechet seine Katechumenen zur Taufe vorbe-
reitet In die darauf folgende Geschichte von der Wiedererken-
nung der Mutter sowie der beiden Brüder (H 12—13; R 7) fügt
er zwei Abhandlungen über zwei Kardinaltugenden christlicher
Ethik {φιλαρϋ-ρωπία und ύωφροονρη, Η 1225-33, 13i3-2i; R 737.38),
in denen die erbauliche Tendenz sich deutlich ausspricht. Hieran
schließt sich eine Auseinandersetzung über den astrologi-
echen Glauben an die Genesis (H 143-7, 15 1-5; R 8 — 932). Als
dessen Vertreter erscheint der Vater des Klemens, der hier
von seinen — ihm noch unbekannten — Söhnen, zuletzt von
Texte n. Untenachasgen. N. F. X, 4. 4
50 Waitz, Die Pseudoklementinen.
Klemens bekämpft und tiberwunden wird. Alsdaun erfolgt als
praktischer Beweis für den dem astrologischen Fatalismus ent-
gegengesetzten Vorsehungsglauben die Wiedererkennung des
Faustus als des Vaters des Klemens. Den Abschluß bildet eine
Abfertigung der Verteidigung bezw. Umdeutung der heidnischen
Mythologie, wie sie seitens der griechischen Philosophie ver-
sucht worden war (H 4— 6; Rl0i7-5i). Ihrer Künstelei und
Unsittlich keit gegenüber wird die Einfalt und edle Größe der
jüdisch -cliristlicheu Gotteslehre und Moral hervorgehoben. Da-
bei stehen sich der Grammatiker Appion (bezw. Simon) als Ver-
treter des Heidentums und Klemens (bezw. Petrus) als Vertreter
des Christentums gegenüber.
So gibt sich die Schrift als eine Apologie bezw. Polemik
des Christentums gegen Häresie und Heidentum im weitesten
Sinn des Wortes. Fassen wir dazu die romanhafte Einkleidung
dieser praktischen Tendenz ins Auge, so werden wir sie als ein
Buch zu betrachten haben, geschrieben, um Heiden oder Juden,
besonders aus den vornehmen und gebildeten Kreisen, für das
Christentum zu gewinnen, oder solche, die bereits gewonnen
sind, darin zu stärken und zu fördern.
Wenn es seiner Erzählung die praktische Spitze gibt, daß
schließlich sämtliche Angehörige des Klemens, er selbst, seine
Brüder, seine Mutter und zuletzt sein Vater getauft werden,
wenn es mit besonderer Vorliebe wiederholt und ausführlich den
Segen der Tauf handlung , sowie die rechte Vorbereitung darauf
schildert (vgl. Η 822.23, ih{>.2:i, 11 25-27.35, 13 4. 9 ff. 20. 21; R 163.69,367,
4 17. 32 68.9.15, 729.34-36.38, 97.10, 1049), SO wird man nicht fehl gehen,
Λνβηη man es vor allem für Katechumenen bestimmt ansieht, die
dadurch für den Empfang der Taufe und die Aufnahme in die
Gemeinde vorbereitet werden sollen. Dazu paßt die außerordent-
liche Wertschätzung, welche nach Ep. Cl. 13 dem Amt des Ka-
techeten zu Teil wird: Petrus selber war eigentlich nichts andres
als ein Katechet, da es sich ja dabei um nichts geringeres als
um die Seelen der Menschen handelt. Und wenn nun Klemens
an seiner Stelle dies hochwichtige Amt übernimmt, so gibt er
wegen seiner umfassenden Geistesbildung, seiner reichen Lebens-
erfahrung, seines makellosen Charakters und seiner von Petrus
ihm erteilten Unterweisung der Hoffnung Raum, daß auch er als
Katechet eines Petrus nicht unwürdig sein werde.
Ι, G. Der Charakter der Grundschrift. 5 t
Mit dieser Abzweckung auf den Katechumenenunterricht wird
man in der Grundschrift des Kiemensromanes keine andre als
eine praktisch -erbauliche Tendenz finden, wie schon Har-
nack richtig bemerkt hat^, und es heißt ihr Gewalt antun,
wenn man ihr auf Grund einzelner Abschnitte eine andre, sei
€8 kirchlich -hierarchische, wie Langen für E, oder dogmatisch-
judenchristliche, wie Baur u. A. für H, beilegen will.
6. Der Charakter der Grundschrift.
Da sich die Grundschrift, wie schon aus ihrem Inhalt her-
vorgeht, aus sehr verschiedenartigen Bestandteilen zusammensetzt,
läßt sich ein endgiltiges Urteil über ihren Charakter erst nach
einer genauen quellenkritischen Untersuchung fällen^. Doch ist
schon jetzt wenigstens ein approximatives möglich, und zwar von
denjenigen Abschnitten aus, welche die Lebens- und Familien-
geschichte des Klemens enthalten. Beruht nämlich die Grund-
schrift auf der Fiktion, daß Klemens ihr Verfasser sei, so kann
sie ohne dessen Lebens- und Familiengeschichte überhaupt nicht
gedacht werden. Bildet sie daher den Kern der Grundschrift,
80 gehören zu ihr 1) alle diejenigen erzählenden Abschnitte, in
denen Klemens, seine Brüder (Aquila und Nicetas), seine Eltern
iMattidia und Faustus), sowie Petrus und Barnabas als han-
delnde Personen auftreten, 2) solche lehrhafte Abschnitte, die in
ihrem inneren Zusammenhang zu diesen erzählenden gehören,
3) alle Kapitel, welche eingeschoben sind, um den Zusammen-
hang zwischen dem Klemensroman und den eingefügten Schriften
herzustellen. M. a. W.: Ist derjenige, welcher uns die Lebens- und
Familiengeschichte des Klemens, seine Seelenkämpfe, seine Be-
kehrung und seine Taufe durch Petrus, sein wunderbares Zu-
sammentreffen mit seinen Angehörigen, sowie deren Bekehrung
«nd Taufe durch Petrus erzählt, auch der Autor der Grund-
echrift, so ist er auch der Autor aller derjenigen Abschnitte, die
mit jenem Kern der Erzählung in innerem Zusammenhang stehen.
Sein literarisches Eigentum sind demnach im wesentlichen fol-
gende Kapitel:
1. Η 1 1-7, cf. R 1 1-7; Η 19-14, cf. R J 7-11; Η J 15-22, cf. R 1 12-1;»;
Η Γ2ι-24, cf. R 7 1-24; Η 1226-33, 13 1-12, cf. R 725-3G; Η 13 13-21, cf.
1; Hamack, DogmeDgeschichte IS 237.
2} Vgl. die Kapitel U and IV.
l*
52 Waitz, Die Pseudoklementinen.
ß 737.38; Η 14i, cf R Tss; Η J42.3.8-12, cf. R 81-2, 9:i5-s8; Η I5i-i
(s. o. Nr. 1). Dazu kommen:
2. Η 89-23, (Η 9i-2i) cf. R 48-37; Η IO2-20, cf. R 52-22; (H 1021-25)
cf.R586; Η 11 1-3, cf. R 61-3; Η lU-is, cf. R 523-36; Η llie-sa, cl
R 64-u (s. o. Nr. 2); außerdem:
3. einzelne Kapitel wie Η 22-5, cf. R 2i; Η 2i8, cf. R 2i-6
Η 235-87, cf. R 1 20.21 u. ä. (s. o. Nr. 3).
Suchen wir von hier aus zunächst seinen religiösen um
theologischen Standpunkt zu begreifen, so erkennen wir in den
Verfasser des Klemensromans, bezw. der Grundschrift einen Ver
treter des vornicänisch^n Gemeindekatholizismus.
Der Glaube an einen Gott*, der seinem Wesen nach ewi(
und unsichtbar ist^, die Welt aus nichts geschaflFen hat^, gu
und gerecht ist* und für alles sorgt ^, die Lehre von der Welt
Schöpfung durch den hl. Geist als die Hand Gottes^, die tricho
tomische Betrachtung des Menschen", wonach der Körper al
είχών^ die Seele als ομοΐωοις ϋ^εοΰ aufgefaßt wird^, die Lehn
von der Willensfreiheit^, die Erklärung des Ursprungs der SOnd<
aus der bösen Lust des Menschen'*^, ein massiver Dämonenglaube^'
die AufiFassung des Teufels als des Herrschers dieser Welt* 2, de
Glaube an die Offenbarung in Christus als dem wahren Pro
1) Vgl. Η 1 7 R 1 7; Η Sio R -lio; Η Oa R 432; Η lOii. 12. 14. 15 R Γ)ΐ7-ΐ9
Η 1223 R 728 Η 134 R 729 (Η 2i2. 89 R86j.
2) Η 16 R le (354!: Η 1017 R Γ)ΐ6; Η lU R Γ)23.
3) Η liRlifl25); Η 2io. 89 R 48; Η 810 R4io; Η 103.4,5.9. 19 R Γ) li
ΙΓ1. 19. 22; Η 116. 22 R 024. 66: Η 1228 R 723; Η I3l4. 15 R 728 (89. 84. 89); Η 104
Charaktenstisch ist der Ausdruck ποιεΐν für die schöpferische Tätigkei
Gottes, wahrend die Ausdrücke όημωνργεΐν {H8i5. 1080. 1122. 1227. 145
und χτίζειν (Η 10 8. ]3i5) verhältnismäßig selten sind.
4) (H 2i8 cf. R286j Η 8ioR 414.24; Hi)i9 R425; Η 1123 R 527. Eigen
tfimlich ist, besonders im Gegensatz zu Ausführungen wie Η 73. 157, di«
Anschauung, wonach die Güte Gottes es ausschließt, daß er mit eigne
Hand straft (H 99. 1 1 lo. 22).
5j Η 236. 1028 f. 1134. 123. 7. 29 f. 143-5. 15 4. 7 R 1 21. 4 10. 11. 5 12. 8 8 («3
68.54. 04). 0) Η 1122 R07.8 (84.84).
7) αωμα,^νχή, πνενμα bzw. rofgcf. Η 823. 0i2. 106. Il4. 13 19 R49. 18
8j R49. 10 52.14.23; Η 8 10. 021. 103.6.7. 114.6.27. 1283.
0) Η 8l6. 118. 8 (cf. 0l2. 11 10). 1228. 29 R 323f. 4l9. 56.2^ (S51.52. 02.4.1β]
10) Η 8 10. 11. 14 ff. 09 f. R 49. 12. 02. 17 (850. 51); Η 104. 11.
11) Η 8 18. 19. 9 10 f. 18-23. 10 5. β. 10-20. 11 5-18. 19. 26. 8β. 1280 R 4 15-89
52.17-86. 612.14 (855). 12) II 821. 22. 157 (R 854).
Ι, ϋ. Der Charakter der Gmodschrifb. 53
pieten^, die BezeichnuDg Christi als des Sohnes Gottes^ und
Lehrers der Wahrheit^, die Ansicht von einer ewigen Ver-
damiDDis der Gottlosen*, die Überzeugung von der Heilsnot-
wendigkeit der Taufe in dem dreimal heiligen Namen ^, des Glau-
bene/» und der Werke ^, die Wertschätzung der Gottesfurcht^,
der Enthaltsamkeit und der Menschenliebe als der vornehmsten
Tugenden^, die Forderung gewisser ritueller Gebräuche, wie Fasten
und Waschungen'^, eine hierarchische Organisation der Kirche*^,
Benutzung des ganzen Alten Testaments, auch der Propheten ^^,
Bekanntschaft mit den 4 Evangelien und den neutestamentlichen
Briefen*^, das sind die wesentlichen Merkmale für den kirchlich-
theologischen Standpunkt des Verfassers des Klemensromanes, in
dem wir den Verfasser der Grundschrift erblicken.
Ein judenchristliches oder judaistisches Element ist dabei
nirgends zu finden oder gehört, wo es bei Η oder Β sich findet,
nicht der Grundschrift, sondern ihren Quellen oder ihren Über-
arbeitungen an^^. Die Beschneidung und Beobachtung des Sab-
bat wird nirgends gefordert, dagegen überall die Heilsnotwendig-
keit der Taufe gelehrt. Wenn demgemäß der Heide Klemens
und seine heidnische Familie ohne weiteres von Petrus getauft
l)(H78)R4e; Η 810. 22, R486; H108.4, R52; Η 11 19.26.85, R Gu;
Η 12». 2) Η 17.8. 13ιβ, Rle.7. O7.8. ί)3(1047).
3) (Η 85. β. 7) (R45), Η 1120. 28; R65 ιΐ; Η 1230.
4) Η 11. 4. 7. 17, Rll. 4.7. 14; Η 2 13 (29. 3β). 8ΐβ. 19, R4l5(l8); Η 9 9.
19. 23. 10 4. 11. 15, R 5 3. 19. 27. 28. 84; Η 11 4. 10. 11. 16. 23. 25, R G8; Η 125. 27.
9.33, R 7ΐ4; Η 13 10. 13. 15. 17. 19 20 (Η 15ΐ. R 1θ2).
5)Hlsa, R119; Η 822. 23, R432; Η9ι. 19. 23. 1124-27.35, RGs. 9;
Η 134. 9ff. 18. 80. 21, R 7 29. 34. 35. 38 (Η 7 8. 12. 177).
6) Η 911. 117, R5a4.36; (cf. Η 84-6.7) (Κ 44. 5).
7) Η 1 7, R 17 (121); (Η 8 7) R5 7.84; II 10 β. 1ΐ6. 11. 17, R Γ) 25. 28. 34.
κ (848). 8) Η 105. 1283. 1316.17. 148 (cf. 177.14) (R9l5).
9) Η 82. 928. 1110.28-30. 126.24-26.33. 13 5.11.18-21. 1Γ)7, R 14. 4ΐ8. 082.
'iio. 7 β. 24.38. Ερ. C1. 8. Dabei ÜDden eich id Η eigentümliche Spekula-
tionen über das lif annweibliche (H 12 26. 13 13-21), die zu den sonstigen
AnsfÜhrangen über dieselben Begritf'e des Männlichen und Weiblichen im
Widerspruch stehen (H333. 10 12); vgl. Kapitel II, unterteil I § Γ>.
10) H8l5. 9l2; 1026. 11 10. 28. 80. 33 (cf. Η 78), R43. Γ)36. 08. 738. Si.
11) Ερ. Cl. (Η 360-71, R 363-66).
12) Η 817.18, R 511. 12; Η 1232. Vgl. Kapitel III § 1. 2.
13) Vgl. Kapitel III § 5.
14) Vgl. Kapitel II und IV.
54 Waitz, Die Fseudoklementinen.
wird, so liegt darin im Gegenteil ein stark antijudaistiscfaes Mo^
ment. Auch das Abendmahl wird nach katholischer und nicht
judaistischer Sitte gefeiert, wenn von Petrus erzählt wird, daß
er die Eucharistie oder das Brot zu der Eucharistie gebrochen
habe (H 11 36, 14 1). Wenn daneben öfters von einer sakramentalen
Feier nach judenchristlicher Sitte die Rede ist, wobei Brot und
Salz gereicht werden, so gehört dies den judenchristlichen Quellen
an (Cont. 4, avo der Genetiv άρτου xal άλατος steht). Wo jedoch
sonst im Klemensroman der Ausdruck άλών μΒταλαμβάνειν oder
ein ähnlichersteht (Ep. Gl. 9, Η 46. 626. lls*. 138.ii. Hi.e. 15ii.
J925), da hat er so sehr seine kultische Bedeutung verloren, daß
dieser Ausdruck auch für die Tischgemeinschaft gebraucht wird,
an der nach Η 46 auch der uugetaufte Klemens teilnimmt, oder
die nach Η 20 in die Simonsschüler mit dem Heiden Faustus
haben. Man beachte dabei, daß hier durchgängig der Ausdruck
Brot weggela.ssen und die veränderte Wortform άλών gebraucht
wird, und man wird erkennen, daß hier nicht im entfern-
testen an eine judenchristlich kultische Feier wie Cont. 4 zu
denken ist.
Jakobus, der Bischof von Jerusalem, erscheint zwar als eine
Art Oberbischof, dem Klemens auf Befehl des Petrus seinen Be-
richt schickt. Aber abgesehen davon, daß er diese Stellung nur
durch die benutzten Quellen erlangt hat^, so wird er als das
Haupt der Urgemeinde auch sonst neben Petrus an erster Stelle
genannt'^. Und Avenn Petrus den Heidenchristen Klemens {των
οωζομένων Ιύ^νών η χρΒίττων άπαρχ?) Ερ. 01. 3) zu seinem
Amtsnachfolger in Rom einsetzt, so geschieht dies auch höch-
stens nur im antijudaistischen Interesse, λ^οη einer antipaulini-
schen Polemik findet sich keine Spur, dagegen öfters solche von
der Benutzung paulinischer Briefe. Zudem nimmt des Paulus
Begleiter, Barnabas, eine solche Stellung ein, daß eine antipauli-
nische Polemik völlig ausgeschlossen erscheint^ Die Nichterwäh-
nung des Ohristennamens, außer in R 420, ist nicht weiter auf-
fällig, da ja die Personen da sind: getaufte Christen und christ-
1) Vgl. Kapitel II, Unterteil I, § 1.
'J) Vgl. Epiph. adv. baer. 41 1.
8) Η 19 (cf. R l7) wird Barnabas freilich ανί^ρ *^Εβραΐος (natione He-
bräus) genannt, das aber doch nur im Sinn des Heiden und Rl)mer8 Kle-
mens, der in ihm nichts andres sehen konnte.
τ, i). Der Charakter der Grundschrift. 55
liehe Gemeinden. Sie ist in der apologetischen Tendenz begründet.
Die apologetischen Reden des Petrus an die Heiden verraten
ebenfalls nicht das geringste judenchristliche, bezw. judaistische
Interesse. Ist doch ihr Zweck nur der, die Hörer vom Heidentum
zum Monotheismus, aber nicht zum Mosaismus zu bekehren.
Die rituellen Gebräuche, die gefordert werden, wie die täglichen
Waschungen, mögen jüdischen Ursprungs sein und gehen auf
derartige Quellen der Klementinen zurück, werden aber nicht
als jüdische empfunden. Sie werden nur deshalb erwähnt, weil
sie dazu beitragen, der Erzählung ein gewisses archaistisches
Oepräge zu verleihen.
Ebensowenig als judenchristlich kann der Standpunkt des
Verfassers als gnostisch bezeichnet werden. Im Gegensatz zur
Wertschätzung der Gnosis steht vielmehr die energische Forde-
rung der Werke'.
Immerhin ist die Stellung des Verfassers insofern unklar,
als er, obwohl selbst auf katholich-kirchlichem Standpunkt stehend,
völlig unbefangen, ja mit einer gewissen naiven Freude Abschnitte
aufnimmt, welche ausgesprochenermaßen judaistisch oder gno-
stisch sind-.
Auch der Stil der Grundschrift hat sein eignes Gepräge.
Die Sprache ist griechisch, aber nicht die eines gebornen Grie-
<ihen ; denn grammatische Fehler sind häufig. An einigen Stellen
liat sie einen lateinischen Klangt. (Vgl. έχει xQtO^Tjvat, ϋω&ηραι,
ί'ιων περιγραφαί Η 42ο; οννεοτάναι = constare Η 14 ιι; έχδιχείν
= vindicare Η ISo.) Der Satzbau ist durchweg einfach und
ohne gekünstelte Perioden. Die Darstellung, die in ruhigem
Flusse dahineilt, ist nicht ohne den Schmuck von Bildern und
Vergleichen^. Besonders oft wird der Kaiser zum Vergleich
herangezogen^, wie Klemens selber aus dem Hause des Kaisers
stammt*'. Eigenartig ist auch der Spott, mit dem wiederholt die
Kgypter wegen ihres Gottesdienstes bedacht werdend »Wir
würden", sagt der Verfasser Η lOis, die „allegorischen Verrückt-
1: Die gnostiselien Elemente in Η und R gehören den Quellen an.
Vgl. Kapitel II.
■2) Vgl. Kapitel II. 'S) Vgl. Bigg. 1. c. Kil und Anm. 1.
4^ Η 817. 9ll. 15.21. 1012.14.18. 113.7. ».12. 1237.
')) Hi)2i (bis). lOu (bis). 10i5 (bis). 1024. 11».
♦".' Η 1*J8. 146. 10. 7) Η ί)3. 6. 10l6. 17. 18.
50 Waitz, Die Pseudoklementinen.
heiten widerlegen, wenn wir dort wären" {εΐχερ Ixtl ήμείή. Aus
Egypten stammt er also keinesfalls. Von besonderer Schönheit
ist der Preis der Menschenliebe und das Lob des tugendsamen
Weibes, Η 1225-33. 13i3-2i. Hat der Stil sonst nichts, was be-
sonders in die Augen fiele, so weist er doch eine größere Anzahl
von Ausdrücken und Wendungen auf, die nur hier, dagegen nicht
oder nur selten in andern Partien der Klementinen vorkommen.
Nach W. Chawner, Index of noteworthy words and phrases
found in the Clementine writings, London 1893, stellen wir fol-
gendes Verzeichnis auf:
άβάπτιστος 1125. 11521 ; άβυσσος 1122; τά άγα^ά έσόμενα 08. 1Γ>7:
άγαλμα 92. 1025. 05. 1θ7. 11ΐ2; άγαναχτέω (4η) ll9bis. llio. 1230.82,
wie noch 18 15 (hier ist offensichtlich der Redaktor tätig) ; άγγαρενοι
1229. 135. 156; άγνεία 923. 11 28. so bis. 33 bis (cf. 245); außerdem nur '{26
ί^=Κ.Π)] άγνενω lli.28; αγνός Ep.C\. 2 (78); άγορασμός lös; αγχόνη 11 15:
άδιαφόρως (leben:) 134. l.'no ; αόω (aktive 8 15, sonst in Dialogen des
Appion passive); «diTOv l5; άόνσώπητος lu; «^εος 237. 137. 154; aS-v•
μία li. 115. 135. Ep. Cl. 3. 4. 17, außerdem nur noch 2()i3; ά^ος 1227
bis; αΙγιαλός 14 i; άΐδιος βασιλεία Ep. Cl. 11. 823. 1320; άΐόια άγαΒύ
Ep. Gl. 10. lie, außerdem 4i4; άΐδιος χόλασις 1?. 337. 923, außerdem noch
19i9; αϊλονρος 10i6; αίσχρόβιος 11 13; αίσχννω 11 32 bis; αϊτημα 3δ.
106; αΙφνιόίο)ς iU3. 12 16; ό έσομένος αΙών (vgl. τά ίσόμενα άγα^ά)
S17. 23. 157; außerdem noch 179; αιώνιος κόλασις 10ΐ5. 11 16. 1233. 13ΐ9.
15 1.9, außerdem noch Cont. 4. 5. 228. 4ΐ4); αιώνια άγα&ά Ερ. C1. 10;
9 23. 1θ4. 11 16. 12β. 1315; αΙώνιος βασιλεία 1025; ακάθαρτος 823. 11 15.
9 10. 8 17. 19, sonst noch 2ιβ; άχαθ^άρτως βιοϋν 78. 8ΐ9. 134; άκόκως 19;
ίΐκαν&α 11 2; άκαρπος 11 2. 15; άχατασκεναστος 1122; άκατάσκοηος
14 1; άκίνδννος 14. 11 9 (cf. noch 198); ακμαίος Ερ. C1. 7. S. Η 12; άχρι-
βώς 14 9. 12; άκριτί 149; άκρωτήριον Ερ. C1. 14; τά άλη^ adv. 99.
1112.28.29; dajifegen subst.: liJ 14. 18 2o; αλκή 10 3; αλίσχομαι 15 6;
αλλαγή 11 6; αλλοδαπός 14 6.7; αλλόκοτος 8 9. 9 9. 11 15; άλογα ζώα
3 5. 8 16. 10 6 bis. 16.17. 1128. sonst nur noch 5iO; άλσος lli3. 14; αλν-
πος 8 10. 11 17. 15 1 ; άμα^Ια 14 ii bis, dagegen αμάθεια Ep. Petr. 3; άμαν-
ρός 12 8, sonst noch 3 12; άμανρόω 13 5; άμανρ(ος 12 23. 14 9; άμάω
11 13; αμείβομαι 11 s! 12 25; αμέριμνος Ερ. Cl. 5. ΐ2ΐ, sonst nur 5 4:
άμετρία 9 12; άμετρος Ερ. Cl. 1. lio. 2 2, sonst nur 19 21; αμίαντος Si3;
άμνημοσννη 124; άμοιρος 139; άμπέλινος 12i2bi8; άναγνωρισμός 1223.
13 11. 14 12; ανάθημα ί) 17. 10 22 bis; άναΟ^νμίασις 8ΐ7. 11 15; άναισθ^ησία
1129. 13 14; άναίσ^τον &νητον έργον {= ειδωλον) 10 9. 11 5. 7. 9. 2ΐ. 80;
άναισθ^ήτως (<»ιΐ) 8ιΐ; αναίτιος 15 8; άνακαλέο) S9. 12 23; άναχερά^^ί^νμι
ins. 15. (9 9. iij; άνακράζω 9ΐ9; άνακζάομαι 13 6; αναλίσκω 8 17. 9 12.
11 3, sonst nur noch 4ΐ4; άναλογέο) 9 ΐι. 11 2; αναλογία 8 15. 1127, sonst
nur noch 6 19.24; άναμίνω 13 18; άνασκεν^1,α> 1 19. 13 7. 14 5. 15 4 (3 43•;
άναστροφν) 13 2; άνατοογή 1226; άνατνηύ(ο 14 10; άνενρ^τος 13 ι ; άνθ^ν-
Ι, 0. Der Charakter der Grundschrift. 57
τίοφέρω l4; άνιάω 123. 15 2, sonst nur 5 22; ανόητος 9 5.7. 11 14. 12?.
13 17, sonst nur noch 280. 3u und passiv 17 6; άντιβάλλω 1 15. 9 15. Ep.
Cl. 15. 15.15.16. 2 35 (36.7. 17i); άντίδοτος II 9; αντιπάθεια (336). 9i8;
άντιπαρ<ιτΙ&ημι 11 33; αντίποινο 13 5; αντίρροπος 9 15; αντιτάσσω 11 18;
άνωφέλητος Ι 7; αξιόλογος 1233. 13 7 (cf. 5 8j; άξιος 13ΐ. 10; αοχνος 13 19;
αόρατος 10 21. 11 4. 32 bis. 13 17 bis. 17 7 (?), sonst uur 3 36; άπαίόεντος
Ep. Cl. 4. 1 16; απαλλαγή 9 9. 12 33. 14 7; άπάνονργος 1 ii; απαντάω
285. Sil, sonst nur 4 7; απαξαπλως W \9. ^i. 1282; άπαράβλητος 10 20.
14 6 (cf. 2 40). 3 59; άπαρασχενάστως 1 9; άπaσχoλέoJ Ep. Cl. 5. 1 1. 12.
138; απεικονίζω 9i6; απιστία 1 18, sonst noch 7 7; άπίατως 15 lO; άπλη-
στος 14 9; απλούς 1 u. 20 (3 12), cf. 13 9; αποβαίνω 14 ii; αποβάλλω της
βασιλείας Ep. Cl. 17. 3 8 (240); αποβολή λ 9; αποδεχτός l'jio; αποδημία
128. 13 2 bis; 14 7.11. 15 4; άποκα&ίστημι 9 18. 10 8; άποχληρόνομος
11 12; απολαύω Ep. Cl. 7. 1 6. 7. Η 15.23. 9 8. 19. liU. ΐ3. 14 5. 15 8, sonst
nur 2 21. 3 6ΐ; απολύω 3 6. 15 6; άποναρχάω 1 14; αποπληξία 11 15;
αποσείω Κγ. Cl. 6. ν\. 1 3. 236. 10 22. 1222.32, sonst noch 4 8. 5ΐ8; άποσν-
λάω 10 29; άποτελεστιχύς 14 5; αποτυχία 9i7bi8; άπόφασις 1 5. 8ΐ9.
15 1, sonst 17 6 bis; άποψνχο) 12 2ΐ; απτερος 1 10; άπωθ-έω 1 2. ίο. 8 ιι.
1028. 13 18, sonst noch Η 2. 10 12; αράχνη 10 22; άργίρεος 10 2, cf. 10 20;
κρουρα 11 3; αρχαίος 8 7. 10 22. 15 5; άσβεστος 17. Uli; άσελγαίνω
11 15; ίζσέΆ/£έα 1 ιι. 11 8. 14 5, sonst nur noch Γ) 22 bis; ασπλαγχνος 13 9;
αστρολογία 14 6 bis, cf. 14 5. 11 bis; αστρονομία Si4; άσχολέω Ep, Cl. 0.
l8. 2 2 bis, sonst noch 3 7i. 17 2.6; άσγόλημα Ep. Cl. .'); ασχολία Ep. Cl.
.').♦). 241. 11 18. 15 8; άταχτος Ep. Cl. 15. 1 11. 12. 13 18, sonst nur 63):
απμάζω 115.10 (cf. 10 8.16), sonst nur 62; ατόπημα 2 42 bis. 9 17. 10 16.
118, sonst nur 19 23; αύτάρχεια 9 12. 13 18; ανταρχι)ς 1 5. 3 8. Si5, sonst
nur IG 8; αυτοκτονία 12 14; αυτοματισμός 1134. 15 3; αντόχειρ 11 ίο;
αίιοχειρία 11 15; άφαίρεσις αμαρτιών 1.")9; αφασία 14 9; άφελληνίζν>
IjI; &φεσις mit βαπτίζω S22. 9 23, 1127. 15 9, sonst nur 7 8. 17 7;
ιιφ^ρσία 25. 1184; άφίημι 11 20 bis. 12 81; αχαριστία Ερ. C1. 2. 8ΐι. 12;
αχάριστος 8 18. 10 13; αχώριστος Ερ. C1. 10. 14 12; βαπτίζω 122. 9 23,
cf. Η 28. 83. 11 85. 86. 87. 30. 33. 35. 36. 13 5. 9 bis. 10 bis. 12. 21. Hl, sonst nur
τ 7. 8. 17 7. 2088; βάπτισμα 8 22. 1126.27. 13 ίο. ii. 20. 14 2.8, sonst nur
•»; βαρνί^νμία 13; βάσανος 11 16. 12 27 bis; βασιλεία (έσομένη χτλ.) S23.
•♦δ. 13 8.20. 15 7. 8; βασιλεία &εου Ερ. C1. 11. 1 6. 240. 38. 10ΐ3. 1321, außer-
dem noch 3 86.28; βασιλείς (Christus) S21. 9ΐ9; βιωτιχός Ερ. C1. .'). 0.
12. 18. 22; βλασφημεΐν (3 6) 11 8. 9 bis. 13. 14 5. 15 ίο, sonst noch 10 20. 21;
,-ίο^ΐ^μα 9 10. 16; βοηθός Ερ. Cl. 10. 1 19, sonst noch 3 72; βραδντης 9 ii.
11 16: βρέφος 12 lO. 17; βρώμα 33 18. 15 9; βρωτός ί» ίο bis. 12. 15. 11 15; βν-
Ης Ερ. C1. 14. 15. 10 3. 12 13. 14. 16. 17. 13 2 6.7. 2obis,' sonst noch Ο 4. 13.
17β; βωμός 880. 9 5.6. 11 15, sonst noch 3 13. 26; γαστήρ lOii. 18; γενεά
^17. 11 88 bis. 12 7, sonst noch 3 15. (iio; γεννάω (von der Taufe) 11 27 bis.
7ενω σαρχων 8ΐδ. ιβ. 19, cf. 13 11; γίγας 8i5. 18. 9 4; γνήσιος (— Freund-
^cliaft) 1 16. 12 11. 14 7, sonst noch 20 20; γυμνητενω Ep. Cl. 15. 11 4; δεσ-
πότης sc. πάντων --= Gott Ep. Cl. 14. 1 2. κ 10. 9 i. 13 3, sonst 17 8 τΟη-
ολανΙΓ)«, aber auch lfm: δήγμα 12 i3 15. 18; διαλλάσσω Ep. Cl. IK l'>6;
5S Waitz, Die Pseudoklementinen.
<SiaQ7toiw Si3. 10 22; διάστημα 1 6. 122, sonst 17 9; διατΚ^εμαι 1120. 1230.
11 6. 13 10 bis; διαφωνπο \) 17. 18. 124. l!} 5. 6. 1 19; δίδιμος 2 i. 128 bis. 16. 20 bis.
1:^1.2 bis. 14 8. 154; διοικπο mit προνοΙα 2 36. 1184. 14 5. 15 4; διιράω Ep.
€1. 0. 15. 11 4. 12 32 (cf. Ii)i8); δόγμα 1 3. 2i. 22. (:>9bi8) 1:J21. 15 1.4, sonst
nocb 5 28. 10 3; δννάατης 10 i2. 12 15: δνα^νμία 13 5; ^^/ζω 3 4. 8i6. 126;
είχαΐοςίιο. 10 8; el εΐ^ΐ} In. 13*8; είχων &εοϋ (= Mensch) Sio. ί)3. «i. 103.
6.7. 11 4 oft. 11 5 bis. 12 33, sonst noch 2 16. 3 17. 62. 177 9; ixitalviu c. acc.
1215.16. 14 7; έκβράσσω .S i7. 1123 12io; εκπαιδεύω 12 16. 137. 154; εκ-
στασις 1122. 13 3; έλεάω 1 13. !)i3. 11 20. 12 17. 25. 27. 30. 32. 13io. 13, sonst
noch 17 12; ϊ?.εος Ep. CM. 8 bis. 3 3. 20. 11 10. 12ao. 25, sonst noch 3 56; fXi-
<ficg 1 10. 10 3; έμπίηλημι 8 19. 11 15 bis; εμφωλεύω 105. 11 15; ένδεια ί)ΐο.
11 15; έΐ'δοιάζω Ep. Cl. 14. 1 21 pass. sonst noch 4 5; ένδομνχέω ί)9. 12. 19.
ίο 16. 11 6. 11. 15. 18, sonst noch Kilo; Ινδνμα Ep. Cl. i). 822.23. 11 4 (cf.
11 35); ένεδ(»ενω Ep. Cl. «i. 1 8. U 12. 13 bis. u. 22. 10 12. 11 3 bis. 11. 17. 18. 19.
•20, sonst noch 2 7. 3 is. 4 8.; ^Θονσιασμός 11 14. 15; ένΟνμησις 8 19. ί) ii. 13.
14. 10 13; fivvoia 1 2. (3 11) 814. 15 1; h'voxog 10 12. 13; ενστααις 12 5. 13 14,
sonst noch 4 24; irr βρίζω 8 22. ί)9. 13. 15 δ; επάγγελμα Ep. Cl. 14. 1 12.
11 17. 14 5; έπάδω 10 5. 11 ii. wbis; επήρεια 11 ΐδ. 1233; έπίγνωσις 3 12 bis.
Κ) 25. 13 5.11.14. (18 12); έγιγράίρω Ep. Cl. 20. 9 16. 17 bis. 18. 11 9. 12 11;
^πίδακρνς 12 7. 13 ι ; επιδικάζω Ep. Cl. 18. 11 8 bis; έπονομααΐα 9 19. 23.
1126. 13 4; έρεννάω Ep. Cl. 7. 12 10; ευδαιμονία 10 19. 14 7.10; είεργετέω
von Gott: 11 8. 9 bis. 13. 12 26, sonst noch 3 7.87. 19 5. 203; vom Menschen:
11 4. 12. 12 25 bis. 26 oft. 27. 28. 33, sonst noch 189. 12. u; ευεργέτης 2 4i. 10 13.
12 33, sonst noch 245. 5 11; ευεργετικός iSio; ευεργετις 1225. 13 lO; ευκαί-
ρως Ep. Cl. 6. 8 9. 9i3, sonst 20 33; είμαριος 12 6; ευποιΐα Ep. Cl. 9. 89.
11 11. 25. 26. 27 bis. 32 cf 33, Bonst noch 17 11 bis; ιυπορί-ω 12 25. 14 i, sonst
5 26; ευφρααία Ep. Cl. 7, 11 u; ευχαριατέίο 1 2. 2i. 237. 124. 14 12. 1 22.
9 u». 11 9. 12. 12 24. 25; ευχαριστία 11 u. 36. 14 i; ευχάριστος 11 8;
4:νω'/Ηο 11 13 bis. 35; ευωχία 8 22. 11 14, sonst noch 4 4; ζημία 1 10. 11 16.
13 15. 17 (cf. Ep. Cl. 10): ησυχάζω 14.22 (19 u?); θανάσιμος 10i2. 18. (19 15.
20); Ü-elov πνεύμα 8 28. 9i5, auch Η 5. 7; ί^εΐον αγιον πνενμα 9 22; ^ελω
passiv 1125. 13 16 bis; &εοβονλητος Ep. Cl. 1. 1 21; ^εοσί^βεια 2ΐδ. (2 23?)
3 6. 7. 8 9. 10 2. 3. 12 bis. 12 11. 20. 11 17. 33. 12 5. 11 bis. 13 4. 8. 15 4 bis. δ. (17 β:,
vgl. noch 2 1. 15. 22. 25. 47. 7 1. 82.8; ί^εοσεβέω 138. ΐδ; &εοσεβής Ep. Cl.
3. 10 8. 11 16 bis. 12 11, vgl. noch 7 1. 8 8. 17 6; ^εωρέο) 12 12, sonst
17 7. 17 V; θεώρημα 14ii; θεωρία 12 12: ^ηράομαι 1 15. 12-26; &ηρεύω Ep.
Cl. 16. 822; θηριώδης Ep. Cl. 14. 8 15 bis. 17; θλιβερός 12 li. 13 21; θρη-
σκεία 1 13. 2 33. 9 7, 8 bis. 19 bis. 20. 10 13. 22. 11 2. 15. 28 bis. 33. 12 24. 13 4 bis.
5.7. 15 2, vgl. noch 027. 7 7.8.12; θρι^σκενω 9 5. 10 22. Il6. 30; θ^ρνλος lis.
122; ίδρυμα 9 6. 1021.24; Ιλιγγιάω Ep. Cl. 15. Is; Ιμάτιον 126. 15 5.8;
^ωνα 1133: καθ^αρείω 11 28 pass. 13 16; κάΟ-αρσις 112.3.28; κακούργος
913.22. 10 10. 11 5; κακουχίω 1230. 31.33, sonst 2 13. 19 28. 20 3; κακουχία
2 33. 9 10. 12 6.29. 13 5: καταντάω Ερ. C1. IG. 1 15. 1124. 13 1 bis, vgl. 3 85;
καταφιλέω 1 16. 13 6.16. 14 9, vgl. 4 7; κενόο) 1 π. 8ΐ8. 17, vgl. 3 85;
κληρονόμος 1 16. (2 13) 9 23. 10 25. 11 12. 24; κοίτη ανδρός 12 15. 13 20.
14 7); κολακεήο 10 9. 11 2ΐ. 12 15. 25. 26. 32. 13 16. 17. ΐ8. 15 6, vgl. noch Cont. 3.
Ι, 0. Der Charakter der Grundschrift. 59
δί'. 2'J4: κρατννω 2 7. 18. 10 lo. 11 11, vrI. noch 4 11; κρημνός 9i3. 11 15.
1213.14; κρότος 7; κρνφαΐος 14 ι. 3; κνλίω 2 32.34. 1128; κνλλόςΐύ. 14 5;
λαμπρννω 13 16; λάρναξ Si7. 9ΐ; λειποτακτέω 11 ιβ; λειποτάκτης ¥j1^, C\.
12. 17: λείφανον 8ΐ9. 9 5; λτJστεvω 13?; λ{?στ7/ς 11 13; λιμώττυ) 13 2θ; λι-
.Tamo 13 18; λέτ^/ 11 13; λιτός 1ιι. 20; λογικός 1 ίο. 10 17. 1128; λογισμός
1ΐ9. 10 10. 18. 23. 33. 12 83, sonst noch IG 14. 17 3.14. 20 2); λοιόορία 10 7.
13i5bi8; λονω 10 26. 11 1. 14 1, sonst noch 5 30; μαγικός 94 bis. 9 7.18:
μαργαρίτης 8 12. 9 8. 13 16; ματαιοπονεο) 1 4. 14 4: ΜαττιδΙα 128. 13 ι. 20.
14 8 (20 20); μαφόριον 13 16. Ιδδ; μέ&η 9 7. 12 21; ΐ(ε(>1ατημι 1 22. 11 15; μετά-
μίϊ^ια 3 5. 8 22; /ΐιια/νω 8 17. 22. 13 19 bis. 13 20 bis. 14 7. sonst noch 5 22.
17 17; μιαρός 8 23. 12 15; μονογενής 12 2ΐ; μονόω 12 1. ΐ3 2θ|; μνελός 8 14.
10 10 (65); νίζι;^ρ«/έον 12 ίο bis. 16. 25 pas.s. 13 ι. 15 4; νεάζω Ερ. C1. 7. 12 17,
sonst noch 20 7; νεκρομαντεία 15; νεκρός 10 9. 11 12. 14. 12 13. 13 19, sonst
noch 7 4. 17 16; νηστεία 9 ίο. 12 30. 13 ιι bis ; νήφο) 11 15. 1230 (20 12). 11 8. 7.
13.19. 12 21; νον&εσία Ερ. C1. 12. 13 ιΐ; νον&ετΗο 13 8. ίο. 16 (18 19); ννμφιος
Ερ. CL7. 1283. 13 16, sonst noch 3 27. 28 ; ξενία 1 15. 1026. 12 2. 14 1. 8, sonst
noch 6 26. 8 2; ξενοδόχος 12 28. 25 pass. 26. 13 9. ίο bis; ξόανον {Sz) 9 5.7.
Ιό pass. 10 28; όδννόω 12 4. 13. 15. 13 ίο. 15 ι; υλο&ρενω Κρ. C1. 18. 10 13. 1ΐ9,
sonst noch 19 12; όλολνγή 11 14. 14 9; ομιλία Ερ. C1. 2. 12. 14. 18. 19. 1 18.
-t»bis, sonst noch 424, όμοδίαιτος (cf. 7 3) 820. 15 i; όμοιότης 106bi8. 7. 9•
1127: όμόφρων 125. 15 1; ϋναρ 9 u. 15. 147, son.st noch 17 u; <5//fcCf> 22. 823.
ίί23. 11 13. 15 11, sonst noch 19 15; τιάθ^ημα 8 23. 15 9; :ΐά?.λίο 12 19. 13 3
i68i: 7ΐαρΛγγε/.μα 11 15. 145; παραλαμβάνω 1 21. (69.) 94. 145; παραμν-
ί^^ομαι 1224.32. 13 18; παραμν^ία Ερ. C1. 19. 2 3. 12 5.9.15.17. 13 5; παρά-
-χτνίμα Ερ. C1. 15 (cf. 7 7) 11 16 bis. 12 11; τιαρίστημι Ερ. C1. 5. 2? bis. 11 16.
133. δ. 6; πεόάω 8 13. 13 16; πειρατής Ερ. C1. 14. 13 8; πενία 12 6. 32. 135. 18.
15 10: πενιγχ*ός 12 17. 23. 14 3; περίβλεπτος 8 ΐ2. 12 ι ; περιπλέκιο 1 15. 12 22.
133.6. 14 9: περιπόΟ^τος 12 8. 13 16 (17 ιι); περίστασις 13 5. 14 3; πλεο-
νεκτίω 1127, 1229. 15 8. ίο (19 18); πλεονεκτης 8ΐ3. 15 7; πλεονεξία Ερ. CI.
10. 118. 12 6, sonst 19 18; πλησίον (cf. 7 4) 12 26. 32.33,2021); π?.ννω 10 23.
1128: ϋ^εΐον πνενμα 8 28. 9 15. 1θ2ΐ bis. 22 bis. 11 22, sonst 3 17. Ο 5. 7; πνέω 8 ίο.
1<)ΐ8. ΐ:> 16, sonst 4 19; ποΘ^εινός 12 28. 13 6; ποΙ^εω 1 18. 13 ίο. ΐ5; πολιτεία 1 6.
26. S 12. 22. 928. 134, sonst noch 2 19. 20. 3 32. 18 17; πολιτενομαι Ερ. C1. 11.
In. 8 13. 9 19. 15 6, sonst noch 2ιι. 3 47: ποτόν Ερ. C1. 9. 9 ίο. ΐ5. 12 32.
1•ΐ8. 15 9, sonst 3 69; πράγμα Ερ. C1. 10. 14. 1 19. 12 23. 15 8: πρόνοια
<iotte8: 1 12. 2 85.36. 1134. 12 3.7.29.30, sonst noch 3 47. 5 24. 7 2. 20ιΐ:
der Menschen: 89. ii. 9 i6. 10 23. 24. 11 4. 29. 34. 13 12. 14 3.5. 15 3. 4, sonst
noch 3 2.71. 5 24. 62.5.19; πνκνός 1 1. 10 26. 12 18; πνκνΓος Ερ. Cl. 9. 1 3.
12 10, sonst Ep. Cl. 9. 3 26. 5 25. 87. 16 11; 'Ριομαΐος 1 i. 7. 12 8.9.20. 14 7;
'Καμη 1 8 bis. 16. 12 10. 13 20. 14 6. 7 (528. Ol); σεβασμα 9 18. 10 8. 2i. 22. 11 12.
13, sonst 4 8; σεμνός 13 u. 1 6. 18 bis. 14 7 (cf. 13 15); σπορά Si7. 13 20; σπό-
i>oc 11 2: στεγω 1 6. 9 19. 12 82. 13 6; στενάζω 13. 12 lO. 13. 13 1, sonst noch
l*>2i: σνλ?,ογισμός 1 8.10.21; σννόρακνς 12 7. 14 8; σφάλλω 13i. is; σωΓ/;-
{»/αΕρ Cl. 4. 9. 16. 1 12. 19.22 (283). 3 3. 8 10. ί» ι. u. u. 11 2. 9. 11. i9. 26 bis.
T,. 127. S4bi8. 13 18. 20, sonst noch 3 3. 8. 29. 64. 71. 72. 7 2. 203. 19 ; ταλαίπωρος
109. 1211.15.17.18. 13 5, sonst noch 2 39. 20 15; τάχιον 1 u. 9 23. lliabis.
50 Waitz, Die Pseudoklementinen.
(IG 2. 2017); μικρω τάχιον 1 19. Ua. 15 8.9; τιμωρία 8ii. 12. Jio. i>7. 10 i.
11 6. 11. 15. 16 bis. 12 8i. 15 6. 9 (55. 19. 19 16. 24] ; τράπεζα 1 22. 8 19. 20. 23.
15. 28. 13 4. 8. 11, sonst 2 19. 5 24. 7 4. 8; τρνφή (6 i5) 8 11 bis. 21. 11 16. l'i 5.
14 10; ίβρίζω In. 820. 1280; νπηρεσία 232. 10 8. 125.7 (16 19); vnoßaV.oj
(:j 2. iibie). 8 12. 13. 9 11. 12. 14. 10 11. 18. 14.15. le. 18 (11 S5). 12 15 (196. 208); νπό-
μνηοις 1 1. 13 1. 15. 20; Φανστιηανυς 128. 13 ι. 8. 6. ιι. 14 ι. 8. 9 (20 18); Φαν-
στΐνος 12 8. 13 ι. 3. 6. 7. 9. ιι. 1 1 1. 8. 9 [20 18); Φανστος 12 8. 14 8. 9. ίο. 1ϋ 2 (20ΐ2.
14. 15. 16. 17. 18. 20. 21 bis. 22 bis. 23); φιλα?,ή9^ης 1 11. 18. 20. 3 16 (16 8. 4). 10 21.
1 1 27; φιλαλήΒν)^ 1 10. 11 17; φιλανθρωπία Ερ. C1. 8. ί). 9 23. 11 10. 12 25. 26. 32.
83. 15 5.9(245. 82.1619); <ρ/;.ίχνθ•()<ο.ττος Ερ. C1. 2. 8 (2 34.44. 7 2). 11 7. 1225.
26 pass. 27. 88. 15 6. 7; φιλόλογος 1 11. 2 8; φιλόσοφος 1 8. 4. 5. 8 10. 11. 2 7.»
(4 20. 56. 8. 10. 19. 28. 6 2. 16). 13 7; φύΜεχνος 12 9. 13 5; φνγαδενω 9 8. ίο. 16. 22
(20 23); χερσενω Ερ. 01. 12. 11 2 bis. 11 3; χ/.ενάζω 1 ίο. ιι (4 9j; χρηματίζη
9 14. 16. 17. 18 bis. 12 16. 14 7 ; χρηματισμός (4 9) 9 18.
7. Die Heimat und Entstehungszeit der Grundschrift.
Wenn die Heimat der Klementinen bald in Alexandrieii,
bald in Syrien, bald in Korn gesucht wurde, so liegt dies an
mangelhafter Quellenscheidung. — Nach Rom weist jedenfalls
der Klemensroman, dessen \^erfasser ein Interesse an der Ge-
schichte des Kömers Klemens aus vornehmem Hause gehabt
haben mu£; dies um so sicherer, als die Namen des Komanes^
geschichtlich sind. Dahin weist die Verbindung, die zwischen
Klemens und Petrus hergestellt ist, indem Klemens nicht nur
als Schüler, sondern auch (vgl. Ep. Cl. ad lac.) als Nachfolger
des Petrus auf dem römischen Bischofsstuhl erscheint. An der
Succession der römischen Bischöfe konnte nur ein römischer
Christ ein Interesse haben. Dahin weist die Stellung, die Petrus
in dem Romane einnimmt, in dem er nicht nur als erster römi-
scher Bischof, sondern auch als der Oberbischof der außerjeru-
salemischen Christenheit erscheint. Eine solche Stellung konnte
wiederum nur ein römischer Christ dem Petrus zuerkennen.
Dahin weist die ausdrückliche Erwähnung Roms (H 1 ig, R 1 i.j)
als des Endziels der Reisen des Petrus. Nach Rom bezw. ins
Abendland führt der kirchlich-theologische Standpunkt des Ver-
fassers im allgemeinen, seine ausgesprochen antignostische bezw.
antimarcionitische Haltung insbesondere, sowie sein Stil. Alle
Instanzen, die man aufgrund von Η und R gegen eine römi-
1) Vgl. Bigg 1. c. IGO. Langen a. a. 0. GS. Der Name Klemens ist
bekannt aus dem tieschlechte der Flavier. Der Name Mattidia kommt in der
Familie Trajans, der Name Faustue in der Familie Maik Aureis vor.
Ι, 7. Die Heimat und EDtstehungszeit der Grundschrifl. ß|
sehe Abfassung geltend gemacht hat, finden ihre Erledigung
durch die Beobachtung, daß Quellenschriften benutzt sind, die
nicht in Rom ihren Ursprung haben.
Die Zeit, in der die Grundschrift entstanden ist, wird hin-j
sichtlich des terminus a quo zunächst durch die nachzuweisende]
Benutzung justinscher Schriften bestimmte Sonach muß sie|
nac h -l• 150 entstanden sein. Darauf deutet auch die antimar-
cionitische Polemik hin, die sich in ihr vorfindet, mag sie auch
auf Rechnung von Quellenschriften zu setzen sein, die von dem
Verfasser des Klemensromanes aufgenommen worden sind. Auch
die ausgebildete kirchliche Verfassung, der monarchische Epi-
skopat in Rom, die Abstufung des Klerus nach Presbytern, Dia-
konen, Katecheten, die Unterscheidung zwischen Klerikern und
Laien -^ , das Alles verbietet es, die Grundschrift früher als in die
1 Hälfbe des 2. Jahrhunderts zu setzen, ja erheischt es, sie weiter
hinabzurücken ^
Damit stimmt die Stellung zum neutestamentlichen Kanon
bezw. den 4 Evangelien. Zwar ist die Bildung eines Evangelien-
kanons noch nicht abgeschlossen, aber sie ist weiter vorge-
schritten als bei Justin. Es fehlt auch nicht an Anspielungen,
bezw. Anführungen aus der Apostelgeschichte, sowie aus den
paulinischen und katholischen Briefen*.
Für eine frühere Abfassung der Grundschrift (hier = E!)
hat Langen die Geschichtlichkeit der in dem Klemensroman auf-
tretenden Personen angeführt. Aber die sagenhafte Bedeutung,
die sie hier haben, ist gerade für eine spätere Zeitbestimmung
beweisend.
Ein Moment, das in der Diskussion über diese Frage noch
1) Vgl. Kapitel II, Unterteil I, g 8.
2) Vgl. S. 53 Anm. 11.
Λ) Auf eine spätere Zeit deutet auch der apologetische Inhalt hin,
der, wie Bigg 1. c. 178 hervorhebt, all das in sich begreift, was die Apo-
logeten zur Verteidigung des Christentums und zur Widerlegung des Heiden-
tums vorzubringen wußten. Es fehlt zwar nicht an Hinweisen darauf,
daß das Heidentum noch herrscht (vgl. Ep. Cl. i). 15. Η 10 18). Aber es hat
an aggressiver Krafb schon verloren; die alten Vorwürfe, wie sie noch
Justin zurückweisen muß, werden nicht mehr erhoben. — Eine eingehende
Untersuchung über das Verhiiltnis der Klementinen zu den Apologeten
fehlt bis jetzt und geht über den Rahmen dieser Abhandlung hinaus.
4) Vgl. Kapitel UI § Γ>.
{\2 Waitz, Die Pseudoklementinen.
nicht erwähnt worden ist, verdient besondere Beachtung, um
den terminus a quo zu präzisieren. Zunächst: Ks erscheint
Petrus als erster Bischof in Kom, der hier seine Kathedra hat
und die Schlüsselgewalt ausübt (Ep. CL 2, vgl. 4 u. 19), wie ja
Jakobus geradezu als Ιπιύχόπων istloxostog bezeichnet Avird.
[Eine derartige Vorstellung aber ist vor dem Ende des 2. Jahr-
' hunderte unmöglich. Noch Irenäus hebt deutlich den Unter-
schied zwischen den Aposteln und ihren Nachfolgern hervor.
Sodann aber, was den Termin noch genauer bestimmen hilft: Kle-
mens erscheint als ein unmittelbarer Amtsnachfolger des Petrus.
Seit wann ist eine derartige Tradition in Rom möglich? Die
älteste Bischofsliste aus der Zeit des Bischofs Soter (166/67 — 174 >
oder Eleutheros (175 — 189) die wir aus Irenäus, adv. haer. 111,3;..
Epiphanius adv. haer. 276 und carm. adv. Marcion. 111, 275 fi*. re-
konstruieren können^, w^eiß nur von Kleraens, daß er ein Koä-
tane der Apostel, insbesondere des Petrus war^. bezeichnet ihn
aber nicht als seinen Amtsnachfolger. Sie scheint dies vielmehr
auszuschließen, indem sie den Klemens als römischen Bischof
erst an 3. bezw. 4. Stelle nach Petrus zählt: Petrus, 1. Linus;
(2. Kletus); 2. (bezw. 3.) Anakletus; 3. (bezw. 4.) Klemens; ähnlich
auch die späteren Bischofslisten, wie z. B. die des Irenäus. Erst
diejenige des Catal. Liberian.. die auf Hippolyts Chronik (ca. 235)
zurückgeht, rückt den Klemens vor den Kletus bezw. Anakletus
und bezeichnet ihn als Nachfolger des Linus. Hätte nun unsre
klementinische Schrift, die den Klemens zum unmittelbaren Nach-
folger des Petrus macht, bereits in Rom existiert, ehe der älteste
Bischofskatalog dort zusammengestellt wurde — das geschah
'ca. 175 — , so hätte sie, da sie im Altertum nie anders denn als
echt angesehen worden ist, die Tradition dahin bilden und die
Aufstellung des Katalogs dahin beeinflussen müssen, daß Klemens
möglichst nahe an Petrus, etwa wie im Catal. Liberian. (bezw.
bei Hippolyt), herangerückt worden wäre. Dies ist aber nicht
' geschehen. Also kann die klementinische Schrift, da sie jedenfalls
1) Vgl. dazu meine Schrift „Das pscudotert. Gedicht advereus Marci-
onem", Darmatadt 1U0(), 42 ff.
2) Iren. adv. haer. lil, 3 3: Κλί/μης ύ καΐ kw^axvjg τοις μακάριοι^
Λποστύ?,ονς καΐ ανμβββληκώς (cvtol^. Epiphan. adv. haer. 27 6: aiyxQovo^
lUxQOv καΐ Πανλον. Carm. adv. Marc. III, 280: apostolicis bene notus.
Ι, 7. Die Heimat und Entstehungszeit der Gruudschrifl. (}^
in Kom entstanden ist, nicht vor der ältesten römischen Bischofs-
liste, ako nicht vor ca. 175 entstanden sein. Zum ersten Mal
taucht die Tradition, daß Klemens nicht nur Zeitgenosse, son-
dern auch ein Amtsnachfolger des Petrus gewesen sei, bei TertuUian
in der Schrift de praescr. haeret. c. 32 auf (ca. 200 p. Chr.), wo
bemerkt wird, dementem a Petro ordinatum; und will man an-
nehmen, daß TertuUian diese Tradition aus der klementinischen
Schrift geschöpft habe, so wird mau diese in die Zeit 175 — 2()(}
anzusetzen haben. Aber sehr wahrscheinlich ist diese Annahme
nichts da TertuUian sonst mit keinem Wort andeutet, daß er die
klementinische Literatur gekannt habe, wie auch Irenäus (ca. ISO)
noch nicht. Nach TertuUian bringen erst die apostolischen Kon-
stitutionen, die auch sonst mit den Klementinen verwandt sind
ilib. VII, c. 4t)), dieselbe Tradition, nur genauer bestimmt, A'^^y^/yc
dl μετά τον Αίνου ϋ^άνατον νπ εμού Πέτρου δεύτερος κεχει-
{ίοτόνηται^ indem sie den Linus von Paulus ordiniert sein lassen.
Nun stimmt diese Zählung des Klemens auffällig mit der des
Catal. Liberian. bezw. der Chronik Hippolyts (235). Da nun die
apostolischen Konstitutionen die Bemerkung über Linus nicht aus
den Klementinen geschöpft haben können, wo sie fehlt, so werden
sie sie aus Hippolyt entnommen haben, dessen Schriften sie auch
sonst benutzt haben. Sonach hat um das Jahr 235 in Rom die
Überlieferung, daß Klemens von Petrus zu seinem Nachfolger
geweiht worden sei, festgestanden. Da sie zur Korrektur der
alten, noch von Irenäus bezeugten Bischofsliste führen konnte, liegt
die Vermutung nahe, daß sie eben auf Grund der klementinischen
Schrift entstanden ist Diese war es, die — sei es aus eigner Er-
findung, sei es aufgrund mündlicher Überlieferung, wie sie bei
TertuUian vorliegt — den Klemens, den Zeitgenossen des Petrus,
auch zu seinem unmittelbaren Amtsnachfolger gemacht hat. Um
nun diese Angabe, die — es sei wiederholt — nur durchaus als
geschichtlich wahr angesehen werden konnte, mit der alten Bi-
schofsliste in Einklang zu bringen, hat alsdann Hippolyt in
seiner Chronik den Klemens vor den Kletus gerückt. Das haben
daon die apostolischen Konstitutionen interpretiert, indem sie er-
zählen, Linus sei von Paulus, Klemens nach dem Tode des Linus
von Petrus eingesetzt worden.
Weiter nichts als eine andersartige willkürliche Interpre-
tation desselben widerspruchsvoUen Sachverhalts, bezw. eine Kom-
^4 Waitz, Die Pseudoklementinen.
bination mit der alten Bischofsliste ist Kuiins Bemerkung in
seiner praefatio ad Gaudentium, daLs Linus und Kletus nocL•
während der Lebzeiten des Petrus Bischöfe gewesen und Kle
mens erst nach ihrem Tode von Petrus eingesetzt worden sei
In gleicher Weise ist auch noch £piphanius bemQht, die Angabc
der Klementinen und die der alten Bischofsliste in Übereinstim-
mung zu bringen, indem er adv. haer. 276 zuerst den Klemens
dann den Linus und Kletus, und alsdann nochmals den Kiemen«
das Bischofsamt in der Nachfolge des Petrus verwalten läßi
Will man sich die Voranstellung des Klemens in der römi
sehen Bischofsliste auf diese Weise entstanden denken, so ge
winnt man damit zugleich eine festere Zeitgrenze des Klemens
romans: 200 — ^235. Doch ist zuzugeben, daß sie auch unabhängig
von dem Klemeusroman aufgrund mündlicher Überlieferunf
überhaupt erfolgt sein kann. Alsdann wird jedenfalls das ali
gesichert gelten dürfen, daß er nicht vor der ältesten Bischofs
liste, also nicht vor 175 in Rom bekannt gewesen ist. Nehmei
wir hinzu, daß er Schriften benutzt hat, welche, wie wahr
scheinlich, nicht vor 200 entstanden sind^ so werden wir die
als den frühesten terminus a quo betrachten dürfen. — Dahii
weist auch ein Vergleich der Berichte über die Einsetzung de;
Klemens (Ep. Cl.) bezw. des Zacchäus (H Seoff.; Rjesff.) in ih
Bischofsamt. Bereits von anderen ist gezeigt worden (vgl. obei
S. 6), daß Ep. Clem. an dieser Stelle durchaus auf Η Seoff., ci
R 3g6 beruht.
Stellen wir dafür die Gründe kurz zusammen'^, so findei
wir hauptsächlich folgende:
1. Ep. Cl. und Η (R) bieten denselben ErzählungsstoflF, nu
mit dem Unterschied, daß es sich dort um Klemens, hier üb
Zacchäus handelt.
2. Ep. Cl. und Η (Κ) enthalten im wesentlichen dieselbe]
Vorschriften für den Bischof, die Presbyter, die Diakonen um
die Gemeindeglieder.
3. Ep. Clem. und Η (R) stimmen dabei vielfach im Worl
laut überein. \^gl. Ep. Cl. 2 u. 3 und Η 365.66, Ep. Cl. 7. u. Η 3iJ
Ep. Cl. 9 und Η 3c8.
1) Vgl. Kapitel li, Unterteil II § (5.
2) Vgl. Uhlhorn a. a. 0. 81 ff. Lehmann a. a. 0. 36 ff.
Ι, 7. Die Heimat und Entetehungszeit der Grundscbnft. 05
4. Ep. Cl. setzt jedoch hinsichtlich der kirchlichen Verfas-
sung eine spätere Zeit als Η Toraus: Nach £p. Cl. setzt Petrus
den Bischof ein, was nach Η Sache Gottes ist; nach Η (R) wirkt
dabei die Qemeinde mit, was nach Ep. Cl. nicht mehr der Fall
ist. Nach Η wird die Notwendigkeit des monarchischen Epis-
kopats ausdrücklich — unter Hinweis auf die politische und
gottliche Monarchie — begründet, während Ep. Cl. den monar-
chischen Episkopat als etwas selbstverständliches voraussetzt. Die
Amtspflichten der Presbyter und Diakonen werden Ep. Cl. 7 — 12
genau spezialisiert, Η 3 β? f. nur allgemein angedeutet. Hier wird
die Fürsorge für Verhütung der μοιχεία und JtoQvela noch als
Sache der Gemeinde hingestellt, während sie nach Ep. Cl. Sache
der Presbyter ist. Ep. Cl. kennt dazu ein besonderes Amt des
Katecheten, Η nicht. Ep. Cl. 5 redet von Laien, Η 36i von
Gläubigen.
Zweifellos ist der Bericht von der Einsetzung des IQemens
in sein Bischofsamt eine spätere Nachbildung des Parallelbe-
richts über die Ordination des Zacchiius (H. R).
Nun stellt aber jener Bericht noch in zweifacher Beziehung
eine jüngere iStufe der kirchlichen Entwicklung gegenüber Η und
R dar:
1. Während nämlich der römische Bischof Η Bcoir. als der
Nachfolger des Apostels Petrus bezeichnet und seine έξουοία dahin
bestimmt wird, daß er nicht wie ol αρχορτες herrschen, sondern
wie ein Diener dienen soll (H 364), wird er Ep. Cl. auch als Nach-
folger des Petrus, dieser jedoch mit dem Attribut des ersten unter
den Aposteln, des Grundsteins der Kirche bezeichnet und seine
ίζονόία auf Grund von dem Wort des Herrn an Petrus Mt. 16 19
als die von Petrus ihm übertragene έξονοία του δεομενειν xal
IvHv und zwar 2 mal, c. 2 u. c. 6, bezeichnet und ausdrücklich
als der κανών της εχχληοίας bezeichnet (cf. c. 2: δήύει γαρ, ο
Ott όεϋ^ηναι. xal λνΰει, ο όεΐ λνΰ^ηναί u. c. 6: ο αν δηΟΊβ hju
{7]ς, όεδεται χαΐ έν ονρανώ' ο δ* αν λνοχι^ λελνται).
2. Während Η 3γι8 die ϋτορνεία ή μοιχεία als die schwerste
Sünde bezeichnet wird*, die den Ausschluß aus der Gemeinde
1) vnhft Tcäaav γαρ άμαρτίαν η της μοιχείας άαίβεια ^tot ^σινγηται,
«"τι ου μόνον ahiov ιόν άμαρτήααντα αναιρείς άλλα καΐ τονς σιη'εστκρ)-
μίνονς . . . // γαρ τοϋ μοιχηοαμίνον αμαρτία hnl τους πάντας ιλΟ^εΐν
Μζετοί (8 68).
Texte α. Untersachangen. Κ. F. Χ, 4. 5
60 Waitz, Die Pseudoklemeutinen.
zur Folge hat*, wird sie Ep. Cl. c. 7 nur unter die Sünden
gerechnet, die zur 2. Kategorie der Strafen gehören, während
die Sünden der πλάνη zur 1. Kategorie zählen. Selbstver-
ständlich hat sie dann auch nicht den Ausschluß aus der Ge*
meinde zur Folge, wenn dies auch nicht ausdrücklich gesagt
wird. Auch werden die verschiedenen Arten der μοιχεία aus-
drücklich spezialisiert ^.
Es ist klar, daß die Ep. Cl. in der Auffassung sowohl des
Bischofsamts als auch der Bußdisziplin jünger ist als Η Seoir.
Nun wissen wir aber ganz genau, in welcher Zeit in der römi-
schen Gemeinde dieser Fortschritt in der kirchenrechtlichen Ent-
wicklung eingetreten ist. Ist er doch auf das genaueste mar-
kiert durch das Indulgenz-Edikt des römischen Bischofs Kallist
(ca. 220), das Avir aus Hippoljt, Philosoph^ IX 12 kennen und aus
TertuUians Schrift de pudicitia rekonstruieren könnend Beachten
wir aber die wesentlichsten Punkte dieses Indulgenz-Ediktes, so
sind es gerade diejenigen, welche auch in Ep. Cl. gegenüber
Η 36off. charakteristisch hervortreten: Nämlich
^ 1. der Bischof Kallist nimmt, was noch TertuUian de pud.
und Hippolyt, ähnlich auch Origenes de oratione c. 28 als eine
Neuerung empfinden, neben der Lehrautorität auch die Schlüssel-
gewalt, die Macht zu binden und zu lösen, als die dem Bischof
zustehende Amtsbefugnis für sich in Anspruch und zwar genau
wie Ep. Cl. unter Berufung auf die Befugnis, die nach Mt. lOii»
der Herr dem Petrus, als dem Felsen der Kirche, übertrug, und
die von Petrus auf seine Nachfolger durch bischöfliche Succes-
sion übergegangen sei^.
1) μετά αοιχων άποΙίλη^»)(3ίται . μοιχός . . . havxdv άφώριαεν χαΐ
τψ πονηρΰβ κατ* αυτόν γωραν ϊδωκε τιηόβατον άρπάσαι, ως μανδοΐον
εξω ενρε^έν (Η 3 69).
2ι πο?.ν γαρ όεινον η μοιχεία, τοσούτον υσον τα όεχΎεραΐα ^χειν αν-
την της κολάσεοκ' ^ττεί τα πρωτεία τοις iv tt/Avpj οναιν άποδίδοται^ καν
οωφρονώαιν (c. 7) . . χαλεπή ωρισται ή πορνεία, πορνείας δ^ είδη πολλά
. . . πλην πρώτη μοιχεία Ιοτι το ίΐνδρα μη ιδία μόνζί χρήααα^αι γι-
ναικί κτλ. (c. 8).
?ή Vgl. dazu Ε. Rolffs, Das Indiilgenzedikt in Texte ii. Untersuchungen
Xl, 3. Leipzig 18i)3.
4) Tert. de pud. c. '21: Si quia dixerit Petro dominus: super hanc
petram aedificabo ecclesiam meam, tibi dedi claves regni caelestis, vel
quaecunque alligaveris vel solveris in terra, erunt alligata vel soluta in
Ι, 7. Die Heimat und Entetehungszeit der Grundschritl. (37
2, Kallibt hat weiter im Gegensatz zu der bis dahin gültigen
Praxis die μοιχεία und JtoQvüa (moechia et fornicatio) und ge-
rade auch mit diesen Ausdrücken ^ nicht wie die des Götzen-
dienstes und des Mordes als Todsünden, sondern als durch die
Absolutionsgewalt des Bischofs vergebbar bezeichnet'-^. Überdies
bandelt auch die Ep. Cl. c. G u. c. 7 von der Schlüsselgewalt des
Bischofs und den Unzuchtssünden unmittelbar hintereinander,
wie auch in dem Indulgenz-Edikt des Kailist dieser Zusammen-
hang besteht ^
Dies Alles aber gehört zu den Abschnitten der Ep. Gl., die
der Verfasser des Klemensromans zu Η Seo hinzugefügt hat.
Dazu kommt noch eine weitere merkwürdige Parallele zwi-
schen dem Edikt des Kallist und der Ep. Cl. Nach Tertullian
de pud. hat sich Kallist in dem Edikt, das als edictum peremp-
torium ausgegangen ist, nach Analogie der kaiserlichen Erlasse
als pontifex maximus quod est episcopus episcoporum bezeichnet.
Rolffs zwar meint, daß diese Bezeichnung ihm ironischer Weise von
Tertullian in den Mund gelegt sei, in dem Edikt selber jedoch nicht
sich vorgefunden habe. Was aber RolflFs (S. 20) zum Beweis dafür
anführt, daß nämlich eine afrikanische Synode unter dem Vorsitze
caelis, ideirco praesumis et ad te derivasee eolvendi et alligandi pote•
stateiu id est ad omnem ecclesiam Petri propinquam ....
1) Rolfls weist a. a. 0. 23 nach , daß diese Ausdrücke dem Tertullian
sonst fremd sind, indem er dafür adulterium und stuprum gebraucht, und
demnach eine wörtliche Übersetzung der von Kallist gebrauchten Aus-
drücke μοιχεία und πορνεία seien. Seine Vermutung (a. a. 0. 25), daß der
griechische Sprachgebrauch von Einfluß auf die Ausdrucksweise des Er-
lasses gewesen sei, wird durch unsre Untersuchung bestätigt.
2) Vgl. Hippel. PWlos. IX. 12. Tert. de pud. 21.
'S) Wenn Ep. Cl. von den Unzuchtssünden da redet, wo sie von
den Amtsbefugnissen der Presbyter handelt, so hat sie damit sich au ihre
Vorlage Η 8 βοί)'. angelehnt, wo nach den Amtsbefugnissen des Bischofs
die der Presbyter dargelegt waren, zu denen jedoch nach Η 3 60 ff. die Ver-
hütung der Unzuchtssünden nicht gehört. Daß jedoch die Ep. Cl. hier
in bewußter Anlehnung an ihre Vorlage (H 3 60 ff. j, das, was das Edikt des
Kallist zu den Amtsbefugnissen des Bischofs rechnete, zu denen der Pres-
byter gestellt hat, beweist einmal die sonst unmotivierte Aufnahme den
Herren Wortes Mt. 16 19 am Ende von c. ΰ , das schon c. 2 gebracht war,
Bodann die auffällige Bemerkung in c. 8, daß Klemens, also der Bischof,
die Gemeindeglieder Über die verschiedenen Arten der Unzuchtssünden
unterweisen soll.
ß§ Waitz, Die Pseudoklementinen.
Cyprians sich gegenüber den Anmaßungen des römischen Bischofs
Stephanus geäußert habe: neque enim quisquam nostrum epi-
scopum se episcoporum constituit, das spricht doch nur dafür,
daß kein afrikanischer Bischof sich einen derartigen Titel ange-
maßt habe. Gleichwohl ist es sehr möglich, daß es ein römischer
Bischof tat, auch in einem Edikt, das sich wie das des Kailist
zunächst nur an die römische Gemeinde und nicht auch an
die übrigen richtete. Wenn nämlich, was auch Rolffs zugibt,
Kallist das Wort des Herrn Mt. 16 1» von der Übertragung der
Schlüsselgewalt auf Petrus auf den römischen Bischof als den
Nachfolger des Petrus bezog, so lag es doch sehr nahe, auch die
Vorrangsstellung des Petrus, als des Grundsteins der Kirche, auf
den römischen Bischof als den Nachfolger des Petrus zu be-
ziehen. Denn jene Machtbefugnis ruhte doch wesentlich auf dieser
Vorrangsstellung. So redet auch Ep. Cl. 3 von της χαθ-έδρας
τιμή τε χαΐ εξονοία, die zusammen dem Bischof gebühren.
Nun wird in Ep. Cl. allerdings weder Petrus, obwohl er
der erste unter den Aposteln genannt wird, noch sein Nach-
folger als episcopus episcoporum bezeichnet, dies Prädikat viel-
mehr dem Jakobus, dem Bischof von Jerusalem, beigelegt; dabei
ist wieder auffällig, daß in dem Vorbild der Ep. Cl. ad lac,
in der Ep. Petri ad lac. das Prädikat Ιπιοχοπος ΙπιΟχόπωρ
fehlt und dafür Jakobus einfach Ijrloxojio^ heißt. Was hat, so
fragt es sich, den Schreiber des Klemensbriefes, d. i. den Ver-
fasser des Klemensroniaues, veranlaßt, dem Jakobus abweichend
von der Ep. Petr. ad Jac. diesen Titel επίοχοπος ίπιοχόπων
beizulegen? Keinesfalls war es die tatsächliche Stellung und
AVürde des Jakobus bezw. seines Nachfolgers, des jerusalemischen
Bischofs; denn weder Jakobus noch seine Nachfolger haben je
diese Stellung und Würde eingenommen, am wenigsten zu der
Zeit, als der Klemensroman abgefaßt wurde. Auch war es nicht
die Stellung und die W^ürde, die ihm in den im Klemensroman
benutzten Quellenschriften beigelegt wurde. Hier erscheint er
allerdings als Vorgesetzter des Petrus, dem dieser Bericht zu
erstatten hat. Aber wie er, die Überschrift des Briefes ausge-
nommen, nirgends einen andern Titel erhält als ο χύριος (Ep. Petr.
in scr.), ο λεχϋ-εϊς αδελφός του χνρίον (Η 11 35), so ist es im
Gegenteil Petrus, der durch die Ordination von Bischöfen, Pres-
bvtem usw. in den verschiedensten Städten, selbst in der Nähe
Ι, 7. Die Heimat und Entstehungszeit der Grundschrift. ()9
Jerusalems, in Cäsarea, die Funktionen eines Oberbischofs, wenn
hier der Ausdruck erlaubt ist, vollzieht. Wenn also Jakobus in
den im Klemensroman benutzten Vorlagen nicht als episcopus
episcoporum erscheint, so kann der \^erfasser des Romans auch
daraus nicht diesen Titel entnommen haben. £s bleibt demnach
nur die Annahme, daß er durch eine andersartige \^orlage den
Ausdruck episcopus episcoporum kennen gelernt und ihn von
da auf Jakobus übertragen hat. Dürfen wir nun nach unsern
Ausführungen als sicher annehmen, daß er das Indulgenz-Edikt
des Kailist benutzt hat, so liegt es nahe zu vermuten, daß er
hieraus den Ausdruck episcopus episcoporum geschöpft hat
Wenn er ihn jedoch nicht, was das nächste war, dem Petrus
beilegte, den er doch den ersten unter den Aposteln nannte,
nelmehr dem Jakobus, so tat er dies aus demselben Grunde,
aus dem er das, was im Edikt des Kaliist von der Amtsbefugnis
des Bischofs hinsichtlich der ünzuchtssünden gesagt war, auf
die Presbyter bezog (vgl. S. 07, Anm. 3): Er hatte sich an seine
Vorlage anzubequemen. Da nun hienach Jakobus der war. dem
Petrus bezw. Klemens Bericht zu erstatten hatte, so konnte
auch er nur das Prädikat eines episcopus episcoporum erhalten,
— das umso ungefährlicher, als der Vorrang des römischen Bi-
schofs durch die dem Petrus beigelegten Prädikate genügend
gewahrt, und von dem jerusalemischen Bischof ein Angriff auf
diese Stellung des römischen Bischofs in jener Zeit nicht im ent-
ferntesten zu befürchten war, in der Jerusalem eine heidnische
Stadt geworden war. So bestätigt also auch diese Parallele, daß
der Schreiber des Klemensbriefes und -romanes, wenn anders
er in Rom gelebt hat, das ludulgenz-Edikt des Kailist gekannt
und als kirchlichen Kanon (c. 2) benutzt hat. Damit stimmt
uoch folgende Beobachtung. Bei dem Vergleich von Ep. Cl. und
HSeoff. föUt auf, daß sich hier keine Normen für das sittliche
Verhalten des Bischofs finden, während solche dort c. 5 u. 6
sehr genau gegeben sind. So wird der Bischof hier vor weit-
liehen, besonders Rechts- und Geldgeschäften gewarnt. Ahnlich
werden Η Sc? die Christen nur iillgemeiu ermahnt, ihre Streitige
keiten vor den Presbytern auszutragen, E}). Cl. 10 dagegen aus-
drücklich vor weltlichen Richtern {ίξονοΐαι κοομιχαί) gewarnt.
Nach Hippolyt Philosoph. IX 12 ist nun aber gerade Kallist des-
wegen berüchtigt worden, daß er, allerdings ehe er Bischof
70 Waitz, Die Pseudoklementinen.
wurde, ihm anvertraute Gelder veruntreute, und noch Origenes,
comm. in Mt. XI c. 15 wirft ihm als Bischof Geldgier vor.
Und von der christlichen Gemeinde in Rom weiß man, daß sie
gerade unter Alexander Severus einen Prozeß gegen die Garköche
wegen eines Stückes Land zum Kirchbau . vor ein kaiserliches
Gericht brachte. So erscheinen wieder erst auf dem Hintergrund
dieser Tatsachen, bezw. der dadurch beleuchteten Verweltlichung
des Gemeindelebens, die diesbezüglichen Bestimmungen der Ep.
Gl. erklärlich, die in der Vorlage Η 360ff. fehlen, und sind ein
weiterer Fingerzeig darauf, daß Ep. Cl. bezw. die Grundschrift
des Klemensromans erst nach jener Zeit geschrieben worden sind.
Steht uns demnach für die Zeit der Abfassung das Jah r 220
als terminus a quo fest, so ist noch der terminus ad quem zu
bestimmen. ~ '
Bis vor kurzem schien dieser durch die oben angeführten,
in Schriften des Origenes befindlichen 2 Zitate gesichert zu sein,
so daß man ihn auf das Jahr 232 festsetzen konnte.
Nun aber hat bereits Bigg^ b insichtlich des 1. Zitates, das
nach der Philocalia c. 23 im Kommentar zur Genesis gestanden
haben soll, die Ansicht geäußert, daß es von den Verfassern
der Philocalia, Basilius und Gregor von Nazianz, nachträglich
eingefügt sei. und J. Armitage Robinson hat alsdann in seiner
Ausgabe der Philocalia (Cambridge J893) sie in der Tat dem
Origenes ab- und den beiden Verfassern der Philocalia zuge-
sprochen. Hinsichtlich des 2. Zitates aber aus der lateinischen
Übersetzung des Kommentars zu Matthäus ser. 77 hat kürzlich
Chapman- den Nachweis zu erbringen versucht, daß es von
dem lateinischen Übersetzer aus einem alten lateinischen Mat-
thäuskommentar, der sich unter den Werken des Chrysostomus
befindet, dem sogen. Opus iuiperfect. ad Matth., herübergenom-
men sei.
Damit ist ohne Zweifel die seitherige Fixierung des terminus
ad quem stark erschüttert worden, wie denn auch Harnack in
der Besprechung des Chapmanschen Aufsatzes sich zu den Er-
1) Studiii bi})lica et ecclesiastioa II. Oxford lSi)0, p. 180.
2) Chapman, J., Origen and the date of Pseudo-Clemont in Journal
of Theological Studios 1002. Vgl. dazu Harnack in Theol. Literaturzeitung
10<)2, 570.
Ι, 7. Die Heimat und Entstehungezeit der Grundschrift. 71
gebnissen beider englischer Gelehrten bekennt und demgemäß
urteilt, daß die Klementinen vor Eusebius überhaupt nicht be-
zeugt seien und selbst diese Bezeugung es noch nicht sicher
stelle, daß die Schriften in einer der Gestalten existierten, die
wir jetzt besitzen.
Aber es hat auch nicht an Widerspruch gefehlt, wie ihn, nach
Hort, Hilgenfeld, Origenes und Pseudoklemens ^ erhob: Gegen
die inneren Gründe, mit denen jene die Zitate dem Origenes ab-
sprachen, hat er innere Gründe angeführt, um sie ihm zuzu-
sprechen.
Und in der Tat, mag es auch möglich sein, daß an der
ersten Stelle (Philocalia c. 23) das Zitat, wie die Schrift im Cod.
Ven. 47 saec. fere XI. andeutet, erst nachträglich interpoliert ist,
so bleibt es doch auffallig, daß Basilius und Gregor in die Phi-
lokalia etwas von einem andern Schriftsteller als Origenes auf-
genommen hätten. Und ist es auch merkwürdig und ein sicherer
Beweis für ein gegenseitiges Abhängigkeitsverhültnis, daß beide
Kommentatoren des Matthäus gemeinsam hintereinander 1. eine
sonst selten zitierte Stelle aus dem Buche Daniel und 2. die
fragliche Stelle aus der uns verloren gegangenen klemen-
tiuLschen Grandschrift bringen, so ist es nicht ausgeschlossen,
daß auch umgekehrt das Opus imperfectum hier aus Origenes
geschöpft habe. Daß aber Eusebius bei seiner Durchsicht der
AVerke des Origenes dieses Wort des Petrus apud dementem
sich nicht hätte entgehen lassen, wenn er es hier gefunden hätte,
ist doch nur ein argumentum e silentio und läßt sich mit der
( ieringschätzung erklären, mit der Eus. h. e. IIL 884.5 von den
Pseudoklementinen spricht. Immerhin, wird man auch die Dis-
kussion über diese Bezeugung der Klementinen bei Origenes
noch nicht als abgeschlossen betrachten dürfen, so kann man
doch auch nicht mehr Origenes als zuverlässigen Zeugen dafür
anfuhren, daß unsere Klementinen bezw. ihre Grundsclirift schon
vor Origenes abgefaßt seien.
Gibt man das zu, so kann man vor Eusebius keinen Zeugen
tinden, der uns ihre Existenz beweist; es bleibt daher ein ganzes
Jahrhundert von dem Jahre 220 ab als Zeitraum offen, inner-
halb dessen die Entstehung unserer Schriften möglich ist.
1) In Ztechr. f. wies. Theologie 1ίί03, -MJtt".
72 Waitz, Die Pseudoklementinen.
Siebt man jedoch von der äußeren Bezeugung ab und läßt
man die inneren Gründe auf sich einwirken, so wird man geneigt
sein, zwar nicht Η und R, wohl aber ihre Grundschrift eher in
die 1. als 2. Hälfte des 3. Jahrhunderts zu rticken.
Es sei darauf nicht weiter Gewicht gelegt, daß die Klemen-
tinen, wie das folgende Kapitel zeigen wird, Quellenschriften
benutzt haben, die in ihrer ürgestalt bis in die 1. Hälfte, in ihrer
Überarbeitung in die 2. Hälfte des 2. Jahrhunderts zurückreichen.
Bedeutungsvoller ist die Art und Weise, Λvie die Stellen
aus dem N. T. zitiert werden. Ziehen wir auch in Betracht, daß
viele der teils unkanonischen, teils vom Kanon stark abweichen-
den Schriftstellen jenen älteren Quellenschriften zuzuweisen sind,
welche der Verfasser des Klemensromanes benutzt hat, so bleibt
doch noch eine große Anzahl von Schriftstellen übrig, welche
uns in eine Zeit weist, wo die Kanonbildung noch stark im
Flusse und der Text noch wenig fixiert war, wie das 3. Kapitel
im einzelnen zeigen wird. Viele Schriften des Kanon, wie das
Evangelium Johannis, die paulinischen und katholischen Briefe,
sind nur sehr spärlich benutzt und dazu sie, wie auch die synop-
tischen Evangelienzitate, in einem Text zitiert, der fast nie mit
dem kanonischen übereinstimmt. Haben wir nun mit unserm
Nachweis Recht, daß die Grundschrift des Klemensromans in
katholischen Kreisen der römischen Kirche entstanden sei. dann
können wir ihre Schriftzitate nur iu der 1. Hälfte_ des_3 ^Jahr -
hunderts erklärlich finden und müssen daher sie selbst in diese
Zeit versetzen.
Dahin λυ eisen aber noch andere Anzeichen: das Heidentum
wenn es auch an Boden verloren hat, herrscht noch uneinge-
schränkt. Christen befinden sich iv φνλακαΐς^ wo sie von ihren
Mitchristen besucht werden müssen Ep. Cl. V), cf. Η 3 6o. Sie sind
noch διωκόμενοι (Ep. Cl. 15), und die heidnischen Gesetze ver-
bieten es noch, heidnische Götzenbilder für profane Zwecke zu
gebrauchen, Η 10 8. Überhaupt, es ist noch nötig und ein Haupt-
zweck des Buches, den Kampf gegen das Heidentum, gegen den
Dämonenglauben der Massen, Avie gegen die Philosophie der Ge-
bildeten zu führen. —
Noch weiter zurück führen uns die religiösen, dogmatischen
und kirchlichen Zustände, die unsere Grundschrift voraussetzt,
indem sie uns erst dann recht verständlich werden, wenn >vir sie
Ι, 7. Die lleimat und Eutstehungszeit der Grundschnft. 7'^
auf dem Hintergrund der Zeitverliältnisse um die Wende des
1. und 2. Viertels des 3. Jahrhunderts in Rom betrachten.
Schon zur Zeit des Heliogabalus (218 — 222) war das Interesse
au religiös-philosophischen Fragen in den vornehmen und dem
Hof nahestehenden Kreisen erwacht und besonders in den Zirkeln
der edlen Mammäa, der Mutter des nachfolgenden Kaisers Alex-
ander Severus und der Gönnerin des ürigenes, gepflegt worden.
Wie mit den asiatischen (syrisch-samaritanischen) Religionen, so
beschäftigte man sich auch mit der jüdischen und christlichen.
Und Heliogabalus konnte auf Grund dieser allgemeinen religiösen
Disposition es wagen, eine neue Staatsreligion einzuführen, deren
Spkretismus auch auf jüdisch-christliche Lehren Rücksicht nahmt
War aber der Synkretismus diesem Kaiser nur Sache der
Politik bezw. despotischer Willkür, so wurde er dem edlen, men-
schenfreundlichen und religiös warmherzigen Alexander Severus
(222—235) Sache seiner innersten persönlichen Überzeugung.
Üeshalb stellte er neben Orpheus, Abraham. ApoUonius von Tyanu
iiuch Christus in seinem Lararium auf, dem er auch in Rom
tiinen Tempel errichten, den er sogar unter die Götter aufnehmen
^volltei.
Neben dem reinen Monotheismus — wollte er doch sogar
^iuen bildlosen Gottesdienst einzuführen, wenn er nicht daran
durch die Vorstellungen seiner Ho fbeamten zurückgehalten worden
^väre, es würden dann alle Christen Λverden — war es die christ-
liche Ethik, die ihn besonders anzog. Und das AVort Christi
Mt 7 12, das er von Christen gehört hatte, führte er nicht nur
Selbst oft im Mund, sondern ließ es auch an seinem Palaste und
andern öflfentlichen Gebäuden anschlagen^.
Hatte die christliche Gemeinde in Rom nun schon früher
Hofbeamte sowie Römer von vornehmer Abkunft und edler Ge-
sinnung zu ihren Mitgliedern gehabt^, sollte sie nicht unter
diesem aufgeklärten Kaiser, der den Kaiserkult verbot und die
christliche Religion duldete \ hoflen dürfen, auch Mitglieder des
1) Lampridius, Alex. Severus in Scriptores historiae augustae, L•i[)?.
IbJS-l, c. 2<J. c. 4:{.
2) Lampridius 1. c. c. 43 p. 1*81; c. Ol p. J87.
3) Vgl. Eus. h. e. V. 21. 1, sowie die Katakombeniiischriilen, auch
Harnack, Die Mission, Leipzig liXL*, :575. 378. 38ό.
4} Lampridius 1. c. c. 18 p. 200; c. JJ p. 2Im.
74 Waitz, Die Pseudoklementinen.
kaiserlichen Hauses selber, vielleicht den Sohn der Manunäa
Alexander Severus selber zu gewinnen? Lebten doch an seinem
Hof viele Christen ^ Wie aber konnte man dies geschickter an-
fangen, als mdem man die Bekehrung des Anverwandten eines
kaiserlichen Hauses^ durch den Vorfahren des römischen Bischofs
darstellte, wie es im Klemensroman geschieht'? Dazu war aber
nötig, mit allen Mitteln der Bildung wie sie jene Zeit bot, den
jüdisch-christlich-philosophischen Monotheismus gegen jeden heid-
nischen Glauben zu rechtfertigen und vor allem die edle Mensch-
lichkeit der christlichen Ethik hervorzuheben.
Deshalb versäumte man es nicht, gerade jenen Ausspruch
Christi Mt. 7 12, cf Lc. 631 wiederholt hervorzuheben (H 7 4,
II4, 12π2) und ihn als ϋ^εον νόμος και προφητών und της
άληϋ-ύας όιόαοχαλία [II 12:$2) anzupreisen: „AVas ein jeder für
sich will, das soll er auch für den andern wollen"^. Und war
es nicht eine entgegenkommende Verneigung nach oben, wenn
man einerseits von der kaiserlichen Monarchie auf die göttliche
Monarchie exemplißzierte ^H 921 [zweimal], JOu.is, 11 9), ander-
iseits von einem aufgeklärten Kaiser wie Alexander die Bestra-
fung von Magiern erwartete (H 20i.j. 14')? Wollte man aber am
kaiserlichen Hofe Kingang finden, dann mußte man der synkre-
tistischen Strömung entgegenkommen. Und sind nicht gerade in
der klementinischen Schrift synkretistische Elemente, jüdische
Avie syrisch-gnostische, stark vertreten?
Dazu l)edurfte es aber daniiils gar keines bewußten Verzicht«
auf den eignen religiösen, christlichen Standpunkt; hatte doch
vielmehr der Synkretismus in der christlichen Gemeinde Rom
selbst Eingang gefunden. Wie uns Hippolyt in den Philoso-
phumeua IX 13 erzählt, kam damals ein gewisser Alcibiades aus
Apamea in Syrien nach Rom (220— 230\ um dort für die jüdisch-
christlich-syrischen Lehren eines Buches Propagiinda zu machen,
das er von den Seren in Parthien durch einen gewissen Elkesai
empfangen haben wollte. Nun finden wir, wie im folgenden
Kapitel gezeigt werden wird, die Lehren dieses Buches Elkesai
mit wenigen Ausnahmen z. Ϊ. würtlich in den Klementinen
wieder und zwar da, wo ein Buch mit judenchristlicher, dem
1) Kuseb. b. e. VT. "JS. 2) Η 12 8f. 1 1 ß. 10. 'JO 13.
ί, Cf. bei Lampridius c. .")!: „Quod tibi fieri non vis, alten ne feceri^".
Ι, 8. Der historische Wert der Grundschrift. 75
Buch Elkesai verwandter Lehranschauung benutzt worden ist. Es
leuchtet ein, wie der katholische Verfasser des Klemensromanes
zu diesen eigenartigen judenchristlichen Anschauungen gekommen
ist. λ^οη dem Schwindel des synkretistischen Zeitgeistes ergriffen,
hat er um so lieber sie sich zu eigen gemacht, ohne jedoch
mnen selber seine katholische Überzeugung zu opfern, als er
damit auf den Beifall der \Ornehmen Kreise rechnen konnte, ft\r
die er schrieb.
Mag daher auch später noch z. B. unter Philippus Arabs
.244—249) und Valerian r253— 260) sowohl die allgemeine Dis-
position für das Christentum als auch die Neigung zum Syn-
kretismus in Rom, insbesondere am römischen Kaiserhof, dieselbe
gewesen sein, wie unter Alexander Severus, nichts erklärt doch
so sehr die Entstehung der klementinischen Schrift, als gerade
dies Zusammentreffen des Synkretismus am römischen Hof mit
dem Auftreten des Elkesaitismus in der römischen Gemeinde zur
Zeit des Alexander Severus (220—230).
Damit stimmt aber der gesamte übrige, literarische wie
historische Befund liberein, und wir dürfen als Ergebnis unsrer
Cotersuchung annehmen, dal.N die Grundschrift des Klemens-
ronians (samt Ep. Cl.) in der Zeit zwischen 220 und 230 in
R om ents tand en is t
8. Der historische Wert der Grundschrift.
Steht die Zeitbestimmung fest, welche wir gefunden haben,
80 ergibt sich daraus, daß der historische Wert des Klemens-
romans nur sehr gering ist Mag auch der Schreiber den Stoff
zu seinem Roman jener historischen Tradition entnommen haben,
wonach ein Anverwandter des kaiserlichen Hauses, ein Konsul
Daraens Flavius Klemens, der unter Doniitian hingerichtet wurde,
ein Freund der Christen bezw. ein Christ war, sowie jener ander-
weitigen Tradition, wonach ein Klemens römischer Bischof war^,
so hat er, der erst zwischen 220 — 230 schrieb, auf Grund ge-
schichtlicher Überlieferung über diese beiden Männer, die den
Namen Klemens führten, nicht mehr wissen können, als Irenaus
und Eusebius (h. e. 111, 18 4). Ist er vielmehr hinsichtlich seiner ge-
schichtlichen Treue schon dadurch sehr verdächtig, daß er jenen
Anverwandten des fla vischen Kaiserhauses, den Zeitgenossen
1 , Vgl. ühlhorn, Clemens von Rom in Herzog, RE.^ IV, Kioft".
76 Waitz, Die Pseudoklementinea.
Domitians, zu einem Zeitgenossen des Tiberius machte, so ist er
in der merkwürdigen Familiengeschichte seines Helden völlig
romanhaft. Ist er anderseits einer Geschieh tsfalschung darin über-
fahrt worden, daß er jenen andern Klemens zum ersten Nach-
folger des Petrus als Bischof von Rom gemacht hat, so wird
er auch der Identifizierung des römischen Konsuls und des rö-
mischen Bischofs für schuldig befunden werden dürfen. Können,
wie oben dargelegt, aus der Zeit des Verfassers und der Tendenz
seiner Schrift die Motive begreiflich gemacht werden, die eine
solche Identifizierung nahe legen, so wird sie um so sicherer als
eine absichtliche Umdichtung, um nicht zu sagen Fälschung, der
historischen Wahrheit gelten können, als sonst gewichtige Gründe
gegen die Identifizierung der beiden Träger des Namens Klemens
sprechen Κ
Auch für die Entstehung der katholischen Kirchen Verfassung
ist die kleraentinische Grundschrift, wenn sie im ersten Viertel
des 3. Jahrhunderts entstanden ist, nicht von derjenigen Bedeutung»
welche man ihr beigelegt hat.
Beruht, wie dargelegt, die Kirchenverfassung, wie sie sich
nach der Ep. Cl. darstellt, wesentlich auf dem Indulgenz- Edikt
Kallists bezw. auf den kirchlichen Verhältnissen, wie sie sich
zur Zeit Kallists in Rom entwickelt hatten, dann ist sie weder,
wie Baur wollte, das häretische Urbild, noch wie Rothe meinte,
das häretische Nachbild der katholischen Kirchen Verfassung,
noch auch, Λvie Langen will, das älteste — gefälschte — Denk-
mal des römischen Primats. Immerhin ist die Schrift insofern
von bleibender Bedeutung für diese Frage, als sie zeigt, wie
stark sich die katholische Kirchenverfassung bereits im Anfang
1) Auch für die Lebeusgeschichte des Petrus ergibt sich aus dem
Klemensroman nicht mehr, als daß um Anfang des .{. Jahrhunderts fol-
gendes als historisch angenommen wurde:
1. Petrus hat auch, ja besonders unter Heiden als Apostel gewirkt.
•J. Sein Missionsgebiet ist besonders ιΓ^ς Ovoeojg το ακοιεινύτίρον tor
κόαμον μέρος (Ep. Cl. 1) gewesen.
':). Er hat in Rom seine Katbedra gehabt (Ep. Cl. 2<.
4. Er ist in Rom gestorben. Das stimmt aber mit dem, was wir aus
gleichzeitigen oder früheren Zeugnissen auch sonst über Petrus wissen.
Vgl. ad 1) den 1. Brief des Petrus; ad J; Iren. adv. haer. lli, ';); Ignatius
ad Rom. 4 3: ad 3) die röm. liischofslisten ; ad 1) 1 Clem. ü2rt". ; Gajus bei
Eus. h. e. II, Jj?, sowie die Petrusakten.
II, 1. Einleitung: Das Problem. 77
des 3. Jahrbunderts in Rom konsolidiert hatte. Zugleich liefert
ae einen nicht unwichtigen Beitrag zu der Geschichte der ßuß-
diszipUn in der römischen Kirche.
Nicht minder wertvoll bleibt sie als eine charakteristische
Urkunde für die religiösen Stimmungen und Vorstellungen, wie
sie in dem synkretistischen Zeitalter der syrischen Kaiser des
3. Jahrhunderts in den gebildeten Kreisen des heidnischen und
des christlichen Rom herrschten. Beweist sie doch insbesondere,
welchen Einfluß damals die „Welt" auf das Christentum und
das Christentum auf die Welt gehabt hat Sollte das Christen-
tum die Universalreligion der alten Welt werden, in der man die
vollkommene ΛVahrheit über die Welt, den Menschen und die
Gottheit als höchstes Heilsgut besitzt, dann mußte es die Wahr-
heitsraomente der bestehenden Religionen (und Philosophien) in
sich aufnehmen, dafür aber z. T. wenigstens preisgeben, was es
an eigenartigem Geistesleben durch Jesus empfangen hatte. So
bleibt der Klemensroman ein bedeutsames Zeugnis für jenen
Prozeß der Verweltlichung, den das Christentum als Kirche wie
als Religion durchzumachen hatte, als es die Welt sich geistig
zu erobern versuchte.
Welche Bedeutung er für die Geschichte des Judenchristen-
tums, der Häresie, sowie des neutestamentlichen Kanons hat,
wird der nachfolgenden Untersuchung überlassen bleiben. £rst
dann wird auch das literarische Problem völlig zu lösen sein,
das die verschiedenen Redaktionen der Grundschrift, Η (Ε) und
R stellen.
Zweites Kapitel.
Die öuellen der Klemeiitinen bezw. ihrer Grandschrift.
Einleitung: Das Problem.
Von allen denen, die sich damit befaßt haben, den Charakter
der klementinischen Schriften zu bestimmen, ist einstimmig der
Widerspruch hervorgehoben worden, in dem sie sich (und zwar
aowohl H, als auch R und auch Ε jedes für sich betrachtet)
zu sich selber befinden. (Vgl. Neander a. a. 0., Baur, Gnosis
326, Schliemann a. a. 0. 145. Hilgenfeld a. a. 0. 190. 230. 246.
250. 252. 253. Uhlhom a. a. 0. 223. 255. Lehmann a. a. 0. 104 ff.
78 Waitz, Die PseudoklenieDtinen.
Langen a. a. 0. 57.) Baur hat ihn auf die Formel gebracht: „Es
lassen sich zwei verschiedene Elemente unterscheiden, um deren
Ausgleichung es sich handelt, das rein jüdische oder ethische
und das gnostische oder metaphysische". G fror er dagegen
( Jahrh. des Heils I 333 nach Schliemann a. a. 0. 1 47, Anm. 4)
hat hier nichts als „tolle Einfälle" gesehen, „ebenso klar und
verständlich, als Λvenn jemand sagte, ein Zinnteller ist ein aus
lauterem Silber verfertigtes Trinkglas". Sc hliema nn hat sich über
dies Urteil ereifert und es eines Geschichtsforschers für würdiger
gehalten, „den inneren Zusammenhang der Lehren eines be-
stimmten Systems zu ergründen''. Demgemäß hat U hlho rn im
Anschluß an Baur und Schliemann den in sich geschlossenen
LehrbegriflFderHomilien zu konstruieren versucht^ dessen physLsch-
metaphysisches, praktisch-philosophisches, katholisch-gnostisches
System allerdings mehr wie ein toller Einfall, als wie vernünftige
Theologie aussieht.
Es leuchtet ein, daß durch derartige Harmonisierungsver-
suche der wirre Knäuel von Ideen und Anschauungen, wie sie
in den Klementinen vorhanden sind, nicht auseinander gewickelt,,
sondern nur noch mehr verwirrt wird. Dazu bedarf es vielmehr
einer einschneidenden quellenkritischen Untersuchung, welche so-
weit als möglich die einzelnen Fäden bloßzulegen, in ihrer inneren
Verbindung aufzuzeigen und bis zu ihren Anfängen zurückzu-
führen hat. Vor allen von Hilgenfeld in Angriff genommen, im
einzelnen auch von andern weiter geführt, hat sie doch bisher
noch nicht das Ergebnis gehabt, daß man nur einigermaßen zur
Klarheit über die Klementinen gekommen wäre. So muß sie
von neuem aufgegriffen werden. Hat uns die vergleichende Unter-
suchung der Klementinen auf ihre Grundschrift geführt und da-
mit den Weg gebahnt, um an das literarische Problem heran-
zukommen, so wird die quellenkritische Untersuchung, mit der
wir jetzt beginnen, der Schlüssel sein, um es zu lösen.
I. Die Κ^η{)νγμ α ι α Πίτρον.
1. Der Brief des Petrus an Jakobus und die dazu gehörige
sogen, όιαμαρτνρία als Ausgangspunkt der Untersuchung.
Wie der Brief des Klemens an Jakobus für die Erkenntnis
der Grundschrift der klementinischen Literatur, so ist der Brief
II, 1. Der Brief des Petrus an Jakobus usw. 79.
des Petrus an Jakobus (Ep. Petr.) mit der dazugehörigen όια-
jiagrvQla oder Contestatio (Cont.) für die Untersuchung ihrer
Quellen von Wichtigkeit.
Wie nämlich der Brief des Klemens die Einleitung zu einer
klementinischen Schrift bildet, die ein Auszug aus den bereits
früher übersandten Kerygmen des Petrus sein will, so ist der
Brief des Petrus die Einleitung zu einer petrinischen Schrift,
eben zu diesen Κηρύγματα Πέτρον {Κ. Π.) selbst.
Oifenbar besteht zwischen beiden Briefen ein innerer, z. T.
wortlicher Zusammenhang und zwar derart, daß Ep. Cl. die Ep.
Petr. voraussetzt'. Dabei weichen beide in vielen Beziehungen
von einander ab:
Ist die klementinische Schrift, auf die sich Ep. Cl. bezieht
(Κίψεντος των Πέτρου Ιπιδημιων κηρυγμάτων ίτητομτι)^ für
die Öffentlichkeit bestimmt, so soll die petrinische Schrift {των
nhQov κηρυγμάτων βίβλοι Ep. Petr. 1. 2. 3. Cont. c. 1.2. 3. 4)
geheim gehalten und zur Bewahrung der Kinheit in der Lehre,
wie einst von Moses der Schriftkanon den 70 Nachfolgern auf
i^einem Stuhle, nur solchen überliefert werden, welche sich dazu
verpflichten (Ep. Petr. 1. 2. Cont.). Als Hüter dieser Gelieiratra-
ditioD erscheinen dann in der Contestatio die von Jakobus zu-
sammenberufenen Presbyter, denen Jakobus diese Verpflichtung
auferlegt, indem er zugleich bestimmt, daß sie die Kerygmen
nur solchen weiter überliefern dürfen, die nach mindestens Üjäh-
riger Probezeit dazu für würdig befunden sind und sich ver-
bindlich gemacht haben (Cont. l — 5). Hat die klementinische
Schrift, ihrer Fiktion nach von einem HeidenQhr.isten geschrieben,
der (Ep. Cl. 3) als απαρχή των iihrcuv hervorgehoben wird,
1; Man vergleiche die Überscbriften
Ep. dem. Ep. Petr.
Κλήμ/^ς ^laxio^iip το) κνρίω και ΙΙέτρο;; Ίακώβω τΟ) κν()ίν) και
^Άίακόηων imaxOTtoj, ÖLtnovxL dh ι ιπιακυτιο) τΐ}ς αγίας ^κκλ^αία^
ti^v Ιβρονοαλήμ^ αγίαν ^Εβραίων , rnro τον τιον ο?.ωΐ' τιατρος δια *///-
ίζκκλί^οίαν καΐ τάς ηανταχή ϋ•ίθϋ οον X^uOTor ειοήνη tifj πάντοτε.
ηροΐ'Οίπ ίόρνθΈίαας καλώς f σνν τ ε
.Ίρεσβυτεροις καΐ διακόνους καΐ τοις
λοίΤΐοΐς ατιααιν άδελφοΐς, είρι'^νη
€ΐη πάντοτε.
In Ep. Clem. c. 2 und 17 werden die Christen gerade wie in Cont. 5•
αδελφοί καΐ οννδονλοι angeredet.
so Waitz, Die Pseudoklementinen.
heidenchristlichen Charakter, so darf die petrinische nach Ep. Petr.
-^μηδενΐ των ajto των ίϋ^νών anvertraut werden, sondern nur
einem Staramesgenossen, d. i. nach Cont. 1 einem beschnittenen
Gläubigen, ist also ausgesprochen judaistisch. Ist die klemen-
tinische Schrift nur ein Keferat über die Predigten des Pe-
trus, so hat die petrinische eine direkt polemische, judaistische
j Tendenz. Sie stellt das νόμιμο ν κήρυγμα des Petrus der ävo-
'//ος διδαύχαλία τον έχϋ^ρον άνθρωπου gegenüber (Ep. Petr. 2)
und soll die Fälschungen und Auslegungen bekämpfen, die
τίνες των άπο ίθ-νών zu der petrinischen Verkündigung ύς
την τον νόμον κατάλνύιν gemacht haben (Ep. Petr. 2. 3.
Cont. 5).
Auch in Einzelheiten weichen beide Briefe so von einander
ab, daß sie im Gegensatz zu einander stehen. Sieht der Verfasser
der Ep. Cl. das Schwirren für erlaubt an (Ep. Cl. 10), so ist es
nach Conti verboten {όρχίοαι.,μή εξεατιν). An seine Stelle
tritt das ί^ιιμαρτνρεοϋαι, das unter Anrufung der 4 Elemente
als Zeugen sowie unterSelbstverwünschungen geschieht und durch
gemeinschaftlichen Genuß von Brot und Salz bekräftigt wird. Er-
scheint Jakobus nach Ep. Cl. als Oberbischof, der neben der
jerusaleraischen alle andern Kirchen leitet, so ist er nach Ep.
Petr. einfach ijriöxojrog της αγίας ίκχληύίας. Steht nach Ep. Cl.
neben dem Bischof . ein nach Rangstufen gegliederter Klerus
(Presbyter und Diakonen), so kennt Ep. Petr. nur Presbyter
neben dem Bischof.
Es ist klar: Beide Briefe können nicht einen Verfasser
haben. Doch hat der Verfasser des klementinischen Briefes den
petrinischen nicht nur gekannt, sondern auch als Grundlage für
seinen Brief benutzt. Gehört aber der klementinische Brief als
Einleitung zur klementinischen Grundschrift, dann kann der
petrinische nicht dazu gehören, sondern nur zu einer petrinischen
Schrift, Kerygmen Petri (A'. //.) genannt, auf Grund deren der
Verfasser des klementinischen Briefs seine Epitome der Kerygmen
Petri verfertigt hat. --
Wie aus dem Vergleich zwischen Ep. Cl. und Ep. Petr., so
ergibt sich dasselbe Resultat, wenn wir nun das Verhältnis
der Ep. Petr. (nebst Cont.) zu der klementinischen Schrift (H
und R) untersuchen.
Nach den Codices gehört der Brief mit Anhängsel zu Η
11, 1. Der Brief des Petrus an Jakobus usw. gl
und ist auch von Schliemann * und Uhlhom- dahin gewiesen
worden.
Manches spricht auch für diese Zusammenstellung mit(H^)-^
Um davon nicht weiter zu reden, daß er, wie auch Ep. GL, sich
an die Adresse des Jakobus richtet (Ep. Petr. 1; Η 1 20. 11 2«;
Rinscr.), so beruht er auf Anschauungen, die sich auch in Η
wiederfinden. Wie Ep. Petr. (2), so tritt auch Η (3δΐ) fttr die
bleibende Gültigkeit des mosaischen Gesetzes ein. Dabei beruft
sich auch Η 3δΐ wie Ep. Petr. 2 auf Mt. 5i8, welche Schriftstelle -^
von beiden im Wortlaut untereinander völlig übereinstimmend
und vom kanonischen Text abweichend zitiert wird. Wie Ep.
Petr. im judaistischen Interesse den feindseligen Menschen be- ^
kämpft, der im antinomistischen Sinn gegen Petrus arbeitet,
ebenso Η 17jl9 den αντικείμενος (vgl. R I70 inimicus homo).
Also auch Η scheint eine antinomistisch-judaistische Tendenz zu
haben. Wie Ep. Petr. (1. 2) redet auch Η (238. lU?) von der Ge- -
beimtradition, die Moses seinen Amtsnachfolgern, den 70, hinter-
lassen hat^. Und wenn Ep. Petr. 2 als deren Aufgabe bezeichnet, '
ίνα και τονς βονλομένονς το της διδαΰχαλίας άναδέξααΟ^αι μέρος
^οδιάζειν έφοδιάζωύιν, so stimmt dies wörtlich mit Η 2 38 προς
το χαΐ αντονς έφοδιάζειν τον λαον τονς βονλομενονς. Wie in
Ep. Petr. die Kerygmen des Petrus, so werden in Η öfters auch -
Ausführungen des Petrus als solche bezeichnet, die nicht .für die
Öffentlichkeit bestimmt sind (2*9. Sio. J4). Dazu kommen Überein-
stimmungen in Gedankenkreis und Sprachgebrauch. Wie Ep. Petr.
(1 cf. Cont. 4. 5) redet auch Η vornehmlich von der μοναρχία Gottes-
(3 3. 9. 10. 59. 61 f. 9 2. 10 11. 12. 15. 16 1) und αιώνιος χολαύις (Η 228. -
36.37 u. ö.). Hier wie dort wird Gott 6 των όλων πατήρ, ο νπερ^
τα ολα ϋ-εός genannt (vgl. Ep. Petr. inscr. Cont. 4. 5. Η lio. 242.43.
341. 11 24 u. ö.). Beide gebrauchen von den Gläubigen den Aus- -
druck ούιος (Cont. 4; Η 242. 3 e). Beide verwerfen — Η unter Be- -
rufung auf Mt. 537 — den Eid (Cont. 1. Η 355).
Weniger spricht fttr die Zusammenstellung der Ep. Petr.
mitoftPfür die, abgesehen von dem, was eben schon erwähnt
1) a. a, 0. 72 ff.
'J) a. a. ü. 90ff. 108.
H) Vgl. noch Η 3 18. 184, R 1 24. 74. 2 45.55. :>3o. 1042.
Texte α. Unteraachnngen. N. F. X, 4. (i
- )
g2 Waitz, Die Pseudoklementinen.
worden ist, ins Feld geführt werden kann, daß Photius sie als
Einleitung zu R gelesen hat^.
Soviel aber für eine literarische Verwandtschaft zwischen
Ep. Petr. und Η (bezw. R) spricht, soviel auch dagegen. Wenn
freilich Hilgenfeld in TheoL Jahrbüchern (a, a. 0. 492) einen
Widerspruch zwischen Ep. Petr. 1, wonach es Aufgabe der jüdi-
schen Gesetzeslehrer war, T«c τώρ προφητών πολναήμονς φωνά^
in Einklang zu bringen, und zwischen Η 353, wonach es Aufgabe
Jesu war, πεπλανημένους έλέγξαι τους προφητας, also in der
beiderseitigen Auffassung der alttestamentlichen Propheten zu
finden meint, so ist dazu zu bemerken, 1. daß diese verschiedene
Aufgabe der jüdischen Gesetzeslehrer und Jesu an und für sich
nichts widersprechendes hat, da eben beide verschieden sind,
2. daß wie für H, so auch für Ep. Petr. wesentlich nur das
Gesetz Moses bezw. Christi in Betracht kommt, und nicht die
Propheten (c. 1. 2.: ο τον ϋ-εοΰ νόμος ό δια Μωί}ύέως ^ηϋ-είς χαΐ
νπο του χνρίου μαρτυρη&είς) , 3. daß in Η nicht überhaupt die
Propheten verworfen werden (vgl Η 250.52, 344.47.49.53), die Η 3:i
geradezu ausdrücklich Anerkennung finden, sondern nur ai εν
γεννητοίς γυναικών προφητεΐαι^ die weiblichen, d. i. nach der
Lehre der Homilien die falschen Propheten, also nicht die männ-
lichen {άρύενίχή), d. i. die echten (vgl, Η 3 23 f. 26.27), 4. daß auch Ep.
Petr. eine Verschiedenheit der Propheten kennt, da ja gerade dies
die Aufgabe der Gesetzeslehrer ist, τα τών γραφών άούμφο^να
und τας τών προφητών πολνοήμους φωνάς nach dem Kanon
der Überlieferung in Einklang zu bringen. Die Hilgenfeldsche
Behauptung ist also zurückzuweisen.
Dagegen sind sonst Ep. Petr. und Η (bezw. R) nicht zu ver-
einen. So wird in Ep. Petr. Klemens nicht erwähnt, während Η
und R ohne Klemens nicht zu denken sind. So wird in Ep. Petr.
bezw. Cont. von der petrinischen Schrift nur als von Kerygmen
Petri geredet, in Η bezw. R dagegen von Homilien und Akten
Petri (H 1 20, R 1 17). Nach Ep. Petr. ist sie eine Geheimschrift,
die nur den Lehrern bezw. denen, die es werden wollen, in die
Hand gegeben werden darf; dagegen kann Η (und R), wenn
auch hier von Geheimlehren die Rede ist, im ganzen niemals
l) Photius, bibl. cod. 112. lllj; Uilgenfeld a. a. O. 27 f.; Uhlhorn
a. a. 0. lOÜ f. ; Lehmann a. a. 0, 48 ff.
π, 1. Der Brief des Petrus an Jakobus usw. 83
als solch eine Geheimschrift betrachtet werden, da Η doch neben
dem Elemensroman zumeist Reden des Petrus enthält, die in
aller Öffentlichkeit gehalten worden sind. Wenn außerdem Ep.
Petr. 1 die jüdische Abstammung, Cont. 1 die Beschneidung
zur Bedingung für die Mitteilung der Geheimschrift macht, so
erklart Η nicht nur ausdrücklich die jüdische oder heidnische
Abstammung für durchaus gleichgültig in Glaubensangelegen-
heiten (H llie), sondern läßt auch ebenso ausdrücklich die Ge-
heimlehre dem unbeschnittenen, ja noch nicht getauften Klemens
mitteilen (H^9.4i).
Dazu kommen endlich dieselben Widersprüche, die sich zwi- ι
sehen Ep. Petr. und Ep. Cl. gefunden haben. ^ f
In Anbetracht dessen ist es unmöglich, den Brief des Petrus
mit der Contestatio dem Verfasser von Η zuzuweisen; dann aber
auch nicht dem Autor von II oder E; hier sind die Lehrdiffe-
renzen mit Ep. Petr. nur noch größer, weshalb diese Hypothese
keinen nennenswerten Vertreter gefunden hat'.
Wie ist aber dann das Verhältnis dieser Schriften zu Η
bezw. R und Ε zu erklären? Von der Überzeugung getragen,
daß zwischen ihnen und der klementinischen Literatur „eine un-
überbrückbare Kluft" bestehe, nahm Langen (a. a. 0. 3 ff.) an^
daß sie in gar keiner Beziehung zu einander stünden. Viel-
mehr seien sie schon gegen das Ende des 1. oder im Anfang
dee 2. Jahrhunderts in judaistischen Kreisen entstanden; die
darin erwähnten Kerygmen Petri hätten aber überhaupt nicht
existiert, da sie ja als Geheimschrift nicht veröffentlicht werden
durften, über letzteren Punkt hatten sich schon Schliemann
a. a. 0. 263 ff. und ühlhqrn ähnlich geäußert, indem auch sie an-
nahmen, daß der Verfasser der Ep. Petr. (= Verfasser von Η
nach Uhlhom) eine petrihische Geheimschrift, die in Wirklich-
keit nie existiert habe, nur vorgebe, um sein Buch (H) zu einem
Auszug daraus zu stempeln und so sein Ansehen zu erhöhen.
Aber mit Recht wandte Lehfflann- dagegen ein, daß eine derartige
Fiktion eine Raffiniertheit voraussetze, die man einer Zeit nicht
zutrauen dürfe, wo man ruhig in der naivsten Weise fälschen
konnte. Sind doch die Klementinen selber dafür ein schlagender
Beweis, wie man Machwerke des 3. Jahrhunders zu halba])osto-
1; Vgl. Lehmann a. a. 0. ./J ß'. 2) a. a. 0. ')i\t'.
^4 WaitZ; Die Pseudoklementinen.
lischen Schriften gestempelt hat. Überdies spricht der oben
S. 81 nachgewiesene, tatsächliche, literarische, sich bis auf gleich
lautende Schriftzitate und Ausdrücke erstreckende Zusammenhang
gegen die Langensche Erklärung, die also unhaltbar ist
So bleibt nur der eine Ausweg übrig, den Brief des Petrus
und die Contestatio zwar nicht Η (R), sondern einer Quellen-
schrift zuzuweisen, die in Η (ß) von dem Verfasser der Kle-
mentinen verwoben worden ist Sie kann mit Klemens in keiner
Beziehung gestanden haben, also auch nicht E, noch auch die
von uns nachgewiesene klementinische Grundschrift gewesen
sein. Sie kann nur eine petrinische, bezw. pseudopetrinische
Schrift gewesen sein, deren Inhalt Predigten des Petrus waren.
Sie muß einen ausgesprochen judaistischen Charakter und
eine ebensolche polemische Tendenz gehabt und überhaupt
sich mit den Lehranschauungen gedeckt haben, die wir in Ep.
Petr. bezw. Cont gefunden haben. Sie muß in denjenigen Ab-
schnitten von Η und R enthalten sein, in denen Parallelen zu
Ep. Petr. und Cont. nachgewiesen sind. So weist uns der pe-
trinische Brief auf eine Quellenschrift der Kiemen tinen, in der
die Kerygmen Petri {K, Π.) wiederzuerkennen sind.
2. Der Nachweis der Kerygmen in den übrigen klementinischen
Schriften.
Auch der Brief des Klemens an Jakobus deutet auf eine
petrinische Quellenschrift hin. Am Schluß spricht nämlich
Klemens davon , daß schon vor der Niederschrift seines
Werkes die von Petrus gehaltenen Reden auch von ihm
niedergeschrieben und an Jakobus abgesandt worden seien
(Ep. Cl. 20). „Daraus ergibt sich", wie Hilgenfeld mit Recht
sagt, „mit Evidenz, daß der Verfasser des Briefes . . . sein Werk
auf der Grundlage eines älteren Werkes verfaßte"^. Wird
nun dieses Werk als eine Sammlung der von Petrus gehaltenen,
niedergeschriebenen und an Jakobus tibersandten Reden des
Petrus charakterisiert, so wird es, auch wenn es, statt χηρνγ-
ματα, λόγοι betitelt ist, eben als jene Quellenschrift K. Π. zu
betrachten sein, deren Einleitung die Ep. Petr. ad Jac. war. Daß
es ein größeres Werk war, scheint aus der Bemerkung des Kle-
2) a. a. 0. 3Γ).
II, 2. Der Nachweis der Eerygmeu in den übrigen klem. Schriften. S5
mens hervorzugehen, wonach seine eigne Schrift nur ein Aus-
zug daraus sei ^
Ahnlich kommt auch die klementinische Grundschrift an
einer allerdings sonst verderbten und unklaren Stelle (Hl 20 c£.
jiU?) ^ darauf zurück, daß Petrus Niederschriften seiner Beden
(hier ομιλίαι genannt) an Jakobus zu senden beauftragt worden
sei Es liegt nahe, hier auch an E, Π, zu denken. Wenn im
Zusammenhang damit ein Buch jusqI προφητον genannt wird,
das von Cäsarea an Jakobus gesandt worden sei, so wird es
Hl 20 als eine Niederschrift des Petrus, R I17 in Rufins Über-
setzung als eine Niederschrift des Elemens bezeichnet. Da nun
aber nirgends erzählt wird, daß Klemens schon früher Bücher
petrinischer Reden an Jakobus gesandt habe, so wird hier nicht
(nach R I17) er, sondern (nach Η l2o) Petrus als Übersender
dieses Buches jibqX προφήτου zu betrachten sein. Da überdies
sowohl nach Η als auch nach R Klemens erst jetzt im Zusammen-
hang seines Berichtes an Jakobus über das Buch περί προφψ
του Bericht erstattet, so kann er das nicht wohl schon früher
getan haben. Ist sonach die Darstellung in Η originaler alsi
die in R, bezw. in Rufins Übersetzung, die offensichtlich eine
Korrektur Rufins an dem hier verderbten Texte ist, so gehört
das Buch περί προφήτου zu den schon früher an Jakobus über-
sandten Reden des Petrus, d. h. zu K. Π. Da es als τόμος be-
zeichnet wird, so ist anzunehmen, daß die Κ Π. aus verschie-
denen τόμοι bestanden haben, also ein größeres Werk gewesen
sind, dessen erstes Buch eben das erwähnte περί προφι]-
τον war.
So setzen auch der Brief wie die Schrift des Klemens selbst
eine petrinische Quellenschrift (A'. /7.?) voraus.
Aber auch in R finden wir, abgesehen von R I17, noch
einen unzweideutigen Hinweis auf eine benutzte Quellenschrift
R 3 75 nämlich schreibt Klemens auffalligerweise, daß er dem
Jakobus schon früher 10 Bücher gesandt habe (Primus ergo
Über ex bis, quos prius misi [sc. Clemens] ad te [sc. Jacobum]
1) Noch deutlicher hebt Rufins Übersetzung es hervor, daß in dem
früher Übersandten Werke es vollständiger enthalten gewesen sei (plurima
et plenius ante descripta).
2) Vgl. dazu Hilgenfeld a. a. 0. :J7. Uhlhom a. a. 0. 101. Hilgenfeld
in Theol. Jahrbücher 1854, 493.
§5 Waitz, Die Pseudoklementinen.
continet de verbo prophetae), und giebt für jedes Buch den
Inhalt aufs genaueste an. Nun aber kann Klemens nach der
R (und auch H) zugrunde liegenden Fiktion überhaupt nicht
firüher dem Jakobus Bücher übersandt haben, da er doch erst
vor dem kürzlich erfolgten Tode des Petrus von diesem dazu
beauftragt worden ist und als erste Schrift eben seinen B.eise-
bericht (R bezw. H) dem Jakobus zukommen läßt; und nach Ep.
Cl. 20 sowie R I17, vgl. Η I20 (s. o.), hat er das auch nicht
früher getan, vielmehr Petrus. Dann aber kann es nach
R 375 nur Petrus und nicht Klemens gewesen sein, der früher
Bücher dem Jakobus sandte. Daher wird hier, ähnlich wie R 1 17,
statt der 1. Person (misi sc. Clemens) die 3. Person (misit sc.
Petrus) zu lesen und in dem gegenwärtigen Text eine Korrektur
des Abschreibers bezw. Übersetzers zu sehen sein, der ja auch
R 1 17 (vgl. Η 1 2o) in demselben Sinn korrigiert hatte. Aber
auch abgesehen davon, wie hier zu lesen ist, muß der Hinweis auf
ein Werk mit 10, ihrem Inhalt nach genau charakterisierten
Büchern nach jeder Richtung hin auffallen und den Verdacht
erwecken, als ob hier die Rekapitulation einer Quellenschrift
vorliege, die gerade bis R 375 benutzt worden ist.
Dodwell hat zuerst die Annahme ausgesprochen, daß diese
Quellenschrift nichts anderes als eben K. Π. sei, und H ilgenfel d
sie alsdann näher zu begründen versucht. Auch hat er gezeigt,
in wieweit diese Schrift in R 1 — 3 enthalten ist. Leh naann und
Lipsius haben diese Untersuchungen weitergeführt ^ Dem-
gegenüber hat (ühlhorn-fj diese ganze Inhaltsangabe R3 75 als
eine Fiktion hingestellt, die gemacht worden sei, um den eben-
falls fingierten Brief des Petrus zu decken.
I Ihm hat Jjangen^ beigestimmt, indem er zugleich darauf
Ihinwies, daß R 375 in den Leipziger Handschriften fehle. Waren
Uhlhorn und Langen bei ihren Ausstellungen an R 375 von dem
Interesse geleitet, R gegenüber Η bezw. Ε die Priorität abzu-
sprechen, so werden sie mit ihren eignen Aufstellungen den Tat-
sachen nicht gerecht; denn der handschriftliche Befund beweist
1; Hilgenfeld a. a. 0. 45— HO; vgl. auch Uhlhorn a. a. O. 851 if. Leh-
mann a. a. 0. 58—78. Lipsius in der Prot. KZ. ]S<iO, 177 ff. und derselbe,
Die Quellen der römischen Petrussage 14 tf.
2} a. a. 0. 10!». 3) a. a. 0. IBli Anm. 1.
ίΐ, 2. Der Nachweis der Kerygmen in den übrigen klem. Schriften. §7
doch, daß R 875 in fast allen Codices Yorhanden, in den Leipziger ^
Handschriften aber nur deshalb ausgefallen bezw. vorangestellt
war, weil der Schreiber der Ansicht war, die schon Randbe-
merkungen zu cod. R R. P. P. Carmelit. aussprachen, daß diese
Inhaltsübersicht sich auf die 10 BQcher von R beziehe. — Außer-
dem ist das ganze Kapitel selbst zu reich und eigenartig, als daß
es nachträglich auf Grund von Andeutungen in R 1 — 3 eingefügt
sein kann. Woher hätte z. B. ein späterer Kompilator die Inhalts-
angabe für das 10. Buch (de nativitate hominum camalium [codd.:
camali] et de generatione [regeneratione], quae est per baptis-
mom, et quae sit in hominc camalis seminis successio etc.) neh-
men sollen, da R sich darüber völlig ausschweigt?
Die Fiktionshypothese aber, die ja an und für sich ein sehr
Terzweifeiter Ausweg ist^, scheitert daran, daß in der Tat in
R l — 3 Ausführungen vorliegen, die sich mit der Inhaltsan- ^
gäbe R 3 ?:> durchaus decken, wie dies weiter unten gezeigt wer-
den wird.
Haben also Hilgenfeld und Lehmann mit ihrer Annahme
recht, indem sie in R 3 75 die Inhaltsangabe einer von ihnen
K. Π. genannten Quellenschrift erkannten, auf die Ep. Petr.
R li7 (cf. Η l2o) hinwiesen, so sind sie doch insofern zu einem
unrichtigen bezw. mangelhaften Ergebnis gelangt, als sie bei
ihren Rekonstruktionsversuchen nur auf R zurückgingen und
Η neben liegen ließen. Der Grund für diesen Fehler liegt zu
Tage: Sie sahen in R die Grundschrift, die in Η benutzt wor- —
den sei. Beruhen aber, wie in dem vorigen Kapitel gezeigt
worden ist, R und Η auf einer Grundschrift, die beide selb-
ständig benutzt haben, so wird aus ihr, d. h. aus Η und R, die
in R 375 angedeutete Quellenschrift zu rekonstruieren sein. Jener
methodische Fehler war aber geradezu verhängnisvoll, indem er
es unmöglich machte, ein vollständiges Bild der benutzten
Quellenschrift zu erhalten. Indem er vermieden wird, wird nicht
nur die Quellenschrift (Ä. /7.) in ihrem wesentlichen Umfang
erkannt und wiederhergestellt, sondern auch das Problem der
klementinischen Literatur, soweit als möglich, gelöst werden
können.
1) Vgl. dazu die obigen Ausführungen zu Ep. Petr. S. 8;{, sowie be-
sonders Lehmann a. a. 0. Gl ff.
38 Waitz, Die Pseudoklementinen.
3. Die Rekonstruktion der petrinischen Kerygmen bezw. ihre
antimarcionitischen Überarbeitung nach dem Inhaltsverzeichnis R3
auf Grund von R und H.
Ehe wir an die RekoDsiaruktion der K. /7. herangehen, habe
wir eine Vorbemerkung zu machen. Von den verschiedenste
Forschern auf dem Gebiete der klementinischen Schriften i
bereits erkannt worden, daß diese reichlich mit antimarcionit
scher Polemik durchsetzt sind. Sind nun hieran sowohl Η a
auch ß beteiligt und dazu an Stellen, welche bei beiden gleic
lauten, so maß schon, wie dies auch bereits im ersten Eapii
angedeutet worden ist, ihre gemeinsame Grundschrift diesen ant
marcionitischen Charakter gehabt haben. Betrachten wir ui
aber daraufhin diejenigen Abschnitte der Grundschrift, die di
literarische Eigentum des Verfassers des Klemensromanes sin
(s. o. S. 51 flF.), so finden wir darin auffalligerweise nicht die g«
ringste Spur davon. Jedenfalls ist es also nicht der Verfassi
des Klemensromanes gewesen, der diese antimarcionitische Pol
mik gefBhrt hat. Finden wir sie vielmehr nur in denjenige
Partien der Grundschrift, in denen, wie jetzt gezeigt werde
wird, eine Quellenschrift, petrinische Kerygmen, vorliegt, $
müssen wir sie eben diesen K. /7. zuweisen.
Nun aber tritt sie, wie in diesem § im einzelnen ausg
führt wird, auch hier nicht überall, sondern nur in einzelne
Abschnitten zu Tage. Sie fehlt völlig schon in der Ep. Pet
iWofiir hier, wie auch an andern Stellen der K, /Z, eine antipai
'linische Polemik Platz hat. Wo sie jedoch steht, unterbricl
sie störend den Zusammenhang oder schreibt — z. T. wörtlich -
ganze Abschnitte der Κ.Π. aus, indem sie diese nur antimarcionitisc
umprägt. Sie hat m. a. W. durchweg interpolatorischen Charakte
»Daher kann auch der Verfasser der petrinischen Kerygme
j nicht als der Urheber dieser antimarcionitischen Polemik b«
'trachtet werden. Findet sie sich trotzdem in die Masse d<
K. Π, eingesprengt, so wird sie als das Werk eines Bearbeite:
der K, /7. gelten müssen.
Demnach sind die 10 Bücher der K, Π. so, wie ihr Inha
"^ in R 375 angegeben wird — was bei ihrer Rekonstruktion sei
wohl zu beachten ist — , nicht in ihrer ürgestalt, sondern i
einer antimarcionitischen Überarbeitung von dem Verfasser d<
Klemensromanes in sein Werk, unsre Grundschrift der Klemei
π, 3. Die Rekonstruktion der petrinischen Eerygmen usw. 59
tineii, aufgenommen worden. Trotzdem wird es möglich sein,
wozu jetzt der Versuch gemacht werden soll, die antipaulinische
Urschrift der K. /7. und ihre antimarcionitische Überarbeitung
von einander zu scheiden. Erst' dann, wenn diese Scheidung klar
erfolgt ist, ist es möglich, den Inhalt und Charakter der K. /7.
genauer zu bestimmen. Indem wir dieses Ziel im Auge behalten,,
müssen wir es doch zunächst als unsre Aufgabe ansehen, die in
dem Inhaltsverzeichnis R 375 angegebenen 10 Bücher aus Η und
R zu rekonstruieren. Dabei werden wir gleichzeitig in die Lage
gesetzt sein, zu beurteilen, was von diesen Büchern den Κ Π.
selber und was ihrer antimarcionitischen Überarbeitung zuge•
wiesen werden muß.
Nach R 375 ist der Inhalt des 1. Buches der K. Π.: Primus
ergo über ex his, quos prius misi (bezw. misit, id est Petrus)
adte, continet de verbo prophetae (codd. Cand. P. S. T. R vero
propheta) et de proprietate intelligentiae legis, secundum
id quod Moysi traditio docet. Sehen wir uns nun in Η und R
bezw. deren Grundschrift nach einem derartigen Buch um, so haben
wir schon in Η lao (cf R li?) eine Anspielung gefunden, wonach
ein Buch de vero propheta von Cäsarea aus von Petrus an Ja-
kobas gesandt sein soll (vgl. dazu die Ausführungen S. 85).
Auch R I21 bezieht sich auf eine derartige Abhandlung, in-
dem hier Petrus sich bereit erklärt, rationem fidei nostrae . . .
ordinemque consequenter exponere secundum traditionem veri
prophetae, qui solus seit quae facta sunt, ut facta sint, et quae
fiunt, ut fiant, quaeque erunt, ut erunt. Trotzdem muß Klemens
ßl25 den Petrus nochmals bitten: Et propter hoc cum mihi tra-
dideris de vero propheta sermonem . . . veri prophetae tradi-
tiones incunctanter expone, cui soli credendum esse evidenter
probatum est. Daraufhin willigt Petrus ein, ihm per ordinem a
pnncipio mundi usque ad praesens tempus consequentiam rerum
nochmals darzulegen und beginnt R I2Ü damit, singula de his,
quae in quaestione esse videbantur, legis capitulis ab initio crea-
turae usque ad id temporis, quo ad eum Caesaream devolutus sum,^
(Rl 22) auseinanderzusetzen. Ahnlich rekapituliert Petrus Rl74,was
er dem Klemens dargelegt habe: 1. quod est in iide maximum de
Tero propheta, 2. scriptae legis per singula quaeque capitula . . .
secretiorem intelligentiam, non occultans . . . traditionum bona.
£s ergibt sich, daß R auch an diesen Stellen auf eine Quellen-
90 Waitz, Die PseudoklementineD.
Schrift zurückgeht, die jedoch nicht, wie R li? falschlich ver-
muten läßt, den Klemens, sondern, wie auch nach Η l2o, den
Petrus als Verfasser haben soll. Als Ort der Absendung wird,
wie R li7, Η l2o, Cäsarea und als Empfanger Jakobus bezeichnet.
Dem Inhalt nach handelt sie de vero propheta (vgl. R 1 21. 25 f.)
und de legis capitulis. Sie deckt sich also mit dem l. Buche,
auf das sich R 875 bezieht.
Auch Η 24.5 nimmt Petrus auf τον jisqI :ΐροφητΒΐας bezw.
.τροφήτον λόγορ Bezug, den allerdings nicht er selbst (wie nach
R)^ sondern Barnabas, und zwar nicht in Cäsarea, sondern in
Alexandrien dem Klemens τελείως dargelegt haben soll. Trotz-
dem geht er Η 26-i2 nochmals genauer darauf ein. Also auch
Η kennt, wie R, ein Buch, das sich inhaltlich mit der Angabe
R :^75 deckt.
Suchen wir nun in R und Η seine Spuren, so finden wir
R 1 15-17 und Η 1 i8-2o eine Belehrung über την των όντων
γνώύΐν (de veritatis definitione), die sich schon stilistisch cha-
rakteristisch von dem Kontext der klementinischen Erzählung
abhebt und dadurch als Quellenschrift verrät. Da nun das Buch
de vero propheta nach R I21 von dem gehandelt hat, quae fact^
sunt, . . . fiunt, ... et erunt. und ab initio creaturae begonnen
hat, so werden wir in dieser Auseinandersetzung über die Ur-
anfänge der Welt den Anfang des Buches über den wahren
Propheten wiedererkennen dürfen. Ist es doch gerade die in der
Welt herrsehende Finsternis, die das Erscheinen des wahren Pro-
pheten bedingt, indem es dessen Aufgabe ist, die Menschen über
die Welt und Gott zu erleuchten (φωτίύαι Η Im). Wenn dann
nach R 1 17 und Η 1 «ο in dem Buch über den wahren Propheten
zuerst dessen Wesen (τ /c tön) und dann der Weg zu ihm {χώς
ενρίύκεται) dargelegt gewesen sein muls, so geschieht beides
Η 2g- 12. Dabei wird als sein wesentliches Merkmal das Wissen
der Wahrheit (H 26) insbesondere das Vorherwissen (H 2 10, vgl.
R I Λ6 f.), und als der Weg zu ihm der Glaube an ihn bezeichnet
(H 27-ί•\ Auf R 1 15-17 (Ή 1 18-20) muß demnach Η 2 6-12 gefolgt
sein, ein Abschnitt, der in R ohne Parallele ist.
Aber nach R 125. 26 hat das Buch vom Propheten die Auf-
gal)e gehabt, der Reihe nach vom Anfang der Welt bis zur
Gegenwart des Petrus in Cäsarea die Aufeinanderfolge der Dinge
•darzulegen. Das geschieht nun in der Tat in R 1 27-49, einem in
II, 3. Die Rekonstruktion der petrinischen Kerygmen usw. 9[
sich abgeschlossenen Absclinitt, der einen Gang durch die Heils-
geschichte vom Anbeginn der Welt bis zur Erscheinung Christi
darstellt. Wenn dieser ganze Abschnitt mit der Schilderung der
Weltschöpfung im Anschluß an Gen. 1 beginnt, so schließt er
sich inhaltlich an R 1 15-17 (HI18-20) an; auch stilistisch, wenn er
hier denselben eigenartigen Vergleich der Welt mit einem Hause
bringt ( R 1 15, vgl. R 1 27).
Wenn er dann zeigt, wie der wahre Prophet, dem bezw. in
Adam (R I28, cf. I47), Abraham (R I32), Moses (R I34) und
Christus (R I36.39) erschien, so gibt er sich inhaltlich deutlich
als ein Buch de vero propheta und knüpft auch an den Vor-
stellungskreis in R I15.16, Η Ιιΐ).2ο an, insofern auch hier R I33,
von dem wahren Propheten gesagt wird: solus omnium corda
et propositum novit et omnia . . . aperuit . . (nämlich divinitatis
scientiam, mundi originem finenK|ue, animae immortalitatem,
vivendi instituta, Judicium futurum).
Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß R 1 27-42 dem Buche
von dem wahren Propheten entnommen ist. Doch bildet dieser
Abschnitt, sowie er vorliegt, nur ein Fragment, bezw. einen Aus-
zug daraus, dessen Lückenhaftigkeit sich auf Schritt und Tritt
zeigt. Knüpft R 1 27-43 an die Darstellung der alttestamentlichen
Heilsgeschichte, besonders in Genesis an, die eigenartig kommen-
tiert wird, so springt R über viele Punkte weg, die in dem Buch
von dem wahren Propheten ausführlicher behandelt waren. Über
<las Hexaemeron finden sich nur wenige Bemerkungen, und doch
muß sich schon nach Η li8-2o das Buch von dem wahren Pro-
pheten ausführlicher mit den Anfangen der Welt befaßt haben.
Von Adam ist kurz R 12« die Rede, doch ohne Nennung seines
Xamens und seiner Bedeutung als Trägers der Oflenbarung
des wahren Propheten. Wenn aber R I47 Klemens behauptet, von
Petrus gehört zu haben, daß der erste Mensch Prophet war, so
bezieht er sich auf Ausführungen, die vorher gestanden haben
müssen, jetzt aber fehlen. Ein Vergleich von R I47 und Η 3ΐ7.2α
bat uns schon gezeigt, welcher Art sie Λvaren und an welcher
Stelle der Grundschrift sie standen: R I27. Auch die R l28ff.
folgende Geschichte der Menschheit in den ersten 21 Generationen
ist nur auszugsweise dargestellt, indem nicht über alle Genera-
tionen gehandelt wird. Das zeigt überdies die Parallele zu
diesen Ausführungen in dem Abschnitt R 49-13 (vgl. Η 8 10-2:1),
92 Waitz, Die Pseudoklementinen.
eine Parallele, die auf direkte Benutzung der £ Π, hinweist'.
Der epitomatorische Charakter von R 1 27-42 ist also zweifellos.
Von Wichtigkeit ist noeh die Frage, ob auch die auf R l4s
folgenden Kapitel (R 1 43-72) dem Buch von dem wahren Propheten
bezw. den K. Π. angehören, wie Hilgenfeld, Lipsius u. a.
diesen Abschnitt als Ganzes, R 1 27-43, sowie R 1 43-72, zu dem
Grundstock der Κ Π. gerechnet haben. Aber was zunächst
R l44b-53 anbelangt, so ist hier offensichtlich der Redaktor bezw.
Verfasser des Klemensromans tätig; das beweist der Kontext.
Denn nachdem l27-42a die Heilsgeschichte von Anfang der "Welt
bis zum Tode Jesu dargestellt ist, schildert R I43 die Tätigkeit
der 12 Apostel in Jerusalem. Dabei wird erzählt, wie der Hohe-
priester Kaiphas die 12 Jünger vor sich forderte, um ihnen zu
beweisen, daß Jesus nicht der Christus sei (ut aut ratione doce-
amus eum, quia Jesus aeternus est Christus aut ipse nos doceat,
quia non est R I44); „die Jünger aber schoben es auf, dieser Bitte
nachzukommen, indem sie eine günstigere Zeit abwarteten". Nach
dieser Bemerkung greift auf einmal Klemens in die Erzählung
ein, um zu erfahren, nicht nur quod ipse sit verus propheta
Christus, sondern quid sit hoc ipsum Christus. Dabei steht eine
Abhandlung über die doppelte Ankunft Christi in Niedrigkeit
und Glorie, die sachgemäßer in der Rede des Jakobus Kl 69
wiederkehrt. Ist dies alles schon an und für sich auffallig, so
knüpft R l53b unmittelbar den Faden an, wo er R l43b fallen
gelassen war, und erzählt ebenso, wie R I43: ünde et compulsi
sunt (sc. Judaei) una cum pontifice Caipha saepius mittere ad
nos, ut de nominis ejus veritate quaereretur. Cumque crebro
deposcerent, ut de Jesu aut discerent aut docerent, si ipse esset
Christus, visum nobis est ascendere ad templum. Es ist klar,
daß R 1 43b -53a ein Einschub des Redaktors ist, in dem freilich
1) Über diese Parallele vgl. S. 22. Für die literarische Verwandt-
schaft dieser Abschnitte spricht auch die eigentümliche Anschauung (R 1 29.
Η 8 10. ii), daß die Menschen bis zur S. Generation (cf. Gen. 0) ein engel-
haftes sündloses Leben geführt haben. Wie sie sich auch sonst in Η und
R vorfindet und zwar da, wo die Benutzung des K. Π. nachzuweisen ist (vgl.
Η 2 52) , so steht sie in Widerspruch mit Stellen wie R 2 44. 45. 8 42. 4 9. is.
26. 5 2-17. Η :> 17-21 und beweist, daß hier eine verarbeitete Quellenschrift
vorliegt. Auch der Hinweis auf die Providentia (πρόνοια) Gottes ist beide-
mal charakteristisch (R 1 35. 38. 43. Η 8 9 f.l
II, 8. Die Rekonstruktion der petrinischen Kerygmen usw. 93
dieser auch Stücke aus der petrinischen Grundschrift, wie die
Bemerkung über Adam als Propheten (R I47, vgl. R I28, Η 3i7.2o,
8 10) und anderes archaistisches Gedankenmaterial verarbeitet hat.
Aber auch die Kapitel R 1 43. 53-72 können nicht ursprünglich
zu R 1 27-43 gehört haben. Denn schon der ganze Charakter dieser
Kapitel ist völlig andersartig. Während R 1 27-43 im Anschluß an
die alttestamentliche Heilsgeschichte die verschiedenen Erschei-
nungen des wahren Propheten aufzählt, berichtet R 1 43. 53-72 im
Anschluß an die Apostelgeschichte von einer bezw. zwei Dispu-
tationen, die in Jerusalem zwischen den Juden und den Jüngern,
bezw. zwischen Kaiphas und Jakobus stattfinden. Auch ihr Zweck
und Inhalt ist durchaus verschieden: Während es sich dort um
den Nachweis handelt, daß der wahre Prophet zu allen Zeiten
erschienen ist, gilt es hier die These zu verteidigen, daß Jesus
der ewige Christus ist (R 1 43. 44. 56. 57.59.63)• Es leuchtet ein, daß
Κ 1-27-43 und R 143.5,3-72 Weder äußerlich noch innerlich zusammen-
gehören. Vielmehr ist es erst der Redaktor gewesen, der diese
heterogenen Abschnitte durch R 1 44-53 zusammengebracht hat
Κ 143.53-72 ist also nicht mit R l27ff., mit dem Buch von dem
wahren Propheten, zusammenzustellen. Inwieweit dieser Abschnitt
zu A". Π. gehört, wird später zu erörtern sein^
Ist aber aus R nichts weiteres für das Buch von dem wahren
Propheten zu entnehmen, als was R 1 27-43 lückenhaft gibt, so
sind wir in der Lage, aus Η diese Lücken zu ergänzen. Das gilt
freilich nicht in vollem Maß von dem Abschnitt Η 3n-i9, auch
wenn er ausdrücklich von dem wahren Propheten handelt. Denn
wie ein Vergleich mit Η 2 6-10 klar macht 2, ist Η 3 11-19 ζ. Τ.
wenigstens (Η 3 n-u) eineUberarbeitung von Η 2 g-io. Um so sicherer
aber darf der folgende Abschnitt Η 320-28, ο μνύτιχος λόγος,
wie er Η 329 heißt, in das Buch von dem wahren Propheten ein-
gereiht werden. Denn wenn sich Η 32o Petrus in seiner Rede
mit den Worten unterbricht :τλήν kjtl τον πρώτον της άλη-
\) VgL S. 108 ff.
Ί) Man vergleiche Η 2 6 Η 8 ii
Π(>ο^τ/τι?ς Λ άληθ-Βίας iatlv ό πάν- ' προφήτης δε άλη&ής έστιν ό πάντα
τοχΈ πάντα εΐόως^ τά μϊν γεγονότα πάντοτε είδως, ετι oh καΐ τάς πάν-
ώς έγένετο^ τά Sh γινόμενα ώς γίνε- ' των έννοιας, άναμάρτητος κτλ.
Tci, τά Λ λυόμενα ως Ισται, άνα-
μά^ηητος, ^εήμων. Vgl. R 1 21.
94 Waitz, Die Peeudoklementinen.
d^elag ΙπάνΒΐμί λόγον, so nimmt er damit ausdrücklich auf
das 1. Buch von dem wahren Propheten Bezug. Auch knüpft
Η 3 20 f. an die Behauptung an, daß Adam die Gabe der Prophetie
gehabt habe. Da dieser Abschnitt außerdem von den Söhnen
Adams, Kain und Abel, handelt, da er das Wesen der wahren
(männlichen) und falschen (weiblichen) Prophetie darlegt, da er
mit der Mahnung μόνον τον της άληϋ^εΐας προφήτου άχονειρ
abschließt, so paßt er inhaltlich sehr wohl zu dem Buch τοη
dem wahren Propheten und darf als eine Ergänzung zu Κ Is?
betrachtet werden, wo nachgewiesener Maßen ausführhcheres
über Adam hätte stehen müssen.
Neben der Abhandlung von dem wahren Propheten hat aber
I nach 1{ 375 zu dem 1. Buch der K. Π, auch eine Abhandlung
gehört de proprietate intelligentiae legis, secundum id
quod Moysi traditio docet Auch hierfür finden wir in R
mannigfache Andeutung. Schon vor der Abhandlimg über den
wahren Propheten erzählt Klera^ns von Petrus, daß dieser be-
gonnen habe, ihm einiges de his, quae in quaestione esse vide-
bantur legis capitulis auseinanderzusetzen (K I22) und am Schluß
spricht Petrus seine Freude darüber aus, daß er ihm alles dar-
gelegt habe: praecipue tamen, quod est in fide maximum, de vero
propheta . . . tum etiam scriptae legis per singula quae-
que capitula, quorum ratio poscebat, secretiorem tibi in-
telligentiam patefeci, non occultans a te nee traditionum bona
(R 1 74j. Sehen wir uns aber bei R weiter um, so vermissen wir eine
solche Darlegung über die Geheimtradition zur Auslegung ein-
zelner Kapitel des mosaischen Gesetzes. Allerdings fehlt es nicht
an Hindeutungen auf eine derartige Geheimtradition in R (R I24.
74. 245.55. 3:<(». 1042). Nirgends aber \vird sie selbst für einzelne
Gesetzesabschnitte so dargelegt, daß Λvir uns daraus eine Vor-
stellung machen könnten. Nun aber war gerade nach Ep. Petr.
und Cont. diese Darlegung der Geheimtradition der wichtigste
Zweck der A'. //. Warum fehlt sie in R? Hilgenfeld, Lipsius,
Lehmann u. a. haben darauf keine Antwort finden können*.
Blicken wir aber aufH, so haben wir hier die Antwort: Η 2 38 ff.
linthält diesen Abschnitt aus /1. /7. Bedeutsam ist dafür schon
der Umstand, daß dieser Abschnitt in Η in derselben Weise
1 ) Vgl. Hilgenfeld a. a. 0. 53. Lipsius a. a. 0. '>'κ Lehmann a. a. 0. 02 f.
II, iL Die Rekonstruktion der petrinischen Kerygmen usw. 9f>
durch die Meldung des Zacchäus vom Aufschub der Disputation
mit Simon eingeleitet wird (vgl. Η 2;io), wie in Κ der Abschnitt
über den wahren Propheten (R l2i)^ In der klementinischen
Grundschrift folgte ursprünglich das ganze 1. Buch der Ä. /7., von
dem jedoch R nur den l. Teil de vero propheta, Η den 2. Teil
de legis capitulis secundum secretiorem intelligentiam in extenso
brachte. R ließ den 2. Teil aus, weil er ihm zu ketzerisch war,
Η den 1. Teil, jedoch nicht ganz, weil er ihn in anderem Zu-
sammenhang in der klementinischen Grundschrift nochmals ver-
arbeitet fand (vgl. R 4 9-13, Η 810-23). Bedeutsamer aber ist, daß iu
der Tat in Η 238-53 nicht nur ausdrücklich auf die Geheimtradition
des mosaischen Gesetzes durch die 70 Gesetzeslehrer (H 2 3t*, vgl.
Ep. Petr. 1.2 und Η 34?), sondern auch auf die jrsQixojral (= ca-
pitula legis [H 2 39.10]), insbesondere auf die falschen Perikopen
eingegangen wird. Es ist kein Zweifel, daß wir hier (H 238-52)
den 2- Teil des 1. Buches der Κ Π. haben, wenn er auch von
dem Redaktor überarbeitet ist (vgl. Η 2 40. 41.45.47)'^. Ist schon
früher^ der literarische Zusammenhang mit Ep. Petr. nachge-
wiesen, so wird die Zugehörigkeit zu Κ Π. nicht nur durch den
Inhalt und Zweck, sondern auch durch die Kongruenz in der
Gmndanschauung, so z. B. von der Sündlosigkeit der alttesta-
mentlichen Gerechten**, wie im Ausdruck^ evident.
Diese Abhandlung über die falschen Perikopen setzt sich
Η 32-10 fort, wo dasselbe Thema, hier (vgl. Η 34j των άπατάν
όνναμένων βίβλων το μυατήρων genannt, nochmals aufgenommen
und in derselben Weise durchgenommen wird. Dabei finden sich
auch charakteristische Übereinstimmungen in den Vorstellungen
und Ausdrücken, wenn z, B. Η 34ίΐ. wie Η 2:\su\ gesagt wird, daß
die falschen Perikopen durch den Teufel {jtovrjQOc) zur Prüfung
(H 33.4.5 .τρός όοχιμήν, Η 2π9 ϋΐΗραύμοΰ χάριν) in das Gesetz
irebracht worden seien, oder wenn die Gläubigen Η \\c> wie 11 24.'
und Ep. Petr. ooioi^ die Heiden Η 34.s wie Ejk Petr. 1.2, cf. Η S:..?
oJ axo των id -νών genannt werden. Anderseits zeigt sich je-
doch der ganze Abschnitt stark interpoliert, indem er wörtlich
Ij Vgl. Kapit«! I, § 3. S. 21.
J) Die Reden des Klemens fallen dem Redaktor zur Labt.
;•.) Vgl. oben S. 81. A) Vgl. Η lh2.
')) Vgl. das Attribut zu Adam ö νπυ tOjv (h.ov χίΐρών κιΊnfoo^ί^^tι\:
H'JSii, das wir ebenfalls Η 3i7 und 3 20 und nur hier Hndeo.
96 Waitz, Die Peeudoklementinen.
Ausführungen von Η 238 fr. aufnimmt', wie denn auch die Ein-
führung des Klemens (H 85) den Redaktor deutlich verrät.
Erst Η 338-57 kehrt wieder auf die Lehre von den falschen
Perikopen zurück, indem zugleich der Kanon angegeben wird, nach
dem man das Echte und Falsche im Gesetz unterscheiden kann
(H 342.43.4fi.4i), cf. 243-45). Wenn dabei auf die prophetische Gabe
Adams (H 342.43) und Moses' (H 344.4?), auf die Benennung Kains
und Abels (H 342), auf den Unterschied zwischen wahrer (mann-
licher) und falscher (weiblicher) Prophetie (H352f.) Bezug ge-
nommen wird, wenn Η 35o. 5i genau dieselben unkanonischen bezw.
vom Kanon abweichenden Schriftzitate, wie Η 2 51 bezw. Ep. Petr.
bringt (cf. Η 1820), so dient dies alles zur Bestätigung, daß dieser
Abschnitt (H 338-5?) im wesentlichen zu Κ /7. gehört
Für einen derartigen Zusammenhang spricht auch noch fol-
gendes. In einem Abschnitte (R 1 44-53), der, wie oben gezeigt
von dem Redaktor, jedoch auf Grund der K. Π. verfaßt worden
ist, wird als magnificentia prophetiae gepriesen, daß sie nichts
secundum consequentiam rerum über die zukünftigen Dinge rede,
und als etwas, was contra ordinem et consequentiam rerum geht
hingestellt, daß nach der Verheißung Gen. 49 10 Christus nicht
von den Juden — quod secundum traditiones patrum consequens
erat — , sondern von den Heiden gläubig aufgenommen worden
sei. Cum enim venisset, ab his, qui cum expectare videbantur ex
traditione majorum, omnino agnitus non est. Man fragt sich,
was eigentlich hier die traditio majorum zu tun hat. Aus Η 348,
ΛΥο auf dieselbe Sehriftstelle Gen. 49 10 Bezug genommen ist, wird
dies klar, indem gerade diese Schriftstelle als der Prüfstein für
das angesehen wird, was ix παραδόοεως Μθ3νϋέως als echt oder
falsch anzusehen ist. Reicht nämlich die Schöpfung nicht mehr
aus, um in der Schrift diese Unterscheidung zu machen, so hilft
dazu die Erfüllung der Weissagung. Wer erkennt, daß Jesus
der von den Heiden erwartete ist, der hat daran den Maßstab,
daß jene Perikope echt ist.
1) Man vergleiche Η 238 ' Η 38
lovzo τον πονηρό ν όικαίν) τινί τον fihv πονηρό ν ηρός όοχιμην
λόγο) ^νεργήσαι τετο?.μηκότ-ος. άνθ^ρώπου ^γρηγορότα.
Ή 35
τα \}'tvo7j των γράφων αΐτήματι κα-
κίας όικαίω τινΙ λόγο) γραφήναι.
II, 3. Die Rekonstruktion der petrinischen Kerygmen usw. 97
Müssen wir daher Η 338-5? den K. 77. zuweisen, so haben
wir doch dabei zu beachten, daß auch hier mehrfach Interpola-
tionen vorliegen und zwar solche, die ausgesprochener Maßen
antimarcionitischen Charakters sind: Η 339-43.45.52-57. Darauf weist
schon deutlich hin, daß Η 3 39-43. 55. 5β ζ. Τ. mit denselben Aus-
drücken auf dieselben Vorwürfe gegen Gott eingeht, die schon
Η 2 43 ff. behandelt worden war^n, wie das άγνοείν Η 243 u. 33»;
das μεταμελεο&αι, bezw. μετανοεΐν Η 243 u. 339; das όρεγεοΘ-αι
χνίύοης Η 244 und οοφραίνεοΟ^αι bezw. ήοΘ^ήναι ijtl χνΙβΦ]
Η :33ί»; das :χειράζειν Η 243. 339.55; das τνφλοΰν Η 243. 342; das
όρεγεύ&αι ϋ^ναιών Η 244. 345.56; das εΐι^αι εν γνόφφ χάί βχοτω
χάί &νέλλ7] Η 244. 345. Alle diese Wiederholungen erwecken den
Verdachi, daß Η 3 39 ff. ein Interpolator tätig ist, der die Gedanken
aus Η 243 nochmals aufnimmt, um sie zu einem andern Zweck,
zur Widerlegung Marcions, nochmals zu verwerten.
Den Inhalt des 2. Buches der Κ 77. beschreibt R 375 fol-
gendermaßen: Secundus de principio continet, utrum unum
sit principium an multa, et quod non ignoret Hebraeorum lex,
quid sit immensitas. Was zunächst den 1. Teil dieses Buches
anbelangt, so findet er sich bereits Κ t2o angekündigt, \voselbst
als zu behandelndes Thema angekündigt: quid sit omnium pri-
mum, quidve immaculatum, quod etiam causam esse omnium
quae sunt, docendum est. Aber in R 1 wird dies Thema nicht
bebandelt. Erst R 32 scheint es einzusetzen: Aquila will de prin-
cipio et de principiis disputieren, und Petrus stellt die These auf:
unam est principium et unum sine principio principium, das
er nachher auch als ingenitum bezeichnet, wie auch der Aus-
druck autogeneton gebraucht wird. Von Klemeos befragt: quid
est hoc ingenitum? will Petrus darauf nicht näher eingehen,
weil damit die Gefahr verbunden ist, immensitaten irruere, und
spricht sich R 38 nur über den primogenitus omnis creaturae
aas. Allerdings fehlt dieser Abschnitt R 32-11 in den Drucken
von R und findet sich nur in cod. Cand., Sorb., Thuan., und zweifel-
los ist er stark interpoliert mit späteren Zusätzen, die die Lehre
des Eunomins von Christus zur Voraussetzung habend Allein
schon die Übereinstimmung in der Fragestellung zwischen R 375
1) Vgl. Hilgenfeld a. a. 0. 31ij ff. Lehmann a. a. 0. 45i> ff*, sowie
Kapitel IV.
Texte α. Uniersachungeu. N. F. X, 4. 7
gg Waitz, Die Pseudoklementinen.
und R 3 2 ff. zeigt, daß irgend eine Abhandlung über dies Thema
vorhanden gewesen sein muß; das beweist auch Η 16i6f., wo
eine Abhandlung über dasselbe Thema steht. Allerdings ist hier
der Ausgangspunkt ein andrer; dort allgemein die Frage utruni
unum sit principium an multa; hier die spezielle Frage Simons,
ob der, der άπο ϋ^εον sei, auch selber i9^£(>c sein könne (HI615).
Aber ebensowie R 33 wird Η IG ig die Behauptung aufgestellt:
τον πατρός το μη γεγεννήοϋ-αί ίοτιν. νίον όε το γεγεννήοϋ-αι
und Gott wörtlich wie R 3 η αντογέννητος genannt, bezw.
άγεννητος, und Η 16 17 Λvird daraus wie RS? die Folgerung für
Gott gezogen: ωΰπερ γαρ άπειρος ων πανταχοΘ^εν όιά τοντο
λέγεται απέραντος (immensus). Indem aber so an beiden Stellen
von der ünerzeugtheit Gottes auf seine Unermeßlichkeit über-
gegangen wird, tritt ein Zusammenhang an den Tag wie R 37.-.
zwischen dem 1. und 2. Teil des 2. Buches; soll doch der 2. Teil
nachweisen, quod nou ignoret Hebraeorum lex, quid sit im-
mensitas.
Auf die Existenz dieses 2. Buches der /1' Π. weist aber
noch ein Andres hin: Als Einleitung zu der Abhandlung über
die Prinzipien wird R 3*2 die Behauptung Simons hingestellt,
die R 3« am Ende wiederholt wird^ es sei unrecht, Christus
Gottes Sohn zu nennen, weil dann Gott seinen Geschöpfen gleich
gesetzt und so in Mitleidenschaft gezogen werde. Nun aber findet
sich auch R 24» eine derartige Behauptung Simons: Tum Simon:
raemento, inquit, quia filium dixisti habere deum, quod est in-
juriae. Quomodo eum habere filium potest, nisi similia homini-
bus aut animalibus patiatur? Doch geht Petrus darüber hinweg
mit den Worten: Sed de his non est nunc tempus arguere pro-
f undam stultitiam tuam : festino enim de immensitate summae lucis
exponere, et jam nunc audi. Auch hiernach stand in der Quellen-
schrift eine Behauptung Simons wie R 32, auf die zunächst nach
R 32ff. und R 375 eine nur noch fragmentarisch (in Η löief) und
interpoliert (in R 32-12) vorhandene Abhandlung über die Prin-
zipien und sodann nach R 32ff., 375; Η 16i, sowie R 24«» eine
solche über die Unermeßlichkeit (sc. Gottes) folgte.
Was nun letztere, also den 2. Teil des 2. Buches der /1. /7.
1) disceremuH filium Dei Cliristum, tanqaam hominibus et plantatio-
nibus deum aequantes (R .] 8^.
II, 3. Die Rekonstruktion der petrinischen Kerygmen usw. 99
anbelangt, so wird sie unmittelbar nach dem Abschnitt R 82-11
deutlich durch die Worte R 3 u markiert, durch die Simon sich
auf die eben erwähnte Stelle R 2*9 zurückbezieht und zwar in
wortlicher Übereinstimmung mit R375: repeto abs te, quae
hestemo promiseras; dicebas enim ostendere te posse, quia
lex doceat de immensitate lucis aeternae. Die Abhandlung selber
folgt aber nicht R 2*9, wo sie eigentlich stehen sollte, sondern
erst R 2 61 ff. 70, welche Kapitel jedoch mit der Frage über die
5 Sinne an R 2 50 anknüpfen. Übrigens kommen R 265-β7 (vgl.
R 2 70) auch auf das in R 375 angegebene Thema dieses Buches
zurück, wenn es R 267 abschließend heißt: et ideo falsum est,
quod putasti (sc. Simon) esse aliquid, quod ignoret lex; multo
autem amplius nihil latebit eum, qui legem dedit.
Auch dieses Buch zeigt Spuren antimarcionitischer Bearbei-
tung. Schon die Behauptung Simons R 249 esse aliquam virtutem
immensae et ineffabilis lucis . . . quam virtutem etiam mundi
conditor ignoret et legislator Moyses et magister vester lesus,
deutet die marcionitische Behauptung von einem obersten unbe-
kannten Gott an. Sie kehrt wieder R 25o: esse aliquam virtutem
incognitam creatori deo et Moysi et prophetis et legi et lesu
etiam magistro nostro (cf. R 251.52); ebenso R 253: deum hunc,
qui creaverat mundum, ... in multis esse infirmum, worauf zum
Beweis angeführt wird: nee bonus est, qui primo homini dedit
legem. Cf. R 2δ4: aliquem benign iorem et potentiorem eo, qui
legem dedit, imperfecto deo; R256: quomodo ergo iste talis bonus
a te adseritur qui nee justus intelligi potest? R 257: ipse (sc.
bonus deus) misit creatorem deum ut conderet mundum. R 2r>8:
bonus deus, tantum si agnoscatur, salutem praestat; mundi autem
conditor exigit etiam legem impleri . . . haec virtus vel bona vel
josta, cf. R 259.
Aber auch in Η können wir die Spuren einer derartigen
Abhandlung über die Unermeßlichkeit des Lichtes, d. h. wohl
des Ortes, in dem Gott wohnt, des Kleides, in das er sich hüllt,
oder der Erscheinungsweise Gottes wiederfinden.
Wie schon früher nachgewiesen ist', besteht zwischen R2gi
und Η 177 ein literarisches Abhängigkeitsverhältnis. Gehört aber
Κ 2 61 zu dem 2. Buch der K. Π. de immensitate lucis, dann
1) Vgl. Kapitel I, § 3, S. 26; vgl. dazu R Jsi und Η 17 5.
- *
ι
\
IQO Waitz, Die Pseudoklementinen.
auch Η 17?. Dafür ist auch der Inhalt von Η 177-i2 anzuführen,
in welchen Kapiteln es sich um das αώμα oder die μορφή d«h.
um die Erscheinungsweise Gottes handelt. Wenn es dabei von
Gott heißt, er sei in bezug auf seinen Leib (οώμα) unvergleich-
lich glänzender, als unser sichtbares πνενμα^ und um so viel
leuchtender, daß im Vergleich mit ihm das Licht der Sonne ge-
radezu als Finsternis betrachtet werden könne, so ist dieser Ver-
gleich dem Inhalt wie dem Wortlaut nach mehr als eine bloße An-
spielung auf jene Abhandlung über die ünermeßiichkeit des Lichtes.
Wenn dann Η 178 aus den Schriften (γραφαί) den Nachweis
bringen will, daß Gott trotz seiner Leiblich keit doch nicht be-
grenzt ist {άπειρος, άπίραντος^ αμέτρητος, τριοεπάπειρος Η 179),
gleich der Sonne, die trotz ihrer Umgrenztheit doch alles er-
leuchtet {φο?τΙζειν Η 178), so kann nach den Andeutungen R 249-70
und nach der Inhaltsangabe R 375 „das Gesetz der Hebräer**
auch nichts anderes gewußt und dargelegt haben.
Aber auch in dem folgenden Abschnitt (H 17 12-19), in dem
Petrus dem Simon den Unwert der Visionen (der Wach- und
Tranmgesichte) gegenüber der in unserm Innern von Gott ge-
wirkten OflFenbarung (vgl. Η 17 18) darlegt, ist der Znsammenhang
mit der Abhandlung de immensitate lucis nachweisbar. Denn
abgesehen davon, daß sich auch hier Petrus wiederholt auf den
Schriftbeweis stützt (H 17i5.i6), so paßt er inhaltlich sehr wohl
zu der R 2 62-65 erzählten Anektode von der Vision des
Petrus in Kapernaum, durch die Petrus auch nichts andres
als den Unwert der Visionen dartun will. Wenn dann Pe-
trus Η 17 16 die Ansicht zurückweist, als ob die Augen der
sterblichen Menschen die νοτερβολη του φωτός sehen könnten,
so stimmt dies mit R 2c5, wo er ähnlich die Anmaßung Si-
mons widerlegt, als ob er je immensae illius lucis scientiam
erlangen könne. Wie diese Parallelen in Η und R auf eine
beiden gemeinsame Quelle hindeuten, so weist die ganze Ten-
denz dieses Abschnittes Η 17 12-10, die scharfe Zurückweisung
Simons, der kein anderer als Paulus ist, durch Petrus, hiei
οτερεα ϋτέτρα, ϋ^εμέλιος ίχχληοίας genannt (Η 17 ίο), deutlichst
auf den antipaulinisch-petrinischen Charakter, den die K. Π. nacl
Ep. Petr. gehabt haben müssend
1 • Aach die AnspieluDg, die Η 17 16 und R 1] 29 in gleicher Weise aoi
II, 3. Die Rekonstruktion der petriniscben Eerygmeu usw. Kjl
Das 3. Buch der Κ /7. handelt nach R 875 de deo et his
quae ab eo instituta sunt. Lehmann (a. a. 0. 66) hat mit Recht
in Κ 1 24 einen Hinweis darauf gefunden, wo von Gott ausgesagt
wird, daß er die Zeiten bestimmt habe (tempora constituit). Zu-
gleich wird hier der Inhalt dieses Buches näher charakterisiert,
indem darin von einer praefinitio dei und von einer definitio dei
die Rede gewesen sein muß. Daß aber in der Tat R ein der-
artiges Buch vorgelegen hat, beweist die Erwähnung eines trac-
tatus de praefinitione et fine in R 852, in dem zwei Klassen
Menschen und deren verschiedene Bestimmung besprochen war.
Damit stimmt aber wiederum ein Abschnitt in Η 333-38, wo das-
selbe Thema abgehandelt wird, wie Gott βουλής νενματι (= prae-
finitio?), die ονύία mit ihren 4 Elementen, die Engel, die Himmel,
die Erde u. s. w. geschaflFen und dem allen seinen ορός (= de-
finitio bezw. finis!) gegeben hat (H 835). Auch Η 20-2 weist un-
zweideutig auf einen Gedanken zurück, wie er nach R 802 in
dem tractatus de praefinitione et fine ausgesprochen gewesen
sein muß, wenn es da, allerdings in einem andern Zusammenbang,
heißt: ο θ^εος δυο βαοιλεΐας όριο α ς καΐ δύο αιώρας οννεοτη-
Οατο, χρίνας τω πονηρώ δεδόύΟ-αι τον Jraρόvτa χόαμον, . . . τω
ΟΕ άγαθ-ω . . . τον μέλλοντα αΙώναΚ Da nun, wie noch gezeigt
werden wird, Η 20 2 ff. den Κ 77. angehört, wird ihnen auch der
tractatus de praefinitione et fine zuzuweisen sein.
Das 4. Buch behandelt nach R 875 das Thema: quod cum
multi dicantur dei, unus sit verus deus secundum testi-
nionia scripturarum und liegt zweifellos in R 238-46 vor, wo
die Behauptung Simons widerlegt wird, daß es nach der Schrift
der Juden viele Götter gebe. Wie schon früher gezeigt worden
ist^, nimmt auch Η 838 diese Behauptung Simons auf. um sie
ftlsbald wieder zu verlassen, und erst Η I65 kehrt nicht nur von
neaem zu derselben These zurück, τάς πεπιοτενμένας γραφας
:taQa ^ίονδαίοις πολλονς λέγειν ϋ^εονς, χαΐ μη χaλε.'ra^vtιv tJtl
ΪΛ. .>ο20 machen, indem beide den Gedanken aussprechen, dali die Frommen
üichl auf Krden, sondern erst bei der Auferstehung der Toten (iott sehen
könneo, iwenn sie Ιαάγγελοι geworden sind), zeigt die Beziehungen bei Η
und R lu K. Π, Im übrigen vgl. zu H17iaf. Hilgenfeld a. a. 0. ϋοΓ) ff.,
l«ehmann a. a. 0. 379 ff., Lipsius a. a. 0. :>Γ).
1) A'gl. dazu Rl24: quod dua regna posuit, praesentis dico temporis
et fiitnri. 2) Vgl. Kapitel I, § :J, S. IM.
102 Waitz, Die Pseudoklementinen.
τούτω τον ϋ^εον τω αντον δια των γραφών αυτόν πολλούς
ί^εονς είρηχέναι^ sondern bekämpft sie auch in dem Sinne der
Inhaltsangabe von R 375 teils mit Κ 238 ff. übereinstimmend, teils
auch R 2:jsff. ergänzend. So ist auch dieses 4. Buch der K. Π.
noch deutlich in R und Η erkennbar.
Auch sonst ist der Zusammenhang dieses Buches mit K. Π.
nachzuweisen, so wenn R 247 die Lehre von den alttestament-
liehen Gerechten oder R 245.55, Η 16io. i:i. u die Lehre von dem
Gesetz und den falschen Perikopen oder Η IGio die Lehre von
der μορφή Gottes wiederholen. Im übrigen paßt es schlecht
in den Rahmen der K, Π. hinein. Denn abgesehen davon, daß
es keine Reden, sondern nur Disputationen mit Simon darstellt, so
enthält es keine Geheimlehre, Λvas doch für K. Π. charakteristisch
ist. Überhaupt fehlen im großen und ganzen in diesem Abschnitt
die Lehren, Schriftzitate und Ausdrücke, die, wie weiter unten
gezeigt werden wird, für Κ Π, charakteristisch sind. Statt dessen
finden sich hier Lehren, die mit denen der K. Π. in diametralem
Widerspruch stehen. (Vgl. dazu Kapitel II Unterteil 1 § 5.) Auch
die Schriftzitate sind durchaus andersartig, wie auch solche
aus den alttestamentlichen Propheten sich darunter befinden,
ebenso die Wendungen und Ausdrücken Dazu kommt, daß
der ganze Abschnitt einen ausgesprochen antimarcionitischen
Charakter trägt, indem als Lehre Simons überall die Lehre
Marcions von dem Schöpfergott als einem dem höchsten Gott
imtergeordneten Wesen widerlegt wird.
Demnach kann das 4. Buch, so wie es vorliegt, nicht ur-
sprünglich zu den antipaulinischen Κ Π. gehört haben. Findet
es sich trotzdem R 375 unter den K, Π. verzeichnet, so erklärt
sich dies nur dadurch, daß sie stark in antimarcionitischem Sinne
überarbeitet worden sind. Da jedoch auch schon an andrer
Stelle (s. 0. S. 97. 99 f.) antimarcionitische Interpolationen in K. Π.
vorgefunden worden sind, so müssen die K. Π, überhaupt als
antimarcionitisch interpoliert angesehen werden. Oder m. a. W.:
Was der Verfasser des Klemensromanes für sein Werk ver-
wertete, waren nicht die Κ Π, selber, sondern eine antimarcioni-
tische Bearbeitung derselben.
Indem wir dies Ergebnis vorläufig dahingestellt sein lassen,
1) Vgl. unten Kapitel lli, i?§ :J. l.
II» 3. Die Rekonetnikiion der petrinischen Kerygmen usw. lf)3
wenden wir uns zu den folgenden Büchern, die nach R 875 in
den Klemensroman aufgenommen wurden.
Das 5. Buch brachte nach R 875 den Nachweis: quod duo
sunt coeli. Der Inhalt dieses Buches ist wenigstens bruch-
stückweise in R 268-70 enthalten. Nach R 2i;8 behandelte es die
These: coelos autem esse, qui ab eo facti sunt, sicut et lux
dicit, quorum unum coelum sit superius, quo continetur etiam
visiWile firmamentum, illud esse perpetuum et aeternum cum bis
qui habitant ibi; istud autem visibile in consummatione saeculi
resolvendum esse et transire, ut illud coelum, quod est antiquius
et excelsius, post Judicium sanctis et dignis appareat. Ahnlich
wiederholt Simon R 3uf. als Inhalt der gestrigen Rede: 1) quia
lex doceat de immensitate lucis aeternae, 2) quod duo tantum
sint coeli et ipsi creati, sed superius esse lucis illius sedem, in
qua solus in aeternum residet ineffabilis pater; ad illius vero coeli
similitudinem factum esse etiam istud visibile coelum, (|uod et
transiturum confirmabas. R 327-30 wird nochmals auf dasselbe
Thema eingegangen; dabei wird R 827 ausdrücklich auf das Buch
von dem wahren Propheten hingewiesen. Wenn das Buch
über die zwei Himmel sowohl R 2 68 als auch R 3 u mit dem
Buch über die ünermeßlichkeit des Lichtes, R 827 mit dem Buch
von dem wahren Propheten zusammengestellt wird, so bestätigt
dies, daß es zu K, Π. gehörte. Dahin wird es auch durch seinen
Inhalt gewiesen, der zu der Lehre der K, TL von den zwei Reichen
und ihren Königen sehr gut stimmt, ebenso durch seinen ge-
setzlichen Standpunkt, der in der Betonung des Gesetzes und in
der Bezeichnung der Auserwählten als der sancti {ooioi wie
Ep. Petr.) zum Ausdruck kommt, sowie durch seine Lehre von
«ler völligen Auflösung des irdischen Aon, die mit der An-
ä<?hauung der K. Π, von der völligen Vernichtung der Gottlosen
harmoniert.
Bei Η suchen wir vergeblich nach Spuren dieses Buches.
Wenn aber Η 833 von Himmeln als dem Wohnort der Engel
und Geister die Rede ist, und dabei το (ραινομενον ατερεωμι:
visibile firmamentum R2e8) genannt wird, so zeigt dies wenigstens
eine, wenn auch leise Berührung mit dem Gnindgedanken des
0. Buches Ä'. Π. ^
\: Auch U'JOi bringt verwandte (ledanken, wenn gesagt wird, τον
i
104 Waitz, die Pseudoklementinen.
Das 6. Buch handelte nach R 875 de bono et malo et
quod bono cuncta subjiciantur a patre, malum autem quare et
quomodo et unde sit et quod cooperetur quidem bono, sed non
proposito bono, et quae sint signa boni, quae vero mali. et
quae sit differentia dualitatis et conjugationis.
Dieses Buch findet sich hinsichtlich seines ersten Teiles in
R 3 12-26, woselbst (vgl. R316.17) die Fragen aufgeworfen werden
1) si est malum, 2) quid sit malum (substantia an accidens
an actus), 3) cui sit (bezw. quid vel quomodo sit aut cui sit
malum, utrum deo an angelis an hominibus, piis an impiis, Omni-
bus an aliquibus, an sibi ipsi an nulli), 4) unde ibezw. ntrumnam
a deo an ex nihilo, semperne fuerit an ex tempore coeperit, utile
sit an inutile). Allerdings weist es Petrus R 3 20 ab, auf diese
philosophischen Fragen näher einzugehen, und wendet sich des-
halb zu dem Problem der Willensfreiheit (R 21-26 cf. 10. Buch der
K, Π.). Aber R 852.53 wird unter Hinweis auf das 3. und 5. Buch
K, /7. (R 852) von dem Unterschied zwischen dem malus und bonus
gehandelt (cf. R854fin.) und R 800 geht dann genauer auf die
signa boni et mali, d. h. auf die Zeichen und Wunder ein, welche
der bonus und der malus (R 3ßo: maligus) als Prinzipien der
beiden Äonen tun, um die Menschen für sich zu gewinnen. Ule
qui a malo est, signa, quae facit, nulli prosunt; illa vero quae
facit bonus, hominibus prosunt (R 3 .vj. 60). Die Frage aber: quae
sit differentia dualitatis et conjugationis findet in R 8 61 cf
R 855 ihre Erledigung, woselbst 10 Paare aufgezählt werden,
die von Gott (R 859) für diese Welt ah initio saeculi (R 861) ad
tentationem bestimmt sind, nach der Zahl der 10 ägyptischen
Plagen (R 855) 1) Kain und Abel, 2) Giganten undNoah, 8) Pharao
und Abraham, 4) Philister und Isaak, 5) Esau und Jakob,
6) die Magier und der Gesetzgeber Moses, 7) der V^ersucher
(tentator) und der Menschensohn (filius hominis), 8) Simon und
Petrus, 9) alle Heiden und ille qui mittetur seminare verbum
inter geutes, 10) der Antichrist und Christus. Doch wird eine
Auseinandersetzung darüber bis auf Λveiteres verschoben, ohne
wieder aufgenommen zu werden (de quibus paribus alias vobis
per singula latius exponemus).
':ιαρ6ντα κύομον ... ιαχι»ύν tt eivai και :iaot(}'/eod^ai νςύως ..., Τί/Γ
μέλλοντα alCova . . . μέγαν οντά καΐ άίδιον.
II, 3. Die Rekonstruktion der petrinischen Kerygmen usw. lOiy
Blicken wir nun auf H, so finden wir zunächst die Differenz
TOD R, daß hier überall persönlich von dem Guten und Bösen
(o άγαμος und ο πονηρός) und nicht, wie 11 3 12 AFI, sächlich
ibonum und malum) die Rede ist. Aber auch Ii3ö9. eo redet so
wie H. Die Vertauschung des Masculinum mit dem Neutrum
ist demnach Sache des Redaktors bezw. Übersetzers von ]{.
Sonst findet sich auch bei H. dieselbe Fragestellung, besonders
Η 19, wo ausführlich de bono et malo et quod bono cuncta
subjiciantur a patre gehandelt wird. Denn das ist ja der
Zweck dieser Abhandlung, zu zeigen, daß Gott ohne Schuld da-
stehe, auch wenn alles, also auch der Böse, von ihm ursächlich
abhängig ist (H 19 1: τον δημιονργον αυτόν όίίξαι μόνον
αμεμπτον είναι ϋ^εόν, vgl. 19 5 μηπω όείν τον ποιητιμ*
:ιοΐ7)οαντα νπό μεμιΐ'ΐν είναι, 19ϋ. ιι. is: ο ϋ^εός μόνων των
χαλώ ν αίτιος Ιοτιν), Zu diesem Zweck wird ganz ähnlich wie
Κ 3 16-17 auf das Problem eingegangen, indem dabei dieselben
Fragen, nur z. T. umgestellt, vorangeschickt werden (H 19:j:
ι^μίν λεγε^ 2) το πώς γεγονεν, sc. ό πονηρός, 1) εϊπ^ρ γι-
γονε χαΐ 3) νπό τίνος καΐ 4) όια τ/; vgl. II 19,j: πώς και
vjto τίνος χαΐ δια τι γεγονεν ό πονηρός). Sogar auf die
ÜDterfragen erstreckt sich die Übereinstimmung, wenn Η 194 die
Frage: unde sit malus, genau wie R3i7 spezialisiert: oiVtr 7/-
)'ονεν η δι αντον του ^εου η αφ ίαυτοΰ // καΐ εξ ούχ όντων
ύυμβεβηκεν η των προς τι έοτίν η αύ 7jv, oder wenn Η 19 is
<Iä8 Problem: utile an inutile sit, erörtert wird: προς αυτώ [sc, {Ηώ]
/Οηοιμον γινόμενον [sc. τον πονηρόν] ηπιότατο (vgl. Η 19 r.:
to χρήοιμον αυτοϋ [sc. του πονηρού] πάντων άναγχαιότατον
n*(>£^6/jy; 19 16: το χρήοιμον 'sc. του πονηρον] ο τιμήοας
sc. ϋ^εός] προείδεν).
Auch das Problem; quod cooperetur quidem, sed non proi>osito
bono wird im Anschluß daran wörtlich berührt, wenn es Η 19 in
heilit: τούτω δε τω λόγω ούτε το χαχόν χαχόν εοτιν οντί: τόάγα-
i^op άγαϋ-όν τυγχάνει' ίχάτερον γαρ το ετιρον εργάζεται.
Wenn aber R auf diese Fragen nicht weiter eingeht (R.'ho),
so steht es mit der Inhaltsangabe R375 in AViderspruch, die
eine ausftlhrliche Behandlung dieses Problems voraussetzt. Fin-
den wir nun eine solche in Η 19 und 20 1-10, so werden wir hier
den wesentlichen Inhalt des G. Buches K, IL wiedererkennen
dürfen.
106 Waitz, Die Pseudoklemcntinen.
Dazu ist jedoch zu bemerken, daß auch hier der antimar-
cionitische bezw. ein späterer Redaktor tätig war. So scheint
19 0-8, welche Kapitel sich durch die in Η 199 erfolgte wörtliche
Wiederaufnahme der in Η 194 gegebenen Fragestellung als Ein-
schub charakterisieren, dem antimarcionitischen Redaktor zur
Last fallen, wenn hier Simon, weil er den Demiurgen mit Vor-
würfen belastet, schlechter als der Böse genannt wird (H 19 ei.
Auch Η 19 10 zeigt antimarcionitisches Gepräge, insofern hier
Gott als gut und gerecht bezeichnet wird. Auch im übrigen ist
mehrfach die Hand des Redaktors, jedoch nicht des antimarcio-
nitischen, sondern eines späteren, dessen Werk unsere Homilien
sind, ersichtlich. Wenn Η 19i2f. und Η 20 3.8 die Entstehung des
Bösen aus den 4 Substanzen, Η 19 1« und Η 294 die Relativität
der Übel in gleicher Weise behandeln, so stammen diese
Kapitel inhaltlich aus der Grundschrift. Aber ihre Wiederholung
ist das Werk des Redaktors. Dabei liegt die Grundschrift in
Η 20i-io originaler vor als in Η 19: das beweist der ganze ar-
chaistische, wie insbesondere zu K. Π. stimmende, mysteriöse Cha-
rakter von Η 20 (vgl. Η 20«: τα τοιαύτα ov δεΙ λέγειν, άλλα
τοΙς μετά πεΐ()αν όοχιματώτοις [vgl. Ερ. Petr.J).
Nach R 3 75 handelt das G. Buch über die Fragen: quae sint
signa boni, quae vero mali. Wie R .'{59 f., so fehlt es dafür auch
in Η nicht an Hindeutungen, wenn hier darauf hingewiesen wird,
daß der Gute allen, auch den Gottlosen, Heilung, der Böse da-
gegen, der Gott nicht minder liebt als der Gute, den Gottlosen
Verderben bringen möchte.
Endlich finden sich auch in Η Ausführungen über die Frage:
quae sit difterentia dualitatis et conjugationis, die nicht nur mit
R 361 (cf. 3δϋ) sich inhaltlich decken, sondern auch über sie
hinausreichen. Vor allem legen H2 15-18 τον κανόνα της ov-
Ζυγίας (cf. Η 2is und 2:w), auch ο της ονζνγίας λόγος (Η 3ΐ6)
und ο της Οϋξνγίας νόμος (Η 3 ;vj cf. 323) genannt dar, der Η 2ir»,
dem Grundcharakter der Ä. /7. gemäß, ausdrücklich als το ^r-
οτήίαον bezeichnet wird, dessen Kenntnis die Menschen vor Irr-
tum bewahre. Dabei begnügt sich aber Η nicht, die Syzygien
einfach aufzuzählen, sondern geht, was R 3öi nur andeutet, auf
den Anfang aller Dinge, auf Gott zurück, der ά:ιαρχής (Η 2 ιό,
cf. ab initio R3r)5> alles einteilte, und zeigt, wie Gott bis zur
Erschaffung des Menschen zuerst immer das Gute und dami
II, 3. Die Rekonstruktion der petrinischen Kerygmen usw. l()7
als dessen Syzygie das Schlechte, von da ab jedoch umgekehrt
όιχώς xai εναντίους) zuerst das Schlechte, dann das Gute als
dessen Syzygie schuf. Aber während Κ Sei 10 Paare aufzählt,
kennt Η 2i5tf. nur 7; nämlich 1) Kain und Abel, [2) der schwarze
Rabe und die weiße Taube Noahsj, 2) Ismael und Isaak, 3) Esau
und Jakob, 4) der Hohepriester (Aaron) und der Gesetzgeber
(Moses), 5) der unter den Weibgebornen (Johannes der Täufer)
und der unter den Menschensöhnen (Christus) \ 0) Simon (= Pau-
lus)- und Petrus, 7) Antichristus und Christus. Vergleichen wir
beide Kataloge, so stimmen sie in dem ersten und letzten Paar
überein und beweisen damit ihre innere Verwandtschaft. Aber
während R als 2. Paar die Giganten und Noah zählt, erwähnt
Η den Noah nur als den Stammvater der unreinen und reinen
Geister, die ihr Bild in dem schwarzen Raben und der weißen
Taube haben. Ebenso erwähnt Η den Abraham nur als Stamm-
vater einer Syzygie (Ismael und Isaak), aber nicht als Genossen
emer solchen. Da es bei dem Syzygienkanon — auch sonst bei
Η — , abgesehen von dem 1. Paar, nicht auf die Ableitung der
Syzygien untereinander, sondern nur auf ihre Feststellung (R 376
differentia dualitatis et conjugationis) ankommt, wird hier R
l^r originaler als Η angesehen werden müssen. Treffen R und
Η in den beiden folgenden Paaren wieder zusammen, so nennt
Κ die Magier als Partner des Moses, wo Η den Aaron, und den
Versucher als Partner des Menschensohns, wo Η den Johannes.
Da, wie schon früher gezeigt, Johannes von R geflissentlich in
tiin günstigeres Licht gerückt wird, als in der Grundschrift,
so wird er auch hier mit Η in der Grundschrift anzunehmen
sein, also Η als original gelten^; dann aber wird auch die
Anführung der Magier in R an Stelle des Aaron in Η als
eme nachtragliche, im Sinne der Rechtgläubigkeit erfolgte Än-
derung zu betrachten sein, zumal sonst unter den Syzygien —
1; ό iv γεννητοϊς των yvraixCor η()ν)τος und 6 iy τοΐ^ νωις ίίνΟ•(>ώ-
3(vr όίίτερος.
2) Vgl. dazu anten S. 130 f. und Anm. 1.
.)) In der eigentümlichen Theorie von dem Gegensatz des Männlichen
WMi Weiblichen bezw. Weiblichen und Männlichen, unter dem die vor-
adamitischen bezw. nachadamitiechen Syzygien zusammengefaßt werden,
spricht eich ebenfalle unverkennbar die Grundanschauung der K. Π. aus,
<)ie auch eonst wiederkehrt (K 3 22. ae. 2n 2].
108 Waitz, Die Pseudoklementinen.
mit Ausnahme der Giganten, vgl. auch R — stets nur Einzel-
personen fungieren. Mit der Syzygie Simon — Petrus treffen beide
wieder zusammen, wobei allerdings in Η Simon aufs deutlichste
als Paulus charakterisiert wird. Erscheint Η auch hier ori-
ginal, so beweist R seinen sekundären Charakter dadurch, daü
es in der folgenden Syzygie nochmals von einem Heiden-
apostel redet, der doch nur entweder Paulus oder Petrus
sein kann, welcher nach Simon (vgl. Η 2ii) den Heiden το
tvayytXtov άληϋ^ές zu bringen hat (vgl. unten S. 136 ff. und
Anm. 1). Auch die Hervorhebung der Heiden ist, wie vorher
die der Magier, ein Werk des Redaktors. Auch sonst hat Η
noch mancherlei von dem aufbewahrt, Avas R „latius" über die
Syzygicn darlegen ΛνοΙΗβ, so z. B. Η 2ιγ) die Aufzählung der
voradamitischen Syzygien, wie überhaupt die eingehendere Er-
klärung des Syzygienmysteriums (vgl. Η 2 is), sowie einzelner
Syzygien (vgl. Η ^522-2« Adam und Eva und Kain — Abel). Also
auch hier ist die Angabe bei R 375 aus Η wesentlich zu er-
gänzen, um das 6. Buch der K. IL zu rekonstruieren. Daß es
aber in der Tat zu K, Π. gehört, das beweist nicht nur die
ausgesprochen antipaulinische Haltung, sondern auch die deut-
liche Beziehung des Syzygienkanons auf den λόγος τον jroo-
φητικον κανόνος in Η 2i5.
Wenn Η 3 ig die Absicht ausspricht, τον της ονζνγίας λόγον
noch besonders χεφαλαιο^δώς darzulegen, da es zu weit führen
würde, sich ins Einzelne zu verlieren, so erinnert dies wörtlich
an R3oi. Auffallig bleibt jedoch, daB der Syzygienkanon Η
bereits früher, Η 2i5-i8, bei R jedoch überhaupt nicht ausgeführt
ist. Diese Inkongruenz löst sich aber leicht, wenn wir beachten,
daß die Bemerkung Η 3 ic in einem Abschnitt über den wahren
Propheten steht (H 3 11-20), der zum 1. Buch der Κ Π, gehörte.
Offenbar gehört sie nicht dem Verfasser von Η und R, sondern dem
A^erfasser der A'. Π. an, der damit auf die spätere Ausführung
im (). Buch hinweisen wollte. Bei Η und R ist sie beidemal sinnlos.
-i Als 7. Buch folgte nach R 375 quae prosecuti sunt duo-
decim apostoli apud populum in templo. Davon ist R 1 54-6»
die Rede; denn hier wird zunächst von einer Disputation berichtet,
die zwischen den Juden bezw. jüdischen Sekten^, den Priestern Γ 1 55),
1; Sie werden JM 54 und C3 aufgezählt.
II, iJ. Die Rekonstruktion der petrinischen Kerygmen usw. 109
uen Sadducäern (Ιδβ), den Samaritern (Ιό?), den Schriftgelehrten
(läö), den Pharisäern (I59), den Johannesschülern (leo) und dem
Hohenpriester Kaiphas (lei) einerseits und den 12 Aposteln, Matthäus
(I55), Andreas (Ιδβ), Jakobus und Johannes (I57), Philippus (Ιδβ);
Bartholomäus, Jakobus des Alphäus Sohn und Lebbäus (Iso),
Simon von Kana, Barnabas (= Matthias) (Ico), Thomas (Ici)
und Petrus (loi) andrerseits über die Frage, ob Jesus der Christ
sei, stattfindet. Im Anschluß daran wird eine zweite Disputation
geschildert, die über dasselbe Thema zwischen Garaaliel und
Kaiphas einerseits und Jakobus, dem Bruder des Herrn, dem
Bischof von Jerusalem andrerseits auf Grund des Gesetzes und
<ler Propheten geführt wird (lee-eo). Sie überzeugt sogar den
Pontifex (1 69). Leider wird der Erfolg durch einen feindseligen
Menschen gestört (homo quidem inimicus, I70, = Paulus), der
eine Verfolgung der Christen heraufbeschwört. Dabei wird Ja-
kobus beinahe erschlagen, die Christen aber (5000 Seelen) wan-
dern nach Jericho aus, während der feindselige Mensch mit
Briefen des Hohenrats nach Damaskus eilt (1 70.71). Bei Η findet
sich von diesen Ausführungen keine Spur. Vergleichen wir sie
ihrem Charakter nach mit den übrigen Büchern der K, /7., so
erkennen wir tiefgreifende Unterschiede. Als „Predigten des
Petrus" sind diese Disputationen am allerwenigsten zu bezeichnen,
wie überhaupt Petrus sehr zurücktritt, R I71 sogar einmal aus
der Rolle fallt, indem er nämlich nicht, wie es sich für K, Π.
gebührt, wie von sich redend in der 1. Person, sondern über ihn
referierend in der 3. Person eingeführt wird. Auch tragen diese
öffentlichen Disputationen keinen mysteriösen Charakter, den doch
die K, Π. haben sollen. Judaistisch sind sie nicht, insofern
R I59 Jesus dem Moses übergeordnet wird, weil dieser bloß
Prophet, Jesus aber auch Messias ist. Antipaulinisch können
sie auch nicht genannt werden, da ja Paulus, auch Λνβηη er als
der inimicus homo bezeichnet wird, wie Ep. Petr. 1< doch nicht
als feindseliger Gegner des νομιμον κήρυγμα, wie Ep. Petr. es
voraussetzt, sondern im Gegenteil als Verteidiger des Judentums
erscheint. Überhaupt ist darin nichts von der nomistischen Ten-
denz der K, Π. zu finden, indem vielmehr die Beweisführung
nicht nur auf Grund des Gesetzes, sondern auch der (ira K. Π.
wnst verworfenen) Propheten stattfindet. Auch Johannes wird
Κ i 60 als propheta bezeichnet und gewürdigt, der doch nach
110 Waitz, Die Pseudoklementinen.
K, Π, zu den falschen Propheten gehört (vgl. S. 131). SchüeKlic
handelt es sich bei diesen Disputationen um eine These, di
nämlich Jesus der Christ sei, die den K. Π. durchaus fern lieg
ja mit ihrer Lehre von dem wahren Propheten in einem g
wissen Widerspruch steht. Es kann also dieses 7. Buch -
ebenso wie das 4. Buch — nicht ursprünglich zu den Κ Π. g
hört haben.
Das 8. Buch der K. Π. handelt nach R375 de verbis dom
ni, quae sibi videntur esse contraria, sed non sunt, t
quae sit horum absolutio. Ausführlich findet es sich R22i•-:
wo in einer Disputation zwischen Simon und Petrus dies Their
behandelt wird ^ Wenn sich dabei R 2 20 auf das Wort d«
Herrn bei der Aussendung der Jünger Mt. 10 12-15 cf Mc. 611 Lc. 10 δ
beruft, so geschieht dies auch Η 3:jo. Während aber R 22o-:\6 d
Disputation zwischen Simon und Petrus selber und ausführlic
wiedergibt, l)ringt Η 3:jo. :n sie nur auszugsweise in einer Re(
des Petrus, die gegenüber R sekundär ist.
Die Zusammengehörigkeit dieses Buches mit K. 77. ergil
sich aus der Übereinstimmung in dem Vorstellungskreis. Wen
Simon als derjenige auftritt, welcher den Kampf rechtfertig
(R 223 pugna ut potes nee requiras pacem sine hello), so kai
er hier sehr wohl die Maske des Paulus anhaben (cf. 1 Tim. 6:
Eph. 610 ff.). Was von dem wahren Propheten gesagt wird (R 22:
daß er, durch die Zeit dahin laufend und zu allen Zeiten den Mei
sehen, wenn nötig, erscheinend, zur Ruhe eile, wohin er auc
seinen gehorsamen Anhänger führe , erinnert wörtlich an Η 3
und stimmt sehr wohl zu der Lehre der K. 77. von dem wahre
Propheten. Auch die termini technici der K, 77. kehren hi
wieder, wie saeculum futurum (R 221), urbs maxima (221), il
civitas (222), regnum dei (222), bonus rex (224), malus rex (22^
clavis scientiae (2:io).
Beachten wir aber weiter, daß diese Übereinstimmung m
K. 77. im Laufe der Disputation immer geringer wird, dagegc
die Merkmale antimarcionitischer Polemik immer schärfer hervo
treten, so in der Betonung des guten und gerechten Gottes (22:
in dem von Simon (= Marcion) im doketischen Interesse ve
1) Auch der Ausdruck absolutio bezw. absolvere wird hier wiede
holt; vgl. Κ 2 26.
II, 3. Die Rekonstruktion der petrinischen Kerygmen usw. m
suchten Nachweis von Widersprüchen in den Worten Jesu, so
werden wir hier mit um so größerer Gewißheit den antimarcio-
nitLschen Redaktor wieder finden dürfen, als wir sonst in den
eigenartigen — ein schriftliches Evangelium voraussetzendem —
Evangelienzitaten die Λ'. /7. haben (vgl. Kapitel 111).
Das 9. Buch stellt die Behauptung auf, quialex, quae τ
a deo posita est, justa sit et perfecta, et quae sola
possit facere pacem.
Darauf kommt R 2:;ü kurz zu sprechen, indem hier Petrus
die Frage aufwirft: an ignoras, quia perfectio legis pax estV
Im übrigen finden sich weder bei R noch bei Η Anspielungen
darauf; doch zeigt die Wertschätzung des Gesetzes den gesetz-
lichen Standpunkt, den die K, Π. sonst einnehmen. Ob bei der
Frage des Petrus an Simon (== Paulus) eine Anspielung auf
Rom. 13io vorliegt: πλήρωμα ovv νόμου η άγάτζη*^
Das 10. Buch handelt de nativitate hominum carna- jo
lium (codd.: camali) et de generatione (codd.: regeneratione), .
quae est per baptismum et quae sit in homine carnalis
seminis successio et quae animae ejus ratio, et quomodo in ipso
est libertas arbitrii, quae, quoniam non est ingenita, sed facta
est, immobilis a bono esse non poterat.
Was zunächst den 1. Teil dieses Buches de nativitate
hominnm anlangt, so findet sich in R keine Anspielung. Da-
gegen nimmt Η 19 23 fast wörtlich darauf Bezug, indem hier
Petrus dem Simon erklärt, er könne ihm, wenn es Simon nicht
verhindere, darlegen, πώς άναγιννη{>Ης xcu την ytvtotv νπαλ-
λα§ας xcu νομίμως βιώοας αΐωνίον τρνξ^ οωτηρίας. Doch
geht Η darauf nicht weiter ein. Dagegen nimmt Η 202 noch
einmal denselben Gedanken auf, indem Η hier davon redet:
xd το μεν οώμα αντοϋ εύτΐ τρίμερες, εκ ϋ^?ιλείας έχον την
yiveöip' έχει γαρ έπιθ^νμίαν, όργτ/ν, λνπην και τα τούτοι-
ίχομενα. το όε πνεύμα, καΐ αντο ου τριτογενές ον, άλλα τρι-
μερές, ix τον άρρενος έχει την γενεοιν (R: seminis successioj
xai δεχτιχόν εατι λογιΟμον (R: animae ratio), γνωοεχος,
φόβου χαΐ των τούτοις επομένων, ίχατέρα όε των τριάδο^ν
μίαν έχει την ρίζαν ως είναι τον ανΟ^ρωπον εχ φυραμάτων
όνο, Θ-ηλείας τε χα\ άρρενος.
Die eigentümliche Unterscheidung des Männlichen und AVeib-
liehen, die, ebenso wie die dichotomische Betrachtung des
\{2 Waitz, Die Pseudoklementinen.
Menschen, für Κ Π. charakteristisch ist, beweist den inneren
Zusammenhang mit K. /7., deren gesetzlichen Standpunkt das
νομίμως ßtovv (H 19 23) markiert.
Der Zusammenhang aber dieser Ausführungen in Η 20-2 mit
dem 10. Buch der K. /7. ergibt sich noch durch die weitere
Beobachtung, daß hier unmittelbar vorher auf die Willensfreiheit
hingewiesen wird, von der nach R 375 im 2. Teil des 10. Buches
die Rede war. Dabei findet wieder eine auffallige Überein-
stimmung mit einem Abschnitt R 821-26 statt, der, Λνΐβ noch
weiter gezeigt werden wird, dem 2. Teil des 10. Buches 'der
K. IL entspricht.
Η 20 2 R323
τον ουν ανΰ^ρωπον αντεξον- arbitrii potestas est sensus ani-
otov Ιποίηοεν επιτηόειότητα mae habens virtutem, quapossit,
ίχοντα νενειν, jtQog ας βονλε- ad quos velit, actus inclinari.
T(u jiQa^tig,
Dieser Gedanke wird dann, in Η 20.3 weiter ausgeführt, daß
jeder Mensch die Freiheit hat, entweder dem guten König (R375
bonus!) durch gute Handlungen oder dem bösen König durch
Sünden zu dienen, und so sein Schicksal bestimmen kann, ent-
weder als Eigentum des guten Königs in den zukünftigen Aon
einzugehen, oder von dem bösen in dem gegenwärtigen Aon
gestraft zu werden, falls er sich nicht noch bekehrt. Es leuchtet
ein, daß auch diese Darlegungen dem 10. Buch der A'. Π. ange-
iiört haben müssen, zumal sie dem Vorstellungskreis der K. Π.
entsprechen.
Dasselbe gilt aber von den Ausführungen R 321-2G, wenn sie
auch von dem Redaktor überarbeitet sein mögen , besonders
nach der Richtung hin, daß die zuletzt charakterisierten Vor-
stellungen von dem Schicksal der Menschen eliminiert und durch
andre, wie z. B. über Notwendigkeit der Himmelsbewegungen
und Freiwilligkeit der menschlichen Handlungen (R 824) ersetzt
worden sind. Wenn aber R 3^6 diirlegt, daß die Menschen nicht
gut wären, wenn sie sich von dem Guten nicht bestimmen
lassen könnten (cf. R 3 2611.75 immobiles a bono), so blickt hier
die Anscliauung von H2O2. .i durch, wonach der Gute schon
im gegenwärtigen Aon es heimlich versucht, den Menschen
das zu raten, was ihnen dienlich ist, und so sich unter den
Menschen, die das Gute tun, seine Untertiinen gewinnt. Noch
II, 4. Inhalt und Gedankengang der ursprünglichen Kerygmen. χ[3
deutlicher zeigt sich R 3 26 der Zusammenhang mit K, Π., wenu
hier von solchen Seelen die Rede ist, die vorausbestimmt sind
(praedestinatae animae), dann, wenn der sichtbare Himmel wie
ein Buch aufgerollt wird und der obere Himmel erscheint, ent-
weder in das Licht einzugehen oder in die Flammen gestürzt
zu werden. Von der Vorherbestimmung des Menschen für das
Reich des guten und bösen Königs war ja im 3. Buch der K. Π,
die Rede ^ und von der Welt, über deren sichtbarem Himmel
sieh wie ein zweites Stockwerk der obere Himmel erhebt, im
5. Buch (vgl. R 1 17). Überdies spielt R 3-26 auf den wahren Pro-
pheten an, ein weiterer Hinweis auf K. /7.
Übrigens ist auch in diesem 10. Buch eine autipaulinisehe
Polemik erkennbar, indem die Ausführungen über die Geburt
und Wiedergeburt paulinischen Gedanken wie Rom 6, und die
Ausführungen über die Willensfreiheit der paulinischen Prädesti-
nationslehre (Rom 8 29 £ ,9 — 11) antithetisch entgegengesetzt werden.
Richtet sich die paulinische Prädestinationsidee mit ganzer
Spitze gegen die Juden (Rom. 9i8fir.), so mußte sie auch von einem
Jadaisten, wie dem Verfasser der Κ /7., bekämpft werden. Da
aber auch er von seinen philosophischen Prämissen aus die Un-
beschranktheit des göttlichen Willens nicht leugnen, andrerseits
die Freiheit des menschlichen Willens behaupten wollte, mußte
er einen Ausweg finden, wie er ihn in seiner Theorie von dem
guten und bösen König gefunden hat, die einerseits von Gott als
Organe seines Willens abhängig sind, andrerseits das Schicksal
der Menschen bestimmen, je nachdem sich diese durch ihren,
iwar durch die Herrscher heimlich beeinflußten, sonst aber freien
Willen für den einen oder andern entschieden haben.
4. Der Inhalt und Gedankengang der ursprünglichen Kerygmen.
Haben wir fftr R 1—3 und Η 2—3, 16—20 die wesentlichen
Bestandteile der Schrift K, Π. nachgewiesen, deren Inhalt R375
Dach den einzelnen Büchern angibt, so müssen wir nun noch
ihren Inhalt und Gedankengang skizzieren, um sie alsdann in
ihrer Eigenart näher zu charakterisieren.
Indem wir auf die Ergebnisse unsrer seitherigen Unter-
1) Der Ausdmck οϊ χακώς προδίω^ηοηίνοι = male praedestinati
findet ttch aoch Η 10 19.
Texte Q. Untersacbungen. N. F. X, 4. s
114 Waitz, Die Pseudoklementinen.
siichung zurückgeben, sehen wir dabei von denjenigen Bestand-
teilen ab, welche nachgewiesener Maßen nicht in das ursprüng-
liche Gefüge der K, Π. passen, also besonders von dem vierten
und siebenten Buch sowie den an timarcioni tischen Interpolationen.
Das 1. Buch der K, Π, von dem wahren Propheten (vgl.
Κ 1 15-17 und Η li8-2o; Η 26-i2, R 1 27-42 [bezw. R 49-18 u. Η 810-23]
auch Η 320-29) ist von grundlegender Bedeutung für das ganze
AVerk, indem es in dem wahren Propheten die Quelle aller Wahr-
heitserkenntnis nachweist.
Allerlei Unwissenheit, Irrtum und Laster erfüllten wie ein
imgeheurer Rauch das Gebäude der Welt, so daß seine Bewohner
ihren Schöpfer nicht mehr sehen konnten. Daher schrien sie nach
einem, der in ihr Haus komme und die Türe öfifne, so daß der
Rauch abziehen und das Licht der Sonne wieder hineinscheinen
könne. Als solch ein Helfer erschien der wahre Prophet, der
allein die Menschen erleuchten kann (Rl 15-17, Η li8-2o); denn wie
die Sonne dazu da ist, den Tag heraufzuführen, so ist der Pro-
phet dazu da, die Wahrheit zu verkünden. Der wahre Pro-
phet aber ist der, der alles weiß, das Vergangene, das Gegen-
wärtige und das Zukünftige. Da die Menschen mit ihrer ün-
Avissenheit die Wahrheit nicht finden können, müssen sie den
Λvahren Propheten suchen; wenn sie ihn aber gefunden haben,
ihm in allem glauben. Er ist aber leicht daran als der wahre
Prophet zu erkennen, daß er alles sicher voraus weiß, άλ?! η
J^Q6γvωOις τοις άγνοονοι παρίχίί την γνώοιν (Η 2 η). Nachdem
Gott im Anfang die Welt wie ein Haus geschaffen hatte, dessen
unterer, unter dem Firmament gelegner Stock den Menscheo,
dessen oberer Stock den Engeln zur Wohnung dient (R I27.28),
erschien der wahre Prophet zuerst in Adam, der dadurch, daß
er den Tieren ihre Namen gab, sich als der wahre Prophet
erwies (R l46, Η 32o. 810) und, als Prophet mit dem Ol vom Baum
des Lebens gesalbt, also auch ein unctus (= χριοθ^είς) und
Messias oder Christus war (R 1 45 hunc primum pater oleo
perunxit, quod ex ligno vitae fuerat sumptum; ex illo ergo un-
^fuento Christus appellatur vgl. Η 3 in f.). Durch ihn gab er der
AVeit ein ewiges Gesetz, das von keinem verfälscht, nirgends ver-
borgen gehalten, sondern überall gelesen werden soll. — Als
aber dann die Menschen sich mehrten, trat allmählich unter ihnen
ein Abfall von Gott, eine Depravation ihrer Religion und ihres
II, 4. lohalt und Gedankengang der ursprünglichen Kerygmen. ^5
Lebens ein. Und Gott hätte die Menschen vernichtet, zuerst durch
Wasser in der Sintflut, dann durch Feuer über Sodom, wenn
nicht immmer wieder einige Gerechte sich gefunden hätten, wie
Henoch (R412), Noah (R I29, R4i2, Η 817), Abraham (R Isä),
Isaak (I34), Jakob (Ui) und Moses (I34) (vgl. R 24? [Sei]; Η 252
2i6], 174. 18 14). Ob auch daher Unwissenheit, Irrtum und Laster
zunahm, indem die Menschen trotz der Gebote Gottes (R I30, ct. 4i;i,
Η 8 18 f.) Gott vergaßen (R4ii), Opferblut genossen (R I30), sich
der Magie ergaben, den Dämonen Altäre erbauten, Götzenbilder
errichteten, Blutschande trieben, — der wahre Prophet brachte
doch immer wieder Licht, indem er zuerst wieder dem Abraham
erschien und ihn über das Wesen der Gottheit, Anfang und Ende
der Welt, Unsterblichkeit der Seele, die Gesetze eines Gott wohl-
gefälligen Lebens, Auferstehung der Toten und gerechte Ver-
geltung belehrte (R I33). Nachdem er darauf wieder zu seinen un-
sichtbaren Sitzen zurückgekehrt war, erschien er von neuem dem
Moses und leitete den Auszug des Volkes aus der Knechtschaft.
Durch Moses erließ Gott von neuem sein ewig gültiges Gesetz
vom Sinai aus, das Sittengesetz, das den Glauben an einen Gott
imd die Beobachtung seiner Gebote zur Pflicht machte. Weil
aber das Volk den gottwidrigen und heidnischen Götzen- und
Opferdienst nicht lassen wollte, vielmehr sieh ein goldenes Kalb
machte und ihm opferte, ließ Moses den Opferkult noch zu, in-
dem er nur, um Schlimmeres zu verhüten, bestimmte, daß die
Opfer nur dem einen Gott und an einem bestimmten Orte dar-
gebracht werden sollten (R l»Gf.). Die völlige Abschafi'ung dieses
am der Herzenshärtigkeit des Volkes willen temporär zugelassenen,
prinzipiell widergöttlichen Opferkults stellte er in Aussicht, in-
dem er die spätere Ankunft des wahren Propheten weissagte
• Deut. 18 ΐδ). Weil er jedoch ihn nicht völlig ausgerottet hatte,
fiel das Volk Israel nach seinem Tod wieder in die heidnische
Art des Gottesdienstes zurück. Auf Veranlassung tyrannischer
Konige, die es sich selber gewählt hatte, errichtete es sogar an
dem Ort, der von Moses für den Gottesdieust bestimmt war,
einen Tempel, wie es die Heiden für ihre Götter taten, und geriet
so immermehr in Gottlosigkeit (Ise). Da erschien endlich der
wahre Prophet, den Moses geweissagt hatte, der Christus, der
von Anfang und durch die einzelnen Generationen hindurch,
natürlich verborgen, immer da war, und denen, von denen er
I
116 Waitz, Die Peeudoklementinen.
erwartet wurde (R I52) erschienen war (R222, Η 3 19-20). Seine
Aufgabe bestand vor allem darin, den Opferkult, den Moses noch
hatte bestehen lassen, abzuschaffen, indem er an seine Stelle die
Wassertaufe setzte, durch die — und nicht mehr durch das Blut
der Opfertiere — die Menschen von ihren Sünden befreit, zu
einem heiligen Leben geweiht und der Unsterblichkeit versichert
sein sollten, wie dann im jüdischen Krieg gerade solche, welche
getauft waren, gerettet wurden, während die übrigen Juden ihr
Reich verloren (R 1 3»). Aber ob er auch unaussprechliche Güter
in seinem Reiche, dem himmlischen Jerusalem, versprach (R I51)
und Wunder wie Zeichen tat, so fand er doch keine gläubige
Aufnahme in dem Volk, vielmehr erlitt er den Tod am Kreuz
(R 1 40-42). Vorher aber hatte er 12, die er Apostel nannte, dann
noch andere 72 bewährte Jünger sich erwählt, wie auch Moses
sich die 70 Gesetzeslehrer zu seinen Nachfolgern bestimmt hatte
(R 1 40-42). Sie sind es nun auch, welche, wie einst die 70 Gesetzeslehrer,
die Lehre von dem wahren Propheten weiter überliefern sollten..
Das aber, worüber der wahre Prophet — durch die Apostel
und deren Nachfolger — die Menschen, bezw. die Auserwählten
unter ihnen, vor allem belehren soll, ist das Gesetz, das nicht
so klar ist, daB es sine expositore gelesen werden könnte (R 1 21).
Das geschieht in dem 2. Teil des 1. Buches de legis capitulis
(H 238-53. 33-20.38-57). Ist nämlich das Gesetz, so wie es geschrieben
vorliegt, erst nach dem Tode bezw. der Himmelfahrt des Moses
(H 238. 347) von irgend Jemand, nicht aber von Moses niederge-
schrieben (R I47, Η 347), ja sogar, da es mehrmals, wie z. B. beim
Brand des Tempels unter Nebukadnezar vernichtet wurde, mehr-
mals aufgezeichnet worden (H 347), so enthält es auch Abschnitte,
welche auf Anstiften des Bösen hineingeschmuggelt wurden, um
die Freunde Gottes zu erproben. Das sind die sogenannten falschen
Perikopen, die Falsches und Gottes Unwürdiges aussagen, wie
z. B. daß er lüge, bereue, die Herzen verstocke, in einem Zelt
wohne, sich an Opfern erfreue und an Lichtem ergötze, in Fin-
sternis und Rauch wohne, unter Posaunen und mit Geschossen
erscheine, Kriege liebe u. dergl., auch Unwürdiges über die alttesta-
mentlichen Gerechten berichten, wie die Sünde Adams, den Rausch
I
Noahs, die Vielweiberei Abrahams und Jakobs, den Mord Moses und
seine Lehre bei einem Götzenpriester ^H 2 38.43 f. 47.52. 34.39.42.45.47).
Da nun die Menschen von sich aus nicht unterscheiden können^
11, 4. Inhalt und Gedankengang der ursprünglichen Eerygmen. in
welche Kapitel im Gesetz wahr oder falsch sind, so bedürfen
sie daza der Unterweisung, die freilich nicht allen, sondern nur
wenigen als Mysterium μετά πείραν πίοτεως (cf. Ep. Petr. 1. 3)
überliefert werden kann (H 2 39 f. 84), wie schon der Lehrer seinen
Jüngern gesagt hat γίρεο&ε τραπεζΐται δόκιμοι (Η 2 5ΐ. 3 5ο).
Da jedoch die Pharisäer und Schriftgelehrten, die den Schlüssel
der Erkenntnis besaßen, ihn nicht dazu gebrauchten (H 3i8), hat
sich der wahre Prophet selber von seinem Stuhle erhoben, um
das, was von jeher den Würdigen im geheimen überliefert war,
zu verkünden (H 3 19. 50). Und so hat er durch seine Predigt nicht
das Gesetz aufgelöst, sondern nur das, was, wie der Opferkult
und die weltliche Herrschaft Israels und die darauf gerichtete
Prophetie, nicht zu dem ursprünglichen Gesetze gehört (H 351.52).
ουραγός xal ή γη παρελενοονται, ιώτα δε ΐν η μία κεραία ον
μη χαρέλΟ-χι άπο τον νόμον (Η 35ΐ, cf. Ερ. Petr. 2).
Ist so das 1. Buch der Κ Π, von grundlegender Bedeutung,
indem es zeigt, inwiefern der wahre Prophet bezw. das nach
ihm auszulegende Gesetz die Quelle aller Erkenntnis ist, so geht
das 2. Buch dazu über, die Lehre des wahren Propheten selber
systematisch darzulegen, indem es zunächst de principiis han-
delt. Es gibt nur ein ürprinzip, das selbst ohne Anfang ist,
das ist Gott, der ungezeugt ist. Αυτοπάτωρ und αύτογέννητος
(R33.4, Η 16 ιβ) kann er daher nicht genannt werden, weil er
ja dann einmal nicht existiert hätte. Vielmehr ist er von jeher
dagewesen, ähnlich wie die Seele unveränderlich ist (R34).
Dieser eine Gott aber hat wegen seiner alles überragenden Schön-
heit eine Gestalt (H 17 3. 7) mit Gliedern, Augen und Ohren,
sodaB die Engel im Hinmiel und die, die reines üerzens, ihn
sehen können; aber nicht wegen des Gebrauchs — vielmehr ist
sein Leib lichter als alles Licht, sodaß das Licht der Sonne
gegen ihn nur Finsternis ist — , sondern nur um des Menschen
willen, dem er sein Ebenbild als Siegel aufgedrückt hat. Aber
wenn er auch eine Gestalt hat, so ist er doch nicht räumlich
begrenzt Sondern wie die Sonne ihr Licht nach allen Seiten
iQsbreitet, so wohnt Gott im Zentrum der Welt als das Herz
der Welt, der unteren wie der oberen, und dehnt sich nach allen
Dimensionen hin aus (H 17 s), indem er selbst der Anfang uod
das Ende, der Bubepunkt aller Dinge ist (H 17 9. 10). So ist er
das nnermeßlicbe Licht, das diese Welt erfüllt (K 2 ei. 67. 70).
y
118 Waitz, Die Pseudoklementinen.
Um aber zu der Erkenntnis dieses unermeßlichen Lichte
zu gelangen, dazu ist nicht notig, sich in der Phantasie übe
die Himmel zu dem unendlichen Licht hinaufzuschwingen (R !
αιϋ.βδ). Denn die Phantasie spiegelt den Menschen oft Dinge voi
die in Wirklichkeit nicht so sind, wie auch einst Petrus, als e
am See Oenezareth fischte, mit seinem geistigen Auge Cäsare
zu sehen glaubte, das er noch nie gesehen hatte, aber alsbal
merkte, wie er sich getauscht hatte, als er Cäsarea wirklich sa
(R 2 62-65); sondern das Gesetz genügt, um über das unermeßlich
Licht, die leibliche Hülle der Gottheit, Aufschluß zu geben (R
67. 7o). Überhaupt kann man zur Erkenntnis Gottes nicht durcl
Gesichte und Erscheinungen gelangen (H 17 5. 13), weil die Vi
sionen auch von bösen Dämonen herrühren können (H 17 1
R2 64) und die Träume außer menschlicher Gewalt stehen, auc
gottlosen Menschen, wie Abimelech, Pharao und Nebukadneza
zu teil geworden sind (H 17 17). So kann niemand auf dies
Weise durch Gesichte, Träume oder äußere Oflfenbarungen zui
apostolischen Lehramt gelangen , wie es Simon (= Paulus !) fü
sich in Anspruch nimmt (H Πιο), sondern allein durch de
Glauben an den wahren Propheten wird zweifellose Gewißhe:
über Gott verliehen (H 17 u), wie denn auch Petrus durch seine
persönlichen Umgang mit Jesus zur Erkenntnis gelangte. Ir
sofern in dem Herzen, das Gott in uns gelegt, alle Wahrhei
ο^ιερματιχώς, keimhaft enthalten ist, wird sie durch die Han
Gottes, aber nicht durch menschliche Gesichte, enthüllt (H 17i2-ip
Nachdem so im 2. Buch das Wesen Gottes dargelegt woi
den ist, geht das 'λ. Buch de praefinitione et fine auf di
Beziehungen Gottes zur Welt über. Schon ehe die Welt gi
schaffen war, stand der Urwille Gottes fest, durch den er di
Welt und die Zeit, die Engel und die Menschen sowie all
Geschöpfe in ihrer Entwickelung vorherbestimmte (R I24, Η iiasf.
Alsdann nach der Schöpfung erließ er in der Versammlung alle
seiner obersten Engel seine Bestimmung über die Kreaturen un
legte sie allen als ewiges Gesetz auf (R I24. Η 3 19 νόμφ cf. 822
Und weil er voraussah, daß die Menschen teils das Böse, teils da
Gute tun würden, gemäß der Willensfreiheit, die er ihnen ge
geben hatte, so bestimmte er für beide Klassen von Mensche
das Reich und den König, den jeder sich wählen konnte, ei
Reich des Bösen, das für den gegenwärtigen Aon sein soll, un
II, 4. Inhalt und Gedankengang der ursprünglichen Kerygmen. \{^
ein Reich des Guten, das für den zukünftigen Aon sein soll
(R I24. 352. Η 20 2). Dabei erhielt der Böse, weil auch er Gott
liebt, das Gesetz, daß er die Macht habe, die Bösen zu strafen
(H 15?) und ihrem Untergänge zu weihen (H 3 5); der Gute da-
gegen, die för das Friedensreich Gottes vorherbestimmten zu
Gott zurückzuführen (H 3 6. 20 2. 3). Indem Gott so diese beiden
Herrscher zu ausführenden Organen seines Willens machte, setzte
er zugleich einen Tag des Gerichtes fest, an dem eine Scheidung
der Dinge und der Seelen statthat, an dem das Reich des
Bösen, der gegenwärtige Aon, mit allen Gottlosen seinen Unter-
gang im Feuer findet, das Reich des Guten aber, der zukünftige
Aon, seinen Anfang nimmt, wo alle die, welche nach dem Willen
Gottes gelebt haben, in hellstem Lichte leuchtend, zu dem ewigen
Thron geführt werden und ewig unaussprechliche Güter ge-
nießen (R I24).
An diese Auseinandersetzung über die Grenzbestimmung des
kommenden Aon, zu dem nur die Auserwählten gehören (R3>»5)
und durch den wahren Propheten wie durch die Pforte ein-
gehen (R22J), und dem gegenwärtigen Aon, schloß sich das
ίδ.) Buch de duobus coelis an. Zwei Himmel hat nämlich
Gott geschaflFen, wie auch das Gesetz sagt. Der obere Himmel,
auch der ältere und höhere, ist der Wohnsitz des Lichtes, wo
Gott selber ewig thront und die Engel wohnen; er ist ewig und
anyergänglich; und wie er jetzt, weil durch das Firmament ver-
deckt, den Menschen unsichtbar ist, so daß sie nicht die Wohnung
der Himmlischen sehen können, so wird er einst nach der Zeit
des Kampfes und nach dem Gericht den Heiligen und Wür-
digen sichtbar und die Seelen der Seligen werden ihren Leibern
zurückgegeben und in das Licht hineingeführt werden. Der
sichtbare Hinmiel dagegen, der nach dem Bilde des unsicht-
baren geschaffen ist, befindet sich — wie der untere Stock —
unter jenem, von ihm durch das Firmament getrennt, und wird
dereinst bei der V^emichtung dieses Aons, wenn die Seelen der
Gottlosen in den Abgrund unauslöschlichen Feuers gestürzt wer-
den, zusammengerollt werden wie ein Buch (R3 26, cf Apocal.
Job. 6u) und vergehen, so daß alsdann jenes obere himmlische
Reich sichtbar wird und die, welche reines Herzens sind, wenn
sie selbst wie £ngel geworden, ebenso wie die Engel Gott sehen
werden (R2e8. 814.26-29 ef. Η 17 le).
120 Waitz, Die Pseudoklem entinen.
Ist damit der doppelte Schauplatz angegeben, auf dem sich
das große Weltdrama nach der göttlichen Vorbestimmung voll-
ziehen soll, so wird in dem folgenden (6.) Buch de bono et
malo der Gang der Handlung selber in seinem Verlauf darge-
stellt. Das Verhältnis, in dem der gute und der böse Herrscher
zu Gott und zu einander stehen, ist der Grundgedanke dieses
Buches, das somit inhaltlich sich aufs engste an die vorher-
gehenden anschließt und sie weiterfahrt. Wie schon das Buch
de duobus coelis andeutete, ist das Endziel der Welten twickelung,
daß einmal — in dem kommenden Aon — alles dem guten König
von Gott unterworfen sein wird. Dieses Endziel heraufzuführen,
muß indessen schon in diesem Aon der Böse mithelfen (RSvs).
Denn hier, wo allein der Böse herrscht, hat der Gute keine Ge-
walt, wiewohl er heimlich wenigstens zum Besten zu raten
versucht (H 20 2). Wer jedoch in diesem Aon das Gute tut,
wozu jeder die Freiheit hat, oder vom Bösen zum Guten sich
bekehrt, der wird Eigentum des guten Königs, der sich darüber
freut, und der Böse hat keine Macht über ihn. Wer aber das
Böse tut, der wird Eigentum des Bösen und deshalb in diesem
Aon von dem Bösen gestraft, der damit den Willen Gottes zu
erfüllen seine Freude hat. So muß nicht nur der Gute, wie die
schnelle rechte Hand Gottes, die lebendig und selig macht,
den Willen Gottes erfüllen, sondern ebenso der Böse, wie dessen
schnelle linke Hand, die die Gottlosen ausrottet Da er
gesetzlich {νόμιμος Η 20 3; ρομφ Η 19 ιβ) dazu gezwungen
ist, übles zu tun, tut er eigentlich gar nichts böses, obwohl
er der Böse ist (H 20 3 cf. 20 9), und so kann er am Ende des
gegenwärtigen Aon, wenn er nur tadellos Gott gedient hat,
selber μεταουγχριϋ^^ίς wieder gut werden. Indem er nämlich
alsdann mit den Sündern in die äußerste Finsternis gesandt
wird, kommt er in dasjenige Element, das seiner Feuernatur
am angenehmsten ist. Und während die Menschenseelen, die
wie reine Lichttropfen sind, von ihm, vom Feuer aufgesogen
und so bestraft werden, geht mit dem Bösen selber eine μετά•
ονγκρωις dq άγαΰ^ον προαίρεοιν vor sich (Η 20 9 cf. Ex. 7 10-12). —
Ist mit dieser Auffassung des Bösen als eines Organs des
göttlichen Heilsratschlusses der Zweck seiner Existenz erklärt,
so ist noch die Frage zu erörtern, wie er zu seiner Existenz
gekommen ist, ob er aus sich selbst oder aus Gott oder aus
II, 4. Inhalt und Gedankengang der ursprünglichen Kerygmen. 121
nichts in der Zeit entstanden ist oder ewig existiert bat. Während
Simon mit diesen Fragen des Petrus monarchische Auffassung
von Gott ad absurdum führen will, stellt Petrus als seine An-
sicht fest, daß nach der hebräischen Anschauung der Böse (bezw.
nach R das Böse) keine selbständige Subsistenz hat (R 3 le. Η
19 3.4). Wenn er sich aber zunächst auf diese Frage nicht weiter
einlassen will, weil die Schrift nichts darüber aussagt (R 3 19.20.
Η 19 3, 20 6), so geht er doch schließlich darauf ein. Da er
aber den Bösen nicht als sittliche, sondern als physische Potenz
auffaßt (H 20 i»), hat er die schwierige Aufgabe, einmal nachzu-
weisen, daß der Böse nicht für sich existiert, weil damit die
gottliche Monarchie aufgehoben ist, sodann daß er nicht un-
mittelbar von Gott geschaflfen ist, weil dann Gott nicht mehr
gut sein kann. Zu diesem Zweck verlegt er in Gott selbst trotz
aller Behauptung seiner Einheit (H 39.10. 19 17) eine Zweiseitig-
keit, indem er ihn bezeichnet als εΙς ων ώοπερ όεξιά χαΐ άρι-
6τί(βά (Η2ΐ6). Sein Leib (μορφή), dessen Abbild der Mensch
ist (H 17?. n), ist die Materie {νλη Η 19 4). Wie er aber eine
rechte und linke Seite hat, so auch eine rechte und linke Hand,
welche die Organe des göttlichen Willens sind (H 2 02. 3 17. 20 ti.
Η 20 3 cf. R 6 7). Diese Hände Gottes sind nichts anderes als der
Gute und der Böse, cf. R 3 54. Η 20 3. Diese sind aber nicht von
sich selber oder wider den Willen Gottes außerhalb Gottes ent-
standen, auch nicht wie Lebewesen von ihm erzeugt, sondern
darch Emanation aus Gott hervorgegangen, der Gute direkt
1H2O8) ix της του ϋ^εον χαλλίύτης τροπής, der Böse indirekt,
indem zunächst aus Gott die vier Urelemente {οτοιχεία Η 20 3;
vgl. ovclcu Η 19 12), des Warmen, Kalten, Feuchten und Trockenen
emanierten. Als diese an sich neutralen Substanzen, nachdem
sie ans Gott herausgesetzt waren, sich mischten, entstand wie
ein Fötus ein Wesen, das den Vorsatz hatte, die Bösen zu ver-
derben {ή των χαχών προαίρεοις, η χαχοίς χαίροναα προαί-
ρεοις Η 19 12. is. 20 8. β. 9). So stammt also der Böse von Gott
und nicht sonstwo her; hat aber von Gott nicht seine Bosheit,
wie er wiederum mit seiner Bosheit dem Willen Gottes dienen
maß. Wie sie, so schuf Gott auch den Kosmos nach dem
Gmndsaiz dualitatis et conjugationis (K375) διχώς xal έναντίως
(B3st-62. Η 2 16-18). Obwohl selbst απαρχής αυτός εΙς ων χαϊ
μόνος ^εός, ließ er doch seine Schöpfung paarweise in Gegen-
122 Waitz, Die Pseudoklementinen.
Sätze auseinandergehen, die, wie der Gute und Böse, ein-
ander sich nicht ausschließen, sondern gegenseitig reizen und
schließlich einander aufheben. Die voradamitische Schöpfung
schuf er in der Weise, daß hier zuerst das Höhere und
Bessere (das Männliche) und dann das Geringere und Schlech-
tere (das Weibliche) kam, zuerst der Himmel, dann die Erde,
zuerst die Sonne, dann der Mond, zuerst das Licht, dann
das Feuer, zuerst der Tag und dann die Nacht, zuerst die Ge-
sundheit, dann die Krankheit, zuerst die Gnosis, dann die Un-
wissenheit, zuerst das Leben, dann der Tod (H 2 16, cf. 2 is. i? u.
3 22). Alsdann schuf er Adam und Eva zusammen in der Weise,
daß Eva aus Adam hervorging, ähnlich wie der Böse aus Gott
selbst (H 16 12 είς αρ&ρωπος έγένετο, ajc αντον 6k jtQofß&e
καΐ το ^ήλυ, χαΐ μονάς ovöa τω yivti δνας έύτιν. Bildet so
Adam gleichsam der Knotenpunkt, in dem die beiden von Gott
ausgehenden Reihen der Syzygien zusammenlaufen, so ist er
auch der Kreuzungspunkt, von dem sie wieder auseinandergehen.
Denn hier in der nachadamitischen Schöpfung findet sich die
umgekehrte Ordnung, indem zuerst das Geringere und Schlechtere
(das Weibliche) und dann das Höhere und Bessere (das Männ-
liche) folgt: 1) zuerst der ungerechte Kain, dann der gerechte
Abel, 2) zuerst die Giganten, dann Noah, 3) zuerst Pharao, dann
Abraham, 4) zuerst Ismael, dann der von Gott gesegnete Isaak,
5) zuerst der gottlose Esau, dann der fromme Jakob, 6) zuerst
der Hohepriester Aaron, dann der Gesetzgeber Moses, 7) zuerst
der weibgeborne Elias = Johannes, dann der Menschensohn,
8) zuerst der Irrlehrer Simon, dann der wahre Apostel Petrus,
D) zuerst der Antichrist, dann der wiederkommende Christus.
Alsdann, wenn die ewige Sonne aufgeht, wird alle Finsternis
schwinden (liSci. Η 2 15-17). Und so werden die beiden Prin-
zipien, wie sie in der vor- und nachadamitischen Zeit in 7 bezw.
9 Entwickelungsstufen die Syzygien mit ihrem Gegensatz ins
Leben gerufen haben (R3 5i)), im Wechselspiel wieder zu ihrem
Anfang zurückkehren, so daß Gott άρχη ων χάί τελεντη, die
Ruhe und der Sabbat aller wird (H 3 26, cf. 17 10. 11). Mit ihnen
zugleich werden aber auch die Menschen zu ihrem von Gott
vorausbestimmten Ziel gelangen. Denn diese eigenartige Ordnung,
bezw. Umkehrung der Syzygien für den gegenwärtigen Aon ist
um des Menschen willen geschehen, damit sich dann ihre
II, 4. Inhalt und Gedankengang der ursprünglichen Kerygmen. 123
Scheidung vollziehe. Wie nämlich die transzendenten Kräfte,
der Böse und der Gute, so haben auch die geschichtlichen Per-
sönlichkeiten, in denen sie in Erscheinung und Wirksamkeit
treten, die Macht, Zeichen und Wunder zu tun, welch letztere sich
nur darin unterscheiden, daß die des Bösen dem Menschen nichts
nützen, die des Guten aber für sein Heil förderlich sind. Denn
nur am Ende der Tage darf der Böse auch dextera signa voll-
bringen, um die Menschen zu verwirren. Wer nun so einfältig
ist, den Zeichen zu glauben, die von dem Bösen gewirkt sind,
nicht aber den besseren, die der Gute bewirkt, der wird mit
Recht als ein Ungerechter verurteilt. Denn ungerecht ist es,
jenen zu glauben, und nicht diesen, da doch diese größer sind
als jene. Wer aber so klug ist, den Zeichen zu glauben, die
von dem Guten gewirkt sind, der wird von ihm sogleich er-
fahren, daß er den Zeichen, die der Böse wirkt, nicht glauben
darf, und so gerettet werden (R 3δ5-6ο cf. Η 2 33.34).
Mit diesen Ausführungen leitet das (6.) Buch von der syste-
matischen Grundlegung in den ersten Büchern der /i. /7. zu ihrer
praktischen Anwendung in den letzten Büchern über.
Haben sich nämlich die Menschen nur dem guten Könige
anzuvertrauen, wenn sie für sein Friedensreich im kommenden
Aon gerettet sein wollen, so müssen sie auch willig seiner Auf-
forderung Folge leisten, jenes Reich und seine Gerechtigkeit zu
suchen, und sich schon jetzt in guten Werken üben. Wer so
in Übung der Gerechtigkeit, non velocitate pedum, sed operum
bonitaie seinen Lebensweg vollendet, der wird durch die Pforte,
die da ist der wahre Prophet, in die himmlische Stadt eingehen,
wo der allmächtige Vater thront, den allein, die reines Herzens
«ind, schauen, und hier Ruhe finden. Denn auch der wahre
Prophet eilt von Anbeginn der Welt durch die Zeiten hindurch
zur Ruhe, um die, denen er alle Tage nahe ist und, \venn
nötig, erscheint, zum ewigen Leben zu führen (K 221.22, vgl.
S. Buch der K. Π.).
Dazu ist aber nötig, daß das Gesetz, das von Gott gegeben
ist, — also das mosaische nur insoweit, als die falschen Perikopen
davon ausgeschlossen sind — als gerecht und vollkommen an-
gesehen und demgemäß auch befolgt werde. Denn da die rechte
ErfUlong des Gesetzes die Menschen zum Eigentum des guten
Königs und wahren Propheten und damit zu Erben dos
Ίί
J24 Waitz, Die PseudoklementineD.
ewigen Friedensreiches macht, so kann auch das Gesetz allein
' ' den Frieden bewirken (9. Buch der A'. Π. vgl. R 2 ae).
Zu einer solchen Befolgung des Gesetzes wird aber der
natürliche Mensch sich nicht entschließen können noch auch die
Kraft besitzen. Denn da er aus einer Mischung männlichen und
weiblichen Samens entsteht, ist er ein ζ wiefaltiges Wesen. In-
sofern er aus dem männlichen Samen hervorgegangen ist, d. h.
nach seiner pneumatischen Seite, hat er wohl Fähigkeit zur
Überlegung, Erkenntnis, Furcht und dergl, was ihm die Befol-
gung des Gesetzes ermöglichen würde. Insofern er aber aus
dem weiblichen Samen hervorgegangen ist, hat er Begierde,
Zorn, Trauer und dergl., was ihn zur Übertretung des Gesetzes
reizt: daher muß er umgewandelt und wiedergeboren werden,
was durch die Taufe erfolgt Alsdann wird er dem Gesetz ge-
mäß leben und des ewigen Heiles teilhaftig werden (10. Buch
/^' de nativitate et regeneratione R3 75. Η 19 23. 20 2).
Aber dazu sich zu entschließen, steht jedermann frei. Denn
der Mensch hat einen freien Willen, daher die Fähigkeit, sich
entweder für den bösen König zu entscheiden und ihm durch
Sünden zu dienen, oder aber sich zu bekehren, durch die Taufe
sich zu erneuern und zu dem guten Könige in guten Werken
hinzuwenden. Da jedoch diese Willensfreiheit des Menschen
nichts substantielles, sondern nur etwas accidentielles ist, so ist
sie nicht derart, daß ein Mensch sich völlig seiner göttlichen
Bestimmung widersetzen könnte. Wer vielmehr zu den für das
Friedensreich Prädestinierten gehört, der wird für den Einfluß
empfänglich sein, den der gute König, allerdings nur heimlich,
auf ihn ausübt, um ihn für sich zu gewinnen. Dann aber, wenn
die Zahl der Prädestinierten voll geworden ist, wird das ge-
schehen, was schon früher dargelegt ist: der sichtbare Himmel
wird wie ein Buch aufgerollt werden und der obere erscheinen,
und die Seelen der Seligen werden in das Licht eingeführt wer-
den (10. Buch, Fortsetzg. de libertate arbitrii Η 20 3. R3 26).
So zeigt die Inhaltsangabe und der Gedankengang dieser 10
^ezw. nur 8) Bücher, daß hier in R 1 — 3 bezw. Η 2 — 3 und 16—20
ein groß angelegtes, systematisches Werk vorliegt, das in seinen
GrundzOgen noch deutlich erkennbar ist. Damit ist auch zugleich
endgiltig die Unhaltbarkeit der Fiktionshypothese abgetan, welche
die Existenz der in R 3 7:» angegebenen Bücher leugnen möchte.
II, 5. Der Charakter der Kerygmeo. 125
5. Der Charakter der Kerygmen.
Das Werk, das wir aus R und Η rekonstruieii haben, ist
seiner Form nach das, was der Titel K. Π. besagt, nicht etwa
ein Bericht über Petrus und seine Predigten, sondern eine lehr-
hafte Darbietung eines in sich abgeschlossenen Systems, eine
Abhandlung, wie dies auch die βίβλοι των κηρυγμάτων nach
Ep. Petr. gewesen sein müssen. Das tritt deutlich in dem Ge-
samtcharakter wie auch in einzelnen Stellen, so z. B. R 1 27-42.
32-6.12-26; Η 3 6-28, sowie in der Bezeichnung einzelner Bücher
als tractatus (R 1 17) oder λόγος (Η 320.29) hervor. Erst in der '
Überarbeitung durch den — antimarcionitischen oder klemen-
tinischen? — Redaktor haben die K, /7. die dialogische Form
einer Unterredung bezw. Disputation erhalten.
Seiner Art nach ist es als eine Geheimschrift zu charakteri-
sieren, wie das auch die K. Π. nach Ep. Petr. 1 und Cont. gewesen
sein sollen. Das beweist der gesamte Inhalt, die Lehre von
dem wahren Propheten und den falschen Perikopen, von der
Torzeitlichen Vorherbestimmung des Weltlaufes, von der Ord-
nung der zwei Reiche, Himmel und Herrscher, wie insbesondere
die Syzjgientheorie; darauf deuten aber auch einzelne, gelegent-
liche Bemerkungen, so, wenn in R, wo doch der Charakter der
Geheimschrift mehr oder weniger verwischt ist, secretior intelli-
gentia (R 1 74 cf. I21), secretus sermo (R 2 45 cf. 2 55. 3 30) oder in Η
μνοτήριον (Η 24o. 34.28. 17 10. 19 20), μυοτιχος λόγος (Η 3 29), τα
h χρνπτω Λαραδιδόμενα genannt werden ^ Dies Ergebnis ist
om so auffalliger, als in den klementinischen Schriften nur da.
wo wir K, /7. gefunden haben, eine Geheimschrift vorausge-
setzt wird.
Suchen wir nun den Charakter dieser Geheimschrift näher
zu bestimmen, so erkennen wir darin ein Produkt des syn-^
kretistischen Judenchristentums, wie es hauptsächlich — in aller- ν
dings verschiedenartigen Schattierungen — durch die phrygi-
8chen Irrlehrer des Kolosserbriefs, Kerinth, die Elkesaiten des
Hippolyi und Epiphanius, die Nasaräer, Ossäer, Ebionäer und
Sampsaer des Epiphanius (haer. 18. 19. 30. 53) vertreten ist.
Bezeichneten nach Epiphan. haer. 30 ih einige dieser Juden- "
Christen Christus als den προφητην της άληΟείαα, so finden
1) VgL Η 18 20. 208.
126 Waitz, Die Pseudoklementinen.
wir iu dieser Gleichsetzung eine Grundlehre der K. ΠΛ Aller-
dings kehrt der Ausdruck {προφήτης άληϋ-είας, άληβ-ης προ-
φήτης) auch sonst oft in R und Η wieder, auch wo nicht K.
/7. vorliegen ^ Aber während die K. /7. mit dieser Gleichsetzung
des Christus als des wahren Propheten eine ganz eigenartige
religionsphilosophische Spekulation verbinden (s. u.), ist sie hier
eine nichtssagende, andersartige Bezeichnung, für die fast regel-
mäßig der Ausdruck „Jesus" oder „Herr" oder dergl. eingesetzt
werden könnte, ohne daß dadurch der Gedanke irgendwie alte-
riert würde; oder aber es wird, wie in R 859.62, der Prophet,
unter dem die K. Π. eine Person verstehen, als geistiges Prinzip,
als der λόγος οπερματιχός aufgefaßt. Offenbar hatte der Ver-
fasser der Klementinen, als er die K, Π, in sein Werk verar-
beitete, gerade an dieser Bezeichnung Christi seine besondere
Freude gefunden, weshalb er immer wieder auf sie zurückkommt.
War doch auch so eine gewisse stilistische Ebenmäßigkeit
erreicht.
In Κ Π. dagegen hatte diese Bezeichnung Christi einen
tieferen Sinn. Hier sollte sie helfen, die Grundanschauung der
K. /7., die auch die Grundanschauung jenes synkretis tischen Juden-
christentums ist, zu begründen und durchzuführen, die Identität
des Christus und des Adam, d. li. die Identität des Christen-
tums und der Urreligion^
\) Vgl. R 1 15-17. 33. 34. 36. 37. 52. 2 22. 28. Η 26. 75; Hl 19. 20 f. 2 5-10. 17.
3 5. 11. 13. 15. 21. 23. 27. 28. 52. 17 18. 18 7.
2) Vgl. R 1 25. 3 41. δ 10. 25. 7 U. 23. 8 22. 58. 59. 60. 9 23. 29. 30. 1046. 47;
Η 7 6. 8. 8 10. 22 10 3. 4. 11 19. 26. 35. 12 28. 29. 13 4. 14.; Ep. Cl. 10.
3) Schliemann a. a. 0. 3Ujf ; Hilgenfeld a. a. 0. 292 f.; Uhlhom a. a. 0.
105 f. haben zwischen R und Η insofern einen ünterechied gefunden, als
R die Identität des Adam und Christus, Η die des Adam und der 7 Kory-
phäen der alttestamentlichen Religion lehrten (vgl. Η 252. 174. 18i8.i4
li>9; R 2 47; cf. Prov. 9i). Aber sieht man näher zu, so findet eich
diese Lehre weder bei R noch bei H, sondern nur die der Identität
von Adam und Christus. KbeuBO wie R 247 wird auch Η 252. 17 4. 18 13. 14
nur die Gerechtigkeit und Sündlosigkeit dieser alttestamentlichen Ge-
rechten behauptet. Dagegen wird R 1 47 ebenso wie Η 3 2i nur die Iden-
tität Adams und Chri.«iti gelebit. Die übrigen alttestamentlichen Frommen
sind nach R nicht Medien, sondern einzig und allein Objekte für die
Erscheinungen des wahren Propheten. Das und nicht mehr sind sie
auch den Ebioniten des Epiphanius haer. 30 18: οίδα γαρ ως όμολο-
II, 5. Der Charakter der Kerygmen. 127
Nach Epiphan. haer. 30 3, vgl. 53 1 waren es die Elkesaiten,
welche die Lehre vortrugen, daß Adam, der, vor allen andern Ge-
schöpfen als πνεύμα geschaffen, über den Engeln stehe und alles
beherrsche, auch Christus genannt werde, dem der jenseitige Aon
zugefallen sei. Von dort komme er, wann er wolle, wie er auch
in leiblicher Hülle in Adam kam und den Patriarchen erschien.
Nachdem er aber zu Abraham, Isaak und Jakob gekommen war,
kam er selbst am Ende der Zeiten und zog eben denselben Leib,
wie Adam, an und erschien den Menschen und wurde gekreuzigt
und stand wieder auf und ging wieder hinauf; Hippolyt er-
gänzt diese Lehre, indem er berichtet, daß Christus nicht erst
jetzt aus der Jungfrau geboren sei, sondern auch schon früher,
und wiederum, oftmals geboren und geboren werdend, erschienen
und vorhanden sei, indem er die Geburten wechsele und in
andre Leiber wandre^
Das aber ist bis ins Einzelne gerade die Lehre der K, /Z,
wie wir sie oben S. 114f dargestellt haben. Denn auch hier-
nach ist Christus, der Herrscher des oberen Aon, in Adam
•R I47, cf. I28 und Η 321) und dann dem Abraham R I32, dem
Moses (R I34) erschienen, bis er zuletzt in Christus kam. Und
wenn Rld4. 52. 222; Η 32o von dem wahren Propheten bezw.
Christus gesagt wird, daß er von Anfang der Welt an durch
diesen Aon hindurchläuft, indem er allezeit erscheint (αμα τοις
ονομαοί μορφάς άλλάούων Η 32ο), so stimmt auch dies mit der
oben dargelegten Lehre der Elkesaiten überein.
Sollte jedoch die Identität des Christentums und der Ur-
religion behauptet werden, so frug es sich, welche Stellung
dem Mosaismus eingeräumt werden mußte.
Einerseits mußte das Gesetz als göttlich anerkannt werden
vie es von Moses dem Volk der Hebräer gegeben worden war.
Wie dies bei den Judenchristen der Fall war-, so wird auch
in K. Π, überall das Gesetz als normativ vorausgesetzte Und
ytiit^ αντονς (sc. iVwe, ''Αβραάμ, ^Ιοαάκ, ^Ιακώβ^ Μωιοί^ς) tivai όι-
χαίονς χαΐ πατέρας ϊαντων ^ηιγράφεα&ε.
1) Hippolyt Pbilos. Ou, vgl. 10 29.
2) Vgl. Iren. haer. I, 26 2; Epiph. haer. 104. ']()s: Hippol. Phil. U u:
4 pouov πολιτεία.
3) Vgl. lib. I. II. IX der if. Π. nach R375: το νυμιμον κι]ονγμα Ep.
Petr. 1, Cont. 1.
128 Waitz» Die Pseudoklementinen.
wie alle Glaubenssätze an dem Gesetz geprüft werden, so wird
die GesetzeserfQlluDg als die wesentliche Vorbedingung des Heiles
bezeichnete Dementsprechend wird auch, wenigstens an einer
Stelle noch, die Beschneidung gefordert (Cont. 2).
Andrerseits durfte der Mosaismus nur als eine Depravation
der ürreligion erscheinen, deren Wiederherstellung das Christen-
tum im Sinne dieses Judenchristentums ist.
Vor allem durfte der alttestamentliche Opferkult nicht zum
Wesen der jüdisch-christlichen Universalreligion gerechnet wer-
den. Deshalb kam auch nach der von Epiphanius haer. 30 le dar-
gestellten Lehre der Judenchristen, bezw. nach dem von ihnen
gebrauchten Evangelium Christus, um die Opfer abzuschaffen^.
Nach R 1 32. 37 aber ließ Moses den Opferkult nur bestehen um
der Herzenshärtigkeit der Juden willen, und nach R Issf. war
es die heilsgeschichtliche Bedeutung Jesu, die Opfer aufzuheben
und so durch Reinigung des Mosaismus die Ürreligion wieder-
herzustellen. Und in derselben Weise wie das Ebionitenevangelium
Mt. 5i7^ kommentiert auch Η 3 51.56 dieselbe Stelle. „Indem
er sagt: »ουκ ηλΟ^ον χαταλνύαι τον νομον^ will er doch offen-
bar etwas auflösen, was nicht zu dem Gesetz gehört", das sind
aber nach Η 352 in erster Linie al &völai, sowie cd ßaacXslai
(vgl. R 1 38 tyranni) und al Iv γεννητοίς γνναιχών προφητεΐαι,
ώς ονχ οντά ϋ-εοΰ προοτάγματα^^. Ist es aber nach R l39(cf.
lib. X der K, /7. R 3 75) die Mission Jesu gewesen, an Stelle der
abrogierten Opfer die Taufe als Unterpfand und Vorbedingung
der Sündenvergebung zu setzen, so verhieß nach HippoL Philos.
9 15 das Buch Elkesai allen denen eine neue Sündenvergebung,
die sich taufen ließen. Auch nach Epiph. haer. 30 16 hatte die
Taufe bei den Judenchristen eine besonders hervorragende Be-
deutung.
Eine derartige Unterscheidung zwischen Ordnungen des mo-
saischen Gesetzes, die in Gültigkeit bleiben, und solchen, die in
Wegfall kommen sollten, war aber nur möglich durch eine ein-
sehneidende Kritik am Alten Testament, besonders am Pentateuch.
1 ) Vgl. R 2 20. 21. 26. 3 34. 36, Η 3 26. 1!) lo.
2) Vgl. auch Epiph. haer. 18 1. 11)3.
3) Epiph. haer. 30 16: το παι/ αντοΐς εναγγέλιον χαΧονμενον περιέχει
υτι ήλ^εν καταλνααι τάς Θ^νοίας κτλ,
4) Vgl. Η 2 44. 3 24. 26. 45 f. 56.
II, ö. Der Charakter der Kerygmeu. 129
Eine solche übten aber die Judenchristen des Epiphanius aus,
wenn von ihnen gesagt wird, haer. 30 is: ovöe γαρ δέχονται την
χεντάτενχον Μωνοέως όλην, αλλά τίνα ρητά άποβάλλονΟΐνΚ
Nach haer. 18 2 behaupteten die Nasaräer sogar, daß die Schrift
teils άλη&ές, teils ψενδος enthalte. Das aber ist gerade die Lehre
der K. Π. von dem Gesetz 2, unter dem ja auch hier nicht der
gesamte Inhalt des Pentateuchs, sondern die lex aeterna^ ver-
standen ist, wie sie den Menschen einst bei der Schöpfung ge-
geben, durch Moses vom Sinai unter himmlischen Stimmen
wiederholt (R Iss) und zuletzt durch Jesus bekräftigt worden ist^,
d. h. der Moralkodex des mosaischen Gesetzes unter Au.jschluß
des Zeremonialgesetzes^ So findet sich auch hier die Lehre von
den falschen und echten Perikopen im Gesetz, das nicht von
Moses aufgeschrieben, sondern von ihm mündlich övv ταΐς huti-
λνοεοιν den Gosetzeslehrern überliefert worden ist^. Ein weiteres
Kennzeichen dieses Judenchristentums ist es, daß es di^Blttesto''
m entlichen Prophete n teilweise oder gänzlich verwirft. So sagt
schon Iren. haer. 126 2 von den Ebioniten : quae autem sunt prophe-
tica, curiosius exponere nituntur^. Und Epiphan. haer. 30 15. is be-
stätigt, daß sie nach Moses keinen Propheten anerkennen, ,, sondern
David und Salomo ebenso, wie Jesaia, Jeremia, Daniel und Hesekiel,
Elia und Elisa verwerfen, indem sie sagen, sie seien Propheten
der Klugheit, aber nicht der Wahrheit, und nur Christus als den
Propheten der Wahrheit gelten lassen wollen". Dazu stimmt
aber wiederum im wesentlichen die Stellung der Κ Π. Auch
hier werden in merkwürdiger Weise Adam, Jakob und Moses*^
als Propheten anerkannt und bezeichnet, dagegen alle übrigen
Propheten^ die auf Moses folgen, einerseits als Propheten nicht
genannt noch auch zitiert"*^, andrerseits geradezu verworfen.
1] Ebenso die Nasaräer nach Epiph. haer. 18.
2) τοϋ &εον νόμος Η 8 47 cf. 2 52. 17 17.
3j R 1 24 cf. U δ 10 νόμος αΙώνιος.
4 . Ep. Petr. 2. Η 8 5i. 54. 5j R 1 35. 2 36. Η J 16. R :i 6i. Η S 21.
6j Ep. Petr. 1. 2. Cont 1. R 1 37 cf. 40. Η 2 38-52. 3 38-57 cf. 3 4.9. 10.
Uil3. U. 1819. «0.22. 19 22.
7; „Was aber die Propheten anbelangt, so bemühen sie sich, mög-
lichst merkwürdig sich darüber auszulassen*'.
S) Adam: RI47. Η 3 42. 43; Jakob R 1 4ü. Η 2 52. 3 49; Mos<esRl36.
Η 2 38. 52. 3 44.47.58. 17 18. U) S. U. S. 144 f.
Texte α. üntersachongen. N. F. X, 4. <J
130 Waitz, Die Pseudoklementinen.
Denn in zwei Klassen werden hier die Propheten eingeteilt; die
eine ist die männliche Prophetie, die, obwohl die erste, nach dem
Syzygienkanon erst an zweiter Stelle rangierte Sie geht auf den
Propheten der Wahrheit zurück (H 3 12), der alles weiß und nicht
zuweilen in Augenblicken des Enthusiasmus, sondern stets den
Geist hat (H 3 13). Sie hat ihren Urtypus in Adam, der in vollem
MaB den großen und heiligen Geist der jtQoyvmuLQ von Gott
empfangen und dies durch die Benennung der Tiere bewiesen
hat (R I47, Η 3 17.21.43), ihren zweiten Typus in Abel, der schon
durch die Bedeutung seines Namens (jrtr^-oc == Trauer Η 326.4s
anzeigt, daß die Menschen in diesem Äon Trauer, in dem kom-
menden Trost finden werden, einen weiteren Typus in Jakob, dei
den voraus erkannte, welcher die Erwartung der Völker war (Η2δ2
349, cf R l49f.), und in Moses, der das Gesetz Gottes (H 252)
die Sünden des Volkes und seine Zerstreuung unter die Heider
(H 344), die Zerstörung des aufgeschriebenen Gesetzes (H 34?)
sowie den kommenden wahren Propheten (H 853, R I33) voraus-
verkündete, und ihren letzten Repräsentanten in dem, der untei
den Söhnen der Menschen erschien (H 2 17), in dem Menschen-
sohn (H 322: ö5c νιος άνΟ^ρώπον αροηρ), in dem Avahren Pro-
pheten, der sich von dem Stuhle der Prophetie aufgemacht hat
um wie ein Vater seinen Kindern das zu verkünden, was vor
Ewigkeit her das Geheimnis Weniger war, indem er sein Er-
barmen bis zu den Heiden ausdehnte und sich aller Seelen er
barmte und seines eignen Blutes nicht verschonte (H 3 19).
Männlich aber heißt diese Prophetie, weil sie ihr Objekt ii
dem kommenden Äon hat'-. Sie vertröstet (in Abel) auf dei
kommenden Aon (3 26). Sie billigt daher nur den Monotheismu:
und verwirft den Polytheismus; sie haßt allen Opferkult mi
seinem Blutvergießen und Altarfeuer und liebt die Reinheit un(
Heiligkeit des Herzens; sie lehrt statt der Kriege den Frieden
sie gebietet Mäßigkeit, erlaubt die Enthaltsamkeit und heilig
die Ehe; sie schafft Barmherzigkeit und Gerechtigkeit; sie ver
siegelt die Vollkommenen und offenbart die Botschaft von der Ruhe
1 / Η ';\ 23 fj πρώτη τΐροφητεια αηαην ονύα δεχΎέρα τοϋ λοιπόν τέταχ
τια κατά τόν της προόδου λόγον cf. 3 27.
2) Η .'] 22 ως αραενι τω μέλλοντι αιώνι προφητενει^ Η 3 12 ου μόνο
τα παρόντα l•πίaτaτaι, άλλα καΐ μίχρις αντον μέλλοντος αΙωνος άηέραν
τον Ικτίίνίΐ τ/))• πρυφητείαν.
II, Γ). Der Charakter der Kerjgmen. 13 [
sie bringt das ewige Feuer in Erinnerung und kündet stets das
tiottesreich an; sie verheißt himmlischen Reichtum und beweist
die Vergebung der Sünden durch das Werk, d. h. sie lehrt und
tut alles, was auch das in K. Π. zu Wort kommende synkre-
tistische Judenchristentum lehrt und tut.
Ihrer Art nach unterscheidet sie sich wesentlich von der
enthusiastischen Prophetie, bei der nur von Zeit zu Zeit der
Geist ist. Sie hat immer den Geist; darum ist sie auch in ihren
Äußerungen nicht unklar wie jene, sondern klar und bedarf
keiner Auslegung durch einen andern Propheten \
Der männlichen steht die weibliche Prophetie gegenüber.
Wie jene von Adam, so leitet diese ihren Ursprung von dessen
ϋνζνγος, von Eva her. Sie, die ihrem Wesen nach weit hinter
Adam zurükstand, wie etwa der Mond hinter der Sonne und
das Feuer hinter dem Licht, sie ist die erste Prophetin und zu-
gleich eine Weissagung auf alle späteren Prophetien der vom
Weibe Geborenen (H 3 22). Ihren zweiten Typus hat sie in dem
ungerechten (H2i6. 199) Kain, der schon durch seinen Namen
{= χτήύις oder ζήλος Η 825.42) hindeutet, daß sie irdische
Dinge wie Besitz, Familienglück begehrt. Ihren letzten Re-
präsentanten hat sie in dem zweiten Elias, Johannes dem Täufer,
dem vom Weibe Geborenen (2 17). Sie hat ihr Objekt in dem
gegenwärtigen Aon ^. Sie vertritt den Polytheismus (H 3 24); sie
befleckt sich, wie in Menstruationen, mit dem Blute der Opfer
und besudelt damit die, die%sie berühren. Sie erzeugt die welt-
lichen Konige (vgl. Samuel: R 1 3«) und erregt blutige Kriege,
und wie Kain ein Mörder, Lügner und Tyrann war, der auch
nach seiner Missetat noch herrschen "wollte, und seine Nachfolger
Ehebrecher, Zitherspieler und Waffenschmiede waren, so will
auch sie, ή των iyyovwv προφητεία, durch Gewalt herrschen
and sucht durch Verheißung irdischer Güter und sinnlicher Ge-
1) Η 3 12 ονόενός δβιται προς έπίγνωοιν, μη προφιμύων άμαΐΊίά και
αμφίβολα, 'ίνα αλλοΓ προφήτου χρβίαν εχ^ τα λεγόμενα προς επίγνωθιν\
ajjjo. ^ητά χαί απλά. 3 ΐ8 ^ άληθ-ής προφήτης . . . πάντοτε . . . ^χει το
ηνενμα . . , τό τοιούτον μανικΟ)ς ^νΟ-ονοιώντων ΙατΙν ίπυ πνενματος
άτσςίας των παρά βωμοΐς μΒ^νόντων χαϊ κνίααης έιιφηροιμίνον.
2\ Η 3 28 αυτή τον νϋν χόαμον ως &ήλεια όμοίον αρχονσα ποίοτη
ι,ροφήτις είναι πεηίατενται, Η3 28 // μεν ονν iv γεννητοΐς γνναικών ονοα
i>; ih]uia τον νϋν χόαμον έπαγγελλομενη.
132 Waitz, Die Pseudokleroentinen.
nfisse Ejriege zu erregend Ist die männliche Prophetie gan:
Wahrheit, so ist die weibliche ganz Irrtum. Und was aus beidei
zusammen entsteht, ist halb Wahrheit, halb Irrtum; aber daran
geht eben das Streben der weiblichen Prophetie: Mit ihren
eignen Blut sucht sie v^ie mit rotem Feuer den weißen Samei
der männlichen Prophetie zu umhüllen, d. h. durch Lüste dei
Fleisches sucht sie die Kräfte des Geistes zu schwächen und s(
die Menschenseelen zum Abfall von dem himmlischen Bräutigam
dem Konig des kommenden Aon, und zum Ehebruch zu ver
locken. Eine Braut aber dieses Bräutigams ist jede Seele, so
bald sie den weißen Samen des wahren Propheten empfangei
und sich dadurch hat erleuchten lassen (H 3 27). Sobald aber di<
Seele anders woher den Samen empfängt, wird sie ehebrüchi^
und von dem Pneuma verlassen. Der Körper löst sich dann ii
seine stofflichen Atome auf, die Seele aber empfängt am Tag(
des Gerichts ihre Strafe, wie eine Ehebrecherin zuerst aus ihren
Hause verjagt und dann gerichtlich verurteilt wird (H 328).
Es ist klar, was unter der männlichen und weiblichen Pro
phetie zu verstehen ist. Männlich, d. h. wahr und autoritativ isi
all die Prophetie, welche in das System dieses synkretistisch
gnostischen Judenchristentums hineingehört; weiblich, d. h. falscl
und verführerisch ist all die, welche nicht dazu paßt. Wahn
und autoritative Propheten sind darum alle Gerechten von Adan
bis Christus, die durch den Pentateuch als solche bezeugt sind
1 Sie allein sind die Vertreter jener Uni Versalreligion, für welche di(
• Kerygmen des Petrus Propaganda machen. Sie allein verwerfei
den heidnischen Götzendienst und den jüdischen Opferkult. Si<
allein verkünden eine Gesinnung und eine Lebensweise, wie si(
in der Welt verbreitet sein muß, wenn der kommende Aon an-
brechen soll. Sie allein haben den Geist Gottes immanent unc
sind nicht auf momentane Eingebungen angewiesen. Falsch<
und verführerische Propheten sind dagegen, neben den Kory
phäen der Gottlosigkeit im Pentateuch, alle diejenigen Autori-
täten des Alten Testaments, auf die das vulgäre Juden- unc
Christentum sich berufen; also eben die alttestamentlichen Pro-
pheten von Samuel an bis zu Elia und Johannes dem Täufer
Denn vor allem, die Koryphäen der Gottlosigkeit im Pentateucli
1) Vgl. Η 3 25.23.
II, δ. Der Charakter der Kerygmen. 1^33
sind schuld an dem heidnischen Götzendienst', an dem blutigen
Opferdienst'-, sowie an dem Kriegshandwerk u. dgl.^ Daß auch
die altte^tamentlichen Propheten, wie vor allem Elia mit seinem
Feueropfer auf dem Karmel, ebenso die schriftstellernden Pro-
pheten mit ihrem Hinweis auf Krieg und Blutvergießen, sowie
ein Johannes mit seiner Predigt von der Feuertaufe, mit den Un-
gerechten des Alten Testaments vor den Augen des Autors der
K. Π. keine Gnade gefunden haben, ist bei der Stellung, die er
dem alttestamentlichen Schriftenkanon gegenüber einnimmt, selbst-
verständlich.
Wie die Stellung der K, Π, zum Alten Testament, so verrät
uns auch ihr Verhältnis zum Neuen Testament ihren judenchrist-
lichen Charakter.
Nach Iren.1 262, Epiphan.haer. 30.% Eus.h.e. III 274 gebrauchten
die Judenchristen der verschiedenen Schattierungen Evangelien,
<lie mit unserem Matthäusevangelium verwandt, aber nicht mit
ihm identisch waren. Das ist aber auch, wie noch in Kapitel III
gezeigt werden wird, bei K. Π. der Fall.
Nach Iren. 126 2. III 15 1, Epiph. haer. 30 ig verwarfen sie
ähnlich den Apostel Paulus bezw. dessen Briefe, indem sie ihn
personlich bekämpften. Ebenso liegt aber auch in K. IL eine
aotipaulinische Tendenz vor. Nach Baur^ haben vor allem Hil-
genfeld^ und Lipsius^ sie nachgewiesen, freilich auch da, wo
keine vorliegt'.
Einige Merkmale einer derartigen Polemik wurden von uns
bereits früher in /i. /7. (vgl. S. 100. 108 ff. 1 13) aufgewiesen. So
in lib. II (cf. Η 17 is-ie) die lebhafte Auseinandersetzung mit der
Benifung des Paulus auf seine Offenbarungen (1. Kor. 15 8. Gal.
1; Vgl. R l29: vitae ordineni permutarunt, ut omnes bomines peccare
in creatorem säum cogerent deum; R 1 so: quintadecima generatione primo
omniam bomines idolum statucntes adoraverunt.
Ji Rl90: propier hoc (Blutgenuß) diluvium factum est.
3 r R 1 81 : octavadecima generatione muratae urbes factae sunt et
«xercitue insiitati armaque, et judices legesque sancitae, templa constructa.
4i Baur, Die Christuspartei in der korinth. Gemeinde in „Tübinger
Zeitechr. für Theologie" I, 4. S. 127.
δ' a. a. 0. 7. 30. 30. 78. Ιδί). 192. 244. 2(>Γ) ff. «^02.
6 t Die Quellen der römischen Petrussage 27 tf.
7 Vgl. Langen a. a. 0. 61 ff.; außerdem den folgenden Abschnitt
über die Πήξεις Πέτρου als Quelle der Kleraentinen.
•^
134 Waitz, Die Pseudoklementinen.
1 16), in lib. VI die Gegenüberstellung des Petrus und Paulus ir
der 9. Syzygie (vgl. RSei. Η 2 15); so in Üb. VlII (R 223) di«
Anspielung auf Stellen in paulinischen Briefen wie 1. Tim. 612
Eph. 6ioff.; in lib. IX (R2 36) auf die Stelle Rom. 13 10 und ii
lib. X auf Stellen wie Rom. 8291 9 — 11. Aber auch andre sine
sowohl in R als auch in Η nachweisbar.
R 2 18 stellt Aquila die Frage: Quid ergo delinquunt ho
mines, si malignus transformans se in splendorem lucis, niajon
repromittit hominibus, quam ipse conditor deus? Kann nun aucl
hier von einer antipaulinischen Polemik nicht die Rede sein, st
liegt doch eine Anspielung auf 2. Kor. 11 u vor: αντος γαρ (
οατανάς μεταοχηματίζεται εΙς αγγελον φωτός. Ein Angrif
auf paulinische Selbstaussagen über die ihm zu teil gewordenei
Gesichte und OfFenbanmgen (2. Kor. 12 iflf.), ist die Erzählung dej
Petrus in lib. 11 der /v. /7., wie er „im Geiste nach Cäsarea ent
rückt Λvar" (R2 63iin.), insbesondere die Stelle, wo Petrus ai
Simon die Worte richtet: et tu ergo nunc, si vere aliquid tib
videris tua cogitatione perspicere et supra coelos intueri
non dubium, quin ex bis ea consideres, quae in terris posituj
vides. Aut si putas facilem menti tuae accessum esse supei
coelos et considerare te posse, quae illic sunt . . . poterimu«
tibi fortasse credere, quod et ea, quae super coelos sunt, sein
potueris (R 2 65). Beachten wir, daß die Ausführungen dißses Buchei
auch sonst, wie unten gezeigt wird, stark antipaulinisch gefarb
sind, so werden wir auch hier diese Polemik nicht verkennen
Ob, wie Lipsius (a. a. 0. 43) vermutet, auch in der Außerunj
des Petrus gegen Simon: solent ista, ο Simon, absurda adversun
deum meditari hi, qui legem non magistris tradentibus legunt, se(
semetipsos doctores habent (R255), eine Anspielung auf 2. Koi
11 23. 12 11, Gal. 1 12. 16 und ähnliche Ausspruche des Paulus vor
liegt, muß dahingestellt bleiben. Jedenfalls handelt es sich ai
dieser Stelle so, wie sie dasteht, um die Bekämpfung Marcion
und nicht des Paulus. Immerhin ist es möglich, daß sie ur
sprünglich gegen Paulus gemünzt war, da sie, wie der Hinwei
auf die Geheimtradition des Gesetzes zeigt, zu /i. Π, gehört
und erst später durch den antimarcionitischen Redaktor der Ji
II. ihr gegenwärtiges Gepräge erhielt.
Wenn Petrus R 3 13 an einer Stelle, die aus dem 6. Bucl
der K, II. entnommen ist, dem Simon vorwirft, er habe geglaubl
II, 5. Der Charakter der Kerjgmen. I35
Ton Anfang an sich verborgen halten zu können, aber es doch
nicht gekonnt, da er die Wahrheit von denen nicht habe hören
wollen, die sie wußten, so würden auch hier mit Lipsius (a. a. 0.
43) paulinische Ausführungen wie Gal. 1 le. 17 zum Vergleich
herangezogen werden können, wo Paulus von sich erzählt, daß
er nach seiner Bekehrung sich nicht zu den Aposteln nach Je-
rusalem, sondern erst nach Arabien begeben habe, weil er sich
nicht mit Fleisch und Blut besprechen wollte.
An einer andern Stelle, die ebenfalls mit dem 6. Buche der
K. II. zusammenhängt (RSßs), erklärt Petras, daß Simon ihm
l)ei seiner Missionspredigt unter den Heiden Λvider8tehe, indem
auch er ähnliche Zeichen tue wie Petrus, und es liegt nahe, hier
an den Widerstand zu denken, den Paulus nach Gal. 2 uff. dem
Petrus in Antiochien leistet, sowie an die Wunder wie z. B. die
Heilung des Lahmen zu Lystra, Act. 14 8 ff., durch die nach der
Darstellung der Apostelgeschichte Paulus mit Petrus konkurriert
ivgL die Heilung des Lahmen am Tempel durch Petrus, Act.
^5 2 ff.). Da aber beides, die Erzählung von dem Auftreten des
Paulus gegen Petrus in Antiochien und der Bericht von den
Heilungswundem des Paulus bezw. Petrus, in keinem Zusammen-
liang steht, so wird auch nicht R 3 56 auf beides bezogen werden
können. Immerhin ist es nicht ausgeschlossen, daß Paulus auch
hier so oder so bekämpft werden soll (vgl. dazu auch unten die
Ausführungen zu Η 2 33).
Anders verhält es sich mit R 4 35, vgl. Η 11 3ό, einer Stelle,
die allerdings dem Kontext nach nicht zu K. //. gehört hat,
gleichwohl damit verbunden gewesen und erst nachträglich von
dem klementinischen Redaktor aus ihrem ursprünglichen Zu-
sammenhang herausgerissen sein muß '. Wenn hier Petrus daran
erinnert, daß nur der als Lehrer und Apostel gelten dürfe, der
nach Jerusalem hinaufgegangen (ascenderit) und von Jakobus,
1) R 4 35 vergleicht ChrietuB mit dem Jahr, seine Apostel mit den
12 Monaten. Dieser eigenartige Vergleich findet sich aber Η Ί js: da
'liese Stelle in Η zu K. TT. gehört, muß auch R 4 35 dazu gehört haben.
R 4 36 redet auch wie K. Π. von dem wahren Propheten. R 4 35 sowie
•lie Parallele Η 1185 ermahnt, jeden Apostellehrer und Propheten zu mei-
nen, der nicht zuvor sein Kerygma dem Jakobus, dem Bischof von Je-
ruudem, zur Genehmigung vorgelegt habe. Dieselbe Forderung stellt aber
Kp. Petr. auf; daher muii R 4 35 und Η 11 35 zu /1. Π. gehört haben.
136 Waitz, Die Pseudoklementinen.
dem Bruder des Herrn, approbiert sei, so kann er dabei nur ai
Gal. Ii7. 18 und 2 12 gedacht haben, wo Paulus davon erzählt
daß er nach Jerusalem hinaufgegangen sei (άνηλΟ^ον) und hiei
den Jakobus, den Bruder des Herrn, gesehen habe, und dal
später etliche von Jakobus gekommen wären und den Petrus zi
jüdischer Lebensweise veranlaßt hätten.
Wie aber an vielen Stellen in R, die nachweislich zu Λ'. JI
gehören, so tritt auch oft in H, und auch hier nur da, w(
Λ". Π. vorliegen, antipaulinische Polemik hervor. Unverkennbai
ist unter Simon niemand anders als Paulus gemeint, wenn ei
Η 2 17, vgl. R 3 61, von Petrus bezeichnet wird als der, der zuers
vor ihm zu den Heiden kam, während Petrus nach ihm ge
kommen sei, wie das Licht auf die Finsternis, wie die Erkenntnii
auf die Unkenntnis, wie die Heilung auf die Krankheit; tinc
unter dem falschen Evangelium, das nach den Worten des wahrei
Propheten zuerst von einem Schwarmgeist {vjto πλάνου τίνος
gebracht werden muß, kann kein anderes verstanden sein aL
das Evangelium, von dem Paulus Gal. 1 u redet, wie unter den
wahren Evangelium, das nach Zerstörung der heiligen Stätti
heimlich übersandt werden soll, um die künftigen Häresien zi
widerlegen, an nichts anderes, als eben diese Geheimschrift de:
/v. 77. zu denken ist ^ Übrigens deutet auch R 3 6i an de;
Parallelstelle zu H2i7 eine derartige Auffassung an, wenn hie
als S. Syzygie Simon und Petrus und als 9. die Heiden um
1) Eine ganz willkürliche Exegese ist es, wenn Langen a. a. O. 9
das ,, falsche Evangelium" auf die von ihm angenommene Grundscbrii
('= = K) deutet, weil diese nicht judaistisch sei. Wer soll dann unter Simo:
verstanden sein, der zuerst zu den Heiden kommt? Wenn Langen weite
meint, daii unter dem „wahren Evangelium" nicht die Predigten de
Petrus zu verstehen seien, weil ja diese der Fiktion gemäß noch vor de
Zerstörung Jerusalems übersandt wurden, sondern H, so ist dazu zu bc
merken: 1) Der Gegensatz zu dem falschen Evangelium des Simon-Panlu
zwingt an eine petriuisclie , aber nicht an eine klementinische Schrift ζ
denken; 2) der Ausdruck κρνφα weist auf eine Geheimschrift hin, wa
wiederum K. /7., und nicht Η ist; 3j wenn die K, Π. nach der Fiktio
bezw. Ep. Petr. an den Bifechof von Jerusalem, Jakobus, übersand
wurden, so lange Jerusalem noch besteht, so konnte trotzdem in K. L
selber sehr wohl vorgesehen gewesen sein, daß sie an die Heiden erst nac!
der Zerstörung Jerusalems übersandt werden sollten. Und darum alleii
handelt es sich II 2 17.
π, 5. Der Charakter der Kerygmen. j[37
der, der gesandt wird, das Wort unter den Heiden zu verkün-
den, und als 10. (wie Η 2 i?) der Antichrist und Christ genannt
wird. Will man nämlich diese Zählung und Anordnung der
Syzygien für ursprünglich halten, so fragt es sich, wer bei der
9. Syzygie unter dem Heidenapostel zu verstehen ist. Will man
ihn, wie es RSei geschieht, von Petrus unterscheiden, so kann
man nur an Paulus denken. Indem aber dieser dann dem Petrus,
ja Christus gleichgesetzt würde, würde er in ß eine Wertschätzung
genießen, die er in ß, auch so wie sie vorliegen, tatsächlich
nirgends hat, da er hier nicht einmal genannt noch auch zitiert
wird, und die mit den in R nachgewiesenen antipaulinischen
Partien, sowie mit der Tendenz der /v. Π. in diametralem Gegen-
satz steht. Es kann daher unter dem Heidenapostel nur Petrus
verstanden und der Ausdruck qui mittetur seminare verbum
inter gentes nur als attributive Bestimmung zu Petrus aufgefaßt
werden, wie sie auch Η 2 1? bei Petrus steht: ό μετ kxslvov
ίληλνθ^ώς .... χάί ίναγγέλιον άληϋ^ες κρνφα διαπεμφΟ^ηναι,
Offenbar hat sie der Bedaktor von R aus diesem Zusammenhang
herausgerissen, weil er die antipaulinische Tendenz der Grund-
schrift nicht mehr verstand oder billigte. Dann aber kann der
Ansdruck omnes gentes auch nur eine attributive Bestimmung
gewesen sein, die zu Simon gehörte, wie uns dies auch Η 2 i?
deutlich zeigt, wenn hier zu Simon die Apposition hinzu-
kommt: 6 3tQ0 έμον εΙς τα ε θ- ρ η έλ&ών. Um den Gegensatz
gegen Paulus zu verwischen, hat der Redaktor von R den Aus-
druck τ« εϋ-ί^η willkürlich au? dem Zusammenhang herausge-
rUsen und so seine neue 9. Syzygie gebildete
Mit dieser Deutung des Syzygienkanons stimmt es, wenn
Η 2 33 (vgl. R 365 und die Ausführungen dazu S. 135) unter aus-
ll übrigeDs zeigt sich auch Η bei der folgenden Syzygie, Antichrist
— Cbriet, originaler, wenn es den Ausdruck προς τω xiltt hinzufügt und
die ganze Dareiellung der Syzygien in Übereinstimmung mit den übrigen
Anschauungen der K. Tl., wie wir sie besonders aus R gewonnen haben,
mit dem Hinweis auf den Anfang des ewigen Lichtes und das Verschwin-
<leii der Finetemis deutet. Auch der Vergleich des Simon mit οχότοζ.
αγνοία, νόθος, des Petrus mit φως, γνώσις, ϊασις stimmt vorzüglich zu den
Anschauungen der K, Π. von dem Gegensatz des Lichtes und der Finster-
nii, wie wir sie ebenfalls gerade aus R kennen gelernt hnben (vgl.
R 1 13-16).
13S Waitz, Die Pseudoklementinen.
drücklicher Bezugnahme auf den Grundsatz, daß, wie zuerst die
Nacht, dann der Tag, so auch zuerst τα της πλάνης und dann
erst το άληΒ^ές kommen müsse, von Simon gesagt wird, daß er
jetzt bei der Bekehrung der Heiden von ihrem Götzendienst auf
Anstiften des Bösen zuvorgekommen sei und durch seine Wun-
der, die freilich nur ϋ-ανμάοια προς κατάπληξιν xai άπάτην.
ov αημβία ιατιχα προς Ιπιοτροφην χάί Οωτηρίαν seien, eine
erfolgreiche Wirksamkeit unter ihnen entfalte.
Durchaus unverkennbar ist die antipaulinische Polemik in
dem Abschnitt Η 17i3-i9 (vgl. R 2 6iflf. imd die Ausführungen da-
zu S. 99 f.)• Schon die ganze Tendenz dieser Ausführungen
über den Unwert von οπταοίαι und αποχαλνφεις richtet sich
gegen die Berufung des Apostels auf die ihm zu teil gewordenen
οπταοίαι und άποχαλνψεις χνρίον (2. Kor. 12 1), insbesondere
gegen seinen Anspruch, sein Evangelium όι άποχαλνψεως ^ίηοου
Χριΰτον (Gal. 1 12 vgl. Η 17 is χάμοΙ άπο του πατρός άπεχαλνφ^η
ο νϊός und Gal. 1 le. 1. Kor. 2 9-11) empfangen zu haben. Aber
. auch einzelne Wendungen zeigen deutlich polemische Beziehungen
zu den paulinischen Briefen. Nach Η 17 u hat Simon den An-
spruch erhoben, besser τα τον Ii}Oov zu wissen als Petrus ως
νπο οπταοίας αντον άχηχοώς τον λογον. Damit bezieht er
sich aber auf das, was Paulus bei seinen οπταοίαι (2. Kor. 12 4)
sagt: fjxovotv άρρητα ρήματα, α ovx ίξον άνθ^ρώπω λαληοαι.
Nach Η 17 ια hat Simon behauptet, mit seinen Augen την άοαρ-
κον ίόίαν πατρός η νίοΰ, die dann am Ende des Kapitels auf
die άοαρκος όνναμις νίον näher begrenzt wird, gesehen zu
haben, und wird von Petrus mit der Bemerkung zurückgewiesen,
daß sterbliche Augen Gott nicht sehen könnten δια το μεγίοτω
φωτΐ κατανγάζεοΟ^αι, ... // γαρ νπερβολη τον φωτός την τον
ορώντας ίχλνει οάρχα. Das erinnert aber an. das Licht, νπερ
την λαμπρότητα τον ηλίον (Act. 26 ja), das Paulus bei seiner
Bekehrung sah (Act. 9 a. 22 6. 26 la) und in dem ihm Jesus er-
schien, sowie an die νπερβολη των άποκαλνφεων, deren Paulus
2. Kor. 12? Erwähnung tut. Demgemäß urteilt Petrus Η 17 in:
Wenn nun auch dir, dem Simon, unser Jesus in einem Gesicht
erschien und mit dir redete, so tat er dies ως άντιχειμένφ
όργίζόμινος (2. Thess. 24: ο άντικείμενοςΐ), Oder kann jemand
durch ein Gesicht zu einem Lehramt unterwiesen werden? Und
wenn du es für möglich hältst, warum verkehrte der Herr ein
II, 5. Der Charakter der Kerygmen. 139
ganzes Jahr fortwährend mit uns, seinen Jüngern, die wir
nicht schliefen?^ Und wie sollen wir dir es glauben, auch wenn
er dir erschien? {xai^ ort ώφ&ι^ oot; vgl. 1. Kor. 15 8 ωφ^
χαμοί). Und wie kann er dir erschienen sein, da du ja das
Gegenteil von dem sinnst, was er lehrte? Wenn du aber durch
ihn in der einen Stunde, in der er dir erschien und dich zum
Jünger machte, zum Apostel gemacht wurdest, dann verkünde
auch seine Worte, dann lege das Seine aus, dann liebe seine
Apostel; mit mir aber, der ich mit ihm zusammen war, führe
Dicht Krieg. Denn gegen mich, den festen Fels, das Fundament
der Kirche (vgl. Ep. Petr. 1), bist du als Gegner aufgetreten
(άρθ^ίοτηχάς μοι, cf. Gal. 2 iiff. s.u.). Wenn du nicht ein άντιχεί-
μένος wärest, würdest du nicht verleumderisch mein Kerygma
mit Schmähungen überschütten, damit man mir nicht glaubt,
was ich persönlich von dem Herrn empfangen habe, gleich als
ob Klage über mich gekommen wäre und ich nicht Lob ver-
diene. Oder wenn du sagst, es sei über mich Klage gekommen
iii χατεγνωομένον με λέγεις^ vgl. Gal. 2 η: ^)τι δε ηλϋ^ε Κηφάς
Ης Αντιοχειαν χατα προβώ jrov αυτω αντεοτην, ότι χατε-
/ν ωβ μένος ijv), dann klagst du Gott an, der mir den Christus
offenbarte, und verachtest den, der mich zu der Offenbarung selig
pries. Wenn du aber in Wahrheit der IVahrheit mitdienen
willst, so lerne zuerst von uns, was wir von ihm gelernt haben.
Und wenn du ein Jünger der Wahrheit geworden bist, dann
werde unser Mitarbeiter {οννεργύς vgl. l.Kor. 3;>, ί>^εον γάρ
ίομεν οννεργοί vgl. 3. Job. 8) . . . ." Daraufhin entgegnet Simon,
daB er gar nicht daran denke, dieses oder jenes oder gar des
Petrus Jünger zu werden.
Keinen Augenblick kann es zweifelhaft sein, dal.> in diesem
Zwiegespräch imter dem Gegner des Petrus nur Paulus gemeint
ist, dessen Apostolizität in Frage gestellt werden soll, und zwar,
1; Ata ti ολω Ινισντψ έγρηγοηύοι ηαοαμίνων v)iu/.ffOtv ό διδάακίίλος;
l>er Dativ έγρηγορόαι ist schwer verständlich, zumal das zu ergänzende
PerBonalproDOmen ήμΐν dabei fehlt. Er könnte so erklärt werden, dali die
.lüDger als Wachende bezeichnet werden, weil sie nämlich keine υηταοίαι
wie Paalos gehabt und nötig gehabt haben. Vielleicht ist iyofiyeoia'vo^ zu
lesen und der Sinn der, daß der Herr, von den Toten auferweckt, noch
«in ganzes Jahr mit den Jüngern verkehrte.
\>
^
140 Waitz, Die Pseudoklementinen.
wie die Anspielungea auf die Briefe (und Apostelgeschichte?)
beweisen, der Paulus der Briefe (und der Apostelgeschichte?).
Dasselbe gilt von den Worten des Petrus (H 18 21), wonach er
— früher schon — dem Simon (= Paulus) erklärt habe: Er,
Petrus, glaube niemand, auch nicht den Engeln (vgl. Gal. Is)
noch irgend einem, wenn er auch Zeichen und Wunder tue und
in der Luft leuchte (aör(>«jrr?; cf. Act. 9 3, 2. Kor. 12 2-4) und
durch Gesichte und Träume Oifenbarungen habe.
Steht dies aber fest, so fällt von hier aus ein helles Licht
auf alle die übrigen Stellen der /v. //., in denen wir mehr oder
weniger dunkle Anspielungen auf Paulus und paulinische Aus-
, sagen fanden. So legen auch die /v. 7/., ebenso wie Ep. Petr.,
, eine antipaulinische Tendenz an den Tag, wie sie für die Juden-
' Christen der meisten Richtungen charakteristisch ist.
Auch in einzelnen Lehranschauungen treffen die /C /7. mit
denen des synkretistischen Judenchristentums zusammen.
Nach Epiph. haer. 19 3 nannten die Ossäer und nach Hippol.
Phil. 9 15 die Eikesaiten Christus den großen König (o μέγας
ßaö(Xtvg). Als König aber und Beherrscher des kommenden
Aon wird Christus auch in K. IT. dargestellt.
Nach Hippol. Phil. 9 13 sagten die Elkesaiten: τον μίν aQöeva
vlov είναι τον ϋ-εον^ την öl• ϋ-ηλειαν καλεΐβϋ-αι άγιον πνενμα ^
Ebenso wird in Λ. /7. wenigstens Christus als das männliche
Prinzip betrachtet, während über den hl. Geist nicht reflektiert
wird. Jedenfalls kann er aber nicht als das weibliche Prinzip
gedacht sein, da dies im System der K, U. als das Prinzip des
Bösen gedacht ist.
Nach Epiph. haer. 30 ig lehrten die Ebioniten: δύο δε τινα^
οννιοτώοίν ix ϋ^εου τεταγμένους, ενα μεν τον Χριοτόν, ενα
δε τον διάβολον, καΐ τον μεν Χριοτον λεγονοι τον μέλλοντος
αΙώνος είληφέναι τον κλη^ον, τον δε διάβολον τούτον πεπι-
οτενΟι^αι τον αΙώνα εκ ττροοταγης δηΟ^εν τον παντοκράτορος
κατά αΐτηοιν εκατέρων αντών. Das aber ist die Grundlehre
der Λ". //., dali Christus das Prinzip des Guten, der König des
kommenden Aon, der Teufel aber das Prinzip des Bösen, bezw.
1) Ebenso die Elkesaiten mich Epiph. haer. 30 17, die Ossäer nach
Epiph. haer. liu, die Sampsäer nach Epiph. haer. 53.
II, Γ), Der Charakter der Kerygmen. .141
der strafenden Gerechtigkeit, der König des gegenwärtigen Äon
ist und beide unter Gott stehen '.
Wenn dieselben nach Epiph. haer. 30 ig lehrten, Christus -
sei nicht aus dem Vater geboren, sondern geschaffen wie einer
der Erzengel, so lehren die K. iL dagegen, daß er geboren
(H 16 le), aber, wie auch das Evangelium der Ebioniten nach
Epiph. haer. 30 is, erst durch die Taufe als Sohn Gottes erklärt
worden ist (R l^s). —
Wie bei den Judenchristen nach Epiph. haer. 30 le, Hippol. -^
PhiL 9 15, so ist auch nach K. Π. die Taufe gebräuchlich, ja
ein Ersatz für das Opfer (R 1 39). Das Ϊ0. Buch handelte ja
ausdrücklich von der Taufe als dem Bade der Wiedergeburt.
Doch ist sie ohne jede trinitarische Beziehung-. Nach Hippel. --
Phil. 9 15 (vgl. Epiph. haer. 19 1. 30i5. i?) pflegten die Elkesaiten
nicht zu schwören, sondern nur die Elemente der Natur und
des Abendmahls als Zeugen anzurufeo. Denselben Brauch setzt
auch die Cont. voraus, nur mit dem Unterschied, daß bei Hippo-
lyt 7, hier 4 Elemente aufgezählt werdend Nach Hippol. Phil.
9 14. x6 gaben sich die Elkesaiten viel mit Astrologie ab. Das-
selbe finden wir in K, //., wo Abraham als Astrolog dargestellt
(R 1 32) und der Mensch wegen seiner astrologischen Fähigkeiten
gepriesen wird (H 3 36 cf. 333). Nach Epiph. haer. 193. 30 15 -
feierten sie das Abendmahl mit Brot und Salz, so auch die
Christen der Λ'. //. (Cont. 4). Nach Epiph. haer. 30 i8 kannten -
die Judenchristen neben Archisynagogen nur Presbyter, so auch
Λ. /7. (Cont. δ).
Allerdings weicht, wie schon an einzelnen Punkten hervorge-
1 ) Vgl. Η 2 88. 3 5. 6. 17. 20. V.) 3. 4. 6. 12. 16. 22. 23. 20 2. 3. 6. 7. 9. R 1 24. 2 21.
22- 3l6. 5S. 75.
2) Sie findet sich erst in der kleiiientinischen Überarbeitung (H9i9. ^^
o. 1126. 13 4. R4 82. 09. 7 29) soiwie in anderweitigen Quellen der K, IL
Ries. ΘΒ. 3 67. — Nach Hippol. Philos. i) 15 sollen die wiederholbaren
Taofen im Namen den großen und höchsten Gottes und seines Sohnes, des
großen Königs, geschehen.
3) Nach Hippolyt sind die 7 Elemente: der Himmel, das Wasser, die
heiligen Geister, die Engel des Gebets, das Öl, das Salz und die Erde;
nach Epiph. haer. 30 17: der Himmel, die Erde, das Salz, das Wasser, die
Winde, die Engel der Gerechtigkeit, das Brot und das öl; nach Epiph.
baer. 19 1 : das Salz, das Wasser, die Erde, das Brot, der Himmel, vier Äther,
der Wind; nach Cont. 2. 4: der Himmel, die Erde, das Wasser, die Luft.
142 Waitz, Die Pseudoklementinen.
hoben, die Lehre der K. Π. in mancher Hinsicht von der der
Judenchristen ab, wie wir sie aus Hippolyt und Epiphanius
• kennen: So fehlen hier die Spekulationen über die Riesen-
größe des Adam -Christus (Epiph. haer. 194. 30 1?) bezw. des
Elkesai (Hippol. 9 la) und dessen Syzygos, des hl. Geistes (Buch
Elkesai). Au Stelle persönlicher Polemik gegen Paulus (Epiph.
30 ig) tritt die literarische Kritik seiner Briefe. Beschnei-
dung, Sabbatheiligung und Waschungen werden weniger betont
als bei Epiph. haer. 19 5. 30 2. 7. is. 26. 32. 53 1, Hippol. Phil. 9 u.
Fassen wir jedoch die Übereinstimmungen zusammen, die
I wir im einzelnen nachgewiesen haben, so werden wir die K, /7.
1 als ein schriftstellerisches Produkt zu bezeichnen haben, das mit
|dem synkretistischen Judenchristentum, wie es Hippolyt und
'Epiphanius schildern, eng verwandt ist. Ist aber in K, Π. das
judenchristliche Element des grotesken orientalischen Aufputzes
sowie der spezifisch jüdisch-kultischen Formen entkleidet, die es
noch bei den Elkesaiten hat, so ist es andrerseits in das Gewand
eines religionsphilosophischen Systems gehüllt, das in der Syzy-
gienlehre einen zweifellos gnostischen Charakter trägt. Damit
stellen sich die K. Π, auf eine Linie mit den Systemen, vrie wir
^- sie bei Kerinth . den Ophiten und Bardesanes finden. Daher
/werden sie genauer als ein Produkt des synkretistisch-gnosti-
' sehen Judenchristentums zu charakterisieren sein, als welches
seither die Klementinen angesehen wurden. — Als solches aber
heben sie sich scharf umrissen von den übrigen Partien der
Klementinen ab. Allerdings findet sich, wenn auch nicht die
eigenartige Adam -Christusspekulation, so doch die Anschauung
von der Identität des Christentums und Judentums auch Η 8 4 ff.,
in der Parallele R 4 5 freilich wesentlich abgeschwächt ^ Aber
• abgesehen davon, daß der klementinische Redaktor gerade in
diesem Abschnitt auch sonst auf K, Π. zurückgreift (vgl. R 4θαγ.
und Η 8 10 ff. sowie oben S. 91 f.), so kann doch hier eine spezi-
fisch judenchristliche Anschauung nicht gefunden werden. Denn
wenn auch nach Η Siir. die Hebräer an Moses, die Heiden an
1; R 4 5: Et rursus Hebraeus qui ex deo habet, ut credat Moysi,
habere debet, et ex proposito suo, ut credat in Jesum, vgl. dazu R034;
dapregen Η Sc: ιιιης γαρ όι^ αμφοτέρων (διδασκαλίας οϋαης τόν τούτων
τινί τίΕΛίστί-νκυτα ο iffo^ άποόιχΕται.
II, δ. Der Charakter der Kerygmen. 143
Jesus glauben müssen, um gerettet zu werden, so wird doch
keineswegs gefordert, daß die Heiden zuerst an Moses glauben
sollten, ehe an Jesus. So ist diese Gleich Wertung des Mosaismus
und des Christentums ein Beweis nicht für eine judaistische
Verengung des Christentums, sondern für eine christliche Auf-
fassung des Mosaismus, wie sie für den Synkretismus des sonst
katholischen Autors des Klemensromans charakteristisch ist.
Auch in einigen Vorstellungen, wie z. B. Christi als des guten
Königs, sowie in der Schilderung der Lebensweise des Petrus
finden sich judenchristliche Reminiszenzen, für die wir bereits
ihre Erklärung gefunden haben (s. S. 53 £F.). Aber hiervon ab-
gesehen, treten in den Klementinen nirgends Juden christliche
Ideen, geschweige Tendenzen hervor. Vielmehr steht es in dia-
metralem Gegensatz zu der in K, Π. (wie auch HSiff.) vorge-
tragenen Gleichsetzung des Mosaismus und des Christentums \
wenn in dem eingeschobenen 7 . Buc^ der Λ'. /7. Jesus über
Moses gestellt wird, weil er der Christus, dieser dagegen nur
ein Prophet war (R 1 48. 58. 69) , und in derselben Weise in den
antimarcionitischen (H 16 u. ΐδ. ISis) und klementinischen Par-
tien (ß. l7. 9. 1125. 13 IG. R l7. 5 11. 34.) als vioc: ^eov über Moses
hinausgehoben ist Ebenso ist es mit den Anschauungen der /\'.
Π. unvereinbar, wenn die Taufe — nicht wie in Λ'. Π, (R 1 39. 13.
373) als bloßes Reinigungsbad und Surrogat für die Opfer —
sondern als heilige Handlung, im Namen des Vaters und Sohnes
und heiligen Geistes geschehend, durchgängig als unerläßliche
Vorbedingung für die Erlangung des christlichen Heiles gefor-
dert wird (vgl. S. 141 Anm. 2 und R 4 35. 7 11. 34. 9 7. 10 44. Η 8 22. 2.i,
^11«. 23. 11 25-28. 30. 139. 10. 12. 13. 2o). Das gleichc gilt von der
christlichen Vorstellung der Abendmahls feier (R 6 i.). 10
Η 1 1 :«. 14 i).
1 1 Wenn Uhlhorn a. a. 0. lüS meint, daß II i> 54 das Christontum
über das Jadentum gestellt werde, weil es nämlich danach nur möglich ist,
durch die heilbringende Lehre Jesu die Wahrheit zu finden, der allein das
Hebte und da« Falsche in der Schrift zu unterscheiden weili, so übersieht
**r. daß hier Jesus nur als der bezeichnet wird, welcher die von Moses
um der Herzensh&rtigkeit der Juden zugelassenen Bestimmungen aufge-
hoben hat. Wird hier also Jesus über Moses gestellt, so geschieht es
iiur in dem Sinne der K. /7., wonach das Christentum oben nicht der
Mo^aisinos überhaupt, sondern der gereinigte Mosaismus ist.
72.
144 Waitz, Die Pseudoklementinen.
Ebenso stehen in direktem Widerspruch mit der Lehre der
A'. /7. von den falschen Perikopen andere Abschnitte in den
klementinischen Schriften, in denen die absolute Wahrheit der
Schrift behauptet und ausdrücklich gesagt wird: al γραφαΐ ov
jrXavooi (H 16 9.10 vgl. R 2441.42. Η 16 u), welche Stellen zu Ju-
stins Antimarcion gehören (s. o. S. 101 f. und dial. c. Tryph. 65 cf.
11. 43. 122) ^
Dasselbe gilt von der Auffassung der alttestamentlichen Pro-
pheten, die in /v. Π, verworfen werden. Im Widerspruch hier-
mit werden sie an andern Stellen anerkannt und zitiert. So im
7. Buch der K. ZT., das ja ein fremdartiger Einschub ist, wo zu-
nächst (R I59) Jakobus darlegt, credendum esse prophetis, quod
vere prophetae, und sodann R 1 es Kaiphas dem Jakobus als
heilige Schriften, aus denen argumentiert werden soll, das Ge-
setz und die Propheten bezeichnet und Jakobus demgemäß nach-
weist, daß auch die Propheten ihre Aussagen aus dem Gesetze
genommen und in Übereinstimmung mit dem Gesetze getan
haben. Auch R248 (vgl. 251,59), von dem antimarcionitischen
Bearbeiter eingefügt, stellt die Propheten dem Moses gleich^
wenn hier gesagt wird, daß der Sohn, der von Anfang und immer
mit dem Vater war, wie dem Moses, so auch den übrigen Pro-
pheten den Vater geoflfenbart habe.
Ebenso redet der Verfasser der Klementinen ungeniert von
den Propheten R 5 11. 12. So werden auch in Η in den antimar-
cionitischen Partien Propheten in derselben Weise wie der
Pentateuch herangezogen, ja direkt zitiert: ip τοΙς θρηνοις 7ε-
{ί^μίας Jer. 3 38 in Η IS 4; γ^γράψι^αι: Jes. 40 26. 27 in Η 18 π;
ΊΐοαΙας: Jes. 1 3 in Η lSi8; ^Ηοαίας: Ps. 782 (wie Mt 13^5 als
jesaianisch betrachtet) in Η 18 15; ebenso in den Abschnitten.
die dem klementinischen Verfasser zuzuschreiben sind, Η 12^2
οντος γάρ ίοτι ϋ-εον νόμος xccl .τροφητών (vgl. Kapitel III).
Charakteristisch scheint es noch ganz besonders, daß Johannes
der Täufer, sonst in /\. IJ. verworfen, in R 1 co als Prophet an-
erkannt und höher als andere Propheten gewürdigt ist, weil er
1 i Eine Difterenz besteht zwischen K, Π. (H 3 47 cf. 2 38) und dem
antimarcionitischen Kinschub Η 183 auch darin, daß nach K, Π. das Ge-
setz erst nach Moses tv το) μετά MonoHc χ(}όνψ, dagegen nach 1118 3
bereits von Moses ab [άτΐύ Μίοναέως) geschrieben überliefert wurde.
II, 5. Der Charakter der Kerygmen. 145
der \'Orläufer Christi sei (mit dieser Würdigung vergleiche
man Η 2 i?!).
\Viederum steht mit dem System der /\. /7. die Anschauimg
von den 7 Säulen (Prov. 9i), den 7 sündlosen Gerechten Adam,
Enoch, Noah, Abraham, Isaak, Jakob und Moses im engsten Zu-
sammmenhang ^, die sonst in den Klementinen fehlt.
Auch in der Lehre von Gott finden sich nur in /v. /7. die-
jenigen Anschauungen, welche als Kennzeichen des pseudo-
klementinischen Systems bezeichnet zu werden pflegen. Denn
während sonst die Geistigkeit Gottes mit allem Nachdruck betont'^
und jeder Anthropomorphismus entschieden bekämpft wird \ wird
ihm hier ausdrücklich eine Leiblichkeit beigelegt (μορφή) und
seine Sichtbarkeit, freilich nicht für irdische Augen, behauptet^.
Die Einheit Gottes, in den klementinischen wie auch in den
antimarcionitischen Partien entschieden hervorgehoben ^, wird
wohl auch vorausgesetzt ^ tritt aber gegenüber den Spekulationen
über die aus Gott sich heraussetzenden Gegensätze in den Hin-
tergrund.
Diese Spekulationen sind wiederum den Κ Π. eigentümlich,
zumal unter den bildlichen Ausdrücken von dem Männlichen
und Weiblichen, bezw. der rechten und linken Hand. Die Κ IL
verbinden damit die Vorstellung, daß diese beiden Prinzipien,
die in dem Gegensatz des Guten und Volkommnen bezw. des
Bösen und Mangelhaften zu einander stehen, nicht von vorn-
herein in dem Wesen Gottes begründet sind, sondern erst im
Lauf der• Zeit aus Gott sich herausentwickelt haben und so die
Organe geworden sind, durch die der Entwicklungsprozeß der
Welt bedingt ist'. Allerdings kehren ähnliche Bilder und Aus-
drücke auch in den übrigen Partien der Klementinen wieder,
die nicht zu den Ä'. Π. gehören. Aber wie ganz andre Vor-
1) Η 18 IS. 14. vgl. 2 15. 52. :j 20. 8 17. 17 4. li» 9. 11 2 47 Cf. 1 29. 3i
2) Η 10 17. 114.7.9. [84. 4 12.
3) So in den antimarcionitischen Kapiteln (I2i3. 4i. V')7 und in den
klementinifchen Η 11 9. R 9 13.
4) Η 3 7. V) 17. 19 f. 17 8. 7. 8. 9. 10. R 1 27. 3 26 if. 3<).
.')) Η 1 7. 2 li. 3 8. 9. 10. ei. 62. 7 2. 12. i» 2. Um. 12. 15. 12 23. Hi 1. U. R 1 ij.
->i.40.48.44 517.19. 7 83. 86.
«'»; Ep. Petr. 1 Η 2 le. 19 17. R 1 so. :; u.
7j Η 2 52. 317.20. 19 12. 203 ivgl. 7 3. i:>6. 7).
Texte Q. Untennchnsgen. N. F. X, 4. lo
146 Waitz, Die PseudoklemeDtinen.
Stellungen sind damit verbunden! Hier ist nicht mehr das Männ-
liche das Prinzip des Vollkommenen und das Weibliche das des
Unvollkommenen, sondern erst beide zusammen bilden das Voll-
kommene, das mann weiblich ist*, wie Η 16 12 Oott als yovBtc
bezeichnet wird. Ist das Weibliche nach Κ Π. dem Vollkom-
menen entgegengesetzt (H 2 16. 3 22), so erscheint es hier als ein
integrierender Bestandteil des Vollkommenen^. Überdies tritt
hier noch eine weitere Spekulation hinzu. Wissen die Κ Π.
nur von Händen Oottes zu sagen, durch die Gott die Welt
und den Menschen schuft (3 84. se), so wird hier, in den
redigierten Teilen, der hl. Geist als die weltschaffende Hand
Gottes eingeführt^, von dem die Κ JZ gar nichts wissen; ja in
dem antimarcionitischen Teil taucht sogar die Weisheit (H 16 12)
bezw. der Sohn (H 18 6, vgl. auch R 9 3 und ß 834 Logos!) aU
weltschaffendes Prinzip (Gen. I26) auf, eine Spekulation, die den
K, Π. vollständig fem liegt.
Die Lehre von Christus als dem Prinzip des Guten und
dem Teufel als dem Prinzip des Bösen, dem jedoch das Attri-
but der Gerechtigkeit nicht versagt werden kann, ist bereits
oben S, 120 f. 140 f. dargelegt worden ^
Homogen, wie sie dem System der K, IL ist, hat sie sich
jedoch der Verfasser der Klementinen mehr oder weniger unver-
ändert angeeignet, ähnlich wie die Lehre von dem wahren Pro-
pheten*, und damit seinem Werk eine gewisse Einheitlichkeit
verliehen, die freilich keine lückenlose ist^. Immerhin besteht
auch hier die Differenz, daß das Böse mehr als ethische Potenz
gefaßt ist", während es in K, Π, eine rein physische bezw•
metaphysische ist (vgl. Η 20»).
Der innere Zusammenhang der Syzygientheorie mit den
1 ) Η 12 26. 32.
2} Analog wird Η IJ26 einer Stelle, die dem klementinischen Re-
daktor gehört, die φιλανί^ρωπία als άρρενόθ^ηλυς, ής το dijXv μέρος ^λεη-
μοσννη λέγεται, το oh (Ιροεί' αντΓ/ς άγάτΐη προς τον τΐληαΐον ώνόμασται,
:ΐ) Πι' 52. ;U7-2i. 34. 3β. 2< > 3 Vgl. 7 3. [bezeichnet.
4) Η 11 22 cf. ί) 10. R 6 7. 8. S 34. ί) 3.
j) Η J 33. :> 5. 16. 17. 20. 1ί) 2. 6. 12. 13. JU 1-10.; Vgl. 7 3. R 221. 22. 24.
Γ_> j2. 75,
0) Η s 20 ί\\ 9 19. 17 9; R 2 17. 18. ;i 49. 52 if. 9 4. 10 δ.
7; HS ιυ. 9 1. 11 16. 25. 12 ιι. R 1 24. δ 17. •> 12. 7 36.
ι
II, 5. Der Charakter der Kerygmen. 147
Grundgedanken der K, Π, ist ebenfalls bereits nachgewiesen
worden. Hier sei nur bemerkt, daß sie in den übrigen Partien
der Elementinen vollständig fehlt. Das gleiche gilt von der
Vorstellung, welche die K. Π, von der Entstehung der Welt
haben': Hier in K. Π, kosmogonisch- philosophische Spekula-
tionen, dort in den Klementinen gläubige Annahme des Tatbe-
standes (RI27), höchstens verbrämt mit naturphilosophischen
Theorien über die auf dem Wasser ruhende schöpferische Kraft
des unigenitus '^.
Deutlicher aber als hier treten die K, Π. in der Lehre von
dem Menschen hervor.
Bezeichnet nämlich der klementinische Redaktor durchweg
(vgl. S. 52 Anm. 8) den Leib des Menschen (οώμα) als είχών, seine
Seele {ψνχή) als ομοίωΰις d-eov ^ der antimarcionitische an einer
Stelle (H 16 10) auch die Seele als είχώρ ϋ^εου, so besitzt nach
JT. JZ der Mensch dem Leibe nach die μορφή Θ^εον, der sonach
ύφραγίς ϋ-εοϋ ist, der Seele nach dagegen die jtvoi] ϋ•εοϋ\ Aus-
drücke, welche durchaus zu der Vorstellung der E. Π. von der
Leiblichkeit Gottes passen. Ist die Seele nach dem antimarcio-
nitischen Bearbeiter von Natur aus unsterblich (H 3 s?) , so wird
sie es nach K. Π, erst durch die jtvofj ϋ^εον (Η 3 2o. 16 le), nach
dem klementinischen Redaktor (H 12 33) erst durch ihr sittliches
Verhalten. Betrachten die Klementinen den Menschen nach
seiner Beschaffenheit trichotomisch ^ so die K, /7. nur dicho-
tomisch^. Fassen sie dabei οώμα und ψνχή auch als das So-
maiische in eins zusammen (H 328 το εμψνχον οώμα), so setzen
sie diesem das Pneumatische als das eigentlich Leben schaffende
Prinzip gegenüber (H 3 28). Dabei lehren sie in Übereinstim-
mung mit ihrem System, daß das Somatische von Eva bezw.
l ) Η 2 15. 3 82 f. 38. 19 12. 18. 20 6. 7; R 1 15. 17. 20. 27. 28. 30. J 68. 3 26.
'2) Η 8 lo; R 49. 6 7. 8 cf. 89. 12. 13. 21. 2C.
3) Η 8 10. 81. 10 8. β. 7. 11 4. 5. 27 12 23; R 4 9. 10. Γ) 2. 14. 23.
4) Η γ5 7. 20. 16 10. 16. 19. 20. 17 2. 20 6. Allerdings finden sich auch Η 2i6.
3n. ir>io. 17 7 ff. die Ausdrücke εΐκών bezw. όμοΐίοαις, kommen jedoch
«rechtlich auf Rechnung des Redaktors; ebenso findet sich auch manch-
»al noch der Aosdruck πνοή^ jedoch nur in der Bedeutung wie sonst
Ληνμα Hl3i. i9.
•>; σώμα, ιρνχή^ νους Vf?l. S. 52 Anm. 7.
σώ/ισ, φνχή Η 3 28. 20 2 cf. S23.
χ 48 Waitz, Die Pseudoklementinen.
dem weiblichen Prinzip, das Pneumatische dagegen von Adam
bezw. dem männlichen Prinzip abstammte Im Widerspruch
hiermit steht es, wenn Eva, die doch hiemach die Stammutter
alles Schlechten und Mangelhaften ist (H 3 22), Η 13 i5-i8 als Vor-
bild des keuschen Weibes erscheint.
£ine ähnliche bedeutsame Differenz zwischen K, Π, und den
übrigen Partien der Klementinen zeigt sich bei der Frage nach
dem Eintritt der Sünde in die Welt. Nach Κ /7. kann natürlich
Adam keine Sünde getan haben (H3i7), sondern von Eva ist
alle Schlechtigkeit ausgegangen^. Damit stimmt, daß es nach
R 1 29 die Weiber waren, welche in der 8. Generation die Ge-
rechten zur Sünde verführten^. Aber im Widerspruch hiermit
steht es, wenn die Klementinen an andern Stellen^, sowie in den
antimarcionitischen Abschnitten^ den Sündenfall Adams voraus-
setzen^. Ist aber Adam sündlos gewesen und so überhaupt die
ersten Generationen der Gerechten, dann kann, wie die K, Π. leh-
ren, der Tod nicht eine Folge der Sünde, sondern nur ein Natur-
verhängnis gewesen sein'.
Dementsprechend sind auch die Vorstellungen von dem zu-
künftigen Schicksal der Menschen. Während sonst in den Sile-
mentinen neben einem ewigen Leben auch eine ewige Ver-
dammnis gelehrt wird '^, reden die K, Π. wohl auch von einem
ewigen Leben sowie von Strafen, die im zukünftigen Aon den
(tottlosen erwarten (Cont. 5: αΙώνιος), Aber diese Strafen werden
1) H202. 3 25.
J) Η 2 52. 3 22 vgl. 3 42. lüö.
3) \'gl. Geu. Ü. Es ist nicht, wie sonst diese Stelle kommentiert
wird, von Engeln die Rede, sondern von Gerechten, die ein engelgleiches
Leben geführt haben. Im Unterschied hiervon wird in R 4 26 Gen. auf
die Engel gedeutet.
4) Η 10 4. 11; R i 9. 12. 5 2. 17. S48. 50. 51.
O) Η 3 42. lü 6; R J 44. 45 (3 42).
G) Wenn der ungerechte Kain Η.ί25 nur von Eva, Η 2 le. 3 48 aber
von Adam und Eva abstammt, so ist diese Umdeutung dem Redaktor
zuzuschreiben.
7) Vgl. Η 2 15. 3 24 cf. R 1 52.
8) Vgl. Η 1 1. 4. 7. 2 5. 13. 28. 29. 80. 7 4. 8 19. 23. <) 9. 10 15. 11 2. 11. 16.
lJi4. 33. 13 17.19. 1Γ)ΐ. 9. Η 13 19 werden die Gottlosen geradezu als un-
sterblich bezeichnet. R 1 i. 4. 7. 13. 14. 24. I i5. 18. Γ»ΐ9. 28. 34. ()8. 7 14. 9io.
H. 13. 10 2.
II, ;j. Der Charakter der Kerygmen. |49
nicht als ewig (άΐδιος) angesehen'. Vielmehr tritt, dem System
der K. Zi. entsprechend, eine Vernichtung der Gottlosen ein, wie
ja auch der Böse selber schließlich in seinem ονζνγος aufgeht ^.
Zeigt sich in all diesen Vorstellungen und Lehren, daß in
der Tat in K. Π. ein eigenartiges Quellenwerk vorliegt, das, noch
deutlich erkennbar, in die Kiemen tinen verwoben ist, so gibt
der Sprachgebrauch zu diesem Nachweis die Probe. Wie in den
Abschnitten, die dem Verfasser des Klementinenromans eigen
sind, finden sich auch hier in dem Abschnitt die nach unsrer
Untersuchung zu K, Π, gehören, eigenartige Ausdrücke und
Wendungen:
ά}Ί^ωμόνως 3i0; άγνώμων Cont. 1, Η 18 23 (jedoch auch 104); άγρα-
φος 19 8. 208; άγράφως347; άγράφως καΐ εγγράφως 3 38. 17 15. 16; άγωγή^
Ερ. Petr. 1. 2. 3, Cont. 1. 2; αίμάσσω 3 24; αϊαθ^ησις 1ί)ΐ9; αίσθ-ητός
1920; ό μέγας (μέγιστος) αιών 244.45; αίωρέω 395 \ άκαίρως W 18. 22\ άκό-
λον^ος = comes 1ί)2δ. 20 4. 9. ίο. 23; άκριτος 3 2ΐ. 18 19. 20 9; άκτήμιον 19 17;
αμίμητος 10 ι bis. 19β. 8. 12. 18. 20 3, sonst noch 3 7θ; άμί:ταμέλητος3ΑΑ.4&\
άμφοτερίζίο 325; αναβλύζω 17 17; άναγέννησις Cont. 1. 1135; άνάληψις
Μωνσέως 3 47 ; άνατέ?.λω (intrans.) 2 17 ; άνέκλειπτος 3 29 ; άνήκν) Cont. 3 ;
ανθρώπειος 17 5. 19 15. 20 5; άνθρύ}πινος 185. 199.23. 20 5; ανίδεος 17 ιΐ;
άνότιτος (passiv) 17 6; ανομία 20 2; αντικείμενος 17 19. 18 12, cf 8 9; άντι-
λογία 2 13; άντιτρέπω 20 9; άνο}μαλία 19 23; ιώκνως 2 53; απάθεια 19 15.
αηαθ^ίς 19ΐ4. 15. 22; άπαλ}.άββω 3 9^. 17 3. ιι, sonst nur 15 2; άπαρατηρΊ]•
ut^ 19 28; άπατεών 2-18; άηοδέω 3 22; απολαμβάνω 2 1 7; άποτινάαβο} 3 3θ;
ν.πρόγνωατος θεός 3 38; άπροοδεής 2 44; αρρην αΙών 2ΐδ. 3 22. 19 28; αρρην
3 22. 23 bis. 96. 87. 51. 20 2, sonst nur 12 26.32; αρχιερείς 2 16. 20 9; άστοργος
2*4; ασύγκριτος 2 43. 45. 3 30. 16 17. 19 ιι. ΐ2, sonst nur 11 12; ασφαλίζομαι
Cent 1. 2 45; άσχημονέω 19 24; ατρβπτος 20 5, cf. 17 16; αυτε^ονσιος 2 15.
1915. 16. 208.10, sonst nur 11 8; αντοπαθέν) 19 19; άφορία 17 17; αχαριστέο)
C dat 16 20, sonst c. acc. 812. 11 18.23. 12 32; αχώρητος 244.45; άψενστί
326; βλέμμα 384; βολίς 244; βοτάνη UMöbis. 1920, cf. 20 16; βραχύς 3 28.
19 1»; βρύω 245. 385.36. 17 9; γαλήνη 2 44. 19 14; γενητύς 19 3.4.9: γεννάω
von Gott: 10 16 bis. 19 10 bis. 12. 20 5, vom Teufel: 19 4. 9. 10. 12. 20 5. 8, von
anderem: 16 16. 199 bis. 11. 22. 20 3. 5 bis. 8; γέννημα 3 23; έν γεννητοΐς γνναι-
χ(άν2η. 3 22.28.52, cf. 16 16; γνόφος 2 44. 3 45; τα αληθή των γραφιυν
-51 bis. 349.50. 18 20; γραφαί (falsche Perikopen): Ερ. Petr. 1 bis. 238.39.
«. 41 bis. 48. 50. 51 y cf. 3 8. 4 bis. 5 bis. 17. 42. IS 19. li> 1 ; τό μνστήριον των
γραψΰη' 2 40. *». 2Γ>9; γέγραηται 17 12. 17. 18. 183; γραφείς ό νόμος 2 88.
Ν 10 bis; δεκτικός 19 14. ΐδ pass. 21 bis. 20 2; διαμαρτύρομαι Cont. 4. Γ».
1) Vgl. Η 3 β δια τής τον ηνρός κηλάσεως καΐ το τέλος εξονοιν . ,
οΐλα μεμετρημένον αΙωνος τό πέμπτον (cod. περιττον) πνρΐ ahovivt κη•
λασθέντες άποσβεσθήσονται,
2) Η 3 59. 7 7. 1610. 17 10. 19 20 vgl. II 20 9.
150 Waitz, Die Pseudoklementinen.
IS 5 bis, außerdem noch iiii; διδάσκειν c. acc. Cont. 1. 2. 186 (c. dat. 3i9l•,
δόχιμοι τραπεζίται 2δΐ. 3δθ. 18 ao; ^/9(fo/Mi};fovTa (Geeetzesausleger) Ερ. Petr.
1. 2. 3. 2S8. 3*7. 184; Εβραίων έκκληοΐα Ep. Cl. 1. 1135; εγκράτεια 326.
li) 19; εδικός 2 19; είκων ^εοϋ s. ο. S. 147 ; έκτελέω 19 2i. 20 8. 9; έκφνω 2 45.
1914. 22, cf. Ha; έμμονος 243; εμπαίζω 243; ϊμφντος S 6. 12. ib. 26, 17 17.
20 6; έναντίως 2 15.23. 3 83; ^νάρ/ε^α 17 5. is. ubis. 20; εναργής 17 ao; έναρ-
γώς (2 29) 17 13. ΐ4; ενδεής 3 88. 19 28; ενέργεια 335. 19 15; έννηνιον 17 14.
15. 17 bis ; δι ivinviojv 1 7 14. 18. 19. 18 2ΐ ; έξαα^ενέω 2 9. 19 15 ; έπείγω 2 4».
18 28; ^πι^ίμεω 2 7. 20 2ΐ; έπίλνσις 288.39.50.53. 17 8. 19 16; επιλύω 248.53.
1717. 19 20; ϊπομ^ως 2 15. 19 2 bis; hρμηvείaΈ^.VQiτ.2 Cont. 1. 3 25. 17 5;
kρμηvεvω Ep. Petr. 2. 3. (2 26) 3fö. 26. 17 19, sonst noch 69. 16 8; i/a«f
2 16; &ήλνς 2 15. 3 22 bis. 23 bis. 24. 27 bis. 54. 19 23. 20 2 bis, vgl. noch 6 8. 1226. S2.
IG 12; &νελ?Μ 2 44. 3 45; Ιδιώτης 29. 3 38. 16 2, vgl. noch 4 17; ^σαόκ 2i6.
3 55. 17 4 (84. IS 13?); ^Ισμαήλ 2i6; ισοδνναμέω 19 18. 20 1; Ιαοδνναμος
1914. 15. 17. 207; Ιωτα Ep. Petr. 2. 3 5i; καθ^ίρεαις 2 17 (cf. 3 15); Κάιν 2 16.
3 25. 42. 19 9; καταιγίς 335; κατάλνσις Ep. Petr. 2 καταλύω 35i; κέντρον 2 45
(17 9); κηδεμών 2 9; κήρυγμα Ep. Petr. 1. 2. 3. Cont. 1.2. 3. 2i2. 1135. 17 19
vgl. Ep. Cl. 20. 7 11. 12 1; κίβδηλος 2 5i. 3 50. 18 20; κόραξ 2i6; κωφόω
243; λενκυς 2 16. 3 27 cf. 13i6; Aiyw206; μακρο&νμία 2 4ß (IGao). 19?. 205;
μετάνοια 3 22. 17 8 bis. lo; μνστήριον Ep.Petr. 2. 2 15. 40. 34. 28. 17 lo. 19 20 bis.
vgl. noch 5 19 bis. 9i4; μνστηριώδως 20 9. 14; μυστικός 3 29 (vgl. 4 16);
Μωϋαής Ep. Petr. 1. 2. 3. Cont. 1. 2 33. 38. 52. 3 18. 44 bis. 47. pass. 48. 58.
54. 17 4.18. 18 3. 17. 19 22. 20 6 bis, sonst noch 3 70. 8 5.6.7. 11 28. 29. 16 14:
Ναβονχοδονόσορ 347. 17i7bi8; νεομηνία 19 22; νεϋμα 24b. 39S\ νόμιμος
Ep. Petr. 2. 17 5. 19 21, sonst noch Γ)24. 1119.28; νομίμως 19 28. 20 8.4; vo-
μιτενω 243.45. 326 bis; νόμος Ep.Petr. 1. 2. 288.52. 3 2. β. 18. 47. 48 bis. 49. 17i7.i8.
18 3. 4. 12. 17. 203. 9, sonst noch 3 5i. 54. 8 20. 22. 10 11. 11 16. 28. 84. 1288. 134.18.
Hie.7; iVwt 252. 17 4. 18i3 (cf. 93); οίκ οίδα πώς Ep.Fetr. 2. 17i8. 205; όλο-
λνγμ04 244, sonst υλολνγή 11 14. 149; όμόεθ^νος Ep.Petr.l, ΒοηΒίόμοε&νής 1 is;
όμολογεω 250. 17 5. 19 2. 5. 19; ομολογία 19 24; οπτασία 17 5. 18. 14. 15. 16. ΐ7.
18. 19. 20. 20 18; ^όραμα 17 13. 14. 15. 16. 17. 19, sonst ορασις 1ΐ8; ορίζω 28. 3 86.
17 13. 18 4. 5. 8. 10. 13. 19 19. 22. 20 2, sonst noch Ep. Cl. 1. 8. 10. 4 28; παρα-
βάτης 252. 3 39; παρεστώς (= παρών) 10 2. 187. 9. ίο. 19 20; προ πείρας
Ερ. Petr. 1. 3; μετά πεΐραν 2 39. 20 8; περιέχω Cont. 2. 4. 245. 3 35. 17 8.8.
1918.28, sonst noch 6 5.24. 10 19; περικοπή 2 89.40 pass. 38. ίο. 48. 49. 19 ι;
περιορίζω 245. 3 32.33. 17 8; πήγννμι 226.45. 20 6; πιλόω 245. 338.83; πλά-
νος 2 17. 18 (4 2). 20 18. 19; προγινώσκειν 2 ίο. 43. 49. 50. 3 18. 42. 44. 47. 55 (Κ) 13.
19 18); πρόγνιοσις 2 ίο. ιι bis. 5ο. 3 η. i2bis. 14. ΐ7. 42 bis. 43. 47, sonst noch
J 2 27. 28; προίξ adv. 3 23.31 (sonst subst); πρωτότοκος 2i6. 3 85; σκότος
2 17.44. 17 7 (19 2). 209; σπείρω 3 8bi8. 27. 28. 19 22, sonst noch 19 8 ; σπέρμα
3 23.27.43. 19 22. 20 5, sonst noch 4 i>i. 6 9. 11 6. 19 2; σταγών 3i7. 90. 2()9,
sonst noch (Jj; σνγκατατίϋ-εμαι 2 39. 18 lO; συγκρίνω 16 18. 17 8 bis. 19 is;
-ωζνγία 2 ιδ. icbis. i7. 18 (23. 33). 3 iß. 23. 59; σνζνγος 3 22; σιμβαίνιυ 19 4 bis.
9. 12. 13 pass. 17. 20. 21 biß. 20 3. 8 bis; οννάρχω 2 43. 8 37. 19 17; σννορτίο)
Cont. Γ). 10 23. 20 11; σφραγί'ζίο 8 26. 19 19; οφραγίς 16i9bi8. 17 7; ταμιενω
2 4b. 3 32.83; τραπε'ζ,ίτης 2 5i. 3 δυ. 18 20 (8 6ibis); τνφλός (von Adam) 3 24.
11, t). Die Heimat und Entsfcehungszeit der Kerygmen. 151
39. -13 (pass.) (19 M); ^jtakkaaooj 3 23. 19 28 bis; υπεροχή 3 3ü. si. 19 2i bis, sonst
Ep. Cl. 14. 2 5. 10 19.
6. Die Heimat und Entstehungszeit der Kerygmen.
Ist es gewiß, daß das Judenchristentum im Abendland, bezw.
iu Rom kaum irgend welche Bedeutung hatte und erst in der
Zeit, als Hippolyt seine Philosophumena schrieb, eine solche zu
erlangen begann, so werden wir hier den \^erfasser der /v. Π.
nicht suchen dürfen. Vielmehr weist alles, der judenchristliche
Charakter nicht nur, sondern auch der gnostische Synkretismus,
sowie die Stellung zu den heiligen Schriften (vgl. das Kapitel III)
nach dem Morgenland, genauer nach dem Land, wo nach dem
Zeugnis des Epiphanius das Judenchristentum noch blühte, nach
Syrien und Palästina. Aber wir können noch genauer seine
Heimat bestimmen. Nach R 265, einer Stelle, die zweifellos den
K. Π. angehört, weilt Petrus, der Fiktion nach der Verfasser
der K. /7., in Cäsarea. Erzählt er doch, daß er jetzt in diese
Stadt, die er früher nur im Gesicht gesehen habe, gekonmien
sei (cum autem venissem huc sc. Caesaream)! Dürfen wir daher
hier den wirklichen Verfasser der K. Π. vermuten, so werden
wir darin durch die Bemerkung des klementinischen Redaktors
bestärkt, daß das Buch der Kerygmen von Cäsarea an Jakobus
geschickt worden sei (H 1 20, R 1 17). und in der Tat, hier, in
der größten Stadt Palästinas (Joseph. B. J. III 29), die nach der
Zerstörung Jerusalems Hauptstadt geworden war, an dem Sitze
der romischen Prokuratoren, wo der Handel und Verkehr des
Morgen- und Abendlandes sich begegneten, hier, wo der Über-
lieferung nach Petrus und Paulus geweilt und der Evangelist
Philippus mit seinen prophetischen Töchtern gewohnt hatte
Act 21»), hier, wo schon frühe eine hervorragende Christenge-
meinde bestand, wo in der 2. Hälfte des 2. Jahrhunderts der Sitz
eines Bistums war, dem auch Jerusalem lange Zeit untergeordnet
war (Eus. h. e. VI 84; V 22. %\ 2. 25), und wo seit dem 3. Jahrhun-
dert eine bedeutende christliche Gelehrtonschule blühte, an der ein
Origenes und Pamphilus wirkten, hier war, wenn irgendwo, der
Boden, auf dem ein System, wie das der K. /7., sich entwickeln
konnte, das jüdische, christliche und hellenische Anschauungen
zu einer Universalreligionsphilosophie verschmelzen will. Hier,
wo Petrus den Komelius und sein Hans bekehrt und getauft
hatte, ohne die Beschneidung zu verlangen, konnte ein geborner
152 Waitz, Die Pseudoklementinen.
J ude, der Christ geworden war, Grund finden, darüber zu klagen,
daß einige Heiden Christen des Petrus nomistische Verkündigung
verworfen und seine Worte durch allerlei Auslegungen εΙς κατά-
λνύιν νόμου verdreht hätten (Ep. Petr. 2). Hier, wo, wie aus
einer Bemerkung des Origenes, Hom. in Ps. 82 gefolgert werden
kann, noch um 250 eine elkesaitische Sekte bestand (vgl. Eus.
h. e. VI, 1^8), kann ein hellenisch gebildeter Judenchrist die
petrinischen Kerygmeu geschrieben haben.
Hinsichtlich der Zeitbestimmung fehlt es leider an einem
festen Punkt. Allerdings ist ein solcher in H2i7 gefunden worden,
wo auseinandergesetzt wird, daß zuerst das falsche Evangelium
von einem Irrlehrer kommen und dann μιτί xa&aiQsotv τον
itylov τόπον das wahre Evangelium heimlich zur Korrektur der
kommenden Häresien übersandt werden müsse, indem Langen
a. a. 0. 95 die Zerstörung der heiligen Stätte auf die Zerstörung
Jerusalems im Jahre 135, das falsche Evangelium auf die anti-
judaistische Grundschrift E, das wahre auf Η bezogen hat. Aber
hat auch Langen Recht, wenn er im Gegensatz zu Baur die
καϋ^αίρεοις του άγίον τόπον nicht im übertragenen Sinne von
der Vernichtung des jüdischen Gesetzes, sondern im eigentlichen
Sinne von der Zerstörung Jerusalems versteht., in welchem Sinn
dieser Ausdruck auch Η 3i5 aufzufassen ist, so bezieht er sie
willkürlich auf die Zerstörung des Jahres 135. Da vielmehr
unter dem „falschen Evangelium'^ dem Zusammenhang nach nur
die Predigt des Apostel Paulus unter der Heidenwelt verstanden
werden kann (vgl. S. 130, Anm. 1}, so kann auch nur an die
Zerstörung des Jahres 70 gedacht werden, das »wahre Evange-
lium" jedoch kann nichts anders sein als das Evangelium des
άντίΟνζνγος des Paulus, also die K. Π, des Petrus. Darauf deutet
auch der Ausdruck όιαπίμφϋ^ηναι hin, der Η l2o ebenso von
den K. IL gebraucht ist. Es ist also aus dieser Stelle für die
K. /7. nicht mehr zu entnehmen, als daß sie nach dem Jahre 70
geschrieben sein müssen. Denn auch aus dem Zusatz bIq έπα-
νόρΟ^ωοιν των ίοομένοον αϊρέοεοιν kann nichts weiteres ge-
folgert worden, da er sehr ΛvahΓscheinlich ein Zusatz des anti-
marcionitischen Redaktors ist'.
Ί) Der Ausdruck ιναγγΐλιον ist auffällig, da an dessen Stelle xt]'
Qvynt: erwartet wird, jedoch liinsiclitlich des Paulus durch Stellen wie
II, 6. Die Heimat und Entstehungszeit der Kerygmen. J5^
Immerhin ist es möglich, daß in den /i. /7. neben Paulus
Doch ein andrer Gegner bekämpft 'werden soll, zumal die anti-
paulinische Polemik nur eine literarische ist Damit wäre dann
auch zugleich ein fester Punkt für die Zeitbestimmung der K. Π.
gefunden.
Nun hat Hilgenfeld^ in vielen Stellen der K, Π. (R 2 20-35,
besonders 236-66), in denen er freilich Interpolationen erkennt, den
Basilide Obekämpft gesehen. Was ihm aber als Meinung des
Basilides erscheint, wie die von Petrus widerlegte Auffassung
des Judengottes als des obersten Engels R 242. die Betrachtung
des Körpers als des Kerkers der Seele (R 25?) und die Leugnung
der Unsterblichkeit (R 842), gilt auch für andere gnostische
Lehren. Wenn vielmehr Simon behauptet (R268, lib. V der K. 77.)»
daß es nur einen Himmel gebe, während Petrus die Existenz
Ton 2 Himmeln lehrt, wenn er R 32ΐίτ. (cf lib. X der Κ 77.) als
Gegner der Wahlfreiheit erscheint, so kann er, wie auch Hilgen-
feld a.a.O. 139 ff. selbst zugibt, nicht als Stellvertreter des Ba-
silides gelten. Die /f. 77 sind von dem Gegensatz zu Basilide.«^
Tüllig unberührt; sie haben auch keine antibasilidianische Über-
arbeitung erfahren, deren Annahme auch bei Niemand sonst
Beifall gefunden hat.
Eher ist ai(Marcion zu denken, wie denn Hilgenfeld a. a.0. 1 95 ff.
die Svzygientheorie der Homilien , die Abhandlung von den
falschen Perikopen in Η 23«if., sowie die ganze Disputation in
Laodicea Η 16—19 wesentlich gegen Marcion gerichtet sein läßt.
Aber ist es sicher, daß die K. 77. eine antimarcionitische Über-
arl>eitung erfuhren, die übrigens nicht nur in H, sondern auch
in R (cf. R 2 36-4«. 63 ff. 338-48) erkennbar ist, so kommen die anti-
marcionitischen Partien, auf die Hilgenfeld sich stützt, eben nur
auf Rechnung des Redaktors und nicht des Autors der K. 11,
Wollte man sie trotzdem den 7i. /7. zusprechen, so müßte man
eine antimarcionitische Tendenz nicht nur in einzelnen Stellen,
sondern in dem ganzen System der Ä. 77. nachweisen. Das ist
Gal. 1 11 gerechtfertigt Es ist möglich, daß im Gegensurtz hierzu die Ke-
rjgmeo das Petrusevangelium genannt sind. Es ist aber auch möglich,
daß erst der antimarcionitische Redaktor diesen Ausdruck für κι]ίίνγμα
«ingesetzt hat, um damit im Gegensatz zu dem Evangelium Marcions das
vahre ETangeliam (ein kanonisches?) zu bez«'ichnen.
1) Hilgenfeld a.a.O. lOOff. VJott'.
154 Waitz, Die Pseudoklementinen.
aber nicht möglich. So sind die K, Π. in ihrer ursprünglichen
Gestalt auch von der marcionitischen Antithese noch völlig un-
berührt.
Steht aber dies richtig, so wird man daraus folgern dürfen,
daß die K. Π. einer Zeit angehören, die vor der Wirksamkeit
eines Basilides und Marcion liegt
Darauf führt aber ein weiteres Moment In den Ausführungen
über die weibliche Prophetie hatten Baur, Seh wegler und Schlie-
mann Beziehungen zum Montanismus gefunden, der gerade
weibliche Propheten hochgestellt hat. Aber mit Recht hat
Hilgenfeld dagegen eingewandt, daß nirgends die das Wesen des
Montanismus ausmachende Idee des Parakleten bestritten werden
Daher hat er behauptet, daß unsre Schrift vor dem Kampf der
Kirche mit dem Montanismus verfaßt sein müsse.
Immerhin liegt hier zweifellos eine Polemik gegen eine
falsche Prophetie vor (vgl. Η 33.22.23.24). Und sie ist flir den
Verfasser der K. Π. nicht nur etwas nebensächliches, sondern
überaus wichtiges. Nennt er doch nicht nur das erste Buch
seiner Schrift, das Buch vom wahren Propheten, sondern
überall und immer wieder kommt er auf den wahren Propheten
ι zurück. Sein ganzes Werk ist als ein Buch des wahren Pro-
Ipheten eine Polemik gegen falsche Prophetie.
Nun ist ja unter der falschen Prophetie zunächst die alt-
testamentliche Prophetie von Moses bis Johannes zu verstehen.
Ist aber die Polemik gegen sie dem Autor der K. Π. von solcher
Wichtigkeit, wie eben gezeigt, so muß sie auch zu seiner Zeit
noch irgendwie von Bedeutung gewesen sein. Die alttestament-
liehe Prophetie kann daher nicht allein Gegenstand seiner Po-
lemik sein. Sehen wir uns nun seine Abhandlung über die wahre
(männliche) und falsche (weibliche) Prophetie genauer an, so
finden wir, daß sie ihre letzte praktische Spitze überhaupt nicht
gegen die weibliche Prophetie kehrt, sondern (vgl. Η 32?) gegen
eine Vermischung der männlichen Prophetie mit der weiblichen,
wodurch die letztere ihre Position stärkt, zugleich aber die der
männlichen Prophetie schwächt. Hier ist also der Gegner zu er-
kennen, gegen den sich /1'. /7. wenden. Prinzipiell steht er auf
der Seite, auf der auch der Verfasser der A'. /7. steht, er ist also
1) AVeiteivs s. bei Hilgenfeld a. a. 0. i'.CKi f.
π, 6. Die Heimat und Entstehungszeit der Kerygmen. 155
auch ein Judenchrist wie dieser, aber nicht von derselben Ob-
servanz. Neben der männlichen Prophetie, die in dem Adam-
Christos verkörpert ist, erkennt er noch eine andere, die aber nicht
wie jene auf die wahre Gottesverehrung (den Monotheismus),
sowie die rechte Gesetzeserflillung und dadurch auf den kom-
menden Aon, sondern, wie die alttestamentliche, auf die Idolatrie
und den Antinomismus, überhaupt auf den gegenwärtigen Äon
hinweist. Neben der OflTenbarung, die nur durch persönliche
Mitteilung {έναργεΙα Η 17 12), vermittelt ist (wie die des Petrus),
beruft er sich auf eine andre Offenbarung, welche auf momen-
tanen Eingebungen des Geistes beruht und darum nie zur vollen
AVahrheit gelangen läßt (H 3 13. 26).
Sollte nicht unter dem hier bekämpften Gegner der Elke -
"s äifismu s^zu begreifen sein? Wie schon früher dargelegt worden
ist, zeigt er sich mit dem System der K, Π. vielfach nahe ver-
wandt, indem auch er einen jüdisch-christlich-heidnischen Syn-
kretismus auf monotheistischer Grundlage repräsentiert» wie Epi-
phanius haer. 53 1 von seinen Anhängern sagt^: ούτε Χριύταχρο)
νχάρχορτες οντε ^Ιουδαίοι ούτε ^Έλληνες, άλλα μέύον άπλώ^
νχάρχοντες ουδέν είοι . . . ϋ^εον δε ενα λεγονΰι. In einigen
wichtigen Punkten differiert er aber auch, und das sind gerade
die oben skizzierten.
Ein grundsätzlicher Unterschied liegt vor allem darin, daB,
während die K. Π, auf die in Christus vollendet vorliegende
Offenbarung den Nachdruck legen, der Elkesaitismus sich als
eine neue Offenbarung gibt, wie sie dem Elkesai zuteil ge-
worden sein solP. Richten sich nun auch die Ausführungen
l
V) Was Epiphanius über die Ossaer und Sampsäer (haer. 19 u. 53;
Khreibt, ist Dichte andere als der Elkesaitismus. Dabei zeigt sich Epi-
phaniiis vorzfiglich orientiert. Sicher hat er selber das Buch gekannt, auf
die die Elkesaiten sich beriefen, wie er dies haer. 1!I3 behauptet. Das l»e-
weift ein Vergleich der von ihm angefiihrten Lehren der Elkesaiten z. B.
über die Anrofang der 7 Zeugen mit den bei Hippolyt Philos. 9 18 er-
haltefoeo OrigioalaoszÜgen aus dem Buch der Elkesaiten. Denn das alles
bat Epiphanias nicht ans Hippolyt geschöpft, da er Mitteilungen über die
L^e der Elkesaiten macht, die durchaus original und nicht von Hippolyt
«nrUint sind.
2) Epiph. haer. 10 1 σννεγράχρατο Sh οϋτος sc. Ήλξαι) βιβλίον όΓ,β^εν
zcTo ηροφτιτείαν if ώς xcera ivd^tov οοφιαν . . . tfrcvraonoot/ όί τη•α ως
K^fv άτίοχαλι-ψεως παρειαφερει.
156 Waitz, Die Pseudoklementinen.
Η 17i2ff. gegen die OflFenbarungen, auf die Paulus zur Begruu-
duDg seiner Apostolizität sich berief, so beweisen sie doch, dal>
die K, /7. einer neuen Offenbarung, wie in dem Buche Elkesai.
nur feindlich gegenüber stehen konnten. Und die Existenz des
Buchs vom wahren Propheten findet durch die Beziehung
zu dieser neuen Prophetie zweifellos eine ausreichende Er-
klärung.
Dazu kommt ein weiterer Unterschied in Bezug auf das
Medium der Offenbarung, den „wahren Propheten", bezw. Elkesai ^
Nach K, Π, ist Christus (bezw. der Adam- Christus) als der
alleinige Offenbarer Gottes das männliche Prinzip, zu dem das
weibliche im direkten Gegensatz steht, wie das Gute und Voll-
kommene zu dem Schlechten und Unvollkommenen. Nach dem
jjBuch Elkesai ist Christus ebenfalls als ein Offenbarer Gottes das
/männliche Prinzip; aber neben ihm steht der heilige Geist als
idas weibliche, wie neben dem Bruder die Schwester, also nicht
als der Gegensatz, sondern als die Ergänzung des männlichen
Prinzips^, d. h. neben der im Adam-Christus (= Gesetz-Evan-
gelium) vorliegenden Offenbarung wird eine weitere anerkannt,
die eben in dem Buch Elkesai vorliegt. Es ist klar, daß dies
von dem Standpunkt der K. Π, aus als eine verderbliche Ver-
quickung von Wahrheit und Irrtum erscheinen mußte, gegen
die Front zu machen sei, wie es auch Η 3 27 geschieht : αροην
όλως aXfjd^ticty 7/ ϋ^ήλεια ολη οτλάνη, 6 Sh έξ αροερος xcu θ-ηλεία^
• ' 1 ) Nach Hippolyt Philos. ί» i3 und Epipb. haer. 19 1. 2. 53 1 war El-
kesai eine zur Zeit Trajans lebende Persönlichkeit, die (nach Hippolyt) aus
Parthien stammte und von der (nach Epiphanius) noch zur Zeit Konstan-
tins Nachkommen, zwei heilige Frauen, Marthus und Marthana, lebten.
Ist demnach nicht daran zu zweifeln, daß er eine historische Persönlichkeit
war, so darf doch wohl behauptet werden, daß der Name ^Ηλχαααΐ bezw.
Ίίλξαί (= '^CS"?5< - ^toc άποκΒχαλνμμίνος oder '^ÄS-^n = nach Epi-
phanius ovvaiiu άτιοκεκαλνμμένη), neben dem noch der Name ^εξαι
(= ^^2 ri'^ vgl. Epiph. haer. 53 1 1 vorkommt, ihm erst auf Grund seines
Buches beigelegt worden ist.
J) llippol. Phil. !H3 και τυν μβν αραενα v\bv είναι τον ^εον, την όε
ih'^/.bici' κα?.£ΐϋ{^αι Ι'.γιον τινενμα. Epiphan. haer. 1ί)4 öiayQaifSi Χ(>ιστογ
τ ίνα eircu όιναμιν, ον καΐ τα μέτρα σημαίνει . . είναι oh καΐ τό ίίγιον
τινίϊμα και α ντο ih'/?,ftav cf. haer. 53 1. καλεϊοθ-αι oh αντον (sc. liaau)
λ'ριοτον κ(:ι lirci το ι'.γιον ηνενμα άδε?.φ»ιν αντον, Ο-η/.νχο) σχήματι
ΐΊτάργονααν.
II, 6. Die Heimat und Entstehungszeit der Ker^-gmen. 157
γιγονώς α μεν ψενδεται, α δε άλ7]&ενει κτλ. Dazu mochte aber
noch ein anderes kommen.
Wie nämlich das Weibliche in dem System des Elkesai *^
eine hervorragende Stellung einnahm, so auch in der Praxis seiner
Gläubigen. Von Epiphanius hören wir^ daß zwei Frauen, Marthus
und Marthana, aus dem Geschlecht des Elkesai, bei ihnen in
hohem Ansehen standen {άρτΙ ^εών ^ιροοεχννονντο)^ so daB
sogar der Staub ihrer Fuße als Gegenmittel gegen Krankheiten be-
nutzt wurde. Nach dem Buch Elkesai selber (bei Hippol. Phil.
9 17) erhielten nicht nur gläubige Männer, sondern auch die Frauen
das Buch anvertraut, das im übrigen als Geheimbuch galt. Wie
also bei den Montanisten, so spielten auch in der Sekte der
Klkesaiten die Frauen eine hervorragende Rolle, — für den
VerCasser der K, /7., der, wie er Eva als ein weit unter Adam
stehendes Wesen, so überhaupt das ewig Weibliche als das an-
sah, was die Menschen herabzieht, ein Grund mehr, gegen diese
tür die Sache der Wahrheit unheilvolle Bevorzugung des Weib-
lichen mit aller Entschiedenheit zu protestieren.
Dieser Gegensatz der K. 77. zu dem Buch Elkesai hatte «-
aber noch einen tiefer liegenden Grund. Hatte nämlich die neue
Offenbarung des Buches Elkesai den Zweck eine neue Sünden-
vergebung anzukünden, die durch die Taufe oder durch Wa-
schungen vermittelt wird, so war sie dazu durch die Tatsache
veranlaßt, daß in Zeiten der Verfolgung wiederholt Abfall zu
dem heidnischen Götzendienst vorkam. Dem gegenüber erklärte
das Buch Elkesai, es sei keine Sünde, μη είναι άμα(ίτίαρ —
das soll wohl heißen, es könne Vergebung der Sünden erlangt
werden — , wenn Jemand während einer Verfolgung die Götzen- *
bilder zum Schein verehre, vorausgesetzt, daß er sie nur nicht
in seinem Herzen verehre, oder wenn Jemand mit seinem Munde
äich als Nichtchristen bekenne, vorausgesetzt. dal.> er es nur
nicht in dem Herzen tue^. Diese laxe Praxis und Moral aber,
mußte sie nicht zur Heuchelei verführen, indem sie die Ver-
gebung für den Abfall vom Glauben so leicht machte; mußte
sie nicht dazu verleiten, nicht den einen Gott, sondern die Götter
anzubeten und so Zustände schaffen, wie sie einst — nach K.IL
l, Vgl. 8.156 Adid. 1.
'2} Epipb. haer. ID. 53 1; Orig. hom. in Ps. >^2 boi Kus. VI .:8.
158 Waitz, Die Pseudoklementinen.
— die weibliche Prophetie verschuldet hatte? Dagegen mußte
natürlich der Verfasser der Κ Π, Einspruch erheben, indem er
umsomehr die männliche Prophetie pries, wie es Η 326 geschieht:
srepO-elP γαρ τοις αντον νΐοΐς παρίχΗ τους Ιξαπατωμέρον^
αδελφούς αντώρ' άψενύτεί αντοίς έν τω μέλλοντι αΐώνι την
παράχληοιν νπΐύχνούμενος' ϋ^εον ενα μόρον αΐτείν λέγει' ϋ-εονς
οντε αντος λέγει ούτε αλλφ λέγοντι πιοτενει χτλ, Sie, die
männliche Prophetie, hatte keine Vertröstungen fllr den gegen-
wärtigen Aon, wie die weibliche, es sei denn die auf den kom-
menden Aon.
Richtete so der Verfasser der Κ Π. die Ausführungen über
die weibliche Prophetie nicht gegen den Montanismus, son-
dern gegen dessen judenchristliches Widerspiel, den Mkesaitismus,
so konnte er dabei nur von der praktischen Tendenz geleitet sein
Isein Buch, die OflFenbarung des wahren Propheten, als Ge-
heimbuch an die Stelle des Geheimbuchs Elkesai zu setzen.
Wie aber konnte er dies erreichen, wenn er nicht ihm eine
apostolische Autorität verlieh? Darum mußte es von Petrus
verfallt und von Jakobus approbiert sein; darum tlurfte es nur
als Geheimschrift unter der Anrufung der 4 Elemente als Zeugen^
wie auch das Buch Elkesai unter Anrufung der 7 Zeugen weiter
überliefert werden. —
Dürfen wir aber also in K, Π. eine deutliche Beziehung zu
dem Buch Elkesai erkennen, so gewinnen wir damit einen festen
Punkt, um die Abfassungszeit zu bestimmen. NachEpiph.haer.19i.
Hippolyt. Philos. 9 ig ist das Buch Elkesai im 3. Jahre Trajans.
also 100/101, abgefaßt, und es liegen keine Gründe vor, diese
Angabe zu bezweifeln, vielmehr manche, die sie bestätigen. Die
Bezugnahme auf den Krieg Trajans gegen die Parther, sowie die
noch nicht erfüllte Weissagung eines Kriegs im 6. Jahre seiner
Regierung* weisen unverkennbar, wenn auch nicht gerade in das
Jahr 100, so doch in die Zeit Trajans. Was von den Christen
in Zeiten der Verfolgung erzählt wird, daß sie nämlich die Gotter
anbeten und Christus verleugnen sollten, stimmt wörtlich mit
dem bekannten Edikt Trajans des Jahres 111 an Plinius^. Die
Vorschrift des Buches, das Gebet nicht nach Osten, sondern
1) Hippolyt. Phil. \) ig.
'S) riinius See, Epp. Hb. U. 07. US. ed. Titze Lips. lSi>:] p. -JikSsq.
II, <). Die Heimat und Entstehungszeit der Kerygmen. 159
stets in der Richtung nach Jerusalem zu verrichten*, setzt vor-
aus, daß Jerusalem noch nicht durch den Greuel an heiliger
Statte entweiht ist, wie dies durch die Aufstellung der Statue
des Jupiter Capitolinus durch üadrian (135) geschah. Das Alles
lieweist, daß das Buch Elkesai noch unter Trajan, jedenfalls vor
135 entstanden ist. Dann aber können die K. /7. erst später
entstanden sein, also nach 100/135, wie sie überhaupt nicht nur
in der Verwerfung der neuen Offenbarung, sondern auch in der
Ablehnung grob sinnlicher Spekulationen, wie z. B. über die
Große des Adam-Christus und des heiligen Geistes, in der ge-
ringeren Wertung jüdischer Zeremonien, wie der Beschneidung
und des Sabbats, in dem Einfluß hellenischer Philosophie eine
weiter vorgeschrittene Gestaltung der in dem Buch Elkesai ver-
tretenen Ideen darstellen.
Berücksichtigen wir alle diese Momente, so werden wir,
allerdings nicht in Η 2 17, welche Stelle sich nur auf das Er-
eignis des Jahres 70 beziehen kann, wohl aber in Η 3 15 einen
Hinweis auf die Zerstörung Jerusalems im Jahre 135 erkennen.
Im Gegensatz zu der falschen Prophetie, die auch manchmal
To της χρογνώοεως αγιον JtVBvμa entbehren muß, wird nämlich
hier dargelegt, daß der wahre Prophet (= Christus) alles bis
ins einzelne genau vorausgesehen und -gesagt habe. Als Be-
weis dafür wird zunächst die Weissagung von der Zerstörung
des Heiligtums^, darauf das Wort Jesu, daß diese Weissagung
noch in der ersten Generation sich erfüllen werden angeführt.
Im Anschluß daran wird ein weiteres prophetisches Wort Jesu
Ton der Belagerung Jerusalems usw. zitiert, das nur Lc 1943
eine Parallele findet Alsdann wird im Text fortgefahren:
.Qleichwohl {όμως) hat er mit deutlichen Worten auch das
Folgende {xaX τα ^ξης) vorausgesagt, was wir nun mit unsern
eignen Augen sehen kimnen'^ Was aber ist „das Folgende"?
Man konnte an weitere prophetische Worte Jesu denken, wie
sie bei den Synoptikern stehen. Zweierlei spricht aber dagegen :
l» Weder auf Mt2434 (Mc. 13 30, Lc. 21 32) noch auf Lc. 19 43
folgen hier prophetische Worte Jesu. Also Λvird auch der
1) Epipb, haer. 193. 'J. Vgl. Mt. 2J2, Mc. λ'λι, Lc, Jl 6.
») xaX' ov μ^ί 7ΐαρ^λ{}ί^ /^ yei'ta αιτη zcd // y.cJhdQeoLz an-/J,r /.^itnu
T?l. Mt 24 »4. Mc 1380, Lc. Jl 32.
160 Waitz, Die Pseudoklementmen.
Schreiber von Η 3 15 keine solche gekannt haben. 2) Die auf
die Zerstörung Jerusalems folgenden Weissagungen (vgl. Mt. 24 lo)
handeln von den himmlischen Zeichen der Wiederkunft Jesu.
Diese kann aber nicht der Verfasser der K. Π. gemeint haben,
da er sagt, sie sähen sie nun mit ihren eignen Augen. Faßt
man den Kontext bei Η 3 i5 ins Auge, so wird man unter dem
Folgenden, das er, der Verfasser und seine Leser, nun mit ihren
eignen Augen als Beweis für die Zuverlässigkeit der Prophe-
zeiungen Christi sehen, nichts anders verstehen können, als eine
Belagerung bezw. Zerstörung Jerusalems, deren Augenzeuge je-
doch nicht mehr die erste, sondern sie, die jetzt lebende Gene-
ration ist. „Geichwohl", so heißt es, „hat Jesus auch das
Folgende (die zweite Zerstörung Jerusalems) klar vorausver-
kündet", weil es nämlich so schien, als ob die erste Zerstörung
bezw. der bald darauf erfolgte Wiederaufbau Jerusalems die
Prophezeiung des Herrn als unwahr erweisen würde. „Gleich-
Avohl" es so schien, so ist es doch nicht eingetreten, sondern
„das Folgende", die zweite Zerstörung, die wir nun mit unsem
eignen Augen sehen können.
Nehmen aber die K. Π, hier auf die zweite Zerstörung Je-
rusalems bezug, so können sie nicht vor 135 abgefaßt sein,
keinesfalls aber auch viel später. Denn abgesehen davon, daß
die K. Π, (H 3 15) die Zerstörung Jerusalems wie ein erst jüngst
geschehenes Ereignis behandeln, dessen Augenzeuge der Ver-
fasser ist, so erklärt sich ihre polemische Tendenz gegen den
Elkesaitismus hinreichend nur bei der Annahme, daß sie ihm
zeitlich noch nahe stehen. Auch die Abwesenheit jeglicher
■Polemik gegen Montanismus und Marcionitismus lassen es
"ratsam erscheinen, nicht weit über das Jahr 135 hinunter zu
gehen.
Oerude in diese Zeit und ihre Stimmung passen auch sonst
die K. Π. sehr wohl hinein. Gehen sie von der Voraussetzung
aus, daß sie von Petrus verfaßt und an Jakobus, den Bischof von
Jerusalem, gerichtet sind, so müssen sie natürlich deshalb nicht
vor 135 während des Bestandes der jerusalemischen Gemeinde
abgefal.st sein, da jene Voraussetzung nur eine Fiktion ist. Aber
diese Fiktion selbst war doch nur gut möglich in einer Zeit,
welche noch eine lebhafte Erinnerung an die Existenz einer
judeuchristlichen Jerusalemer Gemeinde nicht nur, sondern auch
II, (). Die Heimat und Entstehungszeit der Kerygmen. \ßl
eines judencbristlichen Jerusalemer Bischofs hatte, der ein Nach-
folger des Jakobus war.
Auch das Judenchristentum, wie es die K. Π, darstellen, ist
in dieser Zeit am leichtesten verständlich. Unterscheidet es sich
von dem Elkesaitismns u. a. dadurch, daß die spezifisch jlidisch-
nationalen Forderungen, die Beschneidung und das Sabbatgebot,
zwar, wenigstens die erstere, nicht verschwunden sind, aber durch-
aus zurücktreten, so erklärt sich dies am einfachsten dadurch,
daß der Umschwung der Zeiten, die Aufrichtung des Heiden-
tums an heiliger Stätte nötigte, diese Forderungen, wenn nicht
aufzugeben, so doch weniger kräftig zu betonen. Je mehr aber
damit die Hoffnung auf die Realisierung des Gottesreiches in
diesem Aon schwand, desto kräftiger mußte sich die Sehnsucht
auf den kommenden Aon richten. Hier in diesem Aon — das
bewies der Greuel an heiliger Stätte — war alles dem Bösen
verfallen. Aber darum braucht man noch nicht zu verzweifeln.
Bald wird nach dem Antichrist der Gute selber erscheinen und
sein Friedensreich aufrichten.
Aber ebenso gut paßt in diese Zeit nach 135 das gnostis che
Element, das wir in K. Π. finden. Das 4. Jahrzehnt des 2. Jahr-
hunderts unsrer Zeitrechnung ist ja gerade die Zeit, in der
allenthalben in den christlichen Gemeinden der Gnostizismus zur
Ent&Itung gelangt, und Syrien der klassische Boden, wo er zu-
erst aufgeblüht ist. Dieselbe Geistesrichtung jener Zeit nach
einer Qber den historischen Religionen stehenden religionsphilo-
sophischen Betrachtung des Welt- und Menschenlebens, welche
in den Systemen eines Saturnin, Basilides, Valentin, Cerdo und *
Bardesanes zum Ausdruck kommt, hat sich auch auf juden-
chrietlichem Gebiet in dem System der K. Π, wirksam gezeigt.
Das ist freilich nicht so zu verstehen, als ob jene Systeme
direkt das der K, Π, beeinflußt hätten. Denn wenn sie auch im
einzelnen sich gegenseitig berühren — Lipsius hat vor allem
auf die Verwandtschaft mit den ophitischen Systemen hinge-
wiesen — ,80 ist doch das System der K. /7. als solches origi-
nal, wie es auch auf andere ohne nachweisbaren Einfluß ge-
wesen ist
Berücksichtigen wir noch, daß die K. Π. ein Evangelium .
voraussetzen, das fast durchgängig eine ältere Tradition als die
Synoptiker darbietet, und das Johannesevangelium sowie andre j
Texte α. Diiterraehaogen. N. F. X, 4. 11
162 Waitz, Die PseudoklemeDtinen.
Bücher des NTs. (außer den bekämpften paulinischen Briefen)
nicht kennen \ so dürfen wir als das Ergebnis unsrer Unter-
suchung fEü: gesichert ansehen, daß sie bald nach dem Jahre i:]5
verfaßt worden sind.
7. Die Bedeutung der Kerygmen.
Sehr wahrscheinlich haben die K, Π. nicht blos als Privat-
ansicht und -arbeit eines Einzelnen, sondern als die Anschauung
eines weiteren Kreises oder als heiliges Buch einer religiösen
Gemeinschaft Bedeutung gehabt Schon die Fiktion von der
Autorschaft des Petrus und von ihrer Approbation durch Ja-
kobus, ebenso auch die antielkesaitische Tendenz, verrat die Ab-
sicht des Verfassers, sein Werk zu allgemeiner Geltung zu
bringen. Wenn er aber sein Buch nur als Geheimschrift weiter
überliefert haben will, so umgrenzt er damit den Kreis, für den
er es bestimmt: es ist eine kultische Vereinigung mit ihren be-
sonderen Mysterien.
Durch die Taufe, d. h. wohl durch untertauchen in einen
Fluß oder eine Quelle, wird man in diese Vereinigung aufge-
nommen und gehört so zu der Gemeinschaft der Wiederge-
borenen (Coni 1 und lib. X der Κ /7., R Sts), darauf wird man
unter Anrufung der 4 Elemente feierlich verpflichtet, nicht zu
sündigen 2. Damit oder danach erfolgt die Versiegelung der
\^ollkommenen ^, vielleicht auch die Feier des Abendmahls bezw.
der Genuß von Brot und Salz (Cont. 3). Dieser Mysterienor-
ganisation steht ein Kollegium von Presbytern mit einem Bischof
an der Spitze vor, in welches man nach einer Wartezeit von
() Jahren unter ähnlichen Riten aufgenommen wird, wobei auch
die Verpflichtung auf das Buch K. Π, erfolgt (Cont). Alle
diese organisatorischen Bestimmungen wie der ganze Charakter
der K. Π, als eines Mysterienbuches beweisen, daß die JEl J7.
dieselbe Bedeutung hatten oder haben sollten, wie das Buch
Elkesai, das zu ersetzen sie bestimmt gewesen sind.
Für die Geschichte des Christentums aber sind sie von
umso größerer Bedeutung, als uns keine andre Schrift einen so
1) Vgl. Kapitel III § Γ).
2i Cont. 1 ως και ahoi άναγεννώμενοι κε?,ενσ^ένΓες έτΐοιήααμεν
τον μ}^ αμαρτεΐν χάριν» Man beachte die 1. Person Pluralis!
3; τελείονς αντών o<f ραγίζει Π 3 26.
II, 8. Die in die Kerygmen verarbeiteten Quellenschriften. χ 53
tiefen Einblick in das Wesen und die innere Entwickelung, die
die Anschauungen und Stimmungen, das Oemeindeleben und die
kirchliche Organisation des palästinensisch -syrischen Juden-
christentums tun läßt, wie die K. /7. ^
Ihre Bedeutung für die Geschichte des neutestamentlichen
Kanons und Textes wird das dritte Kapitel zu beleuchten haben.
8. Die in die Kerygmen verarbeiteten Quellenschriften, Justine
Antimarcion u. a.
Wie oben dargelegt worden ist, sind in die K, Π. nicht nur
kleinere Abschnitte, sondern ganze Blicher eingeschoben, und
erst in dieser Überarbeitung haben sie Aufnahme in den Kle-
mensroman gefunden.
Nachdem wir die ursprünglichen K, Π. näher bestimmt
haben, bleibt uns noch die Aufgabe, diesen Interpolationen ihren
Platz in der altchristlichen Literatur zuzuweisen.
Wir beginnen mit den antimarcionitischen Abschnitten. Da-
bei fitellt es sich heraus, daß ihr Redaktor vielfach unselbständig
▼er&hren ist und eine Quellenschrift benutzt hat, welche sich
mit der Widerlegung Marcions befaßt haben muß -^. Vergleichen
1) Vgl. die ^§ 4 und 5 dieses Kapitels.
2) Vgl. Kapitel II, Unterteil I § 3. Als Beweis dafür, daß in den
antimarcioDitiechen Partien eine Schrift benutzt worden ist, welche einen
andern Charakter als die übrigen Partien der Klementinen trägt, mag
nicht nur die Eigenheit ihrer Theologie dienen, welche sich von der der
K. D. wesentlich unterscheidet (vgl. dazu S. 144 ff. sowie S. ΙΗΓ)), sondern
auch die Eigenheit des Stiles, wie sie in einer — bei dem verhältnismäßig
genngen umfang — großen Anzahl von Wendungen und Ausdrücken her•
Tortritty die wir hier wieder nach Chawners Index zusammenstellen:
άλη^ίΐ'ός 16 7; άμφιένννμι {ψνχή) 16 ίο. ιβ; αναβαίνω (^πΐ χειλπον)
Ιοβ.8 (cf. 17 18); άναγγέν.ω 168; άναπληρόω 3*3, sonst nur 360, cf. 1. Kor.
14 ιβ: άνόηερος δημιουργός 341. 16 21 (17 20?). 18 1 ; άηοΘ^ρααι'-νω 18 14;
άποχρύτιτω Aorist: άπέχρνβα bezw. άπεκρνβην ΙΚιβ. 17, sonst άπί^χρι^ψα
3e. 62; αρκετός 16 βι; αύτογέννητος Κ) β bis; βάτος 16 Η; από γραφών
h'jLk'j'Xiiv 82. 38-41. 168. 9his. 14 bis, cf. 16 13, sonst noch 17 5; αϊ γραφαΐ 3 42.
5&. Μ. 57 bis. 16 5. 7 bis. 8. 9. 11. 12. 13 (cf. 3 10); Javlö 18 13 bis; δημιουρ-
γίας (^ εγνωσμένος) 17 4. 184. 18. 18; ( - δίκαιος) 17 5. 18 ι. 3 (cf. 3 88). 15. 22.
19 1 bis. ίδ. 9); διάβολος = Teufel 19 2 bis; δνάς 16 I2bi8; είκων ^εοϋ (= Leib)
l»>io; Εμμανουήλ 16 14; ή ^δο^εν ψυχή 16 ιο; §πάγω 3 39 (17 5). ISis. 18,
ioiut noch 19 ιβ; έπιμαρτνρέω 16 6, dagegen έηιμαρτνρομαι Cont 1;
Ηύάιας 18 15 bis. 18 bis; 9•εΐαι γραφαί 16 8; ^εός ^eCtn' 16 β bis. 7. 18 4 (cf.
'Si,: ^οις 3 45 bis; ^Ιερεμίας 18 4; ^ Ίονδαίων θ^εός 16? passimg. 14: κακό-
11*
i
Iß4 Waitz, Die Pseudoklementinen.
wir nämlich zunächst Η 3 39 und Tert. adv. Marc. 2 25, wo beide-
mal, Η 3 39 als Einwurf Marcions und zum Beweis für die Un-
wissenheit des Schöpfergottes, Teri adv. Marc. 2 25 zur Zurück-
weisung dieses Einwurfs, auf das Verbot Gottes hinsichtlich des
Lebensbaumes (Gen. 322) und auf den Entschluß Gottes, sich in
Sodom umzuschauen (Gen. 18 21), eingegangen wird; außerdem
Η 345 und Tert. adv. Marc. 2 18, wo ebenfalls beidemal unter Hin-
weis auf das Schicksal des fleischlüsternen Volkes in der Wüste
die marcionitische These behandelt wird, so werden wir erkennen,
nicht zwar, daß der antimarcionitische Redaktor in Η 3 aus
f TertuUian geschöpft habe oder umgekehrt, sondern daß beide eine
marcionitische oder antimarcionitische Schrift benutzt haben.
Auf die Benutzung einer Schrift Marcions selber scheint
R2 88 hinzuweisen (s.o. S. 101 f.), indem Petrus hier den Simon
(= Marcion) fragt: Ex scripturis Judaeorum, quae in auctoritate
habentur, probare potes ... an ex tuis scriptis propriisV
Aber vergleichen wir zunächst Β 2 41 und Tert adv. Marc. 1 7, so
finden wir an beiden Stellen die Behauptung aufgestellt, daß auch
die Götzenbilder der Heiden Götter genannt werden. Auch L•enaeus,
adv. haer. III 6 3 wiederholt sie, indem er sich zu ihrer Richtig-
stellung wie Η 16 8 auf Jer. 10 n beruft. Da nun Tertullian wie
Irenäus in diesen Stellen in gleicher Weise Marcion widerlegen,
. können sie nicht auf eine marcionitische, sondern nur auf eine
antimarcionitische Schrift zurückgehen. So wird auch R 24i
seine Wissenschaft von Schriften Marcions nicht aus diesen
selber, sondern aus einer Widerlegung derselben geschöpft haben,
aus einer Widerlegung freilich, welche ihrerseits auf einer ge-
nauen Kenntnis der Schriften Marcions beruhen muß.
Welches ist diese gemeinsame Schrift?
Bemerkenswert ist noch zunächst, daß wir eine weitere Pa-
rallele zu der angeführten Stelle R 2 41 auch bei Justin finden,
die sich nicht nur auf die Sache, sondern auch auf den Wort-
laut erstreckt:
λογέω 10 6.8.9; καταλέγω 10 8. 19 ι, vgl. 196.7; κηρός 16 ίο paes.; χληρο-
νομεΐν ζωήν αίώνιον 18 8. 17 (vgl. κ?.. αΙωνα 11 17. 32) ; λατρεύω θ-εοΐς έτέ-
ροις 10 6. 13; μεαίτης 16 5; ξν?.ον Tfjg ζωής 3 39.42. 166; μεθ^ ^ρχον
έπισφραγίζονσιν 10 7; τιαλαίω (Jakob) 16 14. 18 18, sonst noch 20 7; παραι-
νέω 168; αοφία 10 12; ψιθ^νρισμύς 16 21.
II, 8. Die in die Kerygmen verarbeiteten Quellenschriften. 155
R 2 41 Apol. I 9
Simolacra quoque gentium , ονς ανϋ-ρωποι μορφωΰαν-
dii appellantur et omnes τες xal hv ναοίς ίδρνοαν-
scimus quia non sunt; sed τες ϋ^εούς προύώνομαύαν,
impiis quasi pro poena hoc da- ίπείαψνχα xal ρεχρα ταντα
tum est, ut quia verum deum γινώοχομεν xal ϋ-εον μορ-
cognoscere noluerunt, quaecun- φην μη έχοντα. Vgl. Apol. Ι 5
que eis forma et imago oc- . . . δαίμονας . . . θ^εονς πρού-
rarrisset, haberetur ab eis deus. ωνόμαζον und Dial. c. Tryph.
79 xal /Ιανϊδ ότι ol ϋ^εοί των
h^vov δαιμόνια είΰιν είπεν
(Ps. 95 ;>).
Diese Parallelen gehen aber weiter: R 2 42 und Η 16 u legen ♦
dar, daß nach der Schrift auch die Engel Götter genannt wer-
deo. Derselbe Gedanke findet sich aber auch bei Justin, Dial. •
c. Tryph. 56; R244 werden die Propheten im Gegensatz zu der •
sonstigen Auffassung in K. IJ. als sancto spiritu repleti be-
zeichnet, ebenso Dial. c. Tryph. 7: άγΐω πληρωθ^έντες πνεν- •
μάτι. R 2 48 heißt es von Moses: Moyses quoque . . . lesum ven- •
taram esse prophetavit, dementsprechend Apol. I 32: Μωνοής μεν *
ow χρωτός των προφητών γενόμενος είπεν. Es folgt Gen.
49 10 — eine Stelle auf welche auch die antimarcionitische Be-
arbeitung von Η 3 49, vgl. R 1 50, näher eingeht — und es heißt *
alsdann weiter: μέχρι της φανερωΰεως *ίηθον Χριΰτον ... ως
:κροε(}ρήϋ^ νπο του ϋ-είον άγίον προφητιχον πνεύματος δια τον
}ίωνοέως. R2 53 wird Adam genannt homo, quem plasmavit •
deus . . und primus homo; Apol. I 44 ο πρώτος πλαοΰ^είς αν- •
^{^ωπος. Auch in den Lehranschauungen finden sich viele Ähn-
lichkeiten. R 240 sagt Petrus von Gott: ostendero nullum esse •
hoc superiorem, sed ipsum esse super omnia. Ahnlich wird Gott
DiaL c. Tryph. 56 bezeichnet: 6 τών όλων ποιητής, νπίρ ον "
«λλος ϋ-εος ονχ ϊοτι und c. 60 nochmals ο νπερ χόομον ϋ-εος. .
v^Q ον άλλος ονχ εοτι. Η 16 12 läßt die Worte: „Wir wollen •
den Menschen machen"^ von Gott zu der ihm immanenten „Weis-
heif* gesprochen sein, genau so Dial. c. Tryph. c. 62. Beachten wir •
weiter — was in Kapitel III § 1 und 2 im ein/einen noch bewiesen
werden wird — , daß die alttestamentlichen Schriftzitate gerade in
diesem antimarcionitischen Abschnitt, sowohl bei R als auch bei
H, abweichend von dem sonstigen Verhalten der K. /7., ebenso
166
Waitz, Die Peeudoklementinen.
^
w'
wie bei Justin, meist in Übereinstimmung mit LXX, dabei z. T.
auch in wörtlicher Übereinstimmung mit Justin angeführt sind,
die neu testamentlichen Schriftzitate ebenfalls des oftem — und
abweichend vom Kanon — mit den justinischen sich decken, so
werden wir zu dem Schluß geföhrt, daß überall da, wo die K. Π,
eine antimarcionitische Färbung haben, eine justinische Schrift be-
nutzt worden ist, ähnlichen Charakters. Liegt es nahe, an Ju-
stins S chrift adv. Marcionem zu denken, so bestätigt dies fol-
gende bedeutsame Parallele:
R245f.
Si verus aliquis surgeret
propheta, qui signa etprodigia
faceret, suadere autem velit,
ut coleremus deos alios
praeter Judaeorum deum,
nunquam ei credere posse-
mus.
Deut. 13 ι f.
246 Propterea ergo et do-
minus noster . . . deum prae-
dicabat Judaeorum, et ideo r e c t e
praedicationi ejuscreditur,
darauf folgt in R 2*7 ein Zitat:
Mt. 1127 mit ausfiihrlicher Exe-
gese.
Eus. h. e. IV IS 9.
; xal καλώς ο ΊονβτΙρος Iv
τω jtQog Μαοχίωνα ύνντάγματί
ι φηϋΐρ' οτι αύτω τω χυρίω
ι ονχ αν ίπείόϋ-ηρ, αλλορ
, ϋ-εορ χαταγγέλλορτι JtaQa
^ τορ 07}μιονργ6ρ,
ι
Iren. adv. haer. IV 6, 2.
ι
Et bene Justin us in eo
, libro, qui est ad Marcionem,
; ait: Quoniam ipsi quoque do-
I mino non credidissem alte-
I rum deum annuntianti praeter
fabricatorem .... firma est
mea ad eum fides. Es folgt
I alsdann Mt. 11 27 mit ausführ-
! lieber Exegese.
Vgl. auch Dial. c. Tryph., c. 100. Es ist klar: der Ge-
danke, der Wortlaut, die Reihenfolge, das Zitat Mt 11 27, alles
stimmt in R 2^5 mit Justins Antimarcion nach Euseb. bezw.
Irenäus tiberein. Das kann kein Zufall sein. Ist vielmehr sonst
in R 238ff. cf. Η IGsflf. eine antimarcionitische Schrift Justins be-
nutzt worden, dann auch R245. Dann aber kann diese nur das
"^ lang gesuchte Syntagma Justins JtqoQ ΜαρχΙωρα sein. Da
aus ihm auch die übrigen Ausführungen und Schriftzitate in
R238ff. und Η lösff. geschöpft sein müssen, so haben wir in
diesen Stellen der Klementinen zwar nicht das Justinische Syn-
II, S. Die in die Kerygmen verarbeiteten Qaellenscbriften. \Q1
tagma gegen Marcion selbst im Wortlaut, wohl aber eine Be-
arbeitung, welche sich, wie die Parallelen zeigen, sehr eng an
das Original anschließt Es liegt die Vermutung nahe, daß auch ^
sonst, wo in Η und R sich antimarcioni tische Interpolationen
finden, wie z. B. Η 192ff. (s. o. S. 106), Κ 225ff., diese ebenfalls
auf Justins Antimarcion zurückgehen.
Wie das 4. Buch (nach R 875) ist, wie oben S. 108 ff. gezeigt,!
auch das 7. Buch nachträglich in die K. Π, eingeschoben worden.
Dem antimarcionitischen Bearbeiter kann es nicht wie das
4. anf die Rechnung geschrieben werden, da es keine unmittel-
bare antimarcionitische Tendenz verrät.
Weil wiederholt erwähnt wird, daß die Apostel bezw. Ja-
kobns die Stufen zum Tempel hinaufgegangen seien, um dort
zu disputieren (R 1 53. 66.73) hat man darin die von £piph. haer. 30 ΐϋ •
erwähnten *Αραβαϋ•μοΙ ^ίαχώβον wiedergefunden; so zuerst
Kostlin in der Hallischen Literaturzeitung 1849, Nr. 76, dem
hierin Uilgenfeld. Uhlhorn u. A. folgten.
Und es spricht Manches dafür, daß wenigstens die 2. Dispu- -
tation (R 1 66-71) einer derartigen Quellenschrift entnommen ist.
Aber in der 1. Disputation R 1 54-63 ist überhaupt nicht von Ja-
kobus die Rede. Daher ist es fraglich, ob sie den ^ΑναβαΒ-μοΙ
Ίΰχώβον zuzuweisen sei, sofern überhaupt dieses Buch, von dem
wir nur den Titel kennen, in R 1 66-71 wiederzufinden ist.
Beachtenswert für die Lösung dieses literarischen Problems
erscheint es nun, daß R 1.55 die ^Apostel in einer an Mt 10 2-4
erinoemden und von Mc. 3 16-19 wie Lc. 6 u-iß (Act. 1 13) ab-
weichenden Reihenfolge aufgezählt werden*, so jedoch, daß
Matthäus, der bei Mt. an 8. Stelle steht, in R 1 55 an 1. Stelle
neben Andreas (frater Petri Rlse), dagegen der bei Mt. mit
Matthäus zusammengestellte Thomas in R lei.62 mit Petrus an
letzter Stelle genannt wird. Die Nachstellung des Petrus ist
Ij Der Apostelkatalog in R 1 stimmt — abgesehen von der oben
weiter dargelegten Ausnahme — mit Mt. völlig, auch in den Benennungen
^^ Apostel z. B. des Lebbäus, der nur bei Mt. so heilit, und des Simon,
^er nur bei Mi und Mc. näher bestimmt ist. Die Ersetzung des Judas
durch Bamabae geschah auf Grund von Act. I23, wobei jedoch an Stelle
des nach Act. 1 26 durchs Loos bestimmten Matthias eigentümlicherwei&e
^ R der Act 1 28 erwähnte, aber nicht durchs Loos gewählte Bar-
»abae tritt
158 Waitz, Die Pseudoklementinen,
natürlich das Werk des Redaktors der Klementinen bezw. der
K, ZT., der seiner Fiktion nach den ganzen Bericht dem Petrus
in den Mund legt und daher ihn auch zuletzt mit Eaiphas dis-
putieren läßt (R 1 62), wie später Jakobus mit Kaiphas disputiert
Ist aber der Kaiphas schon vorher (R lei) zur GenQge von
Thomas widerlegt worden, so braucht er nicht nochmals durch
Petrus widerlegt zu werden. Dürfte damit schon der Beweis er-
bracht sein, daß die Nachstellung des Petrus nicht ursprünglich
sei, so zeigt die ausdrückliche Bezeichnung des Andreas als
Bruders Petri (frater mens R 1 δβ) besonders im Hinblick auf die
Zusammenstellung des Bruderpaares Jakobus und Johannes (R 1 57),
daß ursprünglich auch das Bruderpaar Petrus und Andreas, wie
Mt. 10 2 f. nebeneinander stand und nur von dem Redaktor aus-
einandergerissen wurde. Wer aber hat dann das Jüngerpaar bei
Mt. Matthäus und Thomas nicht nur aus seiner Reihenfolge
als des 4. herausgenommen, sondern auch auseinandergerissen,
sodaß Matthäus an die 1. Stelle ^ Thomas an die letzte Stelle
rückte? Dazu lag für den Redaktor der Klementinen bezw. der
K» Π. kein Interesse vor. Das war schon in der hier — von
Kl. bezw. Κ Π, — benutzten Quellenschrift geschehen, und es
ist auch der Zweck dieser Umstellung noch ersichtlich : Wie der
Verfasser der Klementinen bezw. der K, Π. den Petrus als den
fingierten Autor zum Gegner des Jakobus macht, so auch
der Verfasser der Quellenschrift den Thoraas, offenbar, weil er
, ihn sich als Verfasser dachte. Unser Abschnitt R 1 54-65 muß
1 demnach einer apokryphen Schrift angehören, die irgendwie zu
'Thomas Beziehung hat'.
Aber auch die 2. Disputation (R 1 66-71) kann nicht mit den
\ίναβαϋ^μοΙ ^Ιακώβου identifiziert werden, obwohl hier Jakobus
im Mittelpunkt -steht.
Denn zweifellos bildet sie mit der ersten (R 1 Μ-βδ) ein lite-
rarisches Ganze. Da nun aber diese nichts mit den [Αραβαϋ-μοι
^Ιαχώβον zu tun hat, wird auch jene mit ihnen nicht in Ver-
bindung gesetzt werden dürfen.
Dazu kommt weiter, was für beide Disputationen gilt daß,
worauf Hort aufmerksam gemacht hat^, bei dem Ausdruck [ίνα-
1) An die Acta Thomae ist jedoch hier nicht zu denken.
2) F. J. Λ. Hort, Notes introductory to the study of the Clementine
Recognitions. London 1ίΚ)1 ρ. 40 sq. Vgl. auch Lehmann a.a.O. 344 f.
II, 2, 1. Der Ausgangapunkt der Untersuchung. Iß9
βφμοί ^Ιακώβου gar nicht an die Tempel stufen, wie R 1 53.66.73,
zu denken ist Da er nämlich bei Epiphanius durch den Aus-
druck νφηγήϋεις ergänzt und erläutert wird, kann er nur im
bildlichen Sinne (etwa = Einleitung) verstanden werden.
Überdies waren die Αναβαϋ-μόΙ /ακωβον nach der Schilde-
rung des Epiphanius eine Schrift, ähnlich wie die K. If,, im
Geist des synkretistischen Judenchristentums und mit ausge-
sprochen antipaulinischer Polemik. Diese Charakteristik aber
triffk nicht auf unsre beiden Disputationen zu.
Daher werden wir in ihnen wohl eine besondere Quellen-
schrift, aber nicht ά\β\ίραβα{^μοΐ'ΐαχώβου wiedererkennen dürfen.
IL Die J/()c/.^fig IJfTQor.
1. Der Ausgangspunkt der Untersuchung.
Das 7. Buch der RSts erwähnten 10 Bücher der Κ Π,
■quae prosecuti sunt duodecim apostoli in templo vgl. R 1 54-7 1>
berichtet in den letzten Kapiteln (R 1 66-71) ausfuhrlich von einer
Disputation, die zwischen Jakobus, dem Bruder des Herrn und
Bischof von Jerusalem, einerseits und Gamaliel bezw. Kaiphas
andrerseits stattfindet und selbst den Pontifex überzeugt. Da
aber veranlaßt ein „feindseliger Mensch" (= Paulus) eine Ver-
folgung der Christen, wobei Jakobus beinahe erschlagen wird;
iie Christen wandern infolgedessen nach Jericho aus. Der
feindselige Mensch dagegen eilt mit Briefen des Hohen-
rates nach Damaskus, weil er glaubt, daß auch Petrus dorthin
geflohen sei.
Auffalligerweise bricht nun mit R 1 71 diese Erzählung ab.
Dagegen wird R 1 72 berichtet, wie Jakobus episcopus auf die
schriftliche Bitte des Zacchäus den Petrus von Jericho nach Cä-
sarea schickt, um einen samaritanischen Magier Simon, der sich
als den stans und die virtus summa excelsi dei, quae sit supra
conditorem mundi ausgebe, zu bekämpfen, und wie Petrus, dem
Befehl des Jakobus folgeleistend, dem Zacchäus in Cäsarea er-
zählt, was bereits R 1 54-71 über die Disputation in Jerusalem
berichtet worden war; worauf Zacchäus dem Petrus über Simon
Mitteilungen macht und Simon selbst den Petrus zur Disputation
auffordert.
170 Waitz, Die Pseudoklementinen.
Vergleichen wir beide Abschnitte. R 1 r>4-7i und R 1 72-74, so
finden wir leicht, daß hier zwei völlig verschiedene Relationen
vorliegen: Während nach dem 1. Bericht Jakobus sich in Je-
richo befindet, ist er nach dem zweiten in Jerusalem zu denken,
^a ja Petrus dem Jakobus von Cäsarea nach Jerusalem seine
Kerygmen sendet (vgl, Η 11 as). Dort stehen sich Jakobus
bezw. dessen Begleiter, die Apostel, und der Hohepriester bezw.
die Juden gegenüber, hier Petrus und Simon. Ist nach dem
1. Bericht der feindselige Mensch, der hier als der entschie-
<lenste Verfechter des Judentums auftritt, kein anderer als der
Paulus bezw. Saulus der Apostelgeschichte, so ist der Gegner des
Petrus weiter nichts als ein Magier und Vertreter gnostischer
Ideen und hat nichts mit dem Saulus-Paulus gemein, zumal
sich dieser ja zur Zeit auf dem Wege nach Damaskus befindet'.
Es ist klar, R 1 72-74 kann nicht zu R 1 54-71 gehören. Da nun aber
R 1 54-71 zu den — überarbeiteten — K. /7. gehört, kann R 1 72-74
nicht dazu gehören. Vielmehr sind diese Kapitel ihrem ganzen
Charakter nach (vgl. z. B. die Rekapitulation der Disputation)
nur eine Naht, um die K. Π, mit einem andern Bericht zu ver-
binden, bei dem es sich nur um Petrus und Simon handelt. Nun
beginnt unmittelbar darauf (R 2iff., cf Η 2 1 ff.) ein derartiger Be-
richt. Wohin gehört er? Er wird als eine weitere Quellenschrift
<ier Klementinen anzusehen sein, welche wir einstweilen nach
Analogie apokrypher Apostelgeschichten Πράξεις Πέτρου (/7. Π.)
nennen, wofür der Beweis noch zu erbringen ist.
2. Der Inhalt
Der Bericht beginnt Η 2 1, vgl. R 2 1, damit, daß Petrus mit
16 bezw. 12 Begleitern eingeführt wird, zu denen jedoch nach
der Grundschrift auf föUi gerweise Klemens nicht gehört (vgl. Η 2 1
und S. 171, Anm. 1)'^. Schon hierin differiert er nicht unwesent-
lich mit der vorangehenden — sowie nachfolgenden — Erzählung
der Klementinen, welche stets den Petrus allein oder nur in Be-
1) Auch ein Vergleich der R 1 54 angegebenen Lehre Simons mit der
R 1 72 angegebenen, zeigt, daß beide nicht zusammengehören: Nach Rl 54
ist die Hauptlehre Simons die Leugnung der Auferstehung, nach R 1 72
ein gnostischer Dualismus. Dabei sei jedoch dahingestellt, ob nicht in
R 1 54 ein späterer Einschub vorliegt.
2) Über die Differenzen der Berichte vgl. Kapitel I S. 17 f.
π, 2, 2. Der Inhalt. ΠΙ
gleitung des Klemens bezw. der zu dem Klemensroman gehören-
den Personen auftreten läßt. Besonders auffallig ist es, daß auch
Baroabas, der doch den Klemens zu Petrus geführt hat, im Ge-
folge des Petrus fehlt. Im weiteren Verlauf Η 234 ist von Ge-
betsheilungen durch Petrus so die Rede, als ob davon vorher aufs
genaueste erzählt worden wäre — und doch steht vorher davon
kein Wort. Man sieht schon hieraus: der Verfasser des Klemens-
romanes fügt hier in seine Darstellung eine Quellenschrift ein,
deren Hauptperson Petrus ist, Π. /7. In dieser Versanmilung'
wird über Simons Leben und Lehre Bericht erstattet (H 2 22 f.
1) Nach R2i geboren zu den Jüngern des Petrus: 1. Zacchäus,
2. Sophonias, 3. Josephns, 4. Michaeas, 5. Eliesdros (bez.w. Eleazarus)«
6. Phinees, 7. Lazarus, 8. Helisaeos, 9. Klemens, 10. Nicodemus, 11. Nicetas,
12• Aqoila. Nach R 3 68 kommen fiir die letztgenannten vier hinzu:
!::>. Benjamin, filius Saba, 14. Ananias, filius Safra, 15. Rubelus, Zacchaei
firater, IG. Zacharias, structor. Nach H2i sind es 10 Begleiter: 1. Zax-
χαιος 6 norh τελώνης, 2. ΣοφωνΙας ο αδελφός αντοϋ, 3. *Ιώσηφος, 4. Μι-
χαΐας 6 τούτου σύντροφος, 5. θιομας, 0. ^ElWC^booqy οϊ δΐόνμοι, 7. Αΐνέας,
S. jiataQog* οΐ Ιερείς, 9. '^Ελισααΐος, 10. Βενιαμίν 6 τοϋ Σαφρα, 11. ^Ρού-
βιλος, 12. Ζαχαρίας, οΐ οΐχύόομοι, λ^.^Ανανιας, 14. ^Αγγαΐοις, ο\ ΙαμμηνοΊ,
1"ί. Νίχήτης, 16. 'Ακύλας. Vergleichen wir diese drei Verzeichnisse, so
fUlt zunächst auf, daß R 3 68 und Η 2 1 bei den Namen auch Beinamen
sieben, während solche R2i fehlen. Sie haben jedenfalls in der Grund-
schrift gestanden. So erscheint nach dieser Richtung hin Η 2 1 gegenüber
Β 2 1 originaL Doch ist statt Αΐνέας der hebräische Name Φινέας zu lesen,
wenn nicht an den Act 9 32 ff. erwähnten, von Petrus geheilten Αίνέας
ans Lvdda zu denken ist. Wenn R 2 1 den Nikodemus statt des Thomas
Η 2i anführt, so scheint dies auf einer späteren Korrektur zu beruhen,
die deswegen geschah, weil schon früher R 1 6I Thomas unter den Jüngern
Jesu and den Aposteln angeführt wurde. Wahrscheinlich nahm der Re-
daktor daran Anstoß, daß ein Jünger Jesu auch ein Jünger des Petrus
gewesen sein sollte, und setzte dafQr den ihm aus £v. Job. bekannten
Nikodemus ein. Dieser gibt sich überdies als Nachtrag durch die Stellung
aie er R2i zwischen den Brüdern Klemens und Niketa einnimmt. Jeden-
falls gehörten, wie R3e8 deutlich verrät, Nikodemus und so auch Kle-
mens, Niketas und Aquila ursprünglich nicht zu den Jüngern des Petrus.
ibre griechisch-römischen Namen passen überdies sehr schlecht in die Ge-
sellschaft der sonst durchweg hebräischen Namen. Sie sind von dem Be-
arbeiter des Klemensromanes hinzugefügt. Ursprünglich waren nur als
Begleiter des Petrus genannt: 1. Zacchäus, 2. Sophonias, l\. Josephus,
4. Michaeas, 5. Thomas, 6. Eleazarus, 7. Phineas bezw. Aeneas, s. Lazarus.
9. Elissäns, 10. Benjamin, 11. Rubilus, 12. Zacharias, sowie vielleicht
II. Ananias und 14. Angaeus.
[72 Waitz, Die Pseudoklementinen.
Κ 2?). DaDach stammt Simon aus Gittha in Samarien. Sein Vater
hieß Antonius, seine Mutter Rahel•. Als Stammvater seiner Hä-
resie wird Johannes der Täufer genannt (^ίωάννης 6 ήμεροβα^ι-
τιύτης), der 30 Anhänger hatte, darunter auch Simon und eine
Frau, namens Helena (Luna). Nach des Johannes Ermordung
wurde zunächst Dositheus das Haupt der Sekte (H224. R28).
Allmählich aber gelang es Simon, sich an seine Stelle zu bringen.
Da er ihn an magischen Künsten übertraf — der Stock, mit
dem ihn Dositheus schlug, ging durch seinen Körper, wie durch
Rauch — , wurde er das Oberhaupt (stans, ίΰτώς, vgl. Η 223.2*.
R27.ii); Helena aber wurde seine Gemahlin, mit der er allent-
halben herumzog, um die Menschen zu verwirren (H 2 25.
R 2 12).
Vor allem ist er Magier und Goet, der sich auf alle mög-
lichen Zaubereien versteht. Er kann sich unsichtbar und wieder
sichtbar machen, durch Berge und Felsen hindurch wandeln, im
Feuer verweilen, von hohen Bergen sich herablassen, durch die
Luft herabfliegen, sich aus Fesseln befreien und seine Häscher
in Fesseln schlagen, Kerkerriegel öflFnen, Bäume und Sträucher
hervorzaubern, aus Steinen Brot machen, Statuen beleben, sein
Gesicht verändern, sich ein Doppelgesicht geben, sich in Schlangen,
Schafe oder Ziegen verwandeln, kleinen Kindern Barte anzaubern,
Geld machen, Geräte sich automatisch bewegen, Hunde bellen
lassen u. dgl.'-^ Insbesondere versteht er sich auf die Nekromantie^.
Aber obwohl er durch seine Künste und Zaubereien den Men-
schen nur schadet, sie krank und besessen macht^, wird er doch
allenthalben wie ein Gott verehrt, indem ihm Statuen errichtet
und göttliche Ehren erwiesen werdend
Er selber bezeichnet sich als die Kraft des höchsten Gottes,
deshalb gilt er als der Christus oder der ίοτώς^\ Als die Ma-
nifestation des obersten Gottes' steht er über dem Schöpfergott,
1) Rabel wird auch R347 als Mutter Simons erwähnt. Inwieweit
die Pflegemutter Simons, die Syrophönicierin Justa, zu den 77. 77. gehört^
muli dahingestellt bleiben.
2) Η 2 82. R 2 9 vgl. Η 2 22. 34. 4 4. R 3 47. 48. 60.
3) Η 226-31. 44. R2i3f. 4) Η 44. 026.
:>) H227.34. 44. R29. 363. 6) Η 222. Rl72. 27 vgl. 347.
7) άνοηάτη όίναμις Η 2 22, ezcelsus deus Rl72, virtus in altii^simis
R 1 20. :i 47.
II, 2, 2. Der Inhalt. 173
der von dem obersten Gott gesandt ist^ Kr leugnet die Auf-
erstehung der Toten wie auch ein künftiges Gericht (H 222)-.
Neben ihm steht Helena, die, von dem obersten Gott aus
dem oberen Himmel herabgestiegen {aJto των ανωτάτων ov(ßa-
mp)f als die Herrin (κυρ/α), AUmutter {παμμητωρ) und Weis-
heit (οοφία) verehrt wird. Um sie, d. h. um ihr Bild kämpften
einst die Hellenen und Barbaren. Aber sie selber kannten sie
nicht, denn sie selbst weilte bei dem obersten Gott. Auch sie
kann fliegen, wie man sie einst in Gegenwart einer großen
Menschenmenge von einem hohen Turm durch die Fenster her-
unterstürzen sah^.
Zu seiner Begleitung gehören die 30 Exarchen, die früher
die Sekte des Dositheus bildeten (H 223). —
Nachdem die beiden Gegner, Petrus mit 16 bezw. 12, Simon
mit seinen 30 Begleitern geschildert sind-*, sollte nun eigent-
lich erzählt werden, wie beide in Cäsarea vor versammeltem Volke
in Wort und Tat ihre Kräfte messen, bis einer von ihnen als
Sieger hervorgeht und das Volk ftir sich gewinnt. Statt dessen
werden Reden des Petrus über den wahren Propheten^ und über
die falschen Perikopen, Disputationen des Petrus mit Simon über
denselben Gegenstand^, über die marcionitische Theologie^ ge-
bracht, alles Ausführungen, die in keinem einzigen Zuge zu dem
Bild des vorher gezeichneten Petrus und Simon passen, und,
1) υ τον χόαμον κτίσας (^εός Η 2 22. (3 2.) R 1 72. 2?.
2) Nach Η 222 ist er auch Vertreter des eamaritaDischen Kultes auf dem
Berge Garizim. Es läßt sich aus R verfolgen, wie er das in Η gewor-
den ist. Nach R 1 54 war es die Lehre der samaritanischen Sekte: Aliud
Samaraeorum schisma est: ipsi enim resurrectionem mortuorum negantes
i^senint, non in Hierosolymis, sed in monte Garizim adorandum esse. Dem-
entsprechend wird R 1 57 als die Lehre eines gewissen Samaritaners hin-
gestellt: Samaraeus quidem . . . neque mortuos adserens resurrecturos neque
^um, qui est in Hierusalem, cultum dei tenendum, sed montem Garizim
venerandum. Weil Simon Σαμαρενς το εθ^νος war, mußte er natürlich
lehren iH 2 22), nicht nur ovte νεκρούς έγερΟ^ήαεο^Ηα ηωτενει^ sondern
auch r^v %ρονσ(χλήμ αρνείται , τό ΓαριζΙν όρος άντεωφέρει. Η 2 22 fügt
noch hinzu, daß er das Gesetz allegorisch aaslege und ein künftiges Ge-
weht leugne.
:]) Η 2 28. 25. R 2 12. 4j Zu dieseu Zahlen vgl. Η 2 23.
')) Η 2 4-12 Cf. R 1 21-26. Η 3 6-28.
♦): Η 3 88-58. 7 i Η l•) 4 ff. R 2 38 ff.
174 Waitz, Die Pseudoklementinen.
wie im vorigen Kapitel gezeigt worden ist, den überarbeiteten
K, Π. entnommen sind.
Erst Η 17i f. (vgl. R 3 12) treffen wir wieder auf Ausführungen,
die sich inhaltlich an den Beriebt über das Leben und die Lehre
des Simon in R 2, Η 2 anschließen. Doch sind auch sie nicht
frei von Überarbeitungen. Denn sie werden nicht als Erzählung
dargeboten, sondern nur in Form eines Berichtes, den Zacdiäus
von dem Auftreten und den Reden Simons gibt. Wie Η 223 es
voraussetzt, erscheint hier Simon — und zwar zum ersten Mal
wieder — in Begleitung seiner 30 Anhanger (H 17 1), während
er bei den Disputationen, deren Stoff aus Κ Π. geschöpft ist,
stets ohne Begleiter dem Petrus gegenübertritt, ein deutliches
Kennzeichen dafür, daß hier die Π, Π. mit ihrer Erzählung ein-
setzen. Wie er selber nach Π. Π, als Magier und Goet auftritt,
so erhebt er auch hier gegen Petrus vor allem den Vorwurf,
daß er ein Magier und καχίας νπηρίτ7}ς sei und alles nur durch
magische Künste erreicht — ein Vorwurf, der in K. Π. nii^ends
gegen Petrus erhoben wird, und ein weiteres Merkmal dafür, daß
wir hier auf der Spur der Π. Π. sind. Aber dieses Thema führt
er nicht weiter, sondern geht auf ein andres ein, auf die Irrlehre
des Petrus, daß Gott in einer Gestalt existiere^, ein Abschnitt
der aus dem 2. Buch der antimarcionitisch überarbeiteten Κ Π.
entlehnt ist 2. Erst Η 184, in einer Disputation zwischen Simon
und Petrus, tauchen wieder die Anschauungen auf, welche nach
R2, H2 Simon eigen sind. Indem zunächst die Zitate Mt 19 17
und Mt. 11 27 wiederholt werden (H 18s.4, cf R247), welche
schon Η 174 angeführt waren, wird der verloren gegangene
Faden wiederaufgegriffen. Und es scheint so, als ob nun auf die
Lehren Simons eingegangen werden sollte. Wie Η 222. 32, Rl2o.7ä,
so lehrt auch hier (H 18 4. bis 5.6.12) Simon einen obersten Gott,
πατέρα τίνα kv άττορρητοις οντά, ov xal νψιοτον ο νομός
^Jystj und er selbst wird (H 1 8 e. 7) als ο ίατώς νιος bezeichnet.
Aber im Widerspruch hiermit soll er auch den Schopfergott,
der auch das Gesetz gab, als νΐύς, ja sogar als ϋ-εος ϋ-εών be-
zeichnet haben, da er der oberste unter den 70 Göttern sei,.
1,- Η 17 2 ff. cf. R2 47.
L* I Η 1 7 4. δ ist ausgesprochen antimarcionitisch.
II, Λ 2. Der Inhalt. 175
denen die Heidenvölker zugewiesen sind (H IS 4)*. Es ist klar.
daß diese Lehren Simons wie mit den kurz vorher dargelegten,
so auch mit denen nicht tibereinstimmen, die Simon R 2 und Η 2
entwickelt. Sie können also nicht den Π. Π, entnommen sein;
sie sind vielmehr eine Reminiszenz an die R 242 entwickelte,
aus dem 4. Buch der K, /7. stammende Vorstellung, wonach
auch die Engel, die obersten Gewalthaber der 72 Völker, Götter
genannt würden (vgl. Deut. 328). Erst Η 18i2, wo wiederum auf
Mt 11 27 zurückgegriffen wird (H 18 n), treten deutlicher die
Lehren hervor, wie sie nach ihrer Darstellung in Π, Π, Simon
gehabt hat. Danach unterscheidet Simon, wie Η ISiff., eine ober-
ste Gottheit eine δνναμις kv ajtoQQTjTotq^ die völlig unbewußt
ist, neben ihr eine μεγάλη δνναμις, die auch κυρία genannt
wird, wie Η 225 die Helena genannt wird. Dabei erscheint auch
der ίύτώς, im Sinne des Petrus als άρτιχεί μένος. Das sieht so
aas, als ob wir nun den Simon der Π. Π. wieder hätten. Aber
auch er hat sich wieder etwas verändert: lehrt er nämlich nach
Η 222, daß unter dem obersten Gott und ihm, dem ίΰτώς^ der
Schöpfergott steht, so unterscheidet er auch Η 18 12 neben dem
obersten Gott den Schöpfergott. Aber er stellt ihn hier als
einen Engel hin, der von dem obersten Gott entsandt ist, und
erwähnt neben ihm einen zweiten, ebenfalls von dem obersten
öott entsandten Engel, der der Gesetzgeber genannt wird. Ganz
ähnlich hat er aber auch schon Η 82 gelehrt: άλλον τίνα αγ-
νωοτον χαΐ άνώτατον , ως έν άπορρήτοις οντά ϋ^εον θ-εών,
ος ivo έπεμψε ϋ-εονς, αφ" ojv 6 μεν εϊς ίατιν ό χοομον χτίΰας,
ο όΐ ϊτερος 6 τον νόμον δονς, ohne daß jedoch hier Petrus
darauf eingegangen wäre. Es fragt sich, ob hier wirklich die
Lehre Simons vorliegt, wie sie in Π. Π. geschildert wird, oder
ob nicht auch hier unter ihr irgend eine andere gnostische Lehre
zn verstehen ist, etwa die des Basilides, wie Hilgeofeld a. a. 0.200
vennutet, oder die Marcions (vgl. Baur, Christliche Guosis 313),
oder die des Apelles i^vgl. Harnack, Geschichte der altchristlichen
Literatur I 196). Aber was zunächst die Hilgenfeldsche Hypo-
ftese anlangt, daß nämlich diese Lehre des Simon von den
zwei üntergöttern, wie sie in Η 3 λ 18 i2 vorliegt, auf einem Mil>-
1) Wenn Η 188 der Sohn δικαΐίοτατος genannt wird, so geschieht dies
; weil nach Η 18 4 der Sohn als der genannt ist, der das Gesetz gab*
176 Waitz, Die Pseudoklementinen.
Verständnis der antibasilidianischen Überarbeitung von R (vgl.
Κ 249) beruhe, so fallt sie schon dadurch, daß Κ nicht die lite-
rarische Grundlage für Η war. Aber, auch davon abgesehen, ist
sie unhaltbar, da in der R 249 vorgetragenen Lehre überhaupt
nicht die Lehre des Basilides wiedererkannt werden kann. Handelt
es sich doch hier gar nicht darum R 249 (vgl. dazu auch S, 153),
in dem Weltschöpfer, dem Gesetzgeber und Jesus die 3 histo-
rischen Religionen darzustellen, sondern, wie R 25o deutlich
macht, die allgemein gnostische, hier speziell marcionitische
These hervorzuheben, daß der oberste Gott dem Weltschöpfer,
dem Gesetzgeber Moses, den Propheten, dem Gesetz und dem
Lehrer Jesus unbekannt sei. Überhaupt muß sie als gekünstelt
bezeichnet werden, da in Η 32. 18ΐ2 nur der Schöpf ergott und
der Gesetzgeber genannt werden, während R249 außer diesen auch
noch von Moses und Jesus die Rede ist. An die Lehre des Ba-
silides ist also nicht zu denken.
Aber auch nicht an die Lehre Marcions, obschon R 249 so-
wie in Η 3 und Η 18 wiederholt Marcion bekämpft wird. Denn
Marcion hat niemals so den Schöpfergott und Gesetzgeber unter-
schieden.
Daher kann auch nicht an einen Schüler Marcions, wie
Apelles, gedacht werden. Denn, wenn auch Apelles mehrere
Untergötter bezw. Weltmächte unterscheidet, so ist doch auch
nach ihm der angelus inclytus zugleich Weltschöpfer und Ge-
setzgeber; während der angelus igneus nur der Urheber der
Fälschungen im Alten Testament ist. Daher bleibt nur übrig,
entweder bei Η ein Mißverständnis der Grundschrift, wie sie
etwa in R 249.50 vorliegt, anzunehmen, indem der Überarbeiter
(H) aus dem Gesetzgeber Moses eine himmlische Potenz machte.
Auffällig bleibt dabei nur, daß er dann nicht auch aus den Pro-
pheten (R 2 50) und dem Lehrer Jesus solche machte. Oder aber
man wird darin die Lehre Simons wiedererkennen müssen, wie
sie in Π. Π, dargestellt gewesen sein muß. Dafür spricht, daß
in Η 32 und IS 12 auch sonst diese Lehren Simons vorausgesetzt
sind. Dazu kommt, daß die Vorstellung von dem Schöpfergott
und dem Gesetzgeber als zwei Untergöttern (H 32) bezw. £ngeln
(H 18 12) sehr wohl mit den Lehren stimmt, die nach den Dar-
stellungen der Häreseologen als simonianisch zu bezeichnen sind.
Denn auch hiernach hat Simon neben dem obersten Gott enge-
II, 2, 2. Der Inhalt. 177
Iwche Mächte unterschieden, die, wie Η 18 12 (vgl. 2i5) voraus-
setzt, von der Helena abstammen. Ist jedoch nach Η 3 s. 18 12
ihre Aufgabe eine doppelte, die Welt zu schaffen und das Gesetz
zu geben, so scheinen die Häreseologen nur von der ersten etwas
zu wissen'. Immerhin beweist Epiph. haer. 21 4, daß nach der
Lehre Simons ihnen auch die zweite Aufgabe zugewiesen war,
wenn es heißt: μη tlvat oe top νόμορ ϋ-εου, άλλ^ άριοτεράς
ίυράμεως εφαοχε, μηδέ προφητας έξ άγαΰ^ον ϋ-εου νπάρχειρ,
αλλ* ετέρας χάί ετέρας δνράμεως . . . τορ μερ ρόμορ τιρός,
άαίίίό δε άλλης . . . χαι εχαύτορ τώρ προφητώρ μία άρχ(ι
ανατίϋ-εται. είραι δε τοντονς άχαρτας έχ της άριοτεράς δυρά-
μως\ Faßt man die άριύτερά δύραμις als die μεγάλη δύραμις
und χυρία von Η 18 12 bezw. die Helena, so findet man hier die-
selbe Anschauung wie Η 18 12, nur weiter ausgebildet.
Spielt also Η 18 12 auf Lehren Simons über Gott und sein
Verhältnis zur Welt an, wie wir sie in //. Π. voraussetzen
müssen, so hätte nun eigentlich ihre Widerlegung durch Petrus
folgen müssen. Aber der Redaktor hat sie ausfallen lassen und
bringt statt dessen eine Widerlegung der marcionitischen Lehre
Ton dem unbekannten Gott aus den antimarcionitisch überarbei-
teten Κ /7. (Η 18 is). Vielleicht hat das, was R 3 30 am Ende
erzahlt wird, in Π. Π. den Abschluß dieser Disputation gebildet.
Wenn dabei auf eine Disputation über die Unsterblichkeit der
Seelen hingewiesen wird, die am folgenden Tage stattfinden soll,
so wird damit auf die Ausführungen über dies Thema R 3 39-50
hingedeutet. Jedenfalls sind aber diese den //. Π. zuzuweisen.
War es nach Η 222 die Lehre Simons οντε ϋ^εόρ, τορ χτίβαρτα
TOP χόύμορ, άρωτατορ είραι . . . οντε ρεχρούς ίγερϋ-ηοεαϋ^αι.
1) Iren. adv. haer. Ι 232: hanc enim Ennoiam (^ Helenam) . . gene-
nn angelos et potestatee, a quibus et mundüm hunc factum dixit.
Tert. de anim. 34: illic . . . angelicas potestates genuisse, ignara.^
P&tris, artificis hojus mundi.
Pseudotert.: mondum autem ab angelis »uis institutum.
Epiph. haer. 21 2: Λ' J^q (sc. ^Ελένης) τονς άγγβλονς tscziaa, οϊ όε
«Τ/ίλο* τόν κόαμον ίκτιααν χαΐ τονς άνθ-ρώηοις-, .... ηον άρχόΐ'ζων των
τον χόομον τοϋτον κτισάντων; haer. 21 4: είναι öh τον cciCova τοϋτον «πΛ
«^χών χαΐ έξονύιών φηαι της κακίας iv έλαττωματι κατεακεναομένον.
2) Vgl. dazu Hippolyt Philosoph. VI 19: nr/>oy//rav α:ιύ zv)v κοσμη-
nouäv αγγέλων ^μηνενοΒεντας εΙ(»ηκ}^'α τάς προφητείας.
Texte π. UntenachoDgeo. Ν. F. Χ. 4. ]2
178 Waitz, Die Pseudoklementinen.
so mußte auf die Widerlegung der Lehren Simons über Gott
nun eine solche folgen, die gegen seine Leugnung der Unsterb•
lichkeit gerichtet war. Auf einen derartigen Zusammenhang
weist aber auch Folgendes hin: In der Disputation über die Un-
sterblichkeit der Seele erklärt Petrus dem Simon gegenüber:
Nam per occasionem nescio cujus ignoti dei conditorem mundi
deum negasti; sed cum vel malum esse, vel multos habere sibi
aequales, Tel omnino, ut diximus, non esse deum confirmabas.
Post haec cum etiam in hoc superatus fuisses, animam nunc
adse Veras esse mortalem (R 342). Nun bezieht sich diese Stelle
(R 342) zunächst auf die aus den antimarcionitischen K. Π, ent-
nommenen Ausführungen wie R2&3ff. 32? zurück. Als marcio-
nitisch kann aber keinesfalls die Behauptung gelten, daß der
Schöpfergott, der überhaupt nicht 6ott sei, viele seinesgleichen,
habe. Wohl aber wird sie verständlich, wenn man sich dabei
die Lehre Simons von den Engelsmächten, die unter dem höch-
sten Gott stehen, vergegenwärtigt. Dazu kommt aber weiter, daß
bei der Disputation über die Unsterblichkeit der Seele Petrus
auf Simons Nekromantie (R 344-45, vgl Η 22») und Simon selbst
auf seine magischen Künste sowie seine Messiasstellung hin-
weist (R 347), letzteres in Wendungen, welche nicht aus früheren
Darstellungen der Lehre Simons entnommen sein können: Ego
sum prima virtus . . ingressus autem uterum Rachel, natus sum
ut homo ex ea . . igni commistus unum corpus effectus sum . . .
ego sum filius dei, stans in aetemum . . . sicut et ille qui misit
te, magus, qui nee se ipsum potuit liberare de crucis poena (R 34?'.
Es leuchtet ein, daß wir es hier wieder mit dem Simon zu tun
haben, wie wir ihn R 2, Η 2 kennen gelernt, daß also hier /7. Π.
vorliegen. Die Disputation selbst nimmt folgenden Verlauf: Zu-
nächst wird Simon dadurch aufs tiefste erschüttert, daß ihm
Petrus zum Beweis für die Unsterblichkeit der Seele seinen ^ne-
kromantischen Frevel an dem ermordeten Knaben, dessen Bild
er daheim in seinem Schlafgemach habe, vorhält. Aus Furcht,
von ihm verraten zu werden, bittet er den Petrus inbrünstig,
die Bosheit, die in ihm stecke, ihm überwinden zu helfen und
ihn nach bewiesener Reue als Hilfsprediger (adjutorem praedi-
cationis tuae) anzustellen. Als aber Petrus dem Simon aufdeckt.
daß er nicht durch prophetische Gabe, sondern nur durch die
Mitteilung früherer Helfershelfer des Simon zur Kenntnis seines
π, 2, 2. Der Inhalt. Π9
freyelhaften Geheimnisses gekommen sei, da gerät Simon in eine
namenlose Wut und erklärt, daß er nur deshalb Reue gezeigt
habe, iveil er so von Petrus alle Geheimnisse seines Bekennt-
nisses erlangen zu können geglaubt habe (omnia seereta pro-
fessionia tuae). Hierin getäuscht, will er jetzt dem Petrus die
ganze Macht seiner Göttlichkeit zeigen, damit dieser niederfalle
and ihn anbete, und enthüllt ihm zu diesem Zweck, daß er die
prima yirtus sei, durch die Luft fliegen könne usw., der Sohn
Gottes, der stans (^οτώς) sei. Petrus dagegen könne keinen Be-
weis seiner göttlichen Kräfte zeigen, wie auch sein Meister ein
Magier war, der sich nicht einmal von der Ereuzesstrafe habe
befreien können. Daraufhin hält ihm Petrus nochmals vor, daß
er ja nun selber bekannt habe, ein Magier zu sein, und will,
wemi er es leugnen wolle, ihm dafür vor allem Volk den Beweis
in seinem eignen Hause geben. Da wird Simon von dem aufge-
regten Volk zur Tür hinausgeworfen, so daß nur ein Anhänger
ihm folgt. Petrus aber meint, Simon sei nur zu beklagen, weil
er dem Bösen ein auserwähltes Gefäß sei (vas electionisj. Das
wäre er aber nicht geworden, wenn nicht der Böse über ihn
wegen seiner früheren Sünden Macht erhalten hätte; hatte er doch
froher an Jesus und an die Unsterblichkeit der Seele geglaubt!
Mit der Aufforderung zur Buße und unter tränenreichem Gebet
entläßt darauf Petrus die Massen (R 35o).
So erscheint also auch hier Simon als Magier und Pseudo-
messias, dessen Bekämpfung die Hauptaufgabe des Petrus ist.
Dabei wird deutlich auf den Act. 8 geschilderten Vorgang an-
gespielt, wenn τοη ihm gesagt wird: quod et Jesu nostro credi-
ierat (et quod immortales esse animas sibi ipse persuasit). —
Gehen wir nun den Spuren der Π, Π. weiter nach, so finden
wir sie nach einem überarbeiteten Abschnitt aus K, JJ. (R 3 51-63)
erst in R 363 wieder. Hier erscheint nämlich ein Schüler Simons
{qnidam ex discipulis Simonis) und bittet, ihn, den unglücklichen
Betrogenen, der an Simon wie an einen Gott geglaubt habe,
&Q£nmehmen. Gestern sei er dem Simon gefolgt und habe ihm
auf seine Verheißungen hin den Eid der Treue geleistet. Auf
^ Geheiß seines Meisters habe er dessen blutiges Geheimnis
(jenen getöteten Knaben) auf seine Schultern geladen und bis ans
Meer getragen. Dort aber habe Simon ihm die Last abgenommen
^d sie heimlich ins Meer geworfen; ihn selbst habe er gebeten,
12*
IgO WaitZ; die PseudoklementineD.
mit ihm nach Rom zu reisen. Dort würde er (Simon) mit hohe
£hren bedacht werden. Man werde ihn fttr einen Gott halt«
und also von Staats wegen verehren. Dann werde er ihn, w
Schätzen beladen, wieder heim ziehen lassen. Da er aber merkt
daß Simon nur ein Magier und Betrüger sei, habe er vorg
schützt, er leide an Fußschmerzen, wie er auch Frau und Kind
habe und deshalb Cäsarea nicht verlassen könne. Simon hal
sich darauf in der Richtung nach Dora eingeschifft, um na(
Rom zu fahrend Auf diese Mitteilung hin hieß Petrus ihn, i
Atrium zu verweilen. Er selbst begab sich nach vom, wo •
viel mehr Leute als sonst fand, und erzählte, was er eben gehö
hatte. Darauf gab auch der frühere Anhänger Simons nochma
Bericht von dem verbrecherischen Treiben Simons (R 363.6
Darüber geriet das Volk in Aufregung. Petrus aber tröstete c
Wenn Simon vorausgegangen sei, um die zum Heil berufen«
Heiden durch seine Schlechtigkeit und Verbrechen zu verderbe
werde er seinen Spuren folgen und Alles wieder gut mache
Alsdann setzte er den Zacchäus als Bischof ein und ordinier
12 Presbyter und 4 Diakonen. Zunächst sandte er jedoch nur seil
12 Jünger voraus, um den Simon zu beobachten und die Heid<
auf seine Ankunft vorzubereiten. Er selbst blieb noch 3 Mona
in Cäsarea, lehrte und bekehrte über 10000, die am festliche
Tage getauft wurden. Da erhielt er einen Brief von seinen vc
ausgesandteu Jüngern, worin berichtet war, wie Simon allei
halben den Petrus schlecht mache, ihn einen Magier und Pi
diger der Totenauferstehung nenne, damit Niemand auf ihn höj
wie dagegen Simon sich selber rühme, als ob er den Petr
überwunden habe und nur wegen seiner heimlichen Nächst«
lungen geflohen sei. So entschloß er sich nun, dem Simon ζ
nächst nach Tripolis nachzureisen, und verließ Cäsarea (R 365-
Η 359-73). Hatte bereits R 3b8 auf Dora als nächste Reisestatl•
des Simon hingewiesen, so finden wir es R 4i als Reisestati^
des Petrus wieder, weshalb R 4i zu Π, Π. zu rechnen ist Ni
haben wir aber schon früher- gezeigt, daß dieser Reiseberic
1) Einige Codices lesen Romam statt Doram: profectus est cont
Doram (bezw. Romam), dicens: cum nudieris, quanta mihi gloria erit
urbe Roma, poenitebit tc. Et post haec ipse quidem, ut aiebat, Έ
mam petiit (R 3 63).
2) Vgl. Kapitel I § 3, 29 f.
π, 2, 2. Der Inhalt. 181
seine Parallele in der ausführlicheren Erzählung Η 4i-7. 62« — 81
besitzt, die im allgemeinen original und nur insofern sekundär
ist, als sie an Stelle des Petrus seine Jünger setzt. Die Petnis-
Simonsage eilt also nicht direkt auf Rom, sondern verweilt zu-
"vorderst noch auf syrisch -phönizischem Boden. Simon setzt zu-
nächst in Tyrus seine feindselige Tätigkeit gegen Petrus fort,
indem er, selbst ein Magier, ihn einen Magier nennt (H 42). Da-
\d€\ läßt er auf dem Marktplatz seine magischen Künste spielen,
^^e Statuen sich bewegen, die Seelen der Verstorbenen als
Schatten erscheinen n. dgl., während er die, welche ihn als Goeteu
bloßstellen wollen, mit Krankheiten behaftet (H 42-4. 620). Aber
"bei der Ankunft des Petrus verläßt er Tyrus mit einigen Tyriern,
die von ihm geheilt sein wollen, und eilt nach Sidon. Petrus
selbst folgt ihm nach Tyrus, wo er von vielen mit dem Ruf
begr&ßt wird: Gott erbarme sich unser durch dich, er heile
IUI8 durch dich! Hier hält er eine Rede (H 7 2-4), lehrt, heilt und
tnt allerlei Wunder, so daß die Bewohner in Sack und Asche
Buße tan und sich taufen lassen (H 75, cf. R 4i). Schließlich
Ordnet er die kirchlichen Verhältnisse wie in Gäsarea, indem er
einen ans den Presbytern, die ihm folgten, zum Bischof von
l^yms macht (H 7 δ). Alsdann schifft er sich nach Sidon ein.
fiei der Kunde hiervon verläßt Simon schleunigst diese Stadt
Und flieht mit seinen Genossen nach Berytus. Petrus aber, in
^idoD angelangt, hält hier wieder eine Rede (υ 76-8), heilt die
iCrankeD, die man auf Betten zu ihm bringt, ordnet die kirch-
lichen Verhältnisse und setzt einen Bischof ein, ebenso wie in
Tyrus (H 7«), und macht sich nach Berytus auf den Weg. Bei
seiner Ankunft in der Stadt entsteht ein Erdbeben. Simon be-
nutzt dies, um mit seinen Gefährten die Menge gegen Petrus
^Q&ahetzen: „Flieht ihn, er ist ein Magier, er hat das Erdbeben
erregt und die Krankheiten verursacht, damit er als Gott von
euch verehrt wirdl" Als dies Petrus hört, sagt er lächelnd, um
den Bewohnern einen Schrecken einzujagen: „Allerdings könnte
ich, so Gott will, dergleichen übermenschliche Dinge tun, die
mir diese zuschreiben, und durch ein Erdbeben eure ganze Stadt
vernichten, wenn ihr euch noch länger mit diesen Magiern abgebt".
D% ergreift die Menge Knüppel und jagt damit den Simon
samt seinem Anhang aus der Stadt. Petrus aber heilt allein
<lwcb Gebet viele Kranke, tauft und setzt wieder einen Pres-
)g2 Waiiz, Die Pseudoklementineii.
byter aus seinem Gefolge zum Bischof ein. Alsdann geht er
weiter nach Byblus, wo Simon kurz vorher gewesen war
(H 7 u-12. RAi)K
In Η 8 1-3, R 4a-3 setzt sich der Bericht über die Verfolgung
des Simon durch Petrus fort^. Petrus zieht nach Tripolis, wo
er mit seinen 12 Begleitern^ im Hause des Maroones übernachtet.
Simon hat sich unterdessen nachts heimlich entfernt (H 8 χ
R 4 s). Am andern Morgen hält zunächst Petrus im engeren
Kreise seiner Genossen eine Rede über Moses und Christus
(H 8 4-7. R4 4-6), die in den Rahmen der Π. Π, nicht paBt.
Alsdann versammelt er im Garten des Maroones das Volk um
sich, um von einem Säulenstumpfe aus verschiedene Reden gegen
den Dämonen- und Götzenglauben zu halten, die auf Rechnung des
Redaktors zu setzen sind (H 8 9-23. 9 i-aa cf. R 48-3? (1 27); Η 10 2-25
cf R 5 2-22; Η 11 1-3 cf. R 61-3; Η lli-ie cf. R 5 23-36; Η 11 lo-aa
cf. R 6 4-15). Erst Η 1136 cf. R615, wo auch (H 11 35) Simon
wieder auftaucht, treffen wir wieder auf Π. /I, indem erzählt
wird, wie Petrus in Tripolis viele Menschen zum Glauben fährt,
von Krankheit und Besessenheit heilt, tauft, den Maroones als
Bischof einsetzt, 12 Presbyter, außerdem die Diakonen in ihr
Amt einführt und sodann nach Antiochien in Syrien weiterreisi
Alsbald verlieren wir jedoch wieder diesen Faden, mit ihm auch
Simon, weil wir zunächst mit der Geschichte der Wiederer-
kennung der Mutter, der Brüder und des Vaters des Klemens
bekannt gemacht werden müssen (H 12 — 15; R 7 — 9 es). Selbst-
verständlich haben diese Erzählungen des Klemensromans eben-
sowenig wie die damit verbundenen Disputationen über den
astrologischen Glauben an die Genesis etwas mit Π, IL zu tun,
wie sie auch von Simon durchaus absehen Κ Nur die Erzählung
von der wunderbaren Heilung eines mit Ketten gefesselten dämoni-
1) Wenn Simon Η 7 9 in der Begleitung des Appion, Annnbion, Atho-
nodorus und der übrigen Genossen. Η 7 11 dagegen nur in der Begleitung
seiner Genossen erscheint, so sind die drei erstgenannten Namen dem Re-
daktor zuzuweisen (vgl. Kap. I § 3, 30 f.). Dasselbe gilt von dem "Hinweis
auf den Syzygienkanon in der Rede Η 7 ii.
2) Vgl. Kap. I § 3, 82 f.
3) Η 83 und R 43 erwähnen V) Begleiter, nämlich außer den 12 noch
Klemens, Niketas und Aquila.
4i R853 werden die Magier angeführt, Simon aber nicht!
II, 2, 2; Der Inhalt. 183
sehen Mädchens durch Petrus (RGs^j) könnte ihrem legendarischen
Charakter nach zu /7. /7. gehören. Erst am Schluß von R und
Η (Η 20 11 ff. R 10 52 ff.) trefifen wir wieder auf diese Quellenschrift,
welche hier eigenartig mit dem Klemensroman verknüpft ist
Hier taucht auf einmal wieder Simon aus der Versenkung em-
por, in der er seit dem Bericht von der Reise des Petrus von
Tripolis nach Antiochia (H Ilse. R615) verschwunden war. Ob-
wohl sich die Handlung des Klemensromans bereits seit Η 13 1
cf. R 7 25 in Laodicea abspielt, befindet sich Simon schon in An-
tiochia, wo er, wie dem Petrus von einem Boten, den er nach
Antiochia vorausgeschickt hatte, mitgeteilt wird, allerlei Wunder
tut, den Petrus einen Magier und Goeten heißt und die Ein-
wohner so gegen Petrus aufstachelt, daß sie ihn am liebsten
zerfleischen möchten (Η20ΐ3. R IO54). Ins wischen ist er aber
durch den Hauptmann Eornelius ^ von dort vertrieben worden,
der vom Kaiser zu dem Statthalter der Provinz abgesandt ist,
am gemäß eiuem kaiserlichen Edikt, nach dem alle Magier in Rom
und in den Provinzen vor Gericht gestellt und bestraft werden
soUen, auch nach dem Simon und seinen Genossen zu fahnden.
Infolgedessen hat Simon die Flucht nach Judäa ergriffen. \^or-
her hat er jedoch, um der Verfolgung zu entgehen, dem Vater
des Klemens, Faustus, mittelst einer Salbe sein eignes (d. i. Si-
mons) Gesicht angezaubert. Daraufhin sendet nun Petrus den
Faustus in der Maske des Simon nach Antiochia. Dort legt
dieser, wie es ihm von Petrus anbefohlen ist, eine öffentliche
Beichte ab, und zwar so, daß die Antiochener glauben, es sei
Simon selbst, und erklart, Petrus sei kein Irrlebrer, Mörder oder
Magier, sondern ein Schüler und Apostel des wahren Propheten;
er selbst aber sei, weil er dem Boten der Wahrheit feind sei,
in dieser Nacht von Engeln Gottes (K einem Engel) fürchterlich
durchgepeitscht worden. Er bitte die Leute, ihm nicht zu
glauben, auch wenn er ein andermal den Petrus wieder ver-
lattere; er sei ein Magier, Betrüger, Goet, der sich nur auf un-
nütze magische Künste verstehe, wie Hunde in der Lull bellen
zu lassen, Petrus dagegen könne die Kranken heilen und die
Toten wiederauferwecken (H 20 in. Κ lOei. c«). Auf diese Beichte
I) Η 20 18 findet sich der Zusatz, den R weggelassen hat, dal> der
Herr diesen Haoptmann in Cäsarea von einem Dämon befreit habe.
184 AVaitz, Die Pseudoklementinen.
hin wenden sich die Bewohner von Antiochia dem Petarus zu
während Faustus sein eignes Angesicht wiedererhält So zieh
nun Petrus von Laodicea fort, nachdem er vorher auch hier ii
derselben Weise, wie in den andern Städten, die kirchlichen Λ^θγ
hältnisse geordnet hat (H 20 23. RIO 68). In Antiochia angelangt
predigt er zunächst gewaltig, so daß alle wie aus einem Mund<
ihren Glauben an einen Gott bekennen. In demselben Augen
blick erscheint plötzlich ein großes Licht; die Gichtbrüchigei
fangen an, zu Petrus zu laufen, die Blinden zu sehen, die Lah
men zu gehen, die Stummen wieder zu reden, alle Mondsüch
tigen und Dämonischen werden erlöst Innerhalb 7 Tage werdei
mehr als 10000 Gläubige getauft. Ein vornehmer Bürger aber
namens Theophilus, weiht die Basilika seines Hauses als Kirchi
der Gemeinde; daselbst wird dem Petrus von dem ganzen Voll
eine Kathedra errichtet (R 10 68-72).
Soweit die Erzählung in Η bezw. R. Jedenfalls liegt sii
hier in einer überarbeiteten Gestalt vor. Scheiden wir aus ih
all das aus, was mit dem Klemensroman zusammenhängt, als(
vor allem die Geschichte von der Verwandlung des Faustus, s<
erhalten wir folgendes Bild von dem Gang der Handlung ii
Π. Π,: Nach dem Aufenthalt in Tripolis (H II36, R 6ΐδ) ist Simoi
zunächst nach Laodicea geflohen, wo er gegen Petrus wirkl
und Petrus ist ihm gefolgt, um ihn zu bekämpfen. Davon ei
zählen Η 20 11 und RIO 52 nichts, sondern lassen nur einen (zwei
Begleiter des Simon, Annubion (und Appion), nach Laodicea kommet
Aber nach Analogie der Berichte in Η und R von dem Kamp
des Simon und Petrus in Cäsarea, Tripolis und Antiochia, dar
als sicher angenommen werden, daß auch in Laodicea Petra
zuerst den Simon überwunden und erst dann, was Η 2023 un<
R 1068 nicht verschweigen, die Einwohner bekehrt und die Kirch
daselbst organisiert hat. Nun entweicht Simon nach Antiochiei
wo er gegen Petrus Avirkt (H 20i:j, R IOm). Hier erscheint nu
auch nicht bloß, Λvie Η und R es darstellen, die vorausgeschickt
Gesandtschaft des Petrus, sondern dieser selbst und trifift mi
dem Hauptmann Kornelius zusammen, der mit dem kaiserliche
Edikt gegen die Magier zu dem Statthalter der Provinz nac
Antiochien gesandt worden ist Da es sich aber — nach de
Idee der Sage — nicht bloß darum handelt, den Simon mit de
Seinen festzunehmen, sondern auch die von ihm aufgewiegeli
II, 2, 2. Der Inhalt. 185
Stadt zu beruhigen und für Petrus umzustimmen, läßt Petrus
nach Rücksprache mit Kornelius nur das Gerücht aussprengen,
daß der Simon ergrififen und vor ein Gericht gestellt werden
solL Das wirkt. Simon bekommt Angst, und, wie er früher in
Casarea aus Furcht, er möchte wegen seines nekromantischen
Verbrechens bestraft werden, zum Scheine wenigstens öfifentlich
Buße tat (R 845.40), so legt er — und nicht Faustus, wie Η und
R es darstellen — auch hier in Antiochien öffentlich Beichte ab
Ή 20i9, R lOei. ße)*. Alsdann entweicht er bei Nacht (H 2O15.17.22,
R 1057.59). Petrus aber gründet eine christliehe Gemeinde samt
Bischofssitz in Antiochien.
Den Ausgang der Simon-Petrussage verhüllen uns Η und R
in gleicher Weise, jedoch nicht derart, daß wir ihn nicht mehr
erkennen könnten. In Laodicea, wo sie nach Η 2023 zuletzt spielt,
bat sie keinenfalls geendet, da, wie Η selbst andeutet (H 20 13.
19.21. 2a) und R näher ausführt (R IOG8-72), die bedeutsamsten
Szenen, die Beichte Simons und der Missionserfolg des Petrus,
nicht in Laodicea, sondern in dem weiter nördlich auf der Route
gelegenen Antiochien, der syrischen Provinzialhauptstadt, sich
abspielen. Aber auch in Antiochien kann sie nicht ihren Ab-
schloß gefunden haben ^ da Ξ und R mit ihrer Nachricht von
der Flacht Simons von Antiochia nach Judäa über sich selber
hinaasweisen (H 20 15. 17.22, R lOö?.-)!»)^. Aber auch Judäa kann
nicht der letzte Schauplatz des entscheidenden Kampfes gewesen
sein. Hat etwas in den Π, 11. von Judäa gestanden, was der
klementinische Redaktor gelesen hat, so kann es nur ein Bericht
gewesen sein über frühere Kämpfe des Petrus und Simon, die
noch vor dem Kampfe in Cäsarea lagen. Das erfordert die Öko-
nomie der Erzählung. Oder wie kann es der Samaritaner Simon
wagen, nachdem er in seiner Domäne, in den phönizisch-syrischen
Städten besiegt ist, nun in der Domäne des Petrus ihm entgegen
zu treten? Nein, flieht er jetzt nach Judäa, so kann er nicht
die Absicht haben , hier noch einmal dem Petrus entgegenzu-
1) R erwähnt diese Beichte zweimal, einmal R liUi als Auftrag dee
Petrus an Faustns, sodann R IO66 im Bericht des Gesandten des Petrus.
Diese Wiederholung deutet darauf hin , daiJ die Beichte in der Vorlage
Restinden hat. Die Arbeit des Hedaktors bestand nur darin, daii er sie.
statt dem Simon selbst, dem Faustus in den .Mund legte.
2) Vgl. dazu unten S. Iii3f.
18β Waitz, Die Pseudoklementinen.
treten. Hat es sich vielmehr für ihn darum vor allem gehandelt
die überwiegend heidnischen Städte für sich zu gewinnen, so
muß jetzt sein Ziel darauf gehen, den letzten Wurf zu tun und
die Hauptstadt Rom zu erobern. Nach Rom will er ja schon von
ۊsarea aus fliehen. Auf Rom und eine Entscheidung vor dem
Kaiser weist auch die Sendung des Hauptmanns Eornelius an
<len Statthalter der Provinz mit dem kaiserlichen Edikt gegen
die Magier. Ist daher Simon nach Judäa geflohen, so kann er
es nur getan haben, um dadurch seine Flucht nach Rom zu ver-
schleiern, das sein Ziel ist.
3. Der Charakter.
Schon diese Inhaltsangabe bestätigt unsre Annahme, daß in
den hier wiedergegebeneu Partien der Klementinen eine Quellen-
Schrift enthalten ist, die der Verfasser des Klemensromans in
seine Geschichte verwoben hat. Diese Simon-Petraslegende, mit
ihrem klar ausgesprochenen und durchgeführten Thema, der
Bekämpfung und Überwindung des mit dämonischen Kräften
ausgerüsteten Magiers Simon durch den in göttlicher Kraft
sich erweisenden Apostel Petrus, mit ihrer ebenso deutlich aus-
geprägten Disposition, der Reiseroute von Gäsarea bis Antiochien
bezw. Rom, mit ihrem Parallelismus membrorum zwischen den
verschiedenen Abschnitten' der Erzählung, mit ihrer stereotypen
Szenerie kann nicht anders denn als ein mehr oder weniger ab-
gerundetes Ganzes, als ein einheitlich schriftstellerisches Werk
betrachtet werden, dessen einzelne Teile sich in der harmonisch-
sten Weise mit dem Ganzen wie untereinander zusammenfügen.
Das beweist auch ein Vergleich mit den übrigen Abschnitten
des Klemensromans. Denn was zunächst diesen selbst im engeren
Sinne anbelangt, so will sich die Simon-Petruslegende schlechter-
dings nicht mit ihm in eins zusammenfügen. Klemens mit seinen
Brüdern hat bei diesem Kampf zwischen Petrus und Simon nicht
das Geringste zu tun, wue sie auch* oflenbar erst nachträglich
in die ursprünglich nur zwölf zählende Gefolgschaft des Petrus
aufgenommen worden sind. Umgekehrt spielt Simon keine Rolle
in dem ganzen Klemensroman, abgesehen von dem Schluß, wo
die sonst neben einander herlaufenden bezw. sich kreuzenden
Fäden der Erzählung mit einander verknüpft sind, jedoch nicht
1) Vgl. oben i? 2 S. 171 Anm. 1.
II, 2, 3. Der Charakter. 187
so, daß sie nicht leicht in ihre Bestandteile aufgelöst werden
könnten. In umfangreichen Partien desselben (H So — 16 1, cf.
R 48 — IO52) verschwindet er so vollständig, daß er nur zweimal
Η 1135. 14 12 und R732 genannt wird; dort an einer Stelle, wo
auch sonst der Redaktor auf seine Quellen zurückgegriffen hat.
Auch Petrus, der in Έρ. Clem. ganz arglos Simon genannt
wird, als ob er keinen Gegner desselben Namens hätte, hat in
dem Elemensroman eine ganz andre Aufgabe als in unsrer Simon-
Petruslegende. Hier hat er hauptsächlich Wunder zu tun und
durch diese göttlichen Eraftbeweise den Simon zu überwinden.
Außerdem hat er allenthalben christliche Gemeinden zu gründen
und zu organisieren. In dem Klemensroman vollzieht er auch
dann und wann wunderbare Heilungen (H 923, 12 23), aber seine
Hauptaufgabe besteht doch darin, lange Reden zu halten. Und
seine ganze Fürsorge ist so sehr den einzelnen Gliedern der
Familie des Klemens gewidmet, daß er darüber seine missionie-
rende und gemeindeorganisierende Aufgabe an dem Schauplatz
des Elemensromanes in Orthosia und Antaradus (H 12 1, R 7 1),
wie in Balanaeae, Paltus und Gabala (H 13i, R 7 2δ) völlig ver-
gißt Seine 12 Jünger lassen ihn merkwürdigerweise ebenfalls
überall im ^tich, wo er als Seelsorger an der Familie des Kle-
mens wirkt, während sie nur da erscheinen, wo er es mit dem
tioeten Simon zu tun hat.
Ebenso wenig wie in den Klemensroman fügt sieh die Simon-
Petmslegende in die K. Π. Ist jene eine Erzählung mit erbau-
hch-unterhaltendem Charakter, „Jrράg£^ς'', so sind diese eine
systematische Abhandlung mit mysteriöser Tendenz, „κηρύγματα".
In dem Inhaltsverzeichnis der Κ Π. R 3 7.) suchen wir überdies
vergeblich nach einem Hinweis auf Taten des Petrus, obwohl
4ie nachtraglich eingeschobenen Verhandlungen der 12 Apostel,
die doch ebenfalls ein Abschnitt mehr erzählenden Charakterv^,
man möchte sagen, jtQa^tig των άποοτολων sind, hier (vgl.
lib. VU) ausdrücklich genannt sind. Ist nach K. Π. Jakobus der
Oberhirte, so hier Petrus. Auch das Simonbild ist völlig ver-
schieden. In K. Π, ist unter seiner Maske Paulus bezw. in ihrer
Überarbeitung Marcion verborgen, hier ist er, wie noch beson-
<lers gezeigt werden wird, kein andrer, als der echte Simon, der
Magier und Pseudomessias , dessen Bild uns die Häreseologen
zeichnen. Sind die K. FI. ausgesprochen antikatholisch, judaistisch
\^^ Waitz, Die PseudoklementiDen.
und gnostisch, voll eigenartiger Lehranschauungen , so hat die
Simon-Petruslegende einen ausgesprochen katholischen und in
der Bekämpfung des Simon einen ebensolchen antignostisehen
Charakter. Abnorme Lehranschauungen finden sich nirgends.
Die K. n. setzen die einfachste kirchliche Organisation voraus^
die zudem Mysteriencharakter trägt. Hier ist sie völlig ausge-
bildet. Neben Bischof und Presbyter erscheinen auch Diakonen.
Auch der Schriftgebrauch ist, wie in Kapitel III gezeigt werden
wird, völlig andersartig und weiter fortgeschritten.
Fassen wir dies Alles zusammen, so werden wir unter keinen
Umständen die Simon-Petruslegende als einen Teil der Κ Π. be-
trachten dürfen. Ebensowenig werden wir darin mit Lipsius*
eine ältere Quellenschrift der K, Π. wiederfinden können, da sie
ja ein durchweg jüngeres Gepräge als die K, Π. hat Vielmehr
werden wir sie als eine selbständige Quellenschrift zu werten
haben. Darauf weist noch der Umstand hin, daß sich auch in
den Partien der Klementinen, wo die Simon- Petruslegende her-
vortritt, ein eigenartiger Sprachgebrauch erkennen läßt.
Folgende Ausdrücke und Wendungen finden sich nur da.
wo Π. Π. von uns festgestellt sind'-:
αγαπητός ό νως 3 53. cf. Ep.Cl. 17; α^ντος 7 3; *Αχΐ'λας 2 92. 27. .•» 73. 4 1.
S 3, sonst noch Γ2ι. 3. β; άκ/(άζω 20 23; άμάγείΎος 20 12 bis; άναρρώί*^η}μι
7 4; άναατατέο} 2 25; ανατρέφω 22; άνόριάς 2 27.82.84. •ί4. 8 8, sonst
noch 10 19; άνοιχανόμητος 2 23; άντΕΐαφέρω 222. 17 8, sonst nur Sil; ck-
τεχω 2 24; άι*τιβά/^,ω Η 67. 1135. 17 ι ; άντιπννθύνομαι1ΐ29; ανώτερος sive
ανώτατος ( δνναμις) 2 22. ;>38; ( Θ^εός) 222. 8 2 bis. J7 3; a§ioa>2l9. 82.
17 5? UTinihtc) 3 65. 20 10; άπεριόριοτος 2 27; άπηνώς 20 12; άπλανώς 20»:
άπογενο) 20 ΐ3. 18; άποκαλπο 4 2 (1ί> 22). 20 18; άποχατάσταοις 20 18; άτιόστολο^
2 23. 7 11. 11 35 bis. 20 19 ί17ΐ9?!, sonst nur Ερ. Cl. 1; αποτάααω c. dat.
1186 (c. acc. 1223); άποτνγχάνν) 7 7; αητωτος 2 87. :{62; αρμόζω προς
3 2.71. 17 1, sonst nur :i25; άρρενικυς 3 28; άσνλία 3 69; άχαΉ^ς 20 ΐδ;
αχρείος όονλος 3 6ΐ cf. IIa (sonst άχρηστος 10 7); άοίρία 20 17; βασιλικός
20 16. 17 bis; βόύ.νσαομαι 20 12.22; ΒερνΙκη 3 78. 4 ι. 4. G; Γετ&αί 282 {Γιτ-
ί^αι 1ΐ5); γόης 1 4. 7 ίο. 2<»13. 18. 19; γοννκλινΐ/ς 3ΐ; γονντίετής 7 12; όέησις
iJi; όεσμέίο 3 72 (cf. Ερ. C1. 2). 17 2; ιΗαβολή Σίμωνος 2 24. 3 58.59. 6 26.
S3, 9. 2(»13; όίάβο/.ος Σίμίον 3 59. 7ιΐ; διάκονος 3 7U 1136. 10 1 (Ερ. C1. 1•
5. 12. 14. 15); όωίκησις εκκλησίας 3 64.65.67 cf. 3 61 (Ερ. C1. Β. 4. 5): όι-
.Ύρόσ(θΆος [Σίμον] 2 32; διχοτομπο 3 60; ΔοσΙ^εος 2 24; όνναστεΐα Σιμωνος
4 56; δνσμός S4 (sonst δνσις vgl. Ερ. C1. 1. 11 83); εκκλησία 3 60. 65 cf. G7. 68.
1) Lipsius, Die Quellen der römischen Petrussage. Kiel 1872, 17 ff.
2) Nach W. Chawner, Index of noteworthy words etc.
II, 2, 3. Der Charakter. 1^9
69. 71. 72 (cf. Ep. Cl.j. 7 5. 8. 11 85. 36, sonst noch 13 15, 17 19; ^κκληαιάζω
'^)S3\ ^κΊτεριέρχομαί 2 «5. 3 67; ^Ελένη 223. 25 bis; ενδότερος οίκος 226; έξα-
κριβόω 8 1; ίξαακέω 2 22. 4 7; ^ξελ^^/ω 43; εξεταστής 4 3; έξηγίομαι 8 3;
^ξοΧο^ρενω 7ιΐ; έξομολογέω 8 6. 20 19, soDst noch 17 δ. 18 15; έηάσκηαις
2u; ξηιχαταλαμβάνω 3 50. 8 2. 10 26. 20 20.23, sonst noch 1288. 14ΐ2; Ιηι•
.Ίονωςίτ, επισκέπτομαι 364.67.69 (Ερ. C1. 9) cf. 5 1. 1282; επίσκοπος
:]67. 74. 1136. 20 23 (cf. Κρ, Petr. 1 Cont. 2. 3 bis. 5. Ερ. Cl. 1); έπιφωνέω
7 ι; έπιφ(^έγγομαι 3 80; έπιφώσκω 3 1. 58; εργάτης 2 88. 3 71 (cf. 12 1. 14 2);
^ΓαΓρος 237. 3 1. 20 8; ενλαβέομαι 3 63.64; ευταξία 36ΐ; εϋτρεπίζω S2;
ειχονχμος 7 8; ζωή (= Gott) 3 72; ήμεροβαπτίστης- 2 2S; θάνατος ίδιος 23θ;
θεραπεύω 2 19. 626, 7 ι. 8. 12. 8 24 (vgl. noch Ο 16. 23. 119. 1223. 10 22); ^r-
γάτριον 2 19. 20; Ικετεύω 2ΐ9 (cf. Ικεσία Ss); ικέτης 7 5; Ίονστα 2 19. 3 73.
4ι (cf. 137); έστώς 2 22 bis. 24 (vgl. 18 6.7. 12. U); ^Ιωάννης 228.24; ^ώση-
φος 2ι cf. 20 10; Καισαρέα 2 27. 4 ι. 2. 6 26 (vgl. 1 15. 20. 125. 13 7. 20 13);
χακοποαα 7 2 cf. 7 7; χατεπείγω 3 65. 4 ι ; κατηχητής 3 7ΐ (vgl. 7 5) ; κηπενω
Χ 8; κνρία 2 25. 18 12; Λάζαρος 2 1. 20 9. 10 ; μαγεία d.h. Simons 2 22.24.27.
17 a. 20 17; μάγος (= Simon) 2 20.36. 3 30. 4 2. 20ΐ4. 15. 19, sonst noch 1 22.
138. 14 22. 189), (= Petras): 79. η. 172. 20 13. ΐ5. ΐ8 cf. 20 18; μάνδρον3&:
ΛΙαροόνης 8 1. 8 bis. Ilse; μετατίθ-ημι 2ΐ9. 358 (17 ιι); μετεωρίζω 88; μήν
2 23; μηνιαίος 228; μιαιφονέω 2 26; μιαίφονος 20 18. 19; μισθ'ός 3 65. 84.
5. 11 (11 4); Μιχαίας 2 ι cf. 204.8; όδενω 7 4. ÜUbis; οδηγέω 7 7; οδηγός
Μ 62; ομοτράπεζος 7 3; παντοδαπός 2 32. 7 5. 17 2, sonst noch 6 5. 1922;
πατάσσω 7 3.4. 20 8; πλησιόχωρος 7 ιι. 8 1; πολνμαθ^ής 3 66 bis (cf. Ερ. Cl.
2. 3. 13); πρεσβύτεροι 3 67. 68 (cf. Ερ. Cl. 1. 7. 10. 14. 1.")). 7 5. 8. 12. 8 6.
1135.36, sonst noch Cont. 1. 5 bis. 3 18; πρόβατον 3 52.69. 1185; πρόδρο-
μος 7 4; προκαθ^έζομαι 3β4. 70. 72 (cf. Ερ. Cl. 2. 6. 12. 16. 17); προοδεύιο
218. 8 8 (cf. 12 1. 13 2); πρόοδος 2 23. 3 58. 8 2. 20 is. 14. 18, sonst noch 3 23.
I(ii8; ^βδος 224.33. 206.9; Σιδών 4 6. 7 5 bis. β. 8 bis. 8i, sonst noch 6 26;
43κορπίζω 339 (vgl. Ep. Cl. 1Γ). 18); σνμβάλλω 3 73. 18 ii (II26); σνμβιβάζιο
3 67 (vgl. Ep. Cl. 10); σιμβιβασμός 367; τεσσαράκοντα 1135 (19 2); Τύρος
:5 5β bis. 73. 4 1. 5 1. 6 1. 16 bis. 7 1 bis. 5. 8 1. 3; υπηρέτης κακίας 7 ii. 17 2;
<(αντάζομαι 225. 17 2; φιλοφρονέω 4 ι. 73; Φοινίκη 3 58.73. 4 ι. 1136. 12 ι ;
Χανανΐτις 2 19. 3 78. 4 ι ; Χριστός 2 (17). 22 bis. 3 (20). 60. 64. 65. 66. 69. 70 (cf. Ερ.
Cl. 1. 2. 4. 5. 7. 14. 15. 16. 17). 4 5, sonst noch 16 14. 16. 19. 17 6. 18 4. 13. 19 20.
DOrfen wir nun nach dem allen die Π. Π, als eine selb-
ständige Quellenschrift betrachten, so iragt es sich noch, ob wir
sie zu jenen apokryphen Apostelgeschichten, insbesondere zu
den Πράξεις oder Περίοδοι Πέτρου rechnen dürfen, welche schon
im 2. Jahrhundert umliefen Κ Viele gemeinsame Züge liefern
dafftr den Beweis.
1) VgL daza besonders Lipsius, Die apokryphen Apostelgeschichten.
Braanschweig 1884 ff. 3 Bde. Außerdem Acta apostolorum apocrypha ed.
Lipsios et Bonnet 1. Lips. 1S91.
[90 Waitz, Die Peeudoklementinen.
Nach der Darstellung jener apokryphen Akten sind die
Apostel, vor allem Petrus, große Wundertater. Sie treiben Dä-
monen aus^, was auch von Petrus in unsem Π, Π, berichtet
wird^. Sie heilen allerlei Kranke, besonders Gichtbrüchige ^^ so
auch Petrus in unsern /7. Π,^ Sie machen Blinde, Taube,
Stumme gesund, vor allem wieder Petrus, wie nach den sonst
bekannten, so auch nach unsem Π. Π,^ Dabei erscheint öfters
ein wunderbares Licht, wovon wieder wie in den übrigen, so auch
in unsem Π, Π, die Rede ist^
Wie nach den apokryphen Apostelgeschichten die Apostel
auch Erdbeben erregen", so hat auch nach Π. Π, Petrus dazu
die Macht, wenn er sie auch nicht gebraucht (H 7 ii). Im übrigen
unterscheiden sich die Π. U, vorteilhaft von den übrigen apo-
kryphen Akten, indem sie so tolle Geschichten, wie von redenden
Hunden und Säuglingen, getrockneten Fischen, die wieder le-
bendig werden und schwimmen, redenden Ziegenböcken, Eseln
und Leoparden, auch Totenauferweckungen nicht bringen ^. Ihrer
Wunder wegen werden die Apostel von dem Volk hochverehrt
und vielfach für Magier und Goeten gehalten, von denen sie sich
nur dadurch unterscheiden, daß sie ihre Taten nicht wie diese
durch Dämonen, sondern durch göttliche Kräfte verrichten*.
1) Vgl. Act. Petr. c. Sim. ed. Lips. et Bonnet I p. 58 1. 27 sq. sowie
Lipsius a. a. 0. II 1. 171); außerdem Act. Thom. ebenda I 257; Act. Joh.
ebenda I 371. !)7S; Act. Andr. ebenda I 582.
2j Η 8 24. 10 26 (15 11). ΚΓ)36. 1070.
8) Vgl. Act. Petr. c. Sim. ed. Lips. et Bonnet p. 7H 1. G sowie Lipsius
a. a. 0. II 1. liH. 208; außerdem das von C. Schmidt in T. u. ü. N. F.
VIII, 1, Leipzig 1003, herausgegebene Fragment alter Petrusakten S. 7.
■\) Η 7 11. 824. IS 23. 1ί>2δ. Rr>86. 7 23; außerdem Η 12 23. 15 ii.
5) Vgl. Act. Petr. c. Sim. ed. Lips. et Bonnet p. (3() 1. 28, p. 69 1. 8 sq.
sowie C. Schmidt a. a. 0. Ι'Λ und R 10 70.
0) Vgl. Act. Petr. c. Sim. ed. Lips. et Bonnet p. 68 1. 31 sq. sowie
Lipsius a. a. 0. II 1. i»."). 1S4 ; außerdem Act Phil, ebenda II 2* 8. 117.
sowie C. Schmidt a. a. 0. ii und R 10 70.
7) Vgl. Act. Joh. a. a. 0. l 371, Act. Phil. a. a. 0. II 2. 47.
s) Vgl. Act. Petr. c. Sim. ed. Lips. et Bonnet p. 50 1. 35 sq., p. <>0
l. 20 sq., p. <')1 1. .'in .sq., p. 78 l. 20 sq., p. 74 1. 12 sq., p. 77 1. 21 sq., so-
wie Act. Thom. a. a. 0. 1 2.">8, Act. Phil. a. a. 0. Π 2. 8. Act. Joh. a. a. 0.
1 872. 884.
9 Vgl. Act. .loh. a. a. 0. 1 872. 884.
π, 2, 3. Der Charakter. 19 t
Das ist aber durchgängig die Auffassung, die nach /7. Π, das
Volk von Petrus hat^
Neben dieser Tätigkeit ist es eine Hauptaufgabe der Apostel,
das Volk durch ihre Predigten zu bekehren, wobei sie gewöhn-
lich Massenerfolge erzielen^. Dasselbe tut auch Petrus in /7. Π?
Vielfach wird auch von ihren oberhirtlichen Funktionen,
der Ordination von Bischöfen, Presbytern und Diakonen, und
der Einweihung von kirchlichen Gebäuden geredet^, ebenso
in /7. /7.»
Wie es zu den wichtigsten Obliegenheiten der Apostel ge-
hört, die Magier zu bekämpfen, so hat besonders Petrus die
Pflicht, den Simon Magus zu überwindend
Eis unterliegt keinem Zweifel, daß die in den Klementinen
nachgewiesene Quellenschrift Π, Π. ihrem ganzen Charakter wie
auch ihren einzelnen ZQgeu nach in die Kategorie der apokry-
phen Apostelgeschichten gehört
Daß sie eine petrinische Apostelgeschichte, Actus Petri,
Πράξεις Πέτρου, war, geht aus ihrem ganzen Inhalt hervor, der
sich um Petrus gruppiert, und kann, wenn man ihr den Cha-
rakter einer apokryphen Apostelgeschichte zusprechen muß, billig
nicht bezweifelt werden. Es fragt sich nur, in welchem Ver-
hältnis sie zu den uns handschriftlich z. T. im griechischen Ori-
ginal, z. T. in Übersetzungen erhaltenen Petrusakten steht. Da-
bei kommen hauptsächlich das von Schmidt kürzlich edierte, aus
dem Koptischen neu entdeckte Fragment, sowie die Actus Petri
ciun Simone', aber auch andre Petrusakten in Betracht.
Nun haben wir bereits oben eine große Anzahl von Be-
rührangen zwischen den apokryphen Apostelgeschichten im all-
gemeinen, darunter auch zumeist den Petrusakten, und unsern
1) Η 20 13 ü. ö.
2) Vgl. Act Petr. c. Sim. ed. Lips. et Bonnet p. Γκί 1. 18 sq.; Passio
l'etr. ed. Lips. et Bonnet p. 2 1. "i .sq.; außerdem Act. Job. a. a. 0. 1 Ml. .JS;l.
3) Vgl. Η 3 29. 4 1. 7 12. 8 ι. 10 3. 11 86. R :i 12. 50. 72. G i5.
4) Vgl. Act Petr. et Paul. ed. Lips. et Bonnet p. 18J 1. :>, p. Is4
l• 1^», p. 18»! 1. 9 sq.» sowie Lipsiua a. a. 0. II 1. 30<'»; außerdem Act. PhiL
*-a.O. II 2 41. 42, Act Barth, a. a. ü. II 2. s.j, Act. Sim. a. a. 0. II
2.152.
'») Η 7 12. 11 86. 20 23. R '.] 66. 72. 15.
•'») Vgl. nnten S. 11)2 u. Anm. Γ), außerdem Act. .Toh. a. a. 0. 1 >\S^.
') Vgl. Acta ap. apocryph. ed. Lips. et Bonnot p. 4'> sq.
192 Waitz, Die Pseudoklementinen.
11. IJ. angeführt ^. Wir köonen jedoch auch andre anfu
welche sich lediglich zwischen den Petrusakteu und den ,
vorfinden, darunter auch solche, welche ein schriftstelleri
Abhängigkeitsyerhältnis nahe legen.
Wenn die Petrusakten ^ eine Tochter des Petrus erwä
so müssen, wie die klementinische Grundschrift, so auch
Π. Π. nach Hieronymus ad lovin. lu^, von einer solche
handelt haben, sei es auch nur derart, daß sie irgendwie
Erankkeits- und Heilungsgeschichte erwähnten, wie sie in
koptischen Fragment erzählt war^.
Vor allem haben unsre Π, Π, mit den übrigen Petrus
gemeinsam, daß hier wie dort das Hauptthema dasselbe isl
Kampf des Petrus mit dem Magier Simon zum Zweck der
richtung des Christentums in der Heiden weit ^
£s ist schon darauf hingewiesen worden, daß das Bil
Petrus beidemal das gleiche ist^. Dasselbe gilt auch von
Bilde seines Widersachers Simon.
Was freilich die paulinischen Züge anlangt, die es i
soll, so wird darüber im folgenden § ausführlich die Rede
Aber auch davon abgesehen, läßt sich eine große Ahnlii
zwischen beiden Darstellungen nachweisen.
Hier wie dort erscheint Simon als der Pseudomessias
sich die große Kraft Gottes nennt *"; hier wie dort nennt e:
1) Vgl. S. UM) Anrn. 1—!).
2) Bei C. Schmidt a. a. 0. 7.
3) Quamquam legatur in περιόόοις et uxor ejus et ülia s. o. i
4) Der Ehefrau des Petrus wird auch im Klemeusroman £rwB
getan R 7 25. 86, Η 13 1. ii, doch nur vorübergehend und erst spät. 0:
hat der Verfasser des Elemensromans sie erst in 17. i7. kennen |
und daraus in seine Darstellung herübergenommen.
5) Vgl. Act. Petr. c. Sim. ed. Lips. et Bonnet p. 4i) 1. 21 sq.,
Lipsius a. a. 0. II 1. 17(>.
<)) S. 0. S. 100 Anm. 1—6 und S. V.n Anm. 2-Γ).
7) Vgl. Act. Petr. c. Sim. ed. Lips. et Bonnet p. 48 1. 23, Aei
et Paul, ebenda p. 207 1. U, Martyr. Petr. et Paul, ebenda p. It
p. KiO 1. 11 , die :ιράξεις iO)v αγίων άτίοοτυλων bei Lipsius a. a. C
2(β. 2iJi». 212.
8) Vgl. Act. Petr. c. Sim. ed. Lips. et Bonnet p. 4S 1. 22, p. 54
Martyrium Petr. et Paul, ebenda p. 132 1. in cf. p. 144 1. 5), p. 15i
sowie Lipsius a. a. 0. II 1. li»3. 21•^
II, 2, 3. Der Charakter. 1 93
den ίύτώς Κ Mit Vorliebe aber wird er als der Magier be-
zeichnet, der sich unsichtbar machen^, in alle möglichen Ge-
stalten verwandeln^ und Gespenster erscheinen lassen kann^.
Auch auf seinen nekromantischen Frevel wird angespielte Und
hier wie dort besteht seine Aufgabe darin, den Petrus zu über-
winden, um in ihm die Lehre von Christus tödlich zu treffen^.
Aber auch sein Schicksal ist das gleiche. Wie in den
syrisch -phönizischen Städten, so wird er schließlich und end-
giltig auch in Rom überwunden. Dabei ergeht es ihm auch in
den Petrusakten wie in den Π. /7., daß die erregte Menge auf
ihn losgeht*^.
Allerdings — und das unterscheidet scheinbar wesentlich
die Erzählung der Petrusakten und unsrer Π. Π. — nach jener
spielt die Handlung teils in Jerusalem, teils in Rom^, nach
dieser in Palästina, Phönizien und Syrien. Aber müssen sich des-
halb beide ausschließen? Können sie sich nicht vielmehr ergänzen?
Wer, wie Ficker^ und Hilgenfeld*^, die Petrusakten als eine Art
von Fortsetzung der kanonischen Apostelgeschichte ansieht, der
wird sich für letzteres nicht entscheiden können. Aber mit Recht
hat dagegen Schmidt^ ^ eingewandt, daß dann der Verfasser einen
Text der Apostelgeschichte vor sich gehabt haben müßte, den wir
absolut nicht kennen. Er läßt ja Petrus 12 Jahre ausschließlich
in Jerusalem weilen und zwar auf Befehl des Herrn; er läßt
ihn mit Simon Magus nicht in Samaria zum ersten Mal zusammen-
li Vgl. Act Petr. c Sim. ed. Lips. et Bonnet p. 80 1. 37, p. 82 1. 1.
2) Vgl. Act. Petr. c. Sim. ed. Lips. et Bonnet p. 51 1. 28 eq.
3) VgL Act Petr. et Pauli ed. Lips. et Bonnet p. IM 1. 12 sq.
4) Vgl. Act. Petr. c. Sim. ed. Lips. et Bonnet p. <)3 1. 1(3 sq., p. 80
1. 22^1.
5) Vgl. Act Petr. et Pauli ed. Lips. et Bonnct p. 201 1. (5 sq.
6; Vgl. Act Petr. c. Sim. ed. Lips. et Bonnet p. <>1 1. 29, p. 71 1. 24 sq.,
Act Petr. et Paul p. 193 1. 9 sq.
7) Vgl. Act Petr. c. Sim. ed. Lips. et Bonnet p. Ol 1. 18 sq.
8) Nach C. Schmidt a. a. 0. 7i), demselben folgen wir auch darin,
dsift wir — entgegen Ficker, Die Petrusakten, Leipzig 191 Κ > — das koptische
Fra^pnent den Petmtakten zuschreiben, deren ersten Teil sie bilden.
9) a. a. 0. 7.
10) A. Hilgenfeldy I)ie alten Actus Petri in Ztsebr. f. w. Theol. XL VI.
l'ÄÖL 325.
11) Vgl. GöUanger gel. Anz. liK)3. :](iO.
T*!Xt9 n. üntortachongen. N. F. X, 4. 13
194 Waitz, Die Pseudokleiuentinen.
kommen, sondern in Jerusalem. Bei dieser Szene ist nicht
hannes, sondern Paulus zugegen. Und dieser Paulas hat be
im Jahre 42 seine Mission bis nach Rom vollendet und
kurz vor der Ankunft des Simon Magus in Rom nach Spai
Das wäre jedoch keine Fortsetzung, sondern eine Parall
Zählung ganz neuen Inhalts. Sehen wir daher von dieser '
Stellung ab, so werden wir nicht verkennen, daß in der Tai
Petrusakten und unsre /7. Π, sich gegenseitig ergänzen. I
auf der einen Seite verraten jene, daß sie einen früheren Aui
halt des Petrus bezw. seines Gegners in Judäa ^, Gäsarea^, s<
in Syrien bezw. Antiochia^ und seine Reise von dort nach ]
kennen. Auf der andern Seite weisen diese sowohl nach Ji
zurück als auch über Palästina und Syrien hinaus i
Rom^.
Beziehen sich daher die Berichte in dieser Art aufeinai
so werden wir ihr gegenseitiges Verhältnis dahin bestim
dürfen, daß ursprünglich der Schauplatz des Kampfes in
Petrusakten anfangs nach dem koptischen Fragment Jerosa
bezw. Judäa, sodann nach unsren Π, /7. Cäsarea und Antioci
bezw. Phönizien und Syrien, schließlich nach den Actus I
cum Simone Rom gewesen sein muß. Und es stehen u
Π. Π. mit den übrigen Petrusakten so wenig im "Widerspr
daß sie vielmehr eine unverkennbare Lücke in diesen :
füllen.
Auf weitere Berührungen der Petrusakten mit unsem L
hat kürzlich Hilgenfeld aufmerksam gemacht, indem er di
allerdings die ganzen Pseudoklementinen im Auge hat^ ]
nicht unwesentliche Berührung ist es, daß nach beiden Beriet
Simon als Flüchtling nach Rom kommt. So lassen die A*
Petri c. Sim.^ — wie auch die /7. Π. — den Simon aus Jt
1) Vgl. Act. Petr. c. Sim. ed. Lipa. et Bonnet p. 49 1. 24, p. 50 1
p. ü3 1. 1, p. 0Γ) 1. 18. 24, p. 71 1. 10; Mart. Petr. et Paul. Ic. p. 134
p. 142 1. 17; Act. Petr. et Paul. Ic. p. 200 l. 2.
2) Vgl. Act. Petr. c. Sim. ed. Lips. et Bonnet (p. 49 1. 28), p. 50
Mart. Petr. et Paul. Ic. p. 142 1. 18, Act. Petr. et Paul. Ic. 2(X) 1. 3.
3) So die syrische Predigt des Simon Eepha in Rom; vgl. Li|
a. a. 0. Π 1. 20(3 (cf. 208. 21 Γ». 2l8j.
4) S. o. la") f. 5) a. a. O. 334 f.
Ü) Ed. Lips. et Bonnet Ic. p. 02 1. 33 sq., p. 71 1. 9 sq. s. o. Ann
II, 2, 3. Der Charakter. I95
nach Bom fliehen. Wenn daher Hilgenfeld es als unwahrschein-
lich hinstellt, daß der Verfasser der Actus Petri ohne Kenntnis
der klementinischen Rekognitionen auf Simon als Flüchtling ge-
kommen sei, so hat er völlig Recht; nur muß statt „der kle-
mentinischen Rekognitionen^ ihre Quellenschrift^ die Π. /7., ein-
gesetzt werden. So erklärt es sich auch, daß der Verfasser der
Actus Petri, wie Hilgenfeld bemerkt, die judenchristliche Lehre
der Klementinen sich nicht aneignen konnte — weil er sie eben
Oberhaupt nicht kannte.
"Wenn dann, wie Hilgenfeld weiter richtig bemerkt, die
Actns Petri c. Sim. den Petrus gar nicht nach Rom berufen
werden lassen, um den dahin geflohenen Verbrecher zu ergreifen,
wie sie es in der Geschichte mit der Eubula darstellen, sondern
um dem seine Irrlehre durch Magie unterstützenden Simon ent-
gegenzutreten, so setzen sie sich über ihre eigne Erzählung hin-
aus, die nur jenen Zweck der Romreise Petri hervorhebt, und
weisen auf unsre Π, Π, zurück ^ Indem sie weiter von Simon
sagen, daß er „wiederum"^ den Aposteln zuvorgekommen sei^,
gehen sie auch hier über ihren eignen Bericht hinweg und
knQpfen an die Darstellung der Π, Π, (nicht der Pseudoklemen-
tinen, wie Hilgenfeld will) an, wonach ja Simon stets das prae-
venire spielt, während Petrus ihm auf dem Fuß folgt ^. Völlige
Übereinstinmiung besteht, wenn man in der Erzählung der Actus
Petri von dem Assistenten des Petrus, Paulus, absieht, und statt
der Mehrzahl die Einzahl (d. i. Petrus) einsetzt^.
Noch ein bedeutsames Zusammentrefi'en beider Berichte be•
steht hinsichtlich der göttlichen Verehrung, die Simon in Rom
genießt.
Zweifellos setzen unsre Π. IL eine genaue Kenntnis der
Jusiinechen Erzählung voraus, wonach Simon eine Bildsäule in
1) Vgl. Lips. a. a. 0. II 1. 170 sowie nach Hilgenfeld Act. Petr.
c Sim- p. 49 1. 24 sq. Petra, quem tu ejeeisti de Judaea adprobatum magum
SimoDeiDi iterum praeoccupavit vos (apostolos) Romae.
2) 8, Anm. 1.
3) R 3βδ Qoia • . . Simon egressus est, aures gentilium, qui ad sa-
lutent vocati sunt, praevenire, necesse est, et me (bc. Petrum) vestigia
ejoe insequi.'
A) So Hilgenfeld a. a. 0. B35.
13*
196 Waitz, Die Pseudoklementinen.
Rom errichtet worden sei^ und sie können ihre Kenntnis nn
aus dieser Justinschen Erzählung geschöpft haben, da sie, wi
bekannt, auf einem Mißverständnis ihres Verfassers beruht, de
eine dem sabinischen Gott „Semoni sancto Deo" geweihte Statu
für ein dem Simon errichtetes Standbild ansah. Nun wissen abe
auch die Actus Petri γοη einer Bildsäule zu erzählen, die dei
Simon in Rom errichtet worden ist^. Lassen sie zwar diese Bilc
säule nicht von Senat und Volk auf der Tiberinsel, sondern tc
dem Senator Marcellus in seinem Hause errichtet werden, s
geben sie ihr doch eine Inschrift, die offensichtlich derjenige
nachgebildet ist, weiche dies fragliche Siraonstandbild nach Jv
stins Bericht trug^. Also auch sie gehen auf Justins Bericl
zurück, wenn sie ihn auch willkürlich ändern.
Dies führt uns aber zu einer weiteren Berührung beid^^
Akten, die sich auf die chronologischen Angaben über die Ar
kunft des Simon bezw. Petrus in Rom bezieht
Der klementinische Redaktor verlegt sie allerdings de -
Helden seines Romanes zu lieb in die Zeit des Tiberius^, di
/7. /7. dagegen in die Zeit des Klaudius (41—54). Dazu dai.
man freilich nicht mit Lipsius'' die Notiz R I43 heranziehec
indem man die septimana annorum, die bis zum Zusammentritt de
Ί) Man vergleiche
Justin Ap. 1 26 R 2 9 R 3 68 1 Η 2 27
i-r Tg πόλει ν- ' adorabor, ut deus, ! rogabat, . . . seRo- πρώτον μh^* valß
/(ώ)' /9ασ^/(^£ *Ax)• I publice divinis do• mam petere; ibi;^a2 ανδριάντα
μι^ ^εός ένομίσθ-η ι nabor honoribus,
καΐάνδριάντι παρ* \ ita ut simulacrum
νμΰ)ν ώς Θ^εός τε- j mihi statuentes
τίμηται. cf. c. 56. : tanquam deumco• I divinis publice do•
' lant et adorent. , netur honoribus.
enim in tantum
placiturum , ut
deus putetur et
ημών χατααχει
ασΘ-ί/ναι (c: χα
ταξιωθ-ήναι) »ο
&εονς vopua&^vo
χαΐ vnd βασιλέω
όοξασΘ-ηναι χι
δημοσίων τιμώ
χαταξιω9•ήναι c
H2S8 »εός ehe
ι ,οϋ δνναβαι,
2) Vgl. Act. Petr. c. Sim. Ic. p. 57 1. 25.
3) A. P.: Simoni juveni deo. Justin: Simoni deo sancto.
4) Vgl. Hie. R 1 6. Η 47 cf. 128.
5) Jahrbücher fiir prot. Theologie 1876, 643 f. und Apokryphe Apoete
geschichten II 1. (>{).
Ιί, 2, 3. Der Charakter. 197
Apostel in Jerusalem seit der Passion des Herrn vergangen sei,
▼on 7 auf 12 Jahre verlängert. Denn abgesehen von der Unzu-
läseigkeit dieser Korrektur ist diese Stelle für unsre /7. /7. ohne
Belang, da sie im 7. Buch der K. Π, und darum in keinem lite-
rarischen Zusammenhang mit unsern /7. Π. steht Sicher führt
uns in die Zeit des Klaudius die oben angeführte Erzählung von
der gottlichen Verehrung des Simon in Rom. Haben unsre Π, Π.
nämlich sie z. T. wirklich aus Justin geschöpft, dann müssen sie
auch die andre Bemerkung Justins gekannt haben, die mit jener
im engsten Zusammenhang steht, daß dem Simon unter dem
Kaiser Klaudius ein Standbild errichtet worden sei. Sie haben
sie nur deshalb mit Stillschweigen übergangen, weil sich nach
ihrem Bericht Simon damals, als er sich seiner göttlichen Ehrung
in Rom rühmte, noch gar nicht in Rom, sondern in Cäsarea be-
&Dd. Mit dieser chronologischen Fixierung der Simon-Petrus-
geschichte in unsern /7. /7. würde auch die Erzählung von der
Beichte Simons in Cäsarea bezw. Antiochia vortrefflich stimmen,
falls diese, wie noch im Folgenden gezeigt werden wird, mit dem
Bericht der Apostelgeschichte (Act. 820-24) von der Beichte Si-
mons in Samarien im Zusammenhang steht. Denn auch diese
Beichte Simons kann in keiner späteren Zeit als der des Klaudius
angesetzt werden. —
Was nun die Actus Petri cum Simone anlaugt, so verlegen
sie zweifellos ihre Erzählung in die Zeit des Nero (54 — 68),
indem sie sie mit dem Martyrium des Petrus in Rom unter Nero
TerknQpfen. Aber ist dies, wie wir noch sehen, weiter nichts als
eine willkürliche Kombination, die mit dem historisch feststehen-
den Datum von der Ankunft Simons unter Klaudius in einem
nnlosbaren Widerspruch steht, so findet sich in den Petrusakten
selber eine Notiz, die mit dieser Zeitbestimmung sich schlecht
zusammenreimen läßt. Denn es steht hier nicht nur die Angabe,
die nach Hilgenfeld^ aus dem antijudaistischen Κήρυγμα Πέτρου
stammen soll, daß der Auferstandene den zwölf Aposteln befohlen
lu^e, erst nach 12 Jahren Israel zu verlassen und in die Heiden weit
zu gehen ^, sondern auch die weitere Bemerkung, daß Gott den
Petrus schon in Jerusalem instruiert habe: adimpletis XIl. annis.
1) Vgl. Hügenfeld a. a. 0. 333.
2) Ed. Lip8. et Bonnet p. 30.
I
198 Waitz, Die Pseudoklementinen.
quod (1. quot) illi praeceperat dominus ^ Mit Recht bemerk.
Hilgenfeld hierzu, daß der Verfasser der Petrusakten diese Arm
gäbe, die den Simon und Petrus in Rom schon unter Klaudiia
zusammengekommen sein läßt, aus einer andern Schrift aufge
nommen hat. Diese „andre Schrift" ist aber dieselbe, die -wi
in unsem /7. /7. gefunden haben. M. a. W.: Auch die Actus Peta
cum Simone, wie sie von Lipsius herausg^eben sind, müssen
ursprünglich die Simon-Petruslegende in die Zeit des Elaudia
verlegt haben, wie auch unsre Π. Π, Erst ihre Verknüpfunp
mit dem Martyrium des Petrus hat jene Veränderung veranlaßt
durch die sie in die Zeit des Nero versetzt werden.
Über den Ausgang der Simon-Petrussage schweigen sict
unsre /7. Π. aus, oder vielmehr erzählen uns in der Gestalt
wie sie uns in den Klementinen vorliegen, nichts, weil sie es
sich gefallen lassen mußten, daß sie der Autor des Klemens-
romanes im Interesse seiner Erzählung ihres Schlusses beraubte
Doch läßt sich wenigstens die negative Behauptung aufstellen
daß sie das Ende ihrer Erzählung keinesfalls, wie die übrigec
Petrusakten, mit dem Martyrium des Petrus in Rom verbanden
Das ist schon dadurch ausgeschlossen, daß sie in der Zeit de:
Klaudius spielen, während das Martyrium des Petrus nur ir
die Zeit des Nero fallen könnte. Dazu kommen aber noch andr^
Beobachtungen: Erscheint nämlich Petrus nach unsem /7. 13
überall, wo er gegen Simon auftritt, als der Sieger, der mi
seinem Gegner auch das Heidentum überwindet und seine An
bänger zu Christen macht, so muß er nach der inneren Logik
der Darstellung schließlich auch in Rom den Simon besiegt und
die christliche Gemeinde etabliert bezw. retabliert haben. Isi
außerdem in Antiochia der vom Kaiser entsandte Hauptmann
Kornelius sein Verbündeter im Kampfe gegen den Magier, sc
kann nicht wohl in Rom der Kaiser sein Gegner gewesen sein-
der ihn zum Tode verurteilt. Haben unsre 77. 77., wie es uns
sicher erscheint, die Simon-Petruslegende in Rom zum Abschluß
gebracht, so können sie nicht viel mehr erzählt haben, als was
etwa die Didaskalia 67.8.9-, die auch sonst auffallige Berührungen
1) Act. Petr. c. Sim, Ic. p. 40 1. 21 eq.
2) Vgl. Lagarde bei Bunseii, Analecta antenicaena. II !>2δ; auch Hil-
gepfeld a. a. 0. 338 f.
II, 2, 8. Der Charaktei. I99
mit unsem Π. Π. zeigt ^, erzählt, daß Simon die Gemeinde in
Rom, indem er viele abwendig machte, verwirrt und auch viele
Heiden durch seine Vorspiegelung, er könne fliegen, für sich ge-
wonnen habe, daß er aber einst bei einem derartigen Fliegver-
siich auf die Beschwörung des Petrus: έν δυνάμει τον ονόμα-
τος ^hjöov τας δυνάμεις ύου ^ιεριχό^ιτω herabgestürzt sei und
die Fußsohlen zerbrochen habe. Vielleicht haben sie aber auch
einen Ausgang gefunden, wie er in den Petrusakten erzählt
wird, daß Simon, in der Absicht, als der Ιατώς eine Himmel-
fahrt zu unternehmen, auf das Gebet des Petrus abgestürzt und
so nach etlicher Zeit gestorben sei 2. Wenn auch in den /7. Π.
von den Flugkünsten und Flugversuchen Simons die Rede ist^,
haben sie sehr wohl den Simon daran sterben lassen können. —
Wie aber auch die Simon-Petruslegende nach den /7. Π.
geendet haben mag, das ist sehr wahrscheinlich, daß sie mit
dem römischen Martyrium des Petrus nichts zu tun hatten,
und das ist sicher, daß sie Paulus auch nicht mit einem Wort
erwähnten. Wie aber ist alsdann bei diesen bedeutsamen Uber-
Γ) 1. Simon trifft mit Petrus allein zusammen, and nicht mit Jo-
hannes, wie es die kanonische Apostelgeschichte erzählt, noch auch
mit Paulus, den die Actus Petri cum Simone anführen.
'J. Das Zusammentreffen erfolgt nicht in Samarien, sondern in Je-
rusalem, wohin, wie das koptische Fragment, so auch die 77. 77. wenig-
stens hindeuten; vgl. Act Petr. c. Sim. Ic. p. 40 1. 22, p. 71 1. 14.
3. Petrus und Simon (hezw. ol περί Σίμωνα) ziehen hintereinander
in die Heiden weit hinaus, um sie für sich zu gewinnen. Dabei kehrt
allerdings die Didaskalia das Verhältnis, wie es bei 77. 77. vorliegt, um,
indem sie dem Simon (und Kleobius, sowie Simons Schuler) nach der
Interpretation der Stelle durch Hilgenfeld a. a. 0. 33<Sf., hinter dem
PetruB herziehen lassen, statt ihm voran.
2) Aci Petr. c, Sim. Ic. p. 82 1. 26 sq. bezw. p. S4 1. 9 sq. Der Be-
richt in den Act. Petr. c. Sim. ist gegenüber dem der Didaskalia weiter
aaagebildet, wie Hilgenfeld a. a. O. 330 richtig hervorhebt, aber doch mit
ihm nahe verwandt.
3) Vgl Η 2m, R2 32. 3 57. Es sei bemerkt, daß bereits die alte rö-
mische Quelle, welche in Irenaeus adv. haer. I 23. 1 ff. und Carm. adversus
Marc. 1 158 ff. vorliegt, von diesen Fliegkünsten Simons zu erzählen weiß,
wohl auf Grund von Justins Sjntagma. Vgl. dazu Act. Petr. c. Sim. ed.
Lipeios et Bonnet p. 80 1. 36 sq., p. 82 1. 5 ; Mart. Petr. et Pauli Ic. p. 144
L 10 sq.; Act Petr. et Paul. Ic. p. 210 1. l sq., außerdem Lipius a. a. 0.
IT 1. 193. WX 209. 210. 223. 301.
200 Waitz, Die Peeudoklementinen.
einstimmungen einerseits und bei diesen ebenso gewichtigen Ä.
weichungen andrerseits, das Verhältnis unsrer Π, Π. zu d«
übrigen Petrusakten zu bestimmen?
£ine geistvolle Lösung dieses Problems, das zwar so exp.
cite wie von uns noch nicht gestellt werden konnte, solange mi
das Verhältnis der Π. Π. zu den Klementinen nicht erkan.
hatte, das aber implicite gegeben war, insofern man die Bezi
hungen der Klementinen — und damit auch unsrer Π. Π, -
zu den Petrusakten ins Auge faßte^ war zweifelsohne diejenig
welche die Tübinger Schule auf dem Wege der Tendenzkrit
suchte: Simon in den judenchristlichen Klementinen (bezw. ΙΙΛ
und in den ebionitischen Petrusakten ist Niemand anders a
der Apostel Paulus, der unter dieser Maske von Petrus bekamp
wird. Da er jedoch als solcher in der katholischen Kirche ihr
konziliatorischen Tendenz gemäß nicht mehr bekämpft werd<
kann, tritt in den katholischen Petrusakten Paulus an die Sei
des Petrus, um mit ihm zusammen den Simon zu bekämpfe
der dann natürlich nicht mehr als ein verkappter Paulus au
gefaßt werden kann. Aber so geistvoll diese Lösung ist, so kai
sie doch, wie der folgende Abschnitt noch im einzelnen zeig«
wird, auf diesem Wege nicht gefunden werden. Viel besser wii
der Weg der Literarkritik zum Ziele führen. Dabei gelang«
wir nun zu folgendem Ergebnis: Besteht, wie dargelegt, ζ wisch«
unsern /7. Π. und den Actus Petri cum Simone, bezw. di
übrigen Petrusakten (das koptische Fragment mit eingeschlossei
ein gegenseitiges literarisches Abhängigkeitsverhältnis, so kai
dies angesichts der nachgewiesenen Differenzen nicht derart sei
daß unsre /7. //. einen — uns verloren gegangenen — Teil Jen
andern Akten darstellten, etwa den mittleren Teil, wie d
koptische Fragment nach Schmidts Ausführungen den Anfai
derselben gebildet hat. Vielmehr, sind unsre /7. 77. mit den übrig«
derart verwandt, daB sie sich vielfach als die ältere und ursprün
liebere Gestalt derselben nachweisen lassen, so werden wir s
als eine alte Quellenschrift der Petrusakten kennzeichnen dürfe
die rein und frei von späterer Überarbeitung in einem umfau
reichen Fragment in unsern Klementinen enthalten und dara
herauszuschälen ist, die in späterer Überarbeitung in den alt
Petrnsakteu, insbesondere Actus Petri cum Simone (das koptiscl
Fragment eingeschlossen), vorliegt, aber mit Hilfe unsrer 77. .
π, 2, 3. Der Charakter. 201
auch hier auf ihre ursprüngliche Gestalt zurückgeführt werden
kann.
In dieser ürgestalt der Petrusakten stehen sich nur der
Magier und Pseudomessias, Simon, und der wundertätige Apostel
des wahren Messias, Petrus, gegenüber, indem jeder mit seiner
Predigt wie mit seinen Wundern und Zeichen das Volk für sich
zu gewinnen sucht. Aber überall, wo Simon auftritt, in Jeru-
salem, Cäsarea, Antiochia, Rom, wird er von Petrus besiegt, bis
er in letzter Stadt sein £nde findet.
Ihrem Charakter nach rein katholisch und antignostisch,.
wie dies, im Gegensatz zu Lipsius und Zahn, namentlich Harnack^
Erbes und Schmidt auch hinsichtlich der späteren Petrusakten
nachgewiesen haben ^, mußten diese ursprünglichen Petrusakten
im Laufe der Zeit eine doppelte literarische Verbindung eingehen.
Im Elemensroman wurden sie mit den ausgesprochen judaisti-
sehen Κηρύγματα Πέτρου verbunden und nahmen dadurch eine
Färbung an, die sie selber als ein judenchristliehes Machwerk
erscheinen lassen konnte, wie sie denn auch so von der Tübinger
Schule betrachtet wurden.
In den späteren sogenannten Petrusakten dagegen wurden
sie, wie überhaupt sagenhaft weiter ausgestaltet, so auch ganz
besonders mit einer Schrift verbunden, welche sowohl die Gestalt
des Apostel Paulus, als auch das Martyrium des Petrus einfügte,
und nahmen so jenen Charakter an, der sie zu einem petropau-
linischen Werk konziliatoriseher Tendenz umprägte.
Während aber die Κηρύγματα Πέτρου literarisch bezeugt
siad, mit denen die Π. Π, zu den Klementinen sich verbanden,
und daher auch die /7. /7. durch sie rekonstruiert werden können,
scheint es so, als ob diese petropaulinische Schrift, die in den
späteren Petrusakten erhalten sein soll, wie eine haltlose Hypo-
these in der Luft schwebe. Aber es scheint nur so: Schließen
sich nämlich, wie Hilgenfeld*^ und so auch Ficker'^ ganz richtig
beobachtet haben, die Actus Petri cum Simone mit ihrem Bericht
von der Freilassung des Paulus unmittelbar an die kanonische
1) Lipsius a. a. 0. II 84. 2:>sü'.; Zahn, Geschichte des neutestament-
liehen Kanone 1892, II S32if.; Harnack, Geschichte der altchristl. Littera-
terlll.W9fF.; Erbes, Ztschr. f. Kirchengesch. liMil. XXII Vy.ltt'.; C. Schmidt
a. 1^ 0. 111 ff.
2) a, a, 0. 325. 3) a. a. 0. 7.
[
202 Waitz, Die Pseudoklementinen.
Apostelgeschichte an, deren Ende die zweijährige Gefangenschaft
des Pauhis in Rom ist, und endigen sie mit der Erzählung von
dem Martyrium des Petrus, so werden sie zwar nicht, wie
C Schmidt*, Hilgenfeld*'^ und Ficker^ vermutungsweise aus-
sprechen, als die Schrift gelten können, auf die sich das murato-
rische Fragment in Zeile 34 — 40 mit den Worten bezieht: Acta
autem omnium apostolorum sub uno libro scribta sunt Lucas
obtime Theofile (1. optimo sive optime Theophilo) comprindit
(1. comprehendit), quia sub praesentia ejus singula gerebantur,
sicuti et semote passionem Petri evidenter declarat, sed et pro-
fectionem Pauli ab urbe ad Spaniam profisciscentis*. Denn so
gewiß, wie Ficker richtig sagt und auch Hilgenfeld annimmt,
schwerlich eine andre Schrift als die Actus Petri ausfindig ge-
macht werden kann, in der, wie nach der Charakteristik des
muratorischen Fragments, von Petri Märtyrertod und von der
Heise des Paulus nach Spanien, aber nicht auch von Pauli Mar-
tyrertod die Rede ist, so gewiß können sie — einerlei ob mit oder
ohne das koptische Fragment — nicht in dem muratorischen
Fragment gemeint sein, indem dieses ja alsdann ihren Haupt-
inhalt, den Wettstreit mit Simon, völlig unerwähnt lassen würde.
Wohl aber können wir in der hier neben unsrer kanonischen
Apostelgeschichte erwähnten Passio Petri et Profectio Pauli ab
urbe ad Spaniam profisciscentis deutlich die Schrift erkennen,
welche mit den petrosimonianischen /7. Π, zusammen den Grund-
bestandteil der späteren Actus Petri gebildet haben. Ehe wir
jedoch darauf näher eingehen, müssen wir unsre Behauptung
sichern, daß unsre Π, /7. wie überhaupt alle Petrusakten keinen
antipaulinischen Charakter an sich tragen.
4. Das antipaulinische Simonbild in den Πράξεις Πέτρου
und in der aitkirchliclien Literatur.
Zur Sicherung unsrer Ergebnisse über den Charakter der
/7. Π, haben wir noch ihr Simonbild zu betrachten, wobei wir
zum Vergleich auch das Simonbild der übrigen — kanonischen
und apokryphen — Akten heranziehen.
Ein Fundamentalsatz der Tübinger Schule, den wir schon
im Vorübergehen gestreift haben, mit dem wir uns jetzt noch
1) a. a. 0, 10-1 f. 2) a. a. 0. 32.'. :]■ a. a. 0. 7.
4) Weiteres darüber s. u. § 5, S. 210 tf.
II, 2, 4. Das antipaulinische Simonbild in den Πράξεις Πέτρου usw. 203
eingehender befassen müssen \ ist, daß es sich bei dem Verhältnis
zwischen Petrus und Simon, wie es die Klementinen und so be-
sopders die von uns den Π. IL zugewiesenen Abschnitte dar-
stellen, um nichts anders als um einen Kampf zwischen Petrus
und Paulus, der sich hinter der Maske des Simon verberge,
handle. Der Simon, der vor Petrus fliehe, sei niemand anders
als Paulus, dessen gesetzesfreies Christentum durch das petrinische
Jndenchristentum verdrängt werden solle.
Auf diesen Fundamentalsatz hat dann die Tübinger Schule
mehr oder weniger ihre ganze Konstruktion von der Geschichte
des apostolischen und nachapostolischen Zeitalters aufgebaut, wie sie
uns in ihrer einseitigsten Ausprägung Schwegler dargestellt hat.
Es ist daher von Wichtigkeit zu wissen, wie es sich damit
verhalt. Nun haben wir bereits den Wahrheitskem dieser Auf-
fassung des Simonbildes in den Klementinen in unsrer Unter-
suchung über die Κ Π, herausgestellt. In der Tat ist der Simon
der K. Π., insoweit sie nicht antimarcionitisch bearbeitet sind,
kein andrer als Paulus, dessen άνομος διδαύχαλία durch das
νομιμον χηρνγμα des Pseudopetrus widerlegt werden soll (Ep.
Petr. 2). Aber so sicher dies steht, so sicher hat der Simon
der /7. /7. nicht das geringste mit Paulus zu tun. Das ergibt
sich schon aus dem Grundgedanken der //. //.
Denn bei dem ganzen Kampf zwischen Petrus und Simon
handelt es sich gar nicht um den Gegensatz zwischen gesetzlichem
und gesetzesfreiem Christentum, zwischen Judentum und Univer-
salismus. Petrus denkt ebensowenig wie Simon daran, den von
ihm bekehrten Heiden das jüdische Gesetz aufzulegen, indem er
sie einfach auf ihren Glauben hin tauft. Vielmehr besteht nur
ein Gegensatz zwischen dem in göttlicher Kraft sich erweisenden
apostolischen Glauben und dem auf magische Kunst sich stützen-
den Pseudomessiastum des Samaritaners. Demgemäß wird auch
1] Am sch&rfBten hat ihn Lipsius in dem Artikel ,, Simon'' in Schen-
l^els Bibellexikon ausgeeprochen , aber auch noch in den „Apokryphen
Apoctelgetchichten" a. a. 0. II 1. 28 fi*., wenn auch modiiiziert, behauptet.
Auch Hilgenfeld hat sich noch kürzlich in der Zeitschrift für wissenschaftl.
TheoL XLVI, 1903, 330 f zu dem Simon qui et Paulus in den pseudo-
klementiniechen Schriften bekannt, ebenso V. W. Schmiedel in Cheyne,
t^DCjclopaedia Biblica unter Simon Magiis 4Γ)4θ84., 1Γ)Γ>(» sq. und Simon
Peter 462i> sq.
204 Waitz, Die Pseudoklementinen.
Petrus von Simon nicht als der Verkündiger einer Gesetzes-
predigt, sondern nur als ein Magier höherer Ordnung bekämpft,
der aus göttlicher Kraft Kranke heilt u. dgl.; und als die von
Simon bekämpfte Lehre wird nicht irgend ein Judaismus, son-
dern die von der Totenauferweckung bezeichnet, wogegen Paulus
niemals polemisiert hat. Ebenso ist es mit Simon. Wird er auch
hier als der Vorläufer des Petrus unter den Heiden bezeichnet^
ähnlich wie in Κ Π. (112 η. as. 1 1 πδ), so ist doch seine Aufgabe
nicht, wie Η 2i7 (cf. R 36o) das Evangelium unter den Heiden
zu verkünden, sondern nur seine magischen Zauberei^ zu pro-
duzieren und so die Gemüter für seine Lehre zu gewinnen. Über-
haupt ist er nichts anderes als Goet und Pseudomessias , wie er
von vornherein (H 2, R 2) charakterisiert wird.
Aber auch die einzelnen Züge des Simonbildes sind nicht
auf Paulus zu deuten.
Wenn Meyboom in seiner synoptischen Übersetzung der
Klementinen^ zu den Stellen in den Homilien und Rekognitioneiiy
in denen Simons magische Künste aufgezählt werden, Stellen
aus den paulinischen Briefen anführt, wie dies hier — doch
lange nicht in demselben Umfang — vor ihm Lagarde getan
hat 2, so scheint er hier überall versteckte Anspielungen auf den
Apostel Paulus zu erkennen. Was aber, so muß man sich fragen,
hat es mit dem Satz 1 Cor. 10 12: wer da meint zu stehen, sehe
wohl zu, daß er nicht falle, die Selbstbezeichnung des Simon
als ίοτώς bezw. οτηοόμερος (Η 22>) zu tun? Was anders, als
daß das Partizip Ιατώς bezw. οτηοόμενος in H, sich von dem
1 Cor. JO12 erwähnten Verbum ίοτάναι ableitet?! Wie kann die
Lehre Simons von der Verwerfung Jerusalems und der Er-
wählung des Garizim als Kultstätte (H 222) mit der allegorischen
Deutung des Sinai und Jerusalems in GaL 4 24 f. nur in Gedanken
zusammengebracht werden? Wie sollen sich die Rutenhiebe
des Dositheus, die durch den Körper des Simon wie durch Rauch
hindurchgehen (H 224), mit den Rutenhieben zusammenreimen,
die Paulus 2. Cor. Wih erwähnt? Wie sollen der Tempel und
die Bildsäulen, durch die - - nach Justins Bericht! — Simon in
Rom geehrt wird (H 227). mit dem himmlischen Bau unsres Leibes^
1) ^'gl. U. L. Meyboom, De Clemens-Roman. I 76 f. Groningen 1902.
•J' Vgl. seine Ausgabe der Klementinen.
U, 2, 4. Das antipaulinische Simonbild in den Πράξίΐς Πέτρο ν usw. 205
von dem Paulus 2. Cor. 5i redet, oder mit unserm Leib als dem
Tempel des heiligen Geistes (1. Cor. 619) verbunden werden? Wie
auch die gottliche Verehrung, die Simon — ebenfalls nach Ju-
stins Bericht! — in Rom genießt (H 227), mit der göttlichen
Verehrung, welche nach Act. 14 η die Bewohner von Lystra dem
Bamabas und Paulus wollten zu Teil werden lassen? Oder wie
die Beschenkung mit unbegrenzten Reichtümern, die er in Rom
verheißt (H.227), mit der Bemerkung des Paulus, daß er als
Armer Viele reich machen könne (2. Cor. 610. Phil. 4 10)? Wie
ist die Erzählung von Simon, daß er, wenn er sich im Feuer
walzt, nicht brenne (H 283), zu vergleichen mit den paulinischen
AosfÜhrungen, daß man feurige Kohlen aufs Haupt seines Feindes
sammeln soll und daß er, Paulus, gezüchtigt und doch nicht er-
tötet sei (Rom. 1220 [= Proverb. 2522!J; 2. Cor. 69), bezw. mit
der Erzählung der Apostelgeschichte, daß er eine Schlange, welche
aas dem Reisig kam, das er aufs Feuer gelegt, ins Feuer ge-
worfen habe, ohne daß ihm ein Übel widerfuhr (Act 28 3 ff.) V
Was hat es mit einander zu tun, wenn Simon bisweilen fliegt
oder in eine Ziege sich verwandelt (H 232, R 29) und wenn Paulus
im Geiste verzückt und bis zum 3. Himmel entrückt wird
2. Cor. 122-11) oder lehrt, daß wir alle am Tage der Wiederkunft
Christi verwandelt werden (1. Cor. 155i) und daß die Menschen
lind Tiere eine andere οάρξ haben (1. Cor. 1539)? Und mag auch
zu dem Bericht, daß Simon verschlossene Türen öffne (H 232)
die Erzählung der Apostelgeschichte von dem Erdbeben, das
dem Paulus in Philippi die Kerkertür öffnete (Act 16 2β), zum
Vergleich herangezogen werden — ohne jede Berührung steht
die Erzählung, daß Simon bei Gastmählern auch Bilder allerlei
Art erscheinen lasse (H 232), zu der Stelle Rom. 921, daß der
T5pfer Macht habe, aus dem Ton zu machen, was er wolle. Wenn
aofierdem nach R29 Simon auch zweierlei Gesichter annehmen
kann, so fragt man sich, worin eigentlich hier eine Anspielung
aof das Wort des Paulus liegt, daß er Allen Alles geworden sei
(1. Cor. 9m). Oder wenn nach derselben Stelle Simon sehr viel
Gold machen kann, wie soll man dabei an die Kollekte des Paulus
für die Jerusalemer Armen denken (Rom. 1525-27)?
Es leuchtet ein, daß die Deutungsversuche, die Meybooni zu
diesen Ausflihrungen der /7. /7. in Η und R gibt, durchaus ge-
künstelt sind. Wären sie zutreffend, dann müßten sie auch für
2θ6 Waitz, Die PseudoklementiAeii.
andre AusfÜhrangen, die in demselben Zusammenhang und von
derselben Art sind, gegeben werden können. Aber trotz aller
ersichtlichen Mühe, die sich Meyboom gemacht, um in all den
Erzählungen von Simons Zaubereien versteckte boshafte Anspie-
lungen auf Worte und Taten des Paulus zu finden, ist es ihm
nicht gelungen, solche auch in den Bemerkungen von Η und Κ
zu entdecken, daß Simon Steine zu Brot machen, oder Statuen
wandeln lassen oder selbst zur Schlange werden oder sich in
Gold verwandeln oder £isen zerbrechen oder häusliche Geräte
durch unsichtbare Hände herbeischaffen oder durch Berge und
Felsen hindurch wandeln, kleinen Kindern Barte anzaubern, un-
sichtbare Hunde bellen lassen kann^. Müssen aber diese Bemer-
kungen ohne alle TJmdeutung als das gelten, was sie sind, Be-
merkungen zur Charakteristik simonianischer Magie, dann dürfen
auch die andern, die mit ihnen auf völlig gleicher Stufe stehen,,
nicht als tendenziöse Anspielungen auf Paulus umgedeutet werden.
Das darf um so weniger geschehen, als sie zum Teil, wie schon
oben angedeutet, auf Berichte über Simon, wie auf Justin,
zurückgehen, in denen eine versteckte Polemik gegen Paulus zu
finden noch Niemand eingefallen, zum Teil ihre sie völlig er-
klärende Parallele in den Erzählungen z. B. eines Gelsus oder
Lucian über die Zauberkünste zeitgenössischer Gaukler und
Magier, wie des Alexander von Abonuteichos u. A. haben*-.
Dasselbe, wie von diesen Nachweisen Meybooms, gilt auch von
den Ausführungen, durch die Lipsius seine These decken will, daß der
Simon der Klementinen paulinische Züge an sich trage. So soll
es nach ihm eine spöttische Anspielung auf das Wort des Paulus
vom neuen Mensehen sein (2. Cor. 5 17, Gal. 615), wenn Simon er-
klärt, aus dem von ihm für seine nekromantischen Zwecke ge-
töteten Knaben einen „neuen Menschen" machen zu können*^;
aber abgesehen davon, daß dieser Ausdruck nur in H, nicht aber
in R vorkommt, so beweist er noch lange nicht, daß hier an
paulinische Begriffe zu denken ist. Vielmehr ist diese Behaup-
tung Simons im Zusammenhang mit seinen Prahlereien von
seinen magischen Kunststücken im eigentlichsten Sinne desWortes,^
1) S. o. S. 172 und Anin. '>, 2) Vgl. dazu Ficker a. a. 0. 2utt.
3) \'gl. Η 2 26. R 2 13. 3 44. Meyboom zieht zum Vergleich noch Eph.
2 15. 4 24, Kol. ο 10 heran.
Η, 2t 4. Das aDtipauliniscbe Simonbild in den Πράξίΐς Πέτρον usw. 207
ohne jeden Hintergedanken, aufzufassen. Mit größerem ßecht
könnte in der Bezeichnung Simons als vas electionis (οχεϋος
έχλογης\ aber nicht Gottes, sondern des Teufels, eine Anspielung
auf die Bezeichnung des Apostels Paulus (Act. 9 10) gefunden
werden. Aber der Kontext läßt keinen Zweifel, daß nur an den
Simon der Apostelgeschichte gedacht werden kann (Act. 813)»
Oder wie könnte von Paulus gesagt werden, daß er früher an
Jesus und an die Unsterblichkeit geglaubt habe, jetzt aber nicht
mehr daran glaube? Mag also auch der Ausdruck aus Act. 9 15
entlehnt sein, eine Beziehung auf Paulus kann hier nicht vor-
liegend
Ebenso soll in der Erzählung von Erkrankungen, die durch
Genuß des von Simon dargereichten Opferfleisches entstanden
(H 44. 78.8), ein boshafter Hinweis auf das diesbezügliche Verbot
des Paulus 1. Cor. 8 4 ff. 10 20 ff. liegen. Doch gibt Η Ta selber für
diese Erkrankungen die richtige Erklärung, wenn hier bemerkt
wird, daß Jeder durch Genuß von Opferfleiscb unter die Herr-
schaft der Dämonen und ihres Obersten, des Teufels, gerät. Dem*
nach wird die paulinische Anschauung nicht nur nicht persifliert
sondern im Gegenteil geradezu herübergenommen, wie auch die
Warnung vor der Teilnahme am „Tisch der Dämonen" {τραπεζη
δαιμορωρ), die in diesem Zusammenhang der Π. Π. wiederholt
ausgesprochen wird (H Ta.h), ofl'ensichtlich auf der gleichlautenden
Warnung des Apostels 1. Cor. 10 21 beruht.
Auch die Hauptstelle, der Widerruf Simons in Antiochien,.
ist nicht im geringsten eine ,.Karrikatur" des Gal. 2 uff. berich-
teten Streites zwischen Paulus und Petrus in Antiochien. Denn
das Motiv des Magiers für seinen Widerruf ist, wie Lipsius
selber zugesteht'^, aus der Simon geschieh te Act. 822-24, aber nicht
aus der Geschichte des Paulus bezw. Petrus geschöpft Aber
auch die angebliche Verleumdung des Petrus geht nicht auf die
Vorwürfe des Paulus (Gal. 2 uff.) zurück, die hier mit keiner
Silbe angedeutet werden; sondern es handelt sich nur um den
gewohnlichen, gegen Petrus erhobenen Vorwurf Simons, daß er ein
Magier und Goet sei. Die Prügel aber durch die Engel (so Η 20 ii•)
sind nicht auf 2. Cor. 12? zu deuten. Denn dort handelt es sich
1) Vgl. dazu wie zum folgCDclen auch Schiniedel 1. c. p. 4041 f.
i) Vgl. RIO 44. 61. H2U13. Lipsius u. 11. 0. JI 1. 14 f. Γ)1 f.
208 Waitz, Die PseodoklementineD.
um αγγίλοι ϋεον, hier um άγγελος 6ατανά\ dort um ein xoxcc-
φίζειρ, hier um ein μαοτιγονν. Vielmehr beruhen sie auf eiixer
weit verbreiteten Vorstellung, wie sie auch der Erzählung V>€i
Eus. h. e. V82 von dem häretischen Konfessor Natalios zugruo.de
liegt, von dem — in wörtlicher Obereinstimmung mit Η 20 lo»
aber nicht 2. Gor. 12? — erzählt wird: τελεντάΐον vxo ccflcav
αγγέλων ίμαοτιγώθ^η όι όλης της ννχτός χτλΑ Eine „Pex^i-
flage des paulinischen Stils^' kann in der Rede des Simon, in. so
allgemeinen und dem Zusammenhang nach geradezu nötigen
Wendungen, wie δέομαι νμών, J€aQaxaλώ νμας, εΐδέναι vf£cic
β-έλω^ auch nicht wiedergefunden werden, zumal sie auch soiast
sich in Η vorfinden (vgl. Η 13 6. Πβ)-.
Auch dem Auftrag des Hauptmanns Kornelius, den SiocBOii
gefangen zu nehmen, kann nicht mit Lipsius^ eine dunkle
miniszenz an Act. 21 33. 2323ir. zugrunde gelegt werden. Denn
innert dieser Hauptmann mit seinem Namen an den Act. 10
wähnten Hauptmann Kornelius von Cäsarea, den Η 20 is xn^*
dem Mt. 8δίτ. genannten Hauptmann von Kapernaum in eirt^i^
Topf wirft, so kann er nicht mit dem Act. 21 und 23 genanaii^*^
Hauptmann identisch sein, der den Paulus in Cäsarea gefan^^^
nahm. Überdies befindet sich dieser Hauptmann gar nicht ^^
Cäsarea, wie er auch nach der Darstellung in Η 20 la nur ^^
dem Statthalter geschickt ist^, sondern in Antiochia und will ^^
nicht den Simon gefangen nehmen, sondern läßt nur durch Pefc^^^
das Gerücht aussprengen, daß er dazu gekommen sei; schließli^'^
wird auch Simon gar nicht verhaftet, sondern entflieht.
Wenn endlich Lipsius^ in der Reise Simons nach Rom ^^^
Oegenbild zur Reise Pauli sieht, so verkennt er selber m<5•^*^
daß Simon nicht, wie Paulus als Gefesselter, sondern als Fr^^®^
dorthin zieht, zudem muß er selbst bekennen, daß die Dar8tellia.^ve
da, wo sie auf die römische Wirksamkeit des Magiers
1) Vgl. Langen a. a. 0. 6^1 Anm. 1.
2) Vgl. Gal. 4 12 (jedoch auch Act 8 m), Rom. 12 1, 1. Qot, 4=
Eph. 4 1; 1. Cor. 11 3, Col. 2 1 sowie Η 18 22. 19 2δ. 20 18. 19.
3) a. a. 0. II 1. 47, vgl. R 10 55. 59. Η 20 13.
4) Η 20 13 nennt ihn τυν zfj^ επαρχίας ^γούμενον, RIO 65 praesi^
<Jaesareae. Letztere Bezeichnung scheint aus dem Zusatz E. 20 iS Str
KaiaaQEu: δαιμονωντα Ιάαατο υ κνοιος entstanden zu sein.
5) a'. a. 0. II 1. 48. .Vi f.
11,2,4. Das antipaulinische Simonbild in den Πράξεις Πέτρον usw. 209
nimmt, bereits deutlich das samaritaniscli-gnostische Simonbild
voraussetzt. „Denn es ist nicht der hinter der Simonsmaske ver-
borgene Paulus, sondern der Samaritaner aus Gitta, der sich
göttlich in Rom verehren läßt" (R 3 es).
Wenn er trotzdem meint, daß der von Petrus verfolgte Simon
nur der vom leidenschaftlichen Ingrimm des Juden Christentums
verfolgte Paulus gewesen sei, so läßt er völlig unerklärt, wie
es kommt, daß dieser Simon nur durch etliche, für die pau-
linische Mission unbedeutende Städte, wie Byblus und Tripolis usw.,
aber nicht durch diejenigen Gegenden verfolgt wird, wo er seinen
Briefen nach seine Hauptwirksamkeit entfaltet und auch die
schärfste Bekämpfung durch Judenchristen gefunden hat (vgl.
Gal. u. 1. Cor.). —
Wenden wir uns nun von den Π. /7. der kanonischen Apo-
stelgeschichte zu, so finden wir hier (Act. 89-2t) einen Bericht
Ober Simon, der von jeher als der geschichtliche Kern der Simon-
5age angesehen worden ist.
Allerdings hat Volkmar^ den Nachweis zu erbringen ver-
sucht, daß auch in dieser Geschichte nur eine boshafte Anspie-
lung auf Paulus zu finden sei. Wenn nämlich der durch Phi-
lippus getaufte Simon den Aposteln Geld dafür anbiete, daß sie
ihm nicht etwa nur die Gabe des heiligen Geistes, sondern die
Kraft, auch andern diese Gabe durch Händeauflegung zu spenden.
verleihen möchten, so sei damit Paulus gemeint, der ebenso den
Aposteln in Jerusalem Geld angeboten habe (vgl. seine Kollekte für
die Gemeinde in Jerusalem), um dadurch das Recht der Hände-
aaflegung und Geistesmitteilung, d. i. die Anerkennung seiner
apostolischen Würde, zu erlangen. Lipsius hat diesen Nachweis
ergänzt, indem er den Anspruch Simons ..ein Großer zu sein"
1) Theolog. Jahrbücher ΐΚδΟ, 279 ff. Vgl. dazu den Artikel „Simon"
in Schenkels Bibellexikon von Lipsius. Auch in „Apokryphe Apostelge-
schichten'' II. 1. .')2 meint Lipsius noch, daß die „Volkmarsche firklilrung
immer noch ihr Recht behalten wird'' mit ihrer antipaulinischen Deutung
des Simon, auch wenn, wie er zugibt, es sich auf keinen Fall beweisen
läßt, daß die Apostelgeschichte die antipaulinische Simonsage gekannt
hat Ähnlich meint Hilgenfeld in Zeitschr. f. wiseensch. Theol. a. a. 0.
.^fi5), der Redaktor der Apostelgeschichte habe den Magier Simon in den
Bericht Aber Philippas (Act. 8 5-8. sc ff.) eingeschaltet, weil Paulus bei den
Judenchrieten schon als der in das Christentum eingedrungene und sich
apostolitehet Recht anmaßende Magier Simon gangbar war.
TfiTte o. Untersachnngen. N. F. X. 4. II
210 Waitz, Die Pseudoklementinen.
durch den Gegensatz zu der Bezeichnung der Urapostel (oi cJo-
χονρτες tlvai τι Gal. 26) zu deuten versucht hat.
Ebenso hat noch kürzUch Schmieden diese antipauliniscbe
Tendenz von Act 8 «ff. weiter durchzuführen versucht. Die Be-
zeichnung Simons als der δνναμις ϋ^εον spiele darauf an, daLv
auch Paulus sein Evangelium als eine „Kraft Gottes" verkünde
(Rom. 1 16, 1. Cor. 1 18.24) oder selber den Anspruch erhebe, die
Kraft Gottes zu besitzen (2. Cor. 4?. 6?. 129. 13*, 1. Cor. 54).
Bei der plötzlichen Bekehrung Simons zum Christentum
könne nur an die des Paulus gedacht werden, unter dem Aus-
druck xXiJQog (Act. 821) könne nur nach Act. 1 17.26 das aposto-
lische Amt gemeint sein. Der Vorwurf des Petrus, das Herz
des Simon sei nicht aufrichtig vor Gott (Act. 821), habe eine Ähn-
lichkeit mit dem Vorwurf, den Paulus Gal. 2i4ff. gegen Petrus er-
hebe. Überhaupt sei der ganze Abschnitt nur ein Gegenstück zu
der Szene in Antiochien, und aus diesem Zusammenhang heraus
sei es zu verstehen, wenn Petrus dem Simon vorwerfe, er sei voll
bitterer Galle und Bande der Ungerechtigkeit.
Aber dieser ganze Erklärungsversuch, wie er seine Wurzel
und Stütze in einer Auffassung des klementinischen Simonbildes
hat, die auf dem falschen Ergebnis einer fehlerhaften quellen-
kritischen Untersuchung der Klementinen beruht, ist auch an
und für sich unhaltbar. Es sei darauf nicht weiter Gewicht ge-
legt, wie sonderbar es erscheinen muß, daß ein Schrifbsteller,
der, wie der Verfasser der Apostelgeschichte, auf der Seite des
Paulus steht, eine Erzählung aufgenommen habe, deren Spitze
gegen Paulus gerichtet ist. Man könnte sagen, er habe gerade
dadurch ihr diese Spitze abbrechen wollen. Aber unverständlich
bleibt es bei dieser Hypothese, nicht nur, daß der ganze Vor-
gang in Samarien spielt, sondern auch daß Simon, der durch
Philippus getauft ist, als Magier auftritt. Völlig fallt, wie auch
Lipsius zugeben muß und Schmiedel nicht ganz in Abrede stellen
kann, aus dem Rahmen einer antipaulinischen Tendenzlegende
die Bezeichnung Simons als der sogenannten großen Kraft,
welche wohl gnostischen Ursprungs ist. Umgekehrt stimmt das
Simonbild der Apostelgeschichte in allen wesentlichen Zügen
mit dem der 77. 77. Hier wie dort ist seine Heimat Samarien
1 ; In Encyclop. Bibl. 1. c. 4r).">7sq. Vgl. Schenkels Bibellexikon V 3iXk
\
11,2,4. Das antipaulinische Simonbild in den Πράξεις Πέτρου usw. 211
(Aci 89), hier wie dort ist er „Magier" (μαγενων), der lange Zeit
das Volk in Verwunderung setzt (Act. 811), hier wie dort heißt
er ή μεγάλη δύναμις (Act. 89.10), hier wie dort tut er Buße
(Act. 822.24). Seine Bitte um die Gabe der Geistesmitteilung aber
kann nicht weiter in Betracht gezogen werden, da die Erzählung
der Apostelgeschichte gerade an dieser Stelle stark interpoliert
ist, wie noch später (s. u. S. 223 f.) gezeigt werden wird. Will
man sie trotzdem heranziehen, so kann sie nur so aufgefaßt
werden, wie es dem Sinn der Erzählung entspricht, als eine
Bitte um die Kraft, Wander zu tun, bezw. diese Gabe an andere
zu verleihen. Dann aber ist sie nicht durch irgendwelche An-
sprüche auf die apostolische Würde, sondern nur durch die Ri-
valität zu erklären, welche nach den Π, Π, zwischen ihm, dem
Obersten der Magier, und Petrus, dem Oberhaupt der Christen,
besteht Ist aber in dem Magier Simon keine Anspielung auf
Paulus zu finden, dann auch nicht in dieser Bitte noch auch
überhaupt in dem Vorgang, der im Anschluß hieran erzählt wird.
Hinsichtlich der apokryphen Apostelgeschichten haben wir
bereits die nahe Verwandtschaft ihres Simonbildes mit dem
unserer Π, /7. nachgewiesen. Trotzdem hat Lipsius auch hier
antipaulinische Züge entdeckt, vor allem in den Akten des Petrus
und Paulus. Dabei weist er besonders (a. a. 0. Π 1. 360 f.), worin
ihm Schmiedel (1. c. 4543sq.) gefolgt ist, auf secf, 63 — 66 hin,
wo eine vor Nero sich abspielende Streitverhandlung zwischen
Simon einerseits und Petrus und Paulus andererseits über die
Beschneidung dargestellt wird. Indem er dabei in diesem Ab-
schnitt die Stellen als spätere Interpolationen herausnimmt, in
denen Paulus vorkommt, glaubt er in der übrig bleibenden Dis-
putation zwischen Simon und Petrus einen Nachhall des alten
Gegensatzes zwischen Paulus und dem durch Petrus repräsen-
tierten Judenchristentum zu bemerken. Hinter Simon sei hier
ursprünglich kein andrer als Paulus verborgen. Paulus sei der
έχθρας ανϋ^ρωπος^ der von Neid und Eifersucht gegen die
Apostel entbrannt sei (sect 65, cf. R I70), Paulus sei es, der Be-
schnittene ins Gefängnis übergab (sect 65, cf. Act Sn. 9if., R I70).
Paulus sei es, der, obwohl selbst beschnitten, die Beschneidung
bekämpft (Qal. 5 2 f. cf sect 22) usw. Petrus dagegen erscheine
hier als Anwalt der leiblichen Beschneidung. — Sehen wir zunächst
davon ab, ob Lipsius mit Recht den Paulus aus diesem Abschnitt
14*
212 Waitz, Die PseudoklementiDen.
entfernt hiit, so können wir auch in dem Überbleibsel nicht
dasselbe finden wie Lipsius. Wesentlich kommt es ja bei dessen
Beurteilung auf die Tendenz an. Nun besteht diese aber dem
ganzen Zusammenhang nach nicht etwa darin, eine Polemik gegen
oder für die Beschneidung ins Werk zu setzen. Simon erhebt
die Frage der Beschneidung nur zu dem Zweck, um das Ansehen
seines Gegners (bezw. seiner Gegner) in den Au^en des Schieds-
richters, des Kaisers, herabzusetzen. Wenn darauf Petrus (nach
dem Text eigentlich Paulus) zur Widerlegung Simons seinen
Gegner selber als Beschnittenen entlarvt und mit der Frage:
ει ουν // ϋίεριτομη xaXt], δια τ/, ον ΣΙμων, ϋίεριτετμημένονς
^ιαρέδωχας κτλ, . . ad absurdum flihrt, so will er damit so
wenig die Fortgiltigkeit der Beschneidung gegen Simon vertei-
digen, daß er vielmehr sie nur in einem konditionalen Sinne,
d. h. im Sinne Simons, anerkennt. — Ebenso wenig aber, wie
Petrus ein Verteidiger der Beschneidung, ist Simon ein Gegner
derselben, sondern nur der Gegner der Apostel, der ihnen überall
die Leute abwendig macht. Erscheint er im Gegenteil in dem-
selben Zusammenhang an einer Stelle, die Lipsius ausscheidet
und dem katholischen Redaktor zuschreibt, sect 65^ als Träger
der judenchristlichen Anklage, daß Paulus gar kein wirklicher
Schüler Christi sei, dann kann er unmöglich in der Vorlage.
wie sie — nach Lipsius — der Redaktor benutzte, als der Ver-
treter des Paulinismus dargestellt gewesen sein. Nun aber ist
eä überhaupt nicht richtig, wie Lipsius tut, die Stellen auszn-
scheiden, die es mit Paulus zu tun haben. Stehen vielmehr Ver-
handlungen über die Beschneidung bereits früher in den Akten
und zwar an einer Stelle, die nach Lipsius nicht interpoliert ist
(sect. 22), so werden auch die späteren nicht als interpoliert an*
zusehen sein. Beachten wir schließlich, daß dieser ganze Ab-
schnitt sect. 63 — 06 über die Beschneidung nar in dem Mar-
cellustext vorkommt und in den übrigen Akten keine Parallelen
oder Anspielungen hat, so werden wir ihn nicht aus einer alten
ebionitischen Legende entnommen sein lassen, die sich doch sonst
irgendwie erhalten haben müßte, sondern als einen Zusatz des
Redaktors ansehen, der gerade hierdurch den Nachweis erbringen
wollte, daß Petrus und Paulus in ihrer Stellung zum Zeremo-
nialgesetz einer Meinung seien (vgL sect. 22).
V\ as Lipsius sonst in den Act. Petr. et Paul, als Sparen
11,2,4. Das antipaulinisclie Simonbild in den Πράξεις Πέτρου usw. 213
einer älteren Legende ebionitischen Charakters ansieht, ist we-
niger in dem Text selber begründet, als von Lipsius hineingelegt.
Wenn Petrus den Simon ψενύτην und μάγον, αίοχρόν τε χάΐ
άνούιον χαΐ άποοτάτην χώ. Ιν παβι τη του ϋ^εον άληϋ-εία
kvavrlov nennt, dessen ανομία noch offenbar werden müsse
(sect. 35), so beweist der Zusammenhang, daß er mit diesen
Vorwürfen, die ähnlich auch in /7. 77. wiederkehren, nur die
magischen Künste Simons treffen will. Durchaus haltlos ist es
aber, in den Gunstbezeugungen Neros für Simon eine Parodie
auf die panlinische Lehre von der Obrigkeit, oder in dem Oaukel-
.stück von der vorgeblichen Enthauptung Simons (sect 46. 52 f.)
eine Travestie seines Märtyrertums sehen zu wollen. Wie jene
Parteinahme des Kaisers für Simon in der Sage selbst begründet
ist, so ist dieses Gaukelstück und Simons Behauptung, am 3. Tage
wiederauferstehen zu wollen, nur ein Seitenstück zur Kreuzigungs-
und Anferstehungsgeschichte Christi. Nicht als Psendopaulus, son-
dern als Pseudomessias ist der Simon in den Petrus- und Paulus-
akten gedacht.
Überblicken wir überhaupt die Simonsage, wie sie in ihren
verschiedenen Rezensionen in den apokryphen Apostelgeschichten
vorliegt und wie sie in ihrer ursprünglichen Gestalt aus den
gegenseitigen literarischen Beziehungen dieser Akten erkannt
werden kann, so finden wir allerdings eine Fülle legendarischen
Materials, aber abgesehen von den wenigen Stellen, die Lipsius
zur Fondamentierung seiner Hypothese herausgetüftelt hat,
nichts, was auf eine ebionitische Gestalt der Simonsage hindeutet.
Überall wird Simon entweder als Magier oder als Pseudomessias
dargestellt (s. o. S. 193)^ Lipsius muß selber gestehen (in Schenkels
Bibellexikon V. 309), daß in der Schilderung des Wunderwett-
kampfes die Sage ein freies Spiel habe. Und was die Geschichte
von seinem mißglückten Flugversuch anlangt, so hat er ebenfalls
den Nachweis dafür gegeben, daß ihre Farben der Geschichte
eine« Gauklers entlehnt seien, der nach Sueton zur Zeit Neros
auftrat.
In den patristischen Zeugnissen aber sind noch viel weniger
1) Seibit Lipsias muß a. a. 0. II 1. 32i) einräumen, dali sowohl in
der katholiechen als auch in der gnosiischen Sagengestalt Simon bereite
ab Pteudomemias vorgestellt sei, der durch die Himmelfahrt den Beweis
•einer Gottheit zu geben verspreche.
214 Waitz, Die Pseudoklementinen.
„ebionitische Überlieferun gen" zu erkennen, noch auch von Lipsius
gefunden worden ^ Auch hier ist Simon niemals ein verkappter
Paulus, sondern überall der Goet und Pseudomessias, und Petras,
wo er als Gegner des Simon auftritt, nie der Eiferer für das
Gesetz, sondern nur der Vorkämpfer apostolisch - katholischen
Glaubens. Sonach wird der Versuch der Tübinger Schule und
ihres Anhangs, das Simonbild in den klementinischen wie auch
in den übrigen Petrusakten aus dem judenchristlichen Gegensatz
zu dem Paulinismus erklären, als gescheitert angesehen werden
müssen. Andrerseits >vird unsre Untersuchung des Simonbildes
dem Nachweis zur Bestätigung dienen, daß in dem von uns
charakterisierten Bericht über die Kämpfe des Simon und Petrus
eine von den judenchristlich- gnostischen K. Π. völlig verschiedene
Quellenschrift katholischen Ursprungs, katholische Petrusakten,
vorliegen. Wiederum werden diese aufgewiesenen Petrusakten
zum Beleg dafür dienen können, daß die Petrusakten überhaupt
nicht gnostischen, sondern katholischen Ursprungs sind.
5. Die Πράξεις Πέτρου und die Überlieferung von dem rii-
mischen Aufenthalt und dem Lebensende des Petrus und Paulus.
Es ist hier der Platz, noch einmal die Untersuchung von
Lipsius über diesen Gegenstand aufzunehmen und sie von
dem Standpunkt, den wir gewonnen haben, neu zu beleuchten.
Wenn Lipsius eine doppelte Gestalt der römischen Petrussage
unterscheidet, eine petropaulinische Legende und eine antipauli-
nische Simonsage, so hat er den Sachverhalt, wie er auch von
uns festgestellt worden ist, im allgemeinen richtig erkannt, je-
doch unrichtig gedeutet.
Denn es gibt nur eine petropaulinische und eine petrosimo-
nianische Überlieferung bezw. Legende, aber keine autipaulinische
Simonsage.
Wir beginnen unsre Untersuchung damit, daß wir uns zu-
nächst und zwar 1. die petropaulinische, 2. die petrosimonianische
Überlieferung selber vergegenwärtigen.
1) \g\, Lipsius a. a. 0. II 1. 28 ff. Justin weiß noch nichts von
einem Kampf zwischen Simon und Petms, ebensowenig Hegesipp bei Eus.
h. e. IV 22, die alte häreseol optische Schrift, welche bei Irenäos adv. haer.
I 23 1-4 und im Carm. adv. Marc. 1 1571!'. aufbewahrt ist, Iren&as nod
Tertullian. über die Stielen, wo Simon und Petrus zusammen aufgef&hrt
werden, vgl. den folgenden Abschnitt.
Ιί, 2, Γ). Die Πράξεις Πίτηον und die Überlieferung usw. 215
Die neutestamentlichen Nachrichten geben uns über einen
Tonaischen Aufenthalt und das Lebensende des Paulus und Petrus
kein klares Bild.
Wir hören von Paulus, daß er nach Rom (Rom. 1 lo) und
Spanien (Rom. 1524) reisen will, und wissen aus der Apostelge-
schichte, daß er nach Rom gekommen ist, wo er zwei Jahre
gefangen gehalten wurde (sehr wahrscheinlich zur Zeit Neros in
den Jahren 62 — 64). Aber wir können nicht mit Bestimmtheit
behaupten, daß er noch einmal aus der Gefangenschaft entlassen
worden ist, wenn er auch in den Briefen aus seiner Gefangen-
schaft die zuversichtliche Hoffnung auf baldige Befreiung aus-
spricht (Phil. 224, Philem. 22), noch, weniger, daß er wirklich
nach Spanien gereist ist.
Von Petrus wissen wir, daß er noch um das Jahr 50 in
Jerusalem war (Gal. 2 1 flf.). Daß er vor Paulus nach Rom gekommen
ist, muß als sehr unwahrscheinlich gelten, da alsdann Paulus
in den Gefangenschaftsbriefen irgendwie darauf hätte zurück-
kommen müssen. Ob 1. Petr. 5 13 einen römischen Aufenthalt des
Petrus anzunehmen erlaubt, muß dahin gestellt bleiben, da es
weder völlig sicher ist, daß der Brief von Petrus stammt, noch
auch, ob unter Babylon Rom gemeint sein muß. Auch aus Apo-
cal. Job. 18 20 ist dafür nichts zu entnehmen, da, wenn auch Ba-
bylon auf Rom zu deuten ist, die Allgemeinheit des Ausdrucks
.Apostel" keine weiteren Schlüsse auf das Lebensende des Petrus
erlaubt. Wenn die Apostelgeschichte (12i7) an einer Stelle, wo,
wie wahrscheinlich, eine von ihr benutzte petrinische Quellen-
schrift zu Ende geht, von Petrus erzählt έξελϋ^ών ίτιορενθ^η
ih ^T^QOV xoJtoVy so kann sie bezw. ihre Quellenschrift darunter
Rom verstanden haben; aber es läßt sich nicht beweisen.
Der Anhang des Johannesevangeliums 21 is f. (wahrscheinlicJi
in der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts in Kleinasien entstanden)
deutet auf eine Überlieferung, nach der Petrus den Kreuzestod
gestorben ist. Darauf nimmt wohl auch 2. Petr. 1 u Bezug, wenn
hier Petrus davon redet, οτι ταχινη ίοτιν ?) aJtoO^eoig τον Cxr^vco-
ί^βτος μου, χαθ^ώς χαΐ ο χύριος ημών ^Ιηοονς Χριοτος Ιδηλωοέν
/Όί. Eine sichere Angabe aber läßt sich daraus nicht gewinnen.
Je unbestimmter aber die Überlieferung über das Ende des
Petras und Paulus in dem N. T., besonders in der lukanischen
Apostelgeschichte, ist, umso wertvoller erscheint es, wenn im
216 Waitz, Die Pseudokl einen tinen.
Kanon Muratori neben ihr eine andere lukanische Schrift ge-
nannt ist, die gerade das enthalten haben muß, was die Apostel-
geschichte andeutet, aber verschweigt. Wegen ihrer Wichtigkeit
müssen wir uns mit ihr eingehender beschäftigen*.
Wie überhaupt, so ist der Text des Kanon Muratori auch
hier verderbt. Zunächst sind die Worte obtime Theofile bean-
standet. Indem man vermutet, daß der anonyme Autor dabei die
Worte κράτιοτε Θεόφιλε (Εν. Lc. 1 3) im Sinn gehabt habe,
verbinden die meisten Ausleger optime mit Theophile und lesen ,
indem sie statt des sinnlosen Vokativs den Dativ setzen: Lucas
optimo Theophilo comprehendit. Erst der Abschreiber bezw.
Übersetzer des vermutlich ursprünglich griechischen Originals
habe in Erinnerung an Ev. Lc. I3 gedankenlos den Vokativ
eingesetzt. Aber ist auch der Dativ statt des Vokativs zu lesen»
so fragt es sich, ob optime mit Theophilus zu verbinden oder
nicht vielmehr adverbial zu verstehen ist. Denn es ist gar nicht
einzusehen, warum der Verfasser, da er doch von der Apostel-
geschichte des Lukas spricht, dessen Evangelium im Sinn ge-
habt haben und so aus dem 3. Vers des 1. Kapitels die Worte
herübergenommen haben soll, zumal das Wort χράτιοτε besser
durch nobilissime oder dgL als durch optime zu übersetzen ge-
wesen wäre. Vielmehr ist es das nächstliegende anzunehmen^
daß er den Anfang der Apostelgeschichte eingesehen und aus
deren 1. Vers das hier ohne nähere Bestimmung stehende Wort
Theophilus herausgegriffen hat. Dann aber kann optime nicht
mit Theophilus verbunden, sondern nur für sich adverbial ge-
nommen werden, sodaß also der Text ursprünglich hieß: Lucas
optime Theophilo comprehendit (so liest auch Westcott), und es
war erst der Abschreiber, der bei dem Wort optime an den Aus-
druck χράτιοτε im Ev. Lc. I3 dachte und dadurch sich ver-
leiten ließ, indem er es vokativisch auffaßte, Theophile stxitt
Theophilo hinzuzusetzen.
Im folgenden lautet die Lesart zweifellos: semote pas-
sionem Petri evidenter declarat, sed et profectionem etc. Da
man mit diesen Worten nichts anfangen konnte, suchte man
durch Konjekturen abzuhelfen und las- semota passione Petri
1) Vgl. oben S. 2U2, wo auch der Text steht, sowie S. 217 Anm. 2.
2; So Zahn, Geschichte des ueutestamentlichen Kanons II 5Cf.
υ, '2f 5. Die Πράξβις Πίτρον und die Oberlieferung usw. 217
evidenter declarat, sed et profectione, indem man diesen Worten
den Sinn gab: Lukas habe dem sehr edlen Theophilus kurz in
Worte gefaßt, was (quia = das griechische οτή er persönlich
miterlebt habe, wie er dies auch dadurch deutlich an den Tag
lege, daß er so wichtige Tatsachen wie das Martyrium des Petrus
und die Reise des Paulus von seiner Erwähnung ausgeschlossen
habe. Aber sicher ist nun das nicht gerade das beste Mittel,
dadurch etwas deutlich an den Tag legen zu wollen, daß man
etwas anderes verschweigt. Hat außerdem Lukas im ersten Teil
seines Buches vieles erzählt, was nicht sub praesentia ejus ge-
schehen ist, so kann er nicht aus diesem Grunde die passio Petri
und profectio Pauli weggelassen haben. Sehen wir daher von
dieser Textveränderung ab, die den Sinn nicht aufhellt, und
nehmen wir den Text, wie er dasteht, so werden wir zunächst
nicht verkennen, daß der Zusatz „omnium" bei apostolorum auf-
fallig ist^ da die Apostelgeschichte sonst nur einfach acta aposto-
lorum heißte Will Zahn diesen Zusatz erklären durch den
Gegensatz zu dem einen dominus, von dem vorher die Rede sei,
so bietet er damit eine gekünstelte Konstruktion. Besser wird
man daher dieses Attribut erklären durch den Gegensatz sub
uno libro und die Worte so verstehen'-: Was Lukas für den
Theophilus zusammenfaßte, das ist nicht nur das, was er per-
sonlich miterlebte, sondern die Geschichten aller Apostel (acta
omnium apostolorum). Und das hat er auf vortreffliche Weise
getan (optime), weil (quia) einzelne Geschichten der Apostel
1) Man hat deshalb gedacht, daß hier Überhaupt nicht von Luka««,
sondern von Leucius (bezw. Lucius) Cbarinus die Rede sei, der die
Πράξεις Πέτροι\ '/cöcviov, Άνδρέον^ Θωμά, Παί?.ον zusammen herausge-
geben hat, und dementsprechend Lukas in Leucius „emendiert'^ Doch
kann, abgesehen davon, daß das Werk des Leucius auch nicht, wie es
nach dem Wortlaut des Kanon Muratori sein müßte, die τιράξεις aller
Apoetel enthalten hat, nach dem Zusammenhang im Kanon Muratori und
nach unsrer Kenntnis von diesem erst später lebenden Leucius hier nur
an Lokae gedacht werden.
2] In dem angenommenen griech. Original haben sie demnach etwa
so gelautet: Πράξεις δ* ηηάντων tOjv άποατόλιον έν hl λόγν» γεγραμμέναι
εΐύΐν. Αονχας κάλλιστα θεοφίλο) σνλλαίΐβάνει, οτι .ταρόντος αυτόν εχαατα
hyivfxo. ωσηερ χαΐ κεχοριομίνώς (od. χωρίς) το μίζρτνριον /7tr()or, άλλα
καΐ τ^ιν ΐϊορείαν Παίλον «πο τής πύλί-ιο^ ίίς τ// γ Σπανία' πορίνομενον
ύαφΰίς άηοδείκννται.
218 Waitz, Die Pseudoklementinen.
{singula = acta omnium apostolorum) in seiner Gegenwart ge-
schahen. Wie er aber deshalb die Geschichten aller Apostel in
einem Buch optime, auf vortreffliche Weise niedergeschrieben
hat, so hat er auch semote (= κεχοριομένως). getrennt, in
einem andern Buch die Geschichten zweier Apostel, die nicht
sub praesentia ejus geschehen sind, das Martyrium des Petrus
und die Reise des Paulus nach Spanien evidenter, in klarer
Weise, dargelegt, nicht gerade optime, aber doch evidenter, ob-
wohl diese Geschichten, die passio Petri, die er vielleicht noch
hätte in Rom miterleben können, aber auch (sed et) die Reise
des Paulus nach Spanien, die er keinesfalls mitgemacht hat.
nicht sub praesentia ejus geschehen sind. Haben wir aber mit
dieser Interpretation, die sich u. E. enger an den Wortlaut an-
schließt als z. B. diejenige Zahns, den Sinn dieser Stelle im
muratorischen Fragment richtig gedeutet, dann werden wir mit
der Tatsache zu rechnen haben, daß der Verfasser des mura-
torischen Fragments etwas von zwei Büchern des Lukas gewußt
hat, von denen das eine die acta omnium apostolorum, das
andere die passio Petri et profectio Pauli ab urbe ad Spaniam
enthielt, oder m. a. W., daß man am Ende des 2. Jahrhunderts
in Rom außer unsrer kanonischen Apostelgeschichte noch eine
Schrift unter dem Namen des Lukas kannte, welche gewisser-
maßen eine Fortsetzung der Apostelgeschichte, ein τρίτος
λόγος zu dem πρώτος und δεvτf:ρoQ λόγος lukanischer
Schriften war (Act. 1 1). Es mag diese Tatsache auffällig er-
scheinen, da dieses Zeugnis des muratorischen Fragments das
«inzige wäre, das uns die Existenz einer dritten nach Lukas be-
nannten Schrift bezeugen würde. Aber ist sie auffälliger als die
andre Tatsache, daß das Zeugnis des Papias das einzige ist, das
uns die Existenz einer Spruchsammlung λόγια χνριαχά bezeugt,
oder daß Tertulliau uns allein innerhalb der ersten zwei Jahr-
hunderte — und zwar nicht infolge gelehrter Reflexion, sondern
auf Grund einer festen Überlieferung — den Hebräerbrief als
einen Brief des Barnabas anführt?
Überdies steht, wie uns scheint, eine derartige Schrift nicht
ohne Bezeugung in der altchristlichen Literatur.
Wenn Clemens Komanus im 1. Brief an die Korinther
ica. -l• lOo) sowohl auf das Martyrium des Petrus als auch auf
die Reise des Paulus im το τέρμα της δυοεως hinweist, so
II, 2, 5. Die Πράξεις Πέτρου und die Überlieferung usw. 219
erweckt er den Anschein, wie Weizsäcker richtig bemerkt hat*,
als ob er hier aus einer Quellenschrift schöpfe. Sollte es nicht
dieselbe sein, wie die im Kanon Muratori unter dem Namen
des Lukas erwähnte? Ihrem Inhalt nach deckt sie sich mit ihr,
wenn sie auch weiter geht und die Passio Pauli hinzufügt.
Allerdings ist nicht gerade ausdrücklich von dem Märtjrer-
tod des Petrus sowie des Paulus die Rede, und zwar des-
wt^eu, weil es dem Schreiber des Briefes bei seiner Ausein-
andersetzung Qber die Schändlichkeit des ζ7]λος und die Not-
wendigkeit der νπομον7]^ innerhalb deren dieser Passus über
Petarus und Paulus steht, auf den Tod beider Apostel gar nicht
weiter ankommt, sondern nur auf ihre υπομονή. Wenn aber
kurz zuvor gesagt wird, daß ol μέγιοτοι και δικαιότατοι ΰτνλοι
ίδιώχ&ηοαν καΐ ϊως ϋ^ανότον ηϋ^ληοαν^ so muß bei der
nächstfolgenden Illustrierung dieses Satzes durch die „guten
Apostel", Petrus und Paulus, auch an ihren Tod gedacht wer-
den. Ist deshalb der Ausdruck μαρτνρ7]αας ijti των ηγουμένων,
der von Paulus gebraucht wird, nur auf seinen Märtyrertod zu
beziehen, zumal er im Gegensatz zu der Wendung κήρυξ, γενό-
μενος steht und durch die Wendung ούτως απηλλάγη τον
χόομου κεα εΙς τον αγιον τόπον έπορεύθ^η näher erläutert wird,
dann kann auch der auf Petrus bezogene Ausdruck μαρτυρη-
οας sowie die hinzugefügte Wendung επορεύ&η εΙς τον οφει-
λόμενον τόπον nur in demselben Sinne aufgefaßt werden. —
Ebenso wie der Tod der Apostel ist auch Rom als die Stätte
des Martyriums nicht ausdrücklich genannt. Wenn aber der in
Korn befindliche Schreiber seine Erzählung über Petrus und
Paulas mit den Worten λάβωμεν προ οφ&αλμών ημών τον\:
^ίγαϋ^ονς άπούτόλονς einleitet und im Anschluß daran unter
Hinweis auf die neronische Christenverfolgung sagt, daß mit
den beiden viele versammelt wurden, die durch ihre Leiden
νποδειγμα χόλλιύτον ίγένοντο έν ημίν, so hat er wohl nur an
ein romisches Martyrium der Apostel gedacht, das um so wahr-
scheinlicher, als auch die spätere Tradition nur ein solches kennt.
Was er dagegen von der Reise des Paulus ΙπΙ το τέρμα της
δνύεως sagt, kann nicht anders als von Spanien verstanden
werden 9 wenn er vorher von Paulus hervorgehoben hat, daß er
1. Vgl. Weizsäcker, Das apost. Zeitalters. Freiburg lsii2. rs. Ai\S.
220 Waitz, Die Pseudoklementinen.
ein Verkündiger des Evangeliums geworden sei εν τε rfj aia-
τολχι xal εν τι} δνοει und όλον τον χόομον die Gerechtigkeit
gelehrt habe.
Deckt sich demnach die Ausfiihrung 1. Clem. ad Cor. V 2 ff.
mit der Inhaltsangabe des lukanischen Buches im muratori-
sehen Fragmente, so wird man auch einen gewissen literarischen
Zusammenhang mit der kanonischen Apostelgeschichte nicht
verkennen, wenn auch hier (Act. δ i? cf. 13 45) von dem ζήλος
die Rede ist, den Petrus zu erdulden hatte, oder wenn hier
(Act. 12 17) es von Petrus heißt επορενϋ^η εΙς έτερον τοπον^ wie
in 1. Clem. Rom. für den Märtyrertod des Petrus und so auch
des Paulus gleichlautende Wendungen gebraucht sind (s. o.).
Aber wie sich auch diese Stelle zu der im Kanon Muratori er-
wähnten Schrift verhalten mag, jedenfalls bezeugt sie, dali
Petrus und darauf auch Paulus, nachdem er bis zur Grenze des
Westens gereist war, den Märtyrertod (in Rom?) erduldeten.
Von einer gemeinsamen Wirksamkeit und einem gemeinsamen
Lebensende beider Apostel scheint sie nichts zu wissen ^
Beide Apostel erwähnt neben einander Ignatius in einem
Schreiben an die römische Gemeinde (Ign. ad Rom. 43, ca. 115},
als ob sie eine besondere Autoritätsstellung hier einnähmen.
Ähnlich werden sie in der alten, aus der Zeit des Soter
(164—173) oder Anicet (152—164) stammenden Bischofsliste
(vgl. Iren. adv. haer. III 3 2 f., Epiph. haer, 27 6) nebeneinander
als Gründer der römischen Gemeinde bezeichnet.
Eine gemeinsame Wirksamkeit und ein gleichzeitiges Mar-
tyrium beider Apostel behauptet Dionysius von Korinth (bei
Eus. h. e. II 25 8, ca. 170), doch nur, wie es scheint, auf Grund
eines Mißverständnisses der eben angeführten Stelle aus dem
ihm bekannten Brief des Klemens an die Korinther und nicht
auf Grund selbständiger Kenntnis der Überlieferung.
Eine selbständige Kenntnis von einer römischen Predigt des
1 j Mit unsern Ausführungen treten wir auf die Seite von Hamack (vgl.
dessen Ausgabe der Patr. apo8t. ed. II lüsq.), sowie Lipsius α. a. O. II 1.
11 tf. und Clemen. Ist Petrus in Rom gewesen? in Preuß. Jahrbb. 1901
Bd. 100. 4ur>fi'., gegen Erbes, Petrus nicht in Rom, sondern in Jerusalem
gestorben, Zeitschr. f. Kirchengesch. li)01. XXII 1 ff. und Schmiedel, 1. c
unter Simon Peter 4508 sq.
II, 2, 5. Die Πράξεις Πέτρυν und die Oberlieferang usw. 221
Petrus scheint Sllemens von Alexandrien zu haben, wenn er
unter Berufung auf jtQsoßvTSQoi erzählt, daß Markus, als Be-
gleiter des Petrus, dessen Predigt niedergeschrieben habe \ Ob
er etwas von einem gemeinsamen Wirken und Sterben des
Petrus und Paulus gewußt hat, muß dahingestellt bleiben.
Das Κήρυγμα Πέτρου, das von Klemens öfters zitiert wird,
erwähnt, daß Petrus und Paulus zuletzt (postremo) in Rom zu-
sammentreffen und damals gleichsam erst sich gegenseitig kennen
gelernt hätten^.
Dagegen weist nicht nur auf petropaulinische Überlieferung,
sondern auch auf eine Schrift, in der sie enthalten war, Ori-
genes, wenn er in einer für ihn halbkanonischen Schrift Πράξεις
Παύλου f die er als solche zweimal ausdrücklich zitiert ^ ein
Wort Christi gefunden hat: ανωϋ^εν μέλλον οταυρουοϋ^αι^ das,
wie wir aus den uns erhaltenen Petrusakten ersehen, in der Ge-
schichte von der Kreuzigung Petri gestanden hat; und aus der-
selben Schrift hat er ohne Zweifel geschöpft, auch wenn er sie
nicht nennt, was er an einer andern Stelle von der Art seines
Kreuzestodes berichtet'*»
Es fragt sich: Wie kommt Origenes dazu, Geschichten, die
mit dem Martyrium des Petrus zusammenhängen, aus pauli-
nischen Akten zu schöpfen? Zweifelsohne muß diese Schrift
auch etwas von Paulus erzählt haben, wie denn auch an der
letzterwähnten Stelle (bei £us. h. e. III 1 2 f.) von dem Mar-
tyrium des Paulus unter Nero in Rom die Rede ist. Es liegt
die Annahme nahe, daß sie ebenso wie die lukanische Schrift
des muratorischen Fragments bezw. die vermutlich in I Clem.
Bom. ad Cor. benutzte Schrift sowohl von der Passio Petri als
uuch von der Passio Pauli gehandelt hat. Daß sie auch die Pro-
fectio Pauli ab urbe ad Spaniam erwähnt hat, ist nicht von
vornherein deshalb auszuschließen, weil Origenes unter Zitie-
ning von Rom. 15 19 nur die Predigt Pauli von Jerusalem bis
lUyrien ausdrücklich hervorhebt. Denn auch das Martyrium
1) Bei Εαβ. h. e. VI 14 5-7 , vgl. II 15.
2) Bei Cjpriani opp. ed. Hartel III 9( >.
3) Orig. Tom. XX 12 in Jo. ed. Lominatzsch II p. 222; de princ
1 2s «d. Lommaizsoh XXI p. 40, Comm. in (ιβη. Tom. III bei Eus. b. e.
inus.
15 Bei Eni. b. e. III 1 2. 3.
\
222 Waitz, Die PseudoklementiDen.
Petri et Pauli redet so von den Reisen Pauli von Jerusalem
bis Jllyrikum und kennt doch auch seine Reise nach Spanien Κ
Trotzdem wird sie bei aller Verwandtschaft mit jener lukanischen
Schrift doch nicht mit ihr identisch gewesen sein. Das beweist
der Titel, den sie trägt, sowie das Ansehen, das sie bei Origenes
hat. Es darf vielleicht vermutet werden, daß zur Zeit des Ori-
genes schon jene lukanische Schrift in eine andre Schrift, Πρά-
ξεις Πέτρου, aufgenommen war. So würde sich auch am leich-
testen der auffallige Sachverhalt erklären, daß sie außer in dem
Kanon Muratori nicht erwähnt wird. —
Aus einer schriftlichen Quelle hat, wie Lipsius gezeigt hat-,
jedenfalls auch Tertullian seine Kenntnis von dem römischen
Martyrium des Petrus und Paulus geschöpfte „Daß sie gleich-
zeitig gelitten haben, ist nicht ausdrücklich gesagt". Aber es
braucht auch nicht vermutet zu werden, daß er diese Vorstellung
gehabt hat. Wenn er an allen drei Stellen den Petrus zuerst
nennt, so wird er auch sein Martyrium zuerst wenigstens gelesen
haben.
Was uns der römische Presbyter Gajus (ca. 200) von den
Todesstätten der beiden Apostel erzählt ^ beruht nach Lipsius
auf mündlicher Überlieferung, die insofern eine wertvolle Er-
innerung bewahrt habe, als sie zwei verschiedene Todesstatten
für Petrus und Paulus angibt. Es kann jedoch auf jene im
Kanon Muratori erwähnten Akten bezw. die von Origenes ge-
nannten Πράξεις Παύλου zurückgehen, wie denn auch dasselbe
im Martyr. Petr. et Paul, bezw. in Act. Petr, et Paul, erzahlt
wird*.
Von einer gemeinsamen Predigt des Petrus und Paulus
in Rom, sowie von ihrem gleichzeitigen Tod unter Nero erzählen
uns Lactantius, Kommodian und Petrus von Alexandrien^
1) Ed. Lips. et Bonnet Ic. p. 118 1. 3, p. 1Γ>υ 1. 4.
•Jj Lip^iua a. a. 0. II 1. l!>f. Vgl. Tert. adv. Marc. IV Γ), de praeter.
haer. 3'), scorp. 15. de baptism. 4.
?)j Bei Eus. h. e. II 2Γ)6ί., vgl. Lipsius a. a. 0. 20 f.
l) Ed. Lips. et Bonnet p. 170 1, 3, 172 1. 13 sq., p.216 L 10, p.22l 1. <i s«i.
5) Lactantius, Institut, divin. IV 21, de mortibus pereecatoram 2;
Commodianus, Carm. apol. SJOsq. ; Petrus v. Alex, de poenitentia can. U
Vgl. Lipsius a. a. 0. II 1. 22 f.
11, 2, Γ). Die Πράξεις ΙΙέτρον und die Cberlieferung usw. 223
£aseb berichtet ähnliches^, fügt jedoch als eine ihm ander-
wärts zugekommene Meinung hinzu, daß Paulus nach den zwei
Jahren seiner römischen Gefangenschaft noch einmal freige-
kommen, später aber zum 2. Mal in Rom gefangen gesetzt sei
imd gemeinsam mit Petrus das Martyrium erlitten habe^.
Neben dieser petropaulinischen Überlieferung, und vielfach
mit ihr unvereinbar, läuft von Anfang an eine petrosimona-
nische Überlieferung her.
Ihre älteste Bezeugung hat sie in dem Bericht der Apostel-
geschichte, Act. 8 9-25, jedoch nicht auch ihren Ausgangspunkt^.
Denn so wie er dasteht, weist er über sich hinaus auf eine
petrosimonianische Quellenschrift, die von dem Autor der Apostel-
geschichte hier verwendet worden ist Das zeigt schon der Zu-
sammenhang. Denn, wenn unmittelbar vorher, Act. 8 5-8, und
nachher, Act. 8 26-40, von der Wirksamkeit des Philippus erzählt
wird, so unterbricht nicht nur Act. S 0-25 störend diesen Bericht,
sondern enthält auch Einzelnes, was mit der vorhergehenden
Erzählung im Widerspruch steht. Ist nämlich 8 3-8. 9 eine Stadt
in Samarien der Schauplatz der Handlung, so versetzt uns 8 u
völlig unvermittelt in das Land Samarien. Dazu kommt, daLv
810 und 11 zweimal hintereinander fast mit denselben Worten
erzählt wird, was das samaritische Volk von Simon hält und
daß es zu ihm hält. Das alles beweist uns, daß hier zwei Berichte
vorliegen, die miteinander verwoben worden sind, deren erster
18 5-8) von der Wirksamkeit des Philippus in einer Stadt Samariens
gehandelt hat und sich 8 26 fortsetzt, deren zweiter dagegen sich
mit Simon befaßt hat. Das beweist aber auch die Erzählung
^9-« selber. Denn auf der einen Seite läßt sie Stücke vermissen,
welche ursprünglich dazu gehört haben müssen. Wenn nämlich
Petrus 823 zu Simon sagt: εΙς γαρ χολην πικρίας καΐ ovvoeöuov
(ΐόίτάας ορώ οε οντά, so setzt er damit voraus, daß ein heftiger
Ausfall des Simon gegen ihn stattgefunden hat; davon steht aber
nichts mehr in unserer Erzählung. Vielmehr beträgt sich Simon
in jeder Beziehung, wie es sich geziemt und wie man das von
1) Eu8. dem. ev. III '>. 05, h. e. II 20 5-7, III 1. Vgl. Lipsius a. a. O.
111.2:^«:
2) Eu9. h. e. II 22. 2. Lipsius a. a. 0. 11 1. Jü.
•i) Vgl. zu dem folgenden .Schmiedel Ic. I53<i sq.
224 Waitz, Die Pseudoklementinen.
jemand erwarten muß, der es mit den höchsten kirchlichen
Würdenträgern zu tun hat. Unser Bericht ist demnach nur ein
Fragment aus einer größeren Erzählung, welche einen Kampf
zwischen Simon und Petrus zum Gegenstand hatte. Auf der
andern Seite enthält er Stücke, welche erst nachträglich hinzu-
gefügt worden sind. Dazu gehört vor allem die Ausführung in
SuflF., wonach die Apostel (hier Petrus und Johannes) allein das
Recht und die Macht besitzen, durch Handauflegung den hl.
Geist mitzuteilen, während der Evangelist (hier Philippus) nur
das Recht und die Macht zu taufen hat. Weist uns nämlich die
hier vorliegende kirchenrechtliche Auffassung des apostolischen
Amts, ebenso die sakramentale Bedeutung der Handauflegung in
eine spätere Zeit als die apostolische, und damit auf die Hand des
Interpolators, die sich auch Act. 19 6 zeigt, so läßt sich in Suff,
auch noch anderes leicht als ein späterer Einschub erkennen.
Ist Simon der Zauberer, der etwas Großes sein will, so sollte man
meinen, daß er nur danach streben müsse, des Philippus Wunder-
kräfte, von denen 8 6 ff. erzählt war, durch ihn selbst zu erlangen.
Aber vergeblich fragt man sich, warum er stattdessen zu den
Aposteln geht, um von ihnen deren apostolische Gabe der Geistes-
mitteilung zu erhalten. Besonders aufföUig ist dabei die Rolle,
Avelche Johannes spielt. Ist er doch nichts anderes als eine stumme
Person, während Petrus allein dem Simon entgegentritt (820-23).
OflFenbar ist in die Erzählung 8 uff. nicht nur jene spätere Vor-
stellung von dem apostolischen Amt, sondern auch der eine
Träger dieses Amtes, Johannes, nachträglich eingefügt worden.
Das zeigt uns die Rolle, welche Johannes neben Petrus überhaupt
in der Apostelgeschichte spielt. In der Pfingstgeschichte (2 uff.)
tritt nur Petrus hervor. Bei der Heilung des Lahmen (3iff.)
erscheinen beide. Aber Petrus wird nicht nur überall, wie auch
8 14, zuerst genannt ^ sondern er ist es auch, der allein mit
dem Lahmen redet (Se), ihn heilt (3?), sowie nachher die Rede
ans Volk hält (3 12 ff.). Auch bei dem darauf folgenden Verhör
der Apostel vor dem Hohenrat (4 1 ff.), führt Petrus allein das
Wort (4 r). Bei der Geschichte von Ananias und Sapphira (5)
verschwindet Johannes wiederum vollständig, indem neben ihm
nur die Apostel im allgemeinen genannt werden (5i6.i8. 25);
1) Vgl. Act. '] 1. 3. 4. 11. 4 13. 19.
II, 2, 5. Die Πράξ£ίς Πέτρου und die OberlieferuDg usw. 225
während c. 6. das Apostelkollegium der 12 erscheint. In Lydda
(98s), Joppe (9 86 ff.), Gäsarea (10 9 f.), ist wiederum nur Petrus
tätig, während Johannes Tollstandig yerschwindet
Nach alledem darf man wohl annehmen, daß in all diesen
Erzählungen (1 — 12) nur von Petrus die Rede war und ihm erst
nachträglich von einem Überarbeiter Johannes als Assistent bei-
gegeben wurden Ist aber Johannes überhaupt erst nachträglich
in die Apostelgeschichte (t — 12) eingefügt, dann hat er auch
ursprünglich bei dem Zusammentreffen des Petrus und Simon
nichts zu tun gehabt. M. a. W.: die Erzählung Act Suff, hat
nor yon einem Zusammentreffen des Petrus und Simon etwas
gewußt und ist erst später durch die Hinzufügung des Johannes
erweitert worden, wie denn auch die spätere Überlieferung —
außer da, wo sie auf unsre Apostelgeschichte zurückgeht —
nii^ends Petrus und Johannes zusammen als Gegner des Simon
nennt^. Suchen wir uns nach diesen Vorbemerkungen die Kom-
position Ton Act 8 5 ff. anschaulich zu machen, so werden wir
dreierlei Stücke zu unterscheiden haben: 1. einen Abschnitt aus
alten Philippusakten, wie sie in 85-8, 3β-4ο unvermengt und nur
durch den Einschub 8 9-25 zerrissen vorliegen. Ihre Hauptperson
ist Philippus, der in einer Stadt Samariens predigt und Wunder
tat, alsdann auf der Straße von Jerusalem nach Gaza den Eunu-
chen der Königin Kandaze bekehrt und tauft und schließlich
an der Kfiste von Asdod bis Cäsarea das Evangelium verkündet
2. einen Abschnitt aus alten Petrusakten ^. Ihre Haupt-
1) £fl erscheint in dieser Beleachtang bedeuteam, daß uns auch nir-
gends von einer Erscheinong des Auferstandenen berichtet wird, die dem
Johaonee aUein zuteil geworden sei, während nach 1. Cor. 155 und wohl
Mch nach dem ältesten Quellenbericht der Evangelien (Lc. 24 34) Simon
Kephas in erster Linie genannt war. Vgl. auch den Nachtrag zu dem
JohannesevaDgelinm.
2) Vgl. Act Petr. c. Sim. ed. Lips. et Bonnet lc. p. 71 1. 14. Über
eine Ausnahme s. n. S. 242.
3) Auf solche Petrusakten scheinen alle Erzählungen in Act. 1—12
xorflekziigehen , deren Held Petrus ist. Das zeigt der einheitliche Cha-
nkter, den sie haben, wenn sie uns durchweg von Predigten und Zeichen
berichten, welche Petrus in göttlicher Kraft tut. das zeigt auch der Auf-
bao, indem zunächst die ηράξεις des Petrus in Jerusalem (1 ΐδ-22, 2i-4i,
.'JMO, 5ι•ιβ), dann in Samarien (89-85), in Lydda (9s2-S5), in Joppe (98β•4β)
ond in Cäsarea (10 1-48) und schließlich seine πόνοι in Jerusalem (125-17)
Texte α. Onterraehimgen. N. F. X, 4. 15
226 Waitsi Die Peendcddementinen.
peraonen sind Simon Peiaroe und Simon Ma^s. Der Sohanplefc^^^
der Handlung ist das Land Samarien, wenn er nicht τοη
Bearbeiter erst dorthin yerlegt worden ist, weil er den
ab Samariter Yor&nd. Der Inhalt ist kurz folgender: Tiang»- -^
Zeit hat Simon das samariüsche Volk durch eeine Kiknete hc ^
zaubert (89-11), da tritt ihm Petrus entgegen; er tat gr5ßer*-^^
δυνάμεις in der Kraft des heiligen Geistes als Simon durch sein- e
zauberischen Kräfte (ygl. 3iff., Osatr., seff.) und gewinnt so dam^ms
samaritische Volk, sodaß viele sich taufen lassen (81«). Darauzr^ — f-
hin laßt sich auch Simon taufen (813). Da er aber
Wunder und Zeichen tun möchte, wie Petrus (ϋ'εοίρώρ τε
μεΐα χάί δυνάμεις μεγάλας γινομένας 8 is), bringt er dem
Oeld: χροοηνεγχεν αυτφ (statt αυτοίς) χρήματα λέγων'
(statt δότε) χαμοί την έξουαίαν ταντην (8ΐ8. ιθ). Petrus
weigert dies, Simon wird deshalb giftig (vgl. 8 es). Πέτρος
είχε προς αυτόν το άργυριόν θου ούν οόΐ εΐη εΙς άχώλειαν
(8 20-24).
3. einige Stücke, die τοη dem Bearbeiter der Äpoetelg'
schichte eingeschoben sind, um beide Quellen, die Philippus-
Petrusakten, miteinander zu verbinden. Zunächst hat er
diesem Zweck im Anfeuig (812) den Philippus statt des Petrs-^e
eingesetzt, weil er es sich nicht anders denken konnte, als
der in Samarien wirkende Philippus den Samariter Simon
kehrt habe. Trotzdem muß er den Petrus mit eingreifen
da dieser ja in seiner Vorlage die Hauptrolle spielt. Darum lä^C^t
er ihn nun aus Jerusalem kommen, mit ihm zugleich den Apoe^«^
Johannes, den er auch sonst dem Petrus zur Seite gestellt ha^^^
ύημεΐα xal δυνάμεις braucht nun aber Petrus jetzt nicht
zu vollbringen ; darum kommt er jetzt nur, um — mit Johaoni
zusammen — das zu tun, was nach der Ansicht des Bedaktoi
die wichtigste Aufgabe und das alleinige Vorrecht dee apostoL• — -*^"
sehen Amtes war, die Hände aufzulegen zur Oeisteemitteilun^^ β-
Infolgedessen kann auch Simon nicht mehr, wie ureprfinglic
nach den Petrusakten, flir die Gabe, Wunder zu tnn, sonder
nur für die Gabe, den Geist mitzuteilen, den Aposteln (bezw.
Apostel) Geld anbieten. Ebenso muß er nachher, von ihner
erzilhlt werden. Inwieweit die Reden des Petras vor dem Volk und hol
Rat daza gehören, wird eich schwer ansmaohen laMen.
II, 2, 5. Die Πράξεις Πέτρου und die Oberlieferung usw. ^^ 7
(beEW. Ton ihm) zurechtgewiesen, beide (statt ursprünglich den
Petras allein) um ihre Fürbitte bei Gott angehen (8 m). —
Haben wir so die Komposition von Act 8 δ ff. richtig erkannt,
dann werden wir, nicht in diesem Abschnitt der Apostelgeschichte
selber, sondern in der hier benutzten Quelle, in alten Petrus-
akten, die Grundlage erblicken dürfen, auf der die petrosimonia-
niaohe Legende, wie sie uns in der späteren altchrisÜicheD Literatur
entgegentritt, sich weiter aufgebaut hat Auf sie — und nicht
unmittelbar auf Act 8 etr. — geht auch zurück, was uns die von
uns rekonstruierten Π. Π. erzählen (s. u.).
Gehen wir nun zu den patristischen Nachrichten über, so
finden wir die erste Spur einer petrosimonianischen Überlieferung
bei Klemens von Alexandrien: Σίμων kx ολίγον χηούοοορτος
τού Πέτρου υχητ^ουαενΚ Da Klemens den Simon nur als Zu-
hörer des Petrus, nicht aber auch des Johannes nennt wird er
diese Notiz nicht aus unsrer kanonischen Apostelgeschichte, son-
dern ihrer Quellenschrift geschöpft haben, zumal er auch sonstiges
TOD Petrus berichtet, was ebenfalls aus alten Petrusakten ge-
flossen zu sein scheint (vgl. Eus. h. e. III, 30 1.2).
Sicher knüpft, wie es scheint, Hippolyt in seinem Syn-
tigma — nach dem Bericht bei Philaster haer. 29 '^ — an jene
Quellenschriften an, wenn er im Anschluß an die Erzählung der
Apostelgeschichte (bei Pseudotertullian haer. 1) sowie an die auf
Justin und Irenäus zurückgehenden Berichte über Simons Person
und Lehre erzählt, daß Simon auf seiner Flucht vor Petrus von
Jennalem nach Kom gekommen sei und hier mit ihm vor Kaiser
Nsro gekämpft, aber schließlich, durch das G^bet des Petrus
tiwrwünden und durch einen Engel getötet, ein derartiges Ende
gefunden habe, daß der Betrug seiner magischen Kunst« aller
Welt offenbar wurde.
Ahnlich bringt Hippolyt auch in den Philosophumena ^ zu-
siehst — und xmter ausdrücklicher Zitierung — die Erzählung
der Apostelgeschichte sowie nach Justin und Irenäus Nachrichten
ftber Simons Person und Lehre, um alsdann über seine römi-
1) Clem. Alex. Strom. VII 17.
2) Vgl. Lipniu a. a. 0. II 1. 30 f.
3) Hippolyt Philosoph, ed. Dnncker et Schneidewin, Gott 1850 VI
l\f. 2ΰ, vgl Lipeiofl a. a. 0. 29f.
{
228 Waitz, Die Peeadoklementinen.
sehen Kämpfe mit Petrus einen Bericht anzuschließen, der,
wie Lipsius richtig hervorhebt, aus einer dritten Schrift geschöpft
sein muß; doch ist von den syrischen Kämpfen nicht die Bede.
Die römischen Vorgänge werden unmittelbar an die Nachrichten
der Apostelgeschichte angeknüpft. Dabei spielt, wenn auch der
Apostel in der Mehrzahl gedacht wird, Petrus die Hauptrolle.
In gleicher Weise fügt auch die Didaskalia ^ an einen kurzen
Bericht über den Konflikt in Samarien und an die kurzen
Nachrichten über das Auftreten des Simon und Kleobins die
Geschichte von dem Auftreten Simons in Rom und von seinem
durch das Gebet des Petrus vereitelten Fluchtversuche an,
während die Constit ap. diese Erzählung auf Grund der
Klementinen, aber auch einer weiteren schriftlichen Quelle
(spätere Petrusakten?) ergänzen^. Auf petrosimonianische Legen-
den, die wir ebenfalls in späteren Petrusakten finden, geht
zurück, was Kommodian im carm. apolog. v. 19 sq. und Amobius
in seiner Schrift adv. gentes Π 12 erzählt. Doch verdient Be-
achtung, daß wie Kommodian auch Amobius nur von einem
Konflikte des Petrus mit Simon weiß, ohne des Paulus (und
Johannes) dabei zu gedenken^.
Die Darstellung des Kusebius beruht auf einer Kombination
der Legende von dem Konflikte zwischen Petrus und dem Magier
mit den Nachrichten, welche er über letzteren bei dem Marter
Justin und Irenäus vorgefunden hat^.
Suchen wir nun auf Grund dieser Notizen in der altchrist-
lichen Literatur durch Gegenüberstellung ein Bild sowohl der
petropaulinischen als auch der petrosimonianischen Überlieferung
zu gewinnen, so müssen wir vorausschicken, daß beide im Laufe
der Zeit sich leise umgebildet und weiter ausgestaltet haben.
Aber jede hat ihre charakteristischen Züge, die sich scharf und
deutlich herausheben. Die petropaulinische Tradition hat ihren
Schauplatz in Rom und spielt zur Zeit des Kaisers Nero. Ihre
beiden Helden sind Petrus und Paulus und der Gegenstand ihrer
Erzählung die Reise des Apostels Paulus nach Spanien, das
1) Didaskalia VI <S. U ed. Lagarde bei BuDsen, Analecta Antenicaena
II 325 sq., vgl. Lipsius a. a. O. II 1. 5i> ff. sowie oben S. 109.
2) Vgl. Lipsius a. a. 0. II 1. ö? f.
■V' Vgl. Lipsius a. a. 0. II 1. 31 f.
4) Vgl. Lipsius a. a. 0. II 1. 32 f.
II, 2, 5. Die Πράξεις Πέτρου und die OberlieferuDg usw. 229
Martyrium des Petrus und das Martyrium des Paulus. Aber
während die ältere Überlieferung (im Kan. Murat. und 1. Clem.
Hom., yielleicht auch bei Clem. Alex, und Tert.), die noch in
der stereotypen Aufeinanderfolge bei der Erwähnung beider
Apostel (1. Petrus, 2. Paulus) zum Ausdruck kommt, diese
Ereignisse zeitlich trennt, hat eine jüngere Tradition (bei Ire-
näus, Origenes, Lactantius, Petrus v. Alex.) sie zeitlich ver-
einigt. Die gemeinsame Erwähnung beider Apostel, wie sie seit
1. Clem. Rom. ständig ist, und der gemeinsame Schauplatz
ihres Todes sind, wie wir dies noch deutlich an dem Brief des
Dionysius τοη Korinth bemerken, die Ursache gewesen, auch eine
gemeinsame Predigtwirksamkeit und einen gemeinsamen Mär-
tyrertod beider Apostel zu behaupten. Stimmt jene ältere
Tradition mit den neutestamentlichen Nachrichten völlig überein,
wie sie auch an der Lokaltradition von der Verschiedenheit der
Marterstätten ^ einen starken Rückhalt hat, so wird sie nicht nur
als die ursprüngliche zu gelten haben, sondern es wird auch als
eine echte geschichtliche Erinnerung zu werten sein, daß Paulus
am Ende seiner zweijährigen römischen Gefangenschaft nach
Spanien gereist ist, daß Petrus etwa zur selben Zeit oder ein
wenig später nach Rom gekommen, aber bald darauf in der
neronischen Christenverfolgung gekreuzigt Avorden ist, daß Paulus
nach seiner Rückkehr von Spanien ebenfalls in Rom den Mär-
tyrertod gefunden hat^. Wann dies geschehen ist, wird sich
nicht ausmachen lassen, auch nicht aus der Nachricht, die der
Bischof Gelasius aus häretischer Tradition geschöpft hat, daß
Petrus und Paulus zwar an demselben Monatstage, aber in ver-
schiedenen Jahren gelitten haben ^.
Ganz andersartig ist dagegen die petrosimonianische Über-
lieferung.
Ihre Helden sind Petrus und Simon, sonst niemand. Wie
1) Bei Gs^uB s. o. S. 222. Das τρύπαιον des Petrus war danach
»nf dem Vatikan in den Gärten des Nero, das des Paulus an der Straiie
nach Ofetia. Vgl. Lipsiue a. a. 0. II I. (Uff. sowie Erbes, Die Todestage
der Apostel Petrus und Paulus in T. u. U. N. F. IV 1. 67 ff.
2) Wenn im Kanon Muratori die Passio Petri vor der Profectio Pauli
nach Spanien erwähnt ist, so beruht dies nicht auf historischen, sondern
•chniletelleriechen Gründen (s. o. S. 218 sowie Zahn a. a. 0. II 844).
.3) Gelaeius de libris recipiendis II 2 nach Lipsius a. a. 0. II 1. 6Γ).
230 Waitz, Die Peeadoklementinen.
die petropauliniflche Tradition nichts von Simon weiß, so sie
nichts von Paolus. Simon selbst ist nichts anderes als Magier
und Pseudomessias, bat aber nicht die geringste Ähnlichkeit mit
Paulns^ wie er sie auch nicht in den alten häreseologischen
Berichten bei Justin, Irenäus u. s. f. besitzt Ihr Schanplatx ist
z. T. Jerusalem (Hippolyts Sjntagma), z. T. Samarien (Act 8,
Didaskalia), z. T. Syrien (iZ ü), z. T. Rom (Hippolyt, Didas-
kalia, Const Αρ., Π. Π. [?]). Wenn sie nach jüngeren Berichten
in Rom unter Nero endet, so kann sie nach der Chronologie
Simons bei Justin hier erst zur Zeit des Klaudius und mnS
nach Act. 8 in Samarien zu früherer Zeit gespielt haben. Ihre
geschichtliche Grundlage ist der Vorgang, der Act. 8 bezw. in
der hier nachgewiesenen Quellenschrift erzahlt wird. Eine le-
gendarische Ausbildung ist all das, was von weiteren Kämpfen
beider Oegner erzählt wird. Ihre Verbindung mit der Geschichte
des Magiers Simon und seiner Sekte ist der Anlaß gewesen, sie
bis nach Rom weiter zu ffthren.
Beruht aber so sowohl die petropaulinische als auch die
petrosimonianische Tradition auf einer geschichtlichen Grund-
lage, die sich gegenseitig nicht ausschließt, so ist es durchaus
nicht notig, wie Lipsius wilP, die eine aus der andern abzu-
leiten, so als ob im Sinn des nachapostolischen Judenchristentnms
der Simon, der in Rom mit Petrus kämpfte, der Apostel Paulus
sei, und als ob durch das nacbapostolische Heidenchristentum
an seine Stelle Simon substituiert worden sei. Ist daher anch
der Konflikt des Petrus mit Simon in Rom ebenso unhistorisch
als das brüderliche Zusammenwirken des Petrus und Paulus, so
ist doch damit noch lange nicht der Überlieferung in beiden
Gestalten der Boden entzogen. Und es ist nicht reine Willkür,
sondern klare Einsicht in den literarhistorischen Befund, das
romische Martyrium des Petrus und Paulus als Tatsache fest-
zuhalten ^.
Dieses Ergebnis finden wir bestätigt, wenn wir nun zur
Untersuchung der apokryphen Apostelgeschichten übergehen,
wie solche unter den Namen Πράξεις Παύλον bezw.
1) S. 0. § 4 S. 2n2tt•. 2.1 a. a. 0. Π 1. ί>3,
Η) Gegen Lipsius a. u. 0. II 1. <)4.
II, 2| 5. Die Πράξεις Πέτρου and die Überlieferung usw. 231
τρον bereits vor Origenes bekannt und seitdem in kirchlichen
wie in gnostischen Kreisen im Gebrauche gewesen sind Κ —
1) Indem Lipsiue von den Akten des Paulus und der Thekla, sowie
Ton der Uementiniichen Literatur bezw. von den von ihm angenommenen
(a. a. 0. 1 2 ff.) ebionitiechen Akten absiebt, unterscheidet er (a. a. 0. Π 1. 84)
nach dem patristiBchen Zeugnissen dreierlei Arten:
1. alte kathoL Πράξεις Παύλου, schon von Origenes bezeugt, von
EnselNiia au den neutestamentlichen Antilegomena gerechnet und mehr-
fich in biblischen- Schrifbverzeichnissen aufgeführt, wie im Codex Claro-
montanus.
2. haretiache (gnoetische) Πράξεις oder Περίοδοι Παύλου, seit Ende
de• 4. Jahrhunderts als Bestandteil des manichäischen Kanons bezeugt,
naeh Photius ein Teil der dem Leucius Charinus zugeschriebenen Περίοδοι
των άτιοσιόλων.
3. häretische (gnosiische) Πράξεις oder Περίοδοι Πέτρου, wohl schon
dem Klemens Alexandrinus bekannt und ausdrücklich ?on Euseb zitiert,
seit Ende des 4. Jahrhunderte ebenso wie die vorgenannte Schrift als Be-
standteil des manichäiscben Kanons bezeugt und ebenfiüls der leuciani•
sehen Sammloag der Περίοδοι των αποστόλων zugehörig.
Indem wir uns die Unterscheidung der unter 1. und 2. angeführten
Πράξας Παύλου aneignen, müssen wir im Gegensatz zu Lipsius auch die
3. angeführten Πράξεις Πέτρου in alte katholische und spätere h&-
(besw. manichftische) trennen.
Nachdem wir, wie in der Apostelgeschichte so auch in den Klemen-
tiaen, die Existenz katholischer Πράξεις Πέτρου nachgewiesen haben, in
Simon als Gegner des Petrus erscheint, müssen wir die Notizen bei
Alexandrinus eben anf diese beziehen, für deren gnostischen Cha-
nkter Lipsius den Beweis schuldig geblieben ist Ebenso müssen wir
danof Gewicht legen, daß Euseb die Πράξεις Πέτρου, die er h. e. III 3 a
ab nidit kanonische Schriften anführt, ebenso zu den αντιλεγόμενα, d. h.
I. T. als kanonisch anerkannten Schrillen, gerechnet haben kann, wie er
im h« e. III 25 4 den auch h. e. III 3 1 kurz vor den Πράξεις Πέτρον er•
«ikoten 2. Brief des Petrus gerechnet hat, und daß er sie nicht zu
^ νά^ d. h. häretischen gerechnet haben muß, wenn er h. e. 111 25 2
diso ausdrücklich die auch h. e. III 3 2 neben den Πράξεις Πέτρου ge-
staute Apokalypse des Petrus rechnet, dagegen hier von den Πράξεις
Bitfmf schweigt Jedenfalls hat sich Eusebius Über sie nicht deutlich
ioigMprochen. Vielleicht beruht dies darauf, daii er eben zweierlei
Β^άξε§ς Πέτρσν gekannt hat, sowohl katholische als auch häretische.
Betfe hat er natürlich nicht als όμολογούμενα anerkannt, beide aber auch
si^ mit einander entweder zu den αντιλεγόμενα oder zu den νό&α
radncB künaen• Daher hat er sich begnügt, sie einfach negativ als solche
m bezeichnen, welche nicht in die Kategorie der όμολογούμενα gehören.
232 Waitz, Die Pseudoklementinen*
Denn überall gehen, wie die patristiscbe Überlieferung,
so auch diese Akten im letzten Grund auf diese doppelte,
petropaulinische und petrosimonianische Überlieferung zurück»
indem sie dieselbe, bald die eine oder die andere für sich, bald
beide miteinander verknüpft, als die Grundlage benutzen, auf
der sich ihre sonst mit vielen legendarischen Zusätzen versehenen
und aus freier Phantasie erdichteten Erzählungen aufbauen.
Das gilt zunächst von den sogen. Linustexten der Petrus-
akten, wie dem Mart. b. Petri und μαρτνριορ τον άγΙου άπούχό-
λον Πέτρου^ vor allem aber von den Actus Petri cum Simone.
and es offen gelassen, in welche der beiden andern Kategorien sie zu
rechnen wären. —
Wir hätten also viererlei Art von Petrus- und Paulusakten zu unter-
scheiden :
1. katholische Paulusakten,
2. häretische (manichäische) Paulusakten,
8. katholische Petrusakten,
4. häretische (manichäische) Petrusakten.
Sind die katholischen durchweg früher bezeugt, so müssen die häre-
tischen (manichäischen) als die späteren gelten. Daher können wir auch
nicht der Ansicht von Lipsius (a. a. 0. II 1. 258 ff.) zustimmen, daß die er-
haltenen Reste alter Petrus- (und Paulus )akten gnostischen Ursprungs
seien, sondern müssen sowohl die Πράξεις Πέιρον καΐ Παύλου (den
sogen. Marcellustext) , als auch die sogenannten Linustexte und ihre
Sippen für ursprünglich halten. Inwieweit sie später gnostischen Cha-
rakter angenommen haben und an sich tragen, kann hier nicht weiter
untersucht werden. Nur die mit Johannes-, Andreas- und Thomasakten zu-
sammengenannten manichäischen Petrus- und Paulusakten, wie sie von
Philaster haer. 88 und Photius bibl. cod. 114 erwähnt sind, die sogen,
leucianische Sammlung, müssen als durchaus gnostisch-manichäischee Mach-
werk bezeichnet werden. (Vgl. Lipsius a. a. 0. I 47 f.)
Wenn Lipsius a. a. 0. I 2 ff. neben diesen auch noch ebionitisclie
Petrusakten annimmt, so kann er zu ihrem Nachweis allein unsre Kiemen-
tinen anführen. Irrt er hierin, wie wir gezeigt haben, so bezieht er auch
die Notiz bei Epiphan. haer. 30 le unrichtig auf solche Petrusakten. Hat
es ebionitische Akten überhaupt gegeben, so nur, wie £piph. bezeugt,
πράξεις αποστόλων im allgemeinen oder Jakobusakten {άναβαθ-μοί
*Ιαχώβον), jedenfalls keine ebionitische Petrusakten. Doch ist auch die
Existenz ebionitischer JakobUsakten fraglich. Was Hegesipp (bei Eos.
h. e. II 28) und Klemeus Alex, (bei Eus. h. e. II 9 vgl. Pädag. II 1) Ober
Jakobus den älteren und den Bruder des Herrn berichten, kann auch
aus anderweitiger Überlieferung geflossen sein. Andre Reste aber solcher
Akten existieren nicht.
U, 2, 5. Die Πράξεις Πέτρου und die Überlieferung usw. 233
Wie wir schon oben S. 196 ff. angedeutet haben, müssen
wir hier Terschiedene Quellen annehmen, die von dem Bearbeiter
der Akten in ein gemeinsames Bett geleitet worden sind. Darauf
weist auch in den Act. Petri hin
1. die Inkongruenz in der Chronologie: Die Ereignisse
spielen zur Zeit Neros, aber nach einzelnen Bemerkungen auch
zur Zeit des Klaudius.
2. die Verschiedenheit des Schauplatzes: Als solcher wird in
buntem Wirrwarr Jerusalem bezw. Judäa, Rom und Spanien genannt.
3. die ungleichartige Behandlung der Hauptpersonen: Pau-
lus erscheint nur am Anfang, um dann bis auf wenige gelegent-
liche Erwähnungen zu verschwinden. Petrus steht am Schluß
allein im Mittelpunkt. Zwischendrein handelt es sich nur um
Petras und Simon.
4. die Wiederholungen in der Erzählung: So wird der
entscheidende öffentliche Kampf zwischen Petrus und Simon
zweimal dargestellt, indem es sich das eine Mal um die durch
Petrus überbotenen Scheinkünste des Simon, eine Totenaufer-
wecknng, das andere Mal um den an des Petrus Gebet scheitern-
den Flagyersuch des Simon handelt Bei der ersten Darstellung
findet sich überdies noch eine Wiederholung , indem zuerst ein
durch Simons Künste getöteter Knabe, sodann der Sohn einer
Witwe von Petrus auferweckt, schließlich der Sohn einer Sena-
torenfrau zunächst von Simon nur zum Scheine belebt, dann
aber von Petrus wirkhch lebendig gemacht und seiner Mutter
zurückgegeben wird^
Suchen wir das Verhältnis der verschiedenen hier verar-
beiteten Schriften genauer zu bestimmen, so müssen wir uns ver-
gegenwärtigen , daß die Actus Petr. c. Sim. die Bearbeitung
einer älteren Grundlage sind und manches, wie z. B. die Wieder-
holung der Auferweckungsgeschichte, auf Rechnung des Bear-
beiters kommt, wie ein Vergleich mit anderen Bearbeitungen
derselben Grundlage, wie Pseudohegesipp, den Akten des Nereus
und Achilleus und der syrischen Predigt des Simon Kephas
in Rom zeigt, welche nur eine solche Geschichte erzählen.
Aber wenn wir auch dies in Rechnung ziehen, werden wir doch
1) VgL lips. et Bonnet Ic. p. 70 1. 17 sq., p. 7:^ l. 1 sq., p. 74 1. 1 sq.,
p. Sl 1. 17 eq.
234 Waitz, Die Peeudoklementinen.
in der gemeinsamen älteren Grundlage noch eine dreifache Ute-
rarisohe Schicht unterscheiden müssen:
1. eine Petrus-Paulusgeschichte,
2. eine Petrus-Simongeschichte,
3. eine Anzahl Erzählungen episodenhaften Charakters.
Die Peirus-Paulusgeschichte, die uns Yon der Abreise des
Paulus von Rom, sowie von dem Martyrium des Petrus ia Rem
erzählt, ist noch deutlich erhalten in den Act Peir. c. Sim.
und in der Passio Petri der Linustexte. So beginnen die Act
Petr. c. Sim. ihre Erzählung mit dem Abschied des Paulus von
Rom, der erfolgt, kurz bevor Simon und Petrus in Rom er-
scheinen, und schließen mit der Passio Petri ^, in der sich aoeh
die von Origenes angefahrten Worte Christi an Petrus finden
(s. 0. S. 221). In ähnlicher Weise nimmt auch die kürzere Re-
daktion der Passion des Petrus, die in einer Handschrift aus
dem 7. Jahrhundert, in dem Cod. bibL capii VeroeUensie unr
mittelbar hinter dem Text der klementinischen Rekognitioa^i
steht, im Anfang auf die Abreise des Paulus nach Spanien Be-
zug, um sodann nach einem kurzen Bericht von der Ankunft
des Simon und Petrus in Rom, sowie ihren Wunderweitkimpfen
ebenso wie in den Act Petr. c. Sim. das Martyrium des Pefems
in Rom zu schildern^. Ebenso muß auch Pseudohegesipp etwas
von der Romreise des Paulus gewußt haben, auch wenn er sie
nicht erzählt, da er — jedoch nicht in allen Handschriften —
davon spricht, daß Paulus zum 2. Mal (denuo) nach Rom zu-
rückgekommen sei, und überhaupt Petrus und Paulus in Rom
zusammenwirken läßt. Jedenfalls erzählt auch er — nach einem
Bericht über die Kämpfe zwischen Petrus (Petrus und Paolue)
und Simon — die Flucht und die Kreuzigung des Petrus wie
Act. Petr. c. Sim., woran er noch eine kurze Bemerkung über
den Märtyrertod des Paulus anhängte
Bildet nun hier überall die Erzählung von der spanischen
Reise des Paulus den Anfang, ohne daß später — außer in dem
späteren Zusatz bei Pseudohegesipp — auf Paulus zurückgekommoi
wird, und die Erzählung von dem Martyrium des Petrus bezw.
1) Ed. Lips. et Bonnet Ic. p. 45 l. 10 sq., cf. p. 51 1. 26 eq., p. 8ö eq.
2) Lipeius a. a. 0. II 1. 90 f.
3) Vgl. Lipsius a. a. 0. II 1. 194 ff.
II, 2, 5. Die Πράξεις Πέχ^ον und die Überlieferung asw. 235
Paalae den Schluß der Akten, zwiflchen welche die Peiaras-Simon-
gescbichte eingeschaltet ist, so werden beide Erzählungen als
ein literarisches Ganzes angefaßt werden müssen, als dessen
Quelle wir die im Elanon Muratori genannten, durch Origenes be-
zeugten Akten erkennen.
Die Petrus-Simongeschichte, die von den Wettkämpfen bei-
der in Rom erzählt, ist in den beiden Redaktionen der Passio
Petri Torübergehend erwähnt^, ausführlich, wenn auch im ein-
zelnen Tersehieden, dargestellt in den Act Petr. c. Sim.^ wie
bei Pseudohegesipp ^ in den Akten des Nereus und Achilleus^,
sowie in anderen späteren Bearbeitungen ^ Heben wir das
heraus, was diese Bearbeitungen gemeinsam haben, was also in
ihrer G^rundschrift stand, so finden wir im wesentlichen folgendes:
Die Helden der Handlung sind allein Petrus und Simon.
Nur in Interpolationen wird in den Act. Petr. c. Sim. und bei
Pseudohegesipp auch Paulus erwähnt. Die Zeit ist die des
Nero, dabei aber wird nicht nur in den Act Petr. c. Sim.,
sondern auch in der άναχεφαλαΐωβις zum 5. Buch des
PiModohegesipp die des Klaudius genannt. Der Schauplatz ist
Rmn. Doch wird auf frühere Stätten der Wirksamkeit zurück-
gewiesen, so in Act Petr. c. Sim. auf Jerusalem, Judäa, Sa-
marien (Napolis), Cäsarea^, bei Job. Malala und im νχομνημα
dee Simeon auch auf Antiochienl Von den Wundem, die Pe-
trus vollbringt, wird durchweg die £rweckung eines Jünglings
erzählt, den Simon nur scheinbar beleben konnte^. Die Oe-
1) Martyriiim Petri ed. Lips. et Bonnet p. 3 1. 7 sq., p. 4 l. 21 sq,
p. 22 L 2 eq. μαρτνριον τον άγίον άποστόλον Πέτρον ρ. 8() 1. 2<) sq.
ρ. >^2 L 1 gq.
2) Ed. Lips. et Bonnet ρ. 48 1. 21 sq. u. o.
8) Bei Lipsios a. a. 0. II 1. 196.
4) Bei Lipsins a. a. 0. Π 1. 201 ff.
5) In der Chronik des Job. Malala bei Lipsias a. a. 0. II 1. 2()7ff.;
in der Chronik des Gleorgioe Hamartolos (bei Lipsius a. a. 0. II 1. 213 f.);
in der Kirchengeschichte des Nikephoros (bei Lipsius a. a. 0. II 1. 214 f.);
ia dem Hjpomnema, das dem Simeon Metaphrastes beigelegt wird (Lip-
ew *. a. 0. II 1. 218 f.).
Q) VgL S. 194 Anm. 1 α. 2.
7) VgL Lipsiiie a. a. 0. II 1. 208. 211. 218. 223.
8) Act Petr. c. Sim. vgl. Lips. et Bonnet p. 75 sq.: Pseudohegesipp
vgi-Lipiras a. a. 0. II 1. 198; Act. Ner. et Achill, vgl. Lipsius a. a. 0. II 1 . >Γ)1.
i
236 Waitz, Die Pseudoklementinen.
schichte von dem redenden Hund, auf die sich auch Kommo-
dian bezieht, erwähnen dagegen nur Act Petr. c Sim., Act Ner.
et Achill., sowie Joh. Malala^ Dagegen wird überall der miß-
glückte Flugversuch des Simon und sein Tod berichtet, mag
auch das Detail verschieden sein^. —
Vergleichen wir mit diesem Inhalt und Charakter der Pe-
trus-Simongeschichte das, was sich uns aus den patristischen
Zeugnissen als petrosimonianische Überlieferung ergeben hatte,
so werden wir auch hier die vollkommene Ähnlichkeit nicht
leugnen können und in dieser Petrus - Simongeschichte die
Grundlage suchen müssen, auf der sich die späteren (katholi-
schen und gnostischen) Akten weitergebildet haben. Ihre enge
Verwandtschaft mit den Π. /7. der Klementinen ist schon oben
dargelegt wie auch ihre gemeinsame Wurzel in jener Quelle
der Apostelgeschichte aufgezeigt worden, die Act 8 9 ff. zu
Tage tritt
Neben der Petrus-Paulus- und der Petrus -Simongeschichte
enthalten freilich unsre Akten noch vielen legendarischen Stoff, wie
in einzelnen Erzählungen, so in der Vorführung des verschie-
denartigsten Personals. Aber wie sie hierin untereinander am
stärksten differieren, so gehen sie damit sämtlich über jenen
gemeinsamen Grundstock hinaus. Daher wird dies alles als
üppiges Kankwerk dichterischer Phantasie und unbewußter Le-
gendenbildung zu betrachten sein, das jene beiden Stämme der
Überlieferung überwuchert hat, ohne ihn gänzlich bedecken zu
können.
Wenden wir uns noch kurz dem sogenannten Marcellus-
texte, den Petrus- und Paulusakten, Acta Petri et Pauli und
ihren Verwandten, dem Martyr. Petri et Pauli und der Passio
apost Petri et Pauli zu, so haben wir auch hier denselben lite-
rarischen Befund^. Allerdings, diese Akten unterscheiden sich,
wie Lipsius hervorgehoben hat^, dadurch charakteristisch von den
1) Vgl. Lipsius a. a. 0. II 1. 202. 2(.)a
2) Act. Petr. c. Sim. ed. Lips. et Bonnet p. 88; Martyr. Petr. Ic. p. 82;
Pseudohegesipp Lipsius Π 1. 199; Act. Ner. et Achill, implicite im Hinweis
auf die späteren Kämpfe des Petrus und Simon; in der Chronik des Joh.
Malala ebenda 212; im υπόμνημα des Simeon ebenda 223.
3) Vgl. dazu Lipsius a. a. 0. II 1. 284 ff.
4) Vgl. Lipsius a. a. 0. II 1. 341 ff., sowie Mart Petri et Panli ed.
II, 2, 5. Die Πράξεις Πέτρου und die Oberlieferuog usw. 237
Petrusakten, daß die Gleichstellung des Paulus mit Petrus auch
in der Bekämpfung Simons, wie sie schon in den Act. Petr. c.
Sim. und bei Pseudohegesipp gelegentlich voi^enommen wurde,
systematisch durchgeführt worden ist. Aber sehen wir davon
ab, so erkennen wir auch hier dieselbe zweifache Grundlage,
auf welcher die andern Akten beruhen.
Auch hier beginnt die Erzählung mit dem Apostel Paulus,
der freilich diesmal nicht von Rom abreisen darf, da er ja hier
mit Petrus zusammen wirken und sterben soll. Daher steht hier
an Stelle der Reise nach Spanien eine Reise von Spanien bezw.
nach Rom^ Ebenso schließt auch hier die Erzählung mit dem
Martyrium des Petrus, die gerade hier, wie Lipsius sagt^, gegen-
über der Darstellung des Linustextes die relativ ältere ist. Sieht
Lipsius hierin jene Πράξεις Πανλον, die schon Origenes zitiert,
so stimmen wir ihm im allgemeinen bei. doch erscheint es uns
fraglich, ob all das, was noch die Act. Petr. et Paul. — und
sie allein — von der gemeinsamen Wirksamkeit und Predigt-
tätigkeit beider Apostel berichtet, schon in jenen Πράξεις Πανλον
gestanden hat.
Im übrigen finden sich hier nicht wenige Berührungen auch
mit der petrosimonianischen Überlieferung. Der Schauplatz
der Handlung ist wohl Rom; aber auch Judäa, ganz Palästina
und Cäsarea wird als die Stätte genannt, wo Petrus dem Simon
entgegentrat^ Die Zeit der Handlung ist auch hier die des
Nero. Aber daneben wird auch die des Klaudius genannt, indem
der Bericht des Pilatus über Jesu Person statt — wie man er-
warten sollte, an Tiberius — an Klaudius gerichtet ist. Mit Recht
hat Lipsius diese sonderbare Adresse an Klaudius dadurch er-
klärt, daß der Verfasser jenes apokryphen Briefes hier die Zeit-
bestimmung für den Kampf des Petrus mit dem Magier Simon
in Rom auf den Bericht des Pilatus an den Kaiser übertragen
Lipe. et Bonnet p. 130. 132 und p. 142. Über die Motive dieser Gleich-
itellnLg beider Apoetel s. o. S. 229.
1) Martyr. Petri et Pauli ed. Lips. et Bonnet p. HS 1. 2; Act. Petri
etPaoli Ic p. 178 1. 2 sq., p. IKS 1. 1 sq., p. 18i» 1. 4 sq.; Passio ap. Petri
et Paoli Ic p. 223 1. 2 sq.
2) Lipniie a. a. 0. II 1. 339.
3) Lipsius a. a. 0. II 1. 301, vgl. S. 194 Anm. 1 u. 2.
i
238 WaitK, die Pseudokkmeiitmeii.
hat^ Nur kann hier nicht von einer ,JadenchiieÜichen''
Legende, sondern nur von jener petrosimonianischen Oberliefeanmg
die Bede sein, wie wir sie in den IL Π. der Klementmen ge-
fanden haben. Auch das, was von Simone Gkiukeleificken und
Petri Heil wundem erzahlt wird, stimmt ganz hierzu^. Ebenso
ist es ganz im Geist dieser /7. /7. gesprochen, wenn Petrus sect
35 lehrt, Simon sei ein Lügner und Magier etc. Derselben
Legende sind auch die Schilderung der Verwandlungen Simons,
die Geschichten von der angeblichen Enthauptung Simons und
Auferstehung am 3. Tage (sect 46. 52 f), desgleichen die Ge-
schichte von der Erratung der Gedanken Simons durch Petrus
und von der Vertreibung seines dämonischen Hundes (sect 45 — 48),
sowie die Geschichte von dem verunglückten Flugversuch des
Magiers und seinem elenden Ende entlehnte
Finden wir so hier im Grunde dieselbe zweifache Über-
lieferung, die wir auch in den übrigen Akten sowie in den
patristischeo Zeugnissen bemerkt haben, dann werden wir als
Ergebnis unserer Untersuchung festhalten dürfen, daß die ge-
samte Überlieferung über die römische Wirksamkeit und den
Martyrertod der beiden Apostel auf dieselbe zweifache Wurzel
zurückgeht, deren letzte Ausläufer in der nach Lukas benannten
Schrift des Kanon Muratori einerseits, und in der in Act. 8,
sowie in den /7. Π. hervortretenden Petrus-Simongeschichte
andererseits liegen, und deren Fortbildungen wir in den von
Origenes zitierten und durch Euseb als halbkanonisch bezeugten
Πράξεις Πανλον bezw. in den schon dem Klemens Alexandrinus
bekannten und von Euseb genannten Πράξεις Πέτρου zu er-
kennen haben. Ihrem Charakter nach rein katholisch, ja — die
petrosimonianische — antignostisch, hat diese Überlieferung im
Laufe der Zeit sich um- und weitergebildet Auch Differenzen
haben sich dabei ergeben müssen, die sich vornehmlich, wie
Lipsius gezeigt hat, auf 1. das Verhältnis der Geschicke des
Petrus zu denen des Paulus, 2. den Anlaß des Martyriums und
1) Lipsius a. a. 0. U 1. 305.
2) Vgl. Lipsius a. a. 0. II 1. 299 f. 340 und Anm. 1. Lipsius ver-
gleicht sect 32. 35 und R 2 9. 3 47. Η 2 84. 4 4 sowie Act Pefcr. c Sim.
Vgl. bei Lips. et Bonnet: Mart. Petr. et Paul. p. 162 sq.; Act Petr. et Faul.
p. 208; Passio Petr. et Paul. p. 229 sq., p. 231 sq.
3) Lipsius ebenda 363.
II, 2, 5. Die Πράξεις Πέτρσν und die Oberlieferung uew. 239
3. He näheren Umstände der Besiegung des Magiers erstrecken'.
Wie rie aber in literarhistorischen Gründen ihre genügende £r-
Uaroiq; finden^, so yermogen sie weder die τοη Lipsius vorge-
seUagene Unterscheidung alter katholischer und gnostischer,
bezw. ebionitischer Akten als der Quellen fftr die späteren
apokryphen Akten zu rechtfertigen, noch auch uusre Feststellung
der beiden rein katholischen Quellen, der Πράξεις Παύλου (bezw.
des τρίτος λόγος des Lukas) und der Πράξεις Πέτρου irgendwie
mimcher zu machen.
Das aber umso weniger, als wir in der Lage sind, den
fiteranschen Nachweis dafür zu geben, daß es Petrus- und Paulus-
akten gegeben hat, welche wesentlich keinen andern Inhalt
hatten, als den von uns in der patristischen Überlieferung sowie
in den späteren apokryphen Akten aufgedeckten und bloßgelegten
örundstook der Petrus-Paulus- bezw. Petrus-Simongeschichte.
In einer Monographie hat A. Baumstark „die Petrus- und
Panlnsakten in der literarischen Überlieferung der syrischen
Kirche*' (Leipzig 1902) untersucht und ist dabei zu dem Er-
gebnis gekommen (a. a. 0. 60), daß die syrische Kirche die Petrus-
und Paulusakten in einer syrischen Übersetzung niemals yoU-
stindig, sondern unmittelbar nur das Schlußstück der
Petmeakten und von den Paulusakten außer dem Schlußstücke
noch zwei oder höchstens drei aus dem Zusammenhang ausge-
hobene Episoden, außerdem aber, vermittelt durch eine ins
Byrisohe fibersetzte pseudoklementinische Schrift über das Wirken
und Ende der Apostel und der 70 (72) Jünger, die den Actus
1) Lipsini a. a. 0. II 1. 320 ff.
2) Die petropaulinische Oberliefening spielt in der Zeit Neros, die
pefcroeimoiiianieche in der Zeit des Elaudius. Der Anlaß des Martyriums
Petri war ursprünglich nur die Predigt des Petrus von der Enthaltsamkeit.
Knt naeh der Verknüpfung der petropaulinischen Legende mit der petro-
unonianiBChen konnte der Sturz des Magiers mit dem Martyrium des
Pedtis in Yerbindong gebracht werden. Zur Erklärung für die Ver•
Khiedenheit der Ortlicbkeit, an der der Sturz des Magiers erfolgte, hat
^pems selber auf die römische Lokaltradition aufmerksam gemacht. Hin•
BcbUidi dee Flngverenche bezw. der Himmelfahrt des Simon jedoch findet
>Bdi nach Lipsins (a. a. 0. 828) zwischen der gnostischen und katholischen
Überlieferung keine Yerechiedenheit statt. Die Inkongruenz in der Dar•
iftelhmg der n&heren Umstände des Sturzes ist durchaus unwesentlich and
znf&llig.
240 Waitz, Die Pseudoklemeniinen.
Petri cum Simone eDtsprechende Partie der Petrusakten, sowie die
— wahrscheinlich — denselben entnommene Erzählung über das
Wirken des Apostels in Antiochia und den Inhalt eines von den
alten Paulusakten abweichenden Martyriums des Paulus besessen
hat. Das ist aber, wenn wir von den auf eigenartiger Tradition
beruhenden Stücken der Paulusakten absehen, eben nichts anders
als jene petropaulinische bezw. petrosimonianische Tradition.
Betrachten wir nämlich, nach Baumstark, im einzelnen die
Überlieferung über Petrus und Paulus sowohl in der syrisch-
monophysitischen Massora, in der Lehre des Addai, bei den
nestorianischen Historikern und bei den Maroniten als auch nach
den ausführlichen und selbständigen syrischen Texten, wie sie
primär sowie kontaminiert uns erhalten sind, wozu noch die
sogenannten Karsüni-Texte kommen, so finden wir hier nichts
von jenen legendarischen Episoden, wie sie in der griechisch-
römischen Überlieferung der Petrus- und Paulusakten, in den
sogen. Linus- und Marcellustexten, vorliegen. Vielmehr wird
ims im ganzen hier nur das berichtet, was uns auch die ältere
patristische Überlieferung bezeugt. Was zunächst die Petrus-
und Paulusgeschichte anbelangt, so lernen wir auch hier die be-
kannte Erzählung von der Kreuzigung des Petrus und der Ent-
hauptung des Paulus ^ kennen. Dabei . tritt wohl immer wieder
die in Syrien zweifellos durch das Ansehen der Chronik des
Eusebius gestützte Anschauung von ihrem gemeinsamen Be-
kenntnistode hervor 2. Immer wieder aber tritt ihr die alte An-
schauung von einem getrennten römischen Martyrium gegen-
über^. Von einer gemeinsamen Predigtwirksamkeit beider
Apostel in Rom hören wir nur einmal^. Nicht unbekannt ist•
1) Vgl. die syrischen Texte bei Baumstark im Anhang No. 1 S. 66 (67)
und No. 5 S. 68 (69).
2) Vgl. den syr. Text bei Baumstark im Anhang No. 3 S. 66 (67),
sowie No. S S. 72 (73), sowie Michael d. Gr. (f 1199) in der Chronik,
ebenda 14 und Bar-'Ebrrijfi, (f 1286) in der Kirchengeschichte, ebenda 14,
Lehre des Addai ebenda 18, sowie überhaupt Baumstark 62 f.
H) Vgl. oben Anm. 1, außerdem das „Turmbuch" des Mär()) ibn
Suleiman (1147) bei Baumstark a. a. 0. 20, sowie die syr. Texte Anhang
No. 7 S. 68 (69). 70 (71), No. 9 S. 72 (78). 73 (74), No. 10 S. 74 (75), außer-
dem die von Bedjan herausgegebenen Akten ebenda 42.
l) Vgl. die orientalische Apokalypse des Petrus durch Klemens bei
Baumstark 4i).
π, 1?, Γ). Die 1Ιηάξ€ΐς llkXQOv und die Cberlieferung usw. 241
jedoch auch hier die Erzählung von der Reise des Pauhis nach
Spanien, wenn an ihre Stelle auch einmal eine Reise des Petrus
dahin genannt wird'.
Stärker aber als die Petrus-Paulusgeschichte wird die
Petrus-Simongeschichte betont, öfters auch allein ohne Verbin-
dung mit jener^. Auch hier in der syrischen Überlieferung spielt
sie — jedoch völlig unterschiedslos, wie das Martyrium des
Petrus im Anschluß an Euseb stets in die Zeit des Nero ver-
legt wird, — in der Zeit des Klaudius^. Auch hier ist ihr
Schauplatz Jerusalem, Judäa^, vor allem aber Syrien und An-
tiochien^ Ihr Held ist Petrus allein, welcher predigt, Wunder tut,
Kranke heilt, Tote auferweckt, sowie Kirchen gründet^. Wenn
1) Vgl. die Lehre des Addai bei Baumetark a. a. 0. 19, die durch
Bedjan herausgegebenen Akten ebenda VI. Die jüngere Redaktion des
„Turmbuche" ebenda 21, sowie im Anhang Nr. 8 S. 70 (71).
-) ^gl• die syr. Texte bei Baumstark im Anhang Nr. '1^ S. (><) (07),
außerdem Johannän bar Penkäje (7 saec.) ebenda 'J», sowie Anhang Nr.
S. «IS (()i>), Dionysius bar Salibi (f 1171^ ebenda i:>, sowie im Anhang Nr. 12
S. 77 (78), Bar-'Ebrivja (f 12S(>) ebenda IIJ.
3) Vgl. die syr. Texte bei Baumstark im Anhang Nr. Ί S. 00 (07),
Nr. 4 S. (]♦) (07), die eyr. Predigt des Simon Kepha in der Stadt Rom
ebenda :J9, Michael d. Gr. ebenda 10 f.
4) Vgl. die syr. Texte bei Baumstark im Anhang Nr. 1 8. 00 1 07-,
Nr. :j S. (H> (07), Nr. S. (;8 (09), Nr. i) S. 7"J (7:Jj. Das „Turmbuch"
nennt zahlreiche Städte im Romäergebiet ebenda 20. Anhang Nr. 7
S. tis (09).
.')) Vgl. die syr. Texte bei Baumstark im Anhang Nr. :> S. 00 (07 ,
Nr. 4 8. 00 (07), Nr. 7 S. OS ((ii)), Nr. 8 S. 70 (71), Nr. ii S. 72 i7:l•, Nr. lu
S. 74 (7.'i), Nr. 12 8. 7t) (77), sowie Dionysius bar Salibi ebenda i:i. Har-
Ebräjä ebenda 13 f., Michael d. Gr. ebenda 14, Lehre des Addai ebenda
1^, Elias von Nieibis ebenda 2(), Pseudoklemens bei Jakob von Sarug
ebenda 27, Syr. Predigt ebenda :{!), die oriental. Petrusapokalypse ebenda
41), Pseadoephrem ebenda 52.
<>) Vgl. die syr. Texte bei Baumstark im Anhang Nr. 2 S. 00 ,07 ,
Nr. 4 S. 0(j (07j, Nr. 7 S. <i8 (Oi)) (miracula edidit et Cassianum et bovem
resiucitavit et claudum Hierosolymis sanavit et daemones ejecit et artem
magicam ad nihilum perduxit et stupenda signa fecit . . multosquo
.\Dtiochiae . . ad Ghristianam tidem convertiti; Nr. s S. 7n 71) t prima
quidem, quam aedificavit, ecclesia Antiochiae erat in domo Cassiani ho-
minis regia in ea urbe dignitate conspicui, cuius tilium resuscitaverati;
iVr. ii S. 72 (73) (praedicavit); Nr.• 12 8. 7(i 77) ecclesiam aedificavit . ..
epiiicopam Antiochiae Euodium constituiti.
I Texte α. Untersachongen. N. F. X, 4. IG
242 Waitz, Die Pseudoklementinen.
bei verschiedenen Schriftstellern, die hier auf eine gemeinsam«
Quelle (Pseudoklemens) zurückgehen, neben Petrus auch Jo
hannes sowie Paulus erscheint, so ist es doch Petrus allein, dei
handelt'. Offenbar beruht die Zufügung der andern Apostel au
einer späteren Interpolation — vielleicht auf Grund der kanoni
sehen Apostelgeschichte. Sein Gegner ist der Magier Simon, dei
nach derselben gemeinsamen Quelle schon in Antiochien den
Petrus gegenübertritt, sodaß Petrus — mit Johannes — aus de:
Stadt vertrieben wird. Durch Blindenheilung und Auferweckunj
eines vornehmen Jünglings vor versammeltem Volk im Theate:
bezeugt jedoch Petrus seine göttliche Sendung und richtet darauf
hin die Kirche in Antiochien ein^. Aber auch hier, in der syri
sehen Überlieferung, findet die Entscheidung in dem Wunderwett
streit nicht in Syrien, sondern in Rom statt, wo Simon durcl
eine Totenauferweckung von Petrus tiberwunden und schließlicl
bei seiner Himmelfahrt auf dessen Beschwörung herabgestfirz
wird und stirbt^. —
1) Die gemeinsame Quelle dieser eigenartigen C berlieferung, die siel
in einer Homilie Jakobs von Sarug (f nach 51 ίί), sowie bei Dionysius ba
Salibi, in der orientalischen Petrusapokalypse, in der Rede Psendo
Ephrems vor Basileios erhalten hat, ist die pseadoklementinische Ge
schichte der 12 Apostel und der 70 (72) Jünger. Vgl. Baumstark a. a. C
27 f. 4.') f. 4ί). 52. Γ)9.
2) Vgl. den Bericht bei Pseudo-Ephrem nach Baumstark a. a. O. Γ>ι
sowie bei Jakob von Sarug. ebenda 2sf., die sich gegenseitig ergänzen
außerdem die syrische Predigt des Simon Repha in Rom ebenda M).
3) Vgl. die syrischen Texte bei Baumstark im Anhang Nr. 2 S. ii
(()7) ipropter errorem Simonis magi Romam advenit); Nr. β S. 08 (Ol'
Johanmin bar Penkäje (7 saec. ι f a ludaea Romam usque celeri euren perrexi
[sc. Simon] vicitque ^sc. Petrus] eum et superavit per virtutem Christi]
Nr. S S. 7(> i71j die jüngere Redaktion des „Turmbuchs" (certior facta
est [sc. Petrus] Simonem magum, quocum altercatus erat eumque Samara
depulerat, Romanos magica sua arte infestare. Tum eo se convertit . . . e
magum interemiti; Nr. 11 S. 74 (75) Scholienbuch des Theodoros ba
Köni 791 ipoUicitus erat se mortuos resuscitaturum esse. Cum igitu
transirent, qui mortuum portabant, Sem on (Petrus) ei dixit: Excita illon
Quod cum facere non potuisset, Sem^on (Petrus) mortuo imperavit: In no
mine Jesu Christi surge. Qui exemplo surrexit. lam cum Romani euo
lapidare vellent, daemones eum in altuni elevaverunt, sed precibos prin
cipis apostolorum ... in terram cecidit et omnia ejus ossa confringe
biintur . . Petrus autem Romac ecclesiam plantavit; Nr. 12 S. 7li (77) au
II, 2, (). Abfassungsort und -zeit der Πράξεις Πέτρου, 243
Diese Übereinstimmung der syrischen Überlieferung und
Texte einerseits mit den patristischen Zeugnissen und dem ge-
meinsamen Grundstock der späteren Petrus- und Paulusakten
(der Linus- und Marcellustexte) anderseits ist auffallig. Ist es
sicher, daß die syrische Überlieferung die hier vorliegende Ge-
stalt der Petrus- und Paulusakten nicht gekannt hat^ wie sie
überhaupt eine durchweg ältere Gestalt derselben darstellt, so
maß sie zwar nicht als deren Quelle betrachtet werden, doch
zeigt sie, daß es ältere Petrus- und Paulusakten gegeben hat,
auf Grund deren sich die syrischen ebenso wie die griechisch-
romischeu Akten selbständig weiterbildeten.
Der Stammbaum der Petrus- und Paulusakten stellt sich
demnach folgendermaßen dar:
Bericht des Lukas von der Quellenschrift der Apostelge-
Reise des Paulus nach Spanien geschichte von Petrus (und seiner
and dem Martyrium des Petrus Begegnung mit Simon),
in Rom.
Πράξεις Πέτρου xal Παύλου \ Πράξεις Πέτρου χαί ΣΙμωνος
(nach dem Kanon Muratori). (ζ. Τ. erhalten in den Klemen-
tinen).
Πράξεις Παύλου (nach Ori-
genes).
Πράξεις Πέτρου και Παύλου.
Die syrischen Texte. Die Linustexte. Die Marcellustexte.
6. Abfassungsort und -zeit der Πράξεις Πέτρου.
Wenn für die Petrusakten, die in den sogenannten Linus-
lexten enthalten sind, zuletzt Bithynien als Heimat geltend ge-
macht worden ist^, so hat diese Ortsbestimmung für unsere //. //.,
dem Prolog ζόγ Markueerklürung des Vierevangelienkommentars von
Dionjnas bar Salibi: die Geschichte von dem redenden Hand, die Auf-
enreckung des Sohnes des Cyprianus, die mißglückte Himmelfahrt des
Simon; außerdem die Lehre des Addai ebenda lü, die maronitische
rberlieferuog ebenda 24. die durch Bedjan herausgegebenen Akten eben-
da 42; die orientalische Petrusapokalypse ebenda V.i
1) Vgl. dazu Baumstark a. a. 0. r>s und Anm. 1 und V.».
2) Vgl. Ficker a. a. 0. :^nif. und Schmidt in (iött. (iel. Anz. liXKi
:-i71. Eine Stütze für diese Ansicht dürfte vielleicht unser Nachweis sein,
244 Waitz, Die Peeadoklemeotinen.
die Quellenschrift jener Petrusakten, keine weitere Bedeutung;
denn der römische Senator Marcellus, um dessent willen man
Bithynien in Vorschlag gebracht hat, spielt hier in unsern Π. Π.
ebensowenig eine Rolle, wie alle die andern Nebenpersonen,
welche in die späteren Petrusakten eingeführt worden sind. Ist
er doch noch nicht einmal hier genannt!
Vielmehr kann nur Syrien und dessen Hauptstadt An-
tiochien in Betracht kommen. Der Verfasser ist in der Topo-
graphie Syriens wohl bewandert, indem er die Küstenstädte von
Uäsarea nach Antiochien, darunter auch kleinere, in richtiger
Reihenfolge angibt. Insbesondere in Antiochien ist er zu Haus.
Er weiß nicht nur, daß hier der praeses provinciae seinen Sitz
hat; er ist auch darüber orientiert, daß hier eine Basilika mit der
Kathedra Petri steht. Er zeigt sich mit der kirchlichen Lokal-
geschichte Antiochiens vertraut, indem er, wie Eus. h. e. Π1 36 2,
den Bischofsstuhl daselbst auf Petrus zurückführt, und einen
Theophilus, qui erat cunctis potentibus in civitate sublimior, mit
dieser Kathedra in enge Verbindung bringt. Wenn er die
Katastrophe in dem Simon-Petrus-Drama, dessen Peripetie mit
der Beichte Simons in Antiochien eintritt, nicht hierhin, son-
dern nach Rom verlegte, so folgte er hierin seinem. Gewährs-
mann, Justin, dies um so lieber, als er in Antiochien keine Lokal-
tradition über das Ende Simons fand. Eben deshalb braucht
man aber nicht anzunehmen, daß er in Rom seine Geschichte
I niederschrieb: Die Petrusakten haben ihr'e Heimat im Morgen-
land, genauer in Syrien. Erst die Kombination dieser Petrus-
akten mit dem römischen Martyrium des Petrus ist in Bithynien
bezw. Rom vollzogen worden.
Neben Antiochien könnte als Abfassungsort der Π, /7. nur
noch Cäsarea in Betracht kommen, wo Petrus den Kampf mit
Simon beginnt, zuerst auch als kirchlicher Organisator auftritt
Wenn jedoch hier Zacchäus als 1. Bischof genannt wird, s
findet diese Notiz keinen Anhalt in der Bischofsliste von
Nur in Jerusalem wird ein Bischof Zacchäus erwähnt (Eus. h.
(lali die //. II. von dem Autor dieser Petrusakten benutzt worden siir^^,
Sind nämlich jene in Antiochien entstanden c. 2()0 (s. u), so können ^si
sehr leicht bald darauf nach Bithynien gekommen und hier gelesen i^'^>i
den sein.
II, 2, G. Abfassungeort und -zeit der Πράξεις Πέτρου. 245
IV, os). Dieser Mangel an Vertrautheit mit der kirchlichen
Überlieferung spricht nicht zugunsten Cäsareas.
So werden wir in dem Verfasser der Π. Π. einen antioche-
nigch en Kleriker erkennen dürfen — denn nur ein Kleriker kann
ein solches Interesse an kirchenrechtlichen Normen haben, wie
es Η 3 60-72, R 3 65 voraussetzen — , der auf Grund teils älterer
Überlieferungen über Simon und Petrus, teils häreseologischer
Schriften, wie derjenigen Justins, teils lokaler Gemeindetraditionen
die Kämpfe des Petrus gegen seinen Rivalen Simon nieder-
schrieb, um darin den Sieg der Kirche mit ihren göttlichen
Kräften über die in Simon personifizierte samaritanisch-syrische
Volksreligion mit ihren dämonischen Künsten darzustellen. Viel-
leicht verfolgte er dabei noch den Zweck, eine Verbindung der
— nach seiner Fiktion — von Petrus gegründeten christlichen
Gemeinden Syriens mit der Gemeinde der Provinzialhauptstadt,
behufs ihrer Unterordnung unter die antiochenische Kathedra
herbeizuführen.
Als Abfassungszeit kann demnach für die Π, Π. frühestens die
zweite Hälfte des zweiten Jahrhunderts in Betracht kommen. Hat
der Verfasser, wie an der Notiz von der göttlichen Verehrung
ifimons in Rom nachgewiesen ist, Justins Schriften gekannt und
aus ihm den Gnostiker und Häresiarchen Simon genommen, um ihn
mit dem Magier und Pseudomessias Simon der Apostelgeschichte
TM verbinden, so kann er nicht vor -l• 150 geschrieben haben.
Andrerseits darf er auch nicht nach 220 230 angesetzt wer-
den, da seine Erzählung nicht nur von dem Verfasser des Kle-
niensromanes, sondern auch, wie sie wohl schon dem Klemens
Aleiandrinus und Hippolyt bekannt war, von dem Autor der
überarbeiteten Petrusakten benutzt worden ist.
In diesen Zeitraum 150 bis 220/230 weist auch das Simon-
Wd der /7, /Z, das in der Mitte zwischen dem Justins einerseits
und dem Hippolyts andrerseits steht. Es trägt alle Züge der
Justinschen Schilderung, im einzelnen jedoch ausgeschmückt.
Wenn Justin erzählt, daLs Simon wie ein Gott durch eine
Bildsäule verehrt wurde, so setzen die //. //. hinzu, dalS ihm
Äuch Tempel errichtet seien bezw. würden ι Η 2 :>?). Wenn Ju-
stin in der Apologie von den Zauberkünsten Simons nichts
weiteres anführt und auch in seinem Syntagma wider alle Hä-
f«ien, wie wir aus Iren. adv. hiier. 1 23 vermuten dürfen, nicht
246 Waitz, Die Pseudoklementinen.
viel angeführt haben kann, wenn die wohl auf Justin zurück-
gehende alte römische Quelle, die im Ketzerkatalog des Carm.
adv. Marc, vorliegt ^ , nur von seinen Wanderungen und Flug-
versuchen (peragrare, volare) erzählt, so wissen unsre /7. Π. von
dergleichen Dingen eine Unmenge zu berichten. Wenn jedoch
Simon nach Hippolyt Phil. 620 sich rühmt, er wolle sich le-
bendig begraben lassen und am 3. Tage wieder auferstehen, so
geht er damit weit über das hinaus, was er nach /7. Π, an über-
natürlichen Künsten vermag. Ahnlich ist es mit der Darstellung
des simonianischen Systems. Schließen sich die Π. Π. durchweg
an Justin und die auf ihn zurückgehenden Häreseologen an, so
gehen sie in der Bezeichnung Simons als des ίοτώς darüber
hinaus in der Richtung auf Hippolyt, Philos. 67-18 bezw. das
simonianische Buch Apophasis hin, wissen jedoch noch nichts
von der philosophischen Deutung dieses BegriflFs, wie sie hier
gegeben ist. Ganz ähnlich verhält es sich, wenn Simon sich
bezeichnet, R347, als prima virtus qui semper et sine initio
sum, die Apophasis aber nicht nur ihn ebenso als die απέραν-
τος δύναμις bezeichnet, sondern auch noch Syzygienspekulationec
daran anreiht.
In dieselbe Zeit zwischen Justin und Hippolyt, nur nocb
näher und genauer an die Wende des 2. und 3. Jahrhunderts
führen uns noch andere Anzeichen.
Der Lehrbegrifif, soweit von einem solchen die Rede sein
kann, ist der des vulgären Katholizismus einer Zeit, welche noch
mitten im Kampf mit Heidentum und Häresie steht Dei
Schriftgebrauch (vgl. das folgende Kapitel) beweist die Kenntnis
des neutestamentlichen Kanons. Die kirchliche Verfassung isi
allerdings nicht soweit ausgebildet wie in Ep. Cl., aber es exi-
1) y^\, meine Schrift über das pseudotertullianieche Gedicht adv
Marcionem S. 31 tf., sowie Nachtrag dazu S. Λ^ΙΙ. Bei Cotelier in der An-
merkung zu R 1 72 finde ich eine zutreffende Textkonjektur zu Carm. adv.
Marc. 1 1Γ)7Λ"., welche die von mir nachgewiesene Beziehung zu Simoo
noch deutlicher hervortreten läßt, indem er vorschlägt
statt: Tnfandos omni magica dementia plenos
Persuasit sese virtutem dicere summam,
Fingere cum meretrice nefas, peragrare, volare,
zu lesen: Infando Simoni magica dementia pleno
Persuasit etc.
II, 2, Ü. Abfassungsort und -zeit der Πράξεις Πέτρον. 247
stiert der monarchische Episkopat, dem überall Presbyter und
Diakonen als kirchliche Beamte unterstellt sind, und er beruht
durchweg auf der Idee der apostolischen Sukzession.
Die Christianisierung der Welt ist weit fortgescfiritten.
Mögen die //. Π. auch übertreiben, Λvenn sie von Tausenden, ja
Zehntausenden sprechen, die von Petrus in Cäsarea (R 3 72) und
in Antiochien (RIO 71) getauft sind — diese Übertreibungen
sind vielleicht auch dem Redaktor der Rekognitionen zur Last
zu legen — , so setzen sie doch starke und in sich fest ge-
schlossene organisierte Gemeinden in allen Städten Syriens von
Cäsarea bis Antiochien voraus. Die Gemeinde in Antiochien
besitzt in der von Petrus geweihten Basilika des Hauses des
Theophilus eine „Kirche", wo von dem ganzen Volk dem Petrus
eine Kathedra errichtet ist und die ganze Gemeinde täglich zu-
sammenkommt, um das „Wort" zu hören. Weist nun die Er-
wähnung des Theophilus auf jenen Theophilus zurück, der, erst
im Mannesalter Christ geworden, nach Eusebs Chronik von
169—177, Bischof von Antiochien war, wahrscheinlich aber noch
unier Komraodus (180—192) lebte, so führt uns die Existenz
einer „ecclesia" im räumlichen Sinn näher an das Jahr 200.
Denn nach dem Zeugnis des Clem. Alex. Strom. 7 5, sowie des
Tertullian de idolatria 7 wurde es eben seit dieser Zeit gebräuch-
lich, die Versammlungsräume der Christen, als welche anfangs
zunächst die Basiliken vornehmer Privathäuser dienten, ecclesiae
zu nennen, während bereits Hippolyt (Comm. in Dan. I 20) in
jüdisch-heidnischem Sinn von ,,Haus Gottes'• (o οίκος του d^eov)
redet. (Vgl, Hauck, Kirchenbau in Herzog R. E. ^ X, 776.)
In dieselbe Zeit weist auch die Erwähnung des kaiserlichen
Edikts gegen die Zauberer (R 10 55: Caesar in urbe Roma et
per provincias maleficos inquiri jussit ac perimi)'. Nun haben
allerdings schon die ersten Kaiser Edikte bezw. Senatsbeschlüsse
ge$^en die Magier erlassen, wie Augustus, Tiberius (Dio Cass.
LVI 25, LVIl 15; Suet. v. Tib. :^6. 63), Klaudius und Vitellius
(Tacitus, Annal. XII 52. 6S). Und es liegt die Möglichkeit vor,
daß der Verfasser der //. //. auf ein derartiges Edikt, z. B. des
Kaisers Klaudius, in dessen Zeit er die Simon-Petruslegende ver-
legt (s. o.), anspielt. Aber wahrscheinlich ist es nicht, daB er,
•J; Vgl. den Artikel Magia inPaulys Realencyklopädie IV 1Μ(), 14lsff.
\
24S Waitz, Die Pseudoklementinen.
der um 200 geschrieben hat, von kaiserlichen Edikten etwas
wußte, die 100 — 150 Jahre früher erlassen worden sind. Und
es ist dies umso unwahrscheinlicher, als die nachfolgenden Kaiser,
wie Vespasian, Hadrian, Antoninus Pius, sich wesentlich anders
stellten und die fremden Wahrsager in Rom tolerierten, so daß
sie ihr Gewerbe öffentlich treiben konnten (Spart. Hadr. 2. Lampr.
Heliogab. 9). Erst Karakalla (211—217) erließ wieder strenge
Vorschriften (Pauli. V 33, Ulp. in Coli. XV), indem er bestimmte,
daß die Zauberraeister lebendig verbrannt und die, die sich be-
zaubern lassen, gekreuzigt, die Wahrsager dagegen gezüchtigt
und ausgewiesen werden sollten. Alexander Severus (222 — 235)
dagegen war den Wahrsagern wieder gunstig (Lampr. Sev. 5.
27. 43 f. 62). Es liegt die Vermutung nahe, daß der Verfasser
der Π. Π. dieses Edikt Karakallas gekannt hat.
Nach alledem werden wir von dem richtigen Zeitpunkt nicht
zu weit abirren, wenn wir uns die //. Π. im 2. Jahrzehnt des 3. Jahr-
hunderts, in der Zeit Karakallas (211 — 217) entstanden denken.
7. Der geschichtliche Wert.
Inwieweit in der Überlieferung der Petrusakten geschicht-
liche Erinnerungen stecken, wird schwerlich je ganz klar zu
stellen sein.
Immerhin erscheint es mehr als wahrscheinlich, daß sie
ältere Traditionen in sich aufgenommen haben.
Schon die hebräischen Namen sowie die Beinamen der 12
Jünger im Gefolge des Petrus (H 2 1 R2i 3 68) legen die An-
nahme nahe, daß hier Material verarbeitet worden ist, das viel-
leicht bis in das 1. Jahrhundert hinaufreichte Aber auch die
Simon-Petrnslegende selber deutet auf Überlieferungen hin, die
sich uns z. Ϊ. älter erwiesen haben, als die Erzählung der Apostel-
geschichte, Act. S. Denn mag sie auch den hier erzählten Vor-
gang, die Begegnung Simons mit den Aposteln, legendarisch aus-
geschmückt und weitergebildet haben, so bestätigt sie uns doch
nicht nur seine Geschichtlichkeit, sondern gibt uns auch ein
Mittel an die Hand, den wahren Sachverhalt deutlicher zu er-
kennen, indem sie es uns sicher macht, daß ursprünglich nur
von einer Begegnung des Simon und Petrus die Rede gewesen sein
1) Man verjxleiche damit die fast «larelnveg griechischen und römi-
schen Namen, die sich in den sj)äteren apokryphen Akten vorfinden.
II, 2, 7. Der geschichtliche Wert. 249
kann. Stellt sie es in Frage, ob diese Begegnung ΛνίΓΐίΙίοΗ in
Samarien oder nicht vielmehr in Jerusalem oder Cäsarea statt-
gefunden hat, so bietet sie überhaupt einen Prüfstein dar, um
die Komposition der Apostelgeschichte zu erkennen und ihre
Quellen von ihrer späteren Bearbeitung zu unterscheiden.
Wenn sie uns von einer Wirksamkeit des Petrus außerhalb
Judäas bezw. Palästinas in Cäsarea und Antiochien, wie auch
in einigen phönizischen Städten erzählt, so scheint sie damit eine
Lücke in unsrer Kenntnis von der Missionstätigkeit des Petrus
auszufüllen. Sicher ist, daß Petrus nicht immer in Jerusalem
und Judäa geblieben ist. wie wir ihn nach Gal. 2 n in Antiochien
treflFen. Sicher ist auch, daß er nicht nur hier, sondern auch
außerhalb missioniert hat, wie er nach Act. 10 in Cäsarea den
Hauptmann Cornelius bekehrt hat. Sicher ist auch, daß Paulus
nie in der Gegend südlich von Antiochien als Apostel gewirkt
hat Sollte nicht die άποοτολη της περιτομης (Gal. 2 3), die
dem Petrus zugewiesen wurde, gerade diese Gegend, von Cäsarea
bis Antiochien, umfaßt haben? Ist außerdem nach 1. Petr. 1 i
anzunehmen, daß Petrus auch unter den Heiden missioniert hat^
was uns auch die ganze spätere Tradition und Auffassung des
Apostels bestätigt, so darf vielleicht in dem Reisebericht der Π, FI.
eine Reminiszenz auch hieran liegen. —
Von zuverlässigerer Bedeutung als für die Zeit, in die sie
uns versetzen wollen, sind unsere Π. Π. für die Zeit, in der sie
entstanden sind. Berichten sie uns die Einführung des Christen-
tums in Cäsarea, Rom, Tyrus, Sidon, Berytus, Tripolis und An-
tiochien, so bestätigen sie uns, was wir in anderen Nachrichten
nur angedeutet finden-, daß es hier um 200 nicht nur Cliristen.
1' Man beachte, dali die kleinasiatischen Provinzen in 1. Petr. 1. in
•ier Richtung von Osten nach Westen aufgezahlt sind. Der Brief ist du-
^r nicht in Rom sondern im Orient geschrieben. Ob in Babylonien, ist
freilich fraglich (gegen Schmiedel Ic. 40'J:J sq.).
2i Vgl. dazu noch Ilarnack, Die Mission, Leipzig 1*.m>l!; zu Cäsarea
Act. 10 and Bus. h. e. V l>2. *J3; zu Tyrus Act. iM 3 f.; Kus. h. e. VllI
•il:i3. Mart. Pal. 5i; zu Sidon Act. 27.3; Eus. h. e. Vlll llis; zu
ß«7tu8 und Tripolis das Verzeichnis der Bischöfe des Konzils von Nicäa.
Außerdem Mart. Pal. 38; zu Antiochia Act. 11 27; die antiochoni8che
Biicboiisliste und die antiochenischen Synoden: Kus. h. e. Vi M», Vll .'»:
lu«f werden u. a. die Bischöfe von Antiochien, (äsarea und Tyrus genannt,
die zur Synode von Antiochien '27Λ versammelt waren.
250 Waitz, Die Pseudoklementinen.
sondern z. T. große geordnete christliche Gemeinden und Bischofs-
sitze gegeben hat. Gleicherweise bestätigen und vervollkommnen
sie das Bild, das wir uns von dem Gemeindechristentum jener
Zeit zu machen haben. So sind die Π, Π. wertvolle Dokumente
sowohl für die äußere Ausbreitung als auch für die innere Auf-
fassung des Christentums in der syrischen Kirche vor der Zeit
ihrer Blüte.
Bieten sie uns außerdem ein wertvolles kritisches Hilfsmittel,
mit welchem wir uns einen Weg durch den Urwald der Legenden,
der über dem römischen Aufenthalt des Petrus und Paulus wild
emporgewachsen ist, zu der geschichtlichen Wirklichkeit hin
bahnen können, so machen sie uns sicher, daß wohl Simon,
aber nicht Petrus unter Klaudius nach Rom gekommen ist. In-
dem sie aber so ein neues Licht bringen in die Überlieferung
von der römischen Wirksamkeit des Petrus, erheben sie es uns
über viele Zweifel, daß der Nachricht, wie sie in der altchrist-
lichen Literatur bezeugt ist und in den apokryphen Akten sich
erhalten hat, sowohl von der Reise des Paulus nach Spanien
nach seiner 1. Gefangenschaft in Rom (ca. 64), als auch von der
bald darauf erfolgten Ankunft des Petrus in Rom und seinem
Kreuzestod daselbst in der neronischen Christenverfolgung wie
endlich von dem späteren Martyrium des Paulus in Rom, wert-
volle historische Erinnerungen zugrunde liegen, die letztlich bis
auf den Verfasser der Apostelgeschichte hinaufreichen. Indem
sie uns damit auf den sicheren Boden der Geschichte des aposto-
lischen und nachapostolischen Zeitalters stellen, nötigen sie uns,
den unsicheren Boden einer Geschichtsauffassung völlig zu ver-
lassen, auf den die Erforschung des apostolischen Zeitalters
durch die Tübinger Schule geführt worden ist.
III. Sonstige Quellenschriften.
Neben den K. Π, und Π, IL hat der Verfasser des Klemens-
romanes noch andre Arbeiten in seine Dichtung verwoben.
Das gilt zunächst — wenigstens bis zu einem gewissen
Grade — von der Fabel der Dichtung, den sogen. Ag^gjyjjgjugn,
selber. Wie nämlich Bousset in einem Aufsatz über „die Wieder-
erkenuungsfabel in den pseudoklementinischen Schriften, den Me-
nächmen des Plautus und Shakespeares Komödie der Irrungen**
π, 3, 1. Der Dialog des Klemens mit Appion usw. 251
nachgewiesen hat,^ liegt der Erzählung von der Wiedererkennung
des BrQderpaares Faustinus und Faustinianus und deren Eltern
Faustus und Mattidia eine griechische Novelle zu gründe, die
sich rudimentär auch in den Dichtungen Shakespeares und des
Plautus erhalten hat. Und in der Tat läßt sich leicht zeigen.
wie Klemens ursprünglich nicht in diesen Familienroman hinein-
gehort, sondern — ich möchte hinzufügen, zusammen mit Bar-
nabas — erst nachträglich eingefügt, bezw. umgekehrt jener
Familienroman mit seinen Anagnorismen mit der Lebensgeschichte
des Klemens zu einer Dichtung verarbeitet worden ist. Immerhin
wird man sich das schriftstellerische Verhältnis, das hier vorliegt,
nicht so zu denken haben, als ob der Autor des Klemeusromanes
jene griechische Novelle gleichsam abgeschrieben habe. Ist viel-
mehr diese, wie Bousset mit Kecht hervorhebt, nur noch bruch-
stückweise in den Klementinen vorhanden, bildet sie mit der
Lebensgeschichte des Klemens ein zwar nicht völlig in sich
abgerundetes, aber doch im ganzen einheitliches Dichtwerk, so
gab sie dem Autor des Klemensromanes nicht mehr als den
Stoff, den er alsdann, frei gestaltend, als äußeren Rahmen für
seine Tendenzdichtung benutzte.
Als eigentliche Quellenschriften haben wir daher — abge-
sehen von den genannten — vor allem nur noch folgende an-
zufahren:
1. Der Dialog des Klemens mit Appion Ober die heidnische
Mythologie.
Wie oben S. 30 f. gezeigt, ist der Dialog in Η 4? — G25 und
R 10 17-51 dort in wesentlich primärer Gestalt, hier in seiner ur-
sprünglichen Stellung innerhalb des Klemensromanes erhalten.
Wenn er den Kontext in Η sprengt (vgl. S. 31), so kann dies
freilich nur als Beweis dafür gelten, daß er in Η an einer Stelle
eingefügt ist, in der er in der Grundschrift nicht gestanden hat.
Deshalb ist auch daraus nicht der SchlulS zu ziehen, daß der
Dialog ein fremdartiger Bestandteil in den Klementinen ist.
Andre Gründe machen es jedoch wahrscheinlich.
Weniger kann darauf Gewicht gelegt werden, daß Petrus
1) Der Verfasser hat mir den Aufsatz, der in Zeitschrift für neu-
testamentliche Wissenschaft lOO-l erscheinen wird, vorher freundlichst zur
Yerfögang gestellt
252 Waitz, Die Pseudoklementinen.
dabei ganz in den Hintergrund tritt, während er doch sonst i
den Klementinen der Apologet des Christentums ist. Auffallig«
ist die Einführung des Appion, eines alexandrinischen Gramm;
tikers, der unter Tiberius und Klaudius ebenso wegen 6ein<
Gelehrsamkeit gefeiert wie wegen seiner Gegnerschaft gegen d
Juden bekannt war. Denn abgesehen von Η 4 — 6 tritt er hi(
nur noch am Anfang von Η 7 (Η 75. 9) und dann erst am Schli
der Erzählung Η 20 uff., in R dagegen nur R IO52 auf. Ε
ähnliches gilt von seinen beiden Gefährten, dem Ägypter Anni
bion und dem Epikuräer Athenodorus, die ebenfalls außer Η 4—
nur noch am Schluß des Klemensromanes Η 20 uff., vgl. R 10.«
außerdem Η 79. 14iit. und I61, d.h. nur noch vor der große
nachträglichen Einschaltung (H 16—20 10) erwähnt werden. In d•
Grundschrift sind demnach auch sie wie Appion erst ganz a
Ende aufgetreten. Erscheinen sie hier als Begleiter des Simo
von denen sonst 30 anonym erwähnt werden, so fragt es sie
warum sie nicht früher ein- oder ständig mit ihm zusamm<
angeführt werden, zumal doch von vornherein und so durch w<
neben Klemens auch dessen Brüder Nicetas und Aquila i
Gefolge des Petrus genannt werden. Gehörten sie wie diese
die Anlage des Klemensromanes hinein, so würden sie dar
nicht blos zum Schluß wie ein deus ex machina erscheine
sondern von vornherein in die Handlung eingreifen. Find<
wir sie nun zuerst bei dem Dialog des Klemens Η 4fil, so we
d(*u sie auch hier ihren Ursprung haben. Dann aber ist d
Dialog nicht ein Werk des Verfassers des Klemensromanes, soi
dem eine von ihm aufgenommene und an den Schluß angehang
Quellenschrift.
Überdies sticht er seinem Inhalt wie seinem Charakter na(
auffällig von den übrigen Partien des Klemensromanes ab. D
gelehrte und gründliche Auseinandersetzung mit der heidnische
Mythologie in diesem Dialog gibt sich durchaus als ein abg
schlossenes Ganzes, auf das weder vorher noch nachher Bezt
genommen ist. Sehr eigenartig ist der Briefwechsel des Appic
mit seiner Geliebten, der in den Dialog eingeschoben ist. D
rein philosophische Charakter des Dialogs verrät nirgends ein«
spezifisch christlichen, noch weniger judenchristlichen Standpunl
Die charakteristischen Lehranschauungen der Klementinen -
nicht nur der K. IL — fehlen durchaus. Während Zitate ai
II, 3, 1. Der Dialag des Klemens mit Appion usw. 253
dem A. und N. T. völlig fehlen,^ werden öfters heidnische Schrift-
steller angeführt. 2 Der Stil ist glatt und nicht ohne Eleganz.
Wie sonst nirgends in Η (und R) werden Η 4 n άί^δρες "Ελληνίς
apostrophiert. Eine Unmenge von — besonders mythologischen —
Eigennamen wird angeführt, die sonst in Η fehlen. So wird
z.B. Zeus in Η 4— 6 26 mal, Hera 10 mal erwähnt, sonst aber
nirgends. Außerdem finden sich hier eine große Anzahl von
Ausdrücken und Wendungen, die nur oder überwiegend hier
vorkommen. Man vergleiche nach Chawners Index folgende Zu-
sammenstellung.
άγονος 69; άγριόω 5 13; άγρνπνίω Γ) 2; άγχιατενω Ο 2; αγωνίζομαι 4 8;
άόάμας4ΐ6. 2; άδελφοφΟ^ορέω 4 16; άδιαφορέιο Ϊ)19', αδιάφορος Α 20; ηδω
paesi?) 5 29. 18. 20; (aktiv dagegen 8 15); "Αδωνις Ο»; αεικίνητος (>8;
ad^kiw Ο 16; ^Αθ^ηνά (»2.9.15; Αιαχός 5 13; Αίγινα ϊ'α^; αίθ-έριος Ο 8; atvto)
δ 11; αΐνιγματώδως Πΐ7; αίνίααομαι mit Infinitiv 5 1 8. (5 18 (sonst mit οτι:
Vtti, lS7bie. ii): άχάλνητος (J 17; άχαρπία (> ίο; άχονατός (»4; άχηασία 4 16;
άχρατής 4 17; άχριβολογέω Γ)8θ; ΆκρΙαιος 7) 18; άχρίτως 4 η. Γ) 29; (U; außer-
dem noch 10 4; άκρότης 9; άχρωρεία Ο 6; ΐ4λέξανδρος Ο 22; ^/.εξανδοενς
4 6; Α}^μήνη 5 1!•^; αλωοις 4 22; Ιίμφιτρνων Γ) 18 bis; αμφίων 5 13; άναχυπτο)
4 20.21. Ο 13; όναπετομαι Γ> 13. Ο 7.12; άναηηδάω Ο 18; άνασχενή 7)2; άναοτε-
νάζω Γ>3; ανατροπή 4 22; άναφνω Ο 2; ανδρεία (»15 bis; άνδρόω 4 18; άνί••
Ζίτ^εν 08; ανεπιοχΙτωςΧ 2.2'y άνερεΒ^ίζω i\ \b\ άνιμάω ^'η\ άνοια Τ) u\ άντα-
γϋΐνιζωμαι 4 5; άντεξετάζω 4 δ; αντιγραφή Γ) 20. 27; αντίγραφαν .'>2ΐ; (''.ντι-
χρνς 4 3; ίίΐ'τιόηη 5ΐ3; J4vτ^aΘ^έvης Γ)18; άνωφερής r)7bis. 12 ; απαλός 4 ι«:
αΛεργάζομαί Ο 15; άπόγνωσις 5 21; αποδέχομαι 4 8. 0ΐ8; άποχηρίασω 4 2;
rb[o;riliW 4 7; ι^τιοχ^^ω 4. 5 bis. 12; άποχνημα Ο 4; άποτέμνω Ο 13; ά.το-
Γομ}} Ο 2; !ΐ4()>Ός 5 18; !4ρί<ηιππος 5ΐ8; ^();ίάς 5ΐ3; r7()^;? 4 16. Ο 2; rlo(ifro-
θι^ΑΐςΟδ. 12 (cf. Ι22β); άρρενομιξία Ο 18; άρρητονργέω 4 16; άορητονργία Ο 18;
'4(ire/ui5 (>9; «ρχί/^ός 0ΐ9 (cf. 5 21); ααεμνος 4 12. ΐ7. 0ΐ7. 18; kox /.ήπ ιο ς i't 22;
Λΰί'μφορος 4 14; Χαωπός 5ΐ8; "Ατλας 5 22; αφθονία 5 8; ^Αφροδίτη 4 16. 5 ΐ8.
'it. 9.18. 15 bie; ^Ι;(ίλλ£ΐ;ς Ο 14. 22; γελοίος 4 20. Ο 23; γίνεσις 'ζ,ωον Ο 4 bis. 21. 25
^^γίνεαις 5 ίο. Ο 8. 9 bis. 14. 24] ; γηγενής 5ΐ3; ;'>//νος Ο 3; γηροτροφί-ω 5 24;
yoW^ 4 16. Οίο; γόνιμος Ο 4. 5. 6. 9. 13; /ίανάη 5 13; Δαναός 5 6; δήθ^εν 5 20;
Jf/^^riyp 4 16 cf. 5 19. 9; διαχόαμηαις Oe. I9bis; ^ιδώνη 4 ιβ. 5ΐ3; ottinoß
1) Η. 4M heißt ββ: ειρηταί τινι' φθ-είρονσιν ήθ-η χρηοτά όμιλίαι χαχαί.
Doch geht dieses Wort nicht auf 1. Kor. 15 23 zurück, wo es selbst als Zitat
eteht, BonderQ ist ein griechisches Sprichwort, das sich auch bei dem Dichter
Meoander findet.
2) U4m (vgl. Anm. 1) ein Sprichwort; Η 5 i8 ein delphisches Orakel;
HCi {fgl. Η 5 18. 028) Homers Uias; Η 03 Hesi^ds Theogonie; Η 5 i*<
Chryaippue; Η 68. 5. β Orpheus; Η 023 (vgl. R 1()30. 8ii eine Anspielung auf
Cicero de finibus.
254 Waitz, Die Fseudoklementinen.
(3 9; Jiovvaog 4 15. 5 19. 23. Ü θ bis. 82; άωαπολίτης 4 β; όόχησις 4 8. 2i; εΐαη-
γέομαι 4 12 bis. 13. 1Γ) ι, sonst noch 17 3. 19 28; έκΒ-ρώσκω 6 18; έκχοπή 4 2ΐ;
έκννμφενω Γ) ΐ5; ^κπερινοστέω Οιβ; έκτομή Γ)ΐ3; ελαφος Οιβ; ίλενθ^εροπρέ-
πεια 4?; ^Ελλάς δΐ8; ^μβριθ^ης Γ» β; έμποιέω ()8; ^νρίζ((αι 4 18; ^^ανα^^^^άζα»
4 12; ^ξ£()^«ζομαί 4 2ΐ; ^ξοκι^λλο) 5 2; έξωθ'έω 02; επαναφορά 52ΐ; ^πα-
ναχέω ()4; ^πάνειμι 4 ΐδ; έηιΘ^'μητικός ύ2ΐ; επιπολάζω i) 7.12. U; επιτυχία
5 16. (ί 12; '-Ερχς (»2. ΐ5. Ιρ^ί^νειτ^ίύς ()ΐ5; '^Ερμής (Jiöbis; ^Εσπερίδες Ο«. 15;
^απονδααμίνως 4 2δ; ^ατίααις 0^6; hτaiρa Γ)2δ; ευάλωτος Γ)2β; ί&λπίς Γ) 9;
ευκόλως 4ΐ3; ενρίπιατος 4 2θ; ευΓά;ίτως (U; Ζενς 4 15. ιβ bis. 24, Γ) 1 1 bis.
12. 13. 15. 23 bis. Ο 7. 12 U. Ö.; ^toroa ονσ/« 4 24. (ί 7 bis. 24; ζι/λοη'π/α 5 la. 16.
cf. 5. 11 ; ζηλωτής 4 15. 25; Ζήνων Γ) 18; ζωδων (> u; "/i/^iy 5 12; "Ηρα 4 16. .'> 12
bis. ()2. 8. 15 bis; '//ρ«;ίλ/7ς 4 15. 5 13. (iiebis. 22; Ησίοδος i) 9 bis; d -έατρον
4 19; ^ερίζο) 4ΐ6; ί^εαμός Π 2; Ο^Γίς62. 14; ^6r<J,'4 20. .')2obi8; θ^ολερόςβ9:
Πολωτικός Ο 9; θΊ-μόομαι 4 2ΐ; ιδιολογέομαι 4 9; 7λίθν Ο 22; ίνδαλμα 4 4;
κα&αρότης ()7. 8; καΗείργω 4ΐ6; Κα?,λιατώ 5ΐ3; καταγελαστος 4ιΐ; xara-
γοητενω 4 2; κατάκλιοις Γ) 2; καταπίνω 4 16. 5 28.24. 6 2. 7 12. 20 ; καταβτε•
ρ/ζω δ 17. 22 bis ; ;fcero^rpov 5 26; ίί ανκάαιο ς ό 23. <3 2ΐ; ;ίαΐ'^α4ιθ; ^ίλ^ν;}^};^
5 2; κόκκιξ 5ΐ2; Α^όρ;; Ο 9; κοσμοκράτωρ ()2ΐ; κράναως Ο β; Α'ρι}ς ü2i;
Κρόνος 416.24. 5 13. 5.7 bis. 91; ;?Γ^ω Ο 4; ;?Γ;?νος5ΐ3; /ίΊ;πρίς5ΐ8; χττος
4.6.12.24; /Ακραίος 3; .<ία/ς 5 18; λαμπνρίς Ο 5; Λείκη Ο 22; ^;^(5ά (ias;
^1ν;τάων 5ΐ3; μαζός Ou; Μτ^τις 4i6bi8. 5 12. 23. 07. 20; ΜίΘ-ρας ΟιΟ; /μι-
^ι^σις 5 29. 6 17; Μίνως 5 ιι ; ///^ις 5 ίο. ιι bis. 12. bis. u. 15. 18. 21. (ί 3. 9. ίο. is.
14. 18.24 (sonst noch 813.15); Μοίρα ()14; μόρος Ο 20; μν&ικός 4=17. 5 28 bis;
μνθΌλογέω 4 12. 15. 5 29. Ο 2; μν^ολόγημα 5 2ΐ ; μνβ^ολογία 4 19; μν^ος 4 8 bis.
16. 18. 19. 24. 25. 5 26. Ο 2. 12. 18 (sonst noch S 18. 15 2); μνρμηξ 5 13; ννμφενω
5 13; ό^όνη κ)28'/Όμηρος Ο 3; ^Οπονντιος 22; *Ορφενς 3 bis. 5. 6; *Όσε4ρ^ς
Ο 9; Ουρανός 5 13. (> 2; παιδοποΰ'α 5 22: παιδεραστής 4 6. Οι; Παλλάς 6 8. 9 ;
παντοπαθ-ής 4 12. 15. 5 29; παραναλίσκω 5 12. 19; παράφασις 5 7; παρρησία-
ζωμαι 4 ι. 17; παρωΟ^ίω Οίδ; πάτριος 4 7.8. ιι; Πάτροκλος Ο 22; πατρός-
Vi α 18; Πέλοψ 5 24; περίπατος 4 6; περιπολ^:ω Οίο; Περσεύς 5ΐ3; Περσε-
φόνη 4 16; Πηλεύς Ο 2. ubis; πίναξ Ο 23; πλάγιος Οΐ7; πλαγίως 020; πλι^-
σιάζω 4 24. 5 13; πλοκή Ο 23; Πλοντων 4 ΐδ. Ο 6. 12; Πολυξένη 0ΐ4; Ωρομη-
Λ^-ενς 2.14; '^Ραδάμαν9-νς διι; ''Ρόδιος ()22; σύγχυσις 5 5. Ο 8 bis; ανρρεω
()7. 24; Σωκράτης 5ΐ8. ΐ9; τεκνοκτονία 18; τεροΌΡ^Γονος 4 2ΐ. ()2ΐ; Γε;τνο-
.τΓΟίί'α 5ιι; τελεαφορί-ω 4 ΐ8. Ο 5 bis; ίποστα&μή 6.7.12.24; Φάνης Ο δ. 12.
Erscheint es nach unsern Ausführungen als wahrscheinlich,
den Dialog als eine verarbeitete Quellenschrift zu bezeichnen,
so fragt es sich noch, in welchem literarischen Verhältnis sie zu
dem Klemensroman steht.
Nun erwähnt Euseb. h. e. III 38 :> eine pseudoklementinische
Schrift, welche, auch die Dialoge des Petrus und Appion um-
fassend, bei den Alten überhaupt nicht genannt sei,^ und Hiero-
1 1 ηδη oh xal έτερα πολνεπή κα\ μακρά συγγράμματα ώς τον αντον
II, 3, 1. Der Dialog des Klemens mit Appion usw. 255
nymus de vir. illustr. 15 führt — jedoch unter ausdrücklicher
Zitierung des Euseb — eine disputatio Petri et Appionis longo
sermone conscripta, ebenso Photius, bibl. cod. 112 einen Πέτρου
χάί \4ππίωνος πολνοτιχος διάλογος an. Hilgenfeld^ sah daher
diese Dialoge des Petrus und Appion als die gemeinsame
Quelle an, auf die Η und R, jedes selbständig, zurückgegangen
.seien, während Uhlhom'^ diese Hypothese zurückwies, da die von
Euseb gegebene Charakteristik nicht auf unsere Dialoge passe,
die den Klemens — und nicht den Petrus — als Gegner des
Appion bezeichnen. Aber hat auch Hilgenfeld das gegenseitige
literarische Verhältnis richtig beobachtet,"^ so müssen doch nicht
die von Euseb genannten Dialoge die Quelle für Η und R ge-
wesen sein, welche vielmehr die von uns festgestellte klemen-
tinische Grundschrift ist. Überdies sind die Dialoge des Petrus
und Appion von Euseb gar nicht als eine für sich existierende
pseudoklementinische Schrift bezeichnet, wie freilich schon Hie-
ronymus und Photius seine Worte aufgefaßt haben. Vielmehr
charakterisiert er sie deutlich nur als einen Teil einer pseudo-
klementinischen Schrift, unter der wir keine andere als unsere
Klementinen (H oder R) oder deren gemeinsame Grundschrift
verstehen müssen.^ Immerhin bleibt es auffällig, daß Euseb
Dialoge des Petrus und Appion als Inhalt derselben nennt. Das
paiit wtder auf Ή, wo nur Dialoge des Klemens und Appion
erwähnt sind, noch auf R, wo von solchen Dialogen überhaupt
nicht die Rede ist. Will man dafür eine Erklärung, so wird
man annehmen müssen, daß Euseb hier die klementinische Grund-
schrift vor Augen hatte, welche ursprünglich, wie oben S. 30 f.
gezeigt ist, Dialoge nicht des Klemens, sondern des Petrus und
des Appion (bezw. des Simon und seines Schülers Appion) ent-
hielt, and daß er diese Dialoge besonders hervorhob, weil sie die
letzten Bücher dieser Grundschrift bildeten (vgl. S. 30 f. sowie
die tabellarische Übersicht S. 39).
Ist daher Euseb als Zeuge für die Existenz einer Schrift
διάλογος Πέτρου xal Άππίο^νος nicht heranzuzielien, dann gibt
[tc. Κ)^)μεντος) έχ^^ς χάί πρύ>ην τινίς τϊοιρήγίζγον, JUtqov καΐ *Α.ιίϋηΌς
Λίαλόγονς περιέχοντα^ ων ονδ* υλν)^ /<>*'//^'/ Γί^ Άαηα τοΐ^ τιαλαιοΐς φέοΐται.
\) *. Ο. 224. 2) a. a. Ο. 321 f. 3; s. ο. S. 31 f.
4) Nach Preaschen a. a. 0. 221 hat ein Glossator in coil. Vcnet. 3:is
die Bemerkung des Euseb auf die Klementinen bezogen.
256 Waitz, Die PseudoklemeQtinen.
es überhaupt keinen Zeugen; denn Hieronymus und Photi
fußen durchaus aufEuseb. Und es kann nicht mehr festgestc
Λverden, als daß diese Dialoge, wie sie auch geheißen haben, ei
Quellenschrift der Klementinen bilden.^
2. Die Schrift des Bardesanes jcbqI ειμαρμένης.
Auf eine weitere Quellenschrift weist R 9 17.19-29 hin, \
Abschnitt, der, in Η ohne Parallele, doch in der Grundschi
gestanden haben muß^. Dieser Abschnitt, „das Buch der Gesel
der Länder" enthaltend, wird nämlich von Euseb Praep. evang. \
als aus einer bardesanitischen Schrift angeführt, in der man
unrichtiger Weise — den von Euseb h. e. IV 30 '^ erwähnten Dial
des Bardasanes jcbql ειμαρμένης vermutet hat^. Überdies ist
1845 im Original wiedergefunden worden in einer syrisch
Handschrift,^ welche den Dialog zwischen Bardesanes und Avi
über die Ursache des Bösen und die menschliche Verantwo
lichkeit enthält. In diesem Dialog, der sich selber nicht als i
Werk des Bardesanes, sondern eines Schülers desselben, name
Philippus, gibt, bildet jener Abschnitt einen (dritten) Teil d
Ausführung, indem er zum Beweis dafür gebracht wird, daß (
1; Obiigens ist die angeführte Stelle aus Kuseb zur Bestimmung 1
die Zeit der kleoientinischen Gruadvschrit't nicht heranzuziehen. Kam
nämlich Euseb die Dialoge des Petrus und Appion nur als Be>ta4idteil (
kleuientinischen GruntUchrift, so kann er sie natürlich nicht bei den All
erwähnt gefunden haben. Dieser Umstand allein hat ihn aber nacli d<
Kontext zu der Beni<nknng veranlalit, dalJ die ganze klementinische Sehr
gegen die er üV>erhaupt wegen ihrer Heterodoxie voreingenommen ist•, e
ueuer<lin^^s '^yjf^l•^ xtd Λ^ίώην. aufgekommen sei.
2; Vgl. oben S. ;;:)f.
8 Eus. h. e. IV .*}() υ .ίοο^ Ih'tioi'Lvov ίκανώτατος αίτοϋ (sc. <
Bardesanes 711m i'/ufct^fiint^^ ihii'/.(r/<>^.
A) F. Nau, Γμ•' bio^^niphir inc'dite de Bardesane rastrologue, Pa
1S{)7, p. 3 sq.; derselbe, Le livre des lois des pays, Paris 1S99, p. 11s
hat nachgewiesen, dali Euseb in sein»*r Kirchengeschichte IV *->U zweier
Dialoge des Bardesanes unteisrheidet: l. den l)'iA\og τιερί ύμαρμένης 7i(
1ίντο)ΐ•[}•<)ΐ\ 2 andre Diaige Λους τοί\; εταίοοις, daß er aber in der Prai
evang. VI U, wo er den Au^/.ug aus dem Buch der Gesetze der Län(
gibt, diosfn nicht betrachtet als ein»• Schrift des Bardesanes, sondern ;
ein«* auf Bardesanes beruhende Schrift, die zu den bardesanitischen όιάλο'^
ποό^ roh εταίρον^ gehört, also nicht mit dem Dialog περί είμαρμέν
n{toj: Αντωνΐνον ideiititizieit werden kann.
7)) Cureton, Spicil. Syr. London IS.").").
II, 3, 2. Die Schrift des Bardesanes περί ειμαρμένης, 257
Ursache des Bösen auch nicht in dem astrologischen Fatum
liegen kann^ weil ja die Menschen^ die unter demselben Horoskop
in den verschiedenen Ländern geboren sind, ganz verschiedene
Sitten nach den Gesetzen ihrer Länder haben. Wie ist das lite-
rarische Verhältnis zu erklären? RitschP und Hilgenfeld^ haben
angenommen, daß in R das Original enthalten sei, aus dem der
von Euseb Praep. evang. gebrachte Auszug geschöpft sei. Da-
gegen haben umgekehrt Dodwell,^ Scbliemann,'* Uhlhom,^ Merx^
und Hort' in Bardesanes, bezw. (so Merx) in dem Dialog des
Philippus die Quelle gefunden, aus der R geschöpft habe. Noch
weiter ist Nau gegangep, der nicht den Dialog selber, sondern
den Auszug des Euseb in der Praep. evang. die Schrift sein läßt,
auf die R zurückgegangen sei^. Hat nun Nau darin Recht, daß
sowohl der Auszug bei Euseb als auch der Abschnitt in R gegen-
über dem syrischen Text sekundär ist, so hat er doch nicht den
Nachweis für die Abhängigkeit des Rekognitionentextes von dem
des Euseb erbracht. Wenn vielmehr der Text bei Euseb und R
vielfach in Abweichung vom syrischen Text übereinstimmt, so
kann dies auch darauf beruhen, daß Euseb und R unabhängig
voneinander ein und dieselbe Übersetzung des syrischen Textes
benützt haben. Daher ist nicht Eusebs Text als Quelle für R zu
betrachten, sondern der Dialog des Philippus. — Auf der andern
Seite hat jedoch Hilgenfeld in einer Auseinandersetzung mit
Merx^ ausführlich dargelegt, daß dieser Dialog in seiner An-
schauung von dem astrologischen Fatum sowohl von Bardesanes
als auch von R abhängig bezw. ihnen gegenüber sekundär sei.
Steht dies richtig, so wird man das gegenseitige literarische
Verhältnis nicht einfach dadurch erklären dürfen, daß R auf den
Dialog des Philippus zurückgegangen sei. Vielmehr wird man
mit Hilgenfeld ^^ eine Entlehnung aus einer älteren, wie Hilgen-
feld meint, vielleicht nicht einmal christlichen Widerlegungsschrift
1) Altkatholiache Kirche 186 f. 2) Theol. Jahrb. a. a. 0. 520 f.
3) Diaeert in Iren. p. 443. 4) a. a. 0. 318. 5) a. a. 0. 308.
(5) Meiz, Bardesanes, Halle 1803, 88-114.
7) F. J. A. Hort, Notes introductory to the study of the Clementine
Keeognitions, London 1901, p. 27 sq.
8) üne biographie inädite p« 5 u. note 1.
9) Hilgenfeld, Bardesanes der letzte Gnostiker. Jena 1804, 72—151.
10) a, a. O. 0. 140. 148. So auch Merx.
Texte u. Onienachungen. N. F. X, 4. 17
258 Waitz, Die Pseudoklementinen.
der astrologischen Genesis annehmen müssen, aus der besonde
die Gesetze der Länder geschöpft sind. Darauf weist aber noc
ein andres hin: Nicht nur R 9 17. 19-27, sondern überhaupt al
Ausfahrungen über die Genesis, wie sie in R 8 und 9 mit d<
Mitteln der gründlichsten philosophischen Bildung dargelegt ui
auch in Η llsi; 143-6. 11; 153. 7; 202ΐ angedeutet sind, sehen ι
aus, als ob sie nicht das literarische Eigentum des Verfasse
des Klemensromanes seien. Allerdings hat er sie meisterhaft :
seinen Roman verwoben, indem er die Verteidigung des fat
listischen Glaubens einem Greise (= dem Faustus) in den Mui
legt, der bald darauf in seinem Gegner Klemens, dem Apologet«
des christlichen Vorsehungsglaubens, seinen eignen Sohn entdecl
und so durch diese Erfahrung von der Unhaltbarkeit seines fai
listischen Standpunktes überzeugt wird. Wenn er aber wiede
holt^ auf eine Disputation hinweist, die zwischen Klemens ur
Annubion über die Genesis stattfinden soll und statt dessen ni
die erwähnte Disputation zwischen Klemens und dem Grei
(Faustus) bringt, so zeigt er in diesem Widerspruch ζ wische
seiner schriftstellerischen Absicht und ihrer Ausführung, daß •
seine Darlegungen über die Genesis nicht aus sich, sondern ai
seiner Vorlage geschöpft hat. Das literarische Verhältnis zwischi
der klementinischen Grundschrifb (R und H) und dem Dial(
des Philippus weist also Ober die nachgewiesenen Beziehung!
hinaus auf eine Schrift, welche nicht nur „die Gesetze der Länder
sondern auch eine Widerlegung des astrologischen Glaubens ι
die Genesis zum Inhalt gehabt hat. Ist es nun sicher, daß d;
Buch der „Gesetze der Länder" in seinen Gedanken durehai
von Bardesanes abhängt, so liegt es nahe, an eine Schrift d
Bardesanes zu denken. Dann aber kann diese keine andre se
als der von Euseb h. e. IV 30 erwähnte Dialog jcegl άμαρμέν\
JtQog \'ίντωνΙνον.
Dieser bardesanitische Dialog — nicht das syrische Origini
sondern seine griechische Übersetzung 2 — ist die gemeinsan
Quelle, sowohl für den Dialog des Philippus, dessen 3. Teil in d<
Ausführungen, daß die Ursache des Bösen nicht in einem astr
1, Vgl. Η 1134. Ui2. 2O21. R 1052.
2) £us. h. e. IV 30 und Theodoret bezeugen, daß Bardesanes syrisi
schrieb, daß aber alle seine Werke frei ins Griechische übersetzt wurde
III, 1. Die altfcestamentlichen Zitate in den Homilien. 259
logischen Fatum liege, mit den „Gesetzen der Länder" wesent-
lich darauf zurückgeht, als auch für die klementinische Orund-
schrift, insbesondere R 8 und 9, deren Ausfuhrungen über die
Genesis ebenfalls auf Bardesanes beruhen. Ja, man wird hier
(in R 8 und 9) den bardesanitischen Dialog περί είμαρμερης
selber seinem Hauptinhalt nach wiedererkennen dürfen. Finden
sich nämlich hier Ausdrücke und Ausfahrungen, wie über die
Serer (R S^s), über die Genesis (R Seff. 4o. es), die Climacteres (R 9i2)
und Mathesis (R 9 12), die sonst in R (und H) fehlen, kehren sie
aber gerade in dem Abschnitt über die Gesetze der Länder wieder
(Seres R 9 19. 25, Genesis R 917.19.21.23. 25. 26.28. 29, Climata R 92β,
Matheeis R 9 19. 21. 26), so weisen sie auf einen literarischen Zu*
sammenhang hin, wie er eben nachgewiesen worden ist. Daß
der bardesanitische Dialog περί ειμαρμένης nicht bloß der Form,
sondern auch dem Inhalt nach, wenn nicht schon von dem
klementinischen Redaktor, so doch jedenfalls von dem der R über-
arbeitet worden ist, bedarf keines weiteren Beweises.
Drittes Kapitel.
Die alt- nnd nentestamenüichen Zitate der Homilien
und Rekognitionen in ihrem Verhältnis zn den Qnellen-
schriften.
Schon Uhlhom und nach seinem Vorgang Lehmann hatte
die alt- und neutestamentlichen Zitate hereingezogen, um sie zur
Lösung des pseudoklementinischen Problems zu benutzen. Aber
80 richtig zumeist ihre Beobachtungen im einzelnen sind, so
wenig Licht haben sie gebracht, weil sie von verkehrten Voraus-
setzungen ausgingen. Indem wir daher die Zitate der Homilien
and Rekognitionen von neuem untersuchen, hoffen wir damit
die Probe auf unsere quellenkritische Rechnung zu liefern und
so diese selbst zu ihrem Abschluß zu bringen.
1. Die alttestamentlichen Zitate in den Homilien.
Schon die alttestamentlichen Zitate sind für unsere quellen-
kritische Untersuchung nicht ohne Wichtigkeit. Indem wir, wo
17*
260 Waitz, Die Pseudoklementinen.
es nötig ist, zu ihrem Vergleich die Schriftstellen nach der LX}
bezw. nach dem hebräischen Text heranziehen, beschranken wi
uns auf die eigentlichen Zitate und lassen alle Anspielungen au
alttestamentliche Schriftstellen beiseite liegen.
Für unser quellenkritisches Ergebnis erscheint es schon be
deutungsvoll, daß sich in denjenigen Partien von H, welche
von der Quellenschrift K. Π. nichts enthalten — es sind die
die umfangreichen Bücher Η 4 — 15 — alttestamentliche Schrift
zitate nur in verschwindendem Maße befinden, während sie ii
den übrigen Büchern Η 2 — 3; 16 — 19 sehr häufig sind. In Η 4— (
wird überhaupt keine alttestamentliche Schriftstelle zitiert, li
den Büchern Η 7 — 15 kommt außer einigen Anspielungen ^ nur eii
einziges Zitat vor: Gen. lif. (cf. Η 11 22) und dieses in völlige
Übereinstimmung mit LXX. Diese Stelle gehört aber, wie di•
Parallele R 67 beweist, dem Verfasser des Klemensromanes an-
Bemerkenswert ist noch das Zitat in Η 85 (vgl. Ex. 19^; ß^
für das in R keine Parallele steht, indem es das Wort, das Got
am Sinai zu Moses von der dichten Wolke, als dem Ort seine
Offenbarung spricht (Ex. 199), vermengt mit der Erzählung voi
der Wolkensäule, in der Gott in die Stifkshütte zu Moses kau
(Ex. 339). Η 85 gehört wohl auch dem Redaktor der Kiemen
tinen an. Doch könnte diese Stelle auch einer Quelle oder eine
Überarbeitung der Klementinen (H?) zugewiesen werden.
Ein ganz andres Bild zeigt sich, wenn wir zu den Abschnitte!
in Η übergehen, in denen die K, IL verarbeitet worden sind.
Wir beginnen mit den Partien, die ein antimarcionitische^
Gepräge haben. Hier finden wir Anspielungen nur selten, dagegei
häufiger wirkliche Zitate.
In Η 3 10 wird zitiert Jes. 45 21.
In Η 339 werden zitiert: Gen. 11 7, welche Stelle sich auch ai
der Parallelstelle R 2 39, hier nur weiter ausgeführt, findet, Gen. 18 21
\ iGen. 66; Gen. 821; Gen. 22i, sämtlich in genauer Übereinstimmung
'mit LXX; außerdem Gen. 322, auch R 239 z. T. angeführt, mr
1) Η 7s cf. 2 Reg. 20. Deut 3289; Η 85 cf. Ex. 199. 339; Η 8ii
cf. Deut. 11 14 f. 28 3f. Η 9 8 cf. Gen. 9 28; Η 10 8 cf. Gen. Ιίβ.88; 14ifi
Prov. 7i. LXX; Η 106 cf. Ex. 20i3-i5; Η 10 ii cf. Gen. 3 m; H 11 κ
cf. Deut. 11 17; Η 1127 cf. Lev. 18 19; Η 11 88 cf. Lev. 15 ii; Η 1288 cf
Gen. las; Η 13 16 cf. Pe. 45 12; Η 13x9 cf. Gen. 2 7; H. 15? cf. Gen. 3is
2) Vgl. dazu A. Resch, Agrapha in T. u. ü. V, 4, 1889, 149 f.
III, 1. Die alttestamentlichen Zitate in den Homilien. 261
kleinen Abweichungen (μήπως statt μι) jrore; έχτείνας statt έχ-
τείντ]; αφηται statt Xaßu).
In Η 342: Gen. 2i7, nur mit der Abweichung μη γενύηύϋ-ε
statt LXX ov φάγεύθ•ε.
In Η 343: Gen. Ge; Gen. I82i.>arf Gen. 15i3-ie; Gen. I821, sämt-
lich, selbst das große Zitat Gen. 15 la-ie, in wörtlicher Überein-
stimmung mit LXX; ebenso in Η 344: Gen. Ge; I821.
In Η 345: Num. 11 u in Übereinstimmung mit LXX.
In Η IGe: Gen. 2i6. 17; Gen. 322 (bis); Gen. 3δ; Ex. 2228 (alle
vier auch R 239, cf. R 2^.42 angeführt); Jer. 10 11; Deut. lOi? (vgl.
R 241.44); Ps. 50 1; Ps. 82 1, sämtlich im ganzen in Überein-
stimmung mit LXX, im einzelnen abweichend; außerdem Deut. 434
mit den Zusätzen έτερος bei ϋ^εός^ der in LXX fehlt, sowie ως
Ιγώ χνριος 6 ϋ•εός, der aus dem Nachsatz hinzugefügt ist; Deut. 136
(cf. R243) mit der Einleitung ίπεχε οεαυτω μη χορευθ^είς λατ-
ρενο^ς statt βαδίοωμεν beiLXX; Jos. 23? {ονόματα ϋ^εών ετέρων
ουχ άναβήαεται ijcl των χειλέων αον statt LXX: ονόματα των
ϋ^εών αυτών ουχ όνομαοϋ-ήοεται kv υμίν und hebräischer Text
^T3Tri"Äb CiTn'bK DIÖ^'^), sowie eine Vermischung mit Ps. 35 10
und Ps. 808 (cf. R 244), sonst aber mit LXX übereinstimmend.
In Η 16?: Deut. 10 u (cf. R 2^, Η läßt nur die Worte
ουρανός xcä, sowie 7) γη xal aus und schreibt εν αύτοΐς [cf R 244]
statt ίν αύτ^)\ Deut. 439 (cf. R 243; Η fügt nur wie R 243 άλλος
zur Verstärkung hinzu, was in LXX fehlt); Deut. 10 17 f. (H liest
αληΟ-ινός und λαμβάνει, LXX stattdessen Ιοχυρος xal φοβερός
uod θαυμάζει, Η läßt außerdem wie der hebräische Text den
Ausdruck προοηλύτω vor όρφανώ xal χήρα weg); außerdem
Deut. 10 17 (cf. R 244); Jes. 446 (vgl. Jes. 49 18 und 45 21 und R 36);
Deut. 613; Deut. 64 (cf. R244) iöfast wörtlicher Übereinstimmung
mit LXX.
In Η IGe: Jos. 23? (s. o. Η löe und R 244); Ex. 2228 (s. o. Η lOe);
Jer. lOu (s. o. Η 16 β); Gen. 1 1; Ps. 19 2; Ps. 102 26 (bei Η
nur der Zusatz εις τον αΙώνα\ sämtlich in Übereinstimmung
mit LXX.
In Η 16ii (cf. R 2.38): Gen I26, wie LXX. ' '
In Η 174 (cf. R 243 und Η 20 3): Deut. 3239 (H liest ζωοποιείν
statt ζην Jioulv bei LXX; Η 203 liest ζην ποιεΐν), sonst wie LXX.
In Η 1841 Thren. Jer. 337 (H bietet kein eigentliches Zitat);
Deut. 328 (cf. R242); Η und R geben nur eine Anspielung.
262 Waitz, Die Psendoklementinen.
In Η 18 14: Ps. 782 nach Mt. 13s5 als Wort des Jesaias zitiert
In Η 18 17 : Jes 40 26. 27 (mit nur wenigen Auslassungen) ;
Deut. 30 15 (H liest τέϋ^ειχα und τηρ οδόν, statt wie LXX δέδίοχα
und οημερον), sonst wie LXX.
In Η 18 18: Jes. I3.4 wörtlich wie LXX.
Die AnfQhrungen aus dem A. T. in den antimarcionitischen
Partien der H^ haben also folgende Merkmale:
1. Sie sind nicht nur aus den 5 Büchern Moses, sondern auch
aus Josua, den Psalmen, sowie Jesaias und Jeremias genommen.
2. Sie treffen zumeist im Wortlaut mit LXX zusammen^
weichen jedoch mannigfach davon ab, teils in unwesentlichen
Einzelheiten, teils unabsichtlich durch gedächtnismäßiges Zitieren,
teils absichtlich zur Verstärkung des Gedankens in apologetischem
Interesse.
Nun stimmen nicht nur diese Merkmale durchaus mit der Zi-
tierung alttestamentlicher Schriftstellen zusammen, die wir aus
Justins Schriften kennen,^ sondern es lassen sich auch ft&r die
hier angeführten alttestamentlichen Zitate zum Teil Parallelen
bei Justin finden. Dabei stellen sich folgende ΰbereinstimm^mgen
herßsT Η 16 6 (cf. R 239) zitiert nach LXX. Gen. 822; ebenso
Justin Dial. c. Tryph. 62. 129; Η löe (vgl. R 24i. 44 undH I67) zitiert
ebenso Deut. 10 17, weicht jedoch von LXX ab, indem es nicht
wie LXX ο ϋ^Βος υμών (R 24i. 44: deus vester; codd.: deus noster),
sondern ο ί^εός ύον schreibt. Ganz dieselbe Lesart aber bietet
Justin Dial. c. Tryph. 55; während er freilich dial. c. Tryph. 16
auch wie LXX ο ϋ^εος νμών schreibt
Η 16 6 zitiert Ps. 50 1 und Ps. 82 1; ebenso, jedoch auch wie LXX,
Justin Dial. c. Tryph. 22, bezw. 124; Η 168 zitiert Gen. 1 1 und Ps. 192;
in demselben Wortlaut, doch nicht in derselben Zusammenstellung
bringt Justin Apol. I64 Dial. 64 diese beiden Zitate; Η 16 η (cf. R 2 39)
zitiert Gen. 1 26 nach LXX, ebenso Justin Dial. α Tryph. 62: Η 18 4
1) Man vergleiche dazu noch die Anspielungen Η 16 is α. Prov. S80:
Η 1(3 12 u. Ex. 20 12; Η 1G14 u. Ei. 3 2; Geo. 32 24; Jes. 7 u, Ex. 4ie;
Η IG 20 u. Num. 10 so; Η 10 20 u. Gen. li)24; Η 10 20 u. Deut. 28 2S; Η 16»
u. Jes. r>6 9; Η 16 20 u. Deut. 32 23; Η 18 2 u. Ei. 9 27; Η 18* u. Gen. 14 28;
Η 18 4 u. Ps. 130 2.
2} Hilgenfeld, Untersuchungen über die Evangelien Justins u. s. 1
Halle 1850 4(). '^7) f., woselbst auch Beispiele von Textmischungen wie in
Η 10 6 angeführt sind.
III, 1. Die alttestamentlichen Zitate in den Homilien. 263
(cf. R 2α%) spielt auf Deui 32 8 an; Justin Dial. c. Trjph. 131
bringt das ganze Zitat nach LXX. Abgesehen von dem letzten
Zitat, das in Η kein eigentliches Zitat ist, stimmen also sämtliche
alttestamentlichen Schriftstellen, soweit sie bei Justin Parallelen
haben, mit diesen wörtlich tiberein, eine auch unter Abweichung
von LXX.
Dieser Sachverhalt ist auffallig. Wie aber soll dieses Zu- vi-
sammentrefifen anders erklärt werden, als dadurch, daß hier Stellen
aus einer justinschen Schrift aufgenommen worden sind! Die V;
Untersuchung der neutestamentlichen Zitate wird zu demselben
Ergebnis führen.
Völlig andersartig ist das Bild, das die Zitate in den nicht ^.
überarbeiteten Partien der Κ Π. darbietend
Η 3 18 föhrt Deut 32? an, gibt jedoch eine andere Über-
setzung des hebräischen Textes ίξέτααον statt LXX Ιπερώτηοον
(hebr. bKtf), iQil statt LXX avayyeXel (hebr. Tl"?^•]), und avayyh-
λουύί (cod. 0. = έροίοή statt LXX Iqovol (hebr. illtt»•^"!).
Η 3*7 zitiert Deut. 345. 6, tibersetzt jedoch den hebr. Text ni3^1
άχεϋ-ανε statt LXX: έτελεντηοε sowie ονδέΐς οίδερ statt LXX
σνχ είδε ουδείς, Η 3 49 zitiert (cf. R 1 50) Gen. 49 10, schreibt
dabei wie LXX άρχων έξ %νδα CBittJ, woför der hebr. Text nM
hat, liest jedoch ονδε statt LXX xal und ov Ιατιν statt LXX τα
οΛΟχείμενα αντφ und hebr. Text n'b'^ttj. Offenbar las Η 3 49 in
einem hebräischen Text weder τ« άποχείμενα wie LXX, noch
nVtD wie der massoret. Text, sondern Kbttl = ife ΊΤΟΚ.
Η 16 13 (cf. R 246) zitiert Deut. 13ift. »ff., vollständig von LXX
(und auch hebr. Text) differierend:
Η 16i3:
γέγραχταί: iav avaurfj kv ool προφήτης^ διδονς (C. 001)
οημεΐα xai τέρατα, χώ, IkO^y το τε οημείορ ίχείρο χα\
το τέρας, έρεΐ δέ οοι, πορενθ^έντες λατρεύύωμεν ϋ^εοΐς
1) Vgl. dazu auch die Anspielungen Η 243 u. Gen. 14 19; Η 243 u. Gen. 22 1 ;
Η 24S D. Gen. 6.7; Η 248 u. Ex. 205; Η 2 43 u. £x. i2i; Η 2 43u. Ex. 3 21. 22.
11«. 12s6.se; Η 24S u. Ex. 1()2; H243 u. Jes. 43?; Η 243 u. Ps. (>Sie;
U 2 44 Q. Beut 4 11; Η 2 44 u. Jes. 45 7; Η 2 44 u. Gen. 6 7; H. 3 so u. Fe. SH 18;
Η 3io Q. Gen. 2i9f. 28. 820; Η 821 u. Gen. 2ιβ; Η 8 25 υ. Gen. 4 7; Η 847
u. Paral. II 34 14; Η 17 7 u. Gen. I28; Η 17 14 u. Num. 12 6-8; Η 17x7 u.
Gen. 4185; Η 18i8 o. Gen. 524; Ή 204 u. Gen. 816; Ή 20β u. Ex. 4 3.4.
7 19. 80. Gen. 2?. Ex. 34 29; Η 207 u. Gen. O2. 184. 32 u.
Hi
264 Waitz, Die Pseudoklementinen.
Ιτεροις, οίς ovx γιδποαρ ol JtaxtQeq oov, ovx άχούοεοϋ^ε
τον προφρήτον txtivov εν πρώτοις Ιβτωοαν άί χείρες
αου λιβ-οβοληοαι αντόρ, έπείραβεν γαρ ob άποοτηναι
άπο χυριον τον &εον ΰον, iav δϊ είπ^ς iv τ^ χαρδία öov
πώς ίποΙηΟΒ το οημείον Ιχείρο η το τέρας, γινώύχων
γνώου οτι 6 πειράζων έπείραζεν ΙδεΙν, εΐ φοβί} χνριον
τον ΰ^εόν οον.
R 245:
Ait ergo: Si surrexerit in te propheta aut somnianssom-
niam et dederit signa vel prodigia et evenerint signa
illa vel prodigia et dixerit ad te: eamus et colamus deos
alienos quos nescitis; non audietis verba prophetae illius
neque somnium somniatoris illius, quia tentator tentavit
TOS, ut videat, si diligitis dominum deum vestrum.
Deut. 13i-8.9f.:
iav δε άναατ^ έν ooi προφήτης η έννπν ιαζόμενος
το έννπνιον χαΐ δω οοι θ7/μεΙον i} τέρας χαΐ eXd-y
το ύημεΐον η τέρας ο έλάληύε προς Ο ε λέγων πο-
ρενϋ-ώμεν χ αϊ λατρενοωμεν ϋ^εοΐς Ιτέροις ονς ονχ οίδα-
τ ε, ονχ άχούοεύϋ^ε των λόγων τον προφήτου έχείνον
?} τον έννπνιαζομένον το έννπνιον έχείνο-
9 f. χάί αί χεΙρές ύον εβονται έπ* αντον έν πρώτοις
άποχτεΐναι αντον ... οτι έζήτηοεν άποοτήναί αε
απ ο χνρΙον τον ϋ^εον οον . . .
3. οτι πειράζει χνριος 6 Θ^εός οον νμας εΐδέναι ei
αγαπάτε τον ϋ-εον νμών.
R 245 hat sich allerdings dem kanonischen Text angenähert,
zeigt aber doch noch deutlich in Einzelheiten, wie z. B. im
Gebrauch des Plural bei signa illa, sowie in der Nachstellung des
V. 3, daß Η die ursprüngliche Rezension darbietet Eigenartig
sind nun hier nicht nur die Auslassungen und Umstellungen,
die Η gegenüber der LXX (und hebr. Text) aufweist, sondern
auch die Abweichungen vom Wortlaut (vgl. z. B. λιθ-οβολήοαι
statt απ οχτ είναι u. a.).
Η 17ia zitiert in ähnlich freier Weise:
Η 17 18:
έαν άναύτ(ι προφήτ?ις έξ νμών, δι^ οραμάτων χαΐ ένν-
πν ίων αντώ γνωριύϋ-ήοομαι, ονχ όντως δϊ ως Μωύύ^
III, 1. Die altteetamentlichen Zitate in den Homilien. 265
τω ϋ•Βράποντί μον, ότι έν εϊδει χαΐ ου δι* ΙννχνΙων
λαληθώ JtQoq αυτόν, ως ει τις λαληθεί jrQog τον εαυτού
φίλον,
Num. 126.7.8; Ex. 33 ii:
έάν γένηται προφήτης υμών χυρίω, εν όράματι αυτω
γνωύθ•ήύομαι χαΐ έν υπνφ λαληθώ αυτω» ουχ ούτως
ο ϋ-εράπων μου Μωίχίης . . .
8. λαληύω αυτω, έν εΐόει χαΐ ου δι* αινιγμάτων . . .
Εχ. 33ιι: ως εΐ τις λαλήύαι προς τον εαυτού φίλον.
Auch hier wird in der freiesten Weise mit dem altestament-
lichen Text umgegangen. Zwei verschiedene Schriftstellen werden
miteinander verbunden. Innerhalb derselben Stelle werden ganze
Sätze ausgelassen und Worte eingestellt; auch der Satzbau wird
verändert. Weicht hierin das Zitat in gleicher Weise von LXX
und dem hebräischen Text ab, so zeigt es auch im Wortlaut Ab-
weichungen von der griechischen Übersetzung, * welche vermuten
lassen, daß nicht LXX, sondern der hebräische Text oder einei
uns unbekannte Übersetzung desselben die Vorlage war. '
Η 203 bringt in der Anspielung auf Deut. 3239 den an LXX
erinnernden Ausdruck ζην ποιείν, der um so auffalliger ist,
als Η 17« dafür in demselben Zitat den von LXX ζην ποιείν ab-
weichenden Ausdruck ζωοΛοιείι^ . bringt (s. o.j.
Sind die bisher besprochenen Zitate dem Pentateuch ent-
nommen, so findet sich Η 17 1? Dan. 325 angeführt,^ wie sich
Η 347 mit der Erzählung der Chronika (2. Chron. 34 u) ver-
traut zeigt.
Für die Zitate aus dem K, Π, ist demnach folgendes cha-
rakteristisch:
1. Sie sind nirgends den prophetischen Büchern entnommen,
Terraten jedoch Kenntnis der Hagiographen und bevorzugen die
5 B&cher Moses.
2. Sie flehen nicht auf LXX, sondern, wie fast durchweg
1) Vgl. Η 17 18 δι* οραμάτων und Num. 12 6 iv όράματι; Η IT 18
γνωριαθήοομαι und Num. 126 γνωσβ-ήαομαι; Η 17i8 Λ' ενυπνίων und
Nanu 128 όί* αΙνιγμάτων.
2) Η 17 17 heißt der Text: ϊφη' τον τέταρτον όρώ ως ιϊόν &εον. Die
LXX echreibt 3 25: καΐ ή ορασις τοϋ τετάρτου όμοία νϊώ Θ^εον,
-^
ν
266 Waitz, Die Peeudoklementinen.
Dachgewiesen werden kann, auf den hebräischen Text bezw. eine
Übersetzung desselben^ zurück.
3. Sie sind teils genau, teils frei nach dem Gedächtnis an-
geführt.
4. Sie stellen auch Textmischungen dar.
Die Untersuchung der neutestamentlichen Zitate f&hrt, wie
noch gezeigt wird, zu einem ähnlichen Ergebnis.
2. Die alttestamentlichen Zitate in den Relcognitionen. ^
Auch hier können wir dieselbe Beobachtung machen, daß
in allen denjenigen Partien, in denen K. Π, nicht verarbeitet
worden sind, also in R 4 — 10, vom A. T. verhältnismäßig wenig
Gebrauch gemacht worden ist. Finden wir doch auch hier, ab-
gesehen von einigen Anspielungen (R429 cf. Gen. 10 β; R 5 i?
cf. Gen. 3 14 ; R 5 29 cf. 3. Reg. 17—18; R 6 10 cf. Lev. 18 19; RS«
cf. Gen. 4i2; R 850 cf. Gen. 8; R 859 cf. Sap. I4; R IO49 cf. Ez. I8.33),
nur dasselbe einzige Zitat wie in Η 11 22; G«n. l2if. cf. R67.
(s. o.!) —
Die alttestamentlichen Zitate in den antimarcionitischen Ab-
schnitten in R zeigen dieselben Merkmale wie die in den gleich-
namigen Partien in H.
R 238 zitiert außer den bereits oben besprochenen Stellen
(Gen. 3 δ cf. H16 6, bei R etwas weiter und frei ausgeführt;
Gen. 322 cf. Η 3 39; Gen. I26 cf. Η 16 n; Gen. 382 cf. Η 16 ii;
Gen. 11? cf. Η 339, ebenfalls bei R etwas weiter ausgef&hrt;
Ex. 2228 cf. Η 166, bei R mit der Singularform principem, statt
der Pluralform άρχοντας bei H, an LXX angenähert) noch
Deut. 32 12 in wörtlicher Übereinstimmung mit LXX.
R 241 bringt außer Deut. 10 17 (vgl. Η 166; bei R an LXX
mehr angenähert) kein weiteres Zitat.
R 242 wiederholt nochmals Ex. 2228 (vgl. Η 16β.8) und bringt
wie Η I84 eine Anspielung auf Deut. 328.
R 243 führt wie Η 16? bezw. Η I84 Deut. 3289 an, jedoch
1) Lagarde weist bei Η 2lU cf. Gen. 3 16 auf Symmachas hin, dessen
Obersetzang jedoch hier einen andern Wortlaut als Η 204 hat Sie kann
auch chronologischer Schwierigkeiten wegen nicht in betracht kommen.
2) Es werden hier diejenigen Zitate nicht weiter besprochen, welche
in II ihre Parallele haben und daher schon behandelt worden sind.
Λ
III, 2. Die alttestamentlichen Zitate in den RekognitioDen. 267
umfangreicher und ganz im Anschluß an LXX; femer Deut. 4^9,
ebenfalls wie Η 16? mit dem Zusatz alius {άλλος) ^ der in LXX
fehlt, und Deui 10 u, wie Η 16?, jedoch im Text mehr an LXX
angenähert und z. T. frei weitergeführt.
R 244 bringt Deut 64 wie Η 16?, jedoch ebenfalls in dem
ProDomen tuus von LXX, die ημών liest, variierend, außer-
dem wie Η 166 eine Textverschmelzung aus Ps. 35 10 und 868,
und wie Η 166, jedoch im Wortlaut an LXX mehr angepaßt,
Jos. 23?, endlich noch, ohne Parallele bei H, Ps. 1732 wörtlich
nach LXX.
R245 zitiert, ähnlich wie Η 166, jedoch im einzelnen variierend,
in freier Weise Deut 11 le (cf. Deut 13 δ).
Β 2 53 bringt wie Η 16 β (cf. Η 342) eine Anspielung auf
Gen.2i7, auch hier wie Η 342 u. 16e ohne Abweichungen von LXX ^.
Unverkennbar sind zwar die Zitate in R, verglichen mit
ihren Parallelen in H, fast durchweg an den griechischen Text
angenähert, wie die wenigen über Η hinausweisenden Zitate
wortlich mit der LXX übereinstimmen; doch zeigen sie auch
nelfach dieselben Eigentümlichkeiten wie die in H. —
Gehen wir zu den Zitaten in K, Π, über, so haben wir
bereite Deut 13iir., welche Stelle sich wie Η 16 13 auch R 2«
Torfindet, betrachtet.
Eine ebensolche Textmischung wie Η 16 π bietet auch R Ine
dar, wo Deut 18 15 f., verbunden mit Gen. 17 u, zitiert wird. Nun
findet sich dies Zitat, wie Η 353, so auch Act 322.
Deut 18 15 f.:
χροφήτηρ έχ των αδελφών οον ώς έμε άναοτηοει
COi χνρίος 6 ϋ^εός οον, αντον άχονοεοϋ^ε. Κατά
χάντα, οΰα ι^τηοω χτλ.
18.:Λροφήτην άναοτηοω αντοΐς ίχ των αδελφών αυτών,
ωύχερ oi . . .
19. χαΐ 6 ανΰ^ρωπος ος Ι αν μη άχούοξ] όοα αν λα-
ληοχι 6 προφήτης ίχείνος ....
20. Jξληv ... άχοϋ-ανεΐται 6 προφήτης ίχείνος.
\) VgL de ligno scientiae bei R; άπυ τον ξνλον τοϋ γι^^νώσχ^ιν
χαλον χαΐ ηονηρόν bei Η 3*2 und 10 β; άπο dt τον ξνλον τοϋ γινώ-
cxfiv χιλ, bei LXX.
268 Waitz, Die PseadoklementineD.
Gen. 17 u:
. . . έξολοϋ^ρενϋ^ήοεται ή φνχη Ιχπνη ix τον yivo^
αυτής.
Act. 322:
Μωνοής μϊν είπεν οτί ^ιροφητην νμίν άναύτίξ ^^^^
χύρίος 6 θ^εος 7]μών έχ των αδελφών υμών ως § t^'
αντον άχονοεοϋ^ε χατα πάντα οθα αν λαλτ^ ^'
προς υμάς' εΰται δε πααα ψνχη ήτις ίάν μη axo'cr^^^
τονπροφήτουέχείνονέξολε&ρενθ-ήοεταιίχ τοϋλα ^
Η 353:
έλεγε ν (= Χριοτός) Ιγώ εΙμι περί ον Μωχ)θής προε
τενοεν εΙπών προφτμην εγείρει νμίνχύριοςό β-εοςημ•
Ιχ των αδελφών υμών ωύπερ χαΐ έμέ' αύτον αχ
ετε χατα πάντα' ός αν δε μη άχούοη του χροφητ "^
εχείνον αποθ-ανείται.
Κ ΐ3β:
de quo ipse (sc. Moses) dixit: prophetam vobis sus» ^
tavit dominus deus vester, quem sicutme ipsum audc -C
secundum omnia quae dixerit vobis. Quicunq
non audierit prophetam illum, exterminabitur ani
ejus de populo suo.
Vergleichen wir zunächst das Zitat in R und in Η
Deut. 18 15 «f., so finden wir folgende Differenzen:
1. R gibt Deut. 18i5ff. als alttestamentliches Zitat, Η dageg«-=^
als Wort Christi.
2. Η schließt sich dabei enger als R an LXX an, indem ^
die Worte έχ των αδελφών bringt, die in R fehlen, den Aii-^-
druck άπο&ανείται aus Deut. 18 20 anführt, der in R fehlt bezw.
umschrieben ist durch Worte aus Gen. 17 u, und auch dieselbe
Satzkonstruktion hat, indem ωοπερ xal έμί zu εγείρει bezw.
άναύτήοει und nicht, wie in R, zu audite {αχούοεύθ-ε, άχονετί)
bezogen wird.
Diese Differenzen zwischen R und Η sind zu groß, als daß
sie einem Autor angehören könnten. Wir werden noch sehen,
daß Η 3 53 dem Redaktor der Homilien angehört, während R 1 se
in den K. Π. steht.
Ziehen wir nun auch Act. 3 22 f. zu dem Vergleioh herbei, so
finden wir:
III, 2. Die alitestamentlichen Zitate in den Rekognitionen. 269
1. Abgesehen davoD, daß Η dieses Zitat Jesus in den Mund
legi, so schließt sich Η im ersten Teile vollständig in Wort-
stellung wie in Wortlaut an Act. 3 22 f. an, in ersterer hierin mit
Act von LXX abweichend, während R hier wesentlich diflFeriert
2. Im 2. Teil folgen Η und R mit der Wendung ος αϊ; δε μη
άχουαιι (quicunque non audierit) Deut 16 18, im weiteren Verlauf
nur noch H, während R dieselbe Textverbindung mit Gen. 17 u
wie Act 3 22 bringt, nur schreibt Gen. 17u έχ του γένους, Act 3 22 f.
hc του λαοϋ, ebenso R Ise de populo suo.
Wie lassen sich diese Übereinstimmungen und Abweichungen
erklaren? Was Η anlangt, so scheint es, wie schon die Bezeich-
nang der ganzen Stelle als eines Herrenworts verrät, zunächst
nicht das A. T., sondern das N. T. bezw. Act 3 22 f. als Vorlage
benutzt zu haben, doch weicht der Verfasser von Η 3 53 im
weiteren Verlauf — vielleicht absichtlich — von Act 3 22 f. ab, in-
dem er die Textvermischung vermeidet und das Zitat aus seiner
Fortsetzung Deut 18 20 ergänzt.
R dagegen ist im ersten Teil dem alttestamentlichen Text
in freier Weise gefolgt Wenn R alsdann die Textverschmelzung
wie Act 3 22 f. bringt so scheint es doch nicht gerade diese Stelle
als Vorlage benutzt zu haben, da es ja mit der Wendung qui-
cunque non audierit, ebenso wie Η (ος αν δε μη άχούοΐ]) sich
mehr an Deut 18 ιθ (ος αρ μη άχούοη) als an Act. 32β {jtaoa ψυχή
ήτις έάν μη äxovoy) anschließt: Vielmehr sieht es so aus, als
ob Act 322 und R Ise zusammen und unabhängig voneinander
anf eine gemeinsame Vorlage zurückgehen. Nun finden wir auch
bei Tert adv. Marc. 422 dieselbe alttestamentliche Stelle Deut. 18 15,
in derselben Weise wie R Ise mit Gen. 17 u verbunden, zitiert:
Prophetam; inquit Moyses, suscitabit vobis deus ex filiis vestris,
tamqoam me audietis illum. Omnis autem qui illum non au-
dierit exterminabitur anima ejus de populo suo.
Sehen wir von dem Zusatz ex filiis vestris ab, der R 1 se
fehlt und weder mit Deut. 18 15 noch mit Act 322 in Einklang zu
bringen ist^ die ix των αδελφών lasen, so finden var auch hier
tanqnam me, wenn schon nicht relativisch, mit audietis ver-
bunden, wie in R 1 36. Außerdem haben wir auch hier, wie
R Ise und Η 3 53, die Wendung omnis, qui illum non audierit.
Dieses Zusammentreffen der Textrezension bei Tertullian und
R Ise bei gemeinsamer Abweichung sowohl von Deut. 18 15 als auch
270 Waitz: Die Pseudoklementinen.
von Act 3 22 f. kann nicht zufallig sein, sondern nur auf einer ge-
meinsamen Vorlage beruhen, die wir auch für Act. 3s2t annehmen
mußten. Diese aber kann nichts anderes als eine eigenartige
Textrezension, sei es des hebräischen Textes, sei es einer Über-
setzung sein, die irgendwie diese Textvermischung zwischen
Deut. 18ΐ5ίτ. und Gen. 17i4 vollzogen haben muß.
In R l36 bezw. Tert. adv. Marc. 422 scheint sie in ihrer ur-
sprünglichsten Gestalt vorzuliegen; Act 8221 hat sie wenig geändert,
Η 353 dagegen absichtlich korrigiert So finden wir auch in den
Zitaten der K. Π, bei R dieselben Eigentümlichkeiten wie bei H:
Nicht die LXX ist die Vorlage, sondern entweder der hebräische
Urtext oder eine von der LXX abweichende Obersetzung.
Wenn in R 1 27-42 sehr häufig das 1. Buch Moses, wie auch
das 2., benutzt wird, dagegen niemals ein andres alttestament-
liches Buch — das Zitat Hos. 6 β in R I37 ist, wie aus dem Zu-
sammenhang ersichtlich, nicht als alttestamentliches Zitat, sondern
als Herrn wort (vgl. Mt 9 13, 12?) gedacht — so stimmt auch dies
mit der Beobachtung, die wir hei der Untersuchung der alttesta-
mentlichen Schriftzitate der K. Π. in Η gemacht haben, daß in
K, /7. keine anderen alttesfcamentlichen Bücher so oft zitiert werden,
als die 5 Bücher Moses. Wenn die Ausführung in R 1 27-42,
die einen Gang durch die Heilsgeschichte von der Schöpfung
bis zur Erscheinung des wahren Propheten in Jesus darstellt,
in R 1 36 von einem Zitat aus dem letzten Buch Moses, der Weis-
sagung des Moses von dem kommenden Propheten (Deut 18 15)
unmittelbar zu ihrer Erfüllung in Jesus übergeht (R 1 37), so dient
auch dies zur Bestätigung jener Beobachtung. Die Hinweise
auf Josua, die Richter und Könige in R 1 se beweisen allerdings
daß das A. T. der K. Π, nicht nur die 5 Bücher Moses, sondern
auch die übrigen Geschichtsbücher umfaßt hat Das völlige Ab-
sehen aber von Stellen aus den Psalmen oder Propheten, wie
wir sie in der antimarcionitischen Bearbeitung gefunden haben,
sowie der unvermittelte Übergang, den die Darstellung R I39
von der alttestamentlichen zu der evangelischen Geschichte
macht, beweist, was uns schon die Untersuchung der Homilien-
zitate gezeigt hat, daß das A. T. der /C /7. keinesfalls die
Propheten umfaßt haben kann. Damit stimmt die prinzipielle
Stellung^ welche die K. Π. zu den alttestamentlichen Propheten
einnehmen.
in, 3. Die neutestamentlichen Zitate in den Homilien usw. 271
3. Die neutestamentlichen Zitate in den Homilien samt deren
Parallelen in den Rekognitionen.
Indem wir zur Untersuchung der neutestamentlichen Schrift-
steilen übergehen, die sich in Η angeführt oder angedeutet fin-
den, behandeln wir auch die Parallelen aus R mit, wo solche
vorhanden sind. Später nehmen wir diejenigen Schriftstellen vor,
welche sich nur in Η bezw. nur in R vorfinden.
Dabei beschranken wir unsere Aufgabe, weil wir uns bei
unserer Untersuchung besonders über das Verhältnis der Parallel-
steilen in Η und R^ auf die einschlägigen Arbeiten Gredners,
Hilgenfelds und Lehmanns stellen^, auf die Frage: Wie verhalten
sich die neutestamentlichen Schriftzitate zu den Ergebnissen unsrer
QueUenkritik der Klementinen? Wir hofi^en damit den festen
Pankt zu gewinnen, von dem aus es möglich ist, insbesondere
die Evangelienzitate, die noch Preuschen^ in einen Anhang ver-
weisen mußte, für die Geschichte des neutestamentlichen Kanons
uhd Bibeltextes zu verwerten.
Vor allem beachtenswert sind solche Zitate, welche sich in Η
selbst mehrmals finden. Es sind dies folgende:
1) H26i:
ινλόγω^ 6 διδάοκαλος ημών ϊλεγερ' γίνεοί^ι τραπε-
ζΐται όόχίμοι.
Η 35ο:
άλλα χάί έν τω φηναι' γίνεοϋ^ε τραπεζΐται δόκιμοι.
Η 182ο:
ούτως γαρ είπεν γίνεαϋ^ε τραπεζΐται δόκιμοι,
2) Η26ΐ:
λέγων δια τούτο πλανάοΟ^ε , μη είδότες τα άληϋ^η
τώρ γραφών ον εϊνεκεν αγνοείτε και την δυνα-
μιν τον Ο^εον.
Η35():
μίμνημαΐ Jtov αντον αΐτιώμενον τους Σαδδονκαίονς
είχεϊν δια τοϋτο πλανάοϋ^ε, μη είδύτες τα άληϋ^ή
1) Credner, Beiträge zur Einleitung in die biblischen Schriften. Halle
l*S!32f I 268 ff.; Hilgenfeld, Kritische Untersuchungen über die Evangelien-
zitate Justine. Halle 1830, 307 ff.; Lehmann, Die klement. Schriften. Gotha
IS^iO, 118 ff.
2) Preoschen; Antilegomena. GieHen V.H)1, soff.
272 Waitz, Die Pseudoklementiiien.
των γραφών, ου εϊνεχεν αγνοείτε την ovvac
τον ϋ-εου cf. 3δΐ.
Η 182ο:
χαΐ άλλαχή jtov λέγει ....
— δια τοϋτο πλαναοϋ-ε, μη είδότες τα άληϋ•ή τ*
γραφών, ου εΐνεχεν αγνοείτε χαΐ την δύναμιν τ
ΰ^εοϋ.
Mc. 1224:
εφη αυτοίς ο ^Ιηαονς'* ου δια τούτο χλανάοθ^ε,
είδότες τάς γραφάς μηδέ την δύναμιν τον &ε
Mt. 2229:
ο ^ίηαους είπεν αντοίς' ^τλαναοϋ^ε, μη είδότες r
γραφας μηδέ την δύναμιν του Ο^εον.
3) Η 3 18:
(γνώοις) η μόνη την πύλην της ζωής άνοΐξαι δύνατ:
δι' ης μόνης εΙς την αίωνίαν ζωην είθε λϋ- ει ν εοτ
Η 352:
αντος άλη&ης ων προφήτης ίλεγεν έγώ εΙμι η χύ
της ζωής' ο δι" έμον εΐοερχόμενος εΐοερχεται ι
την ζωην.
Η 77:
η μεν ονν τών άπολλνμένων οδός χλατεΐα μ^ν χαΐ of.
λωτάτη, άπολλύονοα δε ανεν τον πόνου, ή δε τών ο
ζομένων οτενη μίν χάί τραχεία.
Ηΐ8ΐ7:
χα\ ο διδάοχαλος ύνμφώνως εΙπεν εΐοέλϋ-ετε δια τ
οτενης χαΙ τε&λιμμένης οδον, δΐ ης εΐαελεύοεύϋ-ε e
την ζωην.
Mt. Tu:
οτενη η [πύλη] χάί τε&λιμμένη ή οδός ή άπάγονύα i
την ζωην,
Job. 10ο:
έγώ εΙμι ?) Β-ύρα, δι έμον kav τις εΐοέλϋ"^, ύωΟτίοετ
4) Η3ΐ9:
χάί όμως ηγαπα χαΐ τονς μιΰονντας καΐ ϊχλο
τονς άπειΟ^ονντας χαΐ ενλόγει τονς λοιδορον
III, 3. Die neutestamentllchen Zitate in den Homilien usw. 273
τας, ηυχετο νχερ ίχϋ^ραιροντων, xci ου μόνον ταύ-
τα kjtoUi ώς πατήρ^ αλ^χι χαΐ τοις αυτοί μαϋ-ηταΐς, ως
χρος αδελφούς έχοντας τα όμοια ποιείν ίδίδαοχεν,
Η 1232:
δίχαιος χειράταιχαΐ έχϋ-ρους άγαχαν χαΐ λοίδοροϋν-
τας ευλογείν. Ιτι μην χαΐ ύχΐρ έχϋ-ρών ευχεαϋ•αΐ'
άδιχούντας έλεεΐ. διο χάΐ χροοαδιχείοθ^αι ανέχεται χαΐ
όμως χαταρωμένους ευλογεί, τυπτουοι συγχωρεί, διώ-
χουύιν υποχωρεί χτλ.
Mt 544:
αγαπάτε τους έχ&ρους υμών, [ε ύλογεΐτε τους χατα-
ρωμένους υμάς, χαλώς ποιείτε τοις μιΰοϋοιν υμάς]
χαΐ προοευχεο&ε ύπερ των [έπηρεαζόντων υμάς χαΐ]
διωχόντων υμάς.
Luc. 6 27 f.:
αγαπάτε τους έχϋ-ρούς υμών, χαλώς ποιείτε τοις
μιύουοιν ύμάς^ ευλογείτε τους χαταρωμένους υμάς
προύεύχεοϋ-ε ύπίρ τών έπηρεαζόντων υμάς,
Justin, Αροΐ. Ι 15:
ενχεΰθ'ε ύπερ τών Ιχϋ-ρών υμών χαΐ αγαπάτε
τονς μιοοϋντας υμάς χαΐ ευλογείτε τους χατα-
ρωμένους ύμΐν χαϊ ευχεοΟ-ε ύπερ τών έπηρεαζόν-
των υμάς cf. DiaL c. Tryph. 133.
5) Η 337:
τω (sc. θ'εώ) ύώμά ύου χαϊ ψυχην χολάύαι χαΐ οώοαι
δνναμένω.
Η 175:
λίγων μη φοβηϋ-ήτε από του άποχτεΐνοντος τόύώμα, τη
Ä ψυχ^ μη δυναμένου τι ποιηύαΐ' φοβήθ^ητε δε τον
δννάμενον χαϊ οώμα χαϊ ψυχην εις την γέενναν
του πυρός βαλε Ι ν,
R34:
dicens: Nolite timere eos qui occidunt corpus, animas au-
temnon possunt occidere. timete autem eum qui potest
et corpus et animam perdere in gehennam.
Mt. 1028 :
μη φοβείοϋ'ε από τών άποχτεινόντων τό οώμα, την δε
ψνχην μη δυναμένων άποχτεΐναι. φοβείβϋ-ε δ\ μάλ-
Texte α. Ontenaohungen. Κ. F. Χ, 4. 18
274 Waitz, Die Pseudoklementineo.
λοντον δννάμενον xal φνχηρ xal ύώμα aJto^
έν γείρρη,
Lc. 124ί.:
μη φοβηθ-ήτε απο τώρ άποχτεινορτωρ το ύώμα χαΐ
ταντα μη έχ6ντω\ρ JtεQiΰβ6τεQ6v τι jroiijoai
φοβήϋ•ητε top μετά το άποκτεΐραι εχορτα έξον
έμβαλεΤν εΙς τηρ γέερραρ.
Justin, Äpol. 119:
μη φοβεΐο&ε τονς άραιρονρτας νμας xal μετά ι
μη δνραμέρονς τι ποιηοαι, φοβηϋ•ητε δε τορ
το άχοϋ^αρεΐρ δνρά(]ί^Ρ0Ρ κ|ίψ ψνχηρ χαΐ ύώμι
γέενραρ ίμβαλεΐρ,
6) Η 351 :
είπείρ' ο ονραρος χαϊ ή γη παρελενοορται.
tp // μία χεραία ου μη τιαρέλϋ^η άπο τον Pi
Ερ. Petr. 2:
είπερ' ο ονραρος χαϊ ή γη ^ιαρελενϋορται, ίώ•\
η μία χεραία ον μη Jtaρέλϋ\η άπο τον ρομον
Mt. 5 18. 19 :
άμηρ γαρ λέγο:> νμΐρ, ϊως αρ παρέλΒ-η 6 ονραρο
η γη^ Ιώτα ϊρ i] μία χεραία ου μη παρέλϋ•'^
τον ρόμον, ίως χτλ.
7) Η 355:
εφη' ιοτω νμώρ το ραΐ ραί [χαϊ] το ον ον' τι
περιύβορ τοντωρ ix τον πορηρον έοτιρ.
Η 19i:
εϊρηχερ' εύτω νμώρ το ραΐ ραί χαϊ το ον ον,
περιοοον τοντωρ ix τον πορηρον ioτiP,
Mt. 537 cf. Jac. 5 12:
εοτω δε 6 λόγος νμώρ ral ραί, ον ον, το ίέ Λε(
τοντωρ εκ τον πορηρον εοτιρ,
Justin, Αροΐ. Ι IG:
ίοτο} δε νμώρ το ραΐ ναι , και το ον ον, το δΐ jt
OOP τοντωρ ix τον πονηρον,
8 Η 357:
τοι;; δε πειϋ-ομέροις χαχορ αντορ είραι, ως άί γραφ
γονοιρ, εφη' μη με λέγί-τε (cod.: λέγε) άγαϋ^ορ' t
αγαθ•6ς εις ίύτιρ.
in, 3. Die neutestamentlichen Zitate in den Homilien usw. 275
Η 174:
μη με λέγε άγαϋ^ορ, 6 γαρ άγαϋ-ος εΙς έατιν,
Η 18ι:
λέγειν μη με λέγε άγαθ-όν ο γαρ αγαϋ-ος εϊς έύτιν, ο
χατηρ ο iv τοις ονρανοΐς.
Η 183:
αυτός ο διδάύκαλος ημών τω είπόντι ΦαριΟαΙφ, τί ποιη-
οας ζωην αΐώνιον κληρονομηθώ; πρώτον Ιφη' μη με
λέγε άγαθ'όν 6 γαρ άγαϋ^ος εΙς έύτιν, 6 πατήρ ο έν
τοις ονρανοΐς cf. Η 18 17.
Lc. 18 18. 19:
λέγων δίδάοχαλε άγαϋ•έ, τί ποιηύας ζωην αΐώνιον χληρο-
νομη^ω; είπεν δε αντώ ο^Ιηοους' τί με λέγεις άγαϋ•6 ν; ου-
δείς άγαΒ-ος ει μη εΙς ϋ-εός cf. Mt. 19i6f. Mc. 10i7f.
Justin, Ap. I 16:
είπόντος' δίδάοχαλε άγαθ^έ, άπεχρίνατο λέγων* ουδείς
αγαΟ•ος εΐ μη μόνος 6 ϋ^εός, 6 ποιηοας τα πάντα,
Dial. C. Tryph. 101 :
λέγοντος' δίδάοχαλε άγαϋ-έ, άπεχρίνατο' τί με λέγεις
άγαΰ•6ν; εΙς έύτιν άγα&ός, 6 πατήρ μου ο έν τοις
ουρανοΖς.
9) Η 3δ7:
χαΐ πάλιν' γίνεΰ&ε άγαϋ^οΐ καΐ οίχτίρμονες ως ο
πατήρ ο έν τοΙς ουρανοΐς, ός ανατέλλει τον ηλιον
έπ άγα&οίς χάί πονηροίς χαϊ φέρει τον υετον έπΙ δι-
χαίοις χαϊ άδίχοις,
Η 11ΐ2:
εΐ γαρ όντως ουχ έφρόντιζεν, ουχ ϊίν ουδέ τον ηλιον
αυτοϋ άνέτελλεν έπΙ άγαϋ^ούς χαϊ πονηρούς ούτε τον
ύετον αυτοϋ εφερεν έπϊ δικαίους χαϊ αδίκους.
Η 122ο:
ευεργετουντα δικαίους καϊ άδικους, ο)ς αυτός ο ϋ^εος
παύιν έν τω νυν χόομφ τον τε ηλιον καϊ τους ύετούς
αυτοϋ παρέχων.
Η 182:
ορώ ποιοϋντα τον δημιουργόν, παρέχοντα τον ηλιον
αγαϋ-οϊς χάί κακοίς καϊ τον υετον δικαίοις καϊ άδίκοις,
18*
276 Waits, Die Pseudoklementinen.
Β 338:
boni est enim solem suum et pluvium ex aequo justis et in-
justis praebere.
R 5i3:
propheta docet: Estote misericordes sicut et pater
Tester coelestis misericors est, qui oriri facit solem suum
super bonos et malos et pluit super justos et .injustos.
Lc. 6 36*.
γίνεοϋ^Β οίχτίρμορες^ χαΟ•ώς ο πατήρ υμών οΐ-
χτίρμων έύτίν.
Mt. 5 45:
όπως γβρηΰ&ε νΙοΙ του πατρός νμώρ τον έν ονραροΐς,
ότι τον ηλιορ αντου ανατέλλει έπΙ πονηρούς χαΐ άγαϋ^ονς
χαΐ βρέχει έπΙ διχαίονς χαΐ άδίχονς,
Justin, Αρ. Ι 15:
γίνεοϋ-ε δε χρηύτοί χαΐ οίχτίρμονες, ώς χαΐ 6
πατήρ υμών χρηύτός έοτι χάί οίχτίρμων χαΐ τον ηλιον
αύτου ανατέλλει έπΙ αμαρτωλούς χαΐ διχαΐονς χαι πα-
νηρονς.
Dial. C. Tryph. 96:
γίνεοΰ-ε χρηϋτοί χαι οίχτίρμονες, ως χαι ο πατήρ
υμών ο ουράνιος . . . ϋ^εον . . . ορώμεν τον ηλιον αντοϋ
ανατέλλοντα ΙπΙ άχαρίοτους χάί δικαίους χάί βρέχοντα
έπΙ οοίους χαι πονηρούς.
10) Η 372:
ου δος έξουοίαν τω προχαϋ-εζομένω λύειν α δεΙ λνειν
χαι δεομείν α δεΙ δεομεΐν.
Ερ. Clem. 2:
διο αύτω μεταδίδωμι τήν έξουοίαν τον δεομεύειν χαΐ
λύειν, ϊνα περί παντός ου αν χειροτονήΰη έπι γης ίοται
δεδογματιύμένον έν ούρανοΐς.
Ερ. Clem. 6:
δ αν δήοη ίπϊ γης, δέδεται χαΐ ίν ουρανω. ο d* αν
λύύη, λέλνται.
Mt. 16 19:
δωύω 001 τάς χλείδας της βαοιλείας των ουρανών, και
δ έάν δήοχις ίπϊ της γης εύται δεδεμένον έν τοις ου-
m, 3. Die neutestamentlicben Zitate in den Homilien usw. 277
ρανοίς, xal ο hav λνύΐβς kjtl της γης εύται λελνμένον
iv τοΙς ονρανοΐς cf. Mt. Ι818.
11) Η 36ο:
μακάριος ο αρ9•ρωπος hesWog, ον χαταύτήύει 6 χνριος
αυτόν ijtl της Β^εραπείας των οννδονλων αντοΰ.
Η 3β4:
μακάριος 6 αρΒ'ρωπος έχείρος, ον χαταύτήοει 6 χνριος
αντοϋ ijil της Β^εραπεΙας των οννδονλων αντον,
Mt. 2521:
εν, όονλε άγαϋ^ε χάί πιβτέ^ Ιπ ολίγα ης πιοτος, έπΙ
Λολλών OB χαταύτηοω cf. Lc. 19 17.
Lc. 1242:
τΙς αρα έύτίν 6 πιοτος οίχονόμος 6 φρόνιμος, ον χατα-
ύτήύει 6 χνριος έπΙ της ϋ^εραπείας αντον.
12) Η 74:
απερ %χαοτος Ιαντφ βονλεται χαλά, τα αυτά βονλενέοϋ-ω
χαί τω χληοΐον.
Η 1ΐ4:
χάντα ούα Ιαντω τις Ο^έλει χαλά, ώύαντως άλλω χρι^-
ζοντι παρεχέτω.
Η 12 32:
ο ϋ^ελει kavτω χαΐ τω πληύίον* οντος γάρ έύτι ϋ-εον
νόμος χαΐ προφητών.
Mt. 7 12:
πάντα ονν όύα Ιάν ϋ^έλητε, ϊνα ποιώύΐν νμίν οΐ άν-
θρωποι, όντως χαΐ νμείς ποιείτε αντοίς' οντος γάρ
Ιοτιν 6 νόμος χαΐ οΐ προφηται.
Lc. 631:
χαϊ χαθ•ώς ΰ-έλετε, ίνα ποιώοιν νμίν οί άνΒ-ρωποι, χαι
νμεΐς ποιείτε αντοΐς ομοίως.
Justin, Dial. c. Tryph. 93:
άπερ εαντω βονλεται άγαϋ-ά, χάχείνφ βονλήύεται.
13) Η 86:
λέγει' εξομολογούμαι οοι, πατήρ τον ονρανον χαΐ της
γης, οτι [άπ]έ7ΐρνφας ταντα από αοφών [χαΐ] πρεΰβντε-
ρων χ(ά άπεχάλνψας αντά νηπίοις ϋ•ηλάζοναιν.
278 Waitzi Die Pseudoklementinen.
Κ4δ:
ait: confiteor tibi, pater, domine coell et terrae, quia
occultasti haec a sapientibus et prudentibus et revelasti
ea parvulis.
Η 175:
ϊτι δε εξομολογείται τω χνρΐφ ουρανον χαΐ γης,
Η 18 15 f. (nach Simon-Marcion):
τον öbv διδάοχαλορ αΐτιώ ενόντα' εξομολογούμαι ύοι
χνριε του ουρανού χαΐ τη^ γης, οτι απερ ην χρυπτα
ύοφοΖς, άπεχάλνψας αύτα νηπίοις ΰ^ηλάζονΰιρ' χάί ο
Πέτρος, ούτω μεν, εφη. 6 λόγος ονχ έλέχ&η ... ο Λ Ιηοονς
.... ούχ είπεν ατινα ην xρυJtτά, άλλα το δοχουν
τραχύτερον εΐρηχεν εΐ3ΐεν γαρ' άπεχάλνψας αντα
νηπίοις ΰ-ηλάζουαιν.
Lc. 10 21 cf. Mi 11 25:
εξομολογούμαι öoi πάτερ, χνριε του ουρανού χαΐ της
γης, οτι άπέχρνψας (Mt. εχρυ^ρας) ταύτα απο ύοφών χαΐ
Ουνετών, χαΐ απεχάλι^ψας αύτα νηπίοις,
14) Η 821 :
εφη (sc. Christus)' γέγραπτα^' χύριον τον ϋ•ε6ν ύου φοβη^
ϋ^ηογι χαΐ αν τ φ λατρεύοεις μόνφ.
R 434:
respondit ei (sc. Christus): scriptum est: dominum deum
adorabis et illi soli servies.
Η IOo:
λέγητε' χύριον τον ϋ-εον φο^ίηϋ^ηοη χαΐ αν τ ω μόνω
λατρεύοεις.
R 5ΐ3:
dominum deum tuum adorabis (cod. timebis) et illi soli
servies.
Η 17?:
afp ojv εντολών αντη πρώτη χάί μεγάλη τνγχάνει, το
φοβί/ϋ^ηναι χύριον τον Ο^εον χαΐ αντω μονω λα-
τρεύειν cf. Η 1233.
R 244:
scriptura dicens: dominum deum tuum adorabis et illi
soli servies.
III, 3. Die neutestamentlichen Zitate in den Homilien usw. 279
Deut. 613:
xvQiop TOP d^eop oov φοβηϋ•ηο7^} xal αντώ μορφ
λατρενϋεις.
Mt 4 10:
yiyQajixai γάρ' χνριορ top d^top θου προοχνρηύεις
xal αντώ μορφ λατρευοεις.
Justin, Dial. c^Tryph. 125 (cf. 103).
άχοχρίρεται γαρ αντώ' γεγραπται' χύριορ top &ε6ρ öov
προοχνρηοεις χαΐ αντώ μόρφ λατρενϋεις,
15) Η. 8 2ΐ:
τω γαρ της ενύεβείας ήμώρ βαύΐλεΐ προοηλ9•έρ ποτέ ο
προοχαιρος βαοιλενς . . . Ι'φ/;* jtaaat αΐ τον pvp χούμον
βαοιλεΐαι νπόχειρται εμοί. ετι τε 6 χρνύος χαΐ 6 άργυρος
χα\ Jtäöa η τρνφη τον χοομον τοντον νπο ταΐς ίμαΐς
Ιοτιρ έξονοίαις' δώ πεοώρ προοχνρηοορ μοι χάΐ δωύω
001 πάρτα ταντα χτλ, (s. Νο. 14).
Η 11 3δ:
η χαχία η τω χνρΐφ προοδίαλεχϋ^είοα ημέρας τεοοαρά-
χορτα χαΐ μηδερ δνρ7]&εΐαα χτλ.
6 Άορηρος τεούαράχορτα ημέρας διαλεχ&είς αντώ χαΐ μηδερ
δυρηΟ-είς χτλ.
Η 192:
ομολογεί im τεΟύαράχορτα 7/ μέρας διαλεχ&έρτα πεπει-
ραχέραι αντορ.
Mi 43:
χάί προοελϋ'ώρ αντώ 6 JtειράCo^p . . .
49 ΧΟΛ είπερ αντώ' ταντα JtavTa οοι δώοω, aap πεοώρ
προοχνρηβχις μοι.
Lc. 4 2:
ψέρας τεΟύαράχορτα πειραζόμίρος νπο τον διαβόλον.
4 6 εΙπερ αντώ 6 διάβολος' οοϊ δώοο^ την έξονοΐαρ
ταντηρ άχάύαρ χαΐ τη ρ δόξαρ χτλ,
Justin, Dial. c. Tryph. 103:
προύήλ&ερ αντώ (sc. 6 διάβολος) ... πειράζωρ αντορ
cf. C 125.
16) Η 113.-,:
νβτερορ ως άοτραπη έξ ονρανον ίπΐ γης πεύονοα.
2g0 Waitz, Die Pseudoklementinen.
Η 192
οτι εώραχεν τον πονηρον ως άοτραπην πεοοντα έχ τον
ονραρον ίδήλωοεν.
Lc. 10 18:
ίΰ-εώρονν τον οαταναν οίς άοτραπην έχ τον ονρανον
πεβόντα.
17) Η 17 4:
ελεγεν ονδεις εγνω τον πατέρα, εΐ μη 6 νΙός, ως ούόε
τον νΐόν τις οίδεν ει μη 6 πατήρ χαΐ οίς αν βονληται
6 νΙος άποχαλνψαι,
Η 184:
λέγει' ονδεϊς εγνω τον πάτερα, εΐ μη 6 νΙος, ώς ονδε
τον νΐόν τις οΙδεν εΐ μη 6 πατήρ χαΐ οίςαν βονληται
6 νΙος άποχαλνψαι cf. Η 18?.
Η 18 13:
περί τον' ονδεϊς ϊγνω τον πατέρα, εΐ μη 6 νιος, ονδε
τον νίόν τις οίδεν, εΐ μη 6 πατήρ χαΐ οϊς αν βονληται
6 νΙος άποχαλνψαι,
Η 18 2ο:
ονδείς εγνω τον πατέρα, εΐ μη 6 νίός, ώς ονδε τον
νΙόν τις οΙδεν, ει μη 6 πατήρ.
R 247:
dicit: nemo novit filium nisi pater; neque patrem quis
novit nisi filius et cui voluerit filius revelare.
Mt. 1127:
ονδείς έπιγινωύχει τον vi 6 ν εΐ μη 6 πατήρ, σνδε τον
πατέρα τις ίπιγινώύχει εΐ μη 6 νΙος χαΐ φ kav βονληται
ο νιος άποχαλνψαι cf. Lc. 10 22.
Justin, Αρ. Ι 63:
ονδεϊς εγνω τον πατέρα^ εΐ μή ο νΙος, ονδΐ τον νΙον
εΐ μή 6 πατήρ χαΐ οίς αν 6 νΙος άποχαλύφ^.
Dial. C. Tryph. 100.
εΙπών πάντα μοι παραδέδοται νπο τον πατρός, χα\
ονδεΧς γινώοχει τον πατέαο ει μή 6 νΙός, ονδΐ τον νΙον
εΐ μή ο πατήρ χαΐ οίς αν ο νίος άποχαλνφ^.
m, 3. Die neaiestameutlicheu Zitate in den Homilien usw. 281
Ein Überblick zeigt uns, daß No. 1. 2. 6. 7, die, wie aus
den Einführungsworten ersicbÜich ist, samt und sonders wirkliebe
Zitate sind, wortlicb fibereinstimmen. Dazu ist zu bemerken:
No. 1 findet sich fiberhaupt nicht in einem kanonischen Evan-
gelium, obwohl es sonst oft von den Vätern als Herrenwort an-
geführt wird^ No. 2 weicht von den kanonischen Evangelien
durch die Wendung τα άληϋ^ των γραφών ab, wofür diese
nur τάς γραφάς haben. No. 6 bietet den nur Mi 5i8 vor-
kommenden Gedanken, jedoch in anderer Satzkonstruktion. No. 7
bringt das Herren wort in einer Form, die von Mt. 5 37 diflferiert,
dagegen mit Justin Ap. I 16 (vgl. auch Jak. 5 12) wörtlich kon-
gruiert Das alles weist darauf hin, daß die verschiedenen Zitate
da, wo sie fibereinstimmen, literarisch zusammenhängen. Nun
gehören die Kapitel, welche die in No. 1. 2 und 6 angeführten
Herrenworte enthalten, zu den K. Π\ Stimmen aber in diesen
verschiedenen Kapiteln von Η auch die Schriftzitate fiberein, so
geben sie die Probe für die Richtigkeit unserer Quellenscheidung.
Es sei noch bemerkt, daß alle drei Zitate sich nicht bei Justin
finden.
Das gilt jedoch von No. 7. Dabei ist festzustellen, daß
das Wort in Η 3 55 und 19 2 vollkommen wörtlich mit Justin
übereinstimmt, dagegen von dem kanonischen Matthäus abweicht
Η 3 55 und 19 2 gehören aber zu denjenigen Partien der K. Π,,
wo der antimarcionitische Redaktor tätig ist, wie die antimarcio-
nitische Polemik in Η 3 55 und 19 2 beweist Hat er nun, wie
oben gezeigt, wesentlich aus Justins Antimarcion geschöpft, so
muß er auch in den Schriftzitaten mit Justin harmonieren. Ist
dies aber hier tatsächlich der Fall, und zwar an zwei verschie-
denen Stellen bei Η zugleich, so bestätigt dies unsere frühere
Untersuchung. Auch erklärt es uns den Zusammenhang zwischen
den Evangelienzitaten in Η und bei Justin, auf den Credner
ond Hilgenfeld a. a. 0. aufmerksam gemacht haben, ohne ihn
richtig erklären zu können. Bei No^8 und VI verhält es sich
genau ebenso. Offenbar liegen auch hier wirkliche Zitate vor,
1) Vgl. Cotelier-Clericus Patr. Ap. I 249 sq. Credner, BeitrOge I 326.
Hilgenfeld a. a. 0. 369 Anm. 1. Rasch, Agrapha IIS. 121. 235.
2) Η 2 50. 3 51. 18 ». Ep. Petr. 2. Η 3 5i is. 0. S. 95 f.).
282 Waitz, Die Pseudoklementinen.
und zwar aus einem schriftlichen Evangelium, wie die durch-
gängige wörtliche Übereinstimmung an verschiedenen Stellen
in Η zeigt. Bei No. 8 ist am vollständigsten Η 18 3, wo nicht
nur der Anlaß des Herrenwortes, die Frage des Pharisäers an
Jesus, sondern auch, wie Η 18 1, in der Antwort die Apposition
zu Gott 6 JcarijQ 6 kv τοις ονρανοΐς steht. Vergleichen wir
hiermit die kanonischen Evangelien, so finden wir weniger Ähn-
lichkeit bei Matthäus, als bei Lukas, mit dem auch Markus 10 17 f.
sowohl in der Fragestellung des Pharisäers als auch in der Ant-
wort Jesu mehr übereinstimmt. Ist dies schon auffallig, da doch
die Evangelien zitate in H, insbesondere die aus den K. Π, mehr
mit Matthäus harmonieren, so muß es noch mehr überrascben,
daß auch das Schriftwort in Η 18 2 seine nächste Parallele wieder
bei Justin, Dial. c. Tryph. 101 hat, während Justin, Ap. 1 16 es
freier wiedergibt. Allerdings besteht eine kleine Differenz: In
Η lautet die Antwort Jesu in Form einer Mahnung: μη με λέγε
a'/ad^oVj bei Justin — wie auch bei den Synoptikern — in Form
einer Frage τι με λέγεις άγα&6ν; Bei Justin ist auch der stärkeren
Botonung wegen das Wort εΙς an den Anfang gestellt, wie es
auch Mt. 19 17 voransteht. Aber eigenartig ist eben der Gebrauch
des Wortes εϊς in Η und bei Justin, den wir nur noch so
bei dem sonst differierenden Matthäus haben; noch mehr aber
die oben angeführte Appo^. ion zu Gott, die nur Η 18 i. a und
Justin, Dial. c. Tryph. 101 steht, während Justin, Ap. I 16 dafiir
— aus dem Gedächtnis — 6 ποιηοας τα πάντα bringt, die
Synoptiker aber sie weglassen. Unsere Quellenkritik hat uns
diese Verwandtschaft mit Justin erklärt: Η 3 57. 174. 18 i. 3 ge-
hören zu der antimarcionitischen Bearbeitung der K, Π,
Ahnlich verhält es sich bei No. 17^ Sämtliche Stellen aus Η
weichen in gleicher Weise von Matthäus und Lukas ab, indem
sie 1. das Präteritum haben {εγνω^, wo diese das Präsens {έπι-
γινώοκει bezw. γίνώθκει\ 2. zuerst den Vater und dann den
Sohn nennen, wo diese sie in umgekehrter Reihenfolge anführen,
3. das Oflfenbarungsobjekt im Plural bezeichnen (οίς), wo diese
den Singular haben (ώ\ In diesen drei Punkten stimmen sie
aber wieder völlig mit Justin, Ap. I 63 überein, während Justin,
Dial. c. Tryph. 100 nur γινώοκει statt εγρω sagt, sonst aber
den Text, wie Ap. 1 63 — und hier zweimal — , hat. Wie
ist dies zu erklären? Η Π*. 18^. m. 2o gehören zu den anti-
III, 3. Die neutestamentlichen Zitate in den Homilien usw. 283
marcionitisch überarbeiteten Partien in H. Wenn dasselbe Herren-
wort, das R 247 in einem ähnlichen Zusammenhang angeführt
ist, dem kanonischen Texte angenähert ist, so kommt dies auf
Rechnung des Redaktors bezw. Übersetzers von R.
No. 5 ist insofern undurchsichtiger, als an einer Stelle,
Η 337, kein eigentliches Zitat vorliegt. Aber auch so leuchtet
ein, daß Η 337 und Η 17 δ einen verschiedenartigen Evangelien-
text voraussetzen: Während Gott nach Η 3 3? Leib und Seele
nur bestraft, wirft er sie nach Η 17 5 in die Hölle. In den
kanonischen Evangelien hat aber Η 3 37 keine Parallele, Η 17 5
dagegen stimmt am Schluß mit der Wendung εις την γέενναν του
jtvQoq βαλεΐΡ mehr mit Lukas, am Anfang mit der Wendung
μη δνναμένω mehr mit Matthäus überein. Zeigt es also wenig
Übereinstimmung mit einem kanonischen Evangelium, umsomehr
mit Justin, Ap. I 19. Hier wie dort findet sich die Wendung
μη δνναμένω (bzw. δυναμένους) τι jtoiijuai, die bei Matthäus
fehlt und bei Lukas mit den Worten μη έχ6ντο?ν πε^ηοοοτερόν
τι χοιηοαι umschrieben ist; hier wie dort die Wendung εις
(Η την) γέενναν (Η του Jtυρ6ς) ίμβαλείν (Η βαλεΐν), die auch,
allerdings wieder nur umschrieben, Lukas hat. Hier wie dort
die Form φοβηϋτ^τε, wie auch bei Lukas. Jedenfalls zeigt Η 17 δ |
größere Verwandtschaft mit Justin als mit den Synoptikern, Η 3 37
di^egen weder mit Justin noch mit den Synoptikern: Η 337
steht in den K. /7., Η 17 5 in ihrer antimarcionitischen Re-
daktion. — R 34 gehört zu dem späten Einschub, den der
Redaktor von R in den Zusammenhang von K. Π, gemacht
hat Hier steht darum eine Lesart, die dem kanonischen Mat-
thäus konform ist.
Mit No. 13 hat es eine ähnliche Bewandnis. Η Sc einer-
seits und Η 17 6 und 18 ΐδ andrerseits unterscheiden sich dadurch,
daß dort Gott als Vater, hier als Herr angeredet wird, während
er R 4δ und bei den Synoptikern Vater und Herr heißt; Η Se
und Η 18 15 differieren noch darin, daß dort neben den οοφοί
auch χρεοβντεροί genannt sind, die Η 18 ir> fehlen und bei Lukas
und Matthäus durch αυνετοί ersetzt sind. Η 18 15 kennt außerdem
zwei Lesarten, die gegenübergestellt werden. Petrus, d. i. der
Antor von Η 18i5, und Simon, d. i. nach dem Zusammen-
hang Marcion, sind die Vertreter beider Lesarten, die also diife-
rieren:
2S4 Waitz, Die Peeudoklementinen.
Petrus: I Simon:
ίξομολογονμαί aoi κύριε του \ έξομολογονμαΐ ύοι χνριε τον ^ «ΐ
ουρανού χαΐ της γης, ότι άπε- j ουρανού χαΐ της γης, οτι ατΐβρίΓ^ =(
κρυψας ταντα άπο οοφών κα\ , (bzw. άτινά) ην κρνχτά ύοφοίς, -^^^ί
άπεκάλυψας αύτα νηπίοις ϋ^η- Ι ά^τεκάλυψας αυτά νηχίοις &η — *^;5
λάξουΟίΡ. Ι λάζουοιν
Nun stimmt in der Tat die Lesart im Text des Simon-Marcioi
im wesentlichen mit der des marcionitischen Evangeliums, welcb<
nach TertuUian bezw. Epiphanius lautete:
Tertullian Epiphanias
adv. Marc. IV 25: adv. haer. 42:
Gratiasagoetconfiteor, domine ^ευχαριοτώ ύοι κύριε του ov — '•^-ϊ
coeli, quod ea quae erant ab- ραροϋ*. ουκ είχε oh >καΙ τή^^^ si
scondita sapientibus et pru- γής^. ουδέ ^ πάτερα είχεν» έλέγ "*^
dentibus, revelaveris parvulis. \ χεται δέ' κάτω γαρ είχεν »yal-£ '^^
ι ο πατηρ^.
Denn wenn auch in anderen Einzelheiten die Lesart Marcion
nicht festzustellen ist, jedenfalls stand hier, was auch Η 18 1
bezeugt, κύριε statt πάτερ und απερ ην κρυπτά. Es wird dahe
anzunehmen sein, daß auch der Text des Petrus keinesfalls
Wort πάτερ gehabt, das Η 86 und R 4δ steht Wie aber is
diese Differenz zu erklären? Η 17 5 gehört dem antimarcioni
tischen Redaktor an; Η Sc einer anderen Quelle, als welche wi
wohl die klementinische Schrift anzunehmen haben (s. o. S. 182)* <Z -
Wenn Η 8 6 und 1 8 15 übereinstimmend und abweichend von La 10 tif ^^ s
sowie R 4 5 den Ausdruck ϋ^ηλάζουύιρ als nähere Bestimmung ζιβ'-^^
νηπίοις bringen, so dürfte dies auf Rechnung des Redaktors de
Homilien kommen. Denn Marcion hat, wie wir aus Tert.«
ersehen, diesen Zusatz nicht gehabt; auch Η 18 ΐδ wird er,
νηπίοις dreimal erwähnt ist, zweimal im Texte des Marcion
weggelassen. Ist er aber hier von dem Redaktor einmal als ein-
getragen nachzuweisen, so ist er auch Η I8i6 — wohl au
Grund von Η Sc — eingetragen worden.
BeiNq. 9 ist vor allem die erste Schriftstelle Η 3 5? beachtens-
wert. Sie ist als eigentliches Zitat gedacht, stellt aber, insofern
wenigstens der kanonische Text in Betracht kommt, eine Miechimg
aus zwei verschiedenen Schriftstellen, Lc. 6 8β und Mt 5 45, dar
Von diesen unterscheidet sie sich aber im einzelnen wieder da-
III, 3. Die neatestam entlichen Zitate in den Homilien usw. 285
durch, daß sie nicht nur wie Lc. 636 mahnt, harmherzig {ol-
χτιρμωρ), sondern auch gütig (αγαθός) zu sein. Dieser Zusatz
ist aber gerade nach dem Zusammenhang, in dem dieses Zitat
steht, durchaus wesentlich. Soll es doch im Gegensatz zu der
marcionitischen These die Güte des Schöpfergottes beweisen.
In ebendemselben Zusammenhang steht es auch, allerdings ohne
den ersten Teil (Lc. Gse), Η 182, wo ebenfalls bewiesen werden
soll gegenüber der Lehre Marcions αγαθόν elvai τον jtaQexnxov
sc. δημιονργόν). Dürfen wir daher annehmen, daß derjenige,
welcher Η 3 δ? schrieb, auch Η 18 2 geschrieben hat — es ist
beidemal der antimarcionitische Redaktor — , so werden wir auch
vermuten können, daß er Η 18 2 jenen Vordersatz (Lc. ose)
wenigstens im Kopfe hatte, wenn er ihn auch nicht niederschrieb.
Das Gleiche gilt von Κ 3 38, wo dasselbe Schriftwort — wie Η 18 2
— unter Weglassung des ersten Teils in der antimarcionitischen
Polemik verwertet wird. Nur enthält diese Stelle in den Worten
boni est einen noch deutlicheren Hinweis auf den Anfang des
Zitats: γίνεύϋ-ε άγαϋ^οΐ. — Anders verhält es sich dagegen an
den beiden anderen Stellen, Η lli2 und 12 26. Hier handelt es
sich dem Zusammenhang nach nicht um den Beweis für die
Grüte des Schöpfergottes, sondern Η 1 1 20 um den Beweis der
Fürsorge Gottes, Η 12 26 dagegen um die Mahnung zu wahrer
Menschenliebe, welche auch den Feind mit umfaßt. Ist nun auch
fftr Η 11 12 die Möglichkeit zuzugeben, daß hier jener Vordersatz
Lc 686 ergänzt werden könnte, so ist sie an zweiter Stelle völlig
ausgeschlossen, da der Hinweis auf die εχθροί und xaxol, die
man lieben müsse, nur an einen Vordersatz denken läßt, wie er
Mt. 544 in der Mahnung zur Feindesliebe wirklich vorangeht
Da nun aber Η 1226 und Η 11 12 denselben Verfasser haben —
es ist der klementinische Redaktor — , so kann auch an letzter
Stelle Η 11 12 nur derselbe Vordersatz Mt. 544 vorausgesetzt
werden.
Dieselbe eigentümliche Verbindung zweier Herrenvvorte, die
in den kanonischen Evangelien an zwei ganz verschiedenen
Stellen stehen, findet sich nun ebenso wie bei dem antimarcio-
nitischen Bearbeiter auch bei Justin, sowohl Ap. 1 1 5 als auch
DiaL c. Trjrph. 96. Dazu wird auch hier beidemal an erster
Stelle die Eigenschaft der Güte hervorgehoben, wenn auch anstatt
des Ausdrucks άγαθ•6α der verwandte χρηύτός gebraucht wird.
286 Waitz, Die Pseudoklementinen.
Ja, im Dial. c. Tryph. wird der zweite Teil des Zitats ganz mit
derselben Wendung eingeleitet, wie Η 182 (Dial. c. Tryph. r
ϋ^εον ορώμερ , . . Η 18 2: ορώ ... τον δημιονργόν). Der lite-
rarische Zusammenhang zwischen dem antimarcionitischen Re-
daktor und Justin tritt also auch hier zu Tage.
Wenn ein solcher Zusammenhang mit Justin Η llia und
12 26 nicht zu konstatieren, vielmehr Η 1226 völlig ausgeschlossen
ist, so beruht dies darauf, daß an beiden Stellen nicht der anti-
marcionitische, sondern der klementinische Redaktor (vgl. R 5 «)
tätig ist.
Merkwürdig erscheint es nur, daß auch R^ is eine ähnliche
Vermischung wie Η 3 5? und bei Justin vorliegt, da hier der
antimarcionitische Redaktor nicht in betracht kommen kann
Doch ist sie nur ähnlich, da ja der Hinweis auf die Güte Gottes
im ersten Teil des Zitats fehlt, wie es hier überhaupt an Lc. 6se
angepaßt ist. Daher wird sie nicht auf eine literarische Ver-
wandschaft mit Justin, sondern auf eine mehr zufallige Ideen-
association zurückzuführen sein, wie denn auch Epiphanias
haer. 66 22 und Origenes de principiis II 4 1 ähnliche Textverbin-
dungen bringen Κ
No. 14 weist die Eigentümlichkeit auf, daß sämtliche Stellen.
aus Η ebenso wie Deut. 6 13 in LXX φοβεΐοθ^αι, sämtliche Stellen
aus R dagegen wie Mt. 4 10 und Justin Jΐρoaxvpεlv adorare
gebrauchen. Scheint dieses Verfahren sowohl in Η als auch
in R beabsichtigt zu sein und dem Redaktor von Η bezw. IL
zur Last gelegt werden zu müssen, so beweist doch die Variante-
timebis, die sich R 5 1» findet, daß auch in einigen AusgabeiL.
von R der Ausdruck φοβηΟ^ηφ] gestanden haben muß; dahei""^
wird er mit mehr Recht dem klementinischen Redaktor als denk —
von Η zuzuschreiben sein. Ebenso erscheint aber auch bei^—
näherem Zusehen das Verfahren in R nicht ganz folgerichtige — -
Hat er nämlich zweifellos das Bestreben, sich dem kanonische]
Text zu akkommodieren, so schreibt er mit gutem Grund R 4
und 5 13, wo beidemal das Zitat als das Wort, mit dem Ghristn»
den Versucher abweist, angeführt wird, adorabis statt timebis,.
da ja auch Mt, 4 10 προοκννηύεις steht; dagegen schreibt er
grundlos R 2 44 adorabis, da dem ganzen Kontext und der Zita-
1) Vgl. Hilgenfeld a. a. 0. 1>2. Anm 1.
III, 3. Die neutestamentlichen Zitate in den Homilien usw. 2S7
tionsformel (scriptura dicit) nach nur das alttestainentliche Wort
Deut 6 13 gemeint sein kann, wo nicht jtQooxvvijOtic^ sondern
φοβη&ηο^ steht. Dieses widerspruchsvolle Verfahren läßt sich
nur dadurch erklären, daß der Bearbeiter von R in der Grund-
schrift an der Stelle R 2*4 bereits den Ausdruck jtQooxvvrioetq
statt φοβη&7]οχι vorfand. Hat dieser Ausdruck aber in der
Gnindschrift, abweichend von ihrer Vorliebe für den Ausdruck
φοβηϋ^ηαυ, gestanden, so kann er nur dadurch erklärt werden,
daß hier eine Quellenschrift verwandt wurde: es ist der Anti-^
marcion Justins, der ja auch nur den Ausdruck ^ιροοχννήοεις
kennt
No. 3 bietet nur in Η 3 52 und Η 18i7 wörtliche Zitate.
Die größte Verwandtschaft besteht zwischen Η 3 is, 3 32 und 18 17,
indem hier überall der Schlußsatz ziemlich übereinstimmt, ohne
in den kanonischen Evangelien eine Parallele zu haben. Doch
stehen sich Η 3 18 und 3 02 insofern näher, als hier im Vorder-
satz von der Pforte des Lebens {τίύλη της ζ€θής), Η 18 ι? da-
gegen nur von dem eugen und schmalen Weg die Rede ist
Während Η 3 le und 3 52 weder aus Mt 7 13. u noch aus Job. 1 9
unmittelbar entnommen sein können ^ spielt Η 18 π im ersten
Teil zweifellos an Mt 7 ir.. u an. Η 7 7 ist nichts anderes als eine
durchaus freie Wiedergabe dieser Schriftstelle. Der Unterschied
in der Art der Zitierung ist klar; er beruht auf der Verschieden-
artigkeit der Quellen.
Η 3 18 gehört den K, Π. an, Η 3 52 steht auch in den K. /7.,
aber an einer Stelle, wo der Bearbeiter der Homilien eine An-
zahl Schriftstellen hinzugetan hat, die, indem sie die Heilsnot-
wendigkeit Christi dartun, mit dem Zusammenhang in K, 11^
nämlich mit dem Nachweis, daß es auch falsche Perikopen in
der Schrift gibt, nichts zu tun haben (s. u. S. 323).
Η 18 17 ist dem antimarcionitischen Redaktor zuzuweisen.
Die Verwandtschaft zwisclien Η 3 18 und Η 3 52 beruht darauf,
daß der Redaktor in seiner Vorlaore ein Schriftwort wie Η 3 le
Tor&nd, das er jedoch von sich aus abänderte. Die Differenz in
Η 77 gegenüber den oben behandelten Homilienzitaten hat ihren
Grand darin, daß hier eine andre Quelle, /7. //.. verarbeitet ist,
die, wie noch genauer gezeigt wird, eine Kenntnis der kano-
1) Vgl. dazu Credner a. a. 0. 320; Hilgenfeld a. a. 0. 344.
288 Waitz, Die Pseudoklementinen.
nischen Evangelien allenthalben voraussetzt, sie aber vielfach
frei wiedergibt.
No. 4^ bietet keine eigentlichen Zitate, sondern nur schrift-
gemäße Ausführungen. Doch zeigt Η 3 19 einige charakteristische
Eigentümlichkeiten, wie den Zusatz, der sich weder bei den
Synoptikern noch bei Justin findet ίχλαι^ τονς aJtei&ovvTac,
und die Wendungen ίγ^άπα τονς μιοονντας, die so nur noch
bei Justin steht, und ευλογεί τονς λοιδορονρτας, die sich nur
noch Η 12 32 findet (cf. 1. Petr. 2 23 sowie Resch, Agrapha 245).
Auch Η 12 32 unterscheidet sich gerade durch diese letzte Wen-
dung charakteristisch von den Synoptikern und Justin. Doch
kennt Η 12 32 auch die parallele Wendung, wie sie die Synop-
tiker und Justin haben, ενλογεΐν χαταρωμέρονς. — Η 3 19 gehört
zu den Κ 77. und stellt deren eigenartigen Evangelientext dar.
Η 12 32 stammt von dem Redaktor der Klementinen bezw. Homi-
lien, dessen Charakter sich gerade hier deutlich zeigt, wo er den-
selben Gedanken bezw. dasselbe Schriftwort unmittelbar hinter-
einander in zwei verschiedenen Wendungen anführt, von denen
die erste den K. 77. entlehnt ist, die zweite dagegen den Synop-
tikern.
No. 10 bietet ebenfalls nur schriftgemäße Ausführungen
über Mt. 16 19. Doch unterscheiden sich Ep. Clem. 2 und 6 in
gleicher Weise von Η 3 72 durch den aus Mt. 16 19 entnommenen
Zusatz ijri γης und iv ονρανώ (bezw. ονραροίς): Η 3 72 gehört
zu den 77. 77, die gerade in diesen kirchenrechtlichen Ausfüh-
rungen über die Amtsgewalt des Bischofs usw., wie oben S. 64flF.
gezeigt ist, von dem klementinischen Redaktor in Ep. Clem. be-
nutzt und verarbeitet worden sind.
No. 11 ist auch kein eigentliches Zitat. Der Ausdruck Ι.τΙ
Γ^ς ΰ^εραπείας verrät Bekanntschaft mit Lukas. An K, 77. können
wir deshalb nicht denken. Beide Stellen sind, wie der Zusammen-
hang dartut (vgl. No. 10) den 77. 77. entnommen.
No. 12 bietet wieder nur schriftgemäße Ausführungen, jedoch
iu bezeichnender Verschiedenheit. Η 7 4 gebraucht den Ausdruck
βονλεοϋαί wie Justin, Dial. c. Tryph. 93 ; Η 1 1 4 und 12 32 den Ausdruck
χ^ελειν wie Matthäus und Lukas; letztere Stelle spielt unverkenn-
bar auf Mt. 7 12 an. Doch hat Η 74 den Ausdruck xaXay wie
Η 11 4, während Justin dafür άγαϋ^ά bietet: Η 74 steht in den
III, 3. Die neutestamentlichen Zitate in den Homilien usw. 2S9
Π. n.y während Η 11 4 und 12 82 von dem Redaktor der Klemen-
tinen herrühren^.
Xo. J5 (vgl. dazu No. 14) ist ebenfalls kein eigentliches
Zitat. Η 821 und 11 35 sind nahe miteinander verwandt, auch
darin, daß sie den durch Mt. und Lc. gegebenen Ausdruck jcBLQa-
ζειν vermeiden. Der Ausdruck ΙξονοΙαι Η S21 seheint die Be-
kanntschaft mit der Erzählung des Lukas vorauszusetzen, wie die
Bemerkung, daß der Teufel f&r jetzt von Jesus abließ und ihn
später zu fangen suchte, eine Anspielung auf die nur Lc. 4 13
befindliche Notiz enthält. Beide Stellen gehören dem klementi•
nischen Redaktor an. Η 19 2, wo der früher, wie es scheint
absichtlich vermiedene Ausdruck πειράζπν auftaucht, rührt von
dem antimarcionitischen Bearbeiter her, der hier, wie mit den
Synoptikern, so auch mit Justin harmoniert.
No. 16 enthält auch keine eigentlichen Zitate. Doch bringt
Η 11 35 einen erweiternden Zusatz {kjtl γης), der Η 19 2 fehlt.
Dort spricht, wie eben gezeigt, der Verfasser der Klementinen,
hier der antimarcionitische Redaktor, für den jedoch bei Justin
keine Parallele vorliegt. —
Indem wir uns nun denjenigen Schriftzitaten zuwenden,
welche sich nur einmal in Η bezw. in gleichem Zusammenhang
in R vorfinden, untersuchen wir zunächst die, welche in dem von
uns festgestellten Rahmen der Κ Π, stehen, ausgenommen die,
welche dem antimarcionitischen Bearbeiter gehören. Dabei lassen
wir es fürs erste dahingestellt, ob sie den Κ Π, selbst oder
einer späteren Redaktion, wie etwa der der Klementinen oder
Homilien, angehören.
18) Η 217:
öto xal ο Iv γερρητοΐς γυναικών πρώτος ijXd^tv (sc. Va>-
άννης) cf. Η 3 22 f. 52.
R 1 60:
lohannem majorem fuisse omnibus prophetis et omnibus,
qni sunt filii mulierum.
Mt. Uli:
ουκ έγήγερται kv γεννητοίς γυναικών μείζων cf Lc. 72«.
^) ^gl. die Reminiszenz in R. Γ) 23 1 cf. Η 11 4j omne ergo, quod ipse
L, ****** vie, cum facis alii etc.
^«xt« n. UntereachaDgen. N. F. X. 4. 19
290 Waitz, Die Peeudoklementinen.
19) Η 3δ:
ovx εξεύτιρ τα ητοιμαύμένα τοις νίοίς της βααιλεί
άγαϋ•α τοΙς δια το άδίάχριτον άλογοις ζφοις jtaQUx
Cd-Bioiv παραβχείν cf. R 2 3. 3 1.
Mt. 7 6:
μη δώτε το άγων τοις χυαίν μηδέ βάλετε τονς μαργα{
τας υμών ίμπροοΰ^εν των χοίρων.
20) Η 36:
μη βλαΰφη μουντός αντον το αγιον χνενμα.
Mt 12 3ΐ:
jtaua αμαρτία χαΐ βλαύφημία άφεϋ^^οεται τοΙς άν^^ρι
ηοις, η δε τον τζνενματος βλαύφημία ονχ άψΒ^ύετι
21) Η 3 15:
ο δϊ ημέτερος διδάοχαλος ... ϊφη* οράτε τα ς οΐχι
δομας ταύτας; αμήν νμίν λέγω' λί&ος ijtl λίθ-ο
ον μη αφεϋ^^ ωδε, ος ου μη χαϋ-αιρεΰ^, χαΐ' ον μ
παρέλϋ-Ίβ ή γενεά αυτή χαΐ (codd. ή) χαΒ-αΙρεύί
αρχήν λήψεται. έλενύονται γαρ χαΐ χαϋ-ιοΟύιν ένταν^
χαί περιχαραχώύουα χαΐ τα τέχνα υμών έντ(χν&
χαταΰφάξουοιν. όμως χαΐ τα εξής είρηχεν ύαφεί φωνί
ατινα αντοίς όφ&αλμοίς ΙδεΙν έχομε ν.
Mt. 24 3:
ου βλέπετε ταύτα πάντα; αμήν λέγω νμίν ο
μή άφεϋ^η ωδε λίΰ^ος ijtl λίϋ-ον, ος ου χαταλυ^
öετau 34: αμήν λέγω ύμΐν ου μή χαρέλΒ"^ η γενε
αυτή, ϊως αν πάντα ταύτα γένηται,
Mc. 13 2:
βλέπεις ταύτας τάς μεγάλας οίχοδομάς; ου μή άφε&
λίΒ-ος ίπΐ λίϋ-ον^ ος ου μή χαταλνΰ^.
3ο: αμήν λέγω ύμίν^ οτι ου μή παρέλ&^ί ή γενε
αύτη, μέχρις ου ταύτα πάντα γένηται.
Lc. 21 β:
ταυτα^ α ϋ^εωρείτε, έλεύύονται ήμέραι Ιν ώς ονχ άφε
ϋ'ήσεται λίβ-ος έπΙ λΙΘ^φ, ος ου xaτaλvθ^ηύετaL•
32: αμήν λέγω ύμΐν. οτι ου μή παρέλϋ•^ ή γενε^
αύτη, εως αν πάντα γένηται.
HI, 3. Die neutestamentlichen Zitate in den Homilien asw. 291
1943: ηξο\)ύιν ημέραι hxi ob xal παρεμβαλονοιν ol Ιχ-
^Qoi ύον χάρακα οοι χάί jtBQtxvxXaoovoiv θε χαΐ ύνν-
ίξονοΐν αε χάντοϋ^εν χάί (44) έδαφωνοΐν ύε χάί τα τέχνα
00 ν Ιν ύοΐ χα\ ονχ άφηοονοιν λί&ορ ijcl λΙΒ-ον.
22) Η 3 3ο:
ταντην (την είρήρην) ήμΐν ένετείλατο χροφαΰει προύη-
γορίας χρο των της όιδαύκαλίας λόγων νμίν έχιφ&έγ-
yeod-ai, ϊνα έάν 7j τις iv νμΐν εΙρήνης τέχνον δια της
διδαύχαλίας υμών χαταλάβη αντον ή εΙρηνη, εΐ δh ταν-
την λαβείν υμών τις μη ϋ^έλοι, τότε ημείς άποτινα-
ξάμενοι εΙς μαρτνρίαν των ποδών ημών τον ix τών
οδών χονιορτόν, ον δια τους χαμάτονς βαοτάξαντες
ηνέγχαμεν προς νμάς, όπως οωβ-ήτε, εΙς Ιτέρων άπίωμεν
οΐχίας χαΐ πόλεις.
33ΐ: χαΐ άληθ-ώς νμΙν λέγομεν άνεχτότερον Ιύται
yy Σοδόμων χάί Γομό(>^ας iv ημέρα χρίοεως η τω της
απειϋ^εΐας τόπω ivδιaτελεlv.
R 2 3ο:
praecepit noble, ut in quamcunque civitatem vel domum
introierimus, dicamus: pax huic domuL £t si quidem, in-
quit, fuerit ibi filius pacis, veniet super eam pax vestra;
si vero non fuerit, pax vestra ad vos revertetur. Exeuntes
autem dedomo vel de civitate illa, ut etiam pulverem, qui
adhaeserit pedibus nostris, excutiamus super eos. Tolerabilius
autem erit terrae Sodomorum et Gomorrhaeorum in die
judicii; quam illi civitati vel domui.
Mt. 10 12fr.:
εΐο^ρχόμενοι δΐ εΙς την οΐχίαν άοπάοεοΒ^ε αυτήν χαΐ
εαν μεν η ή οΐχία α£/α, iλ^^έτω ή εΙρήνη υμών ίπ^^αν-
την iav δε μη χι άξΙα, ή εΙρήνη υμών προς υμάς ίπι-
ύτραφήτω, χάί ος αν μη δέξηται υμάς μ7}δΙ άχονοη τους
λόγους υμών, ίξερχόμενοι εξω της οΐχίας η της πόλεως
ίχείνης ίχτινάξατε τον χονιορτόν ix τών ποδών υμών
αμήν λέγω ύμΐν, άνεχτότερον Ιοται γη Σοδόμων χαΐ
Γομόφφων iv ήμερα χρίβεως ή τη πόλει ίχείνη.
Mc. 6ιι: ίχπορευόμενοι ixeΐ&εv εντινάξατε τον χουν
νποχάτω τών ποδών υμών εΙς μαρτύριον αΰτοΐς.
19*
292 Waitz, Die Pseadoklemeniinen.
Lc. 94f.:
xal εΙς ην ap olxlav εΐοέλ&ητε, kxBl μένετε καΐ έτίεΐ&εν
έξέρχεύϋ•ε' xal οοοι αν μη δέχωνται υμάς, εξερχόμενοι άχο
της χόλεως εκείνης χαΐ τον χονιορτον αχό των χοδών
υμών άχοτινάούετε εις μαρτνριον kx* αντονς.
lOiiff.: xal τον χονιορτον τον χολληΟ^έντα ημίν ix της
χόλεως υμών εΙς τους χόδας άχομαΟύόμεθ-α νμίν , . .
λέγω oh νμίν οτι Σοδόμοις έν τη ημέρα έχείνη ανεχτό-
τερον Ιοται η τη χόλει ίκείντ},
23) Η 3 5ο:
χαΐ τω είχείν δια τούτο ον νοείτε το ενλογον των
γραφών;
UDkanonisch.
24) Η 35ΐ:
το δε εΙχεΙν αντόν ονχ ηλϋ-ον χαταλνύαι τον νόμον,
καΐ φαΙνεθϋ•αι αντόν.
Mt 5 17:
μη νομίοητε οτι ήλ^ον καταλνύαι τον νόμον η τονς χρο-
φητας» ουκ ήλ&ον καταλνοαι, άλλα χληρώύαι,
25) Η 3 53:
είχών χολλοι χροφήται καΐ βαοιλεΐς έχεϋ^μηοαν Ιδεΐν.
α νμείς βλέχετε^ καΐ άκονοαι, α νμεΐς άκονετε, χαΐ άμην
λέγω νμΐν^ οντε είδον οντε ηκονύαν.
Mt 13 17:
άμην λέγω νμΙν, οτι χολλοι χροφήται καΐ δίκαιοι έχεϋ^ν-
μηΰαν ίδείν, α βλέχετε, και ουκ ϊδαν^ χαΐ άχονύαι, α
άκονετε, καΐ ουκ ηκονοαν,
Lc. 10^:
λέγω γαρ νμΖν, οτι χολλοΙ χροφήται καΐ βαύιλείς TJ&t-
ληοαν ΙδεΙν, α νμεΐς βλέχετε, καΐ ονκ Ιδαν, και άκονοαι.
α άκονετε, χαΐ ονκ ηκονοαν,
26) Η 3 μ:
εύτιν Ιν τω ^Ιηοον ημών λόγω. χλήν τάληϋ-ή τον
νόμον ε Ιδώ ς ΣαδδονκαΙοις χννϋ^ανομένοις καϋ-* ον
λόγον Μωνοής ίχτα οννεχώρηοεν γαμεϊν, εφη' Μωνύής
κατά την ακληροκαρδίαν νμών έχέύτρεψεν νμίν-
III, 3. Die neotestamentlichen Zitate in den Homilien uew. 29^
iji αρχής γαρ όντως ovx έγένετο. δ γαρ χτίύας aJt* αρ-
χής τον ανϋ^ρωπον αρύεν χαΐ θ-ήλν έJΐolηύ6V αυτόν.
Mt. 22 23:
h ίχείνχι τ(ι ημέρα προοηλθ-ον αντω Σαδδονχαίοι
. . . χάί έπηρωτηααν αυτόν ... 25 7juav dh παρ^ ημίν
ί:ιτα αδελφοί ... 29 ^ιλαναύβ-ε, μη είδότες τας γρα-
φας ... cf. Lc. 2027fr.
Mt. 194:
blxBv' ουχ άνέγνωτε ότι ο ποιηοας ajt^ ^ΟΧηζ αρύεν
και &ηλυ 1:ιιοΙηοεν αυτούς; ...
Mc. 12 18:
/ΜΪ έρχονται ΣαδδουχαΙοι ηρος αυτόν . , . χαΐ lot ε-
ρώτων αυτόν . . . 2ο ε^ιτα αδελφοί ?juav ... 24 ου δια
τούτο πλανάβΒ-ε μη είδότες τας γραφάς . . .
lOif.: οΐ δε εΐηαν' έπέτρεψεν Μωϋύης βιβλίον . . .
ο δε ^ίηύοϋς είπεν αυτοΐς' Λ-ρός την ύχληροχαρδίαν
υμών Ιγραψεν υμίν την Ιντολην ταύτην. β ajto δΐ
αρχής χτίοεως αρύεν χάι Θ-ήλυ έποίηύεν αυτούς..,
27) ^ Η 16 15:
ο τίυριος ημών ούτε ϋ^εους είναι έφΟ^έγξατο χαρά τον
χτίύαντα τα πάντα ούτε εαυτόν ϋ^εόν είναι άνηγόρευύεν,
υιό ν δε ϋ• ε ου του τα χάντα διαχούμήύαντος τόν είπόν-
τα αυτόν ευλόγως έμαχάριύεν cf. Ηΐ7ΐ8.
Mt. 16 10 f.:
Πέτρος είχεν ύυ εΐ ο Χρίύτός ο υιός του ϋ-εου του
ζώντος, άτεοχριϋ^είς oh ο 'ίηύους είπεν αύτώ' μαχάριος
εΐ . . .
Mc. 829:
Πέτρος λέγει αυτώ' ύυ εΐ Χριύτος.
Lc. 920:
Πέτρος δε . . . εΐπεν τόν Χριύτόν του ϋ-εοΰ.
28) Η 17?:
εΙς τα άμα^ή ε&νη άπούτέλλων ημάς βαχτίζειν αυτούς
εΙς άφεύιν αμαρτιών^ ένετείλατο ημΙν προτερον διδάξαι
αυτούς.
294 Waitz, Die Pseudoklementinen.
R 2 83:
dominus noster mittens nos apostolos ad praedicandui
praecepit noble, ut doceamus omnes gentes de bis.
Mt. 28 19:
πορενϋ•έντες μαϋ-ητενΰατε χάι^τα τα εϋ•ρη, βοίπτίζοντε
ccvTOvg εΙς το όνομα τον πατρός χαΐ τον νίον χαΐ το
άγίον πνεύματος (vgl. Justin, Αρ. Ι 61).
29) Η 17?:
άφ^ ων εντολών αντη πρώτη χαΐ μεγάλη τνγχάνι
το φοβηΒ^ναι χνριον τον &ε6ν χάΐ αντφ μονω λατρενειι
Mt. 22 37 f.:
ο <Ji: εφη αντφ' αγαπηθείς χνριον τον ϋ^εόν ύον κτ>
. . . αντη ίΰτίν η μεγάλη χαΐ πρώτη ίντολή cf. Deui
6ia. Mt. 4 10. Mc. 12 29.30 Lei 26 f.
Justin, Ap. I 16:
μεγίϋτη εντολή ίατιν' χνριον τον ϋ^εόν ύον προύχν
νήΰεις χαΐ αντφ μονω λατρενύεις έξ όλης της χαρδία
ÖOV χαΐ ίξ όλης της Ιύχνος ύον, χνριον τον θ-εον το
ποιηύαντά ύε,
30) Η 17 18:
άμα γαρ τω τον χνριον εΙπεΙν τίνα αντον λέγονύιν χα
άλλονς άλλο τι λέγοντες αντον άχηχοότος ίμον έπΙ τη
χαρδίας άνέβη. ονχ οίδα ονν πώς είπον' ύν εΐ ο νίο
τον ζώντος &εον. τον δε μαχαρίύαντά με μηννύα
μοι ....
17 19: προς γαρ ύτερεάν πετραν οντά με, ϋ-εμέλιοι
ίχχληύίας, ενάντιος άνϋ^εύτηχάς μοι.
Mt. 16i6f. :
s. ο. Νο. 27.
Mt. 16 18:
χάγώ δε ύοι λέγω, ότι ον εΐ ΙΙέτρος χάί kxl ταντζ] τ]
πέτρα οίχοδομηύω μοι την Ιχχληύίαν cf. Jes. 50?.
31) Η 19?:
είπεν ο διδάύχαλος* Ιχπεριούενματοςχαρδίαςύτόμα λαλεί
Mt. 12 34:
ίχ γαρ τον περιούενματος της χαρδίας το ύτόμα λαλεί
m, 3. Die neutestaiDentlichen Zitate in den Homilien usw. 295
Lc. G45:
ix yccQ JtεQlΰύί:vμaτoς καρδίας λαλεί το ύτόμα αντον,
32) Η 19u:
ο)ς χαΐ δια των Οειύμών ομολογεί χάί ώς μεγάλα
χνματονμένη τφ διδαοχάλφ Λλέοντι χαΐ γαληνην
Ιπιτάξαντι τάχιατα πειοϋ^εΐύα ήύνχαύεν.
Mi 8 24 ff.:
χαΐ Ιδον ύειΰμος μέγας Ιγένετο kv τ(ι ϋ•αλάθύ^], ωύτε το
:χλοΙον χαλνπτεοΟ^αι vjto των χνμάτων ... ίπετί-
μηοεν . . . χαϊ Ιγένετο γαλήνη μεγάλη, οΐ δΐ avϋ•QωJΐoι
id -αχψαύαν . . . οτί οΐ άνεμοι χαΐ ή ϋ^άλαύΟα αντφ vjt-
αχονονύΐν.
Mc. 4 36 ff.:
χαϊ γίνεται λαΐλαψ μεγάλη άνεμου χαϊ τα χνματα
ίπεβαλλεν το :ίζλοΙον . . . ίπετίμηοεν . . . χάί έγένετο
γαλήνη μεγάλη . . . οτι χαΐ 6 άνεμος ... ν Jt αχού ε ι cf.
Lc. 8 29 ff.
33) Η 19 u:
τ ι δε χαϊ οΐ δαίμονες ου μετά τον φοβεΐόϋ-αι χαϊ jcqo-
τιμάν έξεβαινον, άλλοι δε εΙς χοίρους εΐοελΰ-είν προ-
τερον παραχαλουντες ηξίουν ώς μηδέ του εΙς χοί-
ρους εΐύελϋ^είν άνευ της αυτού ουγχωρήαεο?ς ίξουύίαν
Ιχοντες ;
Mt. 8 30 ff.:
ην δε μαχραν άπ^ αυτών άγελη χοίρων ... οΐ δϊ δαί-
μονες παρεχάλουν αντον λέγοντες .... οΐ δϊ έξελ-
θ^όντες ά^ιήλϋ^ον εις τους χοίρους,
Mc. 5iiff.:
ην δε ΙχεΙ ^ρός τω ορει αγέλη χοίρων . . . χαΧπαρεχάλε-
οαν αυτόν . . . χαϊ έξελϋ^όντα τα πνεύματα είοήλϋ^ον εΙς
τους χοίρους.
Lc. 831:
χαΐ Jtaρεxάλoυv αυτόν, ίνα μη Ιπιτάξη αύτοίς εΙς την
άβυϋύον άπελϋ'είν χτλ.
34j Η 19 2ο:
χάί ο Πέτρος' μεμνήμεϋ^α του κυρίου ημών και διδα-
Οχάλου ώς εντελλόμενος είτην ήμϊν τα μνύτήρια έμοϊ
χαΙ τοΙς υίοίς του οίκον μου φυλάξατε.
296 Waitz, Die Pseudok] einen tineD.
Unkanonisch.
35) Η 19 2o:
δίο κάί τοις αντου μα&ηταΐς κατ' ΙδΙαρ kjttkvB της των
ουρανών βαύιλεΐας τα μυύτήρια.
Mc. 4 34 :
κατ' ΙδΙαν δε τοις Ιδίοις μα&ηταΐς ίπέλνεν ηάντα,
36) Η 19 22:
6&BV χαΐ [ο διδάύκ\αλος ημών χερί τον ix γενετής ^ιηροΰ
καΐ άναβλεψαντος Jtap* αντον ίξετά[ζων
ημαρτ]εν οντος η οΐ γονείς αντον, ίνα τυφλός γεννη&η;
άπεχρίνατο' οντε οντος τι ημαρτεν, οντε οΐ γονείς αν-
τον, αλλ' ίνα δι' αντον φανερω&ή η δνναμις τον
Ο^εον της αγνοίας ίωμενη τα αμαρτήματα.
Job. 9iff.:
χαΐ παράγων είδεν αν^^ρωπον τνφλον έχ γενετής' χαΐ
ηρώτηοαν αντον οί μαΰ-ηταΐ αντου λέγοντες' ραββεί, τις
ημαρτεν, οντος η οι γονείς αντον, ίνα τυφλός γεν-
νηϋ-ή; άπεχρίϋ-η Ίηοονς' οντε οντος ημαρτεν οντε οί γο-
νείς αντον, αλλ' ίνα φανερωθεί τα έργα τον ϋ-εον ίν
αντώ.
37) Η 20 9:
Jtώς δννατον ενλογον είναι, τον . . . οιονηρον . . . μετά
τών αντον αγγέλων ονν τοις αμαρτωλοίς εΙς το ύχότοα
το χατώτερον πέμπεύ^αι; χαΐ γαρ τούτο μέμνημαι είρη-
χότος αντον τον διδαοχάλον,
Mt. 25 4Γ.
τιορενεοΟ-ε απ' ίμον χατηραμένοι εΙς το πνρ το αΐώνιον
το 7}τοιμα6μένον τω διαβόλου χαι τοις άγγελο ις αντον.
Wir untersuchen zunächst die eigentlichen Zitate.
No. 23 und No. 34 sind außerkanonische Herrnworte und be-
weisen von neuem, daß das in K. Π. benutzte Evangelium mit
keinem der kanonischen Evangelien identisch sein kann^
No. 2 1 gibt sich als eigentliches Zitat oder vielmehr als die
Verbindung mehrerer Herrnworte, die eigenartig teils mit den
kanonischen Evangelien tibereinstimmen, teils von ihnen ab-
1) Vgl. Resch, Agrapha 103, 107 ff. No. 34 kann auch zu Η gehören.
III, 8. Die neutestamentlichen Zitate in den Homilien usw. 297
weichen. Der Anfang {οράτε) τάς οίκοδομας ταύτας stimmt am
meisten mit Mc. 13 2, die Worte άμην νμίν λέγω finden sich
bei der Parallele Mt. 24 3, während die Ausdrucke οράτε und
χαΘ^αιρεϋ•^ in keinem kanonischen Evangelium stehen. Das
darauf folgende xai ist wohl, wie Hilgenfeld ^ richtig vermutet,
zu lesen: xai' ov μη παρέλΰ^γι^ so daß es zwei verschiedene Aus-
sprüche zu verbinden hat. Das folgende ov μη παρέλΟ^η η γενεά
αντη steht ohne den Zusatz, den die 3 Synoptiker haben: εως
ap :ιάντα ταντα γένηται (Mt. 24 34, Mc. 13 3o, Lc. 21 82). Der
Ausdruck η χα&αίρεύις, der nach Η 2 η als κα&αίρεοις του
άγίον τόχον zu erklären ist, fehlt ebenfalls bei den Synoptikern.
Ea leitet zu einem dritten Herrn wort über, das Lc. 19*3 steht,
allerdings in sehr verschiedener Gestalt. Nur der Ausdruck
^εριχαραχωύουοι Η 3 is erinnert an παρεμβαλονοιν χάραχά ύο ι
χαΐ χεριχυχλωοονοιν bei Lukas. Die Wendung xal τα τέκνα (* ^ * ^
καταοφάξονοιν fehlt bei den Synoptikern. "* ■
Sicher ist das erste hier angeführte Herrnwort in einer! '^^
älteren Rezension als bei den Synoptikern erhalten. Das zweite'
Hermwort scheint absichtlich geändert zu sein, indem ihm die
Wendung gegeben ist, daß nur die Zerstörung Jerusalems, nicht
aber, wie bei den Synoptikern, das Ende der Dinge überhaupt, in
die erste christliche Generation fallen soll. Das dritte Hermwort
hat offensichtlich unter dem Eindruck einer erlebten Zerstörung
der heiligen Stadt (vgl. ατινα αντοίς οφΟ-αλμοΙς ίδεΐν εχομεν) — es
ist die des Jahres 135 — seine besondere Färbung erhalten.
Alle drei Hermworte sind dem Zusammenhang nach den K, Π.
zuzuweisen, auch wenn sie in Κ keine Parallele haben.
No. 22 gehört ebenfalls zu den K, //., wie die Wiederholung
Ton Η 3 80 in R 2 30 beweist. Das „Kind des Friedens", das Η 3 so
und R 2 30 genannt wird, findet sich nur Lc J 6, wo auch , wie
R 280, der Friedensgruß ausdrücklich angeführt wird. Überhaupt
stimmt der Anfang, besonders bei R 2 30, mehr mit der Instruk-
tion der 70 Jünger bei Lc. 102ff. als mit der Instruktion der Zwölf
MtlOsff., Μαβιίτ., Lc. Oaflf. Die Fortsetzung dagegen hat ihre
Parallele nur in d i e s e m Abschnitt unserer Evangelien. Dabei findet
sich der Ausdmck Udso εις μαρτνρίαν, der R 23o fehlt, ähnlich nur
Mc.611 und Lc.95, während die Worte vom Staubabschütteln mehr
1) a. a. 0. 367. So punktiert auch Liigarde a. 0. 0. p. -10, 1. 1-.
298 Waitz, Die Pseudoklementinen.
Κ 2 30 als Η 3 30 mit Lc. 9 5 stimmen. Das Schlußwort τοη dem
erträglicheren Lose Sodoros und Gomorrhas Η Ssi ist in R 23o
dem kanonischen Text und zwar dem des Matthäusevangeliums
angepaßt. Doch gibt man auch zu, daß in R 2 so, wie auch
sonst in R, der Redaktor bezw. Übersetzer an der Vorlage ge-
ändert hat, so wird man trotzdem in Η 3 so f. cf. R 2 so eine eigen-
artige Rezension der Instruktionsrede Jesu an seine Jfinger er-
blicken, eine Rezension, die sich weder mit Matthäus noch mit
Lukas decken will Sieht man von Einzelheiten ab, so besteht
das Eigenartige vor allem darin: Einerseits deckt sich der hier
f! vorauszusetzende Evangelientext mit Matthäus und Markus darin,
f daß er nur eine Instruktionsrede Jesu kennt Anderseits schließt
er sich im Wortlaut mehr an Lukas an, ohne irgendwie, wie z. B.
No. 21, zu verraten, daß er eine Verknüpfung von zwei ver-
schiedenen Schriftzitaten sein wolle. Kann er daher weder aus
Lukas noch aus den beiden anderen Synoptikern geschöpft sein^
so stellt er einen allerdings z.T. absichtlich veränderten, aber
fdoch im ganzen älteren Text dar, als die kanonischen Evan-
gelien. Kommt ihm Lukas am nächsten, so kann es doch erst
Lukas gewesen sein, der diesen Text auseinanderriß und aus der
einen Instruktionsrede an die Jünger zwei machte. Die Notiz
von der Auswahl der 70 Jünger, die er (Lc. 10 1) unabhängig von
den beiden anderen Evangelisten bringt^ und die wie R l4o (£.
ΠΛ) beweist S auf einer älteren Tradition beruht, hat ihn wohl
veranlaßt, dies zu tun.
No. 24 hat nur seine Parallele bei Mt. 5 i7, weicht aber in
der Form davon ab.
No. 25 bewegt sich, wie Credner-^ sagt, frei zwischen dem
Text des Matthäus und Lukas. Wir finden hier ebenso die
βαοιλεΐς und die Wendung α νμεΐς βλέπετε des Lukas wie das
άμην λέγω νμίν und ίπεϋ^μηύαν des Matthäus, ersteres dazu an
anderer Stelle. Will man nicht annehmen, daß Η 3 ss abwechselnd
den einen und andern kanonischen Text benutzt habe, so wird
man in Η eine hiervon unabhängige Gestaltung des Evangelien-
textes erblicken müssen.
No. 26 (H 3 ϊλ) erinnert am Anfang an die Verhandlungen
Jesu mit den Sadduzäern über die Auferstehung und geht zum
1) Vgl. dazu unten S. 34<). 2) a. a. 0. 312.
III, 3. Die neutestamentlichen Zitate in den Homilien usw. 299
Schluß zur Unterredung Jesu mit den Pharisäern über die Ehe-
scheidung über. Wie es scheint, hat die Ähnlichkeit beider Er-
zählungen den Verfasser dazu verführt, sie miteinander zu ver-
knüpfen. Dabei folgt er anfangs Matthäus und Markus, von denen
er nur durch den Zusatz τάληϋ^η abweicht (s. Η 3 5o); am Schluß
geht er mehr in den Spuren des Markus, die er jedoch im ein-
zelnen wieder verläßt. Markus kann daher nicht die Grundlage
für ihn gewesen sein, sondern ein Text, der von Markus wie von
Matthäus benutzt wurde.
No. 27 und 30 erzählen das Bekenntnis und die Benennung
des Petrus und zwar im Anschluß an den Bericht des Matthäus,
der allein die Bezeichnung Christi als des Sohnes des lebendigen
Gottes, sowie die Seligpreisung des Petrus und seine Benennung
als des Felsen hat. Hier scheint Matthäus originaler als der
Evangelientext der Homilien zu sein, wenn er mit Mc. und Lc.
das Bekenntnis zu Jesus als dem Christus betont, das in Η 16 15
fehlt Doch kann dies hier auch absichtlich oder zuföUig weg-
gelassen sein.
No. 31 stimmt wörtlich mit Mt. 12 34 überein.
No. 36 folgt bis auf unwesentliche Abweichungen dem Evan-
geliiim Johannis. Beides ist auffällig, wenn wir in Betracht
ziehen, daß die Evangelienzitate in Κ ILj wie wir sie seither
kennen gelernt haben,
1) niemals sich wörtlich mit einem kanonischen Evan-
geUum berühren, vielmehr meist sehr wesentlich davon ab-
weichen; .
2) niemals auf den Inhalt des Johannesevangeliums Bezug
nehmen.
Es ergibt sich daraus, daß No. 31 und 30 nicht zu den Evan-
gelienzitaten der K- Π. gerechnet werden können. Damit stimmt
aber wieder unsere quellenkritische Untersuchung. Denn wenn sie
auch darauf hinwies, daß die Ausführungen in Η 19 und 20 an
die der K, Π. anknüpfen und sie weiterfuhren, so zeigt sie doch
(vgl S. 106 und Kapitel IV), daß gerade hier der Bearbeiter
der Homilien sich frei gehen ließ.
Xo. 18 ist kein eigentliches Zitat, berührt sich aber mit
Ml 11 11. Wenn Johannes H2 i? jtQwrog^ in Η 2 2λ πρόοδος heißt
während er bei Matthäus nur μείζων genannt wird, so liegt
dieser Änderung, die eine beabsichtigte zu sein scheint, die Auf-
f
300 Waitz, Die Pseudoklementinen.
fassung der K, Π. von Johannes als dem Widerspiel des Messias
zugrunde. R 1 eo, das sich an Mt 11 u anschließt, kann nicht zu
den K. Π. gerechnet werden, wie schon S. 108 fif. gezeigt worden ist.
No. 19 enthält nur eine leise Anspielung auf einen Ge-
danken wie Mt. 7 G. Man vergleiche damit, wie genau R 2 3 u. 3 1
dies Herrn wort zitiert wird.
No. 20 berührt sich im Wortlaut mit Mt. 12 ai, über welches
Schriftwort es durch den Zusatz αγιον zu πνεύμα noch hinaus-
geht. Es erscheint uns deshalb fraglich, ob wir in Η 3e die
Κ Π. oder nicht vielmehr einen Zusatz des Redaktors der
Homilien zu erkennen haben, zumal diese Kapitel in R nicht die
geringste Parallele bieten, auch des eigentümlich archaistischen
Charakters entbehren, den sonst die K. /7. haben.
No. 28 handelt von dem Taufbefehl Mt. 28 19. Aber weder
Η 17? noch R 2 33, welche Stellen nur wenig differieren, haben
die trinitarische Formel, die doch sonst den Homilien geläufig
ist (cf. Η 11 26). Der Grund ist klar: Η 17? und R 2 33 ge-
hören zu den K, Π., die sie, also auch noch nicht Mt. 28 ii»,
kannten. Beide Stellen geben daher den Taufbefehl so wieder,
wie er in der Vorlage des Matthäusevangeliums gelautet haben
muß. Es sei bemerkt, daß die /i. Π, hierin auch von Justin
abweichen, der Ap. I 61 ebenfalls schon die trinitarische Formel
gebraucht.
No. 29 scheint auf den ersten Blick eine Vermischung zweier
Hermworte zu sein, des großen Gebotes der Gottesliebe Mt. 22 37 f.,
sowie des alttestam entlichen Schriftwortes Deut. (> 13, mit dem Jesus
die letzte Versuchung des Teufels zurückweist (Mt. 4 10). Auffalli-
gerweise aber bringt auch Justin Ap. 1 16 dieselbe Vermischimg.
Man könnte daher versucht sein, das Zitat auf Kosten des anti-
marcionitischen Bearbeiters zu setzen. Aber Η 17? liegt keine
antimarcionitische Polemik vor. Es scheint daher nur die An-
nahme übrig zu bleiben: Entweder haben beide Autoren eine
Evangelienschrift benutzt, welche eine derartige Kombination
zweier Schriftstellen bereits fixiert hatte. Doch dies ist aus-
geschlossen, da die Evangelienzitate der £ /7. sonst nirgends
mit denen Justins verwandt sind. Oder aber haben zwei ver-
schiedene Schriftsteller unabhängig voneinander auf Grund der-
selben Ideenverbindung jene Kombination vollzogen. Will man
mit dieser Zufälligkeit nicht rechnen, so muß man vermuten, daß
III, 3. Die neutestamentlichen Zitate in den Homilien usw. 301
der antimarcionitische Redaktor auch einmal an einer Stelle, wo
sich keine antimarcionitische Polemik befindet, ein Schriftwort
aus dem Seinen hinzugetan hat.
No. 32 und No. 33 sind freie Wiedergaben zweier Geschichten,
die auch die Synoptiker berichten, der Stillung des Sturmes und
der Heilung der Dämonischen. Doch erinnert der Ausdruck
ύειομός in No. 32 und der Ausdruck δαίμονες in No. 33 an
Matthäus, der sie allein hat. Beide Zitate könnten, gemäß ihrer
Verwandtschaft mit Matthäus, den K, JZ, ihrem Kontext nach
aber auch ebensogut dem Redaktor der Homilien zuzuweisen sein^.
Wir gehen zu den Schriftzitaten über, die sich in den anti-
marcionitischen Partien der K. Π. befinden.
38) Η 3 55:
xal τοις λέγοναιν, οτι ^Αβραάμ καΐ ^lcaax χαΐ *Ιαχώβ
άπέϋ-ανεν, Ιφη' ονχ Ιοτιν ΰ^εος νεχρώρ, άλλα ζώντων,
Mi 22 32:
έγώ εΙμι ο Θ-εος 'Αβραάμ χαϊ ό ϋ-εος *Ιύαάχ χαΐ 6 ϋ^εος
Ίαχώβ' ονχ εύτιν Θ•ε6ςνεχρών, άλλα ζώντων, cf Mc.l226f.
Lc. 20 39:
ϋ-εος öh ονχ εβτιν νεχρών, άλλα ζώντων,
39) Η 3 55:
τοΙς δε οίομένοις οτι 6 ϋ^εος πειράζει^ ώς άί γραφαΐ λε-
γονύιν, εφη' ο πονηρός Ιοτιν 6 πειράζων, ό χαΐ αντοι*
πειράβας.
Es fehlt eine Parallele in den kanonischen Evangelien.
Jedoch vgl. Η 16 13 und 1. These. 3 δ.
40) Η 3 55:
τοΙς δϊ νπολαμβάνονϋΐν, ότι ό ϋ^εος ον προγινώοχει,
εφη' οίδεν γαρ ό πατήρ νμών ό ονράνιος, ότι χρχιζετε
τούτων απάντων^ πρΙν αντόν άξιώοητε.
Mt. 632:
οΙδεν γαρ ο πατήρ νμών ο ονράνιος^ ότι χρ'{]ζετε τού-
των απάντων (cf Lc. 12 30).
1) Die ÄDspielungen auf Apostelgeschicbte und pauliniscbe Briefe,
^ie rieh io K, Π, vorfinden, sind bereits in anderem Zusammenbang be-
sprochen worden. In Η :ii9 ist wobl nicht mit Lagarde eine Anspielung
aof Act 2028 zu finden.
302 Waitz, Die PseudoklemeD tauen.
Mt. 6 8:
οίδεν γαρ ό πατήρ νμών, ων χρείαν ΙχετΒ, προ το\
αΐτήύαι αυτόν.
Justin, Αρ. 1 15:
οίδε γαρ ο πατήρ υμών ο ουράνιος, ότι τούτων
ϊχετε.
41) Η 355:
τοις δΐ πιύτευουοιν, ως αί γραφαΐ λέγουοιν, ϋ
πάντα βλέπει, εφ;/' έν τω κρύπτω ενχεοϋ-ε, εΙπών'
πατήρ υμών ό βλέπων τα κρυπτά άποδώύει ν/
Mt 6 6:
προύευξαι τω πατρί ύου τω έν τω κρύπτω, και 6 .
οου 6 βλέπων έν τω κρύπτω άποδώύει οοι,
42) Η 3 56:
τοις δε οίομένοις αυτόν μη άγαϋ-ον είναι, ως αΐ y
λέγουΰιν, ϊφη' τίνα υμών αιτηθεί νΙος αρτον, μη
έπιδώύει αυτώ; ϊ} καϊ ΙχθΛ)ν αΙτηοει, μη οφιν έπ
αύτώ; ει ονν υμείς πονηροί οντες οΐδατε δόματα .
διδόναι τοΙς τέκνοις υμών, πόοω μάλλον 6 πατήρ
ό ουράνιος δωοει άγα^ά τοΙς αΐτουμένοις αυτί
τοΙς ποιοΰοιν το ϋ^έλημα αυτόν;
Mt. 7ίΐ-ιι:
η τις έοτιν έξ υμών ανΟ^ρωπος, ον αΐτηύει
αυτοΰ άρτον, μη λίΰ-ον ίπιδώοει αυτώ; η κάί ΙχΒ
τήοει, μη οφιν ίπιδώοει αυτώ; εΐ ουν υμεΤς π(
οντες οΐδατε δόματα άγα^ά διδοναι τοις τέκνοις
πόύφ μάλλον 6 πατήρ υμών ό έν τοις ούρανοΐς
άγαϋ-ά τοΙς αΐτοϋοιν αυτόν;
Lc. 11 iiff.r
τίνα δε έξ υμών τον πατέρα αιτηθεί ο υΙος ι
μη λί&ον έπιδώύει αυτώ, η και Ιχϋ^ν, μη άντΙ Ιχ
οφιν αυτώ έπιδώύει; η και αΐτηύει φον, μη
δώοει αυτώ ύκορπίον; εΐ ουν ύμεΐς πονηροί %
χοντες οΐδατε δόματα άγαϋ^ά διδοναι τοις τέκνοις
πόύω μάλλον ό πατήρ ό έξ ουρανού δώοει πι
άγιο ν τοις αΐτουύΐν αυτόν;
III, 3. Die neotestam entlichen Zitate in den Homilien usw. 303
43) Η 3 56:
τοίς δε διαβεβαιονμενοις sv ναφ είναι εφη' μη όμόύητε
τον ουρανόν^ οτι ϋ-ρόνος ϋ^εου έύτιν, μήτε την γήν, οτι
νχοπόόίον των jcodov αντου έατιν.
Mt. 5 34 f.:
μη όμόοαι όλως, μψμε ίν τω ονρανφ, ότι θ^ρόνος ίοτϊν
του ϋ^εοϋ, μήτε εν τη γη, ότι νηοποδών ίοτιν των
χοδών αντον.
Justin, Αρ. 1 16:
μη όμόύητε όλως' εύτω δΐ το ναι κτλ.
44) Η 3δ6:
τοίς δε οιρολαβονΟιν ότι ϋ^ναιών ορέγεται 6 &εός, εφη'
ό ΰ•εός έλεος ΰ•έλει και ου ϋ^ναΐας^ έπίγνωύΐν αυτοί και
ονχ ολοκαυτώματα cf. R. 1 37.
Mt. 9 13:
έλεος ΰ-ελω και ου ΰ-υύΐαν. ου γαρ ηλ&ον καλέβαι δικαί-
ους cf. Mt. 12?•, Hos. 6 6.
45) Η 3 δ?:
τοις δΐ ηπατημένοις τιολλους ΰ-εούς υπονοείν^ ως αΐ
γραφαι λέγουύιν, Ιφη' άκουε Ίύραήλ, κύριος ό Θ•εός θου
(C: υμών) κύριος ε\ς ίύτιν.
Mc. 1229:
χρώτη έύτίν {= εντολή)' άκουε ^Ιαραήλ, κύριος ό ϋ-βός
ημών κύριος εΙς έοτιν cf. Deui 64.
46) Η 17 δ:
οτι δε όντως τούτον φοβη&ήναι ελεγεν ως δίκαιον &εόν,
χρός όν καΐ αδικούμενους βοαν λέγει, παραβολήν εΙς τούτο
είχών έχάγει την ίρμηνείαν λέγων ε Ι ούν 6 κριτής
της αδικίας Ιποίηοεν ούτως δια το ίκάοτοτε άξΐ€0-
^ήναι, ποβω μάλλον ο πατήρ οιοιήοει την Ικδίκηοιν
των βοωντων ^τρός αυτόν ημέρας καΐ νυκτός; ή δια τό
μαχρο&υμείν αυτόν ijt αύτοΐς δοκεΤτε, ότι ου ποιη-
θεί; v(ii λέγω ύμίν, ποιήύει και Ιν τάχει.
Lc. ISeff.:
είχεν Sk ό κύριος' άκούύατε τι ό κριτής της αδικίας λέ-
γει' 6 δΐ ϋ-εός ου μή ποιήοη την ίκδίκηοιν των Ικλεκτών
αντου τώί^ βοώντων αντώ ήμέραςκαΧ νυκτός, κ αϊ μακρό-
304 Waitz, Die Pseudoklementinen.
ϋ^νμεΐ lüi αντοίς; ?.ίγω νμϊν^ ort jtotrjuei την έχδί
αυτών iv τάχει.
47) ' Η 18 15:
τω χάί τον ^Hodtav sljcsTv' άνοίξο? το οτόμα μ(
παραβολαΐς χαΐ έξερευξομαι χεχρνμμίνα άπο χαται
χούμου.
Mt. 13 35:
ο^ιως 7ΐληρωΙ)^7ΐ το ρηϋ^Ιν δια Ίΐύαίου του Jtgoq
λέγοντος' ανοίξω έν παραβολαΐς το οτόμα μον,
ξομαι ΧΒχρυμμένα άπο χαταβολής cf. Ps. 78 2.
48) Η 18 16:
ίνα ώς ijtolrjOaVy ομοίως χάί αύτοΐς γένηται χαι t
τρω έμέτρηύαν, μετρηϋ^^ αυτοίς το Ιοον (C: τω tot
Mt. 7 12:
6öa Ιαν ϋ^έλητε, ίνα ποιώοιν υμίν οί άνθρωποι, ο
χαΐ ύμεΐς ποιείτε αύτοΐς.
Lc. G31:
χαϋ^ώς ϋ^έλετε, ίνα ποιώοιν υμΙν οΐ άνθρωποι j χάί
ποιείτε αυτοίς ομοίως.
Mt. 72:
Ιν ω γαρ χρίματι χρίνετε, χριθήοεύθε' χαΐ iv ω μ
μετρεΐτε, μετρηθήοεται νμίν (Mc. 424).
Lc. Ose:
ω γαρ μέτρω μετρείτε, άντιμετρηθηβεται νμΙν.
49) Η 18 16:
τω γαρ άξίω το γνώναι ο μη οίδεν οφείληταΐ' τ
μη άξιου, χα ν δοχη ε χει ν, αφαιρείται, χαν Ιν τοί
λοις ii Οοφός, χάι δίδοται τοις άξίοις, χαν ίν τοΙς
νοις της μαθητείας ώύιν νηπιοι.
Lc. 8 18:
ος αν γαρ εχη, δοθηύεται αύτω, χαΐ ός αν μη εχ]
ο δοχεί εχειν άρθηοεται απ αυτοΰ,
Mt. 1312:
οοτις γαρ έχει, δοθηύεται αυτω χάί περιύύενθ^ί
όύτις δε ουχ έχει, χαΐ ό έχει άρθηοεται απ αύη
Mc. 4 23.
III, 3. Die neatestamentlicben Zitate in den Homilien usw. 305
50) Η 19 2:
xal αλλοϋ^ί Ιφη' 6 δΐ το χαχον Οπέρμα OJtuQaq ίοτίν 6
διάβολος cf. R 3 u.
Mt. 13 39:
ο δε ίχ&ρος 6 ύΛβΙρας αυτά (sc. ζιζάι^ια) iörli^ ο διάβολος.
51) Η 192:
χαι πάλιν μη δότε προφαΟιν τω Jropηρω.
Epb. 4 27:
μηδΐ δίδοτε τόπον τω διαβόλω.
52) Η 192:
άλλα χαΐ ίν ^ παρέδωχερ ευχχι εχομεν είρημενον ρυοαι
ημάς άπο τον πονηρού.
Mt. 613:
ρϋύαι ημάς άπο τον πονηρον,
53) Η 19 2:
χαΙ αλλ^ πον ειπείν νπεύχετο τοις άοεβονοιν υπά-
γετε εΙς το ύχοτος το ίξώτερον, ο ητοίμαοεν 6 πατήρ
τω διαβολφ χαΐ τοις άγγέλοις αντον.
Mt. 25 41:
πορενεοΘ-ε απ' έμον χατηραμενοι εΙς το πνρ το αιώ-
νων το ητοιμαύμένον τω διαβολφ χάί τοις άγγελοις
αντον (Cod. D: δ ητοίμαοεν 6 πατήρ μον),
Justin, Dial. c. Tryph. 76:
υπάγετε εις το ύχοτος το εξώτερον, ο ητοίμαοεν
ο πατήρ τφ ύατανα χαΐ τοις άγγέλοις αντον,
Νο. 38 ist ein eigentliches Zitat und stimmt wortlich mit
Matthäas.
Ko. 39 ist ein mikanonisches Herrnwort ^
No. 40 stimmt im Vordersatz wörtlich mit Mt 632, fögt aber
einen Nachsatz hinzu, der nur Mt ββ steht. Ahnlich verhält es
sich mit der Parallele bei Justin. Auch hier stimmt das Zitat
im allgemeinen wortlich mit Mt 632, nur in dem Ausdruck
XQiiav έχετε weicht es von dieser Stelle ab und weist auf
Mt 68 hin. Beide, der Schreiber von II 355 und Justin, haben
also ein Herrn wort wie Mt 68 gekannt und bestätigen uns
1) Tgl. Resch, Agrapha 115. 233.
Texte α. üntennchani^ii. N. F. X, i. 2\)
300 WaitZf Die PseudoklemeDtinen.
damit, daß sie, obwohl sie differieren, doch nahe miteinander
verwandt sind.
No. 41 berührt sich nahe mit Matthäus, der allein dieses
Herrn wort vom Gebet hat. Doch unterscheidet sich unser Zitat
sowohl im Wortlaut als auch in der Wortstellung nicht un-
wesentlich.
No. 42 schwebt in der Mitte zwischen Matthäus und Lukas.
Die am Anfang stehende Frage r/ra νμών αΐτήύει νΐ6ς berührt
sich am nächsten mit Lukas, der nur έξ und τον πατέρα hinzu-
setzt. Im weiteren Verlauf deckt sich jedoch das Homilienzitat
fast wörtlich mit Matthäus. Zum Schluß hat es einen eigen-
artigen Zusatz, der in den kanonischen Evangelien fehlt
No. 43 stimmt im allgemeinen mit Mt. 5 34 f., mit dem Unter-
schied, daß ομννναι dort mit dem Akkusativ, hier mit kv c. dat.
konstruiert ist. Wenn außerdem Η 3 56 die Warnung vor dem
Schwören in der 2. Person Pluralis bringt, während sie Mt. 5 w im
Singular steht, so bietet es damit denselben Text wie Justin, wie
auch die Fortsetzung dieses Ausspruchs Jesu, die Η 3 55 cf.Hl92,
also ebenfalls in den Partien mit antimarcionitischer Polemik
steht, sich wörtlich mit Justin unter Abweichung von Mt. deckt
(s. 0. S. 274 und 281).
No. 44 zitiert das alttestamentliche Wort Hos. 6 6 als Herm-
wort genau so wie Mt. 9 13, bringt jedoch das alttestamentliche Zitat
vollständiger als Mt. R 1 37 dagegen, welche Stelle den K. U.
angehört, bringt es als Wort Jesu wie Mt. Ois.
No. 45 zitiert ein anderes alttestamentliches Wort Deut G*
als Ausspruch Jesu, der sich so nur bei Markus findet Die
Differenz zwischen Η 3 5? {oov bezw. C. νμών) und Mc 12αι
{ημών) ist unwesentlich.
No. 40 bringt ein Zitat, das sich nur bei Lukas findet Doch
scheint Η 17 5 einen originaleren Text zu bieten. Schon die ganze
Satzkonstruktion in Η 3 55 d 6 κριτής . . ίποίηύεν . . . χ6θω
μάλλον ο Jτaτ7jρ) ist, insofern hier die Anwendung des Gleich-
nisses gegeben werden soll, viel angemessener, als die bei Lukas.
Das Gleiche gilt von der Wendung am Schluß, wo die Frage
δοκεΐτε οτι ου jtoirjosi; nochmals in der Antwort wiederholt
wird val λίγω νμίν Jtoiriöti. Der Ausdruck εκλεχτοί scheint
dagegen bei Lukas ein Zusatz zu sein. Da wir es Übrigens hier
mit antimarcionitischer Polemik zu tun haben, so werden wir
III, 3. Die neutestamentlichen Zitate in den Homilien usw. 307
yielieicht in Η 17 5 den Text des marcionitischen £yangeliums
wiedererkennen dürfen, s. o. No. 5 und S. 283.
No. 47 führt in derselben Weise wie Mt 13 35 ein Psalm wort
(Pe 782) als einen Ausspruch des Propheten Jesaias an, ist also
von Mt irgendwie abhängig.
No. 48 verbindet zwei verschiedene Herrnworte, Mt 7 12 und
Mt 7 2 bezw. Lc. 631 und üatL Dem Wortlaute nach stimmt
Η 18 16 mehr mit Lukas überein, dem es auch in der Reihenfolge
entspricht. Man vergleiche besonders das ομοίως Η 18 16 und
Lc 6 31. Man wird daher auf eine Quelle geführt, die dem Lukas-
evangelium näher steht, d. i. Marcions Evangelium.
No. 49 stimmt ebenfalls mehr mit Lukas als mit Matthäus
überein, wie vor allem die Wendung xav δοκ?} εχειν (vgl. Lc.
8 18 ο δοχΒΐ εχειρ) beweist, zeigt aber sonst ebenfalls einen ab-
weichenden Text.
No. 50 lautet ähnlich wie Mt. 13 sy.
No. 51 gibt ein unkanonisches Herrnwort, das an Eph. 4 2?
erinnert Vgl. Resch, Agrapha 211 f.
No. 52 stimmt wörtlich mit Mt. (> 13.
No. 53 zeigt wiederum eine wörtliche Übereinstimmung mit
Justin, bei starker Differenz von Mt. 25 41 (vgl. die Η 19 2 und
Justin Dial. c. Tryph. 76 gleichlautende Wendung υ^ά/ετε εις το
οχοτος το εξώτερον)^ die sich freilich etwas mildert, wenn die
Lesart des Cod. D. berücksichtigt wird. Wie kann sie anders
erklärt werden als dadurch, daß Η 19 2 auf Justin zurückgeht?
Wir wenden uns jetzt der Untersuchung der Schriftzitate
zu, welche in den zu den Π. IL gehörigen Abschnitten der Ho-
milien (bezw. Rekognitionen) sich finden, indem wir es auch hier
zunächst dahingestellt sein lassen, ob sie hier original oder erst
spater von einem Redaktor, sei es der Klementinen oder der
Homilien, hinzugefügt sind.
54) Η 2 li.:
^ίονύτά τις iv τιμίν εοτιν ^^νροφοινίκίοοα, το γενο;;
ΧανανΙτις, ης το ϋ^νγάτριον vjro χαλεπής νόοον
Ovve^χ£τ0f η χαΐ τω xvqico Ίΐμών ^τροοτιλΒ^εν βοώοα
χαΐ ίxBτBύovύay όπως αυτής το Ο^νγάτριον ΰ^ερατΐενΟ}}. ο
6\ χαΐ νφ ημών αξιωθείς είττεν ονχ ΐξεοτιν iäod^ca
τα εθ-νη y ίοικότα χνο\ν δια το διαφύροις χραοΟαι
308 Waitz, Die Peeadoklementineii.
τροφαΐς xal Jiga^söiv, άποδεδομένης της χατα την βααι-
λύαν τραπέζης τοις νΐοΐς *Γοραήλ. ή δh τοντο άχονύαύα,
χαί της αντης τραπέζης ώςχνων ψιχίων άποπιπτοι^-
των ύνμμεταλαμβάνειν . . • . μεταθ-εμένη όπερ ην, τω
ομοίως διαιταοϋ^αι τοΙς της βαύιλεΐας νΐοΐς της εΙς την
ϋ^νγατέρα, ως ήξίωοεν, ετνχεν Ιάοεως cf. Η 3 73.
Mt. 15 21-28:
22 xal Ιδον γννη ΚαναναΙα . . εχραξεν .... ή θ•νγά'
τη ρ μον χαχώς δαιμονίζεται.
23 ... οΐ μαΰ^ηταΐ αντον ήρώτονν ... άπόλνύον αυτήν,
ότι χράζει οπίύΒ-εν.
24 ονχ άπεοτάλην εΐ μη εΙς τα πρόβατα τα άπολωλότα
οϊχον Ίύραηλ
26 ονχ εξεύτιν λαβείν τον αρτον των τέχνων χάί βα-
λείν τοις χνναρίοις. 2? τ) δε είπεν ... τ« χυνάρια έύ^ίει
άπο των ψιχίων των πιπτόντων απο της τρα-
πέζης.
2« χαΐ Ιάθ-η η θ^γάτηρ.
Mc. 724-30:
25 γννη . . ης είχεν το θ-νγάτριον αντης πνενμα άχά-
ϋ^αρτον , . . 2β ή δε γννη ην ^ΕλληνΙς, Σνροφοινίχιοοα
τω γένει, χάί ήρώτα . . .
27 ... αφες πρώτον χορταοϋ-ηναι τα τέχνα. ου γάρ έοτιν
χαλον λαβείν τον αρτον των τέχνων χάι τοΙς χνναρίοις
βαλεΐν.
28 r) δh άπεχρί&η . . . ναι, χνριε' χαΐ τα χννάρια υπο-
χάτω της τραπέζης ίοΜονύιν άπο των ψιχίων των
παιδιών'
55) Η 2 23:
τω χνρίω γεγόναοιν δώδεχα απόοτολοι των τον ήλίον
δώδεχα μηνών φέροντες τον άριϋ^μόν,
Mt 10 1.
56) Η 2 24:
τον ^Ιωάννον άναιρεϋ-έντος cf. R 28 interfecto bapidsta
Johanne.
Mi 14 3ff.
Mc. 6 17 ff.
Lc. 9 7 ff.
III, 3. Die neutestamentlichen Zitate in den Homilieu usw. 309
57) Η 3 6i:
δούλε πονηρέ xal οκνηρέ, eösi oe το άργνριόν μον προ-
βαλείν ijtl των τραπεζιτών^ χάί έγώ αν έλ&ών έπραξα
το έμόν. έχβάλετε τον άχρείον δονλον εΙς το ύχότος
το εξώτερον.
Mt. 25 26flf.:
πονηρέ δονλε χαΐ οκνηρέ, .... έδει ύε ου ν βαλεΙν τα
άργνριά μου τοις τραπεζείταις, καΐ ίλ&ών έγώ έχομι-
οάμην αν το έμον ύύν τόκω' 30 κ(ά τον άχρεΙον
δουλον Ικβάλετε εΙς το οκότος το εξώτερον.
Lc. 19 22 f.:
πονηρέ δοϋλε, . . . διατί ουκ εδωκάς μου το αργύ-
ρων έπΙ τράπεζαν; κάγώ έλϋ^ών ϋυν τόκω αν αυτό
έπραξα
58) Η 3 63:
ΖακχαΙον, προο, ον κα\ ο κύριος ημών είοιών άνε-
παύοατο, του αώζεύϋ^αι κρίνας άξιον είναι cf. Η 2ι
ΖακχαΙος ο ποτέ τελώνης.
Lc. 19ifif.:
2 και Ιδού άνήρ ονόματι καλούμενος ΖακχαΙος, καΐ αύτος
ην άρχιτελώνης ... 6 ύήμερον γαρ ίν τω οίκω αον
δεΙ με μεΐναι 9 . . οήμερον ύωτηρία τω οίκω τούτω
Ιγένετο.
59) Η 3 65:
ιυ δούλε άγαϋ^ε καΐ πιβτέ
Mt. 25 21:
ΙΌ δούλε άγαϋ-ε και πιοτέ
Lc. 19 17:
iü/f αγαΒ^ε δούλε
^ Η37ο:
χΑ Μωνοέως καϋ-έδραν τιμαν ίκελεύαΟ^ητε, καν οι προ-
χαΒ-εζόμενοι αμαρτωλοί νομιζωνται.
Mt. 232:
Ιχϊ της Μωύύέως κα&έδρας ίκά&ιοαν οί γραμματείς κτλ.
^1) ^ Η37ΐ:
μη λογίϋάμενοι οτι άξιος Ιοτιν ο Ιργάτης του μΐοΘ-ον
αυτού'
310 Waitz, Die Pdeudoklemeniinen.
Lc. 10?:
άξιος γαρ 6 ίργάτης τον μ\ιθϋ•ον αυτόν.
Mt. 10 ιο:
άξιος γαρ ο ίργάτης της τροφής αντον,
62) Η 84:
αντον ύποντος' jtoXXoI ίλενΰονται ajto ανατολών
χαΐ δνομών, αρχτον τε χαΐ μεύημβρίας χάί αναχλι-
1}^ηοορται εις χόλπονς ^Αβραάμ χαΐ ^Ιύααχ χαΐ Ίαχωβ,
R 44:
dixit: multi venient ab Oriente et occideote, a septen-
trione et meridie et recumbent [cum Abraham] in sinibus
Abraham et Isaac et Jacob.
Mt. 8ii:
jtoXXol aJto ανατολών xal όνΰμών ηξονύιν xal άνα-
χλιϋ^ήΰονται μετά \ίβρααμ xal ^ioaax xal Ι αχώ β iv ττ}
βαοιλεΐα τών ονρανών.
Justin, Dial. c. Tryph. 76:
ηξονύιν απ 6 ανατολών xal δνύμών xal άναχλιί^ψ
ο.ονται μετά \ίβρααμ χαΐ ^Ιύααχ χαΐ ^Ιαχώβ ίν τη βααιλεία
τών ονρανών,
63) Η 84:
άλλα χαΐ πολλοί φηοιν χλητοί, ολίγοι δε εχλεχτοί.
Mi 22 14:
πολ?.ο\ γαρ doiv χλ^ιτοί, ολίγοι δε ίχλεχτοί.
04) Η 8 7:
ο ^Ιηοονς ?ιμών προς τίνα πνχνότερον χνριον αντον λί-
γοντα, μηδέν δε ποιονντα ων αυτός προΰέταξεν, εφη'
τι με λέγεις' χνριε, χνριε, χαΐ ου χοιείς α λέγω; ον γaQ
ίοφελήοει τίνα το λέγειν, άλλα το ποιείν,
R 45:
dixit: quid autem dicitis mihi: domine, domine, et non.
facitis quae dico.
Lc. t)46:
τί δε με χαλεΐτε' χνριε, χνριε, χαΐ ου ποιείτε α λέγω^
Justin, Αρ. Ι 16:
ονχΐ πας ο λέγων μοι' χνριε χνρΐΒ^ εΐοελενύεται & ^
την βαοιλείαν τών ουρανών, άλλ^ 6 ποιών το ϋ-έλημα
111,3. Die neuteetamentlichen Zitate in den Homilien usw. ^\i
πατρός μον τον kv τοΙς ονραροίς, ος γαρ άχούει μου καΐ
jtoielf α λέγω, ακούει τον αποοτείλαντός με. Vgl. Mt. 7 24.
65) Η 87.
jtlrjv εΐ τις καταξιωϋ^είη τονς αμφότερους Ιπιγνώναι
ως μιας διδαοκαλίας νπ αυτών κεκηρυγμερης, οντος
άνηρ kv θ-εω πλούοιος κατηρίΒ-μηται τά τε αρχεία νεα
τω χρόνφ και τά καινά παλαιά οντά νενοηχώς.
R 4 5.
de tali eOim dicebat dominus noster viro divite, qui pro-
fert de thesauris suis nova et vetera.
Mt. 13 52.
Λα τούτο πάς γραμματεύς μα&ητενθ^είς τ^ βαοιλεία
των ουρανών όμοιος ίοτιν άν&ρώπο7 οίκοδεύπότ^], όοτις
ίχβάλλει ίκ τον ϋ^ηοανρον αντον καινά καΐ παλαιά.
66) Η 822:
ο τονς γάμονς τω υΐώ τελών πατήρ ... εκέλενύεν ημίν
. . . καϋ^αρον ένδυμα γάμον περιβαλείν^ όπερ έοτΐ βάπτιΰμα
. . . καΐ τονς άγαΟ^ονς εΙς το τον ϋ^εον δείπνον εΐοάγειν,
R 4 35:
nos iussit lesus exire ... et invitare vos ad coeuam regis
coelestis, quam praeparavit pater in nuptiis filii sui, ut
demus vobis indumenta nuptialia, quod est gratia baptis-
' mi ... cum quo ei ingrediendum est ad eoenam regis.
Mt. 222.3:
ωμοιωϋ-η ?/ βαοιλεία τών ονρανών άν&ρώπω βαΰιλεί,
οοτις έποίηΰεν γάμονς τω νΐώ αντον, καΐ άπέΰτειλεν
τονς δονλονς αντον καλεοαι τονς κεκλημένονς εΙς τους
γάμους.
67) Η 1135:
Ιφψ πολλοί Ιλευοονται προς με εν ίνδυματι προβά-
των, εύω&εν δε ειοι λύκοι άρπαγες, άπο τών καρπών
αυτών έπιγινώύκετε.
Mt. 7 15:
^Οοαέχετε άπο τών ψενδοπροφητών , οΐτινες έρχονται
Λρος υμάς ίν ενδνμαοι προβάτων Ιοωϋ^εν δε είοι
λυχοι άρπαγες, άπο τών καρπών αντών επιγνύοεοϋ-ε
αυτούς. Vgl. Alt. 24 5.
312 WaitZ; Die Peeudoklementinen.
Just. Dial. c. Tryph. 35:
sljtt γαρ' JtokXoi έλενύονται ijrl τω ονόματι μον^ t^co-
&εν ένδεδυμέροι δέρματα υιροβάτων.
Αρ. Ι 16:
πολλοί γαρ ηξουοιν ijtl τω ονόματι μου, ίξωϋ-εν μεν
ίνδεδνμένοί δέρματα προβάτων, εύωθ-εν δh οντες λνχοι
άρπαγες' ίχ των έργων αυτών έπιγνώοεαθ^ε αυτούς.
Dial. C. Tryph. 35 :
προοέχετε άπο των φενδοπροφητών, οϊτινες έλενύονται
προς ν μας εξω&'εν ένδεδυμένοι δέρματα προβάτων,
εοωϋ^εν δέ είοι λνχοι άρπαγες.
68) Η 162ΐ:
εϋονται γαρ, ως ο χύριος είπε ν, ψενδαπόοτολοι, ψευδείς
προφηται, αίρέοεις, φιλαρχία^
Mt. 24 11 vgl. 24:
χαϊ πολλοί χρενδοπροφήται έγερϋ^ήοονται.
Just. Dial. c. Tryph. 35:
εοονται ύχίύματα χαι αίρέοεις.
Dial. C. Tryph. c. 51:
γενήοεοϋ^αί ιερείς (1. αϊρέοεις) χαϊ ψευδοπροφήτας ίπϊ
τω ονόματι αύτον προεμήνναε,
60) ' Η 20 13:
έπεδήμηΰε Κορνήλιος εχατόνταρχος ... ον έν Καιοαρεια
δαιμονώντα Ιάοατο ο χύριος,
Act. 10 1:
άνηρ δέ τις ίν ΚαιοαρεΙα ονόματι Κορνήλιος εχατον-
τάρχης χτλ.
Νο. 54 ist eine mit legend arischen Zügen versehene freie
Wiedergabe der Geschichte von dem kananäischen Weib. Im
großen und ganzen liegt ihr die Erzählung des Matthäus zu-
grunde, der allein die Fürbitte der Jünger für das kananäische
Weib berichtet und auch im Wortlaut mit Η 2 lo übereinstinimt
(vgl. Mt. 15 22-26: Kavavala ψιχίων των πιπτόντων; und Η 2 i9:
ΧανανΙτις, 'ψιχίων άποπιπτόντων). Doch finden sich auch ein-
zehie Ausdrücke in Η 2 19, die wir nur bei Markus finden {Σν-
ροφοινίχιούα j ϋ^νγάτριον). Scheint der Text auf eine gemein-
same Grundlage des Matthäus- und Markustextes hinzuweisen,
so ist doch die Nebeneinanderstellung von Σ%)ροφοινίχιθθα und
III, 3. Die neutestamentlichen Zitate in den Homilieu uew. 313
ΧανανΙτις auffallig und sieht so aus, als ob sie erst durch den
Verfasser dieser Stelle auf Grund seiner Kenntnis der beiden
Synoptiker erfolgt wäre. Η 3 73 und Η 4 1 wenigstens heißt die
Tochter des kananäischen Weibes nur ΧανανΙτις.
No. 55 ist ein Hinweis auf die allen Synoptikern feststehende
Zwölfzahl der Jünger.
No. 56 spielt auf die synoptische Erzählung von der Hin-
richtung des Täufers an.
No. 57 und No. 59 gehören zu dem Gleichnis von den anver-
trauten Pfunden, das im ganzen nach Matthäus erzählt wird.
Doch weist der Ausdruck Ιπραξ,α wie der Singular xo αργυρών
auf einen Text, wie ihn Lukas bietet. Auch hier kann nicht
ausgemacht werden, ob der Schreiber von Η 3 6i. 65 diese Worte
aus dem Gedächtnis nach Lukas einsetzte, oder aus einer Evan-
gelienschrift nahm^ die Matthäus und — freier — Lukas be-
nutzte.
No. 58 erwähnt den Zacchäus , der allein im Lukas-Evange-
lium genannt ist. Wenn er als Augenzeuge der Wirksamkeit
Jesu dargestellt wird, so ist er dies in den /7. /7. durch die
Legende in derselben Weise geworden, wie das kananäische Weib
in den Elementinen seinen Namen erhalten hat. Eine Erinne-
rung an den Zöllner Levi ist mit Hilgenfeld (a. a. 0. 364) keines-
wegs darin zu finden.
No. 60 enthält eine leise Anspielung auf die Streitreden Jesu
mit den Pharisäern.
No. 61 stimmt wörtlich mit Lukas.
No. 62 zeigt zunächst zwischen Η 8 4 und R 4 4 wörtliche
Übereinstimmung, läßt also den Text der Grundschrift sicher er-
kennen. Zweifellos stimmt er mit Mt. 8 11 mehr überein als mit
Justin. Wenn er die von Matthäus und Justin abweichende Lesart
εΙς χολπονς ^Αβραάμ κτλ. hat, so legt er dasselbe Verhalten,
wie bei No. 54 an den Tag, d. h. er verwendet frei aus dem
Gedächtnis eine Wendung, die ihm sonst geläufig war und auf
dem Wege der Ideenassoziation in den Sinn kam. Es ist die ihm
aus der Erzählung von dem armen Lazarus in Abrahams Schoß
bekannte Wendung Lc. 16 23, die sich ihm hier in den Matthäus-
text emflicht. Ein eigenartiger Evangelientext ist daher hier
ebensowenig anzunehmen wie Verwandtschaft mit dem Evange-
lientext Justins.
314 Waitz, Die Pseudoklementinen.
No. 63 stimmt wörtlich mit Mt. 22 u.
No. 64 weist zwischen Η 8 7 und R 4 5 die geringe DiflFerenz
auf, daß das Prädikat dort im Singular, hier im Plural steht.
Die Übereinstimmung mit Lc. 646 ist ebenso unverkennbar wie
die Differenz mit Justin.
No. 65 ist kein eigentliches Zitat. Die Verschiedenheit zwi-
schen Η 8 7 und R 4 5 ist nicht gering. Doch scheint (vgl. Leh-
mann a. a. 0. 124) sich R dem kanonischen Texte angenähert zu
haben.
No. 66 zeigt dasselbe Verhältnis zwischen Η und R^. Es
reproduziert in freier Weise die Parabel von der königlichen
Hochzeit Mt. 22.
No. 67 zeigt dieselbe eigentümliche Textform wie Mt. 7>*,
ausgenommen, daß dort die Weissagung auf Jesus, hier auf seine
Jünger bezogen wird. Justin dagegen zeigt einen durchaus ver-
schiedenen Text ^. Denn darauf, daß Justin Dial. c. Tryph. 35
und ähnlich Ap. 1 16 in der einleitenden Wendung: JtoXXol eXev-
ύορται mit Η 11 35 gegen Mt. 1μ harmoniert, kann kein Gewicht
gelegt werden, da Justin selber an einer anderen Stelle, Dial. c
Tryph. 35, von sich abweicht und sich diesmal wörtlich mit
Mt. 7 w deckt in der Wendung jtQOOi-xtre cbto των ψΒνδοχρο-
ψητών. Der bei Justin ständig (dreimal) wiederkehrende Aus-
druck δίρματα, wofür Η 11 35 und Mt. 7u ενδύματα hat, sowie
der Ausdruck ϊργων, wofür Η 11 35 und Mt. 7 16 xagjtov hat,
beweisen, daß von einer Identität des in Η 11 35 und von Justin
benutzten Evangeliums nicht die Rede sein kann.
No. 68 führt ein Herrnwort an, das sich im Inhalt mit
Justin nicht mehr berührt, als mit Mt. 24 11 (vgl. 2 Petr. 2 1 sowie
Resch, Agrapha a. a. 0. 105. 174 ff. 282 ff.).
No. 69 setzt die Bekanntschaft des Verfassers der /7. /7. mit
der Apostelgeschichte voraus, zeigt jedoch wieder, wie willkür-
lich er mit seinem Stoff umgeht und ihn legendarisch ausgestaltete
Es erübrigt nun noch, auf diejenigen Zitate der Homilien
1) Lehmann a. a. ü. 120.
2) Gegen Hilgenfeld a. a. 0. 34(1.
3) Von den angeführten Stellen können nur No. 55—61; 68. 69 mit
einiger Sicherheit den Π. IL zoge\visen werden. No. 62—68 können dem kle-
mentinischen Redaktor angehören (s. o. S. 182), No. 67 dagegen auch den
7i. //. (s. o. S. 135 Anm. 1;.
111,3. Die neutes tarnen tlicben Zitate in den Homilien usw. 315
(bezw. Rekognitionen) einzugehen, welche bisher nicht unter-
sucht worden sind. Es sind alle die, welche in den übrigen Ab-
schnitten der Η bezw. R stehen und teils dem Redaktor der
Klementinen, teils dem der Homilien zuzusprechen sind. Eine
sichere Entscheidung darüber, welcher Redaktor im einzelnen
Fall in Betracht kommt, ist freilich nur da möglich, wo Η eine
Parallele in R hat.
70) Η 1 9:
Βαρνάβας, ος και ΐρα των αντον μαθ^ητών ίαντον
ei ναι λεγίί.
Rl7:
Erat autem vir . . natione Hebraeus, nomine Barnabns,
qui se etiam unum ex ejus discipulis esse diceret.
Act. 4:jg. V\i] Gal. 2i.
71) H3:,2:
λέγει' jcaoa φντ(:ία, ijv ουκ iffvrevoev ο πατήρ ο ουρά-
νιος, έχριζωθ^ήοεται,
Mt. 1δΐ3:
jtäöa φυτεία, ην ουκ εφντενοίν ό πατήρ μον ο ουράνιος
ΙκριζωΟ-ήοεται.
72) Η 3 52 :
λέγων' δεύτε προς με πάντες οΐ κοπιώντες.
Mt. 1128:
όευτε προς με πάντες οΐ χοπιώντες,
73) Η 3 52:
χαϊ πάλιν τα εμα πρόβατα άκονει τΐ^ς ΙμΤις φωνής.
Job. 10 27:
τα πρόβατα τα έμα της φωνής μον άκονονύΐν.
74) 113 52:
χαι άλλοτε' ζητείτε καΐ εύρίoκετt.
Mt. 7 7. Lc. 1 1 ί):
ζητείτε χαι εύρήύετε.
75) Η 3 53:
άλλα χαι έξ ουρανών μάρτυς φωνή ήχουβΒ^η λέγονοα'
ουτός έοτιν ο υιός μον ο αγαπητός, ιΐς ο ν ευδοκηοα^
τούτον άκούετε.
316 Waitz, Die Pseudoklementinen.
Mt. 17 5:
φωνή έχ της νεφέλης λέγονοα' οντός έοτιν ο νίός
μον ο αγαπητός^ ίν ω ευδύκηοα, άχονετε αντον,
Mc. 9?:
φωρη έκ της νεφέλης* οντάς έοτιν ο υΙός μον ο αγα-
πητός, άχονετε αντον.
Lc. 9 35:
φωνή έγένετο έχ της νεφέλης λέγονοα' οντός ίοτιν ο
νίός μον 6 έχλελεγμένος, αντον άχονετε,
76) Η 3 53:
ελεγεν έγώ εΙμι Jtερi ον Μωνύης χροεφήτενοεν
εΙπών προφητην εγείρει νμίν χνριος ό ϋ^εος ημών έχ
των αδελφών νμών, ωοπερ χαϊ έμέ, αντον άχονετε χατα
πάντα.
R 1 36:
ipse (sc. Moses) dixit: prophetain vobis suscitabit dominus
deoB vester, quem sicut meipsum audite secundum om-
nia, quae dixerit vobis. Quicunque oon audierit prophe-
tam illum, exterminabitur anima ejus de populo suo.
Act. 822:
ΛΙο?νοης μϊν είπεν, οτι προφητην νμΐν άναϋτήϋει χνριος
ό ^εος ημών έχ τών αδελφών υμών ως έμέ' αντον
άχονοεύϋ-ε χατα πάντα.
Deut. 18 15; LXX:
προφητην έχ τών αδελφών ύον ως έμε άναατηοει
001 χνριος ο θ^εός ϋον, αντον αχονύεοϋ-ε, χατα πάντα,
οαα ητηοω .... ίο χαΐ 6 άνΟ-ρωπος ος έαν μη άχονύχι, οοα
αν λαλ?ΐο7] 6 προφήτης έχείνος έπΙ τω όνοματΙ μου, Ιγώ
έχδιχηοω έξ αντον .... 2ο άποθ-ανείται ό προφήτης
έχεΐνος.
77) Η9 2ΐ:
όνπερ γαρ τρόπον Καίοαρος χιλιάρχω οι νποχείμενοι
οτρατιώταΐ δια την τον δεδωχότος έξονοίαν τον είληφότα
οϊδαοι τιμαν τούοντον ωοτ αν τονς έφεύτώτας λέγειν
τοντω' έλ.&έ, χαΐ ερχεύ&'αι, χαΐ άλλω' πορενον, χαϊ πο-
ρενεοθ-αι^ οί'τοίς χαΐ ο ϋ^εώ κτλ.
Illy Β. Die neutestamentlichen Zitate in den Homilien usw. 317
ß 433:
sicut enim is qui acceperit sub se milites, etiamsi ipse in-
ferior et illi superiores sint, tarnen dicit huic, vade, et vadit
et alii, veni, et venit et alii, fac hoc, et facit; hoc autem
potest non propria virtute, sed Caesaris metu; ita et fidelis.
Mt. 89; Lc. 7 8:
πορεύϋ-ητί, xal jtoQivtxat xal αλλφ' ^ρχον, xai έρχεται
xal τω δούλω μον ποίηοον τοντο, χάί jtoul.
78) Η 922:
ονχ εοτιν ίν τοντφ μόνον χαίρειν, άλλ^ εν τω δι εναρεο-
τίαν τα ονόματα υμών έν ονρανω ως άεΐ ζώντων άνα-
γραφήναι.
Lc. 10 20:
χλην εν τοντφ μη χαίρετε ότι τα πνεύματα νμΐν vjto-
τάοοεται, χαίρετε δε ότι τα ονόματα νμών ένγίγραπται
έν τοΙς ονρανοίς,
79) Η 11 2:
πολλού προς χάϋ-αροιν δείο&ε χρόνου^ ϊνα τον μεταδιδό-
μενον νμΙν λόγον άλ?]ϋ'ή ωύπερ χαλόν ο πόρο ν ο νους
λαβών μη χαχαΐς φροντίοιν ύνμπνίξας αχαρπον χατα-
ύτηύ^.
Mt. 1322:
ο δh εΙς τας άχάνΟ^ας ύπαρείς οντός έΰτιν ο τον λόγον
άχονων, χάί η μέριμνα τον αΙώνος χάί η απάτη τον
πλοντον ΰννπνίγει τον λόγον χαΐ αχαρπος γίνεται
Mc. 4 19:
ονμπνίγονοι τον λόγον xai αχαρπος γίνεται.
Lc. 8 14:
ύυνπνίγονται χαΐ ον τελεύφορονοιν,
80) Η 9 23 cf. 11 26:
αναδεξάμενοι τριομαχαρία Ιπονομαοία εις αφεοιν
αμαρτιών βαπτιοάμενοι τω όοον όνναοΟ^ε έπΙ το τέλειον
της άγνεΐας εαντονς ίπιδιδόναι δνναοθ^ε cf. Η 9 ίο; 134.
R 4 32:
ut in praesenti quidein tempore diluantur peccata vestra
per aquam fontis aut fluminis aut maris invocato super
vos trino beatudinis nomine cf. R 6 u, 7 hk
'U8 Waitz, die Feeudoklementinen.
Mt. 28i9:
jtoQtvd-ivTtq μαθ-ητενΰατε πάντα τα εΟ^ρη βα:ιτίζορτες
αυτούς εΙς το όνομα όιδάύχορτες αντονς τηρεΐν
υιάντα 6οα Ινετειλαμην νμίν,
81) Η 11 ίο:
δι ης πίοτεως καΐ τα άλλα τα ορεοιν έοιχότα και βα-
ρούντα μεΜοτηύιν τιά&η cf. R52. 34.
Mt. 17 2υ:
εάν εχητε πίοτιν ώς χόχχον οινάπεως έρείτε τω ορει τον-
τω' μετάβα ενΰ^εν ΙχεΙ, χαΐ μεταβήοεται.
cf. Mc. 11 23 und Mt. 21 21:
αλλά xav τω ορει τούτω είπατε 'άρ^ψμι .,, γενηοεται.
82) Ηΐΐ2ο:
ο διδαοχαλος προοηλωθ-είς ηνχετο τω χατρι τοΙς αυ-
τόν άναιρονοιν άφεΟ^ήναι το αμάρτημα εΙπών . . πάτερ,
άφες αύτοίς τάς αμαρτίας αυτών, ου γάρ οίδαοιν, α
ποιοΰοιν.
R65:
magister, cum ab bis qui ignorabant eum duceretur ad
crucem, orabat patrera pro interfectoribus suis etdicebat:
Pater, remitte eis peccatum; nesciunt enim, quod faciunt.
Lc. 2334:
ο δε Ίηΰους ελεγεν' πάτερ άφες αυτοϊς, ου γάρ οϊδαβιν,
τΐ ποίοϋοιν.
83) Η 11 20 :
μιμητοί ονν γινόμενοι του διδαοχάλου χαΐ αντοί^ έν ο'ις
ΐπαοχον ύπερ των διατι0^εμένν}ν ηυχοντο ώς έδιδάχθ^ηύαν.
R65:
etiam ipsi cum paterentur, similiter pro interfec-
toribus suis orabant.
Act. 7 (>o:
κύριε, μη Οτηύης αύτοίς την αμαρτία ν ταύτην.
S4) Hll2ö:
ουΓως γάρ ημίν ώμούεν ο προφήτης εΙπών' άμην νμίν
λέγω, εάν μη άι'αγεννη(^ητε ύδατι ζώντι εΙς όνομα
πατρός, υιού, αγίου πνεύματος, ου μη εΐαέλϋ-ητε εΙς την
βαύιλείαν των ουρανών.
in, 3. Die neutestamentlichen Zitate in den Homilien usw. ^^9
R62:
verus propheta . . . dicens: Amen dico vobis: aisi quis
denuo [re]natus fuerit ex aqua [viva], non introibit in
regna coelorum cf. R 1 6».
Job. 3o:
άJtexQlθ'7J^Iηöovς' άμην άμην λέγω cor έάρ μ?} τΐςγΒννηϋ^^ι
Ιξ νδατος χαΧ ^ΐνενματος^ ον δύναται εΐοελ&εΐν εις τηρ
βαοιλείαν τον ϋ-εοΰ [των ονρατών].
Justin, Αρ. Ι 61 :
ο Χριύτος είπεν αν μη άναγεννηΟ^ητε^ ου ///) εΐαελ-
Θ-ητε εΙς την βαοιλείαν των ουρανών.
S5) Η 11 28,29:
ο διδάύχαλος ημών ένίονς τών έν ημίν Φαριοαίων χαι
γραμματέων .... διήλεγχεν . . . ώς νποχριτάς^ ότι μόνα
τα άν^ρώποις φαινόμενα άγνεύοντες τα της οέαρδίας
χαϋ^αρα καΐ &εώ μόνω όρώμενα :ταρελΙμπανον. 29. ρητή
ονν ταντη φωνή έχρήοατο τα άληϋ^ή οιρός τους νπο-
χριτας αντών λέγων , ου προς πάντας. ένίων γαρ χαΐ
έ)ι:αχούειν ελεγεν οτι την Μωνοέως έχιοτεν^ηύαν χά&ε-
δραν, πλην προς τους νποχριτας ελεγεν ουαΐ νμίν,
γραμματείς χαΐ Φαριοαίοι νποκριταΐ, ότι χα&αρίζετε τον
ποτηρίον χαΐ της παροψίδος το εξωθ^εν, εύωΟ-εν δε
γέμει ρύπους, ΦαριύαΙε τυφλές καϋ^άριοον πρώτον τον
ποτηριού χαΐ της παροψίδος το εοωθ-εν, ίνα γένηται
χαι τα εξω αυτών χα&αρά.
R6ii:
Magister noster quosdam Pharisaeorum et scribarum . . . in-
crepabat, dicens eos bjpocritas,quia ea solum,quae hominibus
videbantur, purificabant; cordavero, quae solusdeus aspicit,
inquinata reiinquebant et sordida. Ad quosdam ergo ex
ipsis, non ad omnes dicebat: vae vobis, scribae et Phari-
saei, hjpocritae, quia mundatis calicis et paropsidis quod
deforis est; intus autem plena sunt sordibus. Pharisaee
caece, emunda prius, quod intus est, et quod deforis est,
erit mundum.
Mt. 23 25 f. (cf. Lc. 11 39):
οναι,νμίν, γραμματείς χαι ΦαριΰαΙοι νποκριταΐ, οτι χα-
ϋ^αρίζετε το εξωθ^εν τον ποτηρίον καΐ της παροψίδος
320 Waitz, Die Peeodoklementinei].
Ιοοιϋ^εν δε γέμονύιν ίξ αρ:ταγης χαΐ άχραύΐας. Φαρι-
aalt τνφλε, κα^άριοον πρώτον το έντος του ποτηρίο\\
Υνα γίνηται χαΐ το έκτος αντον χαΒ-αρόν,
86) Η 1132:
ίαν οί Ιρ πλάνΐ] μη φονενωοιν, ημείς μη όργιζώμεϋ^α,
εαν ο ίν πλάνη μη μοιχενη, ημείς την άρχην μηόε εν-
Βνμη&ημεν, έάν 6 έν πλάνη τον άγαπώντα άγαπα.
ημείς χαΐ τους μιβονντας, έάν 6 ίν πλάνη δανειζη τοις
εχονοιν, ημείς χαΐ τοΙς μη εχονύιν,
RGis:
si illi, qui errant, homicidium non faciant, dos ne irascamur
quidem. et si illi adulterium non adrnittunt, nos ne concu-
piscamus quidem alienam mulierem. si illi amant ρ roxi -
mos suos, nos diligamus etiam inimicos nostros. si illi mutuo
dant bis qui habent, unde reddant, nos etiam bis demus.
a quibus recipere non speramus.
Cf. Mt. 5 21 f. 27 f. 43 f. Cf. LC. 6 27 f. 34.
87) Η 11 33:
εόίδαξεν εΙπών προς μεν τους άμεΧουντας iXd^elv κάί
έπαχονειν αντον' βαοίλιοΰα νότου έγερ&ήαεται μετά της
γενεάς ταύτης χαΐ χαταχρινεΐ αυτήν, οτι 7ΐλ&εν απ 6 των
περάτων της γης άχονϋαι την ύοφιαν Σολομώνος' χαι
ιδού πλείον Σολομώνος ο^δε, χαΐ ου πιοτεύετε, προ^
δε τους Ιν τω λαω μη θέλοντας μετανοηύαι έπΙ τω
χηρυγματι αυτού είπεν' άνδρες ΝινευΙται έγερϋ^ήοονται
μετά της γενεάς ταύτης χαι χαταχρινουοιν αυτή ν y οτι
άχούύαντες μετενόηύαν εις το χήρυγμα ^Ιωνά' χα\
Ιδου πλείον ωδε, χαι ουδείς πιύτεύει,
R6i4:
verus propbeta ... ait regina austri surget in judicio cum
generatione bac et condemnabit eam, quia yenit a f inib us
terrae audire sapientiam Salomonis, et ecce plus quam
Salomon bic, et non audiunt
Ad eos vero, qui de malis actibus gerere poenitentiam
detractabant, ita ait: viri Ninivitae surgent in judicio
cum generatione bac et condemnabunt eam^ quia paeniten-
tiam egerunt in praedicatione Jonae. et ecce plus quam
Jona bic.
HI, ;]. Die neutestamentlichen Zitate in den Homilien usw. 32 1
Mt. 1242:
βαύίλιοοα νοτον έγερϋ^?]οεται έντ^χρίοει μετά της γενεάς
ταύτης χάί χαταχριρεΐ αύτην, οτι ηλΰ^εν εχ των περάτων
της γης άχονύαι την ΟοφΙαν Σολομώνος, χάί Ιδον πλείον
Σολομώνος ωδε,
Mt. 12 4ΐ:
άνδρες Νινενεΐται άναύτηύονται iv τη χρίύει μετά
της γενεάς ταύτης χαΐ χαταχρινονοιν αντήν^ οτι μετε-
νοηοαν εις το χηρνγμα ^Ιωνά^ χάί Ιδον πλείον Ίωνά ώδε.
Lc. 1 1 31 :
βαΟίλίΟαα νότου έγερ&ήοεται έν τη χρίύει μετά των
ανδρών της γενεάς ταύτης χάί χαταχρινεΐ αυτούς, οτι
ηλϋ^εν εχ των περάτων της γης άχονύαι την ύοφίαν Σόλο-
μώνος, χάί Ιδον πλεΙον Σολομώνος ωδε.
Lc. 11 32:
άνδρες Νινενεΐται άναύτηύονται iv τη χρίύει μετά της
γενεάς ταντης χαΐ χαταχρινονύιν αντήν^ ότι μετενοηύαν
ίΐς το χηρνγμα ^Ιωνά, χαΐ Ιδον πλεΙον ^Ιωνά ωδε.
88) Η 12 6:
ημείς γάρ ix παίδων, Ιγώ τε χάί Ανδρέας ο ύνναιμος
χάί χατά &ε6ν αδελφός ων έμός, ον μόνον ίν ορφάνια
άνατραφέντες, άλλα χαΐ νπο πενίας χάί χαχονχίας εΙς
έργατείαν ί&ΐύϋ^έντες, ενμαρώς νυν τάς τών οδών φέρο-
μεν ύχνλύεις.
R 7 6:
DOS enim a puero, id est ego et frater germanus meus An-
dreas non solum orphani, sed et valde pauperes crevimus
et necessitate operarii esse consuevimus : iinde et nuuc
facile vexationes itinenim ferimus.
cf. Mt. 4 jo. Mc. 1 16 f. 30.
89) Η 12 7.
ο χνριος ημών ό επΙ ύωτηρία παντός τον χούμον ελη-
λνϋ-ώς, μόνος νπίρ πάντας ενγενης ων δονλείαν νπε-
μεινεν, ϊνα ημάς πείύη μη αΐδείύϋ^αι τοΙς αδελφοίς ημών
τάς δούλων ποιείν νπηρεύίας, χάν πάνν ενγενείς τνγχά-
νωμεν.
Texte α. Ontenuchimgeii. Ν. F. Χ, 4. 2]
322 Waitz, Die Pseudoklementinen.
R 7 7.
dominus noster, qui ad salutem totius mundi venit et
qui erat omni creatura nobilior, servire passus esser,
ut nos suaderet, non erubescere fratribus nostria servonmi
exhibere ministerium.
Mt. 20 26-28. Cf. Mc. 9 351.
Job. 13 1-20.
90) Η 12 3i:
ανεν γαρ της τον &εον βουλής ονδβ ύτρον&οςέν παγίόι
έμπεοεΐν έχει' όντως δικαίων χαΐ αΐ τρίχες τω ϋ-εώ
έναρίϋ^μιοί είοιν.
Mt. 10 29. 30 :
χαΐ ΐν ίξ αύτώρ (sc. ατρονΜων) ον Jtεύεlτaι Iju την
γήρ ανεν τον Jraτρoς υμών, νμών δε κάί αΐ τρίχες της
κεφαλής jtäöai ηρι&μημέναι εΐύίν,
Lc. 12 6. 7 :
καΐ bv ίξ αντών {80,οτρονΜων) ονκ εύτιν Ιπιλελη-
αμένον ivcojtiov τον &εον, άλλα καΐ αΐ τρίχες της κε-
φαλής νμών Jtaoai Ί)ρί^μηνται.
91) Η 13 u:
καΐ γαρ εΐ πάντα καλά διαπράξαιτο τις, μιϊ/ί τ^ προς το
μοιχήααϋΰ^αι αμαρτία χολαοϋ^ήναι δεΙ, ό προφήτης εφη.
cf. Mt. 532:
παρεκτος λόγον πορνείας ποιεί αντήν μοιχεν&ήναι κτλ.
cf. Mt. 19 9. Lc. If3i8.
92) Η 15 5:
δίκαιον ϊφαοκεν είναι κάί τω τνπτοντι αντον την οια-
γόνα παρατι^έναι καΐ την ετέραν, καΐ τ φ αϊροντι
αντον το ίμάτιον προύδιδοναι καΐ το μαφόριον, άγ-
γαρενοντι δε μίλιον tv ονναπέρχεύϋ•αι δνο, χα\ ούα τοιαύτα.
Lc. () 29. 30:
τω τνπτοντι θε εις την ϋιαγόνα πάρεχε κάί την αλλ ην*
κάί άπο τον αϊροντός ϋον το ίμάτιον κάί τον χιτώνα
μη κο?λνθ)]ς.
Mt. 039-41:
ούτις οε ραπίζει εΙς την δεξιάν ύιαγόνα, Οτρέψον αντώ
χαΐ την άλλην καΐ τω ϋ^έλοντί 0οι χριϋ-ήναι xai
III, 3. Die neutestamentlichen Zitate in den Homilien usw. 323
τον χιτώνα oov λαβείν, άφες αντφ χαΐ το ίμάτιον, χαϊ
οοτις οε άγγαρεύύει μίλιον εν, νπαγε μετ αντον όνο,
Justin, Αροΐ. 1 16.
τω τνπτοντί ΰον την ΰιαγονα πάρεχε χαϊ την άλλη ν, χαϊ
τον αίροντά ύου τον χιτώνα η το ίμάτιον μη χωλυο^ς.,
παντί τω άγγαρενοντί αοι μίλιον, άχολον&ηοον δύο'
Νο. 70 gehört dem ganzen Zusammenhang nach dem kle-
mentinischen Redaktor an. Wenn hier Bamabas erwähnt wird,
so kann dies nur auf Grund von Bekanntschaft mit der Apostel-
geschichte oder den paulinischen Briefen geschehen sein. Wenn
er als Jünger Jesu bezeichnet wird, so zeigt sich hier ebenso
der Eintiuß der Legende, wie wenn in den Π, Π. cf. Η 3 es. 70
Zacchäus zu einem Jünger Jesu gemacht wird. Die Bemerkung
bei Euseb. h. e. 1 12 1, daß er zu den 7<» Jüngern gehört haben soll,
beruht vielleicht auf einer Kombination unserer Erzählung mit
dem Bericht des Lukas 10 1.
No. 71 bis No. 75 zeigen auffällige Verwandtschaft mit den
kanonischen Evangelien. No. 71, 72, 74, 75 weichen nur un-
wesentlich von dem kanonischen Matthäus ab. No. 73 findet
sich nur bei Johannes. Sämtliche Zitate sind dem Homilien-
redaktor zuzuweisen, indem sie nachträglich in den Kontext der
K. Π. eingeschoben worden sind und zwar an einer Stelle, wo
der antimarcionitische Redaktor nicht zu bemerken ist.
No. 76 zitiert ein alttestamentliches Wort, Deut. 18 15, als ein
Herrnwort, während es R 1 ae in den K. Π, als alttestamentliches
Zitat erscheint. Daraus ergibt sich, daß auch No. 76 wie No. 7 1
bis No. 75 ursprünglich nicht zu den Κ Π. gehört haben kann,
sondern nachträglich — von dem Homilienredaktor — eingefügt
ist (vgl. im übrigen S. 267 flF.). »
No. 77 enthält eine Anspielung auf die Worte des Haupt-
manns von Kapernaimi über seinen Knecht, wie sie uns Matthäus
und Lukas berichten. Wenn sie, wie Lehmann a. a. 0. 125
darlegt, einerseits in R dem kanonischen Text mehr angepaßt
ist als in H, anderseits, wie die Anwendung des Bildes (ita et
fidelis quisque daemonibus imperat . . . propter dei virtutem, qui
eos subjecit potestati) beweist, diese größere Annäherung an den
kanonischen Text in R ursprünglich sein muß, so beruht dies
darauf, daß Η und R selbständig eine gemeinsame Grundlage
21*
324 Waitz, Die PseudoklemeDtinen.
benutzten. Das Zitat ist demnach dem klementinischen Redaktor
zuzuweisen.
No. 78 bezieht sich mit einigen Abweichungen auf ein Herrn-
wort, das so nur bei Lukas zu finden ist.
Auch No. 79 enthält nur eine Anspielung und zwar auf das
Gleichnis vom Sämann bezw. seine Erklärung nach dem Bericht
des Matthäus oder Markus, wie die Ausdrücke οννπνίγειν und
äxagjtog zeigen. £s muß hier wie bei No. 78 dahingestellt
bleiben, ob das Zitat dem klementinischen oder dem Homilien-
redaktor angehört.
No. 80 bringt eine Andeutung auf den Tauf befehl. Der Zusatz
Η 9 23 dg αφεοιρ αμαρτιών läßt nicht, wie Credner a. a. 0.
329 meint, die ebionitische Lehre klar hindurchleuchten, sondern
ist nur eine Reminiszenz an Stellen wie Act 2 38^ Vgl. dazu
die Ausfuhrungen zu No. 28 S. 300.
No. 81: Η 11 16 gibt das Herrn wort Mt. 17 20 in originalerer
Fassung als R 534 ^; doch ist es kein eigentliches Zitat Vgl. 1 Cor. 13 3.
Auch bei No. 82 steht die Homilienstelle (vgl. α) dem Text
des Lukas entfernter als die Rekognitionenstelle (vgl. quod).
Bedeutsam ist es, daß hier ein Herrnwort zitiert wird, das sich
nur bei Lukas findet. Unsere Stelle gehört wie No. 80. 81 dem
klementinischen Redaktor an.
No. 83, die Fortsetzung von No. 82, spielt auf das letzte Gebet
des Stephanus für seine Feinde an, setzt also die Bekanntschaft
mit der Apostelgeschichte (Act 7 6o) voraus. Auch sie ist dem
klementinischen Redaktor zuzuweisen.
No. 84. Vergleichen wir zunächst Η und R mit Job. 3 δ, so
finden wir bei R die größere Verwandtschaft; auch R69 ge-
braucht die 3. Person Pluralis wie Job. 3 5, während Η 11 26 dafur
wie Justin Ap. 161 die 2. Person Pluralis hat Doch weicht auch
R von Job. 3 5 ab, indem hier wie in Η vobis {νμίν statt Got\
wie bei Η und Justin denuo bezw. renatus {άναγΒννη9^ητ(: statt
γεννηϋ^ΐϊ), ferner wie bei Η und Justin regna (Cand. P. R lesen
regnum) coelorum {ßaOiXeia των ουρανών) statt βαοιλεία τον.
ϋ^εον, ferner wie in Η aqua viva (P hat viva als Zusatz. H:
νόατι ζώντι) statt ύδατος steht und wie in Η der Zusatz xal jtvev-
1) Vgl. dazu Η 7 8; 8 22; 23; 1127.
2) Vgl. S. H8Ü u. Lehmann a. a. 0. 129 sowie Resch, Agrapha 19.
111, 3. Die neutestamentlicben Zitate in den Homilien usw. 325
ματος fehlt Ή und R gehen auf eine eigenartige Rezension des
Johannestextes zurück, die in Η originaler vorliegt, in R — und
zwar in den einzelnen Handschriften in verschiedener Weise — dem
kanonischen Text angenähert ist. Doch ist die trinitarische
Formel als eine Interpolation des Homilienredaktors anzusehen,
da sie in R fehlt. Demnach hat diese Rezension in der Grund-
schrift von Η und R etwa gelautet:
άμηρ νμίν λέγω' έάν μη άραγερνη&ητε νδατι ζώρτι, ου μη
εΐαέλ&ητε εις την βαοιλείαν των ονραρώρ.
Unverkennbar enthält diese Gestalt des Textes eine Beziehung
auf das Johannesevangelium, und zwar auf Joh. 3 5. Das beweist
der Ausdruck νδωρ ζώρ (Ώ^'^Τ] Ώ"]1^) Κ der nur bei Johannes
(4 10 f. 7 38) vorkommt, sowie die Kongruenz in Satzbau und Aus-
druck mit der angeführten Stelle. Und es war verfehlt, wenn
Hilgenfeld (a. a. 0. 358 fiT) behauptet hat, die Grundlage unseres
Zitates sei nicht Joh. 3 5, sondern Mt. 18 3 (άμηρ λέγω νμΐρ,
lap μη ατραφήτε χάί γερηύϋ^ε ως τα Jtaidia, ου μη εΐοέλ&ητε
εΙς τηρ βαοιλεΐαρ τώρ ούραρώρ) bezw. ein von ihm angenommenes
Petrusevangelium. Immerhin bleibt es auffällig, daß unser Zitat
in der klementinischen Grundschrift in manchen Einzelheiten
(8. o.) dieselbe von dem kanonischen Text abweichende Version
darstellt wie Justin. Nur die Einleitung άμηρ νμΐρ λέγω, so-
wie das Attribut ζώρτι, das, wie angenommen werden muss, von
dem klementinischen Redaktor gedächtnismäßig aus anderen
Stellen des Johannesevangeliums (s. o.) hinzugefügt ist, fehlt bei
Justin. Haben sich der Verfasser des Klemensromans und Justin
unabhängig voneinander und zufällig — etwa unter Einfluss einer
Stelle wie Mt. 18 3 — zu derselben Abweichung von dem Text
des Johannesevangeliums verleiten lassen, oder haben sie eine
Rezension des Johannesevangeliums gekannt, die eine ältere Text-
gestalt als der kanonische Text darbietet? Beachten wir, daß
der Homilienredaktor auch H-3 52 cf Joh. 10 27 und Η 19 22 cf.
Joh. 9 iff. (s. 0. S. 315 und S. 296) nicht unwesentlich von dem Text
des Johannesevangeliums abweicht, so werden wir uns der
letzteren Annahme zuneigen müssen. Eine verschiedenartige Text-
überHeferung des Johannesevangeliums ist ja auch sonst bezeugt^.
li Dieser Ausdruck kehrt Η 11 26 noch einmal wieder.
2) Vgl. Joh. 5 4. 8ι•ιι. 21 u. a. Zu Joh. 3 5 vgl. Resch, Agrapha 24.
326 AVaitz, Die PseudoklemeDtiuen.
Bei No. 85 weichen Η und R tibereinstimmend von der
Wortstellung wie auch vom Wortlaut (vgl. H: ρνχονς, R: sor-
dibus, Mi: αρπαγής xal άχραοίας) des kanonischen Textes ab
und weisen damit auf eine gemeinsame Grundlage, die klemen-
tinische Grundschrift, hin.
Wenn im letzten Satz Η die Ausdrücke τον ποτηρίον xal της
παροψίδος, Mt. nur den Ausdruck τον ποτηρίον bringt, während
R sie beide wegläßt, so scheint Η einen ursprünglicheren Text dar-
zustellen, der zuerst bei Mt., dann in R verkürzt worden ist;
doch kann auch das Umgekehrte der Fall sein. Jedenfalls zeigt
das Zitat eine große Verwandtschaft mit dem kanonischen
Matthäus.
No. 86. Η und R benutzen in derselben freien Weise Stellen
aus der Bergpredigt, wobei R sich nur mit dem Ausdruck proxi-
mos (statt άγαπώρτα) an den kanonischen Text annähert. Auf-
fällig ist dabei nur, daß Η und R in gleicher Weise, wie Lc.
6 27 f. 34, die Mahnung, auch die Hassenden zu lieben (vgl. Mt.
5 43 f. Lc. 6 27 f.), vor die Mahnung, den nichts Besitzenden zu
borgen (vgl. Mt. 5 42. Lc. 6 34), stellt. Das Zitat gehört dem kle-
mentinischen Redaktor an.
No. 87. Auch hier weichen Η und R in gegenseitiger Über-
einstimmung von dem synoptischen Texte darin ab, daß sie ajcb
των περάτων (a finibus) statt kx των περάτων (wie Mt. und
Lc.) lesen. Wenn Η den Zusatz xal ov πιοτενετε bezw. xal ου-
δείς πιοτενει bringt, der bei den Synoptikern fehlt, so muß auch
R ihn gelesen haben, wie die Wendung et non audiunt beweist
Auffallig ist noch, daß Η und R in der Anordnung nahe mit
Lc. 11 31. 32, dagegen im Wortlaut mit Mt. 12 41. 42 (vgl. die Wen-
dung μετά των ανδρών bei Lc. 11 31, die bei Mi sowie Η und
R fehlt) übereinstimmen. Beide gehen auf die klementinische
Grundschrift zurück; doch hat sich R durch den Zusatz in ju-
dicio dem kanonischen Text angenähert. Übrigens zeigt sich
auch sonst größte Verwandtschaft mit dem kanonischen Texte.
Xo. 88 enthält nur eine Anspielung auf die Berufung des
Simon und Andreas zum Apostelamt, wie sie Mt. 42of. Mc. 1 leff.
erzählt ist Wenn R und Η beide als verwaist und verarmt
darstellen, so scheinen sie — irrtümlich — auf die Erzählung
des Markus von der Berufung der Söhne des Zebedäus Bezug
zu nehmen, wonach diese auch ihren Vater bezw. einen reichen
III, 3. Die neoteetamentlichen Zitate in den Homilien usw. 327
Vater, der auch Lohnarbeiter hatte, verließen*. Sie, bezw. der
Verfasser des Klemensromans, kennen also das Markusevangeüum.
No. 89 ist kein Zitat, sondern eine freie Anspielung auf
Mt. 20 26-28, Mc. 9 35 f., vielleicht auch auf die Geschichte der Fuß-
waschung Joh. 13 i-u. Es gehört dem klementinischen Redaktor.
No. 90 geht mehr auf Mt. als auf Lc. zurück, bringt jedoch
die Lesart έν χαγίδι έμπεΰεΐν, die auch bei Origenes (6 mal),
Chrysostomus und Juvencus sich findet, sowie den Zusatz της
βουλής, der auch in alten Übersetzungen sowie bei Tertullian,
Cyprian und Hilarius steht ^.
No. 91 enthält nur eine Anspielung auf Mt. 5 32 und ist im
übrigen ein unkanonisches Wort von unbekannter Herkunft.
Wie bei dem Zitat No. 90, muß unentschieden bleiben, ob es
dem klementinischen oder dem Homilienredaktor zuzuschreiben ist.
Ebenso ist es fraglich, ob es überhaupt als ein Hermwort gelten
soll, wenn es nicht als ein Wort „des wahren Propheten", sondern
nur „des Propheten" eingeführt wird. Vgl. Resch, Agrapha 418.
No. 92 setzt den Text des Lukas voraus, dem auch Justin
gefolgt ist. Doch ist Η 15 ö der Ausdruck το μαφόριον eigen-
tümlich, der auch bei Justin fehlt, und beweist, daß dies Zitat
dem Homilienredaktor gehört^. Wenn die Mahnung Jesu ge-
lautet hat nach Justin: „den Leibrock oder den Mantel", nach
Η ,,zu dem Mantel noch die Kopfbedeckung", nach Lc. „zu dem
Mantel noch den Leibrock", nach Mt. „zu dem Leibrock noch
den Mantel" herzugeben, so hat sie bei Mt. eine sekundäre Fas-
sung. Welche Lesart primär ist, wird sich nicht ausmachen lassen.
Wenn Credner^ und Hilgenfeld^ in dem Ausdruck μαφόριον
einen Hinweis auf Ebionitismus finden wollen, weil nämlich nach
Η 15? die Ebioniten nur ein Kleidungsstück trugen, so haben
beide übersehen, daß sie nach derselben Stelle dieses eine Klei-
dungsstück nicht weggeben durften: γνμνον γαρ ίύτάναι ovx
ίφίεται (Η 15 ?). Ist dies aber — nach Credner und Hilgenfeld —
ebionitisches Verbot, dann kann eine Forderung, die dagegen
1) Vgl. Mc. 1 80 und Hilgenfeld a. a. 0. 339.
2) Vgl. Credner a. a. 0. 327.
3) Vgl. dazu Kapitel IV S. 370.
4) a. a. O. 308.
5) a. a. 0. 341 f.
328 Waiiz, Die PeeudoklemenÜnen.
verstieß, nicht in einem ebionitischen Buch oder Evangelium ge-
standen haben ^.
1) Nachträglich fügen wir noch einige Ausdrücke und Wendungen
hinzu, die zwar nicht als Zitate zu betrachten aind, aber Berührungen mit
dem neutestamentlichen Texte haben und daher dazu beitragen können,
das literarische Problem sowie das Verhältnis der Rlementinen zum neu-
testamentlichen Kanon aufzuhellen.
1) Η 19:
α τε ηκονσεν καΐ ^ώρακεν (sc. Bamabas).
R 17:
quae audisset a filio dei vel vidisset.
1 Joh. 1:
8 άκηκόαμβν, d kωράκaμev.
2) Η In cf. Η 7 6:
προ καταβολής κόσμου.
Eph. 14 cf. 1 Petr. I20:
προ καταβο?.ής κόσμον.
3) Η 74:
τραπέζης δαιμόνων άπεχεα^αι, νεκρας μ^ι γενεσ&αι σαρκός,
/Μ/) ψανειν αίματος, έκ παντός άπολονεσθ^αί λύματος.
R 43β:
participare daemonum mensae, hoc est immolato degustare
vel sanguinem vel morticinium, quod est sufi'ocatum, et si quid
illud est, quod daemonibus oblatum est.
1. Cor. 10 21:
Ol' ovvaoS^b τραπέζης κνρίον μετέχειν καΐ τραπέζης δαιμονίων.
Η 78:
τραπέζης δαιμόνων μ^ μεταλαμβάνειν^ λέγω δϊ εΙδωλοΘ^ν-
των, νεκρών, πνικτών, ^ριαλωτων, αίματος, μή άχαθύρτως βιοϊΎ,
Act. 15 20:
άπέχεσ^αι των άλισγημάτων των εΙδώλων κάΙ της πορνείας καΐ
τοϋ πνικτον καΐ τον αίματος.
Act. 1Γ)29:
άπέχεα^αι εΙδωλο^ί^το)ν καΐ αίματος καΐ πνικτον καΐ πορνείας.
Η 8 19:
της υμετέρας μεταλαμβάνν)ν τραπέζης η έτερον τι ών οι*
χρη έκτελών ή αίμα χέων η σαρκών νεκρών γενόμενος ή θ-ηρίον
/.ειψάνου η τμητον η πνικτον η άλλου τινός άκα9ύρτον έμηαι)Λ•
μένος.
Η 820:
προϋκννών τις δαίμονας ή Ο^νων η τραπέζης αντοΖς κοινωνών.
lllj 4. Die neutestamentlichen Zitate in den Rekognitionen. 329
4. Die neutestamentlichen Zitate In den Rekognitionen.
Wie schon mehrfach hervorgehoben, hat der Überarbeiter
bezw. Übersetzer, dessen Werk in ß vorliegt, sich bemüht, die
Η 823:
μήτε ovv είόωλοις πιστεύετε μήτε τραπέζης αντοΐς κοινωνείτε
μιαράς, /ι^/ φονενσητε.
Η Οίδ:
καΐ αντοί τονς μεταλαμβάνοντας της αυτών τραπέζης.,
έπιαπώντάι.
Η 9 23:.
ενα ονν Θ-εόν σέβειν kλόμεvoι χαΐ τραπέζης δαιμόνων άποσχόμενοι
και αωφροσννην . . . άποόεξάμενοι.
4' Η 78:
rfi« της αγνότατης βαφής άναγεννη^ήναι θ^εω δια τον σώζοντος
νδατος.
Job. 3 5:
iav μή τις γεννηθ^ ^ξ νδατος καΐ πνενματος κτλ.
Γ» . Η 7 8:
καΐ εΙς ίιφεσιν αμαρτιών βαπτισ^ήναι cf. Η 822.
Act. 2 38.
f. Η 92:
έχετε γαρ τον πάλαι κατακλνσΟ-έντος κόσμον το νπόδειγμα.
2 Petr. :J6:
ό τότε κόσμος νδατι κατακλυσθείς άπωλετο.
7 Η 10 18:
καρδιογνωστην θ-εόν.
Act. 1 24 :
καρόιογνώστα πάντων.
Act. 10 8:
ό καρόιογνωστης θεός.
8- Η 18 ι:
της έμής (== Πέτρο ν) γυναικός.
R 7 36:
praesente uxore domini mei Pctri.
1. Cor. !)5:
μη οίκ εχομεν έξονσίαν άόελφ^/ν ^Ύναΐκα περιάγειν ως καΐ οΐ λοι-
ποί απόστολοι .... καΐ Κηφάς cf. Lc. 4 38.
9 Η 136 und Η 149:
π θέλει τοντο είναι;
Act. 2 12 cf 17 20:
τ/ θέλει τοϋτο είναι.
330 Waitz, Die Pseudoklementinen.
Zitate dem kanonischen Texte möglichst anzupassen. Aber nicht
tiberall hat er die ursprüngliche Textgestalt verwischen können.
lOj Η 13 5:
τι ovv κωλνει με σήμερον βαπτια&ήναι;
Η 13 ιι:
ονδεν χωλνει aMjv βαπτιαθ^ηναι.
R 78ο:
Quid vetat hodie me baptizari.
R 786:
Quid ergo obstat, cur non baptizetur.
Act.' 8 6 cf. 1047:
τι χωλίει με βαπτω^ηναι;
11) Η 1312:
μ}} ή μας νικάτω ή κακία.
R 7 37:
ηοη DOS vincat malignue.
Rom. 12 21:
/i// νικώ υπό τον κακόν.
12) Η 13 18:
Γ?)ν όφειλομένην εννοιαν άποδίόωαιν.
1. Cor. 7 8:
T^ γν^'αικί ό άνήρ τήν όφειλαν άποδιόότω.
13) Η 14 5:
έκαστος προς α πράττει τιμής η κολάοεως τενξεται,
2. Cor. 5 10:
κομίαηται έκαστος τά δια τον σώματος προς S ^ιραξεν.
14) Η 15 2:
περί των λεγομένων σοι νπ^ ^μον άκονων καΐ κρίνων ει ταντα
ούτως έχει η ον;
Act. 17 11 :
άνακρίνοντες τας γραφάς ει ίχοι ταντα όντως*
15) Η 10 15:
εΐ ///) ήμαρτήκει ό ανΟ^ρωπος, ον εη'εκεν θάνατος παρειαϊ/λθ^ε.
Rom. 5 12 cf. Ο 23:
δι* kv^ς άΐ'Θ^ρώπον ή αμαρτία εΙς τόν κόαμον εΙοήλΒ^ε, χαΐ δια της
αμαρτίας ό ίί^άνατος.
Aulierdem berühren sich öfters im Gedanken die Aueführungen in
11 11 8 ff. besonders mit dem Römerbrief, vgl. Η 11 8 und Phil. 2 13. Η 11, lo
und Rom. S 22. 1 18. Η 11 ii und Rom. 87. I22. Η 11 ιβ und Rom. 9e, auch im
Wortlaut.
KJ) Η Uli cf. R 5 28:
εχ&ρα τις έατιν &εον iv ι)μΐν άλογος έπιΘνμία.
III, 4. Die neutestamentlicben Zitate in den Rekognitionen. 331
So gibt er uns die Möglichkeit an die Hand, das Ergebnis
unserer Untersuchung über die neutestamentlichen Zitate in Η
zu prüfen.
Auch hier nehmen wir unsern Ausgangspunkt von denjenigen
Zitaten, welche sich in R selbst mehrmals Yorfinden.
93) R 1 69:
nisi quis baptizatus fuerit in aqua sub appellatione trinae
beatudinis sicut docuit verus propheta; neque introiret
in regna coelorum.
R69:
verus propheta testatur. Amen dico vobis, nisi quis de-
nuo [rejnatus fuerit ex aqua [viva] non introibit in regna
coelorum. cf. H. 1 1 20.
Joh. 3 5:
^ίηαονς' άμην λέγω oot, έάν μη τις γεν^ηβ-^ ίξ ύδατος χάί
πνεύματος^ ον δύναται εΐύελϋ^εΐν εΙς την βαοιλείαν τον
ϋ^εον [των ονρανώς].
9^ R2 22:
pater, quem soli videre possunt hi, qui mundo sunt corde.
Rom. 87:
το φρόνημα της σαρκός ίχθ-ρα εΙς &εόν.
Eine Berührung mit Epb. 5i findet sich in der Wendung Η 1226 μιμηΗ^ν
Hvai τοϋ θ^εοϋ.
Dem klementiniechen Redaktor sind No. 1. 3. 8. 9. 10. 11. 12. 16 und
vielleicht auch No. 4. 5. 18. 14., dem Homilienredaktor No. 2. 0. 7. 15 und
vielleicht No. 4. 5. 13. 14 zuzuweisen.
Wenn bei No. 3 sich an allen Stellen (H 7 4.8. 8i9. 20. 2S. 9 15. 23]
in dem Ausdruck eine Beziehung auf 1 Cor. 10 21, dagegen nur an den drei
^nten (H 7 4. 8. 819} auch eine Beziehung auf den Beschluß des Apostel-
konzils (Act. 15 90. 29) findet, so beruht diese Differenz, wie es scheint,
<iannf, daß hier (H 7 4. 8. 8 19) der klementinische, dort jedoch der Homi-
lienredaktor das Wort führt, für den dieser Beschluß des Apostelkonzils
keine Bedeutung mehr hatte.
Im einzelnen ist zu bemerken, daß der klementinische Redaktor nach
No. 4(?) mit Ew. Job., nach No. 3. 9. 10 und 5.(?) 14(?) mit der kanonischen
Apostelgeschichte, nach No. 3. 8. 11. 12. lo(?) Und IG mit paulinischen Briefen,
oach No. 1 mit dem 1. Joh.-Brief , der Homilienredaktor nach No. 7 (und
'< U) mit der kanonischen Apostelgeschichte, nach No. 2. 15 (und 18) mit
den paulinischen Briefen bekannt zu sein scheint. Ob mit Lagarde in No.
^e Beziehung auf 2 Petr. 3 6 zu erkennen ist^ bleibt fraglich.
332 Waitz, Die Peeudoklementinen.
R2 28:
mundos quoque corde similiter beatos dicebat et per hoc
deum visuros.
R3 27:
quae (sc. coela) his solis, qui mundi [mundo] corde sunt,
videnda praeparantur.
R 3 29:
tunc 808, qui mundi sunt corde, etiam deum visuros.
R33o:
dixit: beati mundo corde, quoniara ipsi deum videbunt.
Η 17?:
ίνα ol xad-agoi rfj καρδία αντορ ΙδεΙν δννηΘ-ώύιν.
Mt. 5 8:
μακάριοι οι καϋ^αροί τ(] καρδία, οτι αντοί τον b^tbv
οψονται.
95) R2 26f.2 38:
magister tuus dixit, quia non veni pacem mittere in terram.
sed gladium.
R64:
dicebat, qui nos misit, non veni pacem mittere in terram.
sed gladium.
Η 11 19:
ο της άληϋ^εΐας προφήτης . . . ουκ ήγάχηοεν την προ^
αντον είρήνηρ . . . επιφέρει . . . όργην μαχαίρα ioucvlar.
Mt. 10 34:
οτι ήλ&ον βαλεΐν είρήνην kjtl την ^ην ονκ ηλ^ον βαλεΐν
είρηνην άλλα μάχαιραν,
96) R2 3o:
scribas et Pharisaeos ultimo doctrinae suae tempore . . .
arguens eos super actibus non bonis ... et quod clavem
scientiae, quam a Mojse traditam susceperunt, occultarent,
per quam possit janua regni coelestis aperiri.
R2 46:
quam (sc. justitiam) scribae et Pharisaei, suscepta scientiae
clave, non concluserant . . . Nam si ignorassent verum deum,
nun quam . . . culparet eos de parvis et minimis, id est quod
dilatarent fimbrias suas . . .
IIL 4. Die neutestamentlichen Zitate in den Rekognitionen. 333
Η 3 18:
ανζών (sc. γραμματέων xal Φαριοαίωρ) δε είπεν^ ώς την
κλείδα της βαΰιλεΐας πεπιοτ ευμενών, ήτις εβτΐ γνώύις^
ή μονή την πνλην της ζωής άνοίξαι δύναται . . . αλλά
ναι φηοιν χρατονοι μεν την χλείν, τοΙς Sk βονλομένοις
εΐαελ&εΐν ου παρέχονοιν,
Η 18 ιβ:
αχεχρνβαν την γνώοιν της βαοιλεΐας χαΐ οντε αυτοί
εΐοήλ&αν ούτε τοΙς βονλομένοις εΐΰελ&είν τναρεύχον.
Justin, Dial. c. Tryph. 17:
oval νμΐν, γραμματείς, οτι τάς χλείς έχετε χαΐ αντοί ονχ
εΐοερχεο&ε χάί τους εΐϋερχομένους κωλύετε,
Mt. 23 13 f.:
oval δε νμΐν, γραμματείς χαΐ Φαριύαΐοι νποκριταΐ, ότι
κλείετε την βαοιλείαν των ονρανών . . . νμεΐς γαρ ονκ
εΐοέρχεύ&ε, ονδε τονς εΐοερχομένονς άφίετε εΐοελ&εΐν.
Lc. 1] 52:
oval νμΙν τοις νομιχοΐς, ότι ήρατε την κλείδα της
γνώύεως' αντοΙ ονκ εΐύήλ&ατε καΐ τονς εΐΰερχομένονς
Ικωλύοατε.
97) R35:
ait dominus: dictum est antiquis: non moechaberis, ego
autem dico, nee in aspectum desiderio servies . . . dictum:
non moechaberis: ego autem dico, nee desiderio servies.
R737:
dominus mandatum dedit dicens: quicunque viderit mu-
lierem ad concupiscendam eam^ jam moechatus est eam
in corde suo.
Mt. 5 27 f :
. εφρε&η' ov μοιχεύοεις. ίγώ δε λέγω νμΐν, ότιπας ο βλέπων
γυναίκα χρος το Ιπι^νμηύαι ηδη έμοίχευοεν αντην iv
τη καρδία αντον,
98) R3 4i:
dicentem: quaerite primum justitiam ejus, et baec omnia
adponentur vobis.
R 220:
primum est omnium justitiam dei regnumque ejus in-
quirere cf. R 2 22.
334 Waitz, Die Pseudoklementinen,
R246:
quaerendum esse non deum . . ., sed regnum et justitiam ejus.
R3 2o:
Et ideo jussit nos quaerere justitiam boni dei regnumque
ejus et omnia, inquit, haec adjicientur vobis.
R 3,37:
dicebat magister noster, ut et justitiam ejus quaerereni.
Mt. 633:
ζητείτε όε πρώτον την βαύιλείαν χάί την διχαιοοννην
αντον,
Lc. 12 31:
πλην ζητείτε την βαοιλείαν αυτόν.
99) R349:
necesse est enim saeculo huic venire scandala; vae tameu
illi, per quem veniunt.
R 3 65:
scandala enim nunquam deerunt huic mundo, donec per-
mittitur inimico agere pro voluntate sua.
Η 12 29:
τα άγαϋ^α έλϋ^είν δεΙ, μακάριος δε φηΰί, δι ου έρχεται,
ομοίως χαΐ τα χαχα ανάγκη ΙλΒ^είν oval δε δι ον έρχεται,
Mt. 18?:
ανάγκη γάρ ίΰτιν έλ&είν τα οκάνδαλα, πλην oval τω αν-
ϋ-ρώπφ, δι ον το οκάνδαλον έρχεται cf. Lc. 17 1.
100) R52:
verus propheta nobis promisit: amen dico vobis, si habueri-
tis iidem sicut granum sinapis^ dicetis monti huic: transi
hinc, et transibit.
R534:
sed et montes vere cum arboribus suis, si necesse sit, per
fidem transfert.
Η 11 16:
δι ης πίύτεως και τα άλλα τα ορεοιν εοικοτα και βαρονντα
μεΰ-ίοτηΟιν πάΟ-η,
Mt. 1720:
αμήν γάρ ?.έγω νμίν^ εάν ^χητε πίύτιν ώς κοκχον ύινά-
πί:ως, ερπτε τω ορει τοντω' μετάβα ενθ^εν έχεΙ, χαΐ μετά-
βηοίται cf. Lc. 176.
III, 4. Die neutestamentlichen Zitate in den Rekognitionen. 335
Betrachten wir die unter No. 93 angeführten Zitate, so finden
wir zwischen R 1 69 und R 6 9 keinen wesentlichen Unterschied.
Sie beruhen auf einer Textgestalt, die eigenartig von Ev. Joh. 3 5
abweicht (vgl. oben S. 324 ff.). Sie stammen also aus einer
Schrift; es ist die des klementinischen Redaktors. Allerdings
gehört ihr R 1 69 nicht an, sondern den überarbeiteten K, Z7., 7. Buch.
Aber die letzten Kapitel dieses 7. Buches sind, wie oben S. 170
bemerkt wurde, nochmals überarbeitet worden, weil sie zu einer
andern (R 2 beginnenden) Quellenschrift überführen sollten. Das
beweisen weniger die dogmatischen Zusätze in R 1β9, die zweifellos
eine noch viel spätere Zutat sind (s. u. S. 370). nolite putare duos
ingenitos dicere deos aut unum divisum esse in duos; vel, sicut
impii dicunt, eundem masculum et feminam sui effectum; sed
filium dei unigenitum dicimus, non ex alio initio, sed ex ipso inef-
fabiliter natum. similiter enim de paracleto dicimus. Darauf
deutet vielmehr die Wiederaufnahme des verlorenen Fadens am
Ende des Kapitels sed et de baptismate, cimi aliquanta
dixisset etc. Dem klementinischen Redaktor ist darum das an
Job. 3 5 anspielende Zitat zuzuweisen.
Die unter No. 94 angeführten Parallelen stimmen ebenfalls
im wesentlichen untereinander, sowie auch mit Mt. 5 8 überein.
Ein eigentliches Zitat bietet nur R 3 30, während die übrigen
Stellen das Herrnwort frei wiedergeben. Liest man hier statt
mundo corde — welche Variante auch R 3 27 durch cod. Carm.
P. R., sowie R 222 gegeben ist — wie R 2 28, 827, 829 cf. Η 17 7
mundi corde, so ergibt sich völlige Kongruenz mit Mt. 5 8. Dieser
Sachverhalt läßt vermuten, daß alle diese Zitate einer Schrift
angehören. Als solche haben wir aber gerade in R 2 22. 28, 3 27. 29,
Η 17 7 die K. 27. gefunden (s. 0. S. 100— 110)^
Die No. 98 verzeichneten Zitate bezw. Anspielungen auf
Herrnworte stimmen ebenfalls im wesentlichen untereinander, so-
wie mit einigen Abweichungen mit Mt. 633 überein: sie haben
samt und sonders den gegenüber Lukas 12 31 und Justin^ charak-
teristischen Zusatz von der justitia {διχαωοννη) und zwar R 2 46
dem Ausdruck regnum nachgestellt; 220, 3:io ihm vorangestellt;
ß222, 3 37.41 ohne ihn. Auch dies weist auf einen gemeinsamen
1) Vgl. meinen Aufsatz ,,Eine Parallele zu den Seligpreisungen" in
Ztschr. f. n. t W. IV. 1903. 335 if.
2) Vgl. Preuschen, Antilegomena 28.
\
336 Waitz, Die Paeudoklementinen.
Ursprung hin. Wir finden ihn in den K, 2Z, denen, wie o. S llOflf.
gezeigt ist, wenigstens die Kapitel, in deren Zusammenhang die
Zitate (R 2 20. 22) stehen, zuzuweisen sind. Nur R 2 46 stimmt
völlig mit dem kanonischen Text tiberein: es gehört dem Re-
daktor an.
Die No. 99 angeführten Zitate aus RiUo und 3 65 weichen
insofern von Mt. 18? und Η 12 29 charakteristisch ab, als beide
den Zusatz τοντω τω αΐώνι (saeculo huic; huic mundo) in
dem von ihnen benutzten Text gelesen haben müssen. Dieses
gemeinsame Merkmal beweist — die Differenz zwischen R 3 49
und R 3 65 beruht nur darauf, daß R 3 65 kein Zitat, sondern freie
Wiedergabe ist den — gemeinsamen Ursprung beider Stellen, sowie
ihre Unabhängigkeit von H. Beide gehören, wie oben S. 177 f.
179 flF. gezeigt, den 27. 27. an. Zu dem Homilienzitafc vgl. Resch,
Agrapha 101, 152, 279 f.
Das Zitat Mt. 17 20 (s. No. JOO) wird in R 52 wörtlich, in
R 5 31 frei wiedergegeben, beidemal jedoch im Wortlaut und
Sinn übereinstimmend. Da sich für R 52 in Η keine Parallele
findet, wird es dem Redaktor von R zuzuweisen sein. R 5 34 cf.
Η 11 16 gehört dem klementinischen Redaktor an. S. o. S. 324.
Die No. 96 angegebenen Parallelen sind keine eigentlichen
Zitate, gehen aber auf einen gemeinsam benutzten Text zurück,
der von dem kanonischen abAveicht. Der Schlüssel der Erkenntnis
(clavis scientiae χλείς της γνώοεως^ auch Η I816 genannt) weist
auf Lc. 1 1 52. Da jedoch nach R 2 30 das Jesuswort hierüber
ultimo doctrinae suae tempore gesprochen worden ist, kann nur
ein Text, wie Mt. 23, als Vorlage l)etrachtet werden, mit dem
R 2 30. 46, Η 3 18 auch insofern tibereinstimmen, als hier die
Schriftgelehrten und Pharisäer, wie Matthäus, ausdrücklich erwähnt
werden. Nun weichen aber von Matthäus R 2 30 und R 2 46 darin
miteinander ab, daß danach die Schriftgelehrten und Pharisäer
den Schlüssel der Erkenntnis (von Moses) überliefert erhielten;
R 230 und Η I816 darin, daß sie ihn (dem Volk) verheimlichten;
R 2 30 und Η 3 18 darin, daß man mit diesem Schlüssel die Tür
des Lebens (oder R2 3o des himmlischen Reiches) öfihen kann;
Η 3 18 und Η 18 16 in der Wendung τοις βουλομένοις elöekOstp
ov jraQtxovöip (bezw. παρέαχον), wofür Mt. 23 u τους ερχόμε-
νους άφ^τε είύελθ^εΐν und Lc. 12 52 τους ερχόμενους έχωλύ-
οατε steht. Diese gemeinsamen Abweichungen von dem Matthäus-
III, 4. Die neutestamentlichen Zitate in den Rekognitionen. 337
text legen wiederum die Vermutung nahe, daß sämtliche Zitate
auf einen Autor zurückgehen, der einen mit Mt. teils tiberein-
stimmenden, teils differierenden Evangelientext kannte und be-
nutzte. Dieser kann aber, wie oben S. 110. 117 gezeigt worden ist,
in R 2 30. 46, Η 3 18 kein anderer als der Verfasser der Κ Π, sein.
In Η 18 16 aber haben wir den antimarcionitischen Bearbeiter
der K, Π, gefunden, der sich hier z. T. an seine Vorlage gehalten,
aber auch, wie ein Vergleich von Η 3 18 und 18 16 mit Mt. 23
zeigt, z. T. von ihr abgewichen ist, um sich Mt. 23 anzunähern.
Justin ^ bietet eine Textgestalt, die sich wesentlich mit Lc. 1 1 52
deckt.
Es bleiben noch die unter 95 und 97 angeführten Stellen
zur Besprechung übrig. R 35 bringt das Wort Jesu zum sechsten
Gebot zweimal, das eine Mal mit den Zusätzen antiquis und in
aspectum; aber auch, ja gerade in dieser Fassung weicht es vom
kanonischen Text ab, während R 7 37 fast wörtlich damit über-
einstimmt R 35 gehört zu K, /7., R 73? zu der klementinischen
Grundschrift oder wahrscheinlicher zur Redaktion von R.
R 226 cf 228 und R G4 führen das Hermwort wie Mt. 10 34
an, indem sie nur die Worte ovx ί/λϋ^ον χτλ, nicht wiederholen.
Alle 3 Stellen könnten danach auf eine gemeinsame Quelle zurück-
gehen, die von Mt. 10 34 abweicht. Das gilt auch von R 2 26 und
28, welche K. 27. angehören. R ()4 dagegen (cf. Η 11 1») steht in
der Schrift des klementinischen Redaktors. Das beweist auch die
Fortsetzung dieses Zitates:
101) R2 28:
et ex hocvidebitis separari patrem a filio, filium apatre,
virum ab uxore et uxorem a viro et matrem a filia
et filiam a matre, fratrem a fratre, socrum a nuru,
amicum ab amico.
R2 29:
indixit, quia ex hoc videbitis separari filium a patre
et virum ab uxore et filiam a matre et fratrem
a fratre et nurum a socru, et inimici hominis domes-
tici ejus.
1) Vgl. Preuschen a. a. 0. 31.
'I'exte u. üntersachungen. N. F. X, 4. 22
338 Waitz, Die Pseudoklementinen.
R2 32:
ais eum dixisse, quia ipse miserit gladium, ut separaret eos,
qui in domo sunt, ita ut dividatur filius a patre et filia a
matre et f rater a fratre, ut, si fuerint in una domo quinque,
dividantur tres adversum duos et duo adversum tres•
R64:
necesse est, ut . . . filius a parentibus separetur incredolis,
aut rursum pater separetur a filio aut filia a raatre,
cf. Η 11 19:
νιος . . . άπει&ονς έχωρίζετο ϋτατρος ί} χάί πατήρ τέχνον,
η τεκοναα ϋ^νγατρος η ϋ^υγάτηρ μητρός xalj άπαξα^τλώ,ζ
ανγγερείς ονγγενώρ χάί φίλοι οννηΒ^ων,
Mt. Κ) 35. 36:
ί/λϋ-ον γαρ διχάοαι ανϋ'ρωοτον χατα του χατρος αντον
χαΐ θυγατέρα χατα της μητρός αυτής χαΐ ιηίμφτ^ν χατιΐ
της πενΟ^εράς αυτόν και έχϋ^ρο) τον άνϋ^ρώπον οί οΙ-
χιαχοί αντον.
Lc. 12 52. 53:
εύονται γαρ ctjco τον ννν πέντε kv ενί οϊχφ διαμερι-
ομένοι, τρεις έπΙ (^νοϊ χαΐ δυο έπΙτριοίν. διαμεριοϋ^ηοορται
πατήρ Ιπ\ νΐω χάί νιος ΙπΙ πατρί, μήτηρ έπΙ την
ΰΛ)γατέρα χάι θ^νγάτηρ έπΙ την μητέρα, πενθ^ερα kπ\ zijr
ννμφην χάί ννμφη έπΙ την πενϋ^εράν.
Vergleicht man zunächst die zu Ε, 27. gehörigen Stellen
R 2 28. 29. 32 untereinander und im Unterschied von den dem
klementinischen Redaktor zuzuschreibenden Stellen R 64 (H 11 19)
sowie Mt. lOriöf. und Lc. 12 52. 53, so findet man auffallige Über-
einstimmung bezw. Abweichung von den übrigen Texten. In
R 2 28 und 29 wird das Herrnwort von dem Frieden und Schwert
ebenso wie Mt. J0:i5. 36 und abweichend von Lc. 12 b2 mit dem
anderen Herrnwort von der Zwietracht unter den Hausgenossen
verbunden, aber wiederum abweichend von dem Matthäustext,
indem nämlich hier die Kopula et ex hoc videbitis hinzugesetzt
wird. Man könnte versucht sein, diesen Zusatz für eine freie
Erfindung des Autors zu halten, da R 2 32 dieser Zusatz fehlt
Aber hier gibt er ofi'enbar den Text nur frei wieder, indem er
das AVort vom Frieden nicht erwähnt, dagegen den Zusatz macht:
ut separaret eos qui in domo sunt (vgL Lc 12 62). R. 2 29 wird
III, 4. Die neutestamentlichen Zitate in den Rekognitionen. 339
dagegen das Wort ausdrücklich mit der Formel eingeleitet: «in-
dixit"^. Daher muß die Kopula et ex hoc videbitis im Sinne des
Autors als ein authentisches Wort Jesu angesehen werden. Dazu
bringen aber auch R 2 28. 2-29 und 232, wiederum übereinstimmend
und abweichend von R64 (H 11 19) sowie dem Matthäus- und
Lukastext, in dem Herrn wort selbst den Zusatz: fratrem a fratre;
außerdem R 2 28 und 2 29 noch den Zusatz virum ab uxore, während
R 2 28 noch hinzusetzt et uxorem a viro. Allerdings bestehen auch
zwischen R 2 28. 29. 32 Differenzen im einzelnen. R 2 29 verzichtet
auf den Parallelismus der einzelnen Satzglieder und lehnt sich
am Schluß an Mt. 10 35 an, während R2 28 diesen Satz (xal Ιχ-
ϋ^ροί του avd-QmJtov οί οίκιαχοί αντοϋ) so bietet, daß er nun
parallel zu der vorhergehenden Ausführung lautet: amicum ab
amico, wie es auch Η 11 19 heißt: xal aJta^ajcXog ονγγενεΤς ουγγε-
νών xal φίλοι ονρήϋ•ων. R 2 32 dagegen schließt sich zuletzt
Lc. lü 52 an. Sehen wir aber von R 2 32 ab, weil hier kein eigent-
liches Zitat vorliegt und so dem Redaktor Gelegenheit gegeben
war, aus seiner Schriftkenntnis einiges — so Lc. 10 52 — hinzuzu-
fügen, so finden wir die übrigbleibenden Differenzen zwischen R
228. 29 zu gering gegenüber ihren charakteristischen Übereinstim-
mungen, als daß wir nicht für diese Stellen in R 2 im Unter-
schied von R64 bezw. Mt. lOnnf. cf Lc. 12 52 f. eine eigenartige
Rezension eines Hermwortes annehmen müßten. Wir werden
daher auch in dem Herrn wort von dem Schwert und Frieden in
R 226 und 28 eine solche eigenartige Rezension im Unterschied
von Mt 10 34 annehmen. Wenn R 64 die bei Matthäus wieder-
holten Worte ovx ηλϋ-ορ βαλεΐν εΐοηνην ebenso wie R 2 26. 28
ausläßt, so beruht dies entweder auf leicht erklärlichem Zufall
oder auf der Benutzung eines Evangelientextes, der noch nicht
wie der kanonische diese Wiederholung hatte.
So finden wir durch sämtliche Stellen, wo R dieselben
Zitate bringt, die auf anderem Wege gefundenen Ergebnisse
unserer Quellenkritik der Klementinen bestätigt.
Gehen wir nun zu den übrigen neutestamentlichen Zitaten in
Κ über, so scheiden wir alle die aus, welche bereits bei der Unter-
suchung der Homilienzitate behandelt worden sind. Auch hier
betrachten wir zunächst diejenigen Zitate bezw. Anspielungen
auf neutestamentliche Schriftworte, welche sich in den A'. Π. da
finden, wo keine marcionitische Polemik vorliegt:
00 ♦
ä
340 Waitz, Die Paeudoklementinen.
102) R l4o:
non solum non credidit (sc. populus), sed addidit infideli-
tatis blasphemiam, voracem hominem et ventri servientem
ac daemone agi eum (sc. Christum).
Mt 11 18 cf. Lc. 7 33 f.:
ηλθ^εν γαρ ^Ιωάννης . . χαϊ λέγονΟιν όαιμόνίον έχει (sc.
Johannes), 7]λϋ^εν ο νΙος τον ανΟ^ρώπον έο&ίων χάί jcivwv
χάί λέγονύίΡ' Ιδον ανϋ-ρωος φάγος χάί οίνοχοτης ....
103) Rl4o:
η OS ergo primos elegit duodecim sibi credentes, qiios apo-
stolos nominavit.
Mt. 10 1-2:
xal προοχαλεοάμενος τους δώδεχα μαϋ^ητας αντον Ιδω-
χεν έξονοίαρ . . των δε δώδεχα άπούτόλων τα ονό-
ματα ίύτιν ταντα ....
Lc. 9ι; cf. Mc. 6?:
ΰννχαλεοάμενος δε τους δώδεχα . , . ατιέύτειλεν αν-
τους ....
104) Rl4o:
postmodum alios septuaginta duo probatissimos discipulos,
ut vel hoc modo recognita imagine Moysis crederet mul-
titudo.
Lc. 10 1:
μετά δε ταύτα άνέδειξεν ο χνριος χαϊ ετέρους εβδομήχοντα
(cod. BD add. δύο) xal άπεβτειλεν αυτούς . .
105) Rl4i:
ab impiis actus est in crucem . . . deuique cum pateretur,
omnis ei compassus est mundus; nam et sol obscuratus est,
montesque disrupti et sepulcra patefacta sunt; velum templi
scissum est velut lamentans excidium loco imminens.
Mt. 27 27if.:
τότε οί οτρατιώται . . . si άπήγαγον αντον εΙς το οταυ-
ρώΰαι ... 45 ύχότος έγενετο . . . 5ΐ χάΙ Ιδού το χατα-
πέταομα του ναού εοχίοΟτ} ανωϋ^εν ?ως χάτω εΙς δύο xcii
t] γη εοείύϋ^η χαΐ αΐ πέτραι Ιοχίοϋ^ηύαν χαϊ τα μνημεία
ανεώχΟ-ηοαν.
III, 4. Die neuteatamentlichen Zitate in den Rekognitionen. 34 χ
106) R 1 42:
Interim cum passus esset ab hora sexta usque ad nonam
mundum tenebrae pressissent, sole reducto ... regressi sunt,
uam quidam eorum cum omni custodia servantes locum,
quem non potuere resurgentem tenere, magum dicebant,
alii finxerunt furiatum.
Mt. 2745:
ajti) δε ϊχτης ώρας ύχότος έγένετο ijti jtäoav την γην
ϊως ώρας Ινάτης.
Mt. 2Sii:
Ιδον τίνες της χονύτωδίας . . ανήγγειλαν . . . λέγοντες . .
13 εϊπατε οτι οί μαϋ^ηταΐ αντον νυκτός έλϋ-όντες έκλε-
ψαν αυτόν,
Lc. 23 44 f.:
οκότος έγένετο . . 45 του ηλίου έκλυιόντος' ίοχίΰϋ^η δε
το καταπεταομα του ναού μέοον . . .
Petrus-Ev.
V 15: ην δε μεοημβρία καΐ οκότος κατέΰχε . . , καΐ ήγωνίων
μη ποτ ε ο ήλιος εδυ 2ο καΐ αύτη ς της ώρας διεράγη
το καταπέταομα του ναον της ^ΙερουΟαλήμ εις δύο VI 2ΐ
κα\ ή γη Jtäoa ίοείαϋ^η ... 22 τότε ήλιος έλαμψε και
εύρέθ•η ωρα ένατη.
107) R2 27 (2 29):
quod autem dixerit: beati pacifici, quoniam ipsi filii dei
vocabuntur.
Mt. 59:
μακάριοι οί εΙρηνοποιοί, ότι υΙοΙ ϋ^εον κληϋ^ήοονται,
10S) R227:
dixit, quia sufficit discipulo ut sit sicut magister ejus.
Mt. 10 25!
άρκετον τω μαϋ^ητη, ίνα γένηται ως ο διδάοκαλος αύτου,
109) R228:
pauperes beatificabat eosque pro penuriae tolerantia adep-
turos esse poUicebatur regna coelorum.
Η 15 iü:
πλην διδάοκαλος ημών πιύτους πένητας Ιμακάριύεν κάί
αυτούς ούχ ως παρεύχηκότας τι — ούδϊ γαρ είχον — αλλ
342 Waitz, Die Peeadoklementinen.
ort μηόεν άμαρτάνοντες kjtl μονω τω την Ιλεημοούνην
μη χοΐΒΐν όια το μη εχειν χαταδιχαοθ^ηναι ονχ εχονοιν.
Mt 53:
μακάριοι οΐ πτωχοί τω πνενματι, οτι αντών έοτιν η
βαοιλεία των ουρανών,
Lc 6 20:
μακάριοι οΐ πτωχοί, ότι υμετέρα έοτιν η βαοιλεία του
ϋ^εοϋ.
110) R2 28:
sed et esurientes et sitientes aetemis bonis justitiae sa-
turandos esse promisit
Mt. 5 6 :
μακάριοι ol πεινώντες καΐ διψώντες την διχαιοούνην,
οτι αυτοϊ χορταοϋ^ήαονται,
Lc. 621:
μακάριοι οι πεινώντες νυν, οτι χορταύ&ηύεοθ-ε,
111) R2 28:
mundos quoque corde similiter beatos dicebat et per hoc
deum visuros.
cf. Η 17?:
ϊνα ol καϋ^αροί τ(] καρδία αυτόν ΙδεΙν δυνηϋ^ώοιν,
Mt. 5 8 :
μακάριοι οί καϋ^αροί τη καρδία, ότι αυτοί τον ϋ^εον
οψονται.
112) R2 2»:
e contrario eos, qui in divitiis ac luxuria versabantur, luge-
bat, qui nihil pauperibus largiebantur, arguens eos rationem
reddituros, quia proximos suos, quos diligere sicut seipsos
debuerant, ne in egestate quidem positos miserati sunt
Mt. J 9 21 ff.:
ϊφΐ} αυτώ 6 '/ήθους' εΐ Θ^έλεις τέλειος είναι, υπάγε, χωλή-
οόν 6ου τα υπάρχοντα και δος πτωχοίς χαΐ ^ξεις ^ζ/-
οαυρον Ιν ουρανώ, και δεΰρο άχολού&ει μοι. άχονοας
δε ο νεανίύκος άπηλ^εν λυπούμενος' 7}v γαρ ίχων κτή-
ματα πολλά.
III, 4. Die neatestamentlichen Zitate in den Rekognitionen. 343
Mc. 10 2oif.:
ο de βφη αντώ ' öiöaoxaXSy ταντα πάντα έφυλαξάμην έχ
νεοτήτος μον. ό δΐ ^Ιηοονς ίμβλέψας αντώ ηγάπηοεν
αντορ χαΐ eljitv αντώ' %ν 6ε νύτερεί' νπαγε, όϋα εχει^
πώληοον χα\ δος τοις πτωχοίς, χαΐ ϊξεις ϋ^ηοανρορ ίν
ονρανφ, χαΐ δενρο άχολονθ•ει μοι, 6 δε οτνγνάοας ijtl τω
λόγω άπηλϋ^εν λνπονμενος' ην γαρ Ιχων χτήματα πολλά,
Lc. I8 2iff.:
23 Ό δϊ άχούύας ταντα . περίλνπος έγενήϋ-η' ην γαρ
πλονοιος οφόδρα,
113) R2 3i:
omne enim regnum in semetipsum divisum non stabit.
R2 32:
ais enim dixisse eum: omne regnum vel omnis civitas
divisa in semetipsa non stabit. cf. R 3 60.
Η 192:
εΐ ό αατανας τον ααταναν έχβάλλει, έφ* εαντον έμερίοϋ^η'
πώς ονν αντον οτήχη {οτήχβι) η βαΟίλεία;
Mt. 1225:
πάοα βαοιλεία μεριύϋ^είοα xad^ εαντης έρημονται χαΐ
παΟα πόλις η οΐχία μεριύθ-εΐύα xad^ εαντης ον οταθ^ήοεται,
Mc. 324:
χαΐ ίαν βαοιλεία ίφ Ιαντην μεριύϋ^η, ον δύναται οτα-
ϋ^ήναι ή βαοιλεία έχείνη,
Lc. 11 17:
πάοα βαοιλεία διαμεριο^εΐοα έφ^ ίαντην Ιρημονται χαΐ
οίχος ίπΐ οίχον πίπτει,
114) R33o:
Ex resurrectione autera mortuorum cum facti fuerint sicut
angeli yidere poterunt deum.
Mt. 22 30:
kv γαρ τ(ι άναΟτάοει οντε γαμονοιν οντε γαμίζονται, αλλ'
ώς άγγελοι ^εον ίν τω ονρανώ είοιν,
Lc. 20 35:
οΐ δε χαταξιωϋ^εντες τον αιώνος ΙχεΙνον τνχείν χαΐ της
άναύτάϋεως της εχ νεχρών οντε γαμονοιν οντε γαμί-
ζονται, Ιοάγγελοι γάρ εΐύΐν.
344 Waitz, Die Pseudoklementinen.
115) R3 6o:
et propterea dominus praedixit: in Doyissimis temporibus
tentationem futuram talem, in qua decipiantur, si fieri
potest, etiam electi.
Mt. 24 24:
xal δωΰονοιν οημεΐα μεγάλα xal τέρατα, €ϋύτε πλάνη-
d^rjvat, εΐ δυνατόν, χαΐ τους εκλεχτούς cf. Mc 1323.
Justin Dial. c. Tryph. 35:
xal πολλούς των πιοτών πλανήύονοιν cf. Dial. 82.
Obwohl der Bearbeiter von R das Bestreben hat, sich dem
kanonischen Text anzunähern, trifft dies für verhältnismäßig nur
wenige der angeführten Zitate zu. Allerdings, die No. 107. 108.
111 augeführten Herrn worte stimmen fast völlig und die No. 113.
angeführten nur mit unwesentlichen Abweichungen mit dem
kanonischen Text überein, obwohl für No. 107 der auch R 2 29
wiederholte Zusatz ipsi, für No. 108 der Zusatz quia und für
No. 113 die Verkürzung eine von dem kanonischen Text ab-
weichende Rezension vermuten läßt. Daß aber gerade hier in
dem Kapitel R 2 27-32 der Redaktor tätig war, läßt sich aus dem
vorliegenden Text noch deutlich erkennen. Wie aus der ver-
schiedenen Zitierung von Mt. 10 35 in R228 und in R64 nach-
gewiesen worden ist, stand ursprünglich in dem zu K, Π, ge-
hörigen Kapitel R 2 28 ein Text, der von dem in R 6 4 erhaltenen,
dem kanonischen nahe verwandten wesentlich dift'erierte, der aber
wenige Kapitel danach (R232), zum Teil wenigstens, von dem
Redaktor an den kanonischen Lukastext angenähert worden ist.
Nun können wir noch an einer anderen Stelle den Redaktor bei
derselben Manipulation beobachten. R 2 31 bringt das Herrnwort
von dem Reich, das, in sich geteilt, nicht bestehen kann,
(cf. Mt. 12 25, Lc. 11 17, Mc. 324) in der einfachen Gestalt, die sich
am meisten dem Markustext annähert, R 2 32 dagegen in der er-
weiterten Gestalt, wie sie bei Matthäus und Lukas vorliegt. Ver-
gleichen wir damit, wie dasselbe Zitat in Η 19 2, einem Kapitel,
das den überarbeiteten Κ /7. entnommen ist (s. o. S. 106. 307),
angeführt ist, so erkennen wir, daß die in R 2 31 vorliegende Text-
gestalt sich am meisten der in Η 19 2 annähert. Sie wird also
als die ursprünglichere anzusehen sein, während die in R 2 32
vorliegende Anpassung an den kanonischen Text dem Redaktor
TU, 4. Die neuteetamentlichen Zitate in den Rekognitionen. 345
(R) zur Last zu legen ist. Aogesichts dieser Wahrnehmung wird
man vermuten dürfen, daß der Redaktor gerade in diesem Ab-
schnitt auch sonst an seiner Vorlage geändert oder von sich
aus weitere Zitate (s. o. S. 338 f.) hinzugetan hat. Bringen wir
dies in Abzug, so finden wir — abgesehen von den oben in
ihrer von dem kanonischen Text abweichenden Eigentümlich-
keit charakterisierten Zitaten R 2 28 cf. Mt. 10 85 f., und R 2 3i
(H 192) cf. Mc. 3 24 — in diesem von R überarbeiteten Abschnitt
noch andere, welche uns ebenfalls die ältere Grundlage erkennen
lassen. Es sind die unter No. 109 und HO angeführten Herrn-
worte. R 2 28 bringt die Seligpreisung von den Armen ohne
den für Mt. 5 3 eigentümlichen Zusatz {τω πνενματι)^ indem es
sie — ebenso wie auch Η 15 10 — auf die leiblich Armen be-
zieht Will man deshalb das Zitat R 2 28 lieber auf die lukani-
sche Rezension beziehen (Lc. 620 vgl. auch Lc. 624.25), so wird
man doch nicht den Lukastext als Vorlage ansehen können. Denn
abgesehen davon, daß R 2 28 ebenso wie Mt. 5 3 (17 βαοιλεία των
ουρανών) und abweichend von Lc. 6 20 [η βαοιλεία του d-tov)
von regna coelorum redet, so beweist der ganze Kontext, insbe-
sondere die gleich darauf folgende Anführung der Seligpreisung
Mt. 5 6, die bei Lukas anders lautet, und der Seligpreisung Mt. 58,
die bei Lukas überhaupt nicht steht, daß ein nicht mit Lukas,
sondern mit Matthäus verwandter Evangelientext benutzt worden
ist. Wenn dann R 2 28 die Hungernden und Dürstenden selig
preist, weil sie mit den ewigen Gütern der Gerechtigkeit gesättigt
werden sollen, so weicht dies Zitat wiederum im Sinne durch-
aus von dem kanonischen Matthäustext ab, indem es, wie der
folgende Zusatz ut egestatem tolerabiliter ferentes nihil pro hac
injusti operis molirentur erhärtet, das Hungern und Dürsten im
leiblichen Sinne auffaßt und die Gerechtigkeit zu dem Nachsatz
zieht, also etwa gelautet haben muß μαχά(*ωι οί πεινώντες xca
δίψώντες^ ότι τ^ oixatoovvi] χορταοΰ-ήοονται ^.
Was unter No. 112 angeführt Λvorden ist, kann, da es nur
eine ganz allgemeine Anspielung auf Stellen, wie z. B. die Ge-
schichte von dem reichen Jüngling, enthält, in der ebenso wie
R 229 das Gebot der Nächstenliebe ausdrücklich genannt ist
(cf. Mt. 19 i6ff.), nicht weiter in Betracht kommen. Ein eigentüm-
1) Vgl. S. 335 Anm. 1.
346 AVaitz, Die Pseudoklementinen.
lieber Gedanke liegt jedoch auch hier vor, wenn es heißt, daß
Jesus die Reichen betrauerte (lugebat). Beruht dies auf einer
eigenartigen Tradition, die an die Erzählung anknüpft, daß
Jesus den reichen Jüngling liebte (Mc. 10 21), oder auf einer Ver-
wechselung mit der Notiz, daß der reiche Jüngling betrübt hin-
wegging? Jedenfalls liegt auch hier ein £vangelientext zu-
grunde, der von dem synoptischen im einzelnen abweicht. Er-
kennen wir also in dem ganzen Abschnitt R 2 27-32 durch die
Uberpinselung des Redaktors doch noch deutlich die ältere
Grundlage {K, Π.) mit ihrem dem kanonischen Matthäus ver-
wandten Evangelientext, so finden wir sie fast unüberarbeitet in
den unter No. 102. 103. 104. 105. 106 angefahrten Abschnitten
aus der evangelischen Geschichte. Es sind keine Zitate, sie be-
ruhen aber auf einer Darstellung der Geschichte, wie sie in
unsern Synoptikern enthalten ist. Wenn Christus R 1 4o nicht
nur ähnlich wie Mt. 11 18 (cf. Lc. Tas) ein vorax homo et ventri
serviens {φάγος xal οίνοχοτης), sondern auch ein Dämonischer
genannt wird (daemone agi), so erklärt sich letztere Bezeich-
nung durch eine Vertauschung der Personen: was die Leute
nach Mt. J 1 ih von Johannes sagten, sagen sie nach R 1 40 von
Jesus. Es scheint so, als ob R 1 40 frei und fehlerhaft nach dem
Gedächtnis zitiere.
Die Erzählung von der Auswahl der 12 Apostel (R 1 40) und
der 72 Jünger schließt sich frei an die Darstellung des Lukas
an, der allein in Lc. 10 1 die Geschichte von den 72 Jüngern
berichtet. Wenn übrigens in R I40 beide Aussendungen im-
mittelbar hintereinander erzählt werden und zwar so, daß sie
schriftstellerisch aufs engste verbunden sind (nos ergo primos
elegit . , . postmodum alios), während sie bei Lukas durch anders-
artige Erzählungen unterbrochen sind , so scheint in R 1 40 eine
evangelische Überlieferung bewahrt zu sein, die gegenüber Lukas
als ursprünglicher gelten darf. Das deuten uns auch die Synop-
tiker an. Denn wenn Lukas die Instruktion für die Missionsreisen
der J ünjjfer an die Geschichte von der Aussendung der 70 bezw. 72
anknüpft (Lc lOs-12), während Matthäus (10 9-15) und Markus
(Gh-u) sie mit der Aussendung der 12 Apostel verbindet, so hat
er nur zerrissen, was ursprünglich verbunden war. Das zeigt
Lukas selbst. Sowohl der Übergang ματα ταύτα als auch der
Ausdruck xcd ίτί{ίονς in Lc. 10 gewinnt das richtige Verstand-
III, 4. Die neutestamentlichen Zitate in den Rekognitionen. 347
nis, wenn diesem Satz der Bericht von der Aussendung der
12 Jünger vorangegangen ist. Jedenfalls ist es nicht der ka-
nonische Lukas, sondern eine außerkanonische Überlieferung
die Grundlage der evangelischen Berichte in ß 1 4o, d. h. in
den K.n.^
Die Abschnitte aus der Leidensgeschichte, die unter No. 105
und 106 angeführt sind (Rl 41.42), oflfenbaren denselben Sach-
verhalt. Sie sind nicht direkte Wiedergabe, sondern eine freie
Nacherzählung mit erbaulicher Tendenz. Immerhin beruhen sie
wie die vorhandenen Übereinstimmungen mit der kanonischen
Leidensgeschichte in der Anordnung des Erzählungsstoffs und
im Wortlaut beweisen, auf einer schriftlichen Überlieferung.
Diese ist unter den Synoptikern am nächsten mit Matthäus ver-
wandt, wo allein die Notiz von den geöffneten Gräbern sich
findet. Doch fehlt die ausdrückliche Erwähnung der Sonne in
R 1 41 (sol obscuratus est) und R 1 42 (sole reducto) bei Matthäus
nnd findet sich bei Lukas (Lc. 23 45 τον ηλίου ίχλίπόντος). So
ftLhrt uns auch diese Bemerkung auf eine außerkanonische
Grandlage. Darauf weist auch der Vergleich mit dem Petrus-
evangelium, wo ebenfalls ausdrücklich erwähnt wird, daß die
Sonne um die neunte Stunde wieder schien. Der in R 1 12
I K. 27.) vorliegenden evangelischen Überlieferung ist die Bemer-
kung am Anfang: ab impiis actus est ad criicem sowie am
Schluß magum dicebant, alii finxerunt furiatum eigentümlich.
Liegt in der ersten Bemerkung eine Verwechselung damit, daß
er zusammen mit Übeltätern zur Kreuzigung geführt wurde:
ηγορτο δε χάί ΐτεροι δυο κακούργοι ονν αντφ άναιρεϋ^ηναι
(Lc 2332)? Liegt in der letzten Bemerkung eine Erinnerung an
die Bede der Pharisäer vor Pilatus: κάί εοται ?) ίβχάτη πλάνη
χειρών της πρώτης (Mt. 27 64)?
Es erübrigt noch ein Wort über die zuletzt (Νυ. 1J4. 115)
angeführten Zitate aus R 3 30. eo.
R 3 30 ist kein Zitat, sondern eine Vermischung aus zwei
verschiedenen Herrnworten, die in Mt. 5 8 und 22 30 (cf. Lc. 2U 35)
ihre Parallele haben. Es läßt sich daher auch keine weitere
Folgerang daraus ziehen.
R Beo will ein förmliches Zitat sein und hat im zweiten
1) Vgl. dazu S. 298 f.
348 Waitz, Die Päeudoklementinen.
Teile eine völlige Parallele zu Mt. 24 24, während es im ersten
Teile einen völlig andersartigen Text bietet. —
Betrachten wir nun diejenigen Stellen, welche der Bearbeitung
der K, Π, angehören, so finden wir in den antimarcionitischen
Partien, abgesehen von den bereits bei den Homilienzitaten be-
sprochenen Zitaten, nur ein einziges, das hier in Frage kommt.
116) R248:
Revelat autem filius patrem his, qui ita honorificant filium,
sicut honorificant patrem.
Joh. δ 23:
. . . ίνα JtavTsq τιμώύΐ τον vlov χαϋ-ώς τιμώοι τον πα-
τέρα . .
Knüpft der erste Teil dieses Wortes an das in R 2 4? f. ausge-
legte Herrn wort Mt. 11 27 an, so ist der zweite Teil eine genaue
Wiedergabe von Joh. 523; und es fragt sich, ob hier ein Zitat
vorliegt, das bereits in der Grundschrift enthalten, also aus den
antimarcionitisch bearbeiteten K, Π, tibemomraen, oder das von
dem Bearbeiter der R hinzugefügt ist. Nun ist es auffallig, daß
in den Parallelen zu R in H, wo dies Herrn wort Mt. 11 27 aus-
führlich besprochen wird, nirgends ein Zusatz aus dem Johannes-
evangelium gemacht wird (cf. Η 174. 184. 7. ΐδ) und daß in R 24^
dieses Johanneszitat erst ganz am £nde der Auseinandersetzung
über Mt 11 27 steht. Dazu kommt aber weiter, daß sich gerade
kurz vorher der Redaktor von R bemerkbar macht, indem er näm-
lich dem Sohne Gottes das Prädikat gibt qui ab initio et semper
cum patre fuit. Dieser Zusatz verrät, daß das Johanneszitat
ebenfalls dem Redaktor R zur Last zu legen ist —
Eine größere Reihe von Schriftstellen finden wir in dem.
— nach unserm Nachweis (s. o. S. 108 ff.) ebenfalls erst — nach-
träglich in K. Π. eingefügten 7. Buche. Eigenartig ist hier schon.,
die Zeitbestimmung, die ohne Parallele in unserm N. T. ist.
117) RI43:
Septimana jam nna ex passione domini complebatur anno —
rum, ecclesia domini in Hierusalem constituta.
Über die auffällige Reihenfolge, in der R 1 55fr. die 12 Apostel — -
aufgezählt werden, ist bereits früher Näheres dargelegt worden. *
Fanden wir hier eine beabsichtigte Abweichung von dem Matthäus-
1) 8. 0. S. IGT ff.
III, 4. Die nenteBtamentlichen Zitate in den Rekognitionen. 349
text, so erkeoneD wir in der folgenden Stelle eine bewußte Be-
ziehung auf Ausführungen, die ebenfalls bei Matthäus, jedoch
auch bei Lukas ihre Parallele haben.
118) Rl6o:
ipse Jesus omnibus hominibus et prophetis majorem esse
pronunciaverit Johannem ...adseruit: Johannem majorem
quidem fuisse omnibus prophetis et omnibus, qui sunt filii
mulierum, nou tamen majorem esse filio hominis.
Mt. 11 9 cf. Lc. 7 26:
άλλα τι εξήλθατε; προφητην ΙδεΙν; pal λέγω νμίν χάί
jcsQtoaOTSQOP προφιμον . . ιι άμην λέγω νμίν ονχ έγή-
γερται iv γεννητοίς γυναικών μείζων 'Ιωάννου του βα-
πτιοτοΰ cf. Lc. 7 28. μείζων iv γεννητοίς γυναικών προ-
φήτης Ιωάννου ουδείς έύτιν.
Diese ausdrückliche Beziehung auf die lobende Erwähnung
des Johannes durch Jesus ist aber um so bemerkenswerter und
um so deutlicher ein Anzeichen, daß hier eine andere Quelle als
K. 27. vorliegt, weil in diesen (H 2 i?) 6 iv γεννητοίς γυναικών
als der Typus des Bösen erscheint.
Wir vergleichen weiter:
119) R 1 64:
ob hoc destruetur et templum et abominatio desolationis
statuetur in loco sancto et tunc gentibus evangelium prae-
dicabitur ad testimonium vestri.
Mc. 24 14-15:
χηρυχϋ^ήοεται τούτο το εύαγγέλιον της βαύιλείας έν όλη
τη οίχουμένη εΙς μαρτύριον πάοιν τοΙς εϋ^νεοιν, χαΐ τό-
τε ηξει το τέλος, όταν ούν ίδητε το βδέλυγμα της έρη-
μωοεως το ρηθ^εν δια Δανιήλ του προφήτου ίοτος iv
τοπω αγίφ, ο άναγινώοχων νοείτω, τότε οί iv Ιουδαία
φευγέτωοαν εΙς τα ορη.
Mc. 13 ίο:
χαΐ εΙς πάντα τα εϋ-νη πρώτον δει χηρυχΒ-ηναι το εύ-
αγγέλιον ... 14 όταν δε Ιδητε το βδέλυγμα της ίρημώ-
οεως εοτηχότα, όπου ου δεΙ, ο άναγινωΟχων νοείτω^
τότε οί iv ^Ιουδαία φευγέτωοαν εΙς τα όρη.
Auch hier ist die Verwandtschaft mit Matthäus deutlich, zu-
mal wenn man damit Markus vergleicht, wo die Worte in loco
350 Waitz, Die Pseudoklementinen.
saDcto (R 1 w) έν τοπω άγΐφ (Mt. 24 15) und ad testimonium
(R 1 64) εΙς μαρτύρων (Mt. 24 15) fehlen. Aber auch ebenso un-
verkennbar ist die beabsichtigte Abweichung von dem kanonischen
Text, wenn hiernach zuerst die Predigt unter den Heiden und
dann erst der Greuel der Verwüstung an heiliger Stätte und
damit das Ende, dagegen nach R 1 64 zuerst der Greuel der Ver-
wüstung an heiliger Stätte und dann erst die Predigt unt^r den
Heiden kommt £& unterliegt keinem Zweifel, daß R 1 64 eine
viel jüngere Textgestalt als die kanonische darstellt.
Ein Ahnliches ergibt sich aus dem folgenden Vergleich:
120) R l65:
Gamaliel princeps populi, qui latenter frater erat noster in
fide, sedconsilio nostro inter eos erat, ait: quiescite paulisper,
ο virilsraelitae: nonenim advertitis tentationem, quaeimmi-
netvobis; propter quod desinite ab hominibus istis, et siqui-
dem humani consilii est, quod agunt, cito cessabit; si autem
a deo est, cur, sine causa peccatis nee proficitis quidquam?
Dei enim voluntatem quis potest superare etc.
Act. 5 34ir.:
αναοτας δέ τις Iv τω ύννεδρίφ Φαριοαΐος ονόματι Γα-
μαλιηλ, νομοόιδάοχαλος τίμιος παντί τω λαφ . . . eljisv
Jrρ6^ αυτούς' άνδρες ΙοραηλΙται, οιρούέχετε εαντοΤς ijtl
τοις άv^^ρώJτoις τούτοις^ τί μέλλετε πράύοειν.
. . 38 χα\ τα ννν λέγω νμίν άπόύτητε άπο των άνϋ^ρώ-
7ΐων τούτων χαΐ αφετε αυτούς, ότι ίαν y έξ άνθ-ρώχων
7/ βουλή αύτη η τ ο έργον τοϋτο, χαταλνΟ-ήοεται, εΐ όε
εχ Ο^εοϋ ίοτιν ου δυνηοεοΟε χαταλνύαι αυτούς, μη:χοτε
χαϊ ί^εομάχοί εύρεΟ^ητε.
Ein literarisches Abhängigkeitsverhältnis ist unverkennbar:
ebenso aber auch der sekundäre Charakter von R 1 65. Das zeigt
sich, wenn Gamaliel R 1 65 als Kryptochrist in Beschlag ge-
nommen wird, der sich nach jesuitischem Grundsatz ins Syne-
drium eingeschmuggelt hat, während er nach Act 5w nur als
Mitglied des Synedriums bezeichnet wird. Das zeigt sich weiter,
wenn Κ 1 65 allgemein vor einer drohenden Gefahr warnt, während
Act 5 :5G-37 auf die konkreten Beispiele der Aufstände des Theudas
und Judas hinweist. Das zeigt sich am Schluß, wenn nach R 1 65
Gamaliel auffordert, die eingeleitete Disputation mit den Aposteln
auf den folgenden Tag zu verschieben.
III, 4. Die neutestamentlichen Zitate in den Rekognitionen. 35 1
Der Verfasser von R 1 65 hat also die kanonische Apostel-
geschichte für seine Darstellung benutzt.
Das zeigt noch der Vergleich zwischen
121) R l7i:
post triduum autem venit ad nos e fratribus quidam a
Gamaliele, de quo supra diximus, occultos nobis nuntios
deferens, quod inimicus ille homo legationem suscepisset a
Caipha Pontifice, ut omnes, qui crederent in Jesum, perse-
queretur et Damascum pergeret cum epistolis ejus, ut etiam
inibi auxilio usus infidelium fidelibus inferret exitium.
Act. 9iff. cf. 223ff.:
ο δε Σανλος ϊτι Ινπνέων, , . . jtQOOeX&wv τω άρχιερεί,
^τηοατο παρ σντον Ιπιύτολαζ εΙς Δαμαοχον προς τα^
ονναγωγάς, όπως αν τινας ενρΐ] οντάς της οδού . . .
δεδεμενονς άγάγχι εΙς %ρονοαλήμ.
Sehen wir von der legendarischen Einkleidung ab, in die
die ganze Erzählung gehüllt ist, wie von der Auswanderung
der 5000 Christen nach Jericho, von der vorgeblichen Flucht des
Petrus nach Damaskus, von der wunderbaren Dauerhaftigkeit der
weißen Kalkfarbe an den Gräbern zweier Christen usw., so er-
kennen wir aus dem ganzen breiten Stil in R 1 71, daß hier eine
sekundäre Darstellung vorliegt. Damit haben wir aber aufs
deutlichste den Charakter der neutestamentlichen Zitate in dieser
Quellenschrift gegenüber denen der K, Π, erkannt. Zeigen diese
vielfach ein archaistisches Gepräge gegenüber dem kanonischen
Text, so bieten jene durchweg eine viel jüngere Textgestalt. So
beweist uns diese Untersuchung von neuem, daß in R 1 in-71 eine
Quellenschrift vorliegt, die anderen Charakters und jüngeren
Datums als die K. Π. ist. —
Wir gehen zu den Zitaten über, welche nach unserer quellen-
kritischen Untersuchung zu den Πράξεις Πέτρου gehören.
Wir stoßen auf solche erst am Ende des 3. Buches:
122) R3iy:
et ideo magis deflendus est Simon, quod vas electionis
factus est maligno.
Act. 9 15 :
πορενον, οτι ϋκ8νος ίχλογης εύτιν μοι οντος τον βαοτάοαι
το ονομά μον Ινώπιον εϋ-νών τ ε χαΐ βαβιλέων.
352 Waitz, Die Pseudoklemeiitinen.
123) R 3 49:
nam inde quid dicam, quod et Jesu nostro crediderat
(sc. Simon), et quod immortales esse animas sibi ipse per-
suasit.
Act. 8 13:
δε Σίμων xal αντος έπίοτευοεν*
124) R 3 63:
deus quod utile est occultavit hominibus, id est possessi-
onem regni coelorum, eamque velut thesaurum secretum
reposuit et abscondit.
Mi 1344:
ομοία έοτίρ ή βασιλεία των ουρανών &ηοανρώ χεχρνμ-
μένω.
125) ' R 3 66:
Zacchaeum hunc vobis ordinavi episcopum, sciens eum ti-
morem dei habere et eruditum esse in scripturis.
2 Tim. 3 14 f.:
ov δϊ μένε, έν οίς εμα&ες xai ίχιύτενύ^ης, είδώς ^ταρα
τίνων ίμα&ες' χάί ότι άπο βρέφους ίερα γράμματα
οίδας . . .
126) R 3 66:
juvenes pudicitiam docete.
Tit. 2?:
τους νεωτέρους ώοαυτως παραχάλει ύωφρονεΐρ.
127) R4 35:
ipse (Christus) euim est annus acceptus, nos apostolo^s
habens duodecim menses cf. Η 2 23.
Lc. 4 29 :
χηρύξαι ένιαυτον χυρίου δεχτόν,
128) Rio 65:
Cornelius centurio missus a Caesare ad praesidem Cae^
sareae.
Act. 10 i:
άνηρ δέ τις iv ΚαιύαρΙα ονόματι Κορνήλιος^ εχαντ(^ζζ.
ταρχης.
III, 4. Die neutestamentlichen Zitate in den Rekognitionen. 353
Über das Zitat No. 124 läßt sich nichts weiteres ausmachen,
zumal es unsicher ist, ob es den J7. JZ oder K, Π, oder dem
Redaktor angehört. Dasselbe gilt von dem Bild (No. 127): Jesus
das angenehme Jahr des Herrn, die 12 Apostel die 12 Monate
Κ 435, das zum Teil wenigstens Η 2 93 wiederkehrt, s. o. S. 135.
Es spielt auf die Predigt Jesu in Nazareth Lc 4 S9 an, setzt also
Bekanntschaft mit den Synoptikern voraus.
Die Beziehungen auf die Apostelgeschichte (No. 122. 123.
428) sind bereits früher (s. o. S. 207) gestreift worden. Sie sind
nur unter der Voraussetzung verständlich, daß die Apostelge-
schichte bezw. deren Quellen dem Verfasser der JZ iZ bekannt
gewesen sind.
Die Anspielungen auf die Pastoralbriefe (No. 125 und 126)
beweisen zwar nicht deren kanonische Geltung, zeigen aber auf-
fallige gegenseitige Berührungen, welche uns, wie überhaupt die
untersuchten neutestamentlichen Zitate der Π. JZ, von neuem dar-
auf hinweisen, daß die JZ JZ eine weit jüngere Quelle der Kle-
mentinen als die K, JZ sind. —
Wir wenden uns nun den Zitaten zu, welche dem Redaktor
der klementinischen Grundschrift bezw. der Rekognitionen zuzu-
weisen sind, und betrachten zunächst die einschlägigen Zitate
in den drei ersten Büchern.
Wir vergleichen zuerst zwei Zitate aus den Kapiteln
Rl 44-53, welche, wie oben S. 92 f. gezeigt worden, ein Einschub
des Redaktors sind, der hier Stücke ans den K, JZ in einen
Dialog des Petrus und Elemens verwoben hat.
129) R 1 45:
quoniam quidem, cum esset filius dei et initium omnium,
homo factus est.
Joh. 1 1. 14:
Iv agxy 7jv 6 λόγος .... xca λόγος Οαρξ έγενετο,
130) Rl48:
alius ex aquis adsumitur, non Moysen dico, sed illum qui
in aquis baptismi filius dei appellatus est• Jesus namque
est, qui ignem illum, quem accendebat pontifex pro pec-
catis, restinxit per baptismi gratiam. ex quo enim hie ap-
paruit, cessavit chrisma, per quod pontificatus praebebatur,
vel prophetia vel regnum,
Texte o. UDtennchQDgen.-N. F. X, 4. 23
354 Waitz, Die Pseudoklemeotinen.
Mi 3 16 f.:
ßajtTiuO^eig δε 6 ^ίηοονς evd^vg άνέβη outb τον νόατος . . -
17 καϊ Ιδον φωνή ίχ των ουρανών λέγονοα' οντό^
έοτιν 6 νίός μου 6 αγαπητός^ έν φ ενδόχηϋα.
Das erste Zitat enthält eine Anspielung auf Joh. 1 1. 14 und
ist auf Rechnung des Redaktors zu setzen.
Das zweite Zitat nimmt auf die Taufgeschichte Bezug. Doch
liegt ihm bezw. R 1 ts eine Vorstellung zugrunde, die von der in
Mt 3 16 fr. eigentümlich abweicht und an die Erzählung im Ε van- '
gelium des Nikodemus erinnert, wonach Jesus zunächst (als der
Sohn Gottes) im Wasser getauft und alsdann von Gott mit Öl
gesalbt (und so zum Christus) wird. Denn während nach der
kanonischen Überlieferung Jesus erst nach der Taufe vom
Himmel her der Sohn Gottes genannt wird, empfangt er nach
R 1 48 schon i η dem Wasser diesen Namen, um alsdann als der
Christus (d. h. der Gesalbte) aufzutreten, der aller alttestament-
liehen Salbung, sei es zum Priester- oder Propheten- oder Königs-
amt, ein Ende macht und so an die Stelle des alttestamentlichen
Opferdienstes die Gnade der Taufe setzt Keinesfalls kann dieses
zweite Zitat dem Redaktor zugeschrieben werden; vielmehr ge-
hört es, wie der ganze Ideenkreis, in den es eingeschlossen ist,
den Κ Π, an, woraus es der Redaktor entnommen hat
Wir gehen in unsrer Untersuchung weiter.
i:U) R2 3:
in mandatis habemus, ut venientes ad civitates discamus
prius, qui in ea dignus sit, ut apud eum cibum sumamus.
Mt. lOii:
εΙς ην d' αν jtoXiv η χώμην εΐοελ&ητε, ίξετάΰατε τις iv
αντί/ άξιος έοτιν, χάχεΐ μείνατε . .
Lc. 9 4:
χαΐ εΙς ?}ν αν οΐχίαν είοελϋ-ητε, εχεΐ μένετε,
cf. Mc. 6 10.
132) R2 3:
solliciti esse debemus, ne margaritas nostras mittamus
ante porcos.
R3i:
raandatum accepit, ne mittat verborum ejus margarita»—
ante porcos et canes.
III, 4. Die neutestam entlichen Zitate in den Rekognitionen. 355
Mt 7 6:
μη δώτε το άγων τοις χνοίν^ μηόϊ βάλετε τους μαργα-
ρίτας νμών Ιμπροοϋ^εν των χοίρων.
ι:«) ß22i:
deus enim bis, qai recte sentiunt, per ipsa opera mundi,
quae fecit, manifestus est, ipsius ereatarae suae utens testi-
monio.
Rom. 1 79. 20.
το γνωβτον τον ΰ^εου φανερόν έοτιν έν αντοΐς^ ο ϋ^εος
γαρ αντοΐς έφανερωοεν, τα γαρ αόρατα αντοϋ απο
κτίαεως χούμου τοις ποιημαοιν νοούμενα χαΟ-οραται.
134) β 3 13: .
alt: nihil est oecaltum, quod non agnoscatur, neque oper-
tum, quod non reveletur.
Mt. 10 26 cf. Lc. 122:
ονδεν γάρ έοτιν χεχαλνμμενον, ο ονχ άοιοχαλνφΟ'ηύεταί,
χαΐ χρυπτόν, ο ου γνωο&ήαεταί.
Lc. 817:
ου γάρ έοτιν χρνπτόν, ο ου φανερον γενηαεται, ονδε
άχόχρυφον, ο ου μη γνωοϋ^ χαΐ εΙς φανερον ελϋ^υ,
Mc. 4 22:
ου γάρ εύτιν τι χρνπτόν, έάν μη ίνα φανερο7&^' ουδέ
έγενετο άπόχρυφον, άλλ^ ίνα ΙλΘ-η εΙς φανερόν*
135) R3ii:
necesse est agricolam, qui viilt bonam terrain seminare,
nonnulla semina perdere aut in petrosis aut in bis, quae
ab hominibus conculcanda sunt, vel in dumosis ac
repletis sentibus locis. sicut et magister η oster exposuit.
Lc. 8 5f. :
έξηλϋ^εν 6 OJΐεiρωv του οτΐεϊραι τον οτιόρον αύτον. χαΐ
έν τω απείρίΐν αυτόν ο μίν Ιπεοεν παρά την οδον χαϊ
χατεπατηϋ^η ... χα\ ετίρον χατέπίοεν έ:ιΙ την πέτραν
. . . χαΧ ϊτερον επεοεν έν μέοω των άχαν&ών.
Mt. 13 3ff.:
έξϊ^λ&εν 6 οπείρων του ΟΛίίρειν, χαϊ έν τω οπείρειν
αυτόν α μΙν επεοεν :ταρά την όδύν . . . άλ?Μ δε Ιπεύεν
23 ♦
ί
356 Waitz, Die Feeudoklemeniinen.
ijcl τα πετρώδη . . . άλλα δϊ εχεΰεν ijtl τας άχάνθ-ας.
c£ Mc. 4iff.
136) R362:
. dicat Veras propheta vendentem omnia qaae saa sunt et
emenien unam veram margaritam.
Mt. 13 4β:
ενρών δε ϊνα πολντιμον μαργαρίτην άπελϋ-ώρ πέπραχερ
πάντα, ούα είχεν, χαΐ ηγοραύεν αντορ.
137) η 4 ν.
memini dixisse eam: messis quidem multa, operarii autem
pauci. rogate ergo dominum messis, ut ejiciat (Cod.
Cand. P. R mittat) operarios in messem suam.
Mt 9 37 cf. Lc. 10 2:
6 μϊρ ϋ^εριαμος πολνς, ol δϊ Ιργάται ολίγοι, δεηθείτε ονρ
τον χυρίον τον θ-εριύμον, όπως έκβάλ^^ έργάτας εΙς τορ
ϋ-εριομορ αντον,
138) R4 7:
obsecrantibus spiritibus immun dis, ut vel uno die indul-
geretur eis in obsessis corporibus permanere, quos Petrus
increpans statim jussit abscedere.
Mc. δ lof.:
xal παρεχάλει (sc. το πνενμα το άχάθ•αρτορ) αντοΡ πολλά
ϊνα μη αντά άποοτείλτ} εξω της χωράς . . . χάί επέτρεψε ν
αντοΐς cf. Lc. 8 31 f.
139) R 420:
Pythones divinare videntur . . . a Christianis hominibus
effugiantur.
Act. 16 16 f.:
παιδίύχηρ τινά εχονοαν πνεύμα πν&ωρα νπαρτήύαι ημίν
. . . μαντενομένη. . . . χαΐ έξηλ&εν amy τ^ ωρα.
140) R4i7:
credentes, quaecunque petieritis, accipietis.
Mt. 2122:
xal πάντα ούα αν αΐτήαητε έν τη προοενχη πιύτενοντες
λημψεα&ε cf. Mc. 11 24.
III, 4. Die neuteetamenÜichen Zitate in den Rekognitionen« 357
141) R48e:
hie ergo vobis sit primus gradus ex tnbus, qui gradns
triginta ex se gignit mandata, secundus vero, qui sexa-
ginta, tertius, qui centum.
Mt 13 23:
καρποφορεί xal Jtoul μεν Ιχατόν, ο ob Ιξηχοντα, ο
δε τριάχορτα,
Mc. 4 8:
χαϊ εφερεν εΙς τριάχοντα χαί εΙς εξήχοντα χαΐ εΙς εχατόν.
142) R59:
nam qui penuanet in malo, et servus est mali.
Job. 8 B4:
πάς 6 ποιών την αμαρτίαν δονλός έύτιν της αμαρτίας,
143) R59:
nemo potest, inquit, duobus dominis servire, non potestis
deo servire et mammonae.
Mt 624 cf. Lc. 16 13:
ονόείς δύναται δνΰΐ τίνρίοίς δονλενειν ... ου δνναοΘ-ε θ^εφ
δονλενειν χαΐ μαμωνα.
144) β. 5 12:
ipse dixit, quia unusquisque illius sit servus, cui se ipse
subjecerit.
Job. 834:
8. 0.
145) R 629:
quod autem ad amicitias dei perveniant homines, exemplo
nobis sunt hi, quorum precibus tantum indulsit, ut clauderet
imbribus coelum, cum vellent, et rursum, cum peterent,
relaxaret et ^ulta alia voluntatem suam facientibus prae-
stitit, quae non nisi amicissimis praestarentur.
Jac. 5i6flf.:
πολύ Ιοχνει δέηϋις διχαίου ίνεργοιψενη. ^Ηλείας ανθ•ρω'
πος ην όμοιοπα&ής ήμΐν, χαΐ προβενχη προοηνξατο τον
μη βρ^ξαι, χαϊ ονχ εβρεξεν έπΙ της γης ίνιαυτονς τρεις
χάί μήνας ΐξ' χαϊ πάλιν προοηνξατο, χαΐ 6 ονρανος εδω-
χεν νετον χαΐ ή γη έβλάΰτηοεν.
;^58 Waitz, Die Pseadoklementinen.
146) ß 64:
dicebat: ignem veni mittere in terram et quam yoIo (codd:
quem volo oder et quid volo) ut accendatur.
Lc. 1249:
jtvQ ηλθ-ορ βαλείν im την γήν, χάΐ τι ϋ^ίλω, εΐ ηδη
άνήφ&η,
147) R 7 37 cf. R3 5:
dominus mandatum dedit dicens: quicunque viderit mu-
lierem ad concupiscendam eam, jam moechatus est eam
in corde suo.
et bis addidit: si oculus tuus dexter seandalizat te,
erue eum et abjice (cod. projice) abs te . . expedit enim tibi,
ut unum membrorum (cod. membrum tuum) pereat, quam
totum corpus tuum mittatur in gehennam ignis. non
dixit: scandalizavit te . . sed: si seandalizat te.
Mt. 528:
πας ο βλέπων γυναίκα προς το έπιθ-νμηοαι ηδη ημοΊ-
χενοεν αυτήν ίν τχι χαρδία αυτοϋ,
Mt5 29:
εΐ δε 6 όφΰ^αλμός σου ό δεξώς οκανδαλίζει οβ, εξελε αύτον
χαΐ βάλε άπο ύου' ουμφέρει γαρ 0οι ίνα άπόληται εν
των μελών οου καΐ μη όλον το οώμά ύου βληθ^ εΙς
γέενναν,
148) R 84:
VOS estis lux mundi et non potest civitas abscondi supra
montem posita; neque accendunt lucernam et ponunt eam
sub modio, sed super candelabrum, ut omnibus luceat, qui
in domo sunt.
Mt. δ 11 ff.
υμείς ίατε το φως του χούμου, ου δύναται πόλις χρι^-
βηναι ίπάνω ορούς κειμένη ουδέ χαΐουύΐν λύχνον χαι
τιΰ^έαύιν αυτόν υπο τον μ6διoVy αλί Ιπί την λυχνίαν
χαΙ λάμπει πάοιν τοις εν τη οΐχία.
149) R 8 8:
quid necesse est, ut eum patrem vocemus, cum in man-
datis habeamus neminem super terram patrem Yocare?
habemus enim tale mandatum, ne aliquem nomine isto
(sc. pater) vocitemus.
III, 4. Die neutestamentlichen Zitate in den Rekognitionen. 359
Mt. 23d:
xal jtaxtQa μη χαλέοητε υμών km της γης, eic γάρ Ιοτιι>
υμών ο πατήρ ο ουράνιος.
150) R 9ι:
nemo hominum potest sensum dei conjecturis et aesti-
matione coUigere, nisi propheta ab eo missus enunciet.
1 Cor, 2 11:
τ/ς γαρ οίδεν άνθ^ρώπων τα τον άνϋ^ρώπον, εΐ μη το
πνενμα τον άρ&ρώπον; όντως χα\ τα τον d^eov ονδείς
Ιγνωχεν εΙ μη το χνενμα τον ΰ^εον.
151) R 10 u:
magister noster diem et horam, cajus etiam signa prae-
dixit, nescire se professus est, ut totum revocaret ad
patrem.
Mt. 24 se:
περί δε της ημέρας ίχείνης xal ώρας ονδείς οίδεν ονδε
οί άγγελοι των ονρανών ονδε ο νιος, εΐ μη ο πατήρ
μόνος cf. Mc. 1332.
152) R 10 45:
propter quod nemo vestrum nitro dissimnlet, nee retro
respiciat, 8ed ad evangelium dei libenter accedat.
Lc. 963*.
ονδεϊς Ιπιβαλών την χείρα αντον έπ* αροτρον χαΐ
βλέπων εΙς τα όπίύω ενΟ^ετός Ιοτιν τη βαϋιλεία τον
&εου,
153) R 10«:
neque dives conversionem suam differat . . . dum cogitat,
quo modo dispenset abundantiam frugum neque dicat intra
semetipsum: quidfaciam, ubi recondamfructusmeos? neque
dicat animae suae: habes multa bona reposita in annos
multos, jepulare, laetare; nam dicetur ei: stulte, bac nocte
auferetur abs te anima tua. et quae praeparasti, cujus
erunt?
Lc. 12 η ff.:
xal διελογίζετο εν ίαντω λέγων' τΐ ποιηοω, οτι ονχ
ίχω, πον οννάξ(θ τοις χαρπονς μον; χαΐ είπεν
χαί Ιρώ τη ψνχη μον ψνχή, έχεις πολλά άγα&ά χεί-
μένα εΙς Ιτη πολλά' άναπανον, φάγε, π Ι ε, ενφραίνον.
[\ßQ Waitz, Die Pseudoklementinen.
eljtsp δε αυτω ό &t6g' άφρων, ταντί] τζ} ννχτϊ την ψνχην
οον άηαιτονύιν ajco 6ον' α όϊ ήτοίμαΰας, τίνι εοται;
154) R ΙΟδί:
jugum justitiae et pietatis absque ullo labore suscipiet
tantamque in eo sentiet suayitatem . . .
Mt. 11 31 ff.:
άρατε τορ ζνγον μον Ιφ νμας ... ο γαρ ζυγός μον
χρηοτος χαΐ το φορτίον μον έλαφρόν έύτιν.
Wir betrachten zunächst Νο. 137. 143. 147. 148; hier finden
wir überall wörtliche Übereinstimmung mit dem kanonischen
Matthäusevangelium. No. 143 hat allerdings den Zwischensatz
ausgelassen, den wir Mt. 624 (Lc. I613) lesen: ij γαρ τον ενα
μιοηοει χα\ τον έτερον άγατιτ^οαι κτλ,
Νο. 147 setzt deutlich ein schriftliches Evangelium und zwar
das kanonische Matthäusevangelium voraus, wenn ausdrücklich
hervorgehoben wird: non dixit scandalizavit te . . . sed si scan-
dalizat. No. 148 bringt nur die Lesart ut luceat statt xai λάμ^τει^
die sich jedoch auch in der Itala, Cod. Cantab. findet.
Fast wortliche Übereinstimmung mit dem kanonischen Mat-
thäus findet sich auch da, wo, wie in No. 131. 132. 136. 140.
149. 151. 154 nicht geoaue Zitate, sondern nur freiere Wieder-
gabe des Evangelientextes vorliegt
Unverkennbar wird in allen diesen Stellen Matthäus wesent-
lich anders, d. h. genauer nach dem kanonischen Text zitiert, als
in den früher behandelten. Unsere Quellenkritik gibt uns den
Grund dafür an. Während jene Stellen sich in solchen Partien
in R befinden, wo ältere Quellen verarbeitet sind, stehen diese
da, wo entweder, wie bei No. 131. 132. 136, der Redaktor seine
Quellen überarbeitet, oder, wie an den übrigen Stellen, eigene
Arbeit bietet. Dabei muß jedoch oflFen gelassen werden, ob hier
der Verfasser des Klemensromans oder der Bearbeiter der Re-
kognitionen tätig gewesen ist.
Dieses Ergebnis wird aber durch die übrigen Stellen be-
stätigt. Haben nämlich die Κ Π. keine Beziehung zu dem Lukas-
evangelium, so zeigen No. 134. 135. 146. 152. 153 solche unver-
kennbar. No. 134 und No. 135 (vgl. ab hominibus conculcanda
sunt und das nur bei Lc. befindliche xaτεJtaτή^'η) berühren
sich wenigstens viel näher mit Lukas als mit Matthäus. No. 146^
ΙΙΓ, 5. Ergebnisse. 36 1
152, 153 aber bringen Ausführungen, die allein aus dem luka-
nischen Evangelienschatz entnommen sein können. No. 138 und
141 können nicht weiter in Betracht kommen, weil sie nur ganz
allgemein synoptisches Material benutzten. No. 142 und 144
bringen zwar nicht Zitate, aber doch eigenartige Wendungen
aus dem Johannesevangelium; No. 139 eine Anspielung auf die
Apostelgeschichte. No. 133 berührt sich im Gedanken mit dem
Römerbrief; No. 150 mit dem 1. Korintherbrief, No. 145 mit dem
Jakobusbrief, ohne daß freilich eine direkt« Benutzung nach-
weisbar wäre.
Gehören nun aber No. 133 (R 2 2i), No. 134 (R 3i3), No. 135
( R 3 14) zu denjenigen Partien, die der Redaktor tiberarbeitet hat,
No. 142 (R 59) cf. No. 143, No. 144 (R 5 12), No. 145 (R 529),
No. 146 (R 64), No. 150 (R 9i), No. 152 (R lOis), No. 153 (R 10 45),
No. 154 (R 10 51) zu denjenigen, die er selbst verfaßt hat, so be-
stätigt unsere Untersuchung über die Schriftzitate dieses Resultat.
Nur muß dahingestellt bleiben, ob nicht an den klementinischen
Redaktor, statt an den Bearbeiter (Übersetzer) der Rekognitioneu
zu denken ist.
5. Ergebnisse.
Indem wir die Ergebnisse unsrer Untersuchung über die
neutestamentlichen Zitate in Η und R zusammenstellen, finden
wir zunächst für die nicht überarbeiteten K. Π, folgende Merk-
male:
1. Sie polemisieren zwar gegen paulinische Briefe, beziehen
sich aber sonst auf keine anderen Bücher des N. T.s als auf
Evangelien.
2. Sie verraten keine, auch nicht entfernte Bekanntschaft mit
dem Johannesevangelium, sondern bringen nur Worte und An-
spielungen, welche dem synoptischen Schriftenkreise angehören.
3. Die Zitate haben durchgängig keine Verwandtschaft mit
den Evangelienzitaten Justins. * Entweder finden sich, >vie zumeist,
überhaupt keine Parallelen bei Justin, oder wo solche vorliegen
— vgl. No. 4. 96. 1)8. 115 — weichen sie von der Justiuschen
Lesart ab ^
4. Sie führen niemals, sei es genau oder frei, ein Wort an,
l) Nur scheinbar ist die Ausnahme, die das Zitat No. 29 darbietet^
8. 0. S. 300.
362 Waitz, Die Pseudoklementinen.
das sich nur bei Markus oder Lukas fände. Die einzigen schein-
baren Ausnahmen sind No. 22 und 104, welche Stellen jedoch,
>vie S. 298 und 346 gezeigt, nicht auf Lukas, sondern auf einer
älteren Überlieferung beruhen. Dagegen bringen sie oft ΛΥοΓίβ,
>velche sich nur bei Matthäus finden; vgl. No. 6. 19. 20. (?) 24.
27. 28. .29.(?) 30. 94. 95. 97. 107. 108. 109. HO. 111, oft
auch solche, die sich bei Matthäus und einem andern Synoptiker
finden; vgl. No. 2. 4. 5. 18. 21. 22. 25. 26. 96. 101. 102. 103.
105. 106. 112. 113. 114. 115. 130.
5. Im Text stimmen die Zitate mit dem kanonischen fast
nie wörtlich überein, sondern weichen, bei vielen wörtlichen Be-
rührungen, teils mehr, teils weniger von ihm ab. Manchmal
läßt sich eine absichtliche Änderung an dem kanonischen Text,
bezw. eine sekundäre Textgestalt nachweisen; vgl. No. 2. 18.
21. 22. 26. 27. 29.(?) 30. 105. 112.C?) 130. Öfters stellen sie
einen Text dar, der gegenüber dem kanonischen als der ältere
erscheint; vgl. No. 6. 21. 22. 25.(?) 26. 28• 95.(?) 101. 103.
104. (?) 109. 1101.
6. Sie bringen auch unkanonische Worte; vgl. No. 1. 23. 34.(?)
Sie setzen also ein Evangelium voraus, das mit unserem kano-
nischen Matthäusevangelium am nächsten verwandt, aber doch
von ihm verschieden ist.
7. Wenn auch die Schriftworte oft gedächtnismäßig frei an-
geführt sind, so beruhen sie doch nicht auf mündlicher Ober-
lieferung, sondern setzen eine schriftliche Vorlage voraus, da sie
öfters bei Abweichungen von dem kanonischen Text im Wortlaut
auffällig übereinstimmen; vgl. No. 1. 2. 4. 6. 98. 101. Darauf
weisen auch die Zitationsformeln hin: έοτίν iv τω Ίηοον ημών
λόγω (Η 3 μ), άλλαχη που λέγπ (Η 18 2ο).
Einer besondereji Untersuchung bedarf es noch, inwieweit
dieses Evangelium mit dem Hebräer-, Ebioniten- und Petrus-
evangelium verwandt ist^. Daß hier Beziehungen bestehen, ist
oben S. 12S, 347 gezeigt worden. —
Ein anderes Bild geben die neutestamentlichen Schriftzitate
in den antimarcionitischen Abschnitten der K. Π.:
1) Abweichungen vom kanonischen Texte finden sich bei No. 3. 4. 5. 10.
24. G7.(?) 90. 97. \)S. 102. UH3. 108. WX 110. 111. 112. 113. 114. 11Γ>.
124. (?) 127. (V) 130.
2) Vgl. Preusehen a. a. 0. 3 ff. 9 f. 13 ff.
Ill, 5. Ergebnisße. 363
1. Sie verraten keine Bekanntschaft mit andern Büchern
des N. T.8 als mit den Evangelien.
2. Ein Anklang an das Johannesevangeliam findet sich
nirgends, auch nicht Η 3 52, da diese Stelle dem Homilienredak-
tor zuzuweisen ist.
3. Wo synoptisches Material verwertet ist, wird fast nur auf
Matthäus und Lukas Bezug genommen; nur an einer Stelle, die
dazu ein alttestamentliches Zitat bringt, auf Markus; vgL No. 45.
Doch zeigt der Text öfters auch eigenartige Züge; vgl. No. 5.
8. 9. 13. 17. 48. 49. 96. 113.
4. Öfters finden sich Parallelen nur bei Matthäus; vgl. No. 3.
7. 40. 41. 43. 44. 47. 50. 52. 53. Doch weicht der Text fast
tiberall von dem kanonischen ab und stimmt mit ihm nur an
drei Stellen wörtlich tiberein; vgl. No. 38. 47. 52. Bei No. 47
wird überdies ebenso wie bei Matthäus eine Psalmstelle als ein
Wort des Jesaias angeführt (so auch bei Origenes).
5. Manchmal finden sich Parallelen nur bei Lukas; vgl. No. 16.
46. (48.) (49). Doch weicht auch hier der Text überall von dem
kanonischen ab.
6. Häufig sind die Parallelen bei Justin. Dabei stimmen
die Zitate mit den Justinschen entweder wörtlich oder aber mehr
als mit dem kanonischen Text; vgl. No. 5. 7. 8. 9. 14. 15. 17.
29(?). 40. (doch s. o. S. 305 f.) 43. 53. Besonders bemerkenswert ist
es, daß in No. 9 sich eine Mischung zwei verschiedener Herrnworte
wie bei Justin darbietet.
7. An einer Stelle findet sich der Text des Evangeliums
Marcions: No. 13.
8. Zwei Zitate sind unkanonisch; vgL No. 39. 51.
Die Schriftzitate in den antimarcionitischen Abschnitten der
K. Π. weisen also dieselben Merkmale wie die Evangelienzitate
Justins auf. Denn sieht man von den wenigen Anspielungen auf
das Johannesevangelium ab \ so findet man auch bei Justin fast
durchweg Beziehungen nur auf die synoptische Tradition, dabei
vielfach eigenartige Textrezensionen, vereinzelt Zitate, die nur
bei Markus Parallelen haben '^; öfters Zitate, die sich nur bei
1) Vgl. Preuschen a. a. 0. No. 59. S4.
2] Vgl. Preuschen a. a. 0. No. 21. 24. 57.
364 Waitz, Die PeeadoklemeniineD.
Matthäus ^ bezw. Lukas ^ finden. Auch bringt Justin einige un-
kanonische Zitaten —
Wiederum ein andres Bild geben die Zitate aus den JZ //.:
1 . Sie sind nicht ohne Beziehung zu den neutestamentlichen
Briefen, insbesondere den Pastoralbriefen; vgl. No. 125. 126.
2. Sie sind auch der Apostelgeschichte entnommen, welche
sie manchmal legendarisch weiter bilden; vgl. No. 69. 122. 123. 128.
3. Sie gehen oft auf die Synoptiker zurück, deren Bericht
sie ebenfalls, vielfach legendarisch ausgestaltet, wiedergeben; vgl.
No. 3. 10. 11. 54. 55(?). 56. 57. 59. 61. 62(?). 65. 99. 127(?).
4. Sie bringen Stellen, die sich nur bei Matthäus (vgl. No. 3.
10. 60. 63(?). 65(?). 66{?). 67(?). 68. 124(?)) oder nur bei Lukas
finden; vgl. No. 58. 64. 127. Sie setzen auch an einer Stelle Be-
kanntschaft mit Markus voraus; vgl. No. 54.
5. Sie lehnen sich öfters an den kanonischen Text des
Matthäus (vgl. No. 59. 63. 99) oder des Lukas an (vgl. No. 11.
57. 61).
6. Wo sie Parallelen auch bei Justin haben, weichen sie
von Justins Text ab, indem sie sich dem kanonischen annähern;
•-vgl. No. 12 (jedoch nur zum Teil). 62(?). 64(?). 67(?). 68. —
Die Zitate, die wir mit einiger Sicherheit dem klementinischen
^ Redaktor zuweisen können, haben folgende Merkmale:
1. Sie zeigen Bekanntschaft mit neutestamentlichen Briefen;
vgl. vS. 328, Anm. 1, No. 1. 3. 8. 11. 12. 16.
2. Sie beziehen sich auf die Apostelgeschichte; vgl. No. 70.
76(?) 83, sowie S. 328, Anm. 1, No. 3. 5(?). 9. 10.
3. Sie spielen auf das Johannesevangelium an; vgl. No. 84•
89 (?). 93, S. 328, Anm. 1, No. 4(?).
4. Sie bringen Stellen, die so nur bei Markus oder Lukas
stehen; vgl. No. 11(?). (15). 16(?). 64(?). 7S(?). 81 (?). 82(?). 88 (V).
90(?). 92(?); außerdem solche, welche so nur bei Matthäus stehen;
vgl. No. 9. 10. 14. 63(?). G5(?). 66(?). 80(?). 85. 95.
5. Sie nähern sich öfters dem kanonischen Text; vgl. No. 9.
10. 12. 13. 14. 15. 62(V). 65(V). 67(?). 74. 79. 86. 87. 90(9). 95.
1) Vgl. Preuschen a. a. 0. No. 20. 27. 32. 34. 35. 37. 38. 40. 44. 4."i.
• M . 4 .). r>< .
2) Vgl. Preuschen a. a. 0. No. 27. 41. 42. 43. 49. 50. 71. 76.
3) Vgl. Hilgenfeld a. a. O. 2Γκ8 Anm. 1. 259 ff. Preuschen a. a. O.
No. 39. 48.
III, 5. Ergebnisse. 365
97(?), stimmen aber nur an einer Stelle (No. 82 vgl. 63(?). 64(?))
wörtlich mit ihm überein.
6. Sie weichen öfters unabsichtlich von dem kanonischen
Text ab; vgl. No. 4(?). 12. 77. 81. 84. 85. 93. 100. 101.
7. Sie stellen auch manchmal eine Oberlieferung dar, die
von der kanonischen abweicht; vgl. No. 70. 88 ^
8. Sie zitieren ein Wort als das eines Propheten, das uns
sonst unbekannt ist (vgl. No. 91), wenn es nicht dem Homilien-
redaktor zuzuweisen ist^. —
Der Homilienredaktor zeigt durchweg eine engere Gebunden-
heit an den neutestamentlichen Kanon.
1. Er kennt die paulinischen Briefe, darunter auch Eph.,
ohne sie zu zitieren. Vgl. S. 328, Anm. 1, No. 2. 6. 13(?). 15.
2. Er benutzt die Apostelgeschichte; vgl. No. 76. 80 sowie
S. 328, Anm. 1, No. 5(?). 7. 14(?).
3. Er bezieht sich auf das Johannesevangelium, von dessen
Text er jedoch im einzelnen abweicht; vgl. No. 36. 73.
4. Er zeigt sich bekannt mit dem Lukasevangelium, bringt
jedoch auch eigene Zusätze; vgl. No. 78 (?). 92.
5. Er gebraucht das Matthäusevangelium, vgl. No. 20(?).
31. 32(?). 33(?). 71. 72, und führt Stellen daraus zumeist in
starker Annäherung an den kanonischen Text (vgl. No. 20(?).
32 (?). 33 (?)) oder in wörtlicher Übereinstimmung mit ihm an
(vgL No. 31. 71. 72). Er kennt wohl auch Markus vgl. No. 35(?).
6. Überhaupt kennt er die Synoptiker, vgl. No. 3. 4(?). 13.
74. 75. 78.(?) 79(?). 90(?). 92. 99, die er teils ebenso wie im
kanonischen Text (vgl. No. 74. 79), teils etwas verschieden von
ihm (vgl. No. 3. 4i?). 13. 75. 78(?). 90(?) anföhrt•. —
Der Redaktor der Rekognitionen hält sich, wie schon Uhl-
hom^ und Lehmann^ dargelegt haben, fast durchweg an den
Kanon.
1. Er kennt sowohl paulinische als auch katholische Briefe;
vgl. No. 133. 145(?). 150, sowie die Apostelgeschichte; vgl. No. 139.
1) Nur an zwei Stellen 6ndet sich eine Berührung mit Justins Evan-
gelienzitaten. No. 9 84 dazu vgl. No. Ü2,?). G4(?). G7l?).
2) Reech, Agrapha 4 IS bezweifelt — m. E. mit Re< ht — , ob hier über-
haupt ein Hermwort berichtet werden soll. Es iwt wohl an ein apokalyp-
tisches Buch im Geiste des üirten des Hermas zu denken.
3) a. a. 0. 137 ff. 4) a. a. 0. 118 ff.
366
Waitz, Die Peeudoklemeniinen.
2. Er macht einen ausgiebigeren Gebrauch von dem Evan-
gelium Johannes; vgl. No. 116. 129. 142. 144.
3. Er benutzt auch reichlieh das Evangelium Lukas; vgl.
No. 134. 135. 146. 152. 153.
4. Er gebraucht ebenso das Evangelium Matthäus; vgl.
No. 5. 14. 17. 97. 98. 131. 132. 136. 137. 140. 141. 143. 147.
148. 149. 151. 154.
5. Überall geht er auf den kanonischen Text zurQck; vgl.
No. 5. 13. 17. 19. 97. 98. 100. 113. 131. 132. 134. 137. 140. 143.
146. 147. 148. 149. 151. 154.
I c>.
\v
Viertes Kapitel.
Die Entstehung der psendoklementinischen Schriften.
Wir fassen die Ergebnisse unserer Untersuchung zusammen:
Die Grundsch rift der psendoklementinischen Homilien und
Rekognitionen, die mit dem dazugehörigen Brief des Kiemen s
zwischen 220 — 230 in synkretistisch gerichteten, aber katholisch
denkenden Kreisen Ronas entstanden ist, hat verschiedene und
verschiedenartige Quellenschriften in ihre romanhafte Erzählung
verwoben; nämlich 1) 10 Bücher Κηρύγματα Πέτρου; 2) Πράξεις
Πέτρου; 3) den sogen. Dialog des Klemens und Appion; 4) die
bardesanitische Schrift Jrερl ειμαρμένης.
Die 10 Bücher Κηρύγματα Πέτρου stellen selber, so wie sie
in den Klemensroman aufgenommen worden sind, nur die Ober-
arbeitung einer älteren, judenchristlich - gnostischen Schrift dar,
die allein Κηρύγματα Πέτρου genannt werden dürfte.
Diese ältere Schrift ist mit dem dazugehörigen Brief des
Petrus an Jakobus und der sogen, διαμαρτυρία bald nach 135
in Cäsarea aus dem Kreise einer judenchristlich-gnostischen Sekte
hervorgegangen, welche in ihrer Auffassung des Christentums
wie insbesondere in ihrer Polemik gegen Paulus dem Elkesai-
tismus verwandt ist, aber in ihrer Ablehnung jedes Enthusiasmus
ihm feindlich gegenübersteht
Nach dem Auftreten des Marcionitismus hat sie eine durch-
greifende Redaktion erfahren: Zwei Bücher wurden neu hinzu-
IV. Die Entstehung der pseudoklementinischen Schriften. 357
geftigty das jetzige 1. Buch (quae prosecuti sunt duodecim apo-
stoli in templo) aus einer apokryphen Schrift, in der wir vielleicht
ältere (katholische) Thomasakten erkennen dürfen*, um daraus
gegen Marcion den Nachweis zu liefern, daß Jesus der von Moses
geweissagte Christus aeternus sei; sowie das jetzige 4. Buch (quod
cum multi dicuntur dei, unus est verus deus secundum testimonia
scripturarum), ein Exzerpt aus Justins Antimarcion, um, ebenfalls
gegen Marcion gerichtet, der Behauptung zu begegnen, als ob
die Erwähnung mehrerer Götter im A. T. die Existenz der beiden
Gotter Marcions beweisen könne. Aus dieser Schrift wurden auch
in andern Büchern der K. Π. an geeignet erscheinenden Stellen
Abschnitte eingefügt. Was in K, IL gegen Paulus gesagt war, ;
wurde jetzt gegen Marcion gemünzt. Immerhin behielt die Schrift .
ihren Charakter als petrinischer Kerygmen und wurde so zu-
sammen mit ihren beiden Prologen weiter tiberliefert, zumal sie
in dieser Eigenschaft die gewichtige apostolische Autorität des
Petrus der des Paulus, auf die sich Marcion stutzte, gegenüber-
stellen konnte.
Wo diese Redaktion stattfand, wird sich nicht sicher aus-
machen lassen. Während die Benutzung Justins ans Abendland
denken läßt, weist die Benutzung der Thoraasschrift, wie auch )
ganz besonders die der ursprünglichen K. Π. selber ins Morgen-
land. Wer hätte auch in den Besitz dieser Geheimschrift, die
nur unter fürchterlichen Selbstverwünschungen überliefert wurde,
kommen können, wer hätte sie in ihrem judenchristlich - gnosti-
schen Charakter so unverändert gelassen, als einer, der selbst zu
den beschnittenen Gläubigen gehörte? Als der Marcionitismus an-
fing in Syrien eine besonders lebhafte Propaganda zu entfalten ^,
verwandelte ein solcher Judenchrist im Interesse des alttestament-
liehen Gesetzes und Gesetzgebers das heilige Buch seiner Sekte
in eine polemische Schrift wider den Erstgebornen des Satan,
wie Polykarp den Marcion nennt, und übergab sie, vielleicht zu
derselben Zeit als Bardesanes seine antimarcionitischen Dialoge
schrieb (in dem letzten Viertel des zweiten Jahrhunderts), der
Öffentlichkeit.
Als am Anfang des ',], Jahrhunderts Alcibiades von Apamea
1 ) Vgl. S. 3GS, Nachtrag zu S. V]S. Z. 2S ft*.
2) Uhlhorn a. a. 0. 4ΐ»:ί und Hort a. a. 0. 111.
368 Woitz, Die Peeudoklementinen.
in Syrien das Buch £lkesai nach Rom brachte, wird auch die
antimarcionitische Bedaktion der K, Π, dorthin gekommen, sein,
um von dem Autor der Klementinen von neuem — diesmal im
apologetischen Interesse gegen das Heidentum — verwertet und
verarbeitet zu werden.
Das Bestreben des Autors, das Heidentum nach allen seinen
Richtungen und Gedankenkreisen zu widerlegen, brachte ihn
sowohl zu der Schrift des Bardesanes (144/221) περί είμαρ-
'2 , μένης als auch zu den sogenannten Dialogen des Klemens
^ < und Appion, von denen die erstere im Morgenland um die
Wende des 2. und 3. Jahrhunderts, die letzteren wohl um dieselbe
Zeit und wahrscheinlich im Abendland ^ entstanden sind. Zugleich
benutzte er die um 210 aus antiochenisch-katholischen Kreisen
4. hervorgegangenen Πράξεις Πέτρου, Deren Erzählung bot ihm
den Rahmen dar, in den er die Abhandlungen und Dialoge, wie
sie in seinen sonstigen Quellenschriften vorlagen, einfügen konnte.
Hier fand er den Namen Simon vor. Was in JST. Π von Paulus
bezw. Marcion gesagt war, wurde jetzt auf den Magier Simon
übertragen, der nun auch noch der Vertreter der heidnischen
Volksreligion und Philosophie werden mußte. So entstand die
y > Grunäsfihrift der Klementinen.
Aber auch sie wurde wieder verarbeitet, zunächst von dem
(^ , Homilienredaktor. Daß dabei die Dialoge des Klemens und Appion
vorangestellt wurden, geschah deshalb, weil der Redaktor an ihren
mythologisch - allegorischen Ausführungen ein besonderes Inter-
esse hatte. Statt dessen wurden umfangreiche Partien, die in der
Grundschrift in den ersten Büchern gestanden hatten, an den
Schluß des Werkes gerückt (H 16 — 20 lo). Wie es scheint, wal-
tete dabei die Absicht vor, diese Ausführungen weiter auszu-
spinnen, wie denn auch größere Abschnitte, zumeist philoso-
phischen Inhalts, in Η 19 und 20 auf Rechnung des Redaktors
gesetzt werden müssen, überhaupt liebt er mehr all das, was
einer philosophischen Abhandlung ähnlich sieht. Geschichtliches
dagegen oder Anekdotenhaftes hat für ihn wenig Reiz. Di^er
läßt er den Bericht von den Disputationen der Apostel bezw.
1) Wenn Η 4 19 von Bauern die Rede ist, die nicht in griechigeher
Mythologie unterrichtet worden sind, so darf vielleicht darana mit Bigg.
Ic. 101 geschlossen werden, daß der Schreiber dieser Zeilen nicht in Griechen-
land gewohnt hat.
IV. Die Enlstehung der pseudoklementinischen Schriften. 359
des Jakobus mit den Juden (R 1 4i;72) weg. Auch die Erzählung
des Petrus von dem Gesichte, das er einst beim Fischfang ge-
habt, übergeht er, bringt jedoch die dialektischen Ausführungen
über den Wert und Unwert der Träume (H 17).
Sein Standpunkt kann nicht sehr verschieden von dem des 1
klementinischen Redaktors gewesen sein. An ketzerischen Aus-'l
führungen, wie z. B. über die falschen Perikopen und die Syzy-
gien, nimmt er wenigstens keinen Anstoß. Überhaupt berührt
er sich in seiner Auffassung des Christentums aufs engste mit
jenen synkretistisch gerichteten Kreisen der römischen Gemeinde,
aus denen die Grundschrift hervorgegangen ist. Wenn er jedoch
Η 20 7 den Sohn als ομοούοων . . Ιοοδύναμον δε ου bezeichnet,
so muß er, wie Bigg richtig hervorgehoben hat \ als ein Arianer
bezeichnet werden, dessen Theologie sich mit den judenchnstlich-
gnostischen Anschauungen, wie sie in den Κ Z7. und der klemen-
tinischen Grundschrift vorliegen, ebenso geistesverwandt, wie der
Orthodoxie fremd gegenüber gefühlt hat. Denselben Stand-
punkt charakterisiert auch seine Stellung zum neutestamentlichen
Kanon.
Seine Zeit ist die nachnicäuische; doch dürfen wir nicht
über das 4. Jahrhundert hinabgehen, da ein Teil seines Werkes
bereits in einer aus dem Jahre 411 stammenden Handschrift
einer syrischen Übersetzung vorliegt, welche wiederum auf eine
ältere Handschrift zurückweist 2.
Seine Heimat muß nicht Rom gewesen sein, wo seine Vor-
liige, der Klemensroman, entstanden ist. Sie wird überhaupt
nicht das Abendland gewesen sein, da hier im 4. Jahrhundert
nur noch selten griechisch geschrieben wurde. Wir müssen sie
im Morgenland suchen, wohin schon im Laufe des 3. Jahrhunderts
durch Leute, welche mit dem um Alcibiades aus Apamea sich
scharenden Kreise der römischen Gemeinde in Verkehr standen,
der Klemensroman gelangt sein wird. Doch müssen wir nicht
gerade an Cäsarea denken, wie Langen meint "^. Was von Cäsiirea
und der Errichtung der Kathedra durch Petrus erzählt wird,
stand schon in der Grundschrift bezw. deren Quelle (/7. //.). Ist
1) a. a. 0. 191 f.
2) Vgl. Cletuentis Romani Recognitiones syriace ed. de Lagarde^
Lips. I8(il.
3) a. a. 0. 100 f.
Texte u. UutersuchuDg6D. N. F. X, 4. 24
370 Waitz, Die Peeudoklemeutinen.
der Ausdruck μα(ρ6(Η0ΐ\ der Hj.^h6. 1Γ)5 in ein neutesbiment-
liebes Zitat eingefügt ist, aramäischen Ursprungs S so wird der
. Verfasser mit Bigg als ein aramäischer Christ, wohl syrischer
Nationalität, zu betrachten sein, der in dem• judenehristlich-
gnostischen System, wie es in den Klementinen enthalten ist,
eine Lösung des großen clirisiologischen Problems zu finden
meinte \
Eine etwas andersartige Bearbeitung der klemeniinischen
Grundschrift ist das griechische Original der Rekognitionen.
Schließt sie sich an den Faden der Grundschrifl an, ohne
ihn merklich zu verlassen, so hat sie doch umfangreiche Bücher
. derselben, besonders diejenigen, welche die K. Π. enthalten, stark
■ gekürzt bezw. zusammengedrängt (vgl. Η 1 — 3. 16 — 19 und R
1 — 3). Alles Archaistische hat dagegen das Interesse des Re-
daktors behalten, soweit es nicht in seinem Sinne ausgesprochen
ketzerisch ist. Ketzerisches lehnt er ebenso ab, wie rein Philo-
sophisches. Sein Sinn ist auf praktische Frömmigkeit gerichtet.
Sein theologischer Standpunkt ist ebenfalls nachnicänisoh und,
wie es scheint, arianisch.
I Allerdings ist die Christologie an vielen Stellen in Rufins
I Übersetzung rechtgläubig^*. Aber Rufin selber bezeugt, daß das
Original, das er übersetzte, eine andere Christologie, die des
Arianers Euno mius enthalten habe, wenn er sagt^: Clemens . . .
libros edidit, qui graece appellantur αναγνωριομός id est recog-
uitio ... in aliquibus ita Eimomii dogma scribitur, ut nihil aliud
quam ipse Eunomius disputare credatur, filium dei creatum ex
nullis exstantibus asseverans. Dazu finden sich in unserm II
selbst derartige Ausführungen exukontianischer Christologie
\i\\ 2-ll).
Wohl fehlen diese Kapitel in einer Anzahl Handschriften•
\) Λ^gl. de Lagarde in Anmerkung zu Η l.'lie: Das Wort ist aoe dei
aramäischen ^&2?- entstanden.
2) Auch Hort a. a. 0. 8!) sucht in Syrien seine Heimat
?>) deus ])er lilium suum creavit mundum (R 98). filium dei unlgenitoir»-
dicimus non ex alio initio, sed ex ipso ineffabiliter natum. Similiter eninv-
de paracleto dicimus iR 1 C9 . Christus . . ab initio et semper erat (R l53 -
lilius . . ab initio et seni])er cum patre fuit (R 248) u. Ö.
4j KuRnus de adulteratione libr. Orig. bei Cotelier-Clericos Patr. ap-
I 4Sii . . vgl. dazu Uhlhorn a. a. 0. 4<». Hilgenfeld a. a. 0. 313 f.
TV. Die Entstehung der pseudoklementinischen Schriften. 371
wie auch in den Leipziger Handschriften. Aber sie finden sich
nicht nur in anderen Handschriften wie Cod. Candeler. Sorbonicus
und Thuaneus, sondern sind auch schon in die alte syrische Über-
setzung aufgenommen, in deren ältester Handschrift aus dem
Jahre 411 sie bereits stehen. Mit Recht bemerkt daher Cotelier^
dem hierin Uhlhorn u. a. beistimmen, daß diese Kapitel die euno-|
mianischen Ausführungen de ingenito deo genitoque, de filio creatoj
dealiis nonnullis sind, welche Rufin bei seiner Übersetzung wegließ.!
Wahrscheinlich aus einer anderen lateinischen Übersetzung, wie
solche nach dem Zeugnis des Paulinus von Noia (ep. 46 ad Rufinum)
und Gennadius (de vir. ill. 17) im Abendland existiert zu haben
scheinen, in die Übersetzung des Rufin herQbergenommen, haben
sie zweifellos in dem griechischen Original von R gestanden, das
auch Rufin übersetzte. Darauf weist nicht nur, wie Uhlhorn * mit
Recht hervorhebt, der Zusammenhang hin, in dem diese Kapitel
in R stehen, sondern auch folgende Erwägung: Enthalten sie
nämlich, wie S. 97f. gezeigt worden ist, zum Teil wenigstens,
die Abhandlung de principio aus einer Quellenschrift der Kle-
mentinen, dem 2. Buch der K. /Z, so müssen sie als ein ursprüng-
licher Bestandteil der Rekognitionen angesehen werden und
können nicht erst nachträglich, wie Hilgenfeld meint, von irgend-
einem Eunomianer interpoliert worden sein. Jene andern Zu-
.sätze aber orthodoxer Christologie (vgl. S. 370, Anm. 3) müssen dem
Übersetzer Rufin zur Last gelegt werden, der, wie in der Aus-
lassung von Ri^2-ii, so hier in der ZufÜgung dieser christo-
logischen Formeln seiner Orthodoxie Genüge getan hat Das be-
weist auch die Bemerkung des P faptius ^ daß alle Exemplare der
Rekognitionen, die er gesehen habe, voll von Blasphemien gegen
den Sohn und voll arianischer Lehren gewesen seien ^.
Darf aber der Standpunkt des griechischen Bearbeiters der \ ,
klementinischen Gnmdschrift, dessen Werk in Rufins Übersetzung
bezw. Bearbeitung erhalten ist, als der eines Arianers und An-
hängers des Bischofs Eunomins von Cyzikus gelten ^, so ist da-
mit Zeit und Ort der griechischen Rekognitionen bestimmt.
1) a. a. 0. 10.
2) Photius, Bibl. cod. 112. 113; vgl. Uhlhorn n. a. 0. 48 f.
3) Was Uhlhorn a. a. O. 42 gegen die eunomianische Herkunft von
ü 3a-ii anführt, is^t hinfällig gegenüber dem oben angeführten auedrück•'
liehen Zeugnis Rufins. Vgl. dazu auch Hilgenfeld a. a. 0. 313 f.
24*
372 Waitz, Die Peeudoklementinen.
I Keinesfalls können sie vor ',\bO geschrieben sein, aber auch
'nicht nach 411, da sie, wenigstens R 1-4 1, in diesem Jahre bereits
ins Syrische übersetzt waren. Für diese Zeit paßt auch die Be-
zeichnung des Jakobus als archiepiscopus (R 1 73 vgl. 1 ce), welche
dem Kontext nach von dem Bearbeiter der Rekognitionen her-
stammt ^
Wie H, sind auch sie im Morgenland entstanden. Wenn
nach R die Erzählung in Antiochien abschließt, obwohl sie in
der Grundschrift vermutlich in JRom endet, so kann hier, wo der
Gesinnungsgenosse des Eunomins, der Diakon Aetius, wirkte, der
Verfasser von R gelebt haben.
Neben dem Interesse an dem Inhalt hat die theologische
Parteitendenz auch diese Überarbeitung der Klementinen ins
Leben gerufen. —
In demselben Geist, wie im Abendland die griechischen Re-
kognitionen von Rufin bearbeitet worden sind, haben im Morgen-
land auch die Homilien eine oder mehrere orthodoxe Redaktionen
erfahren -.
Eine solche setzt schon die pseudo-athanasianische Synopse
(4. saec?) voraus, wenn sie erwähnt: Κλημέντια ίξ ojv μετε-
φράοθ'7ΐοαρ εκλεγέντα τα άληθ-εοτερα χαι ϋ•ε6:χΡ€νοτα^, 01
sie freilich damit eine Redaktion von Η im Auge hat, läßt sichj
nur vermuten, da Κλημέντια gewohnlich der Titel für Η ist abei
nicht beweisen.
Eine eigene Redaktion von Η bezeugt auch Maximus Con-
fessor f-l• 650), wenn er in seiner Schrift sermones per excerpta
unter dem Titel Κλημεντος einige Auszöge mitteilt, die sich
teils wörtlich, teils abweichend in Η wiederfinden*.
Sehr wahrscheinlich ist dies dieselbe Schrift, aus der auch
Johannes Damascenus der Jüngere (11. saec.) und Nicon Monachus
Ml. saec.) schöpften •\
Da(> dies eine orthodoxe Hedaktion der Klementinen (bezw.
1) Vpl. Hort a. a. 0. HO f.
•J) V^l. dazu 8chlieraann a. a. 0. r.Sff. ühlhoiii a. a. 0. Γ>2 ff. Ho
a. a. O. 71 tf.
W) Vgl. rhlhorn a. a. 0. 7Γ». Hort a. a. 0. 71 f.
l) Vpl. Uhlhorn a. a. 0. 02 f. Hort a. a O. 7.S.
:>) Vgl. Uhlhorn a. a. 0. (»Off. Hort a. a. 0. 73.
IV. Die Entstehung der pseudoklementinischen Schriften. 373
Homilien) war, läßt sich mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit aus
der Art und Weise schließen, mit der die Exzerpte gemacht sind.
Eine orthodoxe Redaktion hat sicher Nicephorus Callisti »
(14. saec.) gekannt, wenn er τα Κλημέντια nennt und sie als ry
Ιχχληοία xal εύ JiaQiioexTa bezeichnet
Auf sie gehen wahrscheinlich auch die zwei anderen grie- *
chischen Geschichtschreiber Georgius Cedrenus (11. saec.) und
Michael Glycas (13. saec.) zurück ^ —
Voll und ganz im Sinne und Geiste der Orthodoxie sind
jedenfalls die Elementinen in der Ep itome umgestaltet worden,
die in der doppelten uns vorliegenden Gestalt auf die Homilien
zurückgeht 2.
Was zunächst die ältere Epitome, EU, anbelangt, so ist sie
jedenfalls, wie die dogmatischen Zusätze beweisen, lange nach
dem Nicänum, und, weil griechisch 4;eschrieben, im Morgenland
entstanden. Wenn sie das Martyrium des Klemens nach Simeon
Metaphrastes (10. saec.) als Anhängsel hat, so wird sie wohl nicht
früher als um das 10. Jahrhundert anzusetzen sein. Ob, wie nach
Cotelier eine Randbemerkung zu Ε andeutet ^, Simeon Metaphrastes
selber der Verfasser ist, muß dahingestellt sein.
EI mit dem Auszug aus der Schrift des Bischofs Ephraim
von Cherson ist noch jüngeren Datums. —
Wie Η in E, so ist auch R in späterer Zeit ausgezogen und
überarbeitet worden. Eine derartige kürzere Redaktion stellen ^2.
wenigstens die sogen. Leipziger Handschriften dar, von denen
die eine im 11. Jahrhundert, die andere 1218 geschrieben ist^.
Ein leitender Gedanke, nach dem dieser Auszug gemacht worden
ist, läßt sich schwer auffinden. Doch zeigt sich wiederholt deut-
lich, daß dogmatische Gründe bestimmend waren. Dabei muß
jedoch die Möglichkeit offen gelassen werden, daß sie da
und dort auch auf einen andern Text zurückgehen, als er in den
übrigen Handschriften der Rufinschen Übersetzung vorliegt. —
Eine eigenartige Kombination von R und Η ist die syrische,
Ü bersetz ung, von Lagarde 1861 herausgegeben, welche in der
1) Vgl. Schliemann a.a 0. 33Sff. ühlhorn a. a. 0. 54ff'. Horta. a.O. 78f.
2j 8. 0. S. 8 tf.
.'{; Vgl. Patr. app. ed. Cotelier-Clericus (1724), 1 p. 755 not. 1.
4) Vgl. Uhlborn a. a. 0. !i811*. Meyboom, de Clemene - Roman (Gro-
ningen IIHM; II, 41 ff.
374 Waitz, Die Pseudoklementinen.
ältesten Handschrift aus dem Jabre 411 im I.Teil mit R 1 1-4 i,
im 2. Teil mit Η 10 — 14 ^ übereinstimmt. Geht sie auch im
großen und ganzen auf unsere Scbriflen (R und H) zurück, so
zeigt doch auch sie, wie Richardson im einzelnen nachgewiesen
hat^ ein eigenartiges Verhältnis zu den vorliegenden Texten,
indem sie öfters in den Abschnitten, die aus R stammen, mehr
mit H, und umgekehrt da, wo Η Quelle ist, mehr mit R zu-
sammentrifft. Damit bezeugt auch sie von neuem, in wie vielerlei
Gestalten die Pseudoklementinen schon in ältester Zeit umliefen.
Wurde sie in der nestorianischen Kirche weiter überliefert^,
so scheint auch eine arabische Übersetzung zu existieren ^, welche
ebenso die außerordentliche Verbreitung dieser Schrift bekundet.
Auf eine griechische Epitome aus dem 10. Jahrhundert, die
der jetzigen Gestalt der Homilien nicht entspricht, soll nach
Franko ^ zurückgehen, was in einem kirchenslawischen Fragment
„über den Anfang der Mönche des heiligen Klemens des römi-
schen Papstes'^ von der Wirksamkeit des Petrus in Rom erzählt
ist. Aber mag auch dies Fragment an die Pseudoklementinen
angeknüpft haben, keinesfalls kann es, wie Franko meint, die
Ansicht Langens bekräftigen, wonach die Epitome die eigent-
liche Grundschrift der Pseudoklementinen darstelle. Wenn es
wie der Schluß von Ε von der Predigtwirksamkeit des Petrus
in Rom erzählt, so setzt es damit vielleicht Bekanntschaft mit
Έ voraus. Im übrigen schmückt es die ganze Erzählung so
sagenhaft aus, daß es nur als eine späte Nachdichtung zu E,
nicht aber als ein Teil einer verlorenen Grundschrift der Pseudo-
klementinen betrachtet werden kann.
Immerhin beweist es, mit welcher Vorliebe sich die Phan-
tasie der verschiedensten Völker und Zeiten diesem Stoff zuge-
wandt hat.
1; Es fehlt Η 12 25 33. Die etwa 40<) Jahre jüngere Handschrift ent-
hält nur R 1 1—4 i.
2) Richardson, E. C, the history of Clement in Presbyt. and reformed
Rewiew. 1895, 108 ft".
3) Baumstark a. a. 0. 25 f.
4) Preuschen bei Harnack a. a. 0. 1, 229. Uhlhorn a. a. O. 44 f.
5) J. Franko, Beiträge aus dem Kirchenslawischen I. Zu den Pseudo-
klementinen in Zeitschr. f. neutestamentl. Wissensch. 1902, III 140 ff.
IV. Die Entstehung der pseudoklementinischen Schriften. 375
So aus der byzantinischen Literatur in die slawische über-
gegangen, hat die Erzählung der Pseudoklementinen durch Ver-
mittelung der Rufinschen Übersetzung auch in der deutschen
Literatur des Mittelalters, in der Kaiserchronik aus dem 1 2. Jahr-
hundert^ Eingang gefunden ^ und sich schließlich in der deutschen
Faustsag e niedergeschlagen, welche ihr nicht nur den Namen
ihres Helden, sondern auch manche einzelne Züge verdankt;
man denke an die Flugkünste des Dr. Faust und an sein Ende,
an Helena, an die Erschaffung des Homunkulus u. a.-
In diesem Zusammenhang betrachtet, stellt das pseudokle-
mentinische Problem einen weitverzweigten literarischen Prozeß
dar, dessen letzte Ausläufer für uns wissenschaftlich ebenso un-
faßbar sind, wie seine ersten Anfönge. Doch treten die einzelnen
und wichtigsten Stadien dieser Entwicklung dem Auge des auf-
merksamen Beobachters noch so deutlich entgegen, daß es nicht
notig erscheint, an einer Lösung dieses allerdings höchst schwie-
rigen und verwickelten Problems zu verzweifeln. Wenn daher
auch der jüngste Bearbeiter desselben angesichts der vielen und
zum Teil sich widersprechenden Meinungen, welche in der Wissen-
schaft im Laufe der Zeit zum Ausdruck gekommen sind, vor
neuen Hypothesen warnte so wird man doch nicht vor einem
non liquet stehen bleiben müssen. Beweist doch gerade diese
neueste, in das Detail so tief eindringende Untersuchung, daß in
der pseudoklementinischen Literatur die verschiedenartigsten
Schichten über- und durcheinander gelagert sind, zu deren Er-
forschung man nicht müde werden darf immer neue Gänge zu
graben ; denn nur so ist es möglich, ihr gegenseitiges Verhältnb
zu erkennen. Erst dann können auch die Schätze gehoben
werden, welche hier für die Geschichte des Christentums ver-
borgen liegen.
1) Hilgenfeld, Die apost. Väter 21M> Anm. lU. Uhlhorn a. a. 0. i')i.
2) de Lagarde, Clementina 22. Vgl. G. E. Steitz in der Recension von
Clementina ed. de Lagarde in Theol. Stud. u. Krit. XXXX, 2; ö.jnff. Gotha
18(37, sowie E. C. Ricbardson, Faust and the Clementine Recognitions in
i'apers of the American Society of Church History VI. New- York, 1894.
:5) Meyboom, a. a. 0. II. 111.
Literatur.
Vgl. die Literaturangaben bei Schliemann a.a.O. 17 ff., Ohlhom a. a.
Iff. sowie E.G. Richardeon, Bibliographical Synopsis^ BuifalolBST; G.Krüger
Oeechiehte * der altchristlichen Literatur, Freiburg 1898. Bardenhewer, Ge
schichte der altkirchiicben Literatur 1. Freiburg 1902.
A. Neander, Genetische Entwickelung der Yornehmsten gnostischei
Systeme, Beilage über die pseudoklementinischen Homilien. Berlin 1818
K. A. Credner, über Essäer und Ebioniten und einen teilweisen Zusammen
hang derselben in Winers Zeitschr. f. w. Theol. I, 2. Sulzbach 1827; 3, 1829
D. von Colin, Clenjcntina in Ersch und Gruber Enzyklopädie I. XVin
Leipzig 1S28. F. Chr. Baur, Das manichäische Religionssystem. Tübingei
1831 ; derselbe, Tber die Christuspartei in der korinth. Gemeinde in TO
binger Zeitschrift I, A, Tübingen 1831. K. A. Credner, Beiträge zur Ein
leitung in die bibl. Schriften I. Halle 18i^2. F. Chr. Baur, Die christlich«
(inosis. Tübingen 18;>5; derselbe, Die sogen. Pastoralbriefe des Paulus
Stuttgart und Tübingen lSi?5; derselbe, über Zweck und Veranlassung dei
Römerbriefes in Tübinger Zeitschrift VI, 3. 183«. R. Rothe, Die AnÄngi
der christlichen Kirche 1. Wittenberg 1837. F. Chr. Baur, Über den Epiekopa
in der christlichen Kirche. Tübinger Zeitschrift VIII, 3. 1S38. Schenkel
De ecciesia Corinthia primaeva factionibus perturbata. Excursus de Giemen
tinorum origine argunientoque. Basile^e 18;38. A. Schliemann, Die klemen
tinischen Rekognitionen, eine Überarbeitung der Klementinen in den Theol
Mitarbeiten, herausgegeben von Pelt, Mau und Domer, IV, 4. Kiel 1844
derselbe, Die Klementinen. Hamburg 1844. A. Schwegler, Das nacha]>osto
liiche Zeitalter I. Tflbingen 18^^10. Frank, Die evangelischen Zitate in der
klem. Homilien in Studien der Württemberg. Geistlichkeit, XIX, 2, 1847
Λ. Hilgenfeld, Die klementiniscben Rekognitionen und Homilien. Jena 1848
dazu Köstlin in (Hall.) Allgem. Literaturzeitung No. 73 — 77 1849. A. Ritschi
Die Entstehung der altkath. Kirche. Bonn 1850. A. Hilgenfeld, Die Kom
]»osition der klem. Rekognitionen in Theol. Jahrb. X, 1, 1850; derselbe, Kri
tische Untersuchungen Üb^r die Evangelien Justins, der klementinischei
Homilien und Marcions. Halle 1850. A. Ritschi, Die Bedeutung der pseudo
klementiniscben Literatur in Allgemeine Monatsschr. f. Wissensch. u
Literatur. Halle und Braunechweig 1852. A. Hilgenfeld, Die apostolischei
Väter. Halle 185!). G. Uhlhorn, Die Homilien und Rekognitionen. Göt
tingen ]S:)4; flazn A. Hilgenfeld in Theol. Jahrbücher ΧΠΙ. 1S54. Fr
Literatur. 377
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Homilias P. Ϊ. (Progr.) Gottingae 1857; P. II in Dressel, Clementinorum
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1869; dazu A. Hilgenfeld in Zeitschr. f. w. Theol. XII, 358 ff. Leipzig
imi Tb. Zahn in Gott. gel. Anz. 1869, iK)5ff. de Lagarde ebenda 1(«4Γ.
R. A. Lipsius in Prot Kirchenzeitung XIX. 1869; derselbe, Die Quellen
der römischen Petrussage. Kiel 1872. A. Hausrath, Neutestamen tliche Zeit-
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Homilies in Hermathena VII 1S9U; VHI 1891. G. W. Stemler, Wie wordt
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altchristl. Litteratur T, Leipzig 1898. (W. Chawner) Index of the noteworthy
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des Magiers nach den pseudoklementiniFchen Homilien. (Progr.) Leipzig
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the evil as explained in the Clementine and Lactantian writings in Stud.
bibl. et eccles. IV. Oxford 18!m;. (ί. Uhlhorn, Clementinen in Herzog, RK.
IV3. 189S. F. J. A. Hort, Notes introductory to the studie of the Clemen-
tine Recognitions. London ΙίΜΠ. W. Mallinckrodt, Clementis Romani
1) Vgl. auch A. Resch, Aulierkanonische ParalleUexte in T. u. U. X.
Leipzig 1897 (is98-9:'i.
378 Waitz, Die Peeudoklementinen.
quae feruntur homiliae viginti in Geloof en Vrijheid 85, Rotterdam 11M»1;
derselbe, De clementijnsche Homilien het evangelie naar Johannes, ebenda.
A. C. Headlam, The Clementine Literatare in The Journal of the Theolo-
gical Studies III, 9. London 1901. E. Preuechen, Antilegomena. Gießen
1901. J. Chapman, Origen and the date of Peeudo-Clement in The Journal
of the Tbeological Studiee IV, 4. 1902; dazu A. Harnack in Theol. Litte-
raturzeitung 1902 und A.Hilgenfeld, Origenes und Pseudoklemens in Zeitschr.
f. w. Th. XL VI, 3. 1903. J. Franko, Beiträge aus dem Kirchenslawischen,
I. Zu den Pseudoklementinen in Zeitschr. f. ntl. W. III. Gießen 1ίΚ*2.
J. Bergmann, Les elements juifs dans les Pseudo-Clementines in Revue des
Etudes Juives XLVI, 1. Paris 1903. H. U. Meyboom, De Clemene- Roman.
T. u. IL Groningen 1903. 1904. W. Boasset, Die Wiedererkennungsfabel
in den pseudoklem. Schriften usw. in Zeitschr. f. ntl. W. li, 1. 1904.
Nachträge/
Zu S. 2 Aom. 1. Vgl. Hort a. a. 0. 5fiF.
Zu S. 5 Z. 9ff. Wie Schliemann a. a. 0. 6Sff 80flF. ist auch
Meyboom a. a. 0. II 89flF. 93 geneigt, den Brief des Klemens
an Jakobus mit Η zu verbinden, dagegen spricht ihn Hort a.a.O.
91 f. im Anschluß an Uhlhorn a.a.O. 81 ff. 105 ff. und Lehmann
a. a. 0. 48 Η ab und R zu ; doch bringen beide keine neuen
Grunde für ihre Annahmen.
Zu S. 7 Z. 19 ff. Auch Meyboom a. a. 0. II 30 ff. behauptet
auf Grund des gleichen, aber auch neuen Beweismaterials Langen
gegenüber, daß Ε II nur ein Auszug aus Η ist (vgl. Hort a. a. 0. 4) ;
dabei läßt er es jedoch offen, ob Ε II unsre Η oder ein andres
Exemplar derselben vorlagen (a. a. 0. 39).
Zu S. 14 Z. 27 ff. Daß Ε I eine jüngere Redaktion als Ε II
ist, steht auch für Meyboom fest; vgl. dazu seine zutreffenden
Ausführungen a. a. 0. II 33 ff. Doch meint er mit Rücksicht auf die
von Langen a. a. 0. 157 f. erhobenen Einwände die Möglichkeit
zugeben zu müssen, daß an einigen Stellen Ε I eine andre, mehr
mit Η übereinstimmende Grundschrift von Ε II benutzt habe,
oder aber Κ II hier später, nachdem Ε I schon nach Ε II her-
gestellt war, durch einen Abschreiber geändert worden sei (vgl.
Ε II 46. 106. 162 mit Ε 1 46. 106. 150). Man kann hierin Mey-
boom zustimmen. An dem Ergebnis unsrer Untersuchung wird
dadurch nichts Wesentliches geändert.
Zu S. 16 ff. Die Annahme, für die § 3 und § 4 den Beweis
erbringen soll, daß Η und R auf eine gemeinsame Grundschrift
zurückgehen, darf wohl auf Grund der neuesten Veröffentlichungen
als allgemein anerkannt angesehen werden. Allerdings G. Salmon
1) Erst nach Abschlul> des Manuskripts und während des Drucks sind
mir die Bücher von Hort und Meyboom, sowie einige kleinere Abband-
lungen zu Gesicht gekommen, auf die icb in den Nachtrülgen, soweit als
nötig, eingehe.
380 Waitz, Die Pseudoklementinen.
(in Art. Clementine Literature in Dictionary of Christian Biogra-
pby, Boston 1877, I. 571) hat noch einmal die ühlhornsche Hy-
pothese, nur sie umkehrend, erneuert, indem auch er eine —
ebionitische — Urschrift annimmt, auf Grund deren durch Hiu-
zufügung der Klemensgeschichte zunächst R entstand, während
der Verfasser von Η wieder R bearbeitete, dabei aber zugleich
die Urschrift kannte und b'^nutzte. Immerhin gibt er ihr einen
weit größeren Umfang als Uhlhorn, wie er auch ihren klemen-
tinischen Charakter anerkennt (a. a. 0. 573), und meint (a. a. 0.
571), that while neither of the existing documents can claim to
be the original form of the story the are not independent. Ohne
auf die Sache näher einzugehen, gibt Δ. C. Hcadlam in einem
Aufsatz The Clementine Literature (in The Journal of Theolo-
gical Studies III, 9. p. 45, London 1901) dasselbe Urteil ab:
Both (H und R) have marks of priority . . . Both documents in
the form, in which they at present exist, must be modifications
of some common original. Auf Grund einer sorgfaltigen Unter-
suchung der patristischen Zitate, mit welcher die unsrige in § 4
vielfach, manchmal fast wörtlich übereinstimmt, kommt Hort
a. a. 0. 24fr. 29. 43 f. 45. 47 f. 49 f. 53 f. 57flF. 76fiF. zu demselben
Ergebnis, that both, Recognitions and Homilies, had a common
source (a. a. 0. 82. 88 f.). Diese Quellenschrift, welche nach seiner
Meinung bedeutend umfangreicher als Η oder R war (a. a. 0. 88),
betrachtet er — eben auf Grund der patristischen Zitate — als
verwandt mit R, kann sie jedoch weder mit R noch mit deren
griechischem Original identifizieren. Im Unterschied hiervon legt
Meyboom a a. 0. II 109 f. auf die patristischen Zitate wenig Ge-
wicht. Um so mehr gibt er sich viel Mühe mit einer Verglei-
chung der Texte von Η und R, welche die unsrige ergänzt
(a. a. 0. 47 if.), und wird so hinsichtlich des Verhältnisses von Η
und R zu dem Schluß gedrängt: Allerwege gaat de zelfstandig-
keit met afhanklijkheid gepaard. Muß er daher auf Grund seiner
Untersuchung R fast durchweg die Ursprünglichkeit absprechen,
so kann er doch auch nicht in Η die Anfangsphase der klemen-
tinischeu Literatur erkennen (a. a. ü. 11, 108 f.). So kommt er zu
dem Schluß — und hierin steht er in einem gewissen Gegensatz
zu Hort — , daß ein Werk, das Η in der gegenwärtigen Gestalt
sehr nahe komme, die Hauptquelle sowohl für Η als auch für
η ausmache n. n. 0. 11. (39. lOSf.l
Nachträge. 381
Zu S. 51 Z. 8 fr (§ G). Auch Hort a. a. 0. 83 sieht wegen
der Erwähnung des Vaters des Klemens in dem Zitat aus der
Pbilocalia c. 23 den Familienroman des Klemens als den Grund-
stock der gemeinsamen Grundschrift von Η und R an, auf den
sich die didaktischen Abschnitte aufbauen. Wenn er sie trotz-
dem Περίοδοι Πέτρου genannt haben will, so stützt er sich
dabei hauptsächlich auf das angeflihrte Zitat in der Pbilocalia
(vgl. a. a. 0. 27 f.), welches als ältestes Zeugnis wie för die Grund-
schrift, so auch für deren Titel anzusehen sei. Ist aber das Zitat
dem Origenes abzusprechen (s. o. S. 70, sowie die Bemerkungen
des Herausgebers J. 0. F. Murray zu Horts Ausführungen
a. a. 0. 1, Anm. 28), so kann auch dieser Titel nicht mehr als
die älteste Bezeichnung gelten. Immerhin, mag auch die Grund-
echrifk Περίοδοι Πέτρου geheißen haben, so dürfen diese Worte
nicht ohne den Zusatz δια Κλημεντος gedacht werden, wie wir
ihn bei Epiphan. adv. haer. 30 i5 finden. Darauf weisen auch die
Zitationsformeln hin, die sich bei Orig. comm. in Mt. (Petrus
apud dementem), im Op. imperf. in Mt. (Petrus apud demen-
tem [so viermal] oder in historia deraentis Petrus) bei Hierony-
mus (demens in Periodis) und im Chron. pasch. {Κλημέντια)
finden. M. a. W. die Grundschrift war nicht als eine petrinische,
sondern — was ja auch Hort zugibt — als klenientinische gedacht.
Zu S. 53 Z. 14fiF. J. Bergmann, Les elements juifs dans
les Pseudo-dementines in Revue des Etudes Juives XLVI, 89ff.,
1903 sucht im Anschluß an einige Bemerkungen in Boussets
Buch, Die Religion des Juden turas im neutestaraentlichen Zeit-
alter, Berlin 1903, jüdische Elemente in den Pseudoklementinen
nachzuweisen. Wenn er als solche die Erklärung der alttesta-
mentlichen Namen (H 325.20.42, 9 4, vgl. a. a. 0. 92), die Erzählung
Tom Fall der Engel (R 1 20, 4 26, Η &i2f. , vgl. a. a. 0. 93 f.), die
Schilderung der ersten Generationen (Rl 30-33, vgl. a.a.O. 94),
den Hinweis auf das Los der prädestinierten Seelen (R3 26), die
Anschauung von den Opfern nach dem mosaischen Gesetz (R 1 ?6.
vgl. a. a. 0. 95 f.), die Theorie von den beiden Himmeln (R 2 68,
3 26. Ϊ7, vgl. a. a. 0. 96), die anthropomorphistiscben Vorwürfe
gegen den alttestamentlichen Gott (H 2 43 ff., vgl. a. a. 0. 97)^ an-
1) Bergmann verweist auf Η 8 39 ff. , welche Kapitel jedoch erst (s. o.
3. i*7) nachträglich auf Grund von Η 2 48 ff. interpoliert worden sind.
I
%
382 Waitz, Die Pseudoklementinen.
führt, so bezieht er sich damit durchweg auf Stellen, welche sich
nach unserm quellenkritischen Nachweis in judenchristlichen
Quellen der Pseudoklementinen {K, /7., vgl. Kap. II, Unterteil)
befinden; dasselbe gilt von der Stelle Η 233 (nicht 223, wie Berg-
mann unrichtig zitiert) τον &εοφίλον ημών εθ^νονς. Jüdischen
Ursprungs mögen auch die Ausführungen über die Bestrafung
des Bösen (H2 3o, 11 le, 19 5, R847, vgl. a.a.O. 95f.), über die
Engel (R242), über die Einheit Gottes (R237, Hllie, 16 8. 11
[cf. Gen. 1 20], vgl. a. a. 0. 97 f.) sein. Doch sind diese Ideen so
völlig in die christliche Theologie übergegangen, daß sie nicht
mehr als spezifisch jüdische betrachtet werden können (vgl. zu
der Engellehre R 2 42 die patristischen Zitate in der Bemerkung
Coteliers zu dieser Stelle, sowie Justin, Dial. c. Tryph. 56, zu den
Ausführungen über Gen. 1 26 Justin, Dial. c. Tryph. 62). Sie
können daher auch nicht als Beleg für einen judenchristlichen
Ursprung dieser Stellen dienen.
Wenn Bergmann a, a. 0. 90 nach Bousset RI43, wonach
die Messianität Christi den einzigen Streitpunkt zwischen den
Juden und Christen bilde, zum Beweis für den judenchristlichen
Charakter der Pseudoklementinen heranzieht, so übersieht er, daß
an andern Stellen, die mit R 1 4i im engsten literarischen Zu-
sammenhang stehen (s. 0. S, 109 f. 167 f.), R 1 53. 59, Jesus als Christus
weit über den Propheten Moses gestellt und R 1 63 Taufe und
Abendmahl als einzige Vorbedingungen für die Erlangung des
Heiles hingestellt werden. Sind aber die Ausführungen in R 1 .»»λ
bv, 63 nicht als judenchristlich, vielmehr als antijudais tisch zu cha-
rakterisieren , so kann auch R 1 4i nicht im judenchristlichen
Sinne verstanden werden. Wenn R 1 43 die Messianität Jesu als
einzigen Streitpunkt zwischen Juden und Christen bezeichnet, so
geschieht das nur deshalb, weil dies das Thema der nachfolgen-
den Disputation zwischen den Aposteln und den Juden ist, aber
nicht in dem Sinne, als ob es zwischen Juden und Christen keine
weiteren Difi'erenzpunkte gebe. Oder wäre Taufe und Abend-
mahl (K 1 63) nicht dazu zu rechnen? Ebensowenig beweisen
die Ausführungen Bergmanns a. a. 0. 90 f. über die Bekanntschaft
der Pseudoklementinen mit jüdischen Sitten deren judenchrist-
lichen Ursprung. Was R9 28 (dieses Kapitel gehört dem bar-
(lesanitischen Dialog jrsQi ύμαρμίνης an, s. o. S. 256 fi^.) von der
Sabbatfeier der Juden erzählt, beruht wohl auf genauer Kennt-
Nachträge. 383
nis jüdischer Gebräuche, ebenso wie das, was kurz vorher R 9 27
von indischen Gebräuchen erzählt wird, auf ebensolcher Eeont-
nis indischer Gebräuche beruht; aber diese Kenntnis kann ebenso-
gut ein Heidenchrist wie ein Judenchrist gehabt haben, zumal
in Syrien. Die Verbote aber, an heidnischen Opfermahlzeiten teil-
zunehmen (vgl. Η 8 23, R4 23), sowie Blut zu genießen u. s. w.
(vgl. Η 74.8, 823), finden sich nicht nur in jüdischen, sondern
auch in neutestamentlichen Schriften (Act. 9 3, 15 29, 1. Cor. 10 21)
und beweisen ebenfalls nichts für einen Juden christlichen oder
judaistischen Charakter dieser Ausführungen.
Das Gleiche gilt von der Stelle R 4 36 hie ergo vobis sit
primus gradus ex tribus, qui gradus triginta ex se gignit man-
data, secundus vero, qui sexaginta, tertius vero, qui centnra.
Mögen auch die jüdischen Gelehrten diese Zahlen kennen, wie
Bergmann a. a. 0. 91f. behauptet, so führen sie doch nicht diese
Zahlen in derselben Zusammenstellung wie R 4 »6 an. So aber
finden wir sie in dem Gleichnis Jesu vom Säemann (Mt. 13 2?).
In diesem Wort Jesu, in dem sich vielleicht ein Stück rabbini-
scher Theologie erhalten hat, haben wir die Quelle zu suchen,
auf die R 4 se zurückgeht.
Die rituellen Gebräuche, welche Petrus beobachtet, wie die
Danksagungen (H 1 22, 10 le, R 2 72, 5 se) und Waschungen (H 11 1)
werden allerdings einmal (H 10 2β, Rose) ausdrücklich als he-
bräische bezeichnet, wie sie in der Tat jüdisch-essenischen Ur-
sprungs sind. Aber sie sind deshalb noch nicht ein Beweis für
den judenchristlichen Charakter des Verfassers des Klemens-
romans, der sie vielmehr schon in seinen Quellenschriften vor-
fand (s. u. Nachtrag zu S. 188 Z. 4) und sie um so lieber in sein
Werk aufnahm, als sie ebenso sehr seinen synkretistischen Nei-
gungen wie seiner apologetischen Tendenz entsprachen, das
Christentum als eine Fortsetzung des Judentums hinzustellen.
Zu S. 60 Z. 15 fi•. (§ 7). Hort a. a. 0. 8:3flF. läßt seine Grund-
schrift {Περίοδοι Πέτρου) aus elkesaifcischen Kreisen stammen
und am Anfang des 3. Jahrhunderts im Ostjordanland entstanden
sein. Zur Widerlegung dieser Annahme vgl. Kap. 1, s5§ 6 und 7,
Kap. II, unterteil 1. § G, S. 1550". Meyboom geht auf die Frage
Dach Heimat und £ntstehungszeit der von ihm angenommenen
Grundschrift nicht weiter ein, sondern begnügt sich, die verschie-
384 Waitz, Die Pseudoklementinen.
denen Ansichten über Ort und Zeit von Κ und Η einfach wied^
zugeben (a. a. 0. II, 76flf. 93flF.).
Zu S. 61 Anm. 3. Vgl. dazu Meyboom a. a. 0. II, 209 flf.
Zu S. 78, Z. 36 flf. (§ 1). Während Meyboom (a. a. 0. II ί
im Anschluß an Schliemann den Brief des Petrus zusammen n
dem des Klemens einem Verfasser zuschreibt, hält Hort (a.
0. 92) das fttr völlig unglaublich. Indem er jedoch den Br
des Klemens den Rekognitionen zuweist, stimmt er mit Meybo(
darin überein, daß er den Brief des Petrus mit den Homili
verbindet: It seems probable that the editor of the Homil
wrote the Ep. Pet. and the Adjuration. Doch bringt er dai
weder andere Gründe als die von uns S. 81 besprochenen, no
widerlegt er die Gründe, welche gegen eine Zusammenstellu
von Ep. Petr. und Η sprechen.
Zu S. 87, Z. 18fiF. Auch Hort a. a. 0. 102 fF. hat erkannt, d
Beziehungen zwischen der Inhaltsangabe R Η 75 und Η bestehe
Trotzdem will er, ebenso wie Meyboom (a. a. 0. Π, 72 f.), <
Existenz präklementinischer K. Π. ins Reich der Phantasie v<
weisen. Doch ist es ihm nicht gelungen, die Beweise für il
Existenz, wie sie in Ep. Petr., Cont. Η 1 20, R 1 n. 3 75 vorlieg»
zu entkräften (vgl. a. a. 0. 96 — 119). Wenn er daher (a. a.0. 1(
meint, daß in Η und R alle Züge fehlten, welche auf ein Bu
wie alte antipaulinische K. Π, hindeuteten, so beweist unsre Unt(
suchung das gerade Gegenteil, daß sie in reichstem Maße v<
banden sind. So wird denn auch seine Hypothese, wie die ül
horns, in demselben Augenblick hinfällig, in dem der 6egt
beweis für die Existenz der K, Π. mit ihrer Rekonstruktion g
geben ist.
Zu S. 88, Z. 4 ff. Vgl. dazu F. Chr. Baur, Die christliche Gnos
Tübingen 1835, 313 ff.
Z. S. 94, Z. 3 v. u. Auch Hort a. a. 0. 103 verweist a
Η 2 3H-52. 3 a8-57.
Zu S. 105, Z. 1 ff. Auch Hort a. a. 0. 105 erkennt den Inhj
dieses Buches in Η 19 2-23 sowie Η 2 i5-i8. ss. 3 le wieder.
Zu S. 110, Z. 5. Auch Lipsius in dem Aufsatz „Petrus ni(
in Rom" im Jahrb. fUr prot. Theol. II 62() f., Leipzig 1876 unt
scheidet das 7. Buch scharf von den Kerygmen.
Zu S. 111, Z. 16 fl". So meint auch Hort a. a. 0. 106: Τ
tirst part of this head is, stränge to say, the hardest of all
Nachträge. 385
identify in the Hecognitions. Doch zieht er unrichtig Η 11 24-28
heran. Für den 2. Teil des 10. Buches verweist er richtig auf
R 3 32-26.
Zu S. 135, Anm. 1. Auch Uhlhorn a.a.O. 361 sieht in Η 11 3δ
„ein abgesprengtes Stück der Urschrift, das der Verfasser der
Homilien [besser: der der Klementinen vgl. R 4s5!] hier einschobt
Jedenfalls ist die Stelle, wie er richtig bemerkt, gänzlich zu-
sammenhangslos. Sehr auffällig ist auch, nicht nur daß hier
Presbyter angeredet werden, welche doch erst später (vgl. Η Ilse)
gewählt werden, sondern auch daß ebenso wie Cont. 1.5. nur
Presbyter genannt werden, während doch sonst in Η (wie z. B.
schon Η Ilse) neben Presbytern stets auch Diakonen erwähnt
sind. Auch das weist darauf hin, daß diese Stelle z. T. wenig*
stens zu K. /7. gehört.
Zu S. 136, Z. 14 flf. G. Salmon a. a. 0. 575 macht darauf auf•
merksam, daß die syrische Übersetzung den Syzygienkanon R 3ei
in einem Text gibt, der nicht wesentlich von Η abweicht Übri-
gens deutet auch er das falsche Evangelium auf die Lehre des
Paulus, das wahre auf die Lehre der in R und Η benutzten
Grundschrift, unter der er jedoch nicht ganz zutreffend (vgl.
dazu oben S. 155 ff.) die Lehre des Buches Elkesai versteht.
Zu S. 142, Z. 28 ff. Zu dieser SteUe bemerkt ähnlich A. Hil-
genfeld in einem Aufsatz: ,,Die Klemensschriften und ihre neueste
Bearbeitung'* in Zeitschr. f. w. Theol. XII, 353 ff. Leipzig 18G9:
„Das lebensvolle Programm des Judenchristentums für die Heiden-
kirche ist hier schon bedeutend abgeschwächt" (S. 367). Noch
schärfer betont dies W. Frommberger: De origine Pseudo-Clemen-
tinorum (Dissert. inaug.) Vratislaviao 1886 p. 34sq. Tantum igitur
abest, ut totus ille locus (H 86) ad Ebionaeorum doctrinam
spectet, ut nonnisi ad gentilium philosophiam referendus sit et
erraverunt omnes fere adhuc critici, qui, hoc loco commoti, cre-
derent auctorem, quamvis in Universum philosophia ac doctrina
ejus utique singularis esset, tarnen, quoniam et Hebraeorum et
Christianorum religionem idem esse existimaret, ipsum ex nu-
mero Ebionaeorum fuisse. Im übrigen Obertreibt Frommberger,
wenn er in den Klementinen durchweg jede Beziehung auf
Ebionitismus leugnet und nur solche zum Hellenismus bezw.
zur heidnischen Philosophie anerkennen will. cf. 1. c. p. 27. 38.
3 sq. 49 sq.
Texte u. CntersuchuDgen. N. F. X, 4. 25
386 Waitz, Die Pseudoklementinexi.
Zu S. 143, Z. 9f. Vgl. jedoch hierzu meine Nachträge zu
S. 53, Z. US. am Schluß, sowie zu S. 188, Z. 4.
Zu S. 152, Z. 7. Über den Einfluß der stoischen Philosophie
vgl. Credner, Über £ssäer und Ebioniten in Winers Zeitschr. f. w.
Theol. I, 3. 319 flF. Sulzbach 1829; E. Wadstein, Der Einfluß des
Stoizismus in Theol. Stud. u. Krit. LUX. 4. 614 flf. Gotha 1880, so-
wie Uhlhorn a. a. 0. 404 ff*.
Zu S. 153, Z. OflF. Wie Hort a.a.O. 109 f., so kann auch
Meyboom a. a. 0. IL 194 f. kein charakteristisches Merkmal für
die Bekämpfung eines basilidianischen Systems finden.
Zu S. 168, Z. 28 ff*. Wie schon für Lipsius (vgl. den Aufsatz
Petrus nicht in Rom a. a. 0. 627) , so ist es auch für Meyboom
a. a. 0. II 73 fraglich, ob an die Άναβαϋ^μοϊ ^ίαχώβον zu denken
ist. Ebenso fraglich ist es jedoch für uns, ob mit Lipsius in R
153-71 eine alte pseudopetrinische Schrift zu erkennen ist, weil
nicht Jakobus, sondern Petrus der Redende sei; denn das ist er
erst in der Überarbeitung der K. Π. geworden. Wenn hier irgend-
welche apokryphe Akten vorliegen, so können es nur Thomas-
akten sein, welche jedoch einen ganz andern Charakter als die
erhaltenen gnostischen Acta Thomae gehabt haben müssen. Nun
setzt nach Hilgenfeld a. a. 0. 310 und Uhlhorn a, a. 0. 369, R 929,
welche Stelle der hier verarbeiteten Schrift des Bardesanes xegi
Βίμαρμένης angehört (vgL dazu oben S. 2 56 ff^.), andere Akten voraus,
als jene gnostischen, indem hier von einer Wirksamkeit des
Thomas unter den Parthem und Medern, dagegen nicht von einer
solchen unter den Indern die Rede ist. Zugleich stimmt R929
in diesem seinem Bericht mit einer alten Überlieferung über die
Wirksamkeit des Thomas, welche besonders in Syrien (Edessa) ihre
Heimat hat. (Vgl auchEus. h. e. I 13. 4f). Dürfen wir danach die
ExivStenz alter katholischer Thomasakten — es ist nicht einzu-
sehen, warum sie ebionitisch sein sollen — als gesichert ansehen,
so werden wir in R 1 53ff. einen Bestandteil dieser Thomasakten
wiedererkennen dürfen.
Zu S. 168, Anm. 2. Vgl. dazu Meyboom a. a. 0. II 73 f.
Zu S. 169, Z. 15. Wie für Hilgenfeld, so ist es auch för
Lipsius in dem Aufsatz Petrus nicht in Rom, a. a. 0. 616 un-
zweifelhaft, daß mit R 1 72 ein mit dem Vorangegangenen ur-
sprünglich nicht zusammenhängender, sondern erst vom Über-
arbeiter angereihter Abschnitt beginne.
Nachträge. 387
Zu S. 188, Z. 4. Auch von ebiouitischen Lehranschauungen
ist keine Spur zu finden. Die rituellen Waschungen zwar, denen
sich Petrus allenthalben unterzieht, mögen ihrem letzten Ursprung
nach auf jüdisch-essenische Gebräuche zurückgehen, haben aber
in Π. Π. durchaus jeden sakramentalen Charakter verloren, den
sie bei den Essenern und £lkesaiten noch hatten, indem dieser
nur der Taufe zukommt. (Vgl. Η 7 8. la. 9 23 u. ö.) Sie gehören
ebenso wie die Vorschriften, sich άπο κοίτης zu baden, sich von
dem Genuß des Opferfleisches zu enthalten u. a. (vgl. Η 7 β) zu
den kultisch-sittlichen Vorschriften, wie wir sie ähnlich in den
späteren Kirchenordnungen Λviederfinden (vgl. Const. ap. la. 7 21).
Wie sie, so ist auch — trotz Epiphanius, adv. haer 30 is — die
asketisch -vegetarianische Lebensweise, die von Petrus berichtet
wird, kein Beweis für einen ebionitischen Charakter der Ω. /7.,
so wenig sie für einen Zusammenhang mit dem Pythagoreismus
herangezogen werden kann. Sie ist nur ein Merkmal eines alt-
christlich-asketischen Ideals, das auf den Apostel übertragen wurde,
wie denn auch nach Clem. Alex. Paed. II 1 16 und Hegesipp bei Eus.
h. e. 11 235 Matthäus und Jakobus Vegetarianer waren (vgl. Clem.
Alex. Str. Vll 12 69). Wenn Epiphan. haer. 30ΐδ. 21. 22 die täg-
lichen Waschungen und die asketische Lebensweise für ebio-
nitisch betrachtet, so tut er dies oflFenbar nur auf Grund dessen,
was er in den Περιόδοις Πέτρου ταΐς öta Κλημεντος γραφείοαις
(d. i. eben in unsem Klementinen bezw. deren Grundschrift) vor-
fand, die er wegen ihrer sonstigen Verwandtschaft mit den elke-
saitischeu Vorstellungen für ebionitisch ansah. Will man daher
sich nicht in einem circulus vitiosus bewegen, so muß man das
Urteil des Epiphanius über den ebionitischen Charakter jener in
<len /7. IL erwähnten rituellen und asketischen Gebräuche außer
acht lassen.
Zu S. 203, Anm. 1. Vgl. dazu noch A. Bilgen feld. Der Magier
Simon in Zeitschr. f. w. Theol. XI. 357 flf. 369 flF. Leipzig 1868.
Hausrath, Neutestamentliche Zeitgesch. III 326ff. Heidelberg 1873.
E. Zeller, Zur Petrussage in Zeitschr. f. w. Theol. XIX, 31 flf.
Leipzig 1S76. A. Hilgenfeld, Petrus in Rom, ebenda 57 flf. R. A.
Lipsius, Petrus nicht in Rom, in Jahrb. f. prot. TheoL II, 561 ff.
Leipzig lS7(i. (Hier, a.a.O. 505 bezeichnet Lipsius die antipaulinische
iSimonsage der klementinischen Literatur als den Ariadnefaden,
der aus dem Labyrinth der widersprechenden Zeugnisse
3 SS Waitz, Die Pseudoklementinen.
tums über Petrus und Paulus herausführe.) A. Hügenfeld, Noch
einmal: Petrus in Rom usw. in Zeitschr. f. w. Theol. XX, 486 ff.
Leipzig 1877, sowie aus neuester Zeit Kreyenbühl, Das Evan-
gelium der Wahrheit 174 ff. Berlin 1900. Auch ihm ist die älteste
Simonsage ein yollständiges Zerrbild des Lebens und Wirkens
des Heidenapostels bis zu dessen letzten Taten und Geschicken in
der Welthauptstadt (a. a. 0. 177).
Zu S. 204, Z. 16ff. Im 2. Teil seines Werkes (S. 191) gibt Mey-
boom selber zu: Men möge de oordeelkundigen soms op overdrij-
Ting betrappen, fügt aber bei: de hoofdzaak, Simon een duplicaat
van of een parodie op Paulus staat vast. Im Gegensatz hierzu hebt
Hort a. a. 0. 124 hervor: The polemical elements are directed
partly against real Simonianism . . . partly against various form
of . . heathenism . . . On the other band the allusions to St. Paul
are merely passing skits, lying on the mere outside of the dis-
courses. Sicher unterschätzt Hort, der hauptsächlich R im Auge
hat, den Umfang der antipaulinischen Polemik in den Pseudo-
klementinen. Daher ist auch sein Versuch, diese sowie die
Paulusmaske des Simon zu erklären (a. a. 0. 130 ff.), nicht besser
als die von ihm (a. a. 0. r27ff.) mit Recht bekämpfte Lipsiussche
Hypothese.
Zu S. 214, Z. 28 ff. Vgl. dazu Job. Delitzsch, Zur Quellen-
kritik der ältesten kirchlichen Berichte über Simon Petrus und
Simon Magus in Theol. Stud. u. Krit. XXXXVIl 1, 213 ff. Gotha
1874. Er glaubt „das Vorhandensein einer von der ebionitischen
Petrus- und Simonsage unabhängigen selbständigen Simontradi-
tion und Petrustradition" dartun zu können (a. a. 0. 217).
Zu S. 244, Z. 26. Für syrische Herkunft der 11 U. spricht
noch Folgendes. In Syrien hat sich das Christentum am frühesten
zur Volkskirche entwickelt. Hier hat sich auch der monarchische
Episkopat am frühesten ausgebildet (vgl. die Ignatianen). Beides
aber ist für /7. /7. charakteristisch. — Uhlhorn a. a. 0. 430 macht
darauf aufmerksam, daß unter den Η 2i genannten Jüngern
des Petrus Thomas, Ananias und Angaeus in den Sagen von
der Verbreitung des Christentums in Syrien eine große Rolle
spielen.
Zu S. 250, Z. ;i5ff. Vgl. dazu E. Rohde, Der griechische
Roman. Leipzig 1876. S. 476, sowie Meyboom a. a. 0. Π 179.
Nachträge. 389
Zu S. 258 Z. 32flF. Boll, Studien über Klaudius Ptolemäus
(Neue Jahrbücher f. Philologie u. Pädag. Suppl.-Bd. XXI,
Leipzig 1894) 181 flf., „welcher die fraglichen Texte genau ge-
prüft hat, laßt den Dialog von einer Urschrift der Kekognitionen
abhängig sein, ohne eine Beziehung zwischen dem Dialoge und
dem von Rufin übersetzten Texte der Kekognitionen anzuerken-
nen" (Bardenhewer , Geschichte der altkirchlichen Literatur
I, 362, Freiburg 1902.) Das ist auch unsre Ansicht.
Zu S. 289 Z. 19. Es ist hier noch ein Zitat nachzutragen,
das dem klementinischen Redaktor zuzuweisen ist:
Ep. Clem.9: πεινώντας τρέφετε xal διψώοι παρέχετε jto-
t6vj γνμνοΐς ενδνμα, τονς νοΰονντας έπιΰχέπτεο&ε, τοις εν
ίρνλακαΐς επιφαινόμενοι ci^ δύναοΰ'ε βοηΰ-είτε, τους ξένους
μετά πάθη ς προ&νμίας εΙς τους εαυτών οϊχονς λαμβάνετε,
Η 3 6ο: πεινώντας γαρ &ρέφετε^ διψώοι ποτον παρέξετε
{], παρέχετε) J γυμνούς ενδύΰετε, νοαούντας έπιύχέφεοΘ^ε,
τοις εν είρχταΐς ο?ς δυνατόν βοη&7]0Βτε, ξένους εις τα
ί^αντών ύχηνώματα προ&ύμως άποδέξεο&ε, μηδένα μιοψ
οετε.
Η 1 1 4: προοφέρειν δει όντως' πεινώντι τροφή ν, διψώντι
ποτον, γυμνητεύοντι ένδυμα, νοοοϋντι πρόνοιαν^ ξένφ οτέ-
γην και τω ίν είρχττ} οντι επιφαινόμενοι βοηθ^εΐν ως δυ-
νατόν Ιοτιν,
R523: deferatis esurienti cibum, sitienti poculum, luido
indumentum, aegro ministerium, peregrino hospitium, et in
carcere posito necessaria ministretis.
Η 12 32: όπερ έοτΐ πεινώντα {^ρέψαι xal ποτον διψώντι
παραοχεϊν χαϊ γυμνον ένδνοαι χαΐ νοοονντα ίπιοχέψαοθ-αι
καϊ ξένον δέξαοϋ^αι, τω iv ειρκτ(ι κατά το δυνατόν έπκ/αι-
νόμενον βοηϋ^εΤν, άπαξαπ?.ώς τον Ιν ουμφοραΐς έλεηΰαι,
Mt. 25:5.'). ίο: Ιπείναοα γαρ καϊ ίδώχατέ μοι φαγείν, εδί-
φηοα καϊ εποτίοατέ με, ξένος ^μ'/ν xai ου ν άγετε //£, γυμνός
και περιείχα λέτε με, ηο&έν?ΐοα και επεοχέψαοθ-έ με, ένί/υ-
Λακ// η μην καϊ ήλΟ^ατε προς με.
Ein eigentliches Zitat liegt allerdings an diesen 4 bezw.
5 Stellen in den Kleraentinen nicht vor. Doch ist ihre Über-
einstimmung untereinander und ihre Abweichung vom kanoni-
schen Text so groß, daß man ein Schrift wort als gemeinsame
Grundlage annehmen muß.
390 Waitz, Die Pseudoklementinen.
•
Dieses Schriftwort unterscheidet sich von der Stelle ^™
kanonischen Matthäusevangelium hauptsächlich in folgendem -^^
1. Es tritt nirgends hervor und auch im Kontext findet s ^^^
nirgends eine Andeutung darauf, daß es Jesus wie Mt. 25 ss f. ^
bezug auf sich selbst gebraucht; vielmehr wird es durchgän^^^S
als eine Mahnung an die Menschen angeführt, etwa wie die M^^^"
nungen der Bergpredigt, an zwei Stellen Η 11 4 und 12 32 au -^"
in Verbindung mit Herrenworten, die ihre Parallele in Mt. 7 ^*
haben (s. o. S. 277 No. 12).
2. Es ordnet die einzelnen Sätze in einer anderen Reihei
folge als Mt. 25 35. se, indem es die Fürsorge für die Nackten
die für die Dürstenden anreiht und — ausgenommen Η 1 1 4
die Fürsorge für die Gefangenen vor die für die Fremdlinge stell•
l\. Es gebraucht fast durchweg andre Ausdrücke als Mt. 25 55.;
τρέφετε {{^ρέψετε, τροφην sc. προοφέρειν^ cibum sc. deferre^^^e,
ϋ^ρεψαή statt έδώχατέ μοι, παρέχετε ποτον [ηοτον παρέξετ^^^'
ποτον προοφε'ρειρ, poculum sc. deferre, ποτον παραβχείιή stat"^ — *
εποτίοατέ με, παρέχετε ένδυμα {ένδνοετε. ένδυμα sc προύφέρειν ^^
indumentum sc. deferre, ενδυοαι) statt περιεβάλετέ με, νοοονν-
τας (νοοοΰντι, aegro, νοοοϋντα) statt ηο&ενηοα, Ιν είρχταίς
{εν είρχτί} , in carcere) statt εν φυλαχγι — nur Ερ. Clem. 9 stehfc::::^
εν φυλαχαΐς — , ώς δύναο&ε βοηΟ^εΐτε {ώς δυνατόν βοηΒ-ηΟετε^^
βοηϋ^εΐν ώς δυνατόν Ιύτι, necessaria ministretis, χατα το δυνα-
τόν βοηϋ^είν) statt ηλΟ-ατε προς με, εις τας εαυτών οχηνώματα-
προϋ^ύμως άποδέξεοΰ^ε {οτέγην sc. προοφέρειν, hospitium sc. de-
ferre, δεξαοθ^αή statt ουνάγετέ με.
Resch, Agrapha a. a. 0. 66 will diesen Unterschied durch
Annahme eines hebräischen Urevangeliums erklären. Doch
scheint hier ein ganz anderer Text als Mt. 25 35. 36 vorzuliegen,
der es fraglich macht, ob überhaupt an diese Stelle unsres kano-
nischen Evangeliums zu denken ist.
Namen- und Sachregister.
= Κηρύγματα IltTQov; K. Π. R --= antimarcionitische Überarbeitung
/7.; 77. J7. =-= Πράξεις llhTQoc; Kl. = klementinische Grundschrift;
(omilien; R -^ Rekognitionen; Ε = Epiiome; Ep. Petr. = Brief des
an Jakobus; Cont. =- Contestatio oder διαμαρτυρία; Ep. Clem. ==
Brief des Klemens an Jakobus; Λ. ^= Anmerkung)
η Κ, 77. 107. ] 22.
/r. 77. 04. 96. 104. 107 f. 122, 130.
labl 54. 141. 143. 162.
m 22. 25. 91. 104. 107. 115 f
127. 141.
2. 22 f. 25. 32. Ol. 03 f. 05 A.
J8. 114. 116. 122. 127. 129 f.
168.
ies aus Apamea 74. 367.
ler von Abonuteichos 20<i.
ler Severus 70. 73 ff. 248.
Iria 17. 20. 22. 37. 00. 90.
mentliche Zitate 24 f. 7ß. 165.
i59ff. 266 ff.
μονίακωβον 167 f. 2'M A. 386.
rismen 34 ff. 49 f. 25<λ
)n 29 f. 3:>. 184. 252.
dus 187.
►ologieinii. 77. Ulf. 117.124.
η Kl. .')2. 147.
ist43u.A.lo4.l07.122.137u.A.
ia 6. 7. :;:. 1.35. lS2ff. 194.
!07ft•. 240 ff. 241 ff. 372.
175 f.
e, christl. 50. 55. 61 A.
beschichte, kanonische 61. 03.
170. 103. 197. 202. 204. 207.
21 5 f. 2 18 ff. 223 ff. 230. 236.
248. 26Sf. ;J01 A. :;14. 324.
. 350f. :{5:i \ν'ΛΪ.
Appion 29f. 31. 184. 252.
Aquila 19. 29. 34. 36. 51. 97. 134. 2.52.
Arianismus 369. 371.
Asketisches in K, 77. 130; in 77. 77.
143. 387; in Kl. 53.
Astrologie 49. 141.
Athanasianische Synopsis 372.
Athenodor 29 f. 252.
Bardcsanes 142. 161. 256 ff. 367 f. 382.
386. 380.
Bamabas 11. 17. 22. 51. 54. 00. 109.
167 A. 171. 323.
Basilides 153. 161. 175. 386.
Baumstark 239.
Baur 16. 51. 76. 78. 133. 152. 154. ;3S4.
Berenice 29 f.
Bergmann 381.
Berytus 29f. 181. 240 u. A.
Beschneidung 53. SO. 83. 128. 142.
150 ff. 21 If.
Bigg 17 A. 61 A. 70. 369 f.
Bischof 20. 53. 61. 64 ff*. 162. 180 ff.
185. 188. 247. 388.
Bischofsliste» römische 62 f. 220.
Böse, das, in Kl. 27. 37. 146; in K, IL
104 ff. 146.
Boußset 250. 381.
Bußdisziplin »J5 ff. 77.
Byblus 30. 182. 200.
:392
AVaitz, Die Pseudoklementinen.
Cäsarea 7. 17. 23. 26 ff. 29. 34 f. 85.
89 f. 118. 151 f. 169. 173. 180f. 194.
201- 235. 237. 244. 247. 241». 366. 369.
Cedren 40 A. 373.
Celsus 206.
Cerdo 161.
Chapman 70.
Chawner 58. 253.
Christenname 11. 54.
Chnstentam im Verhältnis zum Juden-
tum nach K. Π. 126 f. 128. 143.
161 f. 382; nach Ep. Petr. u. Cont.
SO f. 83; nach K. Π. R 109. 143.
382; nach Π. Π. 203. 383. 387 ; nach
Kl. 53 f. 142 f. 383. 385; nach Η 11.
33. 83. 360; nach R 33. 370.
Chiistologie in K. Π. 91—98. 104. 107.
usf. 122. 126f. 130. 140f.; in Κ,ΪΙ,
R 92. 109. 143; in Kl. 52 f. 126.
143; in Ep. Cl. 5; in Η 5; in R 5;
in E. 0. 11.
Chroniken paschale 43 f. 381.
Coniititutiones ap. 63. 228. 387.
Contestatio 54. 79. 384.
Cotelier 371. 373. 382.
Credner 271. 298. 324. 327.
Dämonen 12. 33. 49. 52. 72. 115. 182.
190. 207.
Delitzsch 388.
Diakonen 29. 61. 64 ff. 72. ISO ff. 247.
Dialoge des Klemens und Aj)pion
30 f. 50. 251 ff. 3GS.
Dialoge des Petrus und Appion 255 f.
Didaskalia 19S. 228.
Dionysius von Korinth 220. 229.
Dodwell 3. 86. 257.
Doketismus 110 f.
Dora 29 f. ISO.
Dositheus 20 f. 38. 172 f.
Dressel 13.
Ebenbild Gottes s. Anthropologie.
Egypten 55.
Ehe 5. 130.
Eid in Ep. Cl. 80; in Ep. Petir.
Cont. 80 f. 141.
Elkesai und Elkesaitismus 74. 1
127 f. 140 ff. 152. 155 ff. 366. 368.
Engel 25. 103. 114. 118f. 165. 175
Enthusiasmus 131. 155.
Ephraim von Cherson 8. 14. 373.
Epiphataiusei. 125. 128 f. 151. 286. .-
Epitome 7 ff. 13 ff. 37.3. .379.
Erbes 201.
Esau 104. 107. 122.
Eunomius 370 f.
Eusebius 71. 75. 223. 228. 231 A. 2 ^
255. 256 A. 257. 323.
Eva 108. 122. 131. 148. 157.
Evangelien, kanonische, in A'. J7. 1
361 f. ; in AT. /2. R363 f ; in /7. Π.
in Kl. 53. 61. 72 f. 364 f.; in Η
in R 365 f. ; unkanonische 281.
296. 305. 362. 365; Evang.
Ebiöniteh 128. 133. 141. 327.
Evang. des Nikodeibtts 354; Petrv^vs•
evang. 152 A. 341. 347. 362.
u:
12
1
7,
1.
i);
f.
er
2;
Fasten s. Asketisches.
Faustsage 375.
Faustus 34. 36 f. 40. 49 f. 183. 18•^ f•
251. 258.
Ficker 193. 201 f.
Franko 374.
Freiheit des AVillens 28. 52. 104. W^M^^-
118. 124.
Frommberger 385.
Furcht Gottes 53.
Gabala 187.
i Gajus 222. 22i) A.
' Geheimlehre in K. Π. (23.) (81.) ^^•
94 ff. 106. 117. 125. 134. 158; ^^
i Ep. Petr. 79. 81 f. ; in K. Π. R \C^'
1 109; in Kl. 83.
Geist, hl. 140. 146. 156. 300.
Gelasius 229.
Genesis, astrologische 35. 40. 49. IB^•
' 258 f.
Namen- und Sachregister.
393
Gennadius 871.
Gerechtfe,altteBtanjentliche25. 05. 102.
115f. 126 Δ. 145.
Gesetz, vorsintflutlichee in K. Π. 22.
lUf. 118. 120; mosaisches in K. Π. i
Sl.00.1(XU(>2f. lll.lUff. 127f.270. \
Gesetzeserfüllung in /i. U. 112. 123. ■
12S. 1Γ)5.
G frörer 78.
Giganten 22. 104. 107 f. 122. '
Glaube 53. 00.
Gnosis und Gnostizismus 55. 122. 142.
101. ISS.
I
Handauflegung 224.
Haj^ack 1. 70. 2(Jl.
Headlam aSO.
Helena 20f. 172ff. 175 ff.
Heliogabalus 73.
Henoch 25. 115.
Hieronymus 47. 102. 254f.
Hilgenfeld 3. IG. 31 f. 71. 78. 82. vS4.
sGf. 02. 04. 133. 153. 1;54. If37. 175.
li>3ff. 107 f. 201 f. 255. 257. 271. 207.
313. 327. 371. 385 f.
Himmel, zwei, in K. 77. 103. 113. HO.
124. 153. 381.
Hippolyt 02 f. (iO. (10. 74. 125. 127.
151. 227. 24.'» f.
Homilien5. Stf. 17tf•. 4(>f. 100. 3ö8ff.
3su. 3.S4.
Hort 71. 16s. 2."=)7. 370 tf. :iS3 f. 388.
Jakob in K. IL (25.) 104. 1(^7. Il5f.
122. 127. 130.
Jakobus, der Bruder Jesu, in K. IL 00.
135; in Ep. Petr. u. Cont.OSf. 70 f.;
in /t. 77. R ί»3. 100. lOSf.; in Kl. 54;
in Ep. Cl. .'). liSf.; in Η 5; in R 372.
:387.
Jerusalem 7. 43. 00. 130. 151 f. 150.
10i»f. 103f. I!i7. 23Π. 233.235.241.
240. 2i)7.
Johannes der Taufer 20. :iS. 1()7. K^O.
122. 131. 144. 172. 2!)0.
Johannes der Apostel 224 ff. 242.
Johannes Damascenus 40 A. 372.
Irenäus 02. 75. 120. 164. 245.
Isaak in K. 77. (25.) li>4. 107. 115. 127.
Judaa 183. is5f. 104. 233. 235. 237.
241. 240.
Judenchristentum s. Christentum.
Justa 10.
Justin 20. Ol. 144. I04ff. 105ff. lOOA.
204. 214 A. 245 f. 202 f. 281 f. 283.
285 f. 288 f. 280. 3(K). 305 ff. 313 f.
324 f. 327. 335. 337. 301. 363 f. 367.
382.
Kain in K, 77. 04. 06. UH. 107 f. 1 22. 131 .
Kaiser, römischer 55. 73 f.
Kaliist (>6 ff.
Katechet 40 f. 05.
Kerinth 125.
Κήρυγμα Πέτρου 1ί)7. 221.
Κηρύγματα Πέτρου^ Bezeugung 82 ff.
384; Rekonstruktion 88 ff.; Charak-
ter 80. 125 ff. 162; Heimat und Zeit
151 tf. 306; Überarbeitung 88. 03 tf.
lOStf•. 163 tf. 366.
Keuschheit (σωφροσύνη) in Kl. (5.)
34. 38. 49. 53. 50; in Ep. Cl. 5.
Kirche, Verfassung ders. 7. 1 5. 53. 76.
188. 101. 240.
Klaudius 100 f. lOS. 230. 233. 237.
230 A. 241. 247. 25Π. 252.
Klemens, Flavius 75.
Klemens von Alexandrien 221. 227.
231 A. 2:iS. 245. 387.
Klemens von Rom nach Kl. 48. 54.
02. 75. S2 U.Ö.; nach Ep. Cl. 7; nach
Η 0. 17; nach R 1 7 ; nach Ε 7 ; in
Ep. Petr. S2; in 77. 77. 18i)f.
— , Brief des Klemens an Jakobus
3 ff. 6. 64 f. 70. 84. 370. 384.
Klementinische Orundschrifb, Bezeu-
gung 6. 40 ff. 381; Rekonstruktion
10 ff. 370f.; Zweck 48ff. 55; Cha-
rakter 50. 51 ff.; Heimat 60. 3S3f.;
Entstehungszeit 61 ff. 70 ff.
Kommodian 222. 228.
Könige, die zwei, des gegenwärtigen
394
AVaitz, Die Pseudoklementinen.
und kommenden Aon (== Christus
und der Teufel) in K. 77. 101. 103f.
105f. 110. 112. 116. llSf. 120 ff.
127. 140. 146; in Kl. 28. 52. 146;
in Ep. Cl. 5; in Η 5.
Korneliue 188 ff. 198. 208.
Kosmologie in /i. 77. Ol. 114. 145 f.
147; in Kl. 52. 147.
Köstlin 167.
Kreyenbühl 388.
Lagarde 204. 3()1 A. 331 A. 373.
Laktantius 222.
Laien 65.
Langen 4. 7 ff . 61. 76. S3. 80. 152.
369. 371.
Laodicea 26. 34. 87. 40. 1S8 ff.
Lehmann 10. 31 f. 83. 86 f. 94. 250.
271. 323. 365.
Liebe (φιλανθ^ρωπία) in Kl. (5.) 34.
36. 40. 58. 56; in Ep. Cl. 5.
Lipsius 16. 86 92. 94. 1830*. 161. laS.
196. 198. 201. 2060' 2()9. 211 f. 2 13 f.
222. 228. 2r]Uf. 236 f. 288 f. 384. 88<).
Logos 126. 146.
Magier 74. 104. Iu7. 115. 188f. 247 f.
Malala 285 f.
Mannweibliche, das 53 A. Ulf. 124.
145 f.
Marcellus 196. 244.
Marcion 24. 27. 88. 49. 60. 88. 97. 99.
102. 106. 110. 184. 143. 144. 147.
152 ff. 108 ff. 174 ff. 1S7. 2S8f. 285.
287. 307. 837. 348. 367.
Maroones 182.
Materie 121.
Mattidia 84. 88. 51. 2-31.
Alaximus Konfessor 40 A. 872.
Mensch s. Anthropologie.
Merx 267.
Meyboom 204 f. 875. 879 ff. 883 ff. 8KS.
Michael Glykas 40 A. 378.
μοναρχία 6. 65. 74. 81. 121.
Montanismus 154. 158.
Moses in /i. 7/. i22. 25.) ί)1. 96. lU4.
107. 115. 116. 122. 129; in K. Π.
R 109.
Muratorisches Fragment 202. 216 ff.
219 f. 229 A. 235. 238. 243.
Mythologie, heidnische 12. 30. 4iif. 252.
Nasaräer 125. 129.
Nau 257.
Neander 16.
Nero 197. 211. 213. 228. 280. 283.
235. 237. 239 A. 240.
Neutestamentliche Briefe in K. 77.
llOf. 113. 133 ff. 138f. 140. 142.
204f. 210. 301 A. 361; in 17.17. 353.
864; in Kl. 53 f. 61. 72. 831 A. 364;
in Η 365; in R 365; in E. 5. 9.
Nicephorus Kallieti 40 A. 373.
Nicetas 19. 28f. 34. 36. 51. 252.
Nikon Monachus 40 A. 372.
Noah in K. 77. (22. 25.) 104. 107. 115.
116. 122.
Offenbarungen 100. 118. 138. 155.
Opfer in K. 77. 115ff• 128. 130f. 132f.
881 f.
Ophiten 161.
Opus imperfectum in Mt. 40ff. 70. 381.
Origenes 40. 66. 70f. 73. 151. 152.
221 f. 231. 2:84. 287. 2S6. 327. a^l.
Orthosia 187.
Ossäer 125. 140. 155 A.
Palästina 151. 198f. 237. 249.
Paltus 187.
Paulinus von Nola 371.
Paulus in K. 77. 100. 104. 107 f. 110.
118. 118. 183tt'. 136 ff.; in K. Π.
R lOii; in 77. Π. 169; Reise nach
Spanien 202. 215. 218. 221 f. 228.
233f. 237. 241. 243. 250; Aufent-
halt und Martyrium in Rom 215.
219 f. 221 ff*. 228. 280. 234. 240. 250.
Paulusakten 22 If. 23 1 A. 287. 238 f. 243.
Perikopen, falsche, im Pentateuch in
7i.77. (23.) 95 f. 116. 129. 144; vgL
6. 12. 809.
Namen- und Sachregister.
395
Petras in K. IJ. 85 f. 8i). KK). 104.
107. 122. 13üf. 138 ff; in Ep. Petr.
u. Cont. 70 ff. 81; in K, 77. R 100;
in /Z. Π. 29ff•. 37 f. 47. 1700'. 1730*.
178 ff•. 180 f. 182 ff'. 185 f. 187. 100 f.
101 ff•. 105. 108f. 201f. 203f. 247.
aOS; in Kl. (5 f. 17 f. 34.) 40. 50. 54.
00. <λ8; in Ep. Cl. 3. 4. 5. 60ff'. 68ff• ;
in Ε 4. 7 f. — Heidenapostel 76 A.
240; Aufenthalt und Martyrium in
Rom 70 Α . 21 5 ff*. 210 ff. 221 ff. 228 f.
. 2.30. 234 f. 237. 230 Α . 240. 243.
250 ; Brief des P. an Jakobus 70 ff*.
306. 384.
Petrusakten in den Klementinen: In-
halt 171 ff'.; Charakter 186 ff'. 246 f.;
Heimat 243 ff'. 308. 388 ; Entstehungs-
zeit 245 f.; andere Petrusakten 18i»ff.
102ff. 106ft•. 2010'. 214. 222. 225ff•.
227. 231 A. 232 ff". 238. 230 ff'.
243 f.
Petrus- und Paulusakten 211 ff'. 222.
231 A. 236 ff*. 230. 243.
Petrus von Alexandrien 222.
Pharao in R 11. 104. lls. 122.
Philippus 200. 223 ff'.
Philippusakten 225.
Philokalia 40. 70 f. asi.
Prädestinationslehre in 7i. 77. 101.
113. 118f. 124. 381.
Presbyter 20. G4f. 00. 70f. 141. 11)2.
180f. 182. ISS. 247. :\H').
Preuschen 41. 44. 271.
Prophet, der wahre, in 7i. IL {'21 f.
23.) 85. soff. 03 ff•. llOf. 113. lUf.
llüf. 123. 126. 130. 270; in Kl. 5.
:-i3. 40. 53. 126; in Ep. Cl. 5; in
Ε lUf.
Piophetie, die fiilsche, in Ä". 77. 82.
04. 06. 117. 12S 131 f. Ifhiff'.
Propheten, die alttestamentlichen, in
/i. 77. (34.) 120 f. 132 f. 144. 205.
270; in Ep. Petr. 82; in 7i. 77. R
1U2. 100. 144. 105. 261 f.; in Kl. 34.
53. 144.
Ptolemais 20 f.
Rekognitionen 0. 14 f. 170* 400*. 48 f.
370ff•. 372f. 380.
Resch 288. 307. 314. 327. 3ίΚ).
Richardson 374.
Ritschi 16. 257.
Robinson 70.
Rolffs 67 f.
Rom 6. 7. 60. 73. 151. 180. 186. 103 ff*.
liKSf. 201. 227. 228. 230. 233 f. 237.
240 f. 240 f. 360.
Rothe 76.
Rufin 5 A. 6. 17 Α . 48 Α. 64.85 370.
372 f.
Sabbath 53. 142. 150 f. 382.
Salmon 370. 385.
Samarien 103. 210. 226. 23a 235. 240.
Sampsäer 125. 155 A.
Schliemann 16. 78. 81. 83. 154. 257.
370. 3S4.
Schmiedel 210f.
Schmidt 101. 103. 200. 201 f.
Seh wegler 16. 154.
Seeberg 17 A.
Sekten, jüdische 108 f.
Serer 74. 250.
Sidon 20 f. 181. 240.
Simeon Metaphrastes 8. 235. 373.
Simon Magus in A'. 77. = Paulus 100.
104. 107 f. llOf. 118. 122. l.^fl'.
136 f. 138 ff*. 187. 200. 203; in K. 77.
R = Marcion (40.) 102. 110. 1(34.
187. 368; in 77. 77. = Magier und
P8eudomessias(18ä•. 20.) 160 f. 1720'.
175 f. 177 f. 170. 186 f. li»2f. li>0.
245 f. und nicht — Paulus 203 ff.
206 0'. 211. 23a asS; in anderer
Littemtur 100 A. 2(>0tt'. 211ff'. 223 ff'.
227 f. 2200*. 233. 235 f. 237 f. 241 ff'.
3SS; Begleiter des Simon 20f. 173 f.
170.
Sophia 146. 165. 173.
Stoische Philosophie 152. 386.
Sünde nach K. 77. (22.) 02 A. 148. 3sl ;
nach Kl. 52. 02 A. 148.
Syzygien nach K. 77. 104. 106 f. 121.
:W6
Waitz, Die Pseudokl einen tinen.
135. 147. 153. 385; vgl. dazu 6. 12.
369.
Synkretismus 73f. 77. 126. 142f. 151.
155. 369.
Syrien 151 . 1(> l. Ιίβ f. 230. 241f. 244. 388.
Taufe nach K. Π. 111. 116. 124. 128.
141. 143. 162. 300. 354. 387; nach
K. Π, R 382; nach Π. 77. 180 f. 182.
184; nach Kl. 37. 49. 50. 53. 141 A.
143. 324. 387; nach Ε 9.
Tempel 43. 115f.
Tertullian 63 f. 66 f. 164. 218. 222.
269. 327.
Teufel (8. auch Könige) nach K. 77.
(42.) 95. 104 f. 106. 116. 120f.; nach
Kl. (5.) 52.
Theologie in K. 77. (81.) 92 A. 97 f.
99f. 117. 121 f. 145. 381; in Ep.
Petr. u. Cont. 81; in K. 77. R 97.
145 A. 165; in Kl. 36. 49. 52. 145.
Theophilus 184. 244. 247.
Thomas 18. 167 f. 388.
Thomasakten 167 f. 367. 386.
Tiberius 196. 237.
Trinität 8. 300.
Tripolis 23. 29. 31 ff. ISO. 182. 209. 249.
Tübinger Schule 1. 200ff. 214. 250.
Tyrus 29 f. 181. 249.
Uhlhorn 11. 16ff. 31 f. 41. 7a 81. 83.
86. 167. 255. 257. 259. 365. 371.
379. 380. 384. 385 ff. 388.
Unigenitus 32. 147.
Unsterblichkeit 28. 115f. 173. 177f.
Valentin 161.
Vergeltung (Lohn und Strafe in der
Ewigkeit) 5. 28. 53. 81. 103. 112.
115. 118f. 120. 123. 132. 148. 382.
Verfolgungen 72. 157.
Volkmar 209.
Vorsehung s. Theologie.
Waschungen 11. 53. 55. 142. 383. 387.
Weizsäcker 219.
Werke 53. 55. 123 f.
Wille s. Freiheit.
Witwe 13. 29.
Zacchäus 8. 18. 21. 24. 26• 28. 34.
64 f. 174. 180. 244. 313.
Zahn 201. 217 f.
Zoroaster 46.
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S. 16, Z. 19 V. 0. lies: ursprünglicher.
S. 34, Z. 4 V. 0. lies: Mattidia.
S. 96, Z. 11 V. 0. lies: H35i, statt: Η 2bi.
S. 124, Z. 2 V. u. lies: dargetan, statt: abgetan.
S. 135, Z. 10 V. 0. lies: R 356, statt: R 365.
S. 208, Z. 12 V. 0. lies: Η 13β.2ΐ, statt: 136.
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DER GANZEN REIHE XXV, 4
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1904
4
^yß 6 1973
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3 2044 038 381 760
WAITZ, Hans
Die Pseudoklonentinen
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Bd.25
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